DU-DU-DU-Muster in richtige Schlagmuster übersetzen?

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capo53
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DU-DU-DU-Muster in richtige Schlagmuster übersetzen?

Erstellt: von capo53 » 17.02.2012, 16:39

Hallo zusammen.

Ich bin seit ein paar Tagen dabei, mich ernsthaft mit Schlagmustern auseinander zu setzen. Dazu habe ich mir die diversen Infos in den Wiki-Books angesehen (und verstanden). Also Western-Schlag, Lagerfeuer-Schlag usw.

Danach bin ich dann zu den 16 Grundmustern gekommen, aus denen sich praktisch alle Schlagmuster zusammensetzen.

Wie wir alle wissen, geistern bei YouTube ja jede Menge "Gitarrenlehrer" herum, die, vor allem wenn sie aus dem englischsprachigen Raum kommen, meistens mit den sogenannten DU-DU-DU-Mustern arbeiten (DU = Down - Up oder Abschlag - Aufschlag).

Jetzt meine Frage:

Wenn ich diese DU-DU-DU-Muster jetzt in richtige Schlagmuster "übersetzen" will, was muss ich dabei beachten?


Die DU-DU-DU-Muster lassen ja manchmal nicht wirklich erkennen, wann Luftschläge gemacht werden und ich habe mir jetzt (nach einigem Üben) einen durchgehenden Ab- und Aufschlag angewöhnt, den ich nur sehr ungerne wieder aufgeben möchte.

capo53

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mjchael
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Erstellt: von mjchael » 17.02.2012, 18:47

Ich habe mich schon bei der Zusammenstellung der Links für den Rhythmus genauer dazu oder besser dagegen geäußert.

http://www.gitarre-spielen-lernen.de/fo ... tml#257500

Wenn du ein Du-Du-Du-Schlagmuster übersetzen willst, dann musst du zuerst einmal den Takt ermitteln.

Ist es ein 4/4-Takt, ein 3/4-Takt oder ein 6/8-Takt?

Wenn du das raus hast, dann solltest du überprüfen, ob es sich hierbei um ein eintaktiges oder um ein zweitaktiges Schlagmuster handelt.

Und am besten du nimmst dir Rechenkästchen zum notieren. Beim eintaktigen hast du 8 Kästchen, beim zweitaktigen hast du 16 kästchen.

Ich betrachte auch schnelle Schlagmuster im 1/16-Feeling wie zweitaktige Schlagmuster. Zum Üben verlangsame ich eh das Muster auf ein moderates Tempo.

Wenn du mal das Raster mit den Auf und Abschlägen vor Augen hast, dann ist es manchmal bei der Übersetzung eines DU-DU-DU-Musters so, dass man einfach mal alle Kombinationen, die überhaupt möglich sind durchspinnt. Dabei gehe ich zuerst mal davon aus, dass sich der Spieler bei Youtube halbwegs daran hält, dass auf die Zahlen Abschläge kommen, und auf die "und" die Aufschläge.

Aber selbst darauf kann man sich nicht immer verlassen. Hier hilft es nur auf die Unstimmigkeiten zu achten, und gegebenenfalls auch mal aus einem D ein U zu machen, damit es sich überhaupt im 1/16 oder 1/8-Feeling realisieren lässt.

Dann musst du noch aufpassen, ob der Lehrer auch wirklich die Taktgrenzen einhält. Manchmal wird ein Akkord schon kurz vor dem eigentlichen Takt gewechselt.

Und der erste Schlag, welcher der Lehrer ankündigt ist eigentlich der letzte Schlag des vorangegangenen Taktes.

Das sind alles Sachen, die ich bei Youtube gesehen habe.

Dann sollte man sich unbedingt eine Zeit lang das originale Schlagmuster anhören, und es mit den Schlagmustern vergleichen, die man schon kennt.

Hast du ein Schlagmuster, dass nur so ähnlich klingt, wie das vorgezeigte, dann spiele es erstmal zu dem Lied. Dann beginne die einzelnen Takthälften so weit zu variieren, bis sie dem Original nahe genug kommen.

Ich selbst spiele nicht immer den Original-Schlag nach. Sehr oft verwende ich mir bekannte Schlagmuster und variiere sie leicht. Das hat aber nur etwas mit Routine zu tun. Ich kenne halt meine Lieblingsschlagmuster besser als einige Originalmuster.

