Das Gitarren-Griffbrett: Orientierung und Töne & Noten lernen

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mjchael
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Das Gitarren-Griffbrett: Orientierung und Töne & Noten lernen

Erstellt: von mjchael » 03.09.2011, 13:56

Wie man Noten auf dem Griffbrett findet wurde schon an vielen Stellen beschrieben.

Ich möchte hier mal versuchen, das Wichtigste zusammenzufassen.
Ich will aber nicht einfach euch ein paar Tabellen vorsetzen, sondern die Sachen so aufbauen wie ich es für meinen Gitarrenunterricht verwende.

Lektion 1
Die Namen der 6 Saiten

Das allererste, womit man üblicherweise anfängt, dass sind die Namen der 6 Gitarrensaiten

Von oben nach unten: E A D G H E

Es gibt dafür einen Merksatz:
Ein Anfänger der Gitarre hat Eifer
oder wer mag:
Eine alte Dame ging Heringe essen
Bild

Verwirrend ist, dass die obere dicke E-Saite vom Klang her einen tiefen Ton hat, während die untere E-Saite vom Klang her einen hohen Ton hat.

Ein Gitarrenlehrer sollte daher ganz klar zwischen oben und unten sowie zwischen hoch und tief unterscheiden, und sich ständig bewusst sein, dass es bei der Klangbezeichnung hoch und tief zu Verwechslungen mit der räumlichen Anordnung der Saiten (oben / unten) kommen kann.

Wir stellen gleich zu Anfang fest, dass die beiden äußeren Saiten den gleichen Namen haben.
Hier sucht man zuerst nach Erfahrungen des Schülers. Ob er schon Noten lesen kann, ob er schon mal Blockflöte in der Schule hatte, oder schon mal auf einem Keyboard gespielt hat.

Wenn solche Erfahrungen nicht vorhanden sind, erläutert man kurz wie sich die Töne immer wiederholen.
C D E F G A H - C D E F G A H - C D E F G A H -
usw.

die Namen der Wochentage wiederholen sich ja auch alle 7 Tage
So Mo Di Mi Do Fr Sa - So Mo Di Mi Do Fr Sa - So Mo Di Mi Do Fr Sa

Wenn Zeit ist, spielt man als Gitarrenlehrer auf den beiden E-Saiten die gleiche Melodie.
Die tiefe E-Saite entspricht der tiefen Männerstimme,
und die hohe E-Saite entspricht einer hohen Kinderstimme.
Es gibt noch ein mittleres E (D-Saite 2. Bund), welches der mittleren Frauenstimme entspricht.

Wenn der Schüler neugierig beobachtet welche Töne gespielt werden, gibt man ihm schon mal so viele Informationen, das seine Neugier befriedigt ist, ohne dass es zu sehr ins Detail geht. Es gibt Töne, die man treffen muss, und noch ein paar Zwischentöne, die man später noch kennen lernen wird. Die die Zwischentöne werden üblicherweise einfach übersprungen, genau so wie man die Hälfte des Tages verschläft. Nur manchmal bei Ausnahmen verwendet man die Zwischentöne, aber die kennt man ja auch von den Wochentagen. Da geht man an den Arbeitstagen vor 24:00 Uhr ins Bett, weil man morgens um 6:00 wieder raus muss, aber am Wochenende bleibt man bis in die Puppen auf, weil man am Sonntag ja bis Mittags ausschlafen kann....

Wenn man das Bild ausreizen möchte, dann erklärt man verschiedene Tonarten durch die verschiedenen Zeitzohnen. Die Engländer stehen halt alle eine Stunde später auf, und die Amerikaner noch später. Es gibt zwar ein paar überschneidungen, aber wenn man Pech hat, schläft der Australier immer dann, wenn wir gerade wach sin.

So genau muss zu dem Zeitpunkt nicht alles verstanden werden, und die Bilder, die man für die Erklärungen verwendet müssen auch nicht so hundertprozentig stimmig sein, aber zumindest mal so weit, dass der Schüler eine ungefähre Vorstellung bekommt, die sich im Laufe des Gitarrenunterrichts näher ausbauen lässt. Und man braucht nur so weit auf die Theorie eingehen, wie es unbedingt benötigt wird. Und zum jetzigen Zeitpunkt geht es nur um das Stimmen der Gitarre, und auf welcher Saite man welchen Finger aufsetzt. Mehr braucht man im Augenblick nicht zu wissen.

Die Notennamen werden zu diesem Zeitpunkt nicht auswendig gelernt. Das kann noch etwas warten.

Dass die Engländer unser deutsches H nicht kennen, sondern es dafür B nennen muss man zu diesem Zeitpunkt nur dann erläutern, wenn es zufällig durch einen Saitenwechsel zur Sprache kommen sollte. (und auf der Aufschrift B steht, und nicht H) oder wenn auf einem Stimmgerät B steht und nicht H.

Ansonsten wartet man mit dieser Besonderheit ein paar Wochen, bis der Akkord H7 vermittelt wird.

Beim Stimmen der Gitarren nennt man jedesmal den Namen der Saiten, die verglichen werden sollen, und fordert den Schüler auf, diese zu finden. Man hilft jedesmal wieder mit dem Merkvers aus, und hilft auch mit der genauen Positionsangabe (erste zweite dritte von oben bzw. von unten) aus. Die ständige Wiederholung macht es.
Zuletzt geändert von mjchael am 02.01.2015, 00:42, insgesamt 3-mal geändert.

Musikbox
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Erstellt: von Musikbox » 03.09.2011, 14:31

Vielen Dank für diese kleine Lektion. Du verstehst es wirklich gut, die richtigern Bilder für deine Erklärungen zu finden!

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mjchael
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Erstellt: von mjchael » 03.09.2011, 14:35

Lektion 2
Weitere 5 Töne auf der Gitarre

Wenn man das Stimmen mit den Bünden lernt, lernt man automatisch noch weitere 5 Töne auf der Gitarre.

Bild

Alle Saiten werden mit dem Ton im 5. Bund verglichen.
Bild Bild Bild Bild

Es gibt nur eine Ausnahme zwischen der G- und der H-Saite. Man greift bei einer halbwegs gestimmten Gitarre mal in der G-Saite den 5. Bund, und vergleicht diesen mit der H-Saite, und stellt fest, dass dieser Ton gar nicht überein stimmt.
Bild

Dass es sich bei dem Ton auf dem 5. Bund der G-Saite um ein C handelt, braucht uns zu dem Zeitpunkt noch gar nicht zu interessieren.

Wichtig ist nur, dass man bei der G-Saite in den 4. Bund gehen muss, um das H für die nächste Saite zu bekommen.
Bild

Man weist schon mal darauf hin, dass dieses später, irgendwann mal, wenn man die Tonleiterskalen lernt, von entscheidender Bedeutung sein wird, weil alle Muster, die man lernt sich zwischen der G- und H-Saite um einen Bund verrücken.

Der Grund dafür ist, dass man die H-Saite mit dem 4. Bund der G-Saite stimmt, und nicht wie bei allen anderen auf dem 5. Bund. Mehr braucht man sich zu diesem Zeitpunkt nicht im Hinterkopf zu behalten.

Aber der Schüler kann jetzt schon, ohne, dass er sich darüber richtig bewusst ist, 11 Töne auf der Gitarre.

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            III      V
E ||---|---|---|---|---|-
H ||---|---|---|---|-E-|-
G ||---|---|---|-H-|---|-
D ||---|---|---|---|-G-|-
A ||---|---|---|---|-D-|-
E ||---|---|---|---|-A-|-


Das reicht auch erstmal für die ersten 8 Unterrichtseinheiten.(Zumindest, wenn man das Lagerfeuerdiplomund das Folkdiplommacht.)

Das einzige, was ich den Leuten an Tönen noch vermittle, ist, wie man den Startton eines Liedes ermittelt. In den allermeisten Fällen ist es nämlich ein Akkordton. D.h. dass eine leere Saite, oder eine gegriffene Saite des gerade gegriffenen Akkordes auch der Startton des Liedes ist.

Wenn es eine leere Saite ist, dann wird der Ton natürlich auch mit Namen genannt, denn man kennt ja inzwischen den Namen der 6 Saiten. Wenn es ein gegriffener Ton ist, dann interessiert zu diesem Zeitpunkt nicht, wie der Ton heißt.
Zuletzt geändert von mjchael am 02.01.2015, 00:58, insgesamt 1-mal geändert.

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mjchael
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Erstellt: von mjchael » 03.09.2011, 15:49

Wer aus der klassischen Ecke her kommt, oder wer schon ein anderes Instrument spielen kann, dem mag das komisch vorkommen, aber ich will zeigen, das man den Zeitpunkt des Notenlernens mir ruhigem Gewissen nach hinten verschieben kann. Wenn der Lehrer bei seinem Unterricht darauf achtet, bereitet er alles dafür vor, dass der Schüler später die Noten auf der Gitarre einfach, und dann auch sehr schnell lernt. Schneller als es üblicherweise in einer Musikschule vermittelt wird.

Sobald der Schüler die ersten 9 oder 10 Akkorde kann, lernt sich nämlich alles viel leichter. Die C-Dur-Tonleiter in den ersten drei Bünden beispielsweise in 10-20 Minuten . (Spätere Wiederholungen natürlich vorausgesetzt. )

Lektion 3
Die Grundtöne der Akkorde


Lektion 3a
die leere Saiten-Regel

Weitere Töne auf der Gitarre werden ab dem Zupfeninteressant. Das Zupfen kommt bei mir aber erst nach 2 Monaten dran, wenn man schon eine handvoll Akkorde kennt, und wenn man schon einigermaßen sicher mit dem Grundrhythmus ist, den man mit den einfachen Schlagmustern lernt. Außerdem kann man dann schon einige Lieder spielen, auf die man zurückgreifen kann.

Vor allem interessieren uns hier die Basstöne. Je nach Akkord muss nämlich der Daumen immer eine andere Saite anschlagen.

Bei 3 Akkorden ist es extrem einfach, die Bass-Saiten zu finden und auch richtig zu benennen.

Bei den Akkorden D E und A bzw. Dm Em und Am kann der Schüler jetzt schon erraten, welche Saite die Bass-Saite sein muss, wenn man sich nur dem Wissen bedient, was man schon gelernt hat.

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       D-Dur                   E-Dur                 A-Dur
   ||---|-M-|---|-       ||---|---|---|-       ||---|---|---|-
   ||---|---|-R-|-       ||---|---|---|-       ||---|-R-|---|-
   ||---|-Z-|---|-       ||-Z-|---|---|-       ||---|-M-|---|-
(D)||---|---|---|-       ||---|-R-|---|-       ||---|-Z-|---|-
   ||---|---|---|-       ||---|-M-|---|-    (A)||---|---|---|-
   ||---|---|---|-    (E)||---|---|---|-       ||---|---|---|-


Die Saite, die genau so heißt, wie der Akkord, ist auch gleichzeitig der Grundton des Akkordes.
Ich nenne diese Regel die "leere Saite Regel".

Für das Zupfen interessiert uns nur die drei oberen Bass-Saiten.
Aber man kann diese Regel auch auf die unteren Saiten anwenden.

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       E-Dur                   G-Dur                 H7
(E)||---|---|---|-       ||---|---|-K-|-       ||---|-K-|---|-
   ||---|---|---|-       ||---|---|---|-    (H)||---|---|---|-
   ||-Z-|---|---|-    (G)||---|---|---|-       ||---|-R-|---|-
   ||---|-R-|---|-       ||---|---|---|-       ||-Z-|---|---|-
   ||---|-M-|---|-       ||---|-M-|---|-       ||---|-M-|---|-
   ||---|---|---|-       ||---|---|-R-|-       ||---|---|---|-

Auch diese leere Saiten sind Grundtöne der genannten Akkorde. Nur sind dieses natürlich keine Basstöne, die wir für das Zupfen brauchen. Dennoch gilt auch hier die "leere Saite Regel"

Die Saite, die genau so heißt wie der Akkord ist gleichzeitig auch der Grundton des Akkordes.
Allerdings ist der Grundton nicht in jedem Fall mit dem Basston (welches der tiefste Ton des Akkordes ist) gleichzusetzen. Meist ist der Basston eines Akkordes auch der Grundton, aber es gibt Ausnahmen, auf die ich etwas später zu sprechen komme.

Lektion 3b
die Ringfinger-Regel

Wenn man einen gescheiten Fingersatz lernt, dann ergibt sich automatisch der Umstand, dass der Ton unter dem Ringfinger meist genau so heißt, wie der ganze Akkord. "Meist" bedeutet natürlich, dass es nicht immer der Fall ist, aber doch oft genug, dass wir uns dieses Wissen zunutze machen.

Wenn man die Basstöne der Akkorde C F und G sucht (wobei F nicht als Barré gegriffen wird) dann muss man wirklich nur schauen, welche Saite mit dem Ringfinger gegriffen wird.

