Für alle Anfänger: Lasst euch nicht von der Muskindustrie verführen!

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Schneiderlein
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Für alle Anfänger: Lasst euch nicht von der Muskindustrie verführen!

Erstellt: von Schneiderlein » 24.10.2017, 21:48

Wenn man gerne gutes Gitarrenspiel hört, kommt man schnell bei der "Sound-Frage" an. Welches Equipment benötige ich? Von praktisch jedem guten Gitarristen bekommt man da hilfreiche und in der Regel kostspielige Ratschläge.

Schon lange stehe ich dem skeptisch gegenüber und meine Erfahrungen im Proberaum, seitdem ich wieder in einer Band spiele, haben mich in meiner Skepsis noch bestärkt. Die "Sound-Frage" wird da sehr schnell von sehr praktisch-konkreten Fragen verdrängt.

Das eigentlich traurige ist dabei, dass die Kreativität vom Spiel in den Sound abgewandert ist. Ob Rob Chapman, "Olli" oder Thomas Blug ist spielerisch-musikalisch ziemlich schnuppe. Ist alles dieselbe Kacke. Kreativ wird's bei der Suche nach einem richtig geilen "Sound". Um den zu optimieren, ist jeder Sch**ß recht, bis dahin, dass man seine Gitarren für zig hundert Euros einfrieren lassen kann und "Olli" darüber einer abgeht :lol:

Natürlich hat da die Musikindustrie ihre Finger im Spiel. Da man für Radio- und Hit-kompatible Musik schon lange keine Live-Musiker braucht und diese auch viel zu teuer sind, müssen diese andere, kreative Wege gehen, sich zu finanzieren.

Daher dieser Thread für junge Gitarristen: Liebe Gitarren-Anfänger, lasst euch von der Musikindustrie nichts vormachen. Gutes Gitarre-Spiel ist Arbeit und für euren persönlichen, guten Sound seid ihr selbst verantwortlich. Ihr könnt viel Geld für Gitarren, Verstärker und Effekte ausgeben, aber statt der "Sound-Frage" solltet ihr euch lieber die "Musik-Frage stellen", also die Frage nach guter Musik, nach dem richtigen Arrangement, den richtigen Akkorden und richtigen Tönen.

Mir ist dazu jetzt gerade ein Zitat von Pat Metheny über den Weg gelaufen, das ich mit euch teilen möchte und weswegen ich diesen Thread eröffne:

Ich dachte immer, dass ich genau den Verstärker mit dem Klang und dem Effekt bräuchte. Bis ich eines Tages irgendwo in Polen eine Jam Session spielte, auf einer tschechischen Gitarre und einem orange-roten, russischen Verstärker. Die beiden obersten Saiten der Gitarre waren superdünn und straff, die dritte superdick und labberig, die vierte war dünner als alle anderen und die andern beiden gerade mal vorhanden. Entsetzt bemerkte ich, dass das Fernsehen auch noch mitschnitt. Als ich mir die Aufnahmen am nächsten Tag anhörte, stellte ich zu meinem großen Erstaunen fest: «Das bin ja ich! Das klingt genau so wie Pat Metheny!» Seitdem bin ich, was die Ausrüstung anbelangt, relativ entspannt.

(Zitiert nach "All That Jazz" von Michael Jacobs, S. 439.)

Ich habe es hier schon geteilt, weiß, dass nicht alle hier meine Meinung teilen, aber ich sage es nochmal: Was nicht auf der Wander-Schrabbel-Gitarre reproduzierbar ist, ist kein wirkliches Können.

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Re: Für alle Anfänger: Lasst euch nicht von der Muskindustrie verführen!

Erstellt: von slowmover » 25.10.2017, 07:01

Ja, das ist halt eine Meinung, die eben zur Diskussion einlädt.

Die meisten Menschen sind nicht Diogenes, und leben nicht in der Tonne. Die meisten Menschen brauchen viele eigentlich überflüssige Dinge um glücklich zu sein. Wenn ich mir schon nicht das Können von Pat Metheny kaufen kann, bekomme ich zumindest vielleicht eine ähnliche Gitarre. Was soll daran schlecht sein?

Dass ich als Nicht-Eremit von früh bis spät Konsument bin ist halt so. Das fängt beim Zähneputzen bereits an.

Klar kann Vettel besser Auto fahren, dennoch macht mir ein BMW mehr Spass als ein Dacia. Für den, der sich nicht alles gleichzeitig leisten kann, gilt es halt, Prioritäten zu setzen.

Übrigens erkenne ich die Beatles auch über den Lautsprecher des Handy. Mir ist trotzdem zu Hause der Sound der Hifianlage wichtig.

Für mich war Metheny immer ein belangloses Dahingeplätscher. Der typische Hintergrundsound für nervige
Hilton Lounge Bars.

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Re: Für alle Anfänger: Lasst euch nicht von der Muskindustrie verführen!

Erstellt: von Chavez » 25.10.2017, 09:22

Natürlich will die Musikindustrie ihren Kram verkaufen. Warum sonst sollten sie Instrumente bauen? Nenn mir einen Zweig von Herstellern die das nicht wollen.

Und das man, selbst mit dem bestmöglichen Equip, nicht automatisch ein Virtuose ist sollte einem der gesunde Menschenverstand sagen.

Trotzdem, wie ich auch schon in einem anderen Thread schrieb, wenn mir mein derzeitiges Equip nicht zusagt (weil ich als blutiger Anfänger vielleicht der Meinung war das jede Gitarre sich gleich anhört/anfühlt/spielt) und dann vielleicht die Erfahrung mache "es knurrt nicht, es krächzt nur", dann macht das Üben keinen Spaß. Mit der häufigen Folge das es dann einschläft.

Für meine bescheidenen Künste würde meine Tele (192.- €) völlig ausreichen. Gut bespielbar, solides Instrument. Trotzdem hab ich noch 3 andere zuhause (bis rauf auf 800.-€). Alle bespiel ich sehr gerne, weil jedes Instrument sich anders spielt und den gleichen Song anders klingen läßt.

Wie Slowmover schon schrieb, das zieht sich durchs ganze Leben, von früh bis spät. Ein Dacia würde mir reichen, weil ich auf Autos keinen großen Wert lege, aber deswegen warne ich ja keine Fahranfänger sich nur ja keinen teureren Wagen zu kaufen weil die jeweiligen Hersteller einem nur vormachen wollen das sie eh die besten Autos bauen.

Ich will hier auch nicht zum Ausdruck bringen das du völlig im Unrecht bist, für diesen "Einfrieren"-Hype z. B. fehlt mir auch jedes Verständnis. Aber wer unbedingt will, den kann und will ich auch nicht davon abhalten.

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Re: Für alle Anfänger: Lasst euch nicht von der Muskindustrie verführen!

Erstellt: von everyBlues » 25.10.2017, 09:59

Mal etwas offtopic.
Jahrzente lang habe ich mich mit Dosengel und Systemrasierer rasiert. Angefangen von zwei Klingen und feststehenden Kopf bis hin zu 6Klingen und flexiblen Kopf, habe ich jede Entwicklung mitgemacht.....was bin ich nur für ein Idiot gewesen, das ich mir von der Industrie sagen lasse, was gut oder nicht gut ist. Die SytemKlingen kosten gut und gerne mal 5- 9 Euro für 4Stück. Natürlich sind diese Dinger nicht mit anderen Rasierern kompatibel :lol:
Heute Rasiere ich mich mit sebst aufgeschlagenen Schaum und einen Rasierhobel....eine Klinge! Die kostet ca 80 Stück 9 Euro.
Ich war noch nie so sauber und schonend rasiert wie heutzutage!
( na ihr jungen hüpfer von heute. Was ist nun ein Rasierhobel? :lol: ;) )

Nun mal zum Thema: Früher haben die meisten mit Gitarren für 100- 120 Euro angefangen. Sie spielten über einfache Verstärker .........Und sogar mit sehr dünnen saiten ;) Viele von diesen Musikern sind heute Weltberühmt!! ;) Und Ihre Musik und sounds sind heute legendär.
Diese Instrumente mittlerweile schweine teuer geworden ( kommt mir nicht mit " andere Zeiten"). Und die Instrumente die heutzutage immer noch bezahlbar sind .... naja.... die scheinen wohl nicht gut genug? Die sind heute aber nicht schlechter als Früher.. eher besser!!! Und nicht teurer als früher!

Schneiderlein hat doch nicht sooo ganz unrecht. Ständig sind wir auf der Suche nach etwas, ständig suchen wir nach Befriedigung unserer Wünsche.....um dann, nachher festzustellen, wenn wir gekauft haben, das unsere Seele eben doch nicht zur Ruhe gekommen ist. Seele? eher unsere Gedanken!
Immer sind wir unzufrieden und kaufen dann wieder neu! ;)

Natürlich sollte die Gitarre und der Amp gefallen. Natürlich sollten die jeweiligen Saiten bespielbar sein. Dann ist doch aber gut oder!?
Der Rest kommt eben vom Gitarristen!!
Da nutzen dann auch keine 100 Gitarren in der Sammlung, keine 100 Pedale, und auch keine 100 Verstärker.......durch all das, wird das Spielen eben nicht besser. ;)
Lasst euch nicht ver...a...schen. Glaubt nicht alles was die Industrie auch weiß machen möchte.
Da gehts nicht mehr um die Musik. da gehts um's Geld verdienen!!

Und für Musiker, früher, ging es wohl auch mehr um die Musik. Alles andere war nur Mittel zum Zweck. Werkzeug!

Man kann also lange Zeit damit verschwenden, immer wieder neue Plektren Sorten, Saiten, Pedale, Amps, Gitarren usw usw zu kaufen um miteinander zu vergleichen.......oder man nutzt diese gegebene Zeit, um mit dem, was man bereits hat, gute Musik zu machen.
Kaufen ersetzt kein Üben! Und wer spielen kann, der spielt auch mit einfachen Dingen. Und wer aus diesen einfachen Dingen nichts macht, derjenige macht mit Sicherheit auch nichts aus teuren Equipment.

Ich sage es gerne nochmal. Heutzutage sind selbst preiswerte Gitarren und Amps gut bis sehr gut!! ;)
Haben Früher Musiker für Ihre tele oder Start's 100-200 taler bezahlt........ so bekommt man heutzutage für das gleiche Geld, eben sogute Gitarren, wie die damaligen Musiker. Eher noch Besseres.

Und eines steht für mich fest: Man hört das, was man sieht und glaubt!! das ist sehr sehr subjektiv. Und dieses Subjektive kann gut von Außen beeinflusst werden.


Sieht jeder anders. Ich sehe es so!
EDIT: Vielleicht gehört dieses ständige Suchen und Kaufen aber auch mit zur Entwicklung, auf dem Weg zum lernen, das man es eben nicht braucht. Das es auf andere Dinge ankommt.

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Re: Für alle Anfänger: Lasst euch nicht von der Muskindustrie verführen!

Erstellt: von mjchael » 25.10.2017, 15:34

Mein Motto wäre hier wohl:
Gut ist gut genug.
Es gibt wirkliche Billiggitarren. 35,- Euro mit Verstärker (gebraucht) oder 99,- €uro incl. Zubehör und Tasche und Ständer und...
bei den typischen Verkaufsportalen (eben noch nachgeschaut.)
Da darf man wirklich keinen super Sound verlangen. Wenn man da 50,- bis 100,- €uro mehr ausgibt, wird man den Unterschied wohl sehr deutlich bemerken, und auch das Lernen macht mehr Spaß, wenn sich die Gitarre "gut" anhört. "Gut" heißt aber nicht extrem viel und extrem teuer, sondern wie oben gesagt: Gut ist gut genug. Das reicht zum Lernen und Spielen.
Sobald es aber über den Preis eines guten mittelpreisigen Schüler-Sets hinaus geht, stimme ich Schneiderlein völlig zu.
Bevor man teures Geld für Equiptment ausgibt, lohnt es sich eher, zuerst mal Gitarre spielen zu lernen.
Das ist genau wie beim Schlagzeug: Wer es nicht schafft, mit Bassdrum, Snare und Hi-Hat einen gescheiten Rhythmus hinzubekommen, wird auch nicht besser spielen, wenn er sich noch Tom Toms, Standtoms und diverse Crash Becken dazu kauft.
Wer mit einer guten Schülergitarre keine Lieder begleiten kann, wird es auch nicht mit Bob Marley´s spezialangefertige Washburn 22 Hawk schaffen. Da kann er die 1,2 Millionen USD Kaufpreis ruhig stecken lassen ;)
Wenn man sein Instrument beherrscht, dann hat man immer noch Zeit sich eine Zweitgitarre oder entsprechendes Equiptment anzulegen. Dann hat man aber auch eine Vorstellung von dem, was man wofür brauchen kann, und ob man es überhaupt braucht.
Gruß Mjchael

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Re: Für alle Anfänger: Lasst euch nicht von der Muskindustrie verführen!

