Von Tabs emanzipieren

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ambitious
meint es ernst
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Von Tabs emanzipieren

Erstellt: von ambitious » 21.03.2015, 14:49

Hey allerseits,

ich spiele jetzt seit einer Weile und habe mich irgendwann quasi aus Versehen auf 'Fingerstyle' spezialisiert. Das macht eine Menge Spaß, aber ich bin sehr abhängig von Tabs.

Solange ich zu Hause übe, ist das nicht weiter tragisch, aber je schöner das Wetter wird, desto lieber hänge ich draußen mit meiner Gitarre rum und da ist es einfach unpraktisch, ständige 5+ Seiten Tabs ausbreiten zu müssen.

Jetzt kann man sagen: 'Lern die Lieder einfach auswendig', aber das dauert ja ewig, weil die meistens nicht gerade kurz sind. Vielleicht bin ich auch zu langsam im Kopf.

Daher die Frage, wie mache ich mich unabhängig von Tabs? Welche Mittel gibt es, sich Musik zugänglicher zu machen und nicht einfach vom Blatt zu spielen? Denkt ihr es hilft, etwas mehr über Musiktheorie zu wissen, damit man die Musik besser versteht?

Eine Analogie wären Latein-Deklinationen. Einfach listenweise Tabellen auswendig lernen konnte ich nie, aber wenn ich die Formen einmal selbst übersetzt hatte, habe ich sie nie wieder vergessen.

Wie nabelt ihr euch von dem ganzen Papiergestöber ab?

everyBlues
Pro
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Erstellt: von everyBlues » 21.03.2015, 15:54

naja das ganze auswendig lernen, ist u.a ein gutes Gedächnistraining.

Ansonsten, versuche doch nur einmal das Thema aufzugreifen. Warum- ich höre das oft- muss man denn das Ganze genauso spielen wie die tabs es vorgeben? Was zwingt einen denn dazu?
Zumal ich auch schon- nicht selten-festgestellt habe das Tabs nur bedingt "richtig" sind, oder vorteilhaft.

Man kann doch aber auch das, was man bereits gelernt hat, variieren. Also daraus dann eigene Sachen machen. Bei mir ist das so, das ich mir sowas "eigenes" gar nicht merken muss, weil es bereits in mir drin ist ;).

Zur Musiktheorie- Frage: Das schadet nichts wenn man sich ein wenig damit beschäftigt. Zum Einem bekommt man ein besseres Verständnis für das was man so nachspielt/ covert. Und zum Anderen kann man alles was man bisher gelernt hat ( aus den Stücken die man covert), auch anderweitig besser verwenden.

Edit.: Freimachen von den Gedanken "gut und schlecht", "richtig und falsch".
Keine Angst haben sich von Tabs zu lösen, weil man dann vllt. denkt, ohne Tabs, was falsch zu machen.

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mjchael
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Erstellt: von mjchael » 23.03.2015, 09:44

Ich konzentriere mich meist nur auf die Melodielinie. Und meist verwende ich Stücke, die allgemein bekannt sind. Ich kenne halt die Melodie, und das ist auch schon meine Gedächtnisstütze. Mit der Musiktheorie, die everyBlues angesprochen hat, leite ich mir viele Akkordfolgen ab, so dass ich dafür wendiger Gedächtnisleistung braucht, als jemand der sich Akkord für Akkord durchhangelt.

Die Begleitung baue ich aus dem Bauchgefühl zusammen. Verzierungen wie Bassläufe und Hammerings baue ich da ein, wo es passt. Auch aus dem Bauch heraus, wobei mir natürlich viel Erfahrung zugute kommt. Entspricht dem, was everyBlues gesagt hat: sich nicht zwanghaft an eine Vorlage halten, sondern diese nur als Ideenquelle zu nutzen. Wenn ich C Am F sehe, versuche ich automatisch einen Basslauf C C/H Am Am/G G einzubauen, auch wenn der im Tab nicht vorkommt, und schaue hinterher, ob es sich beim Lied gut anhört.

Sus-Verzierungen, Hammerings und Pulloffs ergeben sich oft aus dem Akkordmaterial und dem Stil des Songs. Dabei ist es eine Misschung aus Standard-Sachen, Vereinfachungen, und einige ganz speziell für den Song typische Sachen wie das Intro. Aber du musst natürlich zwischen Üben eines Songs und dem Aneignen eines Repertoires unterscheiden. Für das einfache Klimpern sind meine Stücke meist etwas einfacher gestrickt, und nur wenn ich ein Stück vorführen will, arbeite ich es besser aus. Für den Alltag konzentriere ich mich mehr auf Standard-Spieltechniken, die ich nicht nur bei einem Lied gebrauchen kann.

Für das Klimpern auf freier Wildbahn habe ich zudem einige Stücke, die allgemein bekannt sind, und nicht ganz so schwer wie die Stücke, die ich für irgendeinen Vortrag gesondert üben muss. Ich habe einen kleinen Vorrat an Fingerstyle-Stücke, die auf Standard-Akkordfolgen fußen, so dass man diese ziemlich schnell lernen kann. Es gibt dann hächstens ein oder zwei Passagen, die etwas mehr Aufmerksamkeit erfordern.

Gruß Mjchael
Zuletzt geändert von mjchael am 23.03.2015, 12:13, insgesamt 1-mal geändert.

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Phuehue
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Erstellt: von Phuehue » 23.03.2015, 11:37

Was mir hilft: Die Tabs aufdröseln und schauen, was für Akkorde da eigentlich dahinter stecken?
Sprich: Spiel den Song mal nur mit den Akkorden. Einfach durchgeschrummelt, ohne irgendwelche Pickings etc. Und dann schaust du mal, in welchem Kontext die Pickings zum jeweiligen Akkord stehen? Nebst dem, dass du dabei auch automatisch ein bissel Harmonielehre-Kenntnisse aufbaust (Ah... das ist die Sext von Amoll etc.) fällt es mir wesentlich leichter, die Licks / Tabs an den jeweiligen Akkorden anzuhängen. Wenn ich also weiss, dass der Song zB aus Am / C / G / D/F# besteht, dann such ich zu den geschriebenen Tabs die buchstäblich naheliegendsten Akkorde heraus.

Dadurch beschäftigst du dich mit dem Song und erhältst Kontext-Information. Das alleine reicht mir meist schon aus, dass ich mir dann die Tabs recht einfach merken kann, da die Akkordfolgen selbst ja meist recht einfach zu merken sind.

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