Gitarre defekt - auf den Sperrmüll?

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Don Lucio
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Gitarre defekt - auf den Sperrmüll?

Erstellt: von Don Lucio » 31.05.2016, 18:16

Habe die Gitte im Versand gekauft, daher tue ich mich schwer, zu meinem Händler um die Ecke zu gehen und ihn um Hilfe zu fragen. Versuche es also zunächst mal mit Selbsthilfe, also d.h. mit Eurer Hilfe ...

Die Gitte ist eine Westerngitarre Fender Sonoran California Series Thinline, hat vor 2 Jahren 279 Euros gekostet. Eigentlich eine solide Qualität, aber was sich jetzt entwickelt, habe ich von Fender nicht erwartet.

Mir fiel seit einiger Zeit auf, dass die Töne unsauber wurden, die Saiten schnarren. Egal ob offen oder gedrückt gespielt. Nach längerer Ratlosigkeit glaube ich die Ursache herausgefunden zu haben: Die Saitenlage ist zu niedrig. Im ersten Bund schweben die Saiten nur einen Millimeterbruchteil über dem Bundstäbchen und wenn ich einen Bund drücke, dann setzt sich diese minimale Höhe über alle Bünde fort.

Das war zu Anfang nicht so. Warum mit einemal? Ich vermute, die Saiten haben sich in die Kerben der Nut oben an der Kopfplatte (auch Sattel genannt) tiefer eingegraben als es beim Verlassen des Werks der Fall war. Weiß' nicht, kann sein oder auch nicht. Fakt ist jedenfalls (so glaube ich zumindest), dass dieser winzige Abstand zwischen Saite und Griffbrett die Saiten zum Schnarren bringt.

Also, was ist zu tun?

Mein erster Impuls war, diese Kunststoffschiene mit den Kerben (Sattel) herauszunehmen und eine kleine dünne Plastikschiene darunter zu legen (hab ich bei meiner allerersten Gitte, einer billigen von Aldi, schon mal mit Erfolg praktiziert). Nun kommt das eigentliche Problem: Der Sattel bei meiner Fender ist fest eingeklebt. Ohne zerstörerische Aktionen krieg ich den nicht raus.

Hat jemand eine Idee, wie man auf anderem Wege die Saitenlage (über den unteren Bünden) erhöhen könnte? Die Möglichkeit, an der Brücke die Unterlegschiene anzubringen, habe ich verworfen, weil es würde zu einer extremen Erhöhung der Saitenlage über den höheren Bünden führen.

Danke im Voraus.
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Software-Pirat
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Re: Gitarre defekt - auf den Sperrmüll?

Erstellt: von Software-Pirat » 31.05.2016, 19:01

Wenn das Problem wirklich nur der Sattel ist, dann würde ich den Sattel gleich gegen einen komplett neuen austauschen bzw. vom Fachhändler austauschen lassen. Ideal sollen welche aus Knochen sein, aber es gibt auch sehr gute aus anderen Materialen. Ich selber mal den Sattel an meiner Les Paul tauschen lassen und das war kein Problem. Bei einer Westerngitarre sollte es ähnlich verlaufen. Das die Sattel verklebt sind, ist jetzt nicht so ungewöhnlich, mit ein bißchen vorsichtiger Gewalt kann man die schon lösen.

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Funplayer99
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Re: Gitarre defekt - auf den Sperrmüll?

Erstellt: von Funplayer99 » 31.05.2016, 21:01

Ich hab den Fred mal in die Wekstatt verschoben,da ist er thematisch besser aufgehoben.
Jetzt zu deinem Problem.
Versuche vielleicht erstmal über den Halsstab nachzustellen bevor du dich am Satten zu schaffen machst.Es ist nicht ungewöhnlich dass sich das Setup bei Gitarren etwas verändern kann.Manche Gitarren reagieren da richtig sensibel z.B. auf die Änderung von Winter zu Sommer bzw.der daraus veränderten Luftfeuchtigkeit...andere reagieren kaum.
Es wird ja nicht soviel höher zu stellen sein dass man viel machen braucht,denn der Abstand von den Saiten zu den ersten Bundstäben ist eh recht gering.Und wenn es nur schnarrt, dann kann das nicht die Welt sein.
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Don Lucio
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Re: Gitarre defekt - auf den Sperrmüll?