Erstellt: von slowmover » 25.10.2017, 18:20

Meine Gitarren (vollmassiv) haben im Neupreis deutlich in den letzten Jahren zugelegt. Ich würde wohl für meine gebrauchten Gitarren bei Verkauf den Preis bekommen, den ich neu bezahlt habe, Also eine richtig preiwertes Vergnügen mit sicherer Kapitalanlage.
Für Millionäre mag vielleicht gelten, dass sie reich wurden durch das Geld, was sie nicht ausgegeben haben. Wohlhabend wird man wohl eher durch die Einnahmen und nicht durch Sparsamkeit an falschem Ende. Ein 1000 Euro Handy ist nach 4 Jahren wertlos. Ein Gitarre in dieser Preislage keineswegs. Wenn man weiss, dass man dabei bleibt, lohnt es sich zu investieren. Bei Elektronik sieht es wohl komplizierter aus.

Die Qualität eines Gitarrenspielers und die seiner Gitarren müssen keineswegs im Gleichschritt gehen. Die Gitarre muss vielmehr zu seinem Etat passen. Ich finde es schwierig, einen Steuerberater mit 500T Jahreseinkommen und einen Kleinverdiener mit einem 20tel über den gléichen Leisten zu schlagen.

Jeder Marketingmann weiss, dass Freizeit und Hobbyausgaben mit anderen Ausgaben gleicher Art konkurrieren. Die Ausgaben für diesen Bereich sind eine recht fixe Grösse. Und das sind Ausgabe für Musikinstrumente eher zu den sinnvollen zu zählen. Eine vollmassive Gitte ist gerade mal so teuer wie ein Konzertbesuch mit Partner (bessere Karten) bei der letzten Stones Tour.

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Re: Für alle Anfänger: Lasst euch nicht von der Muskindustrie verführen!

Erstellt: von everyBlues » 26.10.2017, 08:29

Naja...... Wenn ich ehrlich bin, kommt mir beim Gitarrenkauf erst garnicht in den Sinn an einem Wiederverkauf zu denken. Wozu denn?
Ich habe auch schon wiederverkauft, aber das ergab sich dann eben so. Geplant war das sicherlich nicht.

Das ein Gitarrist mit sehr gutem Einkommen nicht im unterem Preisbereich sucht, ergibt sich einfach aus seinem Einkommen. Ein "Gitarren- Hero- Superstar" :D mit schweine Geld auf dem Konto, geht einfach rein und bezahlt. Der schaut nicht im unteren Preisbereich. Aber sicherlich NICHT, weil dort alles viel schlechter ist als Im Gehobenen. Sondern weil ers eben nicht nötig hat.
Und jede Gitarre hat Verschleiß, jede.

Natürlich gibt es Raritäten, die dann, auch uU. ein paar Tausende kosten. Das wäre dann, hätte man sie früher gekauft eine Kapitalanlage. Buddy Guy sagte einmal, wenn er gewusst hätte was seine Gitarren heute wert sind, hätte er alle behalten. Einige von denen können gar nicht mehr gespielt werden :lol: ....egal .... wichtig man hat sie :D.

Es geht hier ja nicht um Geiz. Auch nicht, um "weinig Geld haben". Sondern darum, das wir als Verbraucher, uns diktieren lassen, was wir benötigen und was nicht. Wir bekommen unterschwellig gesagt, was gut ist, und was uns glücklich macht. Und wir glauben es !!
Und die, die es glauben, versuchen es andere ebenfalls glauben zu machen. Nicht aus Bösheit, sondern weil sie es selber nicht besser wissen. Sorry,!! Das ich das so sage.

Als Anfänger der Gitarre, bekommt man zu gleich gesagt "Diese Gitarre reicht zum ANFANG". Nacher kannst dir immer noch etwas "Besseres" kaufen". "Dieser Verstärker ist ein "ÜBUNGSVERSTÄRKER" nacherher kannst dir einen bessern kaufen".
Viele Anfänger denken, hätten sie eine bessere teure Gitarre, wäre ihr spielen besser. Alles hörte sich dann besser an.
Außerdem möchte man ja klingen wie das jeweilige Vorbild/ Idol. Ganz klar spielt man Stücke von zB. Carlos Santana dann braucht man seine Plektren, natürlich eine Gitarre, so wie er eine spielt...usw..usw.....
Die Musiker selbst lassen sich wohl gut dafür bezahlen, das sie solch Spiel mitmachen?

Wo bleibt die Wertschätzung, dessen, was man sein Eigen nennen darf? Wo die Individuallität?
Immer muss es etwas Neues sein, auf er Suche nach DEM "richtigen" Ton. Und wenn man eben nicht so gut spielt........naja ....... es gibt allerlei Tricks mit Effekten.

Auch was das lernen ansich angeht. Alles muss easy sein. Möglichst wenig Anstrengung. Schnell erlenbar.........

ASO... isch bin ja noch garnischt fertisch :D :
Die Rolling Stones bzw. Keith Richard hat im Studio über einen kaputten Kassentenrecorder gespielt und so seinen Zerrton erhalten.
Frank Zappa hat wohl gerne über kleine Pignose Transenamps gespielt usw...usw... Man hat damals allerlei probiert.
Wenn wir uns mal anschauen, mit was und wie, früher Musik..und gute Musik... gemacht wurde,......... ;)

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Re: Für alle Anfänger: Lasst euch nicht von der Muskindustrie verführen!

Erstellt: von startom » 26.10.2017, 10:15

Ich glaube nicht, dass Anfänger denken, auf teuren Gitarren spiele es sich wie von selbst. Das wäre ja dasselbe, wie wenn ich glauben würde, mit einem leistungsfähigen PC und teurer Software könne ich besser programmieren. Es fällt mir lediglich leichter, die mir eigenen Fehler beim Exception Handling baue ich aber auch da ein.

Jedoch halte ich ebensowenig von der Idee, dass Anfänger erst mal auf günstigen Instrumenten ihr Handwerk lernen sollen. Wer das Budget zur Verfügung hat und sich unbedingt eine Gibson Les Paul Standard kaufen will, der soll es doch gerne tun und darauf die Basics lernen. Why not?

Die Suche nach DEM Ton ist sowieso etwas wie der heilige Gral für Gitarristen. DER Ton wird in zweiter Linie durch das Equipment und in erster Linie durch den Gitarristen bestimmt. Früher oder später überschwappt diese Erkenntnis jeden Musiker. Auch ich habe lange Zeit gebraucht, bis ich gemerkt habe, dass mein Sound eigentlich an jeder Gitarre und jedem Verstärker ziemlich ähnlich klingt. Egal, ob ich jetzt eine Gibson LP oder eine Squier Strat über einen Line 6 Spider oder einen Mesa Boogie spiele....meine spieltechnischen Eigenheiten beeinflussen jegliches Glied der Soundkette.

Und trotzdem ertappe ich mich immer wieder dabei, wie ich im Musikladen die Gitarren mit einem Preis von unter 500 CHF/Euro automatisch von meiner Selektion ausschliesse, ohne sie in die Finger genommen zu haben. Auch ich bin halt nur ein schwaches Individuum, dass der Vermarktungsmaschinerie auf den Leim gegangen ist. ;-)
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Re: Für alle Anfänger: Lasst euch nicht von der Muskindustrie verführen!

Erstellt: von Senta » 28.10.2017, 22:26

startom hat geschrieben:Jedoch halte ich ebensowenig von der Idee, dass Anfänger erst mal auf günstigen Instrumenten ihr Handwerk lernen sollen. Wer das Budget zur Verfügung hat und sich unbedingt eine Gibson Les Paul Standard kaufen will, der soll es doch gerne tun und darauf die Basics lernen. Why not?

Why not? Weil ein Anfänger noch garnicht weiß, dass er auf einer Gibson Les Paul Standard spielen will!
Ich halte sehr viel davon, sich als Anfänger erstmal eine relativ günstige Gitarre zu besorgen und dann langsam zu "erspielen" was man eigentlich wirklich will. Ok, wenn man sich eine ausleihen kann oder eine nicht mehr gebrauchte von jemandem bekommen kann, wäre das auch nicht schlecht ABER: Es gibt viele Gitarren auf Dachböden etc. die so schlecht gelagert sind, dass sie derart verzogen sind, dass sie ohne aufwändige Einstellung (die deutlich teurer käme) eigentlich nicht mehr bespielbar sind.
Einsteigergitarren sind, bedingt durch die industrielle Massenfertigung, im allgemeinen schon auch im Preisbereich ab 50,- Euro gut bespielbar. Meine Empfehlung wäre, in einen Laden zu gehen in denen die Mitarbeiter vorher drüber schauen und lieber noch etwas für die Feinjustierung draufzulegen.
Und dann merkt man irgendwann, dass man besser ist als seine Gitarre! :-) Sehr geiles Gefühl, kann mich noch genau an den Moment erinnern! Und DANN macht es Spaß, in den Laden zu gehen und nach seiner Traumgitarre zu suchen. Wenn man haptisch und akustisch weiß, wo man hin will.
Meine Gitarren sind inzwischen deutlich teurer geworden als ich mir damals vorstellen konnte... aber wenn mir zu Beginn jemand gesagt hätte, such dir eine aus, der Preis spielt keine Rolle dann wären das nie die geworden, die ich jetzt habe. Damals hätte ich viel mehr auf Marken geachtet, ich hätte viel zu viel Geld ausgegeben als eigentlich nötig gewesen wäre für ein klanglich deutlich schwächeres Modell. Es gibt tolle und erstaunlich preisgünstige Schätze, gerade auch auf dem Gebrauchtmarkt und von weniger bekannten Marken! Aber die muss man erstmal finden und die findet man nicht als Anfänger.

Diese 50,- Euro für meine Einstiegsgitarre sind so lächerlich im Vergleich zu dem, was ich jetzt so für eine Gitarre ausgebe... das war es absolut wert!

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Re: Für alle Anfänger: Lasst euch nicht von der Muskindustrie verführen!

Erstellt: von Schneiderlein » 29.10.2017, 07:06

Sehe ich wie @Senta.

Meine erste Gitarre war geliehen. Für unsere Kinder haben wir die Instrumente auch in der Musikschule gegen eine Gebühr geliehen.

Ich habe selber erst kürzlich eine Lidl-Strat in Händen gehabt. Die war als Anfänger-Gitarre völlig okay. Bundreinheit war gegeben und Bespielbarkeit war gut.

Über die Bespielbarkeit sollte man sich keine Illusionen machen. Ich habe kürzlich eine Besprechung über diese Gitarre hier gelesen: http://www.launhardtguitars.com/fs---5.html Zusammengefasst hieß es da: Der Klang der Gitarre ist fantastisch, aber die Gitarre ist sehr anspruchsvoll zu bespielen und verzeiht keine Fehler. Teure Gitarren sind keineswegs einfacher zu bespielen als günstige.

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Re: Für alle Anfänger: Lasst euch nicht von der Muskindustrie verführen!

Erstellt: von startom » 29.10.2017, 12:41

Senta hat geschrieben:Why not? Weil ein Anfänger noch garnicht weiß, dass er auf einer Gibson Les Paul Standard spielen will!
Ich halte sehr viel davon, sich als Anfänger erstmal eine relativ günstige Gitarre zu besorgen und dann langsam zu "erspielen" was man eigentlich wirklich will.

Das der Anfänger nicht weiss, dass er eine Gibson Les Paul Standard will, mag ich ja noch verstehen. Aber die Argumentation, günstig zu kaufen, weil man Anfänger ist, begreife ich nach wie vor nicht.

Was so gut wie gar nie beachtet wird: Das Auge spielt mit! Wenn ich, auch als Anfänger, meine optische Traumgitarre im Haus stehen habe, mache ich doch umso liebe meine Uebungen, um besser zu werden.