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       C-Dur                   F-Dur                 G-Dur
E ||---|---|---|-     E ||-Z-|---|---|-     E ||---|---|-K-|-
H ||-Z-|---|---|-     H ||-Z-|---|---|-     H ||---|---|---|-
G ||---|---|---|-     G ||---|-M-|---|-     G ||---|---|---|-
D ||---|-M-|---|-     D ||---|---|(R)|-     D ||---|---|---|-
A ||---|---|(R)|-     A ||---|---|---|-     A ||---|-M-|---|-
E ||---|---|---|-     E ||---|---|---|-     E ||---|---|(R)|-

Die Töne unter dem Ringfinger heißen genau wie der Akkord. Diese Töne sind in den meisten Fällen auch der Basston des Akkordes.

Das ist beispielsweise mit einer der Gründe, warum ich den G-Dur-Akkord unbedingt mit dem kleinen Finger greife. So lerne ich ohne große Anstrengung gleich drei weitere Töne auf dem Griffbrett. Ich muss nur wissen wo der Ringfinger ist.

Auch auf den unteren Saiten hilft uns die Ringfingerregel in vielen Fällen weiter.

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       D-Dur                   E-Dur                 A-Moll
   ||---|-M-|---|-       ||---|---|---|-       ||---|---|---|-
   ||---|---|(R)|-       ||---|---|---|-       ||-Z-|---|---|-
   ||---|-Z-|---|-       ||-Z-|---|---|-       ||---|(R)|---|-
   ||---|---|---|-       ||---|(R)|---|-       ||---|-M-|---|-
   ||---|---|---|-       ||---|-M-|---|-       ||---|---|---|-
   ||---|---|---|-       ||---|---|---|-       ||---|---|---|-

Bei D-Moll, E-Moll und A-Moll heißt der Ton unter dem Ringfinger immer genau so wie der ganze Akkord.
Das klappt auch bei E-Dur und D-Dur.

Bei A-Dur gibt es eine Ausnahme. Nur da funktioniert es nicht. Zumindest dann nicht, wenn man sich in der Tonart A-Dur oder D-Dur befindet, und den A-Dur-Akkord folgendermaßen greift:
Bild
In der Tonart E-Dur gibt es für den A-Dur-Akkord eine alternative Griffweise, die oftmals günstiger ist.
(siehe: A-Dur - Alternative Griffweise)
Bild
Wie du siehst, ist hier der Ringfinger auf einem schwarzen Punkt. Der zeigt den Grundton an, der genau so heißt wie der Akkord.

Wie du siehst, kann man mit der Ringfingerregel weitere 6 Töne auf dem Griffbrett finden, wobei man nur beim A-Dur-Akkord aufpassen muss, welche Variante man greift. Wenn man die zweite Griffweise vom A-Dur-Akkord noch nicht kennengelernt hat, weil man noch nicht die Tonart E-Dur erobert hat, so behilft man sich hier mit dem Am-Akkord.

Fassen wir mal alle Töne, die wir bisher können zusammen.

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            III      V
E ||---|---|---|---|---|-
H ||---|---|-D-|---|-E-|-
G ||---|-A-|---|-H-|---|-
D ||---|-E-|-F-|---|-G-|-
A ||---|---|-C-|---|-D-|-
E ||---|---|-G-|---|-A-|-


Die erste Zeile mit E A D G H E können wir durch den Merkvers "Ein Anfänger der Gitarre hat Eifer" ableiten.

die letzte Zeile mit A D G H E im 5. Bund (und einmal im 4. Bund) haben wir durch das Stimmen mit den Bünden kennengelernt.

Die mittlere Zeile mit den Tönen G C E F A D zeigt alle Töne auf, die wir mit der Ringfingerregel ermitteln können.
Vorraussetzung dafür ist, dass wir die Akkorde G C E F und D beherrschen, und bei A-Dur die zweite Griffvariante. Oder aber dort auf den Am ausweichen.

Bild Bild Bild Bild Bild Bild
Beachte die Griffvariante von A-Dur. Wie du siehst, liegt der Ringfinger bei allen Akkorden auf einem Grundton, der hier schwarz hervorgehoben ist.

Bei vielen Moll-Akkorde stimmt es ebenfalls:
Bild Bild Bild

Allein mit der "leere-Saite-Regel" und der "Ringfinger-Regel" hast du schon einen Großteil der Töne in den ersten 3 Bünden abgedeckt. Wenn du nur ein wenig Noten lesen kannst, hilft dir dieses Wissen schon enorm weiter, um die meisten Anfangstöne von Liedern zu bestimmen.

Bis zum richtigen Noten-vom-Blatt-spielen ist natürlich noch ein weiter Weg, aber wie du siehst, ist es lange nicht so schwer, wie du es dir vielleicht am Anfang vorgestellt hast.

Die Unterrichtseinheit, alle Töne der C-Dur-Tonleiter auf den ersten 3 Bünden zu lernen dauert in der Regel keine 20 Minuten. Vieles was man dafür wissen muss, hat man schon mit den Akkordgriffen und dem Stimmen der Saiten automatisch mitgelernt. Man muss von daher nicht mehr lange und umständlich erklären, wo die Finger hingehören, weil man das ja schon von den Akkordgriffen her weis. Das sehe ich als einen riesigen Vorteil denen gegenüber an, die gleich von Anfang an mit Notenlesen anfangen, aber noch überhaupt keine Ahnung von der rein technischen Seite des Greifens haben. Die Leute lernen in ein paar Wochen das, was ihr letztlich in wenigen Minuten lernt. Gut, die Leute können schneller Noten lesen. Dafür habt ihr schon einige Lieder im Repertoire, die ihr mit Schlagmustern begleiten könnt.

Gruß Mjchael
Zuletzt geändert von mjchael am 02.01.2015, 01:33, insgesamt 1-mal geändert.

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Erstellt: von mjchael » 03.09.2011, 17:45

Es fehlen noch 5 Töne, und man hat alle Stammtöne auf den ersten 3 Bünden drauf. Und auch fast alle Stammtöne auf den ersten 5 Bünden.

Stammtöne sind die Töne, für die man keine Vorzeichen ( # oder b) braucht, also alle Töne der C-Dur-Tonleiter (C D E F G A H C)

Lektion 4
markante Akkordtöne

Drei Töne, die uns noch fehlen, leitet man sich ganz einfach über bestimmte Akkordtöne ab.

Dass folgender Ton ein C ist

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 ||---|---|---|-
 ||(C)|---|---|-
 ||---|---|---|-
 ||---|---|---|-
 ||---|---|---|-
 ||---|---|---|-

fällt uns ganz leicht, wenn wir einfach den C-Dur-Akkord greifen.

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E ||---|---|---|-
H ||(Z)|---|---|-
G ||---|---|---|-
D ||---|-M-|---|-
A ||---|---|-R-|-
E ||---|---|---|-


Auch beim Am-Akkord greift man mit dem Zeigefinger auf der H-Saite im ersten Bund. Aber da wir dessen beide Akkordtöne schon von der leeren-Saiten-Regel und der Ringfinger-Regel her kennen, kommen wir nicht auf die Idee, auch hinter dem Zeigefinger ein A zu vermuten. Da ist der Akkord C-Dur und somit der Ton C viel naheliegender.
Wenn ich den C-Dur-Akkord beibringe, verwende ich oft den Merksatz: "C: zweiter von oben (hier die Ringfinger-Regel), zweiter von unten (hier der markante Akkord-Ton)". Wenn der Schüler das C sucht, verwende ich diesen natürlich auch als Eselsbrücke.

================================


Den Ton H leiten wir uns am Besten über den H7-Akkord ab.

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                              H7
 ||---|---|---|-       ||---|-K-|---|-
 ||---|---|---|-     H ||---|---|---|-
 ||---|---|---|-       ||---|-R-|---|-
 ||---|---|---|-       ||-Z-|---|---|- 
 ||---|(H)|---|-       ||---|(M)|---|-
 ||---|---|---|-       ||---|---|---|-   

Es gibt noch ein paar Lieder und Zupfstücke, wo man ein C oder ein E mit H im Bass greift.
Beispiel:
House of the Rising Sun wo man beim E-Dur-Akkord auch mal die zweite Saite anzupfen kann, anstelle der ersten Saite.

oder es gibt ein recht effektvollen Basslauf von C über C/H nach Am
Bild Bild Bild

Beide Akkorde braucht man bei einfachen Zupf-Stücken:
House of the Rising Sun in der Plectrum-Variante

oder der Mini-Basslauf bei einigen Zupfmustern
Zupfübung - PDF incl. Mididazu findet ihr beides auf der ersten Seite des Zupflehrgangsim Folkdiplom.

Wie ihr seht, gibt es für das H im 2. Bund auf der A-Saite genug Gelegenheiten es zu üben. Und die Zupfsachen sind Stücke für den dritten Unterrichtsmonat, so dass man den Ton H recht früh lernt.

Hier siehst du bei dem C/H auch, dass nicht immer der Grundton auch der Basston des Akkordes sein muss. Hier spielst du einen C-Dur Akkord, hast aber ein H im Bass, der unter dem Bruchstrich (engl. Slash) steht. Das H ist hier nicht der Grundton des Akkordes. Sondern das H wird hier nur für den Basslauf als "Verzierung" der Begleitung gebraucht.

Sobald man also die ersten Lektionen des Zupfen gemacht hat, ist das auch der ideale Zeitpunkt, die Notennamen auf der Gitarre zu lernen.

======================


Der dritte markante Akkordton, den man sich merken muss, ist das F auf der hohen E-Saite im ersten Bund.

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 ||-F-|---|---|-
 ||---|---|---|-
 ||---|---|---|-
 ||---|---|---|-
 ||---|---|---|-
 ||---|---|---|-


Das ist der Ton, der entsteht, wenn ihr den Zeigefinger für das kleine F umlegt.

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  F-Dur
 ||(Z)|---|---|-
 ||-Z-|---|---|-
 ||---|-M-|---|-
 ||---|---|-R-|-
 ||---|---|---|-
 ||---|---|---|-


Also die 6 Saiten könnt ihr euch mit dem Merksatz einprägen.
Bei 6 Tönen funktioniert die Ringfingerregel.

Nur das C unter dem Zeigefinger des C-Dur-Akkords, das H unter dem Mittelfinger des H7-Akkords und das F unter dem umgelegten Zeigefinger des F-Dur-Akkords müssen sich einzeln eingeprägt werden.

Das ist also alles echt nicht viel, was man lernen muss.

Es fehlen noch 2 bzw. 3 Töne auf den E-Saiten. Aber für die gibt es ebenfalls eine ganz einfache und Regel.

Lektion 5
Die Oben/Unten-Regel

Alles das, was wir für die obere oder untere E-Saite herausgefunden haben, gilt gleichermaßen auch für die andere E-Saite.

Wir haben mit der Ringfingerregel festgestellt, dass der Ton unter dem dritten Bund der tiefen E-Saite ein G ist. (Ringfinger vom G-Dur-Akkord). Folglich muss auch der Ton unter dem kleinen Finger ein G sein, denn es handelt sich ja ebenfalls um eine E-Saite.
Bild

Auch hier wiederhole ich den Merksatz: "G ganz oben, ganz unten"

Und wenn man später einmal den F-Dur als Barré greift, so weiß man, dass der Ton im ersten Bund auf der tiefen E-Saite ein F sein muss, weil wir ja festgestellt haben, dass der erste Bund der hohen E-Seite der markante Akkordton des kleinen F-Dur-Akkordes ist.
Bild

Damit kennst du nun alle Stammtöne der C-Dur-Tonleiter auf den ersten drei Bünden.

Erweitern wir es noch kurz auf den 5. Bund. Wir wissen vom Stimmen her, dass im 5. Bund der tiefen E-Saite der Ton A liegt, mit der wir die leere A-Saite vergleichen. Also muss wegen der Oben-Unten-Regel im 5. Bund der hohen E-Saite ebenfalls ein A liegen.

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            III      V
   ||---|---|---|---|(A)|-
   ||---|---|---|---|---|-
   ||---|---|---|---|---|-
   ||---|---|---|---|---|-
(A)||---|---|---|---|---|-
   ||---|---|---|---|(A)|-


===================================

Einer fehlt noch
Jetzt erinnerst du dich nur noch mal kurz, dass nach dem Ton H (leere Saite) der Ton C kommt (markanter Akkordton von C-Dur).

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            III      V
   ||---|---|---|---|---|-
 H ||(C)|---|---|---|---|-
   ||---|---|---|---|---|-
   ||---|---|---|---|---|-
   ||---|---|---|---|---|-
   ||---|---|---|---|---|-

Du erinnerst dich, dass es ein H im 4. Bund auf der G-Saite gibt, mit dem wir die H-Saite gestimmt haben.