Erstellt: von Don Lucio » 01.06.2016, 12:23

Funplayer99 hat geschrieben:Versuche vielleicht erstmal über den Halsstab nachzustellen.

Kurz & knapp: Das war's! Der Hals hat jetzt zwar eine leicht konkave Form angenommen, aber das sieht man nur, wenn man gaaanz genau hinschaut. Das Schnarren ist jedenfalls weg.

Danke!
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Re: Gitarre defekt - auf den Sperrmüll?

Erstellt: von Funplayer99 » 01.06.2016, 13:43

Bitteschön
Super dass du deine Gitte recht einfach wieder flott machen konntest.
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Re: Gitarre defekt - auf den Sperrmüll?

Erstellt: von Ratatosk » 01.06.2016, 15:22

freut mich ebenfalls, denn ich war gelinde gesagt etwas erschrocken zu lesen, dass ein Schnarren schon ein Fall für den Sperrmüll darstellen sollte.
Alleine das Wechseln auf andere Saiten oder andere Saitenstärken macht es manchmal notwendig am Halsstab eine Korrektur vorzunehmen. Und bei einer Westerngitarre ist das in der Regel auch kein großer Akt. Bei einer klassischen Gitarre wäre so ein Schnarren eher Auslöser zur Sorge :?

Das Gute ist, dass wenn man einmal ein Gefühl für solche Dinge entwickelt hat, auch einiges selber an seinen Instrumenten verbessern kann. Weiterhin viel Spaß mit der Fender


Nachtrag: ich lese oft, dass die Leute eine gewisse Scheu haben mit einer Gitarre aus dem Internetversandhandel in das "kleine" lokale Musikgeschäft zu marschieren. Allerdings sollte man hier direkt einen Indikator für guten oder schlechten Service vorfinden. Wenn mir der lokale Händler erstmal vorheulte oder schlimmer noch mich dafür ansauen würde, dass ich die Gitarre woanders gekauft hätte, dann wäre der Laden für mich tabu. Ein guter Verkäufer würde mich mit seinem Service überzeugen und zwar so sehr, dass ich zukünftig gerne bei ihm vorbei schauen würde um auch evtl. einen Neukauf zu tätigen.

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Re: Gitarre defekt - auf den Sperrmüll?

Erstellt: von Software-Pirat » 01.06.2016, 18:21

Also, streng genommen kann man eine Gitarre ja auch Geschenk bekommen, gebraucht gekauft haben, oder man ist erst hergezogen... Da wird wohl kaum der kleine Musikladen um die Ecke einem einen Vorwurf machen (außer der Thomann-Aufkleber ist noch auf der Kopfplatte geklebt). Außerdem, mit dem Einstellen des Instruments bzw. des Service verdienen die ja auch Geld.

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Re: Gitarre defekt - auf den Sperrmüll?

Erstellt: von mjchael » 06.06.2016, 18:13

Solange man bereit ist, für die Reperaturen den entsprechenden Arbeitslohn und die Materialkosten zu zahlen, denke ich auch nicht, dass es Probleme geben sollte.
Das sollte bei allen Gitarren, die außerhalb einer Garantie-Frist sind keine Probleme machen.
Meiner Erfahrung nach ärgern sich Gitarrenbauer nur darüber, dass sich Leute bei diversen Supermärkten eine Billig-Gitarre kaufen, und von einem Fachhändler erwarten die Mängel der Schrott-Gitarre zu beseitigen. (Nicht gemeint sind damit günstige aber gute Schnäppchengitarren.) Besonders nervig sind die Probleme wie Saiten richtig aufziehen und Stimmen, sowie Beurteilung einer Billigst-Gitarre. Also Arbeiten, die kein Geld einbringen, und nur Zeit rauben. Aber auch das habe ich schon mit Erfolg gemacht. Nur muss ich dazu sagen, dass ich mich gleichzeitig mit Liederbüchern und Lehrbüchern eingedeckt habe. War dann nicht so das Problem.

Fragen, ob ein Gitarrenbauer etwas machen kann, sollte nie ein Problem sein. Schlimmstenfalls nimmt man seine Gitarre unverrichteter Dinge wieder mit.

Aber schön, dass Funplayer99 bei diesem Problem den richtigen Riecher hatte.

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