Das einzige Argument pro/kontra teure Gitarre ist das Budget, welches man sich setzt.
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Re: Für alle Anfänger: Lasst euch nicht von der Muskindustrie verführen!

Erstellt: von everyBlues » 29.10.2017, 12:59

naja die optik einer Gitarre hat ja nicht zwangsläufig etwas mit teurer Ausgabe zu tun.
Also wenn jemand optisch auf les paul steht, dann bekommt er sowas auch preiswerter als beim großen G.......hierbei geht es aber dann wohl weniger um's Aussehen als vielmehr um das Label. Und das Label allein macht eben noch keine gute Musik.

ich bin da also ganz bei Senta. Ersteinmal sehen wo die Reise hingehen soll. Und spielen lernen.
Und dann, spricht auch nichts dagegen wenn jemand sein leben lang mit einer preiswerten Gitarre glücklich wird. Es ist für mich ein Irrglaube, anzunehmen, das mit dem Fortschritt auch die Instrumente zwangsläufig teurer werden müssen.
Kann ja .....müssen niemals.

Heutzutage sind die Preiswerten Gitarren doch schon recht gut. Und "Gurken" findet man auch bei Teureren. Auch ein Erfahrungswert, das Eine vom Anderen zu unterscheiden.

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Re: Für alle Anfänger: Lasst euch nicht von der Muskindustrie verführen!

Erstellt: von startom » 29.10.2017, 13:06

everyBlues hat geschrieben:Und dann, spricht auch nichts dagegen wenn jemand sein leben lang mit einer preiswerten Gitarre glücklich wird.

Umkehrschluss. Es spricht auch nichts dagegen, wenn jemand sein Leben lang mit einer teuren Gitarre glücklich wird.

everyBlues hat geschrieben:Es ist für mich ein Irrglaube, anzunehmen, das mit dem Fortschritt auch die Instrumente zwangsläufig teurer werden müssen.

Ihr interpretiert da immer wieder was rein, was in dieser Form niemand behauptet hat.

Meine Frage, warum denn Anfänger auf günstigen Gitarren lernen sollen, wurde noch nicht beantwortet. Demut, weil man als Anfänger einer PRS nicht würdig ist?
Eine mögliche Antwort ist natürlich, dass ich als Anfänger noch nicht weiss, ob mich dieses Hobby auch wirklich packt und die Begeisterung in mir wecken wird. So ist der Verlust einer relativ günstigen Gitarre besser wegzustecken. So, jetzt hab ich eure Arbeit gemacht...hättet ihr auch selber draufkommen können, ;-)

Einfach nur günstig kaufen, weil man Anfänger ist, lasse ich aber nicht gelten.
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Re: Für alle Anfänger: Lasst euch nicht von der Muskindustrie verführen!

Erstellt: von Chavez » 29.10.2017, 22:37

startom hat geschrieben:Einfach nur günstig kaufen, weil man Anfänger ist, lasse ich aber nicht gelten.


Ich glaube das auch Profis gerne günstig kaufen.
Aber sonst bin ich auch der Meinung, nur weil ich Anfänger bin sollte ich nicht zwangsläufig mit einem preiswerten Instrument anfangen.
Und selbst wenn es mich nicht packt und das Teil nach einem halben Jahr in der Ecke verstaubt, dann entscheide ja immer noch ich und niemand sonst ob mir das nun weh getan hat oder nicht.

Jeder wie er mag und wie er kann.

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Re: Für alle Anfänger: Lasst euch nicht von der Muskindustrie verführen!

Erstellt: von Senta » 29.10.2017, 23:09

startom hat geschrieben:Meine Frage, warum denn Anfänger auf günstigen Gitarren lernen sollen, wurde noch nicht beantwortet.


Doch!
Weil du dich dadurch selbst um das Vergnügen bringst, zu spüren, JETZT bin ich soweit! JETZT bin ich reif für eine richtig gute und JETZT bin ich in der Lage, auch wirklich zu beurteilen, welche zu mir passt.
Ich bekomme das im Bekanntenkreis mit. Da sind Leute, die haben echt viel Kohle. Und finden Gitarren cool und geben horrende Summen dafür aus. Haben die Wände voll von den tollsten Dingern. Aber spielen sie nicht! Haben auch gar keine Zeit dazu, wenn sie mal Zeit haben fahren sie lieber in einen Laden und kaufen sich eine weitere.
Okay, das ist ihre Sache... aber manchmal haben solche Leute auch Kinder. Und ohne dass diese Kinder überhaupt mal den Wunsch nach einer Gitarre geäußert haben, bekommen die dann eine superteure hyperduper-Megagitarre vor die Nase gesetzt weil Papa das irgendwie cool findet. Keiner von denen die ich kenne, hat sich irgendwie weitergehend für das Gitarrespielen interessiert. Ich sehe das als den perfekten Weg, einem Kind die Lust am Gitarrespielen zu vermiesen. Hier, hat Papa dir gekauft! Was er nicht sagen muss, aber was ein Kind spürt ist: Die war schließlich irre teuer also spiel damit gefälligst auch richtig gut. Wenns nicht gleich klappt, dann liegt das an dir, denn die Gitarre kanns schließlich nicht sein.
Viel besserer Weg: Hier, mal eine Gitarre zum probieren. Nix besonders. Das Geld lieber für einen guten Lehrer ausgeben. Und ein Ziel setzen. Wenns nix ist, kein Problem. Da ist nicht viel verloren. Aber wenns dir Spaß macht und du dein erstes Stück vorspielen kannst, dann kannst DU dir eine aussuchen. Und zwar ganz frei. Nicht die Marken, die Papa cool findet, sondern die, die du wirklich willst.

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Re: Für alle Anfänger: Lasst euch nicht von der Muskindustrie verführen!

Erstellt: von MarkusG » 30.10.2017, 09:17

Servus

Das ist schon ein wenig seltsam, wo diese Diskussion hinführt. Senta, das ist doch wohl ein ziemliches Extrem, um das es hier gar nicht geht, und das bestimmt nichts mit dem Durchschnitts-Gitarrenanfänger oder -Käufer zu tun hat.
Ich finde ja schon auch, dass man sich mehr Zeit zum Gitarrespielen lassen sollte, anstatt sich ständig um die Optimierung der Ausrüstung dazu zu kümmern. Ich bin da aber ganz bei startom, und finde auch, dass sich jeder bitte schön selbst aussuchen darf, mit welchem Instrument er denn anfangen möchte.
Und ich finde durchaus, dass ein zu billiges Instrument einem den Einstieg verleiden kann. Dort liegt der Unterschied zwischen billig und preiswert. Dabei finde ich es, für mich persönlich, auch wenig sinnvoll, mir als Anfänger eine Gitarre jenseits der 500€ zu kaufen, einfach deshalb, weil es mir das nicht wert wäre. Wie Senta anmerkte, kann man als Anfänger noch nicht so recht abschätzen, wohin die Reise denn gehen soll. Aber... wenn nun jemand, der den Geldbeutel dazu hat, schon immer mal Gitarre spielen wollte, und schon immer davon geträumt hat mit einer Gitarre wie sie Slash, Clapton oder Paco DeLucia zu spielen, warum sollte er das dann nicht probieren dürfen?

Schneiderleins Antrieb diese Diskussion zu starten war wohl, dass er es seltsam findet, dass mancher Gitarrist so viel Wert auf immer neues Material legt. Ok, das kann ich für mich selbst auch nicht ganz nachvollziehen, mag aber für den einen oder anderen ein Problem sein. Von daher ist es vielleicht ganz sinnvoll, dass mal jemand darauf hinweist, dass der Ton letztendlich mit den eigenen Fingern erzeugt wird.

Ich hatte, zu Beginn meiner Gitarrenspielversuche mit einer 50€-Gitarre (incl. Zubehör..) von Aldi angefangen, weil sie einfach zu bekommen war, und ich eben noch nicht wusste, wie weit ich das denn treiben wollte. Die Gitarre lies sich tatsächlich bespielen, und sie hatte auch einen Gitarrenklang erzeugen lassen. Allerdings nicht sehr lange. Nach lediglich 4-5 Wochen zerbrach eine Mechanik, einfach so, als die Gitarre nach dem Spielen abgestellt war. Danach hatte ich mir im Musikgeschäft eine für 150€ geholt, und die klang, selbst für meine ungeübten Ohren, um Welten besser. Ihre Bünde waren tatsächlich abgerichtet und poliert, die Bundenden standen nicht über das Griffbrett hinaus, die Mechaniken liefen viel besser, und sie tun das auch heute noch. Ich spiele diese Gitarre auch heute noch gerne, denke aber manchmal, dass es damals auch ruhig eine etwas edlere hätte sein dürfen, z.B. eine bei der sich die Saiten nicht so sehr in den Knüpfsteg eingraben, oder eine mit Knochensattel.
Anmerkung: Dieser Text enthält keinen der Begriffe Bombe, Ossama, Geldwäsche oder Drogenhandel. Sollte ausnahmsweise das Wort Anschlag verwendet werden, so bezieht sich dies ausschliesslich auf die Erzeugung von Tönen mit musikalischen Instrumenten.

Gruss Markus

Senta
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Re: Für alle Anfänger: Lasst euch nicht von der Muskindustrie verführen!

Erstellt: von Senta » 30.10.2017, 11:18

MarkusG hat geschrieben:Das ist schon ein wenig seltsam, wo diese Diskussion hinführt.


Markus, das ist hier ein Forum, kein Frage-Antwort-Portal! ;)

Na, du hast mit deiner 50,- Euro Aldi-Gitarre ja alles richtig gemacht! Die nächste war besser, du wusstest, worauf du achten musst. Bünde, Mechaniken.. Okay, es war noch nicht lange genug, dass du solche Dinge wie einen Knochensattel zu schätzen wusstest! Aber ein Teil für 150,- Euro ist ja jetzt auch nichts, worauf man jetzt jahrelang spielen müsste, also völlig okay. Die Mechaniken brechen nicht und der Klang ist nicht zu grausam. Und jeden Monat den du auf der spielst, bringt dich weiter, du merkst immer besser, was dir fehlt und was die nächste haben sollte.

Ich kann nur jedem raten, es bringt nichts, von Anfang an ein High-End-Teil zu kaufen! Warte ab, bis sie dir selbst sagt, dass sie dir nicht mehr genügt! Es schult das Klangempfinden, es schult das haptische Empfinden, es schult die Fähigkeit, zu erkennen, wie unterschiedlich Gitarren sein können, du lernst viel besser, deiner Gitarre zuzuhören und zu spüren, wo ihre Grenzen sind. Ja, manchmal liegen sie tatsächlich an ihr und nicht an dir! :) Das alles sind wunderbarere Lerneffekte, die dir versagt bleibt, wenn du nur jahrelang auf derselben spielst, egal wie hoch die Quailtät ist.

Bei mir sind es jetzt ca 5 Jahre, in denen ich intensiv Gitarre spiele, und hab mir vor kurzem meine Traumgitarre gegönnt. Das wird wohl auch meine letzte sein, ich werde qualitativ niemals an ihre Grenzen stoßen! Es ist absolut traumhaft, auf ihr zu spielen aber das kann ich vor allem deshalb so genießen, weil ich die Unterschiede zu ihren Vorgängerinnen kenne.

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Re: Für alle Anfänger: Lasst euch nicht von der Muskindustrie verführen!

Erstellt: von everyBlues » 30.10.2017, 11:58

startom hat geschrieben:Umkehrschluss. Es spricht auch nichts dagegen, wenn jemand sein Leben lang mit einer teuren Gitarre glücklich wird.
.


Nein natürlich nicht. Nur bin ich kein Freund davon Anfängern Ihre preiswerten Instrumente zu vermissen. Und Sie vielleicht sogar in diese nie enden wollenden Kaufspirale zu schicken, weil man ihnen glauben macht das Equipment sei an allem Schuld. Sicherlich ist das nicht böse Absicht!
Anfangs Preiswert, später Teurer, weil man dann das Teure zu schätzem weiß? Und schon sind wir im "teuer ist besser", wenn auch ungewollt.. ;)
Eher weiß ein Anfänger noch gar nicht so, was er denn für eine Gitarre spielen möchte usw. usw...

Es gibt "gute" und es gibt weniger "gute" Gitarren. Am Preis würde ich das nicht unbedingt fest machen wollen. Wobei ich von preiswert spreche nicht von Billig. Wie ich ja schon sagte, "Gurken" kann man auch teuer kaufen.