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            III      V
   ||---|---|---|---|---|-
 H ||(C)|---|---|---|---|-
   ||---|---|---|-H-|---|-
   ||---|---|---|---|---|-
   ||---|---|---|---|---|-
   ||---|---|---|---|---|-

Demnach muss dort im 5. Bund ebenfalls ein C sein, das nur einen Bund vom Ton H entfernt ist.

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            III      V
   ||---|---|---|---|---|-
 H ||(C)|---|---|---|---|-
   ||---|---|---|-H-|(C)|-
   ||---|---|---|---|---|-
   ||---|---|---|---|---|-
   ||---|---|---|---|---|-


Wiederholung
Damit hast du jetzt wirklich alle Stammtöne der C-Dur-Tonleiter auf den ersten 5 Bünden drauf.

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            III      V
E ||-F-|---|-G-|---|-A-|-
H ||-C-|---|-D-|---|-E-|-
G ||---|-A-|---|-H-|-C-|-
D ||---|-E-|-F-|---|-G-|-
A ||---|-H-|-C-|---|-D-|-
E ||-F-|---|-G-|---|-A-|-


Nimm dir mal die tiefe E-Saite vor, und ermittle alle Töne davon
E = leere Saiten Regel
F = markanter Akkordton (F-Zeigefinger umlegen) und die Unten/Oben-Regel angewand
G = Ringfingerregel beim G-Dur-Akkord
A = Stimmton für die A-Saite

Jetzt nimm dir die A-Saite vor
A = leere Saite Regel
H = markanter Akkordton von H-Dur (evtl. Akkorde mit H im Bass beim Zupfen)
C = Ringfingerregel beim C-Dur-Akkord
D = Stimmton für die D-Saite

Jetzt nimm dir die D-Saite vor
D = leere Saite Regel
E = Ringfingerregel beim E-Dur- oder Em-Akkord
F = Ringfingerregel beim kleinen F-Dur-Akkord
G = Stimmton für die G-Saite

Jetzt nimm dir die G-Saite vor
G = leere Saite-Regel
A = Ringfingerregel beim Am-Akkord. Beim A-Dur nur mit dem zweiten Fingersatz
H = Stimmton für die H-Saite (4.Bund)
C = muss einen Bund nach dem H sein

Jetzt nimm dir die H-Saite vor:
H = leere Saite-Regel
C = markanter Akkordton des C-Dur-Akkordes
D = Ringfingerregel beim D-Dur
E = Stimmton für die hohe E-Saite

Und zum Abschluss noch die hohe E-Saite
E = leere Saite-Regel
F = markanter Akkordton des umgelegten Zeigefinger beim kleinen F-Dur
G = Oben/Unten-Regel, wenn oben wegen der Ringfingerregel ein G sein muss.
A = Oben/Unten-Regel, wenn oben der Stimmton der A-Saite liegen muss.

Gehe nochmal alle Töne von oben bis unten durch, und schaue nach, ob du alle mit Namen nennen kannst, und überlege dir genau warum du sie so nennst.
Erste Saite-Regel
Ringfinger-Regel
Abgeleiteter Akkordton (Auch beim C nach dem H im 5. Bund)
Oben-Unten-Regel.

Mache diese Übung wenigstens einmal täglich vorwärts und rückwärts.

Wie du siehst, hast du dir schon ein gutes Teil des Gitarregriffbrettes erobert.
Darauf bauen wir weiter auf.

Alles zu lesen dauert vermutlich viel länger, als wenn ihr es einmal jemansen selbst beibringen werdet. Damit es euch aber auch mal in 10-20 Minuten gelingt, musst ihr natürlich die ganze Metodik dahinter verstehen und den Unterricht daraufhin vorbereiten.

Gruß Mjchael
Zuletzt geändert von mjchael am 02.01.2015, 02:50, insgesamt 2-mal geändert.

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Erstellt: von mjchael » 04.09.2011, 13:01

Was der Schüler in 20 Minuten gelernt hat, muss natürlich in den nächsten Unterrichtseinheiten angewand, und gefestigt werden.

Lektion 6
Anwenden des Gelernten


Wende das ganze doch mal an den Akkorden an, die du so gelernt hast.
Beginne mit den Akkorden, die normalerweise in der C-Dur-Tonleiter vorkommen.
http://de.wikibooks.org/wiki/Gitarre:_Mollparallelen

Bild Bild Bild
Bild Bild Bild


Nehmen wir uns mal das F vor.
  1. Die obere E-Saite darf nicht mit angeschlagen werden, denn der Ton E passt nicht zum F-Dur.
  2. Der zweite Ton von oben ist ein A (leere Saiten-Regel). Er darf bei einem einfachen Schrum-Schrum ruhig mal mitklingen, oder er dient als Wechselbass für den F-Dur Akkord.
  3. Der dritte Ton ist ein F (Ringfingerregel). Er ist der Grundton, und beim Zupfen auch meist der Basston (es sei den, man spielt einen Barré, doch das ist ein anderes Thema). Den Basston spielt man meist auf der 1 und der 3 wärend man den Wechselbass A auf die 2 und 4 legt.
    Oder den Bass auf der 1 und den Wechselbass auf der 3, oder der erste Takt den Bass und der zweite Takt den Wechselbass, je nachdem, was für ein Zupfmuster man gerade verwendet.
  4. Der vierte Ton von oben ist ein A. (Ringfingerregel vom Am-Akkord)
  5. Der fünfte Ton ist ein C. (Markanter Akkordton von C-Dur)
  6. Der sechste Ton ist ein F. (Der markante Akkordton vom Umgelegten Zeigefinger des kleinen F)
Der Akkord F-Dur besteht also aus den Tönen F A C, wobei einige Töne mehrfach vorkommen.

Nehmen wir uns mal das C vor.
  1. Die erste Saite ist ein E (leere Saiten-Regel), das beim Schrum-Schrum-Schlag durchaus mal mitklingen darf.
  2. Die zweite Saite ist ein C (Ringfingerregel) der gleichzeitig der Grundton, und meist auch der Basston ist.
  3. Die dritte Saite ist ein E (Ringfinger von Em oder E-Dur)
  4. Die vierte Saite ist ein G (leere Saite)
  5. Die fünfte Saite ist ein C (markanter Akkordton von C-Dur)
  6. Die sechste Saite ist ein E (leere Saite)
Der Akkord C-Dur besteht also aus den Tönen C E G

Nehmen wir uns mal das G vor.
  1. Die erste Saite ist ein G (Ringfingerregel) und damit auch der Grundton, der meist auch der Basston ist.
  2. Die zweite Saite ist ein H (Markanter Akkordton von H7)
  3. Die dritte Saite ist ein D (leere Saite)
  4. Die vierte Saite ist ein G (leere Saite)
  5. Die fünfte Saite ist ein H (leere Saite)
  6. Die sechste Saite ist ein G (Oben/Unten-Regel)
Der Akkord besteht also aus den Tönen G H E

Nehmen wir uns mal das Dm vor.
  1. Die erste Saite ist ein E, die man aber nicht anschlagen darf
  2. Die zweite Saite ist ein A (leere Saite), die man ruhig mal mit anschlagen kann, oder als Wechselbass nutzen kann.
  3. Die dritte Saite ist ein D (leere Saite). Dieses ist gleichzeitig der Grundton und meist auch der Basston.
  4. Die vierte Saite ist ein A (Ringfinger von Am)
  5. Die fünfte Saite ist ein D (Ringfingerregel)
  6. Die sechste Saite ist ein F (umgelegter Ton von F-Dur=
Der Akkord Dm besteht also aus den Tönen D F A

Nehmen wir uns mal das Am vor.
  1. Die erste Saite ist ein E (leere Saite) die auch mal als Wechselbass mitklingen darf.
  2. Die zweite Saite ist ein A (leere Saite) und gleichzeitig der Grundton und meist auch der Bass.
  3. Die dritte Saite ist ein E (Ringfinger von Em)
  4. Die vierte Saite ist ein A (Ringfingerregel)
  5. Die fünfte Saite ist ein C (Markanter Akkordton von C-Dur)
  6. Die sechste Saite ist ein E (leere Saite)
Der Akkord Am besteht also aus den Tönen A C E

Nehmen wir uns mal das Em vor.
  1. Die erste Saite ist ein E (leere Saite)
  2. Die zweite Saite ist ein H (markanter Akkordton von H7)
  3. Die dritte Saite ist ein E (Ringfingerregel)
  4. Die vierte Saite ist ein G (leere Saite)
  5. Die fünfte Saite ist ein H (leere Saite)
  6. Die sechste Saite ist ein E (leere Saite)

Der Akkord Em besteht also aus den Tönen E G H


Die Töne der Akkorde die zu C-Dur-Tonleiter gehören lernen wir auswendig. Diese Akkordtöne der 6 Akkorde muss man einfach auswendig kennen, da man von denen aus alle anderen Akkordtöne ableiten kann.

Als Eselsbrücke kann uns vielleicht zwei Merkverse dienen, die wir beim Notenlesen gelernt haben.

Die Noten auf den Notenlinien kann man sich von unten nach oben mit folgendem Merksatz einprägen.

Bild
(Chris!) Es geht hurtig durch Fleiß (aufwärts).

Die Noten zwischen den Notenlinien merkt man sich folgendermaßen
Bild
(der) Fritz aß Citronen-Eis (gern)

Wie du siehst habe ich die Klassischen Merkferse noch am Anfang und am Ende um je ein Wort erweitert, so dass man auch noch ein paar wichtige Noten auf den Hilfslinien, und die unter der E-Linie und über der F-Linie hat.

C-Dur: Citronen-Eis gern = C E G
Dm: Der Fritz aß = D F A
Em: es geht hurtig = E G H
F-Dur: Fritz aß Citronen = F A C
G-Dur: Geht hurtig durch = G H D
Am: aß Citronen-Eis = A C E

Es gibt noch einen verminderten Akkord auf dem Ton H
Hmb5: hurtig durch fleis = H D F
Aber den Akkord heben wir uns auf, bis wir ein wenig Jazz, Swing oder Jazz-Blues spielen. Der Akkord taucht meist als Hm7b5 auf. Doch den nehmen wir uns später genauer zur Brust.

Die Töne auf den Notenlinien (E G H D F - es geht hurtig durch Fleiß) sowie die Noten zwischen den Notenlinien (der Fritz aß Citronen-Eis gern) sind in Terzen angeordnet. Die Akkordtöne sind ebenfalls in Terzen angeordnet. Also können wir die gleichen Merkverse verwenden.

Bild
Bild

Wer die Merkverse noch nicht kennt, für den lohnt es sich, die zu lernen, denn er kann sie für das Notenlesen-Lernen gut gebrauchen. Wer den schon kann, überträgt dieses Wissen einfach auf die Akkordtöne der C-Dur-Tonleiter.

Wer noch keine Noten lesen kann, der sollte sich mal folgende Hilfe genauer anschauen.
https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/4/47/Noten_lesen_lernen_mit_Tricks.pdf
Damit kann der Schüler schon mal anfangen, die Starttöne von einigen Liedern zu ermitteln. Natürlich braucht er dazu Lieder mit Noten.Den ersten Schrecken vom Notensystem hat er schon verlohren, wenn er es gelernt hat, die Taktstriche als Orientierungshilfe für die Schlagmuster zu nutzen.

Gruß Mjchael
Zuletzt geändert von mjchael am 02.01.2015, 03:08, insgesamt 4-mal geändert.

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Erstellt: von mjchael » 09.09.2011, 10:15

Lektion 7
Die C-Dur-Tonleiter auf den ersten 3 Bünden

Hier verweise ich euch auf zwei Lektionen aus den Wikibooks

Um die Töne der C-Dur-Tonleiter auf den Bass-Saiten zu lernen empfehle ich euch, dass ihr euch ein wenig mit Bassläufen beschäftigt.

http://de.wikibooks.org/wiki/Gitarre:_V ... -Tonleiter
und
http://de.wikibooks.org/wiki/Gitarre:_F ... i-Basslauf

Damit dürftet ihr eine Weile was zu tun haben.

Wenn ihr die Töne halbwegs beherrscht, habe ich eine kleine Improvisationsübung für die Melodiesaiten für euch:

http://de.wikibooks.org/wiki/Gitarre:_C ... die-Saiten

Gruß Mjchael

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Erstellt: von mjchael » 09.09.2011, 10:56

Lektion 8
Die C-Dur-Tonleiter

Musiker aus dem Englischsprachigen Raum haben es einen Tick leichter, die Notennamen zu lernen. Sie fangen einfach mit den Tönen der A-Moll-Tonleiter an.

A B C D E F G A

Das sind einfach die ersten 7 Buchstaben des Alphabetes, die sich immer wieder wiederholen. Ich vermute, diese Einteilung stammt aus einer Zeit, als gerade mal die A-Moll-Tonleiter besonders aktuell war.