Kommt halt darauf an, wie interessant ich ein Schlagmuster finde.

Einfache Takthälften

Code: Alles auswählen

A - A -
A V A -
A - A V
A V A V

lassen sich meist ohne besondere Probleme nachspielen. Da fällt das Heraushören leicht.

Probleme machen Schlagmuster mit punktierten Noten.

Code: Alles auswählen

A - - V


oder zusammengesetze Takthälften, wo man den letzten Schlag der ersten Takthälfte vom Gefühl her lieber der zweiten Takthälfte zuordnen will. Oder wenn es Auftakte gibt (also wenn der erste Takt am Anfang gar keine Schläge hat)

Code: Alles auswählen

A - - V A V A V


Auf solche Schlagmuster muss man beim Üben (nicht beim Heraushören) besonders achten, damit man sie auch dann erkennt, wenn man sie raushören soll.

Meine Deutschlehrerin hat uns bei einer Klassenfahrt mal gesagt, dass man nur das erkennt, was man kennt. Daher hat sie uns einiges über die Architekten Berlins, über Museen, Bilder und Kunstrichtungen erklärt, so dass wir es auch auf unserer Berlinfahrt wiederentdecken konnten.

Genau so ist es auch bei Schlagmustern. Ich würde dir am Anfang raten, recht viele Schlagmuster zu lernen, um dann Ausschnitte von denen in anderen unbekannten Schlagmustern wiederzuentdecken.

Die Übung mit den 16 Takthälften ist da schon mal eine enorme Hilfe. (Links siehe oben).
Sie Samba-Rhythmen werden dir bestimmt auch Spaß machen, und du wirst hinterher staunen, um wie viel besser du die Schlagmuster heraushören kannst.

Ach ja, was man beim Heraushören eines Videos auch machen sollte:
Man sollte sich nicht zu fein sein, sich auch andere Videos und Covers anzuschauen, und einige Tabulatur-Portale zu durchforsten. Mitunter zeigt es jemand anderes nämlich besser, oder du findest sogar eine Variante, die dir besser gefällt.

Man sollte nicht verkrampft nur an einer einzigen Version kleben bleiben, und auch nicht unbedingt in jedem Fall darauf beharren, dass es 100% wie das Original klingt.

Es reichen sogar nur 95%. manchmal sogar nur 80% Übereinstimmung mit dem Original.
Manchmal funktioniert auch ein völlig anderes Schlag- oder Zupfmuster.

Beispiele dazu findest du in unserem "Projekt Begleitvorschläge"
http://www.gitarre-spielen-lernen.de/fo ... 19399.html

Da siehst du auch bei einigen Liedern einige Varianten, die dir zeigen, wie man sich an ein Original-Schlagmuster nähert.

Und was auch immer hilft ist:
Bild

Gruß Mjchael

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Erstellt: von capo53 » 19.02.2012, 12:16

Dankeschön mjchael!

Ich hatte natürlich gehofft, dass du selber auf meine Frage antwortest, denn durch deine wirklich tollen und hilfreichen Ausführungen in den Wiki-Books bin ich ja überhaupt erst darauf gekommen :D

Jedenfalls vielen Dank für die vielen zusätzlichen Tipps und Ratschläge.

Ich werde jetzt einfach mal anfangen und die Schlagmuster bei den Stücken, die ich schon kenne in "richtige" Schlagmuster zu übersetzen. Das übt ein Stück weit und dann mache ich mich an neue Sachen ran.

Vielen Dank nochmal

capo53

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mjchael
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Erstellt: von mjchael » 19.02.2012, 13:46

Schaue dir mal ein paar Lieder von Jack Johnson an. Der hat ein paar ganz interessante Schlagmuster. Suche im Netz mal nach Powertab-Dateien für die einzelnen Songs (Mir gefallen besonders die Stücke aus der CD Brushfire Fairytales. Kann man bei Youtube mal stöbern.

Es gibt natürlich noch zig andere Stücke, aber JJ arbeitet halt viel mit Schlagmustern.
Zuletzt geändert von mjchael am 19.02.2012, 14:57, insgesamt 1-mal geändert.

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