Aso, nebenbei:...... Ich lese immer "Knochensattel". Schaut einmal bei teuren Gitarren nach, aus was für ein Material diese "Knochensättel" heute sind. ;) Diese Vergleiche sind auch bei den anderen Materialien interessant.

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MarkusG
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Re: Für alle Anfänger: Lasst euch nicht von der Muskindustrie verführen!

Erstellt: von MarkusG » 30.10.2017, 16:03

Ich denke mal, dass bei teuren Konzertgitarren (solchen mit Knüpfsteg also) Sattel und Stegeinlage aus Knochen sind. Zumindest habe ich noch keine mit Graphitsattel o.ä. gesehen. Und während bei meiner doch noch preiswerten Gitarre die Stegeinlage nach ein paar Saitenwechseln ziemliche Riefen zeigte, ist die Stegeinlage aus Knochen, die ich als Ersatz selbst gefertigt habe deutlich robuster. Seither klingt die Gitarre auch etwas heller.... oder "direkter". Von einem Knochensattel verspreche ich mir einen weiteren Fortschritt was Haltbarkeit und Stimmbarkeit angeht. Und das sind Dinge, die auch dem Anfänger zugute kämen, ganz davon abgesehn, dass ich die Saitenlage am 12. Bund mit der selbstgefertigten Stegeinlage von gut 5mm auf nunmehr angenehme 3,5mm absenken konnte, was die Bespielbarkeit in den oberen Bünden deutlich verbessert.

Für mein Empfinden habe ich auch mit der 50€-Aldi-Klampfe nicht alles richtig gemacht. Es ärgert mich einfach, wenn man etwas nach lediglich 4-5 Wochen in die Tonne kloppen muss, nur weil es lausig gemacht ist. Nach der kurzen Zeit kann man auch nicht davon sprechen, dass man dann einen tieferen Einblick in die Dinge bekommen hat, welche einem an einer Gitarre wichtig sind. Alles in allem war diese 50€-Gitarre (eigentlich wohl eher 35€, war ja noch ne Tasche, ein Stimmgerät und eine Fussbank dabei) nicht preiswert, sondern billig. Möglicherweise gibt es ja doch eine Untergrenze unterhalb derer man einfach kein vernünftiges Instrument erwarten kann. Da mag es Exemplare geben, welche länger halten als mein Montagsmodell, aber vernünftige Materialien sind da einfach nicht drin.
Anmerkung: Dieser Text enthält keinen der Begriffe Bombe, Ossama, Geldwäsche oder Drogenhandel. Sollte ausnahmsweise das Wort Anschlag verwendet werden, so bezieht sich dies ausschliesslich auf die Erzeugung von Tönen mit musikalischen Instrumenten.



Gruss Markus

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Re: Für alle Anfänger: Lasst euch nicht von der Muskindustrie verführen!

Erstellt: von everyBlues » 30.10.2017, 16:43

50 Euro für ein Gitarren-Set, also mit allem drum und dran, ist dann doch sehr wenig Geld. Vllt. doch etwas zu wenig.

Mit ist aufgefallen,zumindest bei E-Gitarren, das die Sättel oft aus synthetischen Knochen sind. Da stellt sich die Frage: Was ist synthetischer Knochen?

Oftmals, auch wenn's nicht gerne gehört wird, ist es lediglich das Label welches wir als "besser" bezahlen.
Aber damit nimmt dann die Diskussion einen Verlauf, den ich eigentlich nicht möchte.

Wie gesagt 50 euro ist schon sehr wenig Geld. Obwohl ich schon denke, das man auch damit spielen und lernen kann.

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Re: Für alle Anfänger: Lasst euch nicht von der Muskindustrie verführen!

Erstellt: von Schneiderlein » 30.10.2017, 21:29

Ach, ich dachte ja, ich hätte hier zwischendurch schonmal was geschrieben, aber hab's wohl vergessen abzuschicken :twisted:


Zur 50€-Gitarre, die nach 4 Wochen auseinandergeflogen ist: Ich kann mir nicht vorstellen, dass da etwas irreparables passiert ist. Und natürlich kann man auch auf einer Billig-Klampfe Gitarre-Spielen lernen. Wie schon geschrieben, ich hatte selber kürzlich eine Lidl-Gitarre (Preis ca. 80€) in Händen, die Bespielbarkeit war sehr gut. Natürlich muss man da im Sound Abstriche machen und die Mechaniken sind eher wackelig. Aber das hindert überhaupt nicht, auf der Gitarre zauberhaft Gitarre zu spielen bzw. das lernen ;)

Wenn jemand dann trotzdem als Anfänger 2000€ für eine Gibson LP ausgeben will, soll er das von mir aus gerne tun. Ich würde da allerdings persönlich dringend von abraten und das gar nicht, weil ich Anfängern keine Instrumente für zig-tausend Euros gönnen würde. Dem ist nicht so, aber Näheres gerne per PN.

Ich habe diesen Thread v.a. auch deshalb eröffnet, um vor den zahllosen YT-Videos zu warnen, in denen z.T. große Namen für die Musikindustrie Promotion machen. Was diese ganzen YT-Videos angeht, seid da sehr skeptisch!

Man kann das nicht nachdrücklich genug sagen: Es gibt nicht wirklich kein Geheimnis für einen guten Sound. Das Geheimnis steckt in deinen Händen. Wenn dein Sound schlecht ist, wird das sehr wahrscheinlich an dir liegen und nicht an deinem Equipment.

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MarkusG
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Re: Für alle Anfänger: Lasst euch nicht von der Muskindustrie verführen!

Erstellt: von MarkusG » 31.10.2017, 09:34

Nun, ich bilde mir auch jetzt, 5 Jahre nach meinen ersten Schritten mit der 6-Saitigen nicht ein, dass ich wie Clapton spielen könnte, wenn ich nur eine originale 50er-Stratocaster in schwarz hätte. Wenn derartiges in YT-Filmchen behauptet wird, dann ist das sicherlich falsch. Wie Du schon schriebest, hängt der Sound zum Grossteil davon ab, wie man spielt. Fakt ist aber, wenn die wackligen Mechaniken der Lidl-Gitarre einfach nicht mehr halten, dann spielst Du damit gar nichts, und hast dann auch gar keinen Sound mehr.

Nochmal zur 50€-Gitarre (vielleicht waren's auch 59....): Bei einer Mechanik brach einfach die Achse welche das Zahnrad mit der Beinwelle (heisst das so?) verbindet. Man hätte das reparieren können, mit neuen Mechaniken, klar. Ich denke aber, dass das dann nicht verhältnismässig gewesen wäre, wenn ich in das Ding, das es im übrigen auch ohne Zubehör für 39,90€ beim T-man gibt, mit neuen Mechaniken aufgewertet hätte, auch wenn die für 20€ zu haben sind (ob die dann passen sei mal dahingestellt). Davon wäre auch die Bünde, aus Messing, mit den ersten leichten Riefen nach 4-wöchigem Gebrauch, nicht besser geworden usw usf. Und wenn mir etwas kaputt geht, nachdem ich es 4 Wochen lang nur eher wenig genutzt habe, dann bin ich nunmal von dem Produkt enttäuscht, egal ob das Ding 50€ oder 2000€ gekostet hat. Inkonsequenterweise habe ich seither für mich den Erwerb derartig billiger Instrumente ausgeschlossen, hätte das aber im Falle einer 2000€-Gitarre nicht getan, wenn sie einen ähnlichen Mangel gehabt hätte, aber das ist nur ein Gedankenspiel.

Noch was zum Klang: Mein Nachfolger, die 150€-Konzertgitarre, klingt ganz manierlich. Letztes Jahr hatte ich für meinen Neffen eine Konzertgitarre ausgesucht. Die Wahl im Musikgeschäft fiel auf eine Yamaha C40. Und die ist ansich besser verarbeitet als meine 150€-NoName, auch wenn sie günstiger war. Vor der Anpassung der Stegeinlage der NoName lies sich die Yamaha auch besser bespielen, nun hat die andere etwas aufgeholt. Aber im Klang ist die 150€-Gitarre besser. Das liegt nicht daran, dass sie 40€ teurer war, sondern wohl daran, dass sie aus vollmassiven Hölzern gebaut ist. Und ich muss einfach feststellen, dass andere, deutlich teurere Konzertgitarren, die ich in der Zwischenzeit mal anspielen konnte noch feiner klingen. Allerdings hätte ich vor 5 Jahren da wahrscheinlich kaum einen Unterschied gehört. Und ich würde mich auch heute noch recht schwer damit tun, entscheiden zu können ob da eine 800€-Gitarre klingt, oder eine 2000€-Gitarre. Für mich besteht da der Hauptunterschied in der Optik und der Auswahl der Materialien. Aber ich finde nichts Falsches daran, wenn man sein Instrument schön findet.
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Gruss Markus

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Re: Für alle Anfänger: Lasst euch nicht von der Muskindustrie verführen!

Erstellt: von slowmover » 31.10.2017, 15:17

Gut gemeinte Ratschläge für Anfänger klingen schon etwas missionarisch, wenn sie mit zuviel Nachdruck daher kommen. Und was für einen persönlich vernünftig scheint, hat noch lange nicht Allgemeingültigkeit.

Ich tue mich aber auch schwer, wenn verdiente Marken angeblich nur den Zweck haben zusätzliches Geld in die Kasse spülen. Wenn PR Threads von Herstellern nur Verbrauchertäuschung sein sollen.

Da hilft es mir wirklich vielmehr weiter, wenn Markus G sich dieMühe macht handfest und punktgenau persönliche, oder Erfahrungen aus dem Umfeld zu beschreiben. Und da kommt dann raus, dass eine Yamaha C40 halt nach wie vor eine aus dem Regal heraus spielbare Anfängerempfehlung (Konzert) st.

Und mein Neffe, der bereits Piano spielt, und fúr den Geld keine wirkliche Rolle spielt, ist auf einer Lakewood als Anfängergitarre gelandet. Wäre auch noch schöner, wenn nur Köche Fillet essen dürften.

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Re: Für alle Anfänger: Lasst euch nicht von der Muskindustrie verführen!

Erstellt: von startom » 31.10.2017, 17:41

Senta hat geschrieben:
startom hat geschrieben:Meine Frage, warum denn Anfänger auf günstigen Gitarren lernen sollen, wurde noch nicht beantwortet.


Doch!
Weil du dich dadurch selbst um das Vergnügen bringst, zu spüren, JETZT bin ich soweit! JETZT bin ich reif für eine richtig gute und JETZT bin ich in der Lage, auch wirklich zu beurteilen, welche zu mir passt.

Deine Argumentation ist also: Der Anfänger soll sich die teure Gitarre mit Spieltechnik verdienen. Ok, das lasse ich mal so stehen.

Senta hat geschrieben:Ich bekomme das im Bekanntenkreis mit. Da sind Leute, die haben echt viel Kohle. Und finden Gitarren cool und geben horrende Summen dafür aus. Haben die Wände voll von den tollsten Dingern. Aber spielen sie nicht! Haben auch gar keine Zeit dazu, wenn sie mal Zeit haben fahren sie lieber in einen Laden und kaufen sich eine weitere.

Wirklich eine Geschichte aus deinem Bekanntenkreis oder kreierst du jetzt einfach ein extremes Beispiel, um deine Argumente zu untermauern?

Mein Bekanntenkreis hat auch viel Kohle. Die leben aber durchaus vernünftig. Würden sie sich so verhalten, wie von dir beschrieben, würde ich sie nicht zu meinem Bekanntenkreis zählen.

Ich kenne niemanden (In Zahlen: Keine Sau!), der sich massenhaft teure Gitarren kauft, nur um diese zu Hause an die Wand zu hängen. Nicht alle, die finanziell gut gepolstert sind, sind dekadent.

Mein Rat: Anfänger, spart NICHT an eurem Hobby. Es muss keine teure Gibson oder Fender USA sein... aber wenn euch diese Marken reizen, dann hindere ich euch auch nicht daran, zuzugreifen. Denn: Geiz ist Geil. Nicht!
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Re: Für alle Anfänger: Lasst euch nicht von der Muskindustrie verführen!