Im im 16. und 17. Jahrhundert war die so genannte Romanesca populär. Eine Satztechnik (Kompositionsart) die mit der A-Moll-Tonleiter arbeitete. Bekannte Lieder in dieser Satztechnik ist das Greensleeves und das Villancico Guardame las Vacas.

Beispiele:
Greensleeves (hier für 3 Gitarren) von Remarc aus unserem Forum (Lektion siehe bei Copyrightfreien Stücken)
"Guardame Las Vacas" von Luis de Narvaez gespielt von Luys de Narvaez
La Romanesca von Ferdinand Sor (Sor lebte zwar im 18/19 jahrundert, aber er nutzte auch die alte Satztechnik.
Ferdinand Sor - La Romanesca hier fur Violine und Gitarre


Ein ähnlicher Musikstil ist das Passamezzo Antico
Improvisation on Passamezzo Antico
Passamezzo Antico by "tres canas"


Trotz des altertümlichen Charakter (darauf weist ja schon das Antico hin) lässt sich darauf prima Improvisieren. Solange sich die Instrumente an die Akkordfolge hielten, hatten sie viel Spielraum zur Improvisation. Meist wurde in Moll improvisiert.

Passamezzo antico lässt vermuten, dass es später einen Passamezzo moderno gab.
Man verwandte die gleiche Kompositionstechnik, jedoch nutze man nun Dur-Akkorde
Alejandro Villar & Pablo Zapico. Diego Ortiz "Passamezzo moderno"
Eloisa Gómez y Alonzo Cárdenas-Improvisación sobre el passamezzo moderno
Die Akkordfolge ähnelt hier schon sehr unseren einfachen Volksliedern.


Im einzelnen wird es wohl doch etwas komplizierter gewesen sein, aber so in etwa kann man an diesen beiden Kompositionstechniken nachzeichnen, wie zuerst Stücke in Moll und später Stücke in Dur populär waren. Und mit den Stücken in Dur begann man die Tonleiter mit dem C anstelle von A, so dass die Dur-Tonleiter folgendermaßen lautet
C D E F G A B C

Am einfachsten ist es, ihr nehmt kurz mal mit A B Anlauf, um dann die Tonleiter aufzusagen.
(A B ) C D E F G | (A B) C

Was unterschlagen wird, das ist, dass die Tonabstände nicht gleichmäßig verteilt sind.

Code: Alles auswählen

A ||---|-B-|-C-|---|-D-|---|-E-|-F-|---|-G-|---|-A-|---|-B-|-C-|-


Die ersten Melodien, die im Mittelalter aufgeschrieben wurden, waren noch recht einfach. So brauchte man oft nur 6 Töne der Tonleiter.
z.B. C-Dur
-|-C-|---|-D-|---|-E-|-F-|---|-G-|---|-A-|-
z.B. F-Dur
-|-F-|---|-G-|---|-A-|-B-|---|-C-|---|-D-|-
z.B. G-Dur
-|-G-|---|-A-|---|-?-|-C-|---|-D-|---|-E-|-

Für die G-Dur-Tonart brauchte man einen Ton, der um einen Bund höher war als das B aus der F-Dur-Tonleiter. Vorzeichen für so genannte Halbtonschritte kannte man meines Wissens noch nicht, und so nahm man einfach den nächsten Buchstaben aus dem Alphabet
z.B. G-Dur
-|-G-|---|-A-|---|-H-|-C-|---|-D-|---|-E-|-

Als dann die Tonleiter auf 7 Töne erweitert hatte, blieb dieses H erhalten.
z.B. C-Dur
-|-C-|---|-D-|---|-E-|-F-|---|-G-|---|-A-|---|-H-|-C-|-

Die Engländer arbeiten später mit Vorzeichen, und verzichten auf das H, so dass deren Tonfolge näher am Alphabet ist, und deren Schüler es viel leichter haben, die Noten zu lernen,
-|-C-|---|-D-|---|-E-|-F-|---|-G-|---|-A-|---|-B-|-C-|-

Und wer sich noch genauer mit der Musikgeschichte befast, stolpert über ein B-durum. bzw B-quadratun und ein B-mollom ...
Das bringt einen Schüler aber nicht weiter. Verwirrt mehr, als es klärt. Solches Wissen behalten wir den Musikstudenten vor. Hobby-Musiker brauchen das nicht.

Also die Deutschen sagen H, die Engländer B.
Ein Umstand, mit dem wir leben müssen, bis man sich auch mal in Deutschland auf das B einigen wird. Dauert aber noch ein wenig.
Zuletzt geändert von mjchael am 03.01.2015, 00:12, insgesamt 5-mal geändert.

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Erstellt: von mjchael » 09.09.2011, 11:24

Lektion 9
Intervalle

Wenn du dir oben noch einmal die Tonleitern C F und G (die mit nur 6 Tönen) anschaust, so siehst du, dass die Abstände der einzelnen Töne (Ausgehend vom Grundton) immer gleich sind.

Die Töne einer Tonleiter werden einfach durchnummeriert.
Der erste, der zweite, der dritte, der vierte, der fünfte, der sechste.

Bis heute haben sich die lateinischen Ordnungszahlen erhalten.
Prime, Sekunde, Terz, Quarte, Quinte, Sexte, Septime, Oktave

Ein Akkord besteht aus Prime, Terz und Quinte (1 3 5). Das kannst du leicht an den Akkordtönen, die du weiter oben gelernt hast überprüfen.

C-Dur-Tonleiter
C D E F G A H C
Akkordtöne von C-Dur
C E G
C ist der erste Ton der C-Dur-Tonleiter (Prime bzw. Grundton)
E der dritte (Terz - genauer die Dur-Terz)
G der fünfte (Quinte)

F-Dur-Tonleiter
F G A Bb C D E F
Akkordtöne von F-Dur
F A C
F ist der erste Ton der F-Dur-Tonleiter (Prime bzw. Grundton)
A der dritte (Terz - genauer die Dur-Terz)
C der fünfte (Quinte)

G-Dur-Tonleiter
G A H C D E F# G
Akkordtöne von G-Dur
G H D
G ist der erste Ton der F-Dur-Tonleiter (Prime bzw. Grundton)
H der dritte (Terz - genauer die Dur-Terz)
D der fünfte (Quinte)

Du siehst, dass in den einzelnen Tonleitern auch Zwischentöne vorkommen. (Bb F#)
In der ersten Zeit muss man sich jedoch noch nicht so genau darum kümmern. Das hat noch etwas Zeit. Wichtig sind erstmal die Töne der C-Dur-Tonleiter. Die anderen Zwischentöne (die mit den Vorzeichen) schaut man sich später mal an.

Gitarristen spielen gerne in der Tonart C-Dur und G-Dur. Und in der G-Dur-Tonleiter taucht höchstens mal ein F# auf. Aber bei vielen Intervallen, die wir gleich betrachten, taucht das F# erstmal nicht auf. Bei den ersten Lektionen über Intervalle unterschlage ich den Schülern, dass man eigentlich noch die Halbtonschritte (die mit den Vorzeichen) beachten müsste. Und es funktioniert recht gut. Immer ein Problem nach dem anderen. Wenn man die Regel verinnerlicht hat, kann man sich um die Besonderheiten kümmern.
Zuletzt geändert von mjchael am 29.10.2011, 09:16, insgesamt 1-mal geändert.

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Erstellt: von mjchael » 09.09.2011, 11:57

Lektion 10
Die Septime


Du weißt, dass die Grundakkorde aus 3 Akkordtönen bestehen. Zu diesen Akkorden kannst du noch weitere Töne bzw. Intervalle hinzufügen. Diese Intervalle werden durch eine weitere Ziffer hinter dem Akkordnamen kenntlich gemacht.

Füge mal du folgenden Akkorden die Septime (den 7. Ton) hinzu!
D7 Dm7 E7 Em7 G7 A7 Am7

Dazu greifst du zuerst mal den Grundakkord
Bild Bild
Jetzt überlegst du dir, welches der 7. Ton vom Grundton aus ist. (D = 1) Dabei brauchst du vorerst nicht die Vorzeichen zu beachten!
D = 1, E = 2, F = 3, G = 4, A = 5, H = 6, C = 7

Irgendwie muss ich dafür sorgen, dass beim Dm oder beim D noch irgendwo der Ton C erscheint.
Ich rufe mir ins Gedächtnis, wo der Ton C auf der Gitarre ist.
Eine Möglichkeit wäre das C unter dem Ringfinger des C-Akkordes (A-Saite 3. Bund)
Der Ton ist aber zu tief. Er ist noch tiefer als der Grundton des Akkordes (leere D-Saite).
Es gibt zwar Situationen, wo man auch diesen Ton einsetzt (D7/C - Dm7/C) allerdings ist dieses eher unüblich.

Also suche ich mir das andere C auf dem Griffbrett. Du erinnerst dich an den markanten Akkordton unter dem Zeigefinger vom C-Dur-Akkord.
Dieser Ton muss jetzt zu dem D bzw. zu dem Dm hinzugefügt werden.

Bild Bild

Das hohe D (unter dem Ringfinger) verschwindet. Aber wir haben ja noch den Basston (leere D-Saite) als Grundton.
Beim D-Dur müssen wir komplett den Fingersatz ändern, aber es kommt eigentlich nur das C mit hinzu. Den Dm7-Akkord greift man fast so wie den kleinen F-Dur-Akkord, nur ohne Zeigefinger.

Wenn du aber die tatsächlich gegriffenen Töne miteinander vergleichst, so ist zu dem D bzw. Dm nur der Ton C hinzugekommen.

====================
Nimm die Akkorde E-Dur oder Em und füge da die Septime (7) hinzu.
Bild Bild

Welches ist der 7 Ton von E aus gezählt?
E = 1, F = 2, G = 3, A = 4, H = 5, C = 6, D = 7

Wo findest du überall den Ton D auf dem Griffbrett?
Entweder unter dem Ringfinger des D-Dur-Akkordes oder die Leere D-Saite.
Bild Bild
Bild

Zweite Variante von Em7, für das ich noch kein Bild gemalt habe:

Code: Alles auswählen

E ||---|---|---|-
H ||---|---|-K-|-
G ||---|---|---|-
D ||---|-R-|---|-
A ||---|-M-|---|-
E ||---|---|---|-


Entweder hebst du den Ringfinger an, und gibst die leere D-Saite frei, oder du setzt den kleinen Finger auf den Platz, wo beim D-Dur-Akkord üblicherweise der Ringfinger ist.

Im ersten Fall verschwindet das mittlere E. Da wir das E aber noch im Bass haben, und auf der hohen E-Saite stört das nicht weiter. In zweiten Fall wird die leere H-Saite verdeckt, doch beim E-Akkord greifen wir das H ja auch auf der A-Saite im 2. Bund, so dass wir den Verlust getrost verschmerzen können.

=================

Überprüfe das ganze noch mal beim G7
G A H C D E F

Überlege dir, wo überall das F hinkommen könnte. Und du wirst schnell feststellen, dass das hohe F im ersten Bund auf der E-Saite die praktischste Lösung darstellt.
Bild

=================
Beim A-Akkord gibt es wieder zwei Möglichkeiten, da man den 7. Ton gut an zwei stellen darstellen kann.
A H C D E F G
Entweder lasse ich die leere G-Saite frei, oder ich setze den kleinen Finger dahin, wo er auch beim G-Dur-Akkord wäre.

Code: Alles auswählen

E ||---|---|---|-     E ||---|---|---|-     E ||---|---|-K-|-
H ||-Z-|---|---|-     H ||---|-R-|---|-     H ||-Z-|---|---|-
G ||---|---|---|-     G ||---|---|---|-     G ||---|-R-|---|-
D ||---|-M-|---|-     D ||---|-Z-|---|-     D ||---|-M-|---|-
A ||---|---|---|-     A ||---|---|---|-     A ||---|---|---|-
E ||---|---|---|-     E ||---|---|---|-     E ||---|---|---|-

E ||---|---|-K-|-
H ||---|-R-|---|-
G ||---|-M-|---|-
D ||---|-Z-|---|-
A ||---|---|---|-
E ||---|---|---|-


Wie du siehst, jetzt wo du die C-Dur-Tonleiter kannst, ist das alles gar nicht mal so schwer.
Zuletzt geändert von mjchael am 18.02.2012, 22:48, insgesamt 1-mal geändert.

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Erstellt: von mjchael » 10.09.2011, 16:35

Lektion 11
Septimen räumlich gesehen

Du weißt jetzt ungefähr, wie man die Position von Intervallen ermittelt. Zuerst zählt man die Töne ab, und dann schaut man noch, wo sich dieser Ton auf der Gitarre befindet.

Manchmal ist es aber gut, wenn man nicht erst lange die Töne abzählen muss, sondern sofort weiß, wo die Intervalle sind. Daher zeige ich euch noch andere Methoden.