Erstellt: von scta » 31.10.2017, 23:51

Ich musste gerade schmunzeln als ich die Beiträge hier gelesen habe :-)

Als ich meine erste Gitarre kaufen wollte, ging ich völlig ahnungslos in ein Fachgeschäft und liess mich ausführlich beraten. Der Verkäufer gab sich alle Mühe und drückt mir ganz viele Gitarren in die Hand. Ich konnte nicht zwischen „passt“ oder „passt nicht“ unterscheiden, da sich jede Gitarre fremd anfühlte. Aber optisch und vom Klang (als der Verkäufer spielte) hat die Gibson SG mein Herz erobert. Ich bat um Bedenkzeit und wollte weitere Meinungen hier im Forum einholen. Da wurde dann auch diskutiert ob die Gibson nicht „zuviel“ für mich ist und nicht doch besser eine Epiphone kaufen soll. Ich soll an den Wertverlust denken, wenn ich allenfalls nicht mehr spiele und sie verkaufen wolle.
Glücklicherweise habe ich auf mein Herz gehört und damals die Gibson gekauft. Die Freude war derart gross, dass ich nicht die Finger von ihr lassen konnte und täglich übte/spielte.

Mit der Zeit merke ich, dass die SG von der Form und Bespielbarkeit nicht die ideale Gitarre für mich ist. Ich bin der Les Paul und Tele Spieler. Und mittlerweile habe ich sie zu einem sehr guten Preis wieder verkauft. Ob ich die hier empfohlene Epiphone auch mit so wenig Wertverlust verkaufen hätte können ist fraglich.

Hat sich bei mir als blutiger Anfänger die Anschaffung eines guten und teuren Instruments gelohnt? Auf jeden Fall! Die Gibson machte ordentlich Lust zu üben und Freude am spielen. Von dem her kann ich der Meinung von startom nur beipflichten.

Senta
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Re: Für alle Anfänger: Lasst euch nicht von der Muskindustrie verführen!

Erstellt: von Senta » 01.11.2017, 22:10

startom hat geschrieben:Würden sie sich so verhalten, wie von dir beschrieben, würde ich sie nicht zu meinem Bekanntenkreis zählen.

Ochgottchen! Soo schlimm für dich? Also ich kann jetzt vier Leute aus meinem Bekanntenkreis aufzählen (komisch, alle vier sind männlich :cool: ) bei denen die Anzahl und Qualität der Gitarren in keinster Weise deren Fähigkeiten repräsentieren. Aber bis auf einen wissen sie es auch selbst und ich finde das auch völlig okay. :)
Ob sich da jemand einen teuren Sportwagen kauft oder eine Luxusuhr, wenn er sich damit besser, jünger, cooler, xyz fühlt, ich hab damit keinerlei Probleme!

Aber man muss einfach sehen, auch wenn bekannte Firmennamen daraufstehen, es sind nicht unbedingt klangliche High-End-Modelle.
Solche Markengitarren sind im allgemeinen sehr solide. Ich spreche jetzt mal von Gitarren ab 3000,- Euro, da ist bei den bekannten Marken eigentlich fast alles von sehr guter Qualität und dadurch sind auch Preis und ein allgemein guter Wiederverkaufswert gerechtfertigt. Auch jemand, der nicht wirklich viel Erfahrung hat, kann man damit nicht viel falsch machen.
Jemand mit Erfahrung, der weiß was er will und auch bereit ist, für seine Traumgitarre herumzufahren und verschiedenes auszuprobieren und anzuspielen kann für den gleichen Preis von einem eher unbekannten Gitarrenbauer oder einem kleineren Label allerdings etwas deutlich besseres bekommen. Aber natürlich auch viel schlechteres. Um da die Spreu vom Weizen zu trennen muss man eben bereit sein, Zeit zu investieren aber die lohnt sich, vor allem wenn man ab und zu Gelegenheit hat, sein Instrument mit denen von anderen anderen vergleicht :cool:

Fazit: Wie teuer die Einstiegsgitarre sein soll, ist eigentlich nicht so wichtig. Wie hier schon geschrieben kann es durchaus sein, das eine teurere Gitarre durch den höheren Wiederverkaufswert letztendlich günstigerer kommt.
Aber:
Worum es mir geht! Mache dir bewusst, dass die erste Gitarre nunmal eine Einstiegsgitarre sein wird, egal wie teuer sie ist. Dein musikalisches Gehör braucht Zeit um sich zu entwickeln. Und nur in den seltensten Fällen wird die Gitarre, die dir am Anfang gefällt auch diejenige sein, für die sich dein Gehör entscheiden würde, wenn Optik, Haptik und Marke erstmal eine untergeordnete Rolle spielen.

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Re: Für alle Anfänger: Lasst euch nicht von der Muskindustrie verführen!

Erstellt: von everyBlues » 02.11.2017, 15:47

"besser" und "schlechter"? ich möchte zu gerne fragen wie sich das definiert. Aber wir kommen dann in einen "teuer vs. preiswert" thread.

Wenn jemand mit einer Gibson, Fender ...schlag mich tot....anfängt und damit glücklich ist, sich dadurch auch NICHT verschuldet. Dann soll er das doch gerne tun.
Wenn jemand unter den teuren Gitarren oder an einer teuren Gitarre etwas findet, was er sonst nicht woanders findet, soll er sich doch eine kaufen.

Wenn eine preiswerte Gitarre gut bespielbar ist, technisch vollkommen in ordnung, saitenlage sehr gut, stimmstabil, usw....usw.... in wie fern unterscheidet sie sich dann von teuren ? Quatsch ist das!!
WIr, die jeweiligen Gitarristen, definieren das "Gut" oder "Schlecht". Das ist heutzutage, sowas, von subjektiv und individuell. Wer will wissen was für mich oder andere ein guter Ton ist? Wer sagt das eine 2000 Euro teure E- Gitarre einen besseren Ton hat als eine 200 euro E-Gitarre ? Bei Akustischen wird es nicht anders sein. NUR wir selber, jeder für sich, entscheiden soetwas, nur wir!!
Oder, was ist ein "guter Ton"?

Erstmal spielt zum Anfang die Optik eine große Rolle, und die Bespielbarkeit. Für einige eben auch das Label.
Schon aus Neugierde werden es dann immer mehr Gitarren. Man probiert eben rum. Jede sieht anders aus, fühlt sich anders an, lässt sich etwas anders bespielen. Es ist also fast "normal" das es im laufe des Gitarrenlebens immer mehr Gitarren werden. Ich kenne aber auch welche die nicht sammeln, sondern wieder verkaufen um sich dann eine neue zu kaufen. So haben sie immer nur eine oder zwei Gitarren zu stehen. Jeder eben so wie er möchte.
Und Fortgeschrittene oder Profis haben auf jeder Gitarre, ihren eigenen Ton. Und stellen dann vielleicht mal fest, das auch eine einzige Gitarre ausreichend sein kann ;) Es muss eben nur DIE "eigene" Gitarre sein. Das kann vom Preis ganz unabhängig sein.

Heutzutage wo alles Computer gesteuert aus der Massenfertigung kommt, können selbst die preiswerten Gitarren mit einer solchen präzision gefertig werden, wie es Früher gar nicht möglich gewesen wäre! Und genau aus diesem "Früher" kommt auch das "teuer=gut billig= schlecht" Das stimmte früher auch einmal..... früher!

Wenn heute etwas nicht präzise gefertigt wurde, ist es entweder Absicht oder Schlamperei!! Egal ob teuer oder preiswert, man findet soetwas bei beiden.
Ein Anfänger kann heutzutage mit sehr guten und preiswerten Equipment anfangen zu lernen. Das ist Fakt!

Sonderwünsche, die sich dann vielleicht später einstellen, wollen bezahlt werden. Will also jemand das Gibson auf seiner Gitarre steht, muss er dafür bezahlen. Möchte jemand ein ganz bestimmtes Griffbrett, ein bestimmten Radius, muss er dafür bezahlen...usw....usw...
Nur braucht man soetwas nicht um Gitarre spielen zu lernen! Und "besser" ist es auch nicht, solange wir selber es nicht als "besser" definieren. Bestenfalls ist es dann, eben anders.

Aso.... eines noch. Das Gehör wird mit der Zeit geschult. Ja. Hoffentlich. Um dann Töne und Intervalle zu unterscheiden. Aber mit "einen guten Ton von einem schlechten Ton" unterscheiden können, hat das gar nichts zu tun!
Oder wie erklärt man sich, das es leute gibt, die sich schweine teure Gitarren kaufen, die dann über mal richtig teure Amps laufen lassen und eine Zerre haben bei der anderen die Ohren bluten?

Aber, was sich ändern kann, ist der Geschmack, der Ton- Geschmack.

Edit: Ich selber habe u.a. auch preiswerte Gitarren, aus der heutigen Zeit gespielt (überwiegend E, aber auch A) ............. Noch nie ist mir etwas um die Ohren geflogen oder schnell kaputt gegangen. Noch nie, hat sich eine Gitarre, bei sachgerechter Handhabe, schnell verabschiedet. ;)
Was an den Gitarren meist nicht sooo optimal ist, ist das jeweilige Set up. Aber auch bei teuren kann das mies ausfallen. Wenn es also zB. Klirrt, schnarrt und es liegt nicht am Gitarristen, dann kann eben auch das Set- up schuld sein. Die Gitarre muss deshalb noch lange nicht kaputt oder von schlechter Qualität sein.

Also EINE Gitarre kaufen die gefällt, anfangen zu lernen.......fertisch ;) Üben üben üben, sollte etwas nicht gefallen, dann mal überlegen ob's an einem selber liegt. Wer spielen kann, spielt auf jeder Gitarre die technisch in Ordnung ist.

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Re: Für alle Anfänger: Lasst euch nicht von der Muskindustrie verführen!

Erstellt: von Franky63 » 03.11.2017, 18:38

In gewisser Weise hat der Fred Ersteller natürlich Recht. Eine 5k Gitarre als Anfänger ist natürlich der reine Blödsinn. Hilft alles falls dem Konto des Herstellers/Verkäufers. Aber ich spiele selbst noch nicht so lange (jetzt 2,5 Jahre) und es macht mit einer etwas besseren mehr Spaß zum üben auch weil die meist besser klingen. Ich hab jetzt 3 E und 2 Western ( eine gehört meiner Frau ;) und keine war teurer als 550 . War aber alles Gebraucht.
ok die Martin meiner Frau war 4 stellig, die kann aber besser spielen als ich , noch ;)
Ich hatte aber bis 1 Jahr nur eine Gitarre , als auch endgültig fest stand das ich dabei bleibe.
Erlebt man ja oft wenn es schwierig wird mit dem üben das viele Aufgeben. Gitarre lernen ist Arbeit das stimmt absolut. Üben , üben, üben.

Aber ist es nicht so das hinter jeder Sache , Hobby eine Industrie steht. Man klar die wollen verkaufen , logisch.
Aber wer darauf rein fällt das er mit einer Custom Shop schneller lernt als mit einer gut eingestellten 300€ Gitarre , der glaubt auch das der Zitronenfalter Zitronen faltet.

Noch was : Ich habe 17 Jahre aktiv Triathlonsport betrieben , ziemlich intensiv. Da kamen auch Leute mit 6000€ Rädern an , waren aber leistungsmäßig eher ziemlich hinten.
Ist schon peinlich wenn man von einem 400 Rad von Gebrauchtmarkt überholt wird. ;) :)
Aber was soll's wer es braucht.

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Re: Für alle Anfänger: Lasst euch nicht von der Muskindustrie verführen!

Erstellt: von slowmover » 03.11.2017, 19:16

Ich verstehe den Quatsch nicht. Es gibt keinen Zusammenhang zwischen Können und Gitarrenpreis. Quer über alle Einkommensschichten beträgt die Ausgabe für Freizeit und Bildung in den letzten Jahrzehnten 15 bis 20 % vom Haushaltsnettoeinkommen.
Wer 1800 Euro hat gibt 300 für seine Hobbies aus. Wer 10.000 haut, kann sich jeden Monat eine 1000 Euro Gitarre kaufen und kann noch immer das gleiche Geld für andere Hobbies ausgeben. Und genau das tut er statistisch auch.
Es ist vollkommen unerheblich, ob jemand 500 Euro pro Tag und Person für eine Kreuzfahrer Suite oder ein schönes Hotel ausgibt, ob
er ein Wagyo Filet für 1000 Euro isst oder eine Gitarre dafür kauft. In keiner Disziplin braucht er Sachverstand und Können. Er braucht halt nur das Geld dafür.

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Re: Für alle Anfänger: Lasst euch nicht von der Muskindustrie verführen!

Erstellt: von startom » 03.11.2017, 19:32

slowmover hat geschrieben:Ich verstehe den Quatsch nicht. Es gibt keinen Zusammenhang zwischen Können und Gitarrenpreis.

Danke.

Wenigstens einer, der mich versteht.

Wenn sich ein Anfänger eine 5000 Euro Gitarre kaufen will, dann bitte. Ich gönne ihm das von Herzen.
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Re: Für alle Anfänger: Lasst euch nicht von der Muskindustrie verführen!

Erstellt: von everyBlues » 03.11.2017, 19:38

Franky63 hat geschrieben:In gewisser Weise hat der Fred Ersteller natürlich Recht. Eine 5k Gitarre als Anfänger ist natürlich der reine Blödsinn.


Ich denke wir sind hier ein wenig vom Thema ab. Scheiderlein (Ersteller) spricht sich ja nicht gegen eine vernüftige Gitarre als Erstanschaffung aus. Sondern gegen diese Kaufzwangspirale, das ständige Neukaufen von Equipment, weil man in der Annahme ist, dadurch besser zu werden oder eine Verbesserung zu erreichen. Einen besseren Ton zu erzielen.
Habe ich ihn richtig verstanden, stimme ich vollkommen zu.
Man wird eben nicht besser in dem man ständig neues Zeugs kauft. Sondern in dem man übt und spielt und spielt .

Wenn jemand zB. mit einer Tele-style Gitarre nicht zurecht kommt, dann wäre es Blödsinn, wenn er sich eine kauft. Aber Anfangs in's Geschäft gehen, sich eine Gitarre aussuchen die gefällt, wenn's eine E- Gitarre ist, dann noch einen Amp. Und gut ist!!
Und die kann natürlich auch Teuer sein, wenn er sich das leisten kann, bitteschön. Und, wenn sich für sowas niemand verschulden muss.

Ich finde es Blödsinn, bei jedem gecovertem Stück, mit aller Gewalt zu versuchen unbedingt am Originalton dran kommen zu müssen. Oder zu jedem Stück die jeweilige Gitarre spielen zu müssen, die dort dann zum Einsatz kam.
Und genauso suboptimal ist es sich ständig Neues zu kaufen um dadurch einen "besseren" Ton zu erzielen. Dadurch allein wird nichts besser. Man gibt nur immer mehr Geld aus und hat dann die Bude voll mit allerlei Zeugs. Ist auch ein Hobby, aber ein anderes als zu musizieren :D.
)()(

Und wenn jemand dann, spielen kann, dann kann er es auf jeder Gitarre die nicht kaputt ist.
Zuletzt geändert von everyBlues am 03.11.2017, 21:21, insgesamt 2-mal geändert.

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Re: Für alle Anfänger: Lasst euch nicht von der Muskindustrie verführen!

Erstellt: von Franky63 » 03.11.2017, 19:45

Ich bin glaube falsch verstanden worden . Wenn einer die Kohle hat und sich eine 5k Gitte kauft als Anfänger , sei es ihm gegönnt. Nur lernt er dadurch nicht schneller .
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Re: Für alle Anfänger: Lasst euch nicht von der Muskindustrie verführen!

Erstellt: von everyBlues » 03.11.2017, 19:51

ja alles gut. Hab dich schon richtig verstanden. wollte nur mal erwähnen das wir vom Thema ab sind.
Es ging nicht darum wie teuer die Erstanschaffung ist bzw. sein darf.

Darf natürlich schon, muss aber nicht zwangsläufig sehr teuer ausfallen ;).
Und diesen ganzen Voodoo Mist stehe auch ich skeptisch gegenüber. Eines wurde ja zB. schon angesprochen "Das einfrieren von Gitarren".
Für mich, sorry, der größte Blödsinn. Dient nur dazu den Leuten das Geld aus der Tasche zu ziehen. Mit Musik machen hat das nichts mehr zu tun. Und so ist es eben auch mit anderen Dingen.

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Re: Für alle Anfänger: Lasst euch nicht von der Muskindustrie verführen!

Erstellt: von everyBlues » 03.11.2017, 21:41

startom hat geschrieben:Wenn sich ein Anfänger eine 5000 Euro Gitarre kaufen will, dann bitte. Ich gönne ihm das von Herzen.


Hierzu möchte ich noch etwas erzählen.

Ich gönne ihm das dann auch vom Herzen, startom.

Nur finde ich es schade, wenn er sich solch ein teures Instrument kauft, in der Annahme das lernen fiel ihm dann leichter. Oder er würde dann eben gleich "richtig" anfangen. Alles wäre mit solch einer Gitarre "besser" als mit einer Preiswerten. Noch schlimmer fände ich es, wenn er sich dafür verschuldet ( ich kann mich an einen User erinnern, der soetwas vorhatte)
Und woher nehmen Anfänger dieses Denken. Es wir ihnen überall erzählt und suggeriert. Von anderen Anfängern, von Fortgeschrittenen die es selber glauben, und natürlich von der Musikindustrie...........das läuft teilweise unterschwellig ab. Und auch auf Youtube ( wie schneiderlein schon erwähnte)

Ich sage dazu: Es stimmt nicht!! lasst euch nichts erzählen. ;)

Es macht für mich schon einen Unterschied, ob ich mir teures Equipment kaufe, einfach weil ich es mir leisten kann und nicht preiswerter schauen muss. Oder ob ich es mir kaufe, weil ich einer großen Werbe- Masche auf den leim gehe. ;) Und mir von anderen erzählen lasse, was, für mich gut und richtig zu sein hat.

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Re: Für alle Anfänger: Lasst euch nicht von der Muskindustrie verführen!

Erstellt: von startom » 04.11.2017, 10:32

Hoi everyBlues
Du hast in allen deinen Argumenten recht, das hat dann aber nichts mehr mit 'Anfängertaugliche Gitarre' zu tun, sondern geht ins Thema 'Ueberschuldung durch gesellschaftlichen Konsumdruck'.

Ich glaube aber nicht, dass Gitarrenanfänger per default einfach mal naiv sind. Auch das sind (mehr oder weniger) intelligente Menschen, welche die Vermarktungsmaschinerie kennen.
Uebrigens kenne ich auch keinen einzigen Musikinstrumente Laden, welcher den potentiellen Kunden nur das Teuerste andrehen will. Einer meiner besten Freunde ist Inhaber eines solchen Geschäfts. Gute Verkäufer gehen auf den Kunden ein, denn sie wollen ihn ja über Jahre behalten.
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Re: Für alle Anfänger: Lasst euch nicht von der Muskindustrie verführen!

Erstellt: von slowmover » 04.11.2017, 12:29

Wieder uneingeschränktes Ja zu Startoms Beitrag. Jedoch leisten Gitarren zur Überschuldung heute keinen. erkennbaren Beitrág Überteuerte Handyverträge um jedes Jahr das aktuellste Phone zu bekommen schon eher. und dass ein Anfänger verführt, wird eine Gitarren durch Einfrienen
tunen lässt? Die Chance liegt wohl eher in Bruchteilen des Promillebereichs. Man kann schlechtes Gitarrenspiel nicht durch teure Insreumente ausgleichen. Aber Spass haben mag man vielleicht dennoch. Dann hat man bereits sei return-on-investment auch wenn man ein lausiger Musiker ist.

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Re: Für alle Anfänger: Lasst euch nicht von der Muskindustrie verführen!

Erstellt: von everyBlues » 04.11.2017, 13:30

startom hat geschrieben:Hoi everyBlues
Du hast in allen deinen Argumenten recht, das hat dann aber nichts mehr mit 'Anfängertaugliche Gitarre' zu tun, sondern geht ins Thema 'Ueberschuldung durch gesellschaftlichen Konsumdruck'.

Hi Startom,
nein ich denke das passt schon ganz gut hier hin.
startom hat geschrieben:Ich glaube aber nicht, dass Gitarrenanfänger per default einfach mal naiv sind. Auch das sind (mehr oder weniger) intelligente Menschen, welche die Vermarktungsmaschinerie kennen.

Nein, das hat mit Naivität oder gar Dummheit nichts zu tun. Anfänger sind beides nicht. Jedoch Unwissenheit und Unsicherheit treffen wohl zu...... ein Anfänger ist sich erstmal unsicher was er kaufen soll. Und nicht wenige glauben eben mit einer teuren Gitarre einen besseren Anfang zu haben. Nachher dann, mit allerlei dazugekaufen neuen Equipment besser zu werden. Man kann es überall lesen und hören.
Und wenn ich ehrlich bin, bei mir war es Früher nicht anders :D ;)....... naja zu meiner Entlastung muss ich sagen, ich bin nicht der Einzige der das durch hat :D.
Auch der Glaube mit dem Equipment seines Vorbildes/ Idols sei man am richtigen Ton, ist nichts Neues.
startom hat geschrieben:Uebrigens kenne ich auch keinen einzigen Musikinstrumente Laden, welcher den potentiellen Kunden nur das Teuerste andrehen will. Einer meiner besten Freunde ist Inhaber eines solchen Geschäfts. Gute Verkäufer gehen auf den Kunden ein, denn sie wollen ihn ja über Jahre behalten.

Gute Verkäufer aus Einzelhandelläden, Ja. Aber ein "guter" Verkäufer verkauft auch.
Wenn jemand gefragt wird, was er den ausgeben möchte/ kann, und er als Kunde antwortet dann so ca. 250- 500 Euro. Dann wird wohl kein Verkäufer Gitarren für 2000 Euro rausholen.
Was glaubst du aber, wenn der Kunde sagt er kann 2000 Euro ausgeben, was der Verkäufer dann rausholt? Natürlich wird versucht, das, zu verkaufen was möglich ist.


@ Slowmover
Mit den Handyverträgen hast du sicherlich recht. Das trifft aber auch auf andere Dinge zu.
Hier geht es aber doch um Gitarren, Instrumente und der Musikindustrie.
Das Eine rechtfertigt ja nicht das Andere, oder macht es deshalb besser.

Das mit den "Einfrieren von Gitarren" bezog sich nicht nur auf Anfänger. Soetwas als Fortgeschrittener oder Profi zu glauben, macht es noch um einiges schlimmer :D Für mich ist das der größe Quatsch. Und ich denke es lassen sich eben einige dafür gut bezahlen solch Mist zu erzählen. Und wenn ich mir diesen, hier schon angesprochenen, youtube "Olli" anhöre, bekomme ich das Würgen.
Das ist für mich ein Negativbeispiel. Sorry!

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Re: Für alle Anfänger: Lasst euch nicht von der Muskindustrie verführen!

Erstellt: von startom » 04.11.2017, 20:25

everyBlues hat geschrieben:Wenn jemand gefragt wird, was er den ausgeben möchte/ kann, und er als Kunde antwortet dann so ca. 250- 500 Euro. Dann wird wohl kein Verkäufer Gitarren für 2000 Euro rausholen.
Was glaubst du aber, wenn der Kunde sagt er kann 2000 Euro ausgeben, was der Verkäufer dann rausholt? Natürlich wird versucht, das, zu verkaufen was möglich ist.

Na hoffentlich macht er das auch!

Wenn ich in einen Laden gehe, 2000 Euro Budget angebe, dann freue ich mich, dass mir der Verkäufer eine Auswahl in diesem Preissegment zeigt und abietet.

Wenn ich in einen Laden gehe, 2000 Euro Budget angebe und mir der Verkäufer was für 250-500 Euro anbietet, weil ich noch Anfänger sei, dann empfinde ich das als äusserst schlechte Beratung und suche mir einen anderen Laden.

Nochmals meine Meinung ganz ungeschönt und (hoffentlich) deutlich.
1) Wer meint, nur mit teuren Gitarren besser spielen zu können, der ist doof.
1a) Wer sich dadurch verschuldet, der ist sogar strohdoof.
2) Wer günstig kaufen will, für den gibt es massenhaft sehr gut verarbeitete Gitarren mit tollem Sound ab 200 Euro aufwärts.
3) Wer finanziell gut gebettet ist und sich eine high end Gitarre leisten will, auch wenn er noch nicht spielen kann, dann finde ich das ok.
4) Wer finanziell eher untendurch muss, der kann auch mit sehr günstigem Equipment richtig gut Gitarre spielen lernen.
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Re: Für alle Anfänger: Lasst euch nicht von der Muskindustrie verführen!