Die erste Methode ist mit einem Rechentrick verbunden.
Warum muss man eigentlich 7 Töne weit zählen, wenn ich doch sofort weiß, wie der achte Ton heißt. Der Heißt nämlich genau wie der Grundton. Und von dem muss ich eigentlich nur einen Ton weit zurück rechnen. Praktisch ist die Septime zwei Bünde vor dem nächsten Grundton.

Beispiel G-Dur

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   ||---|---|-K-|-       ||---|---|(G)|-      ||-F-|---|(G)|-
 H ||---|---|---|-       ||---|---|---|-      ||---|---|---|-
(G)||---|---|---|-    (G)||---|---|---|-      ||---|---|---|-
 D ||---|---|---|-       ||---|---|---|-      ||---|---|---|-
   ||---|-M-|---|-       ||---|---|---|-      ||---|---|---|-
   ||---|---|-R-|-       ||---|---|---|-      ||---|---|---|-


Ein Grundton von G-Dur ist die leere G-Saite. Von dem aus will ich die Septime haben.
Ich springe in die Oktave (Kleine Finger des G-Akkords) und gehe von dem Ton aus zwei Bünde zurück.

Beispiel D-Dur

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   ||---|-M-|---|-      ||---|---|---|-     ||---|---|---|-
   ||---|---|(R)|-      ||---|---|(D)|-     ||-C-|---|(D)|-
   ||---|-Z-|---|-      ||---|---|---|-     ||---|---|---|-
(D)||---|---|---|-   (D)||---|---|---|-     ||---|---|---|-
 A ||---|---|---|-      ||---|---|---|-     ||---|---|---|-
   ||---|---|---|-      ||---|---|---|-     ||---|---|---|-


Ein Grundton von D-Dur (und auch Dm) ist die leere D-Saite. Von dem aus will ich die Septime haben.
Ich springe in die Oktave (Ringfinger des D-Akkords) und gehe von dem Ton aus zwei Bünde zurück.

Beispiel die Septime von E (Diesmal vereinfacht: Nur die Grundtöne)

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     ||---|---|---|-     ||---|---|---|-
     ||---|---|---|-     ||---|---|---|-
     ||---|---|---|-     ||---|---|---|-
     ||---|(E)|---|-  (D)||---|(E)|---|-
     ||---|---|---|-     ||---|---|---|-
  (E)||---|---|---|-     ||---|---|---|-

Ein Grundton von E-Dur oder Moll ist die leere tiefe E-Saite. Von dem aus will ich die Septime haben.
Ich springe in die Oktave (Ringfinger des E-Akkords) und gehe von dem Ton aus zwei Bünde zurück und lande auf der leeren D-Saite.
Überprüfe anhand der Akkorde, ob das so stimmt.

Wie sieht es mit der anderen Variante des E7 oder Em7 aus. Da kann ich zwar in die Oktave springen, aber von der Oktave kann ich keine zwei Bünde zurückgehen!

Wende einfach das an, was du schon gelernt hast. Vielleicht kommst du sogar von alleine drauf.

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Erstellt: von mjchael » 10.09.2011, 16:43

Das hohe E gibt es doch gleich zweimal. Und wenn du nicht von der leeren hohen E-Saite zwei Bünde zurückgehen kannst, so doch zumindest von dem E im 5. Bund der H-Saite.

Du erinnerst dich, dieses E im 5. Bund hast du zum Stimmen der Gitarre gebraucht. Von diesem E kannst du leicht 2 Bünde zurückgehen.

Code: Alles auswählen

  (E)||---|---|---|-  (E)||---|---|---|---|---|-
     ||---|---|---|-     ||---|---|-D-|---|(E)|-
     ||---|---|---|-     ||---|---|---|---|---|-
     ||---|(E)|---|-     ||---|(E)|---|---|---|-
     ||---|---|---|-     ||---|---|---|---|---|-
   E ||---|---|---|-     ||---|---|---|---|---|-


Wende die Methode auch beim A-Dur bzw. Am-Akkord an. Springe in die Oktave, und gehe zwei Bünde zurück.
Springe evtl. in den 5. Bund der hohe E-Saite (ist wegen der Oben/Unten-Regel auch ein A) und gehe von dem zwei zurück.

Überprüfe beides anhand der Akkorde.

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Erstellt: von mjchael » 11.09.2011, 21:29

Wenn ich aber jetzt mal nicht den "Umweg" über die Oktave mache, dann habe ich ein kleines Problem.

Code: Alles auswählen

   ||---|---|---|-       ||---|---|---|-
   ||---|---|---|-       ||---|---|---|-
   ||---|---|---|-    <G>||---|---|---|-
<D>||---|---|---|-       ||---|---|---|-
   ||---|---|---|-    (A)||---|---|---|-
(E)||---|---|---|-       ||---|---|---|-

 ||---|---|---|-   ||---|---|<G>|-    ||<F>|---|---|-    ||---|---|---|-
 ||---|---|<D>|-   ||---|---|---|-    ||---|---|---|-    ||<C>|---|---|-
 ||---|---|---|-   ||---|(A)|---|- (G)||---|---|---|-    ||---|---|---|-
 ||---|(E)|---|-   ||---|---|---|-    ||---|---|---|- (D)||---|---|---|-
 ||---|---|---|-   ||---|---|---|-    ||---|---|---|-    ||---|---|---|-
 ||---|---|---|-   ||---|---|---|-    ||---|---|---|-    ||---|---|---|-


Wenn wir über die Oktaven gegangen sind, so war die Methode auf allen Saiten gleich. Einfach zwei Bünde vom Grundton aus zurück gehen.

Hier sehen wir aber, dass die Septime in den oberen beiden Beispielen genau untereinander sind (Betrachte hier die leeren Saiten einfach wie einen weiteren Bund), und in den unteren vier Beispielen sind die Töne nicht genau unter dem E, A, D und G, sondern um einen Bund nach rechts verschoben.

Wie kommt das?
Die Töne stimmen. Das kannst du leicht an den beiden Varianten von den Akkorden E7, A7, D7 und G7 ausprobieren (immer eine gute Methode, um Intervalle zu überprüfen. Einfach mit Akkorden die man kennt, und wo der Intervall vorkommt, vergleichen.)

Den Grund dafür hatte ich dir schon genannt. Die Frage ist nur, ob du dich noch dran erinnerst. Ansonsten blättere mal zurück!

Bevor du weiter liest, versuche mal selbst das Problem zu lösen! Die Infos dazu hast du!
Zuletzt geändert von mjchael am 12.10.2011, 22:05, insgesamt 2-mal geändert.

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Erstellt: von mjchael » 11.09.2011, 22:20

Der G-H-Saiten-Übergang

Eigentlich sollten alle Intervalle überall gleich aussehen. Wenn ich irgendwo einen Intervall gefunden habe, so sollte dieser auch von anderen Grundtönen aus immer auf die selbe Art zu finden sein. (So wie von der Oktave zwei Bünde zurück, das auf jeder Saite funktioniert.) Aber durch das Stimmen der Gitarre sind die unteren beiden Saiten um jeweils einen Bund nach rechts verrückt.

Alle Saiten wurden im 5. Bund gestimmt. Nur nicht die H-Saite. Die wurde mit der G-Saite im 4. Bund gestimmt. Alle Intervalle, bei denen der Grundton auf einen der oberen vier Saiten ist, und der gesuchte Intervall auf einen der unteren beiden Saiten ist, so verrücken der Fingersatz um einen Bund nach rechts. Das wird dir (wie schon gesagt) bei allen Intervallen und später bei allen Skalen begegnen. Der von mir so genannte "G-H-Saitenübergang" muss jedes mal beachtet werden.

Zurück zur Septime.
Also der Normalfall ist, dass die Septime genau zwei Saiten unter dem Grundton im selben Bund ist. Nur dort wo die Septime auf der unteren H oder E-Saite ist, da ist sie um einen Bund nach Links verschoben.

Testen wir mal ein paar andere Akkorde:

Code: Alles auswählen

         H7                     C7                    G7
   ||---|-F#|---|-     E ||---|---|----|-     x ||---|---|---|-
 H ||---|---|---|-       ||-C-|---|----|-       ||---|---|-D-|-
   ||---|<A>|---|-       ||---|---|<Bb>|-     G ||---|---|---|-
   ||-D#|---|---|-       ||---|-E-|----|-       ||---|---|<F>|-
   ||---|(H)|---|-       ||---|---|(C)-|-       ||---|-H-|---|-
   ||---|---|---|-     E ||---|---|----|-       ||---|---|(G)|-


Beim H7-Akkord musst du dich erst mal nicht um die Töne D# und F# kümmern. Die schauen wir uns etwas später an. Es geht nur um den Grundton H, und die Septime A. Sie ist genau zwei Saiten unter dem H im selben Bund. Du kannst es leicht mit dem H auf der G-Saite im 4. Bund überprüfen (kennst du ja vom Stimmen her) und zwei Bünde zurück gehen. Dann landest du auch auf dem A.

So kann man auch schnell wissen, wie das C7 gespielt wird. Die Septime ist zwei Saiten unter dem Grundton C im selben Bund. Und da setze ich einfach den kleinen Finger hin. Dass dieses jetzt Bb heißt (englische Bezeichnung) bzw. B (deutsche Bezeichnung) das brauchst du zu diesem Zeitpunkt gar nicht zu wissen. Du gehst einfach vom Grundton aus 2 Saiten tiefer.

Vom G7 gibt es auch eine Variante, die fast so ähnlich gegriffen wird wie ein H7, nur eine Saitenlage höher und einen Bund weiter. Die hohe E-Saite lässt man dabei einfach aus. So einen G7-Akkord braucht man manchmal beim Melodiepicking.
Auch wenn du diesen G7 in der nächsten Zeit eher nicht spielst, so siehst du doch, dass der Ton F, von dem wir ja schon wissen, dass er die Septime von G ist, genau zwei Saiten unter dem Grundton G im selben Bund ist.

Du siehst vielleicht auch, dass der Fingersatz der Akkorde G7, C7 und H7 ziemlich ähnlich sind.

Also die Septime ist immer vom Grundton aus gesehen zwei Saiten tiefer im selben Bund. Nur wen die Septime auf der H-Saite oder auf der hohen E-Saite landet, so rückt sie einen Bund weiter.

Sollte man sich da unsicher sein, so überprüft man das noch einmal mit den schon bekannten 7er-Akkorden.
Zuletzt geändert von mjchael am 19.02.2012, 02:18, insgesamt 3-mal geändert.

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Erstellt: von mjchael » 12.09.2011, 16:33

Üblicherweise lernt man nach den Grundakkorden zuerst die 7er-Akkorde, weil diese recht häufig vorkommen. Nachdem man die Grundakkorde kann, fällt es einem mit den oben genannten Merkhilfen einfacher die C-Dur-Tonleiter zu lernen. Und sobald man die C-Dur-Tonleiter kann, kann man auch Intervalle abzählen. Zumindest die, bei denen man keine Vorzeichen beachten muss. Nebenbei kann man viele Septim-Akkorde ohne große Mühe gleich in einem Abwasch lernen.

* http://de.wikibooks.org/wiki/Gitarre:_v ... en_Streich


Dannach werden gerne Sus4-Akkorde vermittelt, da diese auch noch recht häufig vorkommen, und da man sie bei Typischen Akkordwendungen einsetzt. (Dem so genannten Quartvorhalt).

Lektion 11
Die Quarte

Bild Bild Bild Bild

Schaue dir die Akkorde an, und stelle fest, durch welchen Ton sich die Sus4-Akkorde von den Grundakkorden unterscheiden.

Das"sus" sagt aus, dass durch die "4" die Terz verdeckt wird. Aber dass muss uns im Moment weniger interessieren. Kann man aber genauer bei den Wikibooks nachlesen:
* http://de.wikibooks.org/wiki/Gitarre:_C4_-_D4_-_E4_-_A4

Uns interessiert nur die Position der Quarte (Des vierten Tons vom Grundton aus)

Gehen wir die Akkorde durch

Grundton C
vierte Ton ist C D E F
das F finden wir da wo normalerweise der Ringfinger des F-Dur-Akkordes ist.
Die Quarte befindet sich eine Saite unter dem Grundton genau im gleichen Bund.

Grundton D
vierte Ton ist D E F G
das G finden wir da wo normalerweise der kl. Finger des G-Dur-Akkordes ist (Oben/Unten-Regel).
Die Quarte befindet sich eine Saite unter dem Grundton genau im gleichen Bund.

Grundton E
vierte Ton ist E F G A
das A finden wir da wo normalerweise der kl. Finger des Am-Akkordes ist.
Die Quarte befindet sich eine Saite unter dem Grundton genau im gleichen Bund.

Grundton A
vierte Ton ist A H C D
das D finden wir da wo normalerweise der kl. Finger des D-Dur-Akkordes ist.
Die Quarte befindet eine Saite unter dem Grundton aber NICHT genau im gleichen Bund, sondern einen Bund weiter.
Der Grundton befindet sich auf der G-Saite (2. Bund) und die Quarte auf der H-Saite im 3. Bund. Hier kommt wieder der G-H-Saiten-Übergang zum tragen.

Wenden wir diese "Ausnahme" noch mal beim G(sus4) an.
Ein Grundton der G-Saite ist ja die leere G-Saite. Erstmal vermute ich die Quarte im gleichen Bund unten drunter. Das wäre dann die H-Saite. Kann aber nicht stimmen, weil ja hier der G-H-Saitenübergang zum tragen kommt. Ich muss auf der H-Saite noch einen Bund weite rücken, und lande dann auf dem C
Bild
Lässt sich schnell abzählen: G A H C
Also scheint unsere Überlegung zu stimmen.

Du siehst hoffentlich auch, dass sich die meisten Sus4-Akkorde auf die gleiche Weise bilden lassen. Da viele Grundtöne unter dem Ringfinger sind, muss man meist einfach nur den Kleinen Finger unter den Ringfinger setzen. Nur beim A, muss man den (wegen dem G-H-Saitenübergang) noch eines weiter schieben. Wenn man solche Gemeinsamkeiten erkennt, wird einem das Lernen enorm vereinfacht.

Wie du siehst, fährst du letztlich bei der Suche nach Intervallen mehrgleisig.
* Zum einen zählst du die Intervalle einfach ab (oder du verwendest einen Merkvers)
* zum andren merkst du dir die räumliche Anordnung (Entfernung vom Grundton)
* und dann überprüfst du das alles noch einmal mit den Akkorden, die du schon kannst. (Welcher Ton ändert sich bei einem 7er, sus4,add9-Akkord gegenüber einem einfachen Dur- oder Moll-Akkord, oder: wo finde ich ein abgezähltes Intervall nach der oben beschriebenen Methode? )

Und alle Elemente bauen aufeinander auf, und greifen ineinander.
Zuletzt geändert von mjchael am 02.01.2015, 03:33, insgesamt 1-mal geändert.

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Erstellt: von mjchael » 18.09.2011, 11:23

Lektion 12
Die None (9)

Eine None ist der neunte Ton vom Grundton aus gezählt. Im folgenden gehe ich davon aus, dass nur die 9 zu einem Akkord hinzugefügt wird, und nicht wie beim Jazz üblich noch die 7 mit dazugeschmuggelt wird. Also sind hier alle folgenden Akkorde eigentlich add9-Akkorde.

Was es damit auf sich hat erkläre ich aber ein wenig später.

Zuerst wollen wir einfach mal schauen, ob du nicht schon selber ein C9 (genauer Cadd9) greifen kannst.

Zuerst findest du mal heraus, welches eigentlich der neunte Ton von C aus ist:

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1 2 3 4 5 6 7 8 9
C D E F G A H C D

Du weißt also, dass irgendwie noch der Ton D mit zu dem Akkord hinzukommen muss.

Welches D nehmen wir? Die leere D-Saite, oder das D, das normalerweise unter dem Ringfinger des D-Dur oder D-Moll-Akkordes ist.

Die leere D-Saite können wir rein formal nicht nehmen. Den vom Grundton C aus bis zur leeren D-Saite sind ja nur 2 Töne:

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1 2
C D

Das wäre nur ein Sekundenabstand (der Abstand von 2 Tönen, die nur einen Bund weit entfernt sind)
Also nehme ich das höhere D auf der H-Saite (3. Bund)
Bild

Ich hoffe, du hast dich beim Abzählen der Intervalle ein wenig gewundert, und dich gefragt, ob man die None (9) nicht auch einfacher ermitteln kann.

Natürlich kannst du auch gleich in die Oktave (8) springen, und von der brauchst du dann nur einen Ton weiter zu zählen.

Versuche mal einen F9 (genauer Fadd9) zu greifen.

Der Grundton liegt unter dem Ringfinger des F-Dur-Akkordes. Ich springe in die Oktave (das hohe F), das unter dem umgelegten Zeigefinger auf der E-Saite (1. Bund) liegt. Von dem F aus zähle ich einfach noch einen Ton weiter. Also

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8 9
F G


Ich setze einfach den kleinen Finger dort hin, wo er auch beim G-Dur-Akkord hinkommen würde.
Bild

Wie du siehst, ist zwischen dem hohen Grundton des Akkordes und der None (9) immer ein Bund frei.

Spiele doch mal ein E9 (genauer Eadd9)
Du hast hier ein tiefes E, ein mittleres E und ein hohes E als Grundton. Nimm der Einfachheit halber mal das hohe E, und setze den kleinen Finger zwei Bünde weiter.

Dich braucht hier mal nicht der Name des Tons zu interessieren (kommt etwas später) sondern setze einfach den kleinen Finger da hin, wo er auch beim H7 wäre.

Bild

Es gibt noch eine interessante Variante beim Em9 (genauer Em/add9), wenn du das mittlere E als Oktave (8) nimmst.

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Em/add9
            III      V
 E ||---|---|---|---|---|-
 H ||---|---|---|---|---|-
 G ||---|---|---|---|---|-
   ||---|---|---|(R)|---|-
   ||---|-Z-|---|---|---|-
 E ||---|---|---|---|---|-

Streiche die Töne mal harfenartig an, oder baue den Akkord mal in einem Zupfmuster ein.
Der klingt schon ganz nett.
Hat rein von der Griffweise ein bisschen was von einem Powerchord (für diejenigen, die schon Powerchords spielen können) . Allerdings spielen hier noch die leeren Saiten mit.

Probiere mal einen A9 aus

Grundton ist die leere A-Saite, die Oktave liegt auf der G-Saite im 2. Bund, und die None müsste demnach zwei Bünde weiter auf der G-Saite im 4. Bund liegen.

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Aadd9
             III      V
 E ||---|---|---|---|---|-
 H ||---|-M-|---|---|---|-
 G ||---|---|---|(K)|---|-
 D ||---|-Z-|---|---|---|-
 A ||---|---|---|---|---|-
 E ||---|---|---|---|---|-

Für Zupfmuster klingt der echt schön. Wenn du aber nur einfach den A9 anschlagen willst, dann geht es einen Tick einfacher. Kommst du drauf wie?
Zuletzt geändert von mjchael am 18.09.2011, 14:33, insgesamt 1-mal geändert.

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Erstellt: von mjchael » 18.09.2011, 11:32

Na, dann ermittle doch einfach mal den Ton der zur None von A gehört.

Code: Alles auswählen

8 9
A H

Das H lässt sich auch einfacher darstellen, als auf der G-Saite im 4. Bund.

Einfach die leere H-Saite nehmen.
Bild
Auch wenn da jetzt ein sus und kein add mehr dabei steht, reicht diese Variante in den meisten Fällen aus. Was es jetzt genauer mit Sus und Add auf sich hat kommt noch.

Finde mal G9 oder D9 alleine heraus!
Wenn du alleine nicht weiter kommst, dann schau mal hier nach.
Aber bitte nicht zu schnell, sondern versuche es erst mal selber!
http://de.wikibooks.org/wiki/Gitarre:_e ... d9-Akkorde


Und wenn du mal alle C9, D9, E9, F9, G9-Akkorde rausgefunden hast, dann versuche doch einfach mal mit der 9 einige Hammering oder Pull-Off-Spielereien zu machen. (Bei E9 und A9 nimmst du nur die einfachen Varianten.)

Also die None greift man zwei Bünde nach der Oktave, es sei denn eine leere Saite ist einfacher zu greifen. Wenn es zwei Möglichkeiten gibt, entscheide ich, welche Variante mir gerade klanglich besser gefällt.


Ach ja, vergesst nicht, hier geht es nur um die reine Orientierung auf dem Griffbrett. Die Feinheiten der Harmonielehre werden hier nur am Rande gestreift, und die muss man sich später mal wo anders genauer anschauen.

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Erstellt: von mjchael » 18.09.2011, 21:56

Code: Alles auswählen

  Cadd9  Dadd9  Emadd9 Eadd9  Fadd9  Aadd9     Gadd9
|--0-----(0)----(2)----(2)----(3)-----0-----||--3-----|
|-(3)-----3------0------0------1-----(0)----||--0-----|
|--0------2------0------1------2------2-----||-(2)----|
|--2-----(0)----(2)----(2)----(3)-----2-----||--0-----|
|-(3)------------2------2------------(0)----||--------|
|----------------0------0-------------------||-(3)----|

Ich habe hier mal alle Grundtöne und alle Nonen in Klammern gesetzt. Bei fast allen Nonen kommt der G-H-Saiten-Übergang zum tragen. Außer beim Gadd9, wo der Grundton ganz oben auf der E-Saite sitzt.

Fällt dir was auf?
Der Normalfall ist hier, dass die None im selben Bund wie der Grundton ist, nur 3 Saiten tiefer.

Warum aus dem D9 ein Dsus9 und aus dem A9 ein Asus9 wird, heben wir uns noch ein wenig auf.
Dass ich beim Gadd9 das H auf der A-Saite weglasse hat rein grifftechnische Gründe. Die A-Saite lasse ich beim Picking meist aus, oder ich dämpfe (mute) sie beim Schlagen. Ich greife die None A halt lieber mit dem Ringfinger als mit dem Zeigefinger, was aber auch ginge.

Die "Ausnahme" ist hier, wenn der Grundton auf der E-Saite liegt. Dann ist die None auch 3 Saiten tiefer, aber da der G-H-Saiten-Übergang nicht zum tragen kommt, ist hier die None einen Bund vor dem Grundton.

Zusammenfassung
Quarte Septime None sind also meist im selben Bund wie der Grundton.
  • Also Quarte ist eine Saite unter dem Grundton, die Septime 2 Saiten, die None 3 Saiten.
  • Bei allen Intervallen muss man den G-H-Saitenübergang beachten.
  • Bei der Septime und bei der Quarte kommt in Ausnahmefällen einen Bund dazu (wenn die G-H-Saiten überschritten werden)
  • Bei der None herrscht regelmäßig der Ausnahmezustand. Da wird ein Bund abgezogen, wenn mal nicht die G-H-Saiten überschritten wird.

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Erstellt: von mjchael » 03.10.2011, 20:17

Wir haben die Quarte (4), die Septime (7) und die None (9)
Von den einfachen Akkorden haben wir auch schon den Grundton (1), die Terz (3) und die Quinte (5). Die werden wir uns zwar noch einmal genauer anschauen, aber wir haben schon folgende Intervalle kennengelernt
1 _ 3 4 5 _ 7 _ 9 _ _ _ _
Die Oktave kennen wir auch schon, aber die nehmen wir uns noch mal genauer vor.
1 _ 3 4 5 _ 7 8 9 _ _ _ _
Also fehlt noch für den ersten groben Überblick die Sekunde (2) und die Sexte (6)

Schauen wir uns mal die Sexten an.

Lektion 13
die Sexte

Kannst du dir schon denken, wie ein C6 gebildet wird?
Welches ist der sechste Ton vom Grundton C aus?

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1 2 3 4 5 6
C D E F G A


Zum C-Dur-Akkord muss noch ein A mit hinzu kommen.
Die leere A-Saite verbietet sich, da sonst der Grundton C auf dem 3. Bund der A-Saite wegfallen würde. Also bleibt das A auf der G-Saite im 2. Bund (der Ringfinger unter dem Am) übrig.

Code: Alles auswählen

      C6
 E ||---|---|---|-
   ||-Z-|---|---|-
   ||---|(R)|---|-
 D ||---|-M-|---|-
 A ||---|---|-K-|-
 E ||---|---|---|-

Der Akkord wird also wie eine Mischung aus C-Dur und Am gegriffen.
Ist dir noch aus dem Anfängerkurs im Lagerfeuerdiplom bekannt, dass Am die Moll-Parallele der Tonart C-Dur ist?

In der Tonart C-Dur ist C die erste Akkordstufe und Am die sechste.

Wende das mal für F6 an!
Was war nochmal die Moll-Parallele von F-Dur?

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Erstellt: von mjchael » 03.10.2011, 21:09

Code: Alles auswählen

F6
   ||-Z-|---|---|-
   ||-Z-|---|(K)|-
   ||---|-M-|---|-
   ||---|---|-R-|-
   ||---|---|---|-
   ||---|---|---|-

Ich muss also gar nicht lange ausrechnen, welcher der sechste Ton nach F ist, wenn ich doch einfach weis, dass Dm die Mollparallele von F-Dur ist.

Ich könnte es natürlich auch einfach ausrechnen.
F G A H C D

Aber ich wende immer das an, das im Moment einfacher ist.

Wie sieht es mit G6 aus.

Bei G ist die Mollparallele Em. Daher muss irgendwie ein E zu dem G6 hinzugefügt werden.