Erstellt: von Schneiderlein » 04.11.2017, 22:05

everyblues hat geschrieben:Und wenn ich mir diesen, hier schon angesprochenen, youtube "Olli" anhöre, bekomme ich das Würgen.


So geht's mir auch. Widerlicher Typ.

Scheiderlein (Ersteller) spricht sich ja nicht gegen eine vernüftige Gitarre als Erstanschaffung aus. Sondern gegen diese Kaufzwangspirale, das ständige Neukaufen von Equipment, weil man in der Annahme ist, dadurch besser zu werden oder eine Verbesserung zu erreichen. Einen besseren Ton zu erzielen.
Das trifft es.

Wenn ich in einen Laden gehe, würde ich keine Preisvorstellung angeben, sondern einfach testen.

slowmover hat geschrieben:Da hilft es mir wirklich vielmehr weiter, wenn Markus G sich dieMühe macht handfest und punktgenau persönliche, oder Erfahrungen aus dem Umfeld zu beschreiben.
Dann erzähle ich mal zwei konkrete Erfahrungen in der Hoffnung, dadurch weiterhelfen zu können:

Ich war kürzlich in einem großen Musik-Geschäft und habe dort Jazz-Gitarren angespielt. Die teuerste Gitarre, die dort im Laden hing, habe ich bei Thomann um sage und schreibe 500€ (!!!) günstiger gefunden. Die günstigste Gitarre habe ich dafür im Internet nicht zu dem Preis gefunden, die waren alle teurer.

Meine Akustik-Gitarre (eine Tanglewood) habe ich in einem Musik-Geschäft gekauft. Ist schon ein paar Jahre her. Da habe ich letztlich tatsächlich die teuerste der von mir angespielten und infrage kommenden Gitarren gekauft. Der Klang war in meinen Ohren am besten und ich finde den Klang dieser Gitarre immer noch sehr schön. Aber das war aber auch die am schwersten zu bespielende Gitarre. Die Gitarre verzeiht nichts, schnarrt bei der kleinsten Unsauberkeit. Es ist sehr kraftaufwendig, auf ihr zu spielen. Für mich ist der Klang diesen Aufwand wert :) Aber anfängerfreundlich ist das sicher nicht.

EDIT. Ach ja, ich kann @everyblues in praktisch allem, was er schreibt zustimmen.

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Re: Für alle Anfänger: Lasst euch nicht von der Muskindustrie verführen!

Erstellt: von startom » 04.11.2017, 23:36

Schneiderlein hat geschrieben:Aber das war aber auch die am schwersten zu bespielende Gitarre. Die Gitarre verzeiht nichts, schnarrt bei der kleinsten Unsauberkeit. Es ist sehr kraftaufwendig, auf ihr zu spielen. Für mich ist der Klang diesen Aufwand wert :) Aber anfängerfreundlich ist das sicher nicht.

Anfängerfreundlich ist das nicht, da stimme ich dir zu. Das hat aber nichts damit zu tun, dass die Gitarre aus der gehobenen Preisklasse stammt, sondern weil sie sehr wahrscheinlich nicht sehr gut eingestellt ist.

Vor ein paar Monaten habe ich meine Martin neu einstellen lassen, im Laufe der Jahre hat sich hier und da was verzogen. Das Resultat war verblüffend. Gerade Akustikgitarren brauchen mehr Hege und Pflege als E-Gitarren.

Sobald du mit einer Gitarre zu kämpfen hast, liegt es nicht daran, dass die Gitarre nur den besseren Spielern ihre goldenen Klänge offenbart, sondern schlicht und einfach daran, dass da wohl was optimiert werden soll.
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Re: Für alle Anfänger: Lasst euch nicht von der Muskindustrie verführen!

Erstellt: von Funplayer99 » 05.11.2017, 16:25

ich kann tom nur zustimmen.Eine Gitarre aus einer Massenproduktion kann ohne nachträgliches Setup niemals auf jeden Spielertyp passen.Da ist IMMER die Werkstatt der Anlaufpunkt Nummer eins, außer man hat die notwendigen Werkzeuge und kann es selbst machen.

Für micht ist der Titel des Themas eher irritierend...für micht müsste er lauten "Anfänger, lasst euch nicht verrückt machen". denn die werden auch durch selbsternannte Gitarrenprofis oft genug mit gefährlichem Halbwissen verrückt gemacht.Da ist die Industrie die da dahinter steckt eher Zeitrangig.Denn vor der Herstellerseite hab ich noch nie gehört dass ein Anänger teuer kaufen soll.Warum auch, denn die bieten ja schließlich verschiedene Preissegmente an aus denen jeder selbst wählen kann.
Ich hatte in meiner bisherigen Gitarrenlaufbahn schon einige Hersteller in Workshops kennen lernen dürfen. da war NIE die Rede davon dass Anfänger teuer kaufen müssen.Im Gegenteil denn das Segment 250€-600€ ist das Segment wo der große Kampf um die Gust der Kunden herrscht.Wenn jeder mal nachdenkt was man noch vor ein paar Jahren in dieser Preisklasse an Qualität/Ausstattung bekommen hat im Gegensatz zu heute,liegt es doch nur auf der Hand dass die Industrie verstanden hat dass das meißte Geld mit Ottonormalspielern zu verdienen ist.
Ich sehe es so.Die Ausgaben für ein Instrument die jemand anlegen soll muß zu seinen Vorstellungen und Geldbeutel passen.Aber mit einer 1000€ Gitte anzufangen ist nicht notwendig.Wenn aber jemand meint er muss von Anfang an ne Martin, Gibson, Fender Custom und wie sie sich alle nennen, anfangen und hat das Geld...dann gönne ich ihnen das.Aber nochmal...es ist kein Muss aber ist auch keine Sünde!
Wer zig Gitarren zuhause hat der soll sie haben...is doch egal.Und auf das GAS Syndrom kann man das nicht immer schieben.Manch einer liebt halt die Vielfalt im Sound und Optik.So wie ich....
Ich hab viele Instrumente und keine Schulden dafür gemacht und erfreue mich an jedem Instrument.Und es kommen noch ein paar dazu.Das ist aber ganz einfach eine Entscheidung von mir und meinem Konto und dem Platz den ich zur Verfügung habe.
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Re: Für alle Anfänger: Lasst euch nicht von der Muskindustrie verführen!

Erstellt: von Schneiderlein » 05.11.2017, 22:16

Wirklich bewundernswert, wie ihr eine Ferndiagnose stellen könnt :D

startom hat geschrieben:Sobald du mit einer Gitarre zu kämpfen hast, liegt es nicht daran, dass die Gitarre nur den besseren Spielern ihre goldenen Klänge offenbart, sondern schlicht und einfach daran, dass da wohl was optimiert werden soll.
Das stimmt so pauschal nicht. Gerade im Akustik-Bereich gibt es "gutmütigere" und "zickigere" Gitarren.

Funplayer99 hat geschrieben:Für micht ist der Titel des Themas eher irritierend...für micht müsste er lauten "Anfänger, lasst euch nicht verrückt machen". denn die werden auch durch selbsternannte Gitarrenprofis oft genug mit gefährlichem Halbwissen verrückt gemacht.Da ist die Industrie die da dahinter steckt eher Zeitrangig.Denn vor der Herstellerseite hab ich noch nie gehört dass ein Anänger teuer kaufen soll.Warum auch, denn die bieten ja schließlich verschiedene Preissegmente an aus denen jeder selbst wählen kann.


Halt, halt, die teuer-billig-Diskussion hat nicht der Thread-Ersteller angestoßen, das weiß ich sicher :D Da habe ich mich auch weitgehend zurückgehalten, lediglich zu Gibson habe ich etwas gesagt und dazu stehe ich auch.

Die Realität in der Gitarren-Welt sieht so aus: In der populären Musik hat die Gitarre an Bedeutung verloren. In den 80ern war eine Band ohne Gitarre noch die absolute Ausnahme. Heute kommen die meisten Musikstücke im Radio ohne Gitarre aus. Gleichzeitig ist die Gitarre wohl immer noch das beliebteste Musik-Instument und es gibt eine unglaubliche Produkt-Vielfalt. Allein das Thomann-Sortiment ist der Wahnsinn. Und dann noch der unüberschaubare Markt an Boutique-Produkten. Unglaublich, vor allem wenn man bedenkt, dass es sich im Grunde um eine sehr simple und in jeder Hinsicht ausgereifte Technik handelt. Warum können sich so viele Produkte auf dem Markt halten? Weil es Leute gibt, die meinen, ihre Pickups müssten "handwired" sein und dafür bereit sind 500€ auszugeben. Oder 500$ für den King of Tone, der auch nicht mehr ist als eben ein Verzerrer. Oder eben das angesprochene Einfrieren, aber das sind ja lediglich die extremen Blüten.

Wie viele Reviews habe ich nicht schon gelesen oder auf YT gesehen über "unglaubliche" Effekt-Pedale. Dazu kann ich sagen, dass ich gerade total zu guten alten Boss-Tretern zurückkehre, ganz einfach weil die robust sind, sich da nicht schnell was verstellt und man im Dunkeln die Dinger trotzdem praktisch treten kann. Und der Sound… es ist halt ein Delay oder ein Booster oder was auch immer und tut, was es tun soll. Fertig.

Was braucht man wirklich?

Eine Gitarre, klar. Ich habe auch mehrere Gitarren, aber es reicht eine. Ist auch eigentlich (fast) egal, was für eine. Man kann mit einer Dot Metal spielen und mit einer Jackson RR Jazz, geht alles. Es gibt im Niedrigpreis-Bereich Gitarren, die matschen schnell. Das muss nicht sein, wobei da natürlich die Tonabnehmer das Problem sind, das sich auch ohne Gitarren-Neukauf beheben lässt.

Einem Anfänger würde ich prinzipiell zu einer vielseitigen Gitarre raten. Also etwa eine HSS-Strat. Natürlich, wer nur Metal spielt, kann sich dann auch eine Ibanez mit aktiven EMGs kaufen; wer nur Jazz spielt, eine Epiphone Emperor. Aber die Realität im Band-Kontext sieht doch meistens so aus, dass je nach Song sehr unterschiedliche Qualitäten gefragt sind. Teilweise wechselt das in einem Song von einem Extrem ins Andere. Da ist Vielseitigkeit in der Regel Trumpf.

Dazu ein solider Verstärker mit ordentlich Wumms. Ob Transistor oder Röhre, ist nebensächlich. Hauptsache, der Verstärker hat ordentlich Power, sonst bekommt man im Band-Kontext Probleme.

An Pedalen braucht man eigentlich nur ein Stimmgerät. Ich persönlich habe derzeit noch ein SD-1 (den ich als Booster verwende), einen Kompressor, ein Noise Gate und ein Delay.

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Re: Für alle Anfänger: Lasst euch nicht von der Muskindustrie verführen!

Erstellt: von everyBlues » 06.11.2017, 07:37

Funplayer99 hat geschrieben:ich kann tom nur zustimmen.Eine Gitarre aus einer Massenproduktion kann ohne nachträgliches Setup niemals auf jeden Spielertyp passen.Da ist IMMER die Werkstatt der Anlaufpunkt Nummer eins, außer man hat die notwendigen Werkzeuge und kann es selbst machen.
.


Ab wieviel Geld hört denn die Massenproduktion auf ?
Es gibt auch teure Gitarren mit schlechtem Setup. Und auch teure Gitarren müssen nicht gleich auf jeden passen.
Oder spricht du hier von Individuellen Einzelanfertigungen?
Diese "massenproduktion" hört sich immer so ein klein wenig abwertend an. Oft ist es auch so gemeint.

Niemand sagt man müsse teuer kaufen? Ich höre und lese es überall. Wenn auch unterschwellig.
Wenn man ein Budget von 2000 Euro hat, warum dann für 500 euro schauen? Da frage ich doch: Ja, warum denn nicht?
Warum soll man unzufrieden sein, wenn der Verkäufer Gitarren für 500 Euro rausholt, obwohl ich bereit bin 2000 zu bezahlen? (die Frage sollte ich eigentlich Startom stellen)
Da sei es ratsam den Ratschlag von Schneiderlein anzunehmen und beim Kauf, dem Verkäufer, erst mal keine Budget zu nennen.