Es gibt 2 Möglichkeiten:

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     G6
   ||---|---|-K-|-    (E)||---|---|---|-
 H ||---|---|---|-     H ||---|---|---|-
 G ||---|---|---|-     G ||---|---|---|-
   ||---|(M)|---|-     D ||---|---|---|-
   ||---|-Z-|---|-       ||---|-M-|---|-
   ||---|---|-R-|-       ||---|---|-R-|-

Obwohl beide Varianten greifbar sind, wirst du mir wohl zustimmen, dass die zweite Variante leichter zu greifen ist.

Die erste Variante eignet sich gut dazu, um ein Hammering einzubauen. Dafür versetze ich meist den Mittelfinger, und dämpfe die A-Saite ab, bzw. zupfe sie gar nicht erst an.

Code: Alles auswählen

   ||---|---|-K-|-
 H ||---|---|---|-
 G ||---|---|---|-
 D ||---|(E)|---|-
 x ||---|---|---|-
   ||---|---|-R-|-


Wie sieht es jetzt bei E6 und A6 aus. Hast du da gleich die Moll-Parallele griffbereit?

Wenn du dich ein wenig mehr mit Barré-Akkorden auskennst, dann wirst es dir irgendwann auch in Fleisch und Blut übergehen, dass C#m die Mollparallele von E-Dur ist, und dass F#m die Mollparallele von A-Dur ist.

Ok jetzt wissen wir zwar, dass man bei E6 ein C# hinzufügen müssen, und bei A6 ein F#, aber wir haben ja noch nicht geklärt, wo man die Töne überhaupt findet. (Kommt noch.) Zudem setze ich bei Anfängern nicht voraus, dass sie sich die Moll-Parallelen von A und E merken.

Also nehme ich hier einen anderen Weg, der mit der richtigen Übung viel mehr Spaß macht.
Ich weiß doch wo die 7 bei E und A ist. Mich interessieren hier die Varianten mit dem kleinen Finger und nicht die mit der leeren Saite.
Ein Ton vor der 7 (Septime) kommt die 6 (Sexte). Sie ist nur einen Halbton (also einen Bund) von der Septime entfernt. Ich muss also nur den kleinen Finger einen Bund zurück schieben, und schon weiß ich wo die Sexte bei E6 und A6 ist.

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         E7                    E6
 E ||---|---|---|-     E ||---|---|---|-
   ||---|---|(K)|-       ||---|(K)|---|-
   ||-Z-|---|---|-       ||-Z-|---|---|-
   ||---|-R-|---|-       ||---|-R-|---|-
   ||---|-M-|---|-       ||---|-M-|---|-
 E ||---|---|---|-     E ||---|---|---|-
         A7                    A6
   ||---|---|(K)|-       ||---|(K)|---|-
   ||---|-R-|---|-       ||---|-R-|---|-
   ||---|-M-|---|-       ||---|-M-|---|-
   ||---|-Z-|---|-       ||---|-Z-|---|-
 A ||---|---|---|-     A ||---|---|---|-
   ||---|---|---|-       ||---|---|---|-


Übe das doch mal mit einem simplen 8-taktigen Blues in E-Dur.

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 E      E6    E7    E6    E   6   7   6     A   6   7   6     E   6   7   6
|-----------------------|-----------------|-0---2---3---2---|------------------|
|-0-----2-----3-----2---|-0---2---3---2---|---2---2---2---2-|-0---2---3---2----|
|---1-----1-----1-----1-|---1---1---1---1-|-----------------|---1---1---1---1--|
|-----------------------|-----------------|-----------------|------------------|
|-----------------------|-----------------|-0---0---0---0---|------------------|
|-0-----0-----0-----0---|-0---0---0---0---|-----------------|-0---0---0---0----|

  H7                A                 E   6   7   6     H7
|-2---2---2---2---|-0---0---0---0---|-----------------|-2---2---2---2----|
|---0---0---0---0-|---2---2---2---2-|-0---2---3---2---|---0---0---0---0--|
|-----------------|-----------------|---1---1---1---1-|------------------|
|-----------------|-----------------|-----------------|------------------|
|-2---2---2---2---|-0---0---0---0---|-----------------|-2---2---2---2----|
|-----------------|-----------------|-0---0---0---0---|------------------|

Die einzige Zupfbewegung ist:

                          bzw. eines tiefer
|-----:-----:-----:-----| |-M---:-M---:-M---:-M---|
|-M---:-M---:-M---:-M---| |---Z-:---Z-:---Z-:---Z-|
|---Z-:---Z-:---Z-:---Z-| |-----:-----:-----:-----|
|-----:-----:-----:-----| |-----:-----:-----:-----|
|-----:-----:-----:-----| |-D---:-D---:-D---:-D---|
|-D---:-D---:-D---:-D---| |-----:-----:-----:-----|



C6 D6 E6 F6 G6 A6 H6

Es fehlt also noch D6 und H6

D6
D6 ist einfach. Greife einfach den D7 und überlege dir erst noch mal, welcher Ton für die 7 zuständig ist. Natürlich das C unter dem Zeigefinger. Wenn du jetzt einen Bund davor haben willst, musst du einfach den Zeigefinger anheben, und die leere H-Saite freigeben.

H6
Beim H6 muss man zuerst mal ein wenig überlegen. Normalerweise greife ich jetzt auf einen Barré-Akkord zurück. Aber mal überlegen ob es auch anders geht.

Zuerst überlege ich mal, was die Septime von H7 ist. Natürlich zähle ich nicht bis zum siebten Ton vorwärts, sondern einfach einen rückwärts. Vor dem H ist das A. Also suche ich zuerst mal das A beim H7. Einen Bund davor muss dann die Sexte sein.

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         H7                    H6
   ||---|-K-|---|-       ||---|-K-|---|-
 H ||---|---|---|-     H ||---|---|---|-
   ||---|(R)|---|-       ||(M)|---|---|-
   ||-Z-|---|---|-       ||-Z-|---|---|-
   ||---|-M-|---|-       ||---|-R-|---|-
 E ||---|---|---|-     E ||---|---|---|-

Für Anfänger ist der H6 etwas ungewöhnlich in den Fingern, aber nicht besonders schwer zu greifen. Ich haben einen H6 jedoch nur selten mal in meinen Liederbüchern gesehen. Die Griffvariante scheint nicht besonders beliebt zu sein.

Wenn du aber mal genauer hinschaust, dann fällt dir vielleicht eine Gemeinsamkeit mit der einen Variante von G6 auf, die wir eben betrachtet haben.

Code: Alles auswählen

         G6                    H6
   ||---|---|-K-|-       ||---|-K-|---|-
 H ||---|---|---|-     H ||---|---|---|-
 G ||---|---|---|-       ||(M)|---|---|-
   ||---|(M)|---|-       ||-Z-|---|---|-
   ||---|-Z-|---|-       ||---|-R-|---|-
   ||---|---|-R-|-     E ||---|---|---|-

und vergleiche das doch nochmal mit dem C6

Code: Alles auswählen

      C6
 E ||---|---|---|-
   ||-Z-|---|---|-
   ||---|(R)|---|-
 D ||---|-M-|---|-
 A ||---|---|-K-|-
 E ||---|---|---|-

Gut, die Finger müssen zwar anders aufgesetzt werden, aber man erkennt doch ein Muster:

Code: Alles auswählen

-|(6)|---|-
-|-3-|---|-
-|---|-1-|-

Bei den Dur-Akkorden ist die Sexte zwei Saiten unter dem Grundton und einen Bund zurück.
Die Sexte sitzt genau unter der Dur-Terz. (Das mit der Dur- und der Mollterz schauen wir uns bald noch mal genauer an.) Wer Schach spielen kann, der kann sich hier gut den Springerzug vorstellen. Zwei Felder vor, ein Feld zur Seite. (entspricht zwei Saiten runter und einen Bund zurück)

Bei der einfachen Variante von G6 sowie bei A6, E6 und D6 klappt der "Springerzug" jedoch nicht.
Warum?

Wende nur das an, was du gelernt hast!

Irgendetwas galt es doch zu beachten...

Was war das nur?
Zuletzt geändert von mjchael am 12.10.2011, 21:58, insgesamt 3-mal geändert.

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Erstellt: von mjchael » 03.10.2011, 21:37

Bei D6, E6, F6 und der einfachen Variante von G6 liegt der Grundton über oder auf der G-Saite, und die Sexte auf oder unter der H-Saite. Hier kommt also wieder der G-H-Saiten-Übergang zur Anwendung.

Überall, wo die Sexte auf der H oder auf der hohen E-Saite liegt, muss diese um einen Bund weitergeschoben werden.

Wenn der Grundton also auf einen der mittleren Saiten liegt, so ist die Sexte genau zwei Saiten unter dem Grundton im selben Bund.


Vergleiche mal beide Möglichkeiten, wenn der Grundton auf einen der oberen oder einen der Mittleren Saiten liegt.
Den Grundton und die Sexte habe ich hier mal wieder eingeklammert.

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      G6   H6   C6      D6   E6   F6   G6
   |--3----2----0---||--2----0----1---(0)--|
 H |--0----0----1---||-(0)--(2)--(3)---0---| H
 G |--0---(1)--(2)--||--2----1----2---(0)--| G
   |-(2)---1----2---||-(0)--(2)--(3)---0---|
   |--2---(2)--(3)--||-------2---------2---|
   |-(3)------------||-------0---------3---|

Vergleiche die Akkorde noch mal mit den 7er-Akkorden.
(Der F7 ist nur für die gedacht, die schon Barré-Akkorde beherrschen)

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      G7   H7   C7      D7   E7   F7   G7
   |-- ----2----0---||--2----0----1---(1)--|
 H |--3----0----1---||-(1)--(3)--(4)---0---| H
 G |--0---(2)--(3)--||--2----1----2---(0)--| G
   |-(3)---1----2---||-(0)--(2)---1----0---|
   |--2---(2)--(3)--||-------2----3----2---|
   |-(3)------------||-------0----1----3---|

Wie du siehst, ist die Sexte einen Bund vor der Septime.

Zusammenfassung
  • Wo es praktisch ist, nutzt man für die Sexte die Mollparallelen als Eselsbrücke
  • E6 und A6 lernt man am einfachsten über den Blues. (5-6-7-Spielereien)
  • Die Sexte liegt einen Bund vor der Septime. (Ableitung über 7er-Akkorde)
  • Liegt der Grundton auf der E oder A-Saite wendet man den "Springerzug" an. (Zwei Saiten tiefer, einen Bund zurück)
  • Liegt der Grundton auf der D oder G-Saite so ist die Sexte zwei Saiten tiefer im selben Bund. (G-H-Saitenübergan)

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Erstellt: von lf04ms » 04.10.2011, 20:49

Hi,

schöne Lektionen und gut erklärt, danke :)

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Erstellt: von musicdevil » 11.10.2011, 12:15

Find ich auch, prima ()/

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Erstellt: von mjchael » 12.10.2011, 23:19

:D Danke für die Blumen!

Lektion 14
die Sekunde


Die Sekunde ist recht einfach gefunden. Es ist einfach der nächste Ton nach dem Grundton.

Code: Alles auswählen

-|-1-|---|-2-|-


Es sollte eigentlich ganz leicht sein. Aber leider haben wir hier einige Tücken.
Hier ist es mal so, dass die Theorie viel einfacher ist als die Praxis.

Nehmen wir mal die Sekunde von A. und versuche das mal auf der tiefen A-Saite darzustellen.

Du kannst nur die leere A-Saite oder aber das H im zweiten Bund von der A-Saite spielen, nicht jedoch beide gleichzeitig.

Du könntest jetzt versuchen das A einfach im 5. Bund auf der tiefen E-Saite zu greifen, und das H im zweiten Bund.

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             III      V
 E ||---|---|---|---|---|-
 H ||---|---|---|---|---|-
 G ||---|---|---|---|---|-
 D ||---|---|---|---|---|-
 A ||---|-H-|---|---|---|-
 E ||---|---|---|---|-A-|-

In wie weit dieses von praktischem Nutzen für Akkorde ist sei erst mal dahingestellt. Vermutlich wird darüber keiner einen Akkord aufbauen.
Also geht man hier einen Kompromiss ein. Man verschiebt die Sekunde einfach eine Oktave höher. Man spielt nicht das tiefe H, sondern das hohe H.

Anstelle eines A2 spielt man also einfach einen A9. Und wie man diesen greift, haben wir ja schon gesehen.

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 E ||---|---|---|-
(H)||---|---|---|-
   ||---|-A-|---|-
   ||---|-E-|---|-
 A ||---|---|---|-
   ||---|---|---|-

Jetzt haben wir aber ein zweites Problem. Wir können zwar gleichzeitig den Grundton A (2. Bund G-Saite) und die Sekunde (leere H-Saite) spielen, aber zusätzlich noch die Dur-Terz C# vom A-Dur (2. Bund H-Saite) oder die Mollterz C (1. Bund H-Saite) zusammen mit der Sekunde und dem Grundton in der Nähe lässt sich einfach nicht darstellen. Es funktioniert vielleicht mit einem Hammering, dass man die Töne nacheinander spielt, aber nicht gleichzeitig.

Da muss man dann auf irgendetwas verzichten. Beim A9 verzichtet man auf die Dur- oder die Mollterz. In vielen Fällen reicht es trotzdem aus. Die Terz wird suspendiert bzw. ersetzt durch die Sekunde. Daher bezeichnet man den Akkord korrekterweise als Asus9. Oder auch Asus2. Weil man eh einen Kompromiss eingehen muss, nimmt man es hier mit der Bezeichnung (ob nun sus2 oder sus9) nicht so genau.

Selbes Spiel bei D2.
Die Leere D-Saite und das E auf der D-Saite im zweiten Bund kann man nicht gleichzeitig darstellen. Also verlagert man das E einfach in die Oktave, und spielt statt einem D2 ein D9.

Allerdings klappt es nicht gleichzeitig die Sekunde E und auch die Dur-Terz F# (2. Bund E-Saite) oder die Mollterz F (1. Bund E-Saite) zu spielen. Also verzichtet man darauf und spielt einen Dsus2 bzw. Dsus9.
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j1m3e
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Erstellt: von j1m3e » 08.02.2012, 14:31

super erklärt!

hat mir für das ganze Grifbrett weitergeholfen!

super arbeit, war sicherlich mit zeitaufwand verbunden!

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Rico
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Erstellt: von Rico » 08.02.2012, 19:14

Meine Güte, ist das umfangreich! Da hast Du Dir aber richtig Arbeit damit gemacht. Respekt! Werd mich da wohl mal durchackern. Ne Menge Sachen, die ich noch nicht weiß! Vielen Dank für diese Anleitung! ()/

Gruß

Rico

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mjchael
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Erstellt: von mjchael » 08.02.2012, 19:17

Ja, die Arbeit ist zeitraubend, aber mache ich doch gerne für euch! :D
Das ganze ist auch noch gar nicht fertig. Es werden früher oder später noch ein paar Lektionen folgen. Ich hoffe nur, es wird mit den Erklärungen immer leichter für euch, das Griffbrett zu erobern.

Gruß Mjchael

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Rico
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Erstellt: von Rico » 08.02.2012, 19:27

Wirklich Lob und Anerkennung für die ganze Mühe, die Du Dir damit gibst!

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mjchael
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Erstellt: von mjchael » 19.02.2012, 00:27

Zwischenstand
So, nochmal schauen, was wir schon an Intervallen haben:

1 - Die Prime - Der Grundton
lässt sich gut über die Grundtöne der Akkorde ableiten.
Leere Saiten-Regel, Ringfinger-Regel, 3 Markante Akkordtöne, die E-Saiten sind gleich (Oben-Unten-Regel), Stimmsaiten im 5. Bund (und 4. Bund G-Saite)

2 - Sekunde
Zwei Bünde rechts vom Grundton. Verdrängt (suspendiert) häufig die Terz. Oft wird die Oktave (9) verwendet

3 - Terz
Wir wissen zwar, dass es der dritte Ton einer Tonleiter ist, und dass er zu den Akkorden gehört, aber genauer haben wir uns die Terz noch nicht angeschaut.

4 - Quarte
Sus4 Akkorde - Genau eine Saite unter dem Grundton - Außer wenn der Grundton auf der G-Saite ist. Dann ist die Quarte auf der H-Saite einen Bund weiter. Die Umkehrungen der Quinte müssen noch besprochen werden.

5 - Quinte
haben wir als einen Akkordton kennengelernt. Müssen diesen aber noch einmal genauer unter die Lupe nehmen (Powerchord)

6 - Sexte
Springerzug nach links vom Grundton aus (für die die Schach können; für die anderen: zwei Saiten runter und einen Bund nach links), es sei denn, die Sexte liegt auf der H oder hohen E-Saite; dann zwei Saiten unter dem Grundton. Lässt sich oft leichter von 6er-Akkorden ableiten - bei Dur-Akkorden hilft die Mollparallele. Beim Blues gibt es eine 5-6-7-Spielerei. Da ist die Sexte einen Bund vor der Septime.

7 - Septime
zwei Bünde vor der Oktave - Vom Grundton aus zwei Saiten tiefer. Wenn dabei die G-H-Saite überschritten wird noch einen Bund weiter rechts (Springerzug für die, die Schach können). - Oftmals leichter über Akkorde abzuleiten. Die große Septime (maj7 oder kurz j7 muss noch besprochen werden)

8 - Oktave
Leitet man von den Grundtönen der Akkorde ab (siehe Prime). Oktaven müssen noch mal bei Oktavgriffen (und Powerchords) besprochen werden.

9 - None
Oktave der Sekunde. Daher: zwei Bünde rechts von der Oktave - In der Regel gebau 3 Saiten unter dem Grundton - Nur wenn der Grundton auf der tiefen E-Saite ist muss noch ein Bund nach links gegangen werden. - Eigentlich ist es ein add9. Die 9 als Jazz-Akkord muss noch besprochen werden. - wird manchmal auch als 2 bezeichnet (siehe Sekunde).

10 - Dezime
ist die Oktave der Terz, und taucht daher als Bezeichnung bei Akkorden nicht auf. Dezimbewegungen müssen noch mal besprochen werden.

11 - Undezime
ist die Oktave der Quarte. Daher findet man die 11 eine Saite unter der Oktave (Außnahme: Oktave liegt auf der G-Saite --> noch einen Bund nach rechts - siehe Quarte)

12 - Duodezime
ist die Oktave der Quinte - kommt bei Akkorden nicht vor - Dezime-Bewegungen müssen noch mal besprochen werden

13 - Tredezime
Ist die Oktave der Sexte, und wird auf der Gitarre oftmals durch einen 6er-Akkord dargestellt. Tredezime-Bewegungen müssen noch mal dargestellt werden.

14 - ist die Oktave der Septime und wird bei Akkorden nur als 7 dargestellt.

Große, kleine, übermäßige und Verminderte Intervalle müssen noch vorgestellt werden.
Akkordumkehrungen und die daraus resultierenden Intervalle müssen besprochen werden.
Ein grober Überblick über die Tonleitern muss noch gemacht werden (dann Weiterleitung zum Dur-Tonleiter-Workshop)

So, jetzt wisst ihr ungefähr, was noch fehlt. Bei nächster Gelegenheit arbeite ich weiter.

Gruß Mjchael

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mjchael
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Erstellt: von mjchael » 20.02.2012, 22:25

Lektion 15
Durterz und Mollterz


Dur und Moll-Terzen untersuchen wir am besten mal mit Dur- und Moll-Akkorden

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aber:
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Du siehst, wo der Grundton ist, und du siehst, welcher Ton sich verändert. Der Ton, der eine Saite tiefer sowie ein oder zwei Bünde links vom Grundton ist, der ist verantwortlich für den Dur- oder Moll-Charakter.

Durstellung

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-|---|-3-|---|-
-|---|---|-1-|-

Mollstellung

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-|-3b|---|---|-
-|---|---|-1-|-


Wie immer muss man den G-H-Saitenübergang beachten. Beim A- und Am ist die Dur- bzw. die Moll-Terz einen Bund weiter rechts. Also ist die Dur-Terz auf der H-Saite genau unter dem Grundton, und die Moll-Terz einen Bund davor. Hier an dieser Stelle könnte man die Dur- mit der Moll-Terz verwechseln.

Besonders auffällig ist es, wenn du den E-Dur-Akkord mit dem Am-Akkord vergleichst.
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Obwohl hier der Fingersatz ziemlich gleich ist, haben wir einmal einen Dur-Akkord, und ein anderes mal einen Moll-Akkord.
Jetzt aber weißt du, dass der Grund dafür der G-H-Saitenübergang ist.

Schaue dir jetzt mal alle Dur-Terzen an.
Bild Bild Bild Bild Bild Bild
Und die Ausnahme
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Fast überall erkennst du die Durstellung. Meist ist der Grundton unter dem Zeigefinger, und die Dur-Terz unter dem Ringfinger.
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Schon recht früh im Lagerfeuerdiplom habe ich auf diese Fingerstellung aufmerksam gemacht, und im Folkdiplom habe ich noch einmal empfohlen diese "Durstellung" gesondert zu üben.
Bild

So wurde man schon recht früh darauf vorbereitet, die Dur-Terz zu erkennen. Sie lernt sich wesentlich leichter, wenn man sie einfach schon in den Fingern hat.

Schau dir nochmal alle Grundtöne der oben gezeigten Dur-Akkorde an. Du wirst feststellen, dass man von einigen Grundtönen aus keine Dur-Terz darstellen kann.

Bei C-Dur kannst du von beiden Grundtönen aus die Dur-Terz bilden. Beim tiefen C haben wir die bekannte Dur-Stellung, und beim hohen C liegt die Dur-Terz auf der leeren E-Saite.

Bei D-Dur kannst du nur vom hohen D aus die Dur-Terz bilden. Vom tiefen D (leere D-Saite) ist keine Dur-Terz möglich. Solltest du doch mal genau diese Dur-Terz benötigen (das ist der Ton F#), dann musst du auf den Stimmton der D-Saite ausweichen. (A-Saite 5. Bund). Dieses erreicht man, wenn man den C-Dur-Akkord einfach zwei Bünde weiter schiebt.
C = x32xxx D = x54xxx

ebenfalls kann man eine Umkehrung des C-Dur und D-Dur-Akkord spielen
C/G = 332010 (kurz: 332xx)
D/A = 554xxx
Den D/A verwende ich gern beim Melodie-Picking.

In der Tonart G-Dur kann man auch den C7-Akkord verschieben
C7 = x3231x
D7 = x5453x

Mitunter kann man auch einen Dadd9add11 bzw.. Dadd7add9 spielen.
Dadd4add9 = x54030
die leere G-Saite ist für das sus4 verantwortlich, und die leere E-Saite für das add9

Spiele mal die Akkordfolge: C/G - Dadd9add11/A - G - Am
(Vida la Vita von Coldplay)

Beim E-Dur-Akkord kannst du die Dur-Terz nur vom mittleren E aus bilden. Nicht jedoch von der hohen und der tiefen E-Saite.

Auch beim F kannst du die Dur-Terz nur vom Zeigefinger aus bilden. Aber nicht von der hohen E-Saite liegen. Du kannst feststellen, dass die Dur-Terz das A ist. Also ist auch die leere A-Saite eine Dur-Terz von F-Dur ist. Diejenigen, die schon das Barré-F kennen, werden feststellen, dass der Barré-Zeigefinger die leere A-Saite verdeckt, so dass es hier etwas schwieriger wäre, die Dur-Terz darzustellen.

Beim G-Dur-Akkord kann man die Dur-Terz vom Zeigefinger aus bilden. Beim G-Dur-Akkord funktioniert auch die Dur-Terz über die leere G-Saite. Durch den G-H-Saitenübergang liegt die Dur-Terz genau unter dem Grundton (Genau wie beim A-Dur-Akkord). Beim hohen G funktioniert natürlich keine Dur-Terz mehr, weil keine weitere Saite mehr übrig ist.
Bei G-Dur gibt es noch eine alternative Griffweise.
G = 320033
Die leere H-Saite ist verschwunden, und somit eine Dur-Terz. Man muss jetzt aufpassen, dass man nicht noch das H auf der A-Saite auslässt, sonst hat man nämlich keinen Dur- oder Moll-Akkord mehr, sondern einen Powerchord.
G5 = 3x0033
Dieses geschieht recht leicht beim Zupfen. Wenn man keinen Wechselbass spielt, hat man auf einmal kein G-Dur mehr, sondern man spielt einen Powerchord. Meist fällt einem dieses beim ersten Hören gar nicht auf, man sollte sich dennoch darüber bewusst sein.

Beim A-Dur-Akkord kann man keine Dur-Terz von der leeren A-Saite aus bilden. Die Dur-Terz liegt genau unter dem hohen A (G-Saite 2. Bund) auf der H-Saite (ebenfalls im 2. Bund).

Beim H-Dur7-Akkord liegt die Dur-Terz unter dem Zeigefinger. Von der leeren H-Saite aus lässt sich keine Dur-Terz bilden. Man müsste auch hier auf den Stimmton H (4. Bund G-Saite) ausweichen, um die Dur-Terz im 4. Bund auf der H-Saite greifen zu können. Hier ist es dann vorteilhafter den H-Dur-Akkord als Barré zu greifen.
H = x23332

Soweit erstmal zu der Möglichkeit bei den einfache Grundakkorden überhaupt eine Dur-Terz darzustellen.

to be continued...

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