"die hört sich etwas besser an, war ja auch teurer", ist sooft zu lesen. Man vergisst darüber, das es Geschmackssache ist, ob sich etwas "besser" oder "schlechter" anhört.

Überall wird einem Anfänger vermittelt "deine Gitarre ist vielleicht nicht schlecht. ABER für den Preis kannst nicht viel erwarten. Später kannst dir eine bessere teure Gitarre kaufen"
Mit dem Blick zurück, vor 30-35 jahren, hätte ich noch zugestimmt. Heutzutage teile ich diese Meinung nicht uneingeschränkt.
Heute kann ich mir auch eine preiswerte Gitarre nehmen und trotzdem zufrieden sein. Warum? Die preiswerten Gitarren sind besser geworden, ich bin hoffentlich besser geworden :lol:. Und hinzukommt die Erkenntnis, das der Ton eben doch aus den Fingern kommt.
Vorausgesetzt natürlich, das die jeweilige Gitarre nicht kaputt ist!

Es wundert nicht wenn ein Anfänger, eine gute Gitarre zu hause hat und dennoch unzufrieden ist. Weil er ständig auf teurere, "bessere" Gitarren schaut. Auf "profi" Gitarren ;) Leute die richtig Ahnung haben. kaufen eben teuer. Kein Wunder das sich das so blöd anhört, bei meiner jetzigen "Anfängergitarre". Da kommt natürlich, bevor man überhaupt richtig spielen kann, der Wunsch auf eine "gute" "Originale" Gitarre sein Eigen nennen zu dürfen.
Ich und viele andere haben das durch. Früher war solche Ansicht, vielleicht, noch gerechtfertigt. Heute, wie schon gesagt, nicht ohne Einschränkung.

Das hat, oder soll, nichts mit Teuer vs. Preiswert zu tun haben. Darum geht's gar nicht!
Diese Unzufriedenheit wäre vermutlich auch, hätte man eine teurere Gitarre gekauft. Nur ich denke die meisten Anfänger kaufen eher preiswert.
Man neigt eben dazu den "Fehler" immer woanders zu suchen, als bei sich selbst.

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Re: Für alle Anfänger: Lasst euch nicht von der Muskindustrie verführen!

Erstellt: von Schneiderlein » 06.11.2017, 13:03

Doch nochmal zur teuer-billig-Diskussion:

Ich habe mal einen Gitarrenhändler nach den Qualitätsunterschieden zwischen zwei Jazz-Gitarren, die preislich weit auseinander lagen. Er konnte dazu lediglich auf die unterschiedliche Herkunft verweisen. Die teure Gitarre war in Südkorea gebaut worden, die günstige in China(??, weiß es nicht mehr genau). Offenbar war das das einzige Argument, das ihm einfiel, welches den Preisunterschied rechtfertigte ;)


Schneiderlein hat geschrieben:Einem Anfänger würde ich prinzipiell zu einer vielseitigen Gitarre raten.
Das möchte ich gerne doch noch etwas erläutern. Also, was heißt "vielseitig"? Eigentlich sind fast alle Arten von E-Gitarren mehr oder weniger vielseitig. Als zu einseitig bzw. im Blick auf einen Anfänger zu wenig vielseitig würde ich die von mir oben genannten Hollowbody oder EMG-bestückten Gitarren benennen. Das sind Gitarren, die konstruktionsbedingt den Gitarristen schon sehr limitieren bzw. determinieren. Alles andere (ES, LP, Strat, Tele usw.) ist natürlich Geschmackssache.

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Re: Für alle Anfänger: Lasst euch nicht von der Muskindustrie verführen!

Erstellt: von Funplayer99 » 06.11.2017, 17:23

Everyblues.Mit Massenproduktion meine ich jede Gitarre die aus dem Werk kommt mit einem je nach Firma abhängigen Setup...was bei einigen Marken auch sehr unterschiedlich bei gleichem Modell sein kann.Ein Gitarrenbauer der einen Gitarrenspieler direkt seine Wünsche in der Produktion umsetzten kann ist da schon von vorneherein ne andere Sache.Da wird wenn überhaupt im geringen Umfang was optimiert.Dieser Fall ist natürlich für einen Anfänger ein sehr seltener Fall dass er sich ein Instrument machen lässt ;-) .
Und klar man BRAUCHT nur eine Gitte weil man nur eine spielen kann usw.darüber zu diskutieren ist müsig.Was den Amp angeht ist es auch eher supoptimal wenn man einem Anfänger gleich einen Amp für eine Band empfiehlt,da dies alles für einen Anfänger oftmals Zukunftsmusik ist.Und ordendlich Wums ist auch so ne Sache...Hierbei sollte man denke ich die Umstände wie Wohnsituation, Lärmempfindlichkeit der Eltern (bei Jugendlichen), evtl Kopfhörerbuchse in den Vordergrund stellen.Ein Anfänger hat eh genug damit zu tun.
Wenn der Verkäufer an den Spezifikationen nicht den Unterschied von teuer zu billig erkennt ,sollte er vielleicht über einen Berufswechsel nachdenken.
Holzart,Holzsortierung,Qualität der Anbauteilen wie etwa Material,Übersetzung bei Mechaniken,Spielfreiheit der Mechaniken usw...da kann man viel mehr in Erfahrung bringen als nur das Herstellerland und die Lohnkosten.
Mahagoni gibt es in zig Sorten und jede hat andere Werte was Biegesteifigkeit,Porengröße etc angeht, von dem her gibt es weichere Hälse aus Mahagoni die zum Einstellen schon eher schwammig sind als ein härterer der seine Zeit braucht um zu reagieren.Dieser ist aber auch Formstabiler.
So kann man in jedes Bauteil vorgehen.
Eine Anfängergitarre ist ne Gitte die viele Fehler verzeiht, bequem ist, wenn die Optik auch noch passt ist das perfekt...der Preis ist dabei aber sekundär.Nur werden diese Kriterien oft von sehr billigen Gitarren nur bedingt erfüllt...Ausnahmen bestätigen hier die Regel.
Ein Anfänger Amp ist für mich mit ausreichender Leistung für zuhause,mit Kopfhörerbuchse um das Gehör und die Nerven der Mitbewohner zu schonen und mit möglichst einfacher Effektsektion.
Ein 50 oder gar 100Watt Röhre hat meiner Meinung nach bei einem Anfänger den falschen Platz.
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Re: Für alle Anfänger: Lasst euch nicht von der Muskindustrie verführen!

Erstellt: von startom » 06.11.2017, 17:53

Schneiderlein hat geschrieben:Wirklich bewundernswert, wie ihr eine Ferndiagnose stellen könnt :D

Ja, das kann ich. Eine Gitarre, die sich schlecht bespielen lässt, ist weder "weniger gutmütig" noch "zickig", sondern schlicht und einfach
A) Suboptimal eingestellt oder
B) Sperrholz mit Drähten oder
C) Lange nicht mehr ordentlich besaitet und/oder gepflegt worden.

Da gibt's wirklich kein Mysterium der Profigitarre, welche für Anfänger schwer zu bespielen ist.

Schneiderlein hat geschrieben:Und der Sound… es ist halt ein Delay oder ein Booster oder was auch immer und tut, was es tun soll. Fertig.

Uh Vorsicht. Gerade bei den Effekten trennt sich die Spreu ganz deutlich vom Weizen. Es gibt Geräte für wenige Kröten und es gibt solche, die richtig teuer sind. Die lohnen sich dann aber auch wirklich.
Einen ordentlichen Amp mit einem richtig miesen modulierenden Effekte anzusteuern tut in den Ohren weh. Zumindest mir. Die richtig tollen Harmonizer für mehrere hundert Euro sind nicht einfach nur Objekte für Geeks oder solche, welche das Gras wachsen hören.
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Re: Für alle Anfänger: Lasst euch nicht von der Muskindustrie verführen!

Erstellt: von everyBlues » 06.11.2017, 18:24

Funplayer99 hat geschrieben:
Holzart,Holzsortierung,Qualität der Anbauteilen wie etwa Material,Übersetzung bei Mechaniken,Spielfreiheit der Mechaniken usw...da kann man viel mehr in Erfahrung bringen als nur das Herstellerland und die Lohnkosten.
.


Die Unterschiede sind meist nicht mehr sooo groß. Wenn überhaupt vorhanden ;)
Und dann ist die Frage, die sich jeder selber stellen sollte, sind sie den vielfach höheren Aufpreis wert? Wie gesagt, für mich, ist es meist nur noch das label, welches bezahlt werden möchte. Abgesehen von Sonderwünsche.
Schauen wir uns einmal zB. ES- Gitarren an und Vergleichen wir mal die verbauten Materialien miteinander :shock:.
Auch ein Tonabnehmer ist nichts besonderes mehr. Was soll daran soviel kosten?
Bei jeder Gitarre hat man Verschleißteile, da ändert der Preis ebenfalls nichts.
Die einzelnen Bauteile wie zB. Mechaniken, Tonabnehmer usw. können ggf auch getauscht werden.

Wie schon gesagt, die Computer- Gesteuerte Fertigung ist in zwischen so Präzise, selbst bei preiswerten Gitarren, das selbst dort die Unterschiede nicht mehr so gegeben sind. Es sei denn, es handelt sich um Absicht oder Schlamperei. Die menschliche Handarbeit kommt an solcher Präzision nicht dran. Ich möchte noch einmal darauf hinweisen, das es solche Maschinen, solche Fertigung, früher nicht gab.
Optische Dinge hört man nicht! Aber selbst da gibt es heutzutage schon richtig schicke preiswerte Gitarren. Die dann woanders ein vielfaches mehr kosten würden, auf Grund dieser optischen Eigenschaften.
Die Frage nach der Güte des Korpusholzes. Es Ist für mich schon immer fraglich gewesen, ob man das Korpusholz raushört. Zumindest bei E- Gitarren sehe ich das nicht. Bei A Gitarren mag es anders sein.
Und auch dort bekommt man heutzutage gutes oder bewährtes Holz im preiswertem Bereich. Die sind nicht aus Presspappe!

Werbung, lohnkosten, Herstellerland, Zwischenhändler, Label .......all das bezahlen wir!! Oder eben nicht.

aber ja :D lassen wir das. Mehr zu sagen bringt nichts mehr.

EDIT:
Was hat das mit dem Preis zu tun? Es gibt Preiswerte Effekte die lohnen genauso. Und es gibt teure Pedale die nicht jedem gefallen.
Geschmackssache eben. ;)
Nun kenn ich nicht jedes Effektpedal, weil ich da auch nicht soo drauf abfahre. Aber wenn ich mir ansehe, was manche Overdrives/ Distortion kosten...... Werbung, label, Herstellerland, lohnkosten, Zwischenhändler.........wollen bezahlt werden.

Wobei bei einigen Produkten in zB. China produziert/ eingekauft wird und dann im Westen mit meheren Hundert prozenten verkauft.
Zuletzt geändert von everyBlues am 06.11.2017, 18:58, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Für alle Anfänger: Lasst euch nicht von der Muskindustrie verführen!

Erstellt: von Funplayer99 » 06.11.2017, 18:53

Klanglich haben günstige Gitarren aufgeholt, aber es besteht immernoch ein Unterschied in den verschiedenen Preisklassen.
Es wird nunmal nicht ein Sündhaft teurer Pickup in eine 60€ Strat gebastellt und als teuer verkauft.Ein Hersteller hat einen Zielpreis und versucht da eine ausgewogenen Spezifikation an dem Instrument anbiOb teuer immer besser ist ist immernoch die Frage die sich jeder selbst stellen muss, aber es ist nicht zwingend notwendig 1000€ für nen Anfänger als Gitarrenpreis in Betracht zu ziehen.Aber wenn er die Möglichkeit hat und will dann darf er das auch.
Wie gesagt es gibt noch Unterschiede bei Gitarren und jeder darf für sich entscheiden ob ihm eine Gitte das wert ist.Ich würde z.B. für eine Gibson LP keine 2500€ ausgeben aber für eine Akustikgitarre die von einem guten deutschen Gitarrenbauer für mich gebaut würde auch mehr als 4000€ wenn ich das Geld dafür über hätte.
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Re: Für alle Anfänger: Lasst euch nicht von der Muskindustrie verführen!

Erstellt: von everyBlues » 06.11.2017, 19:16

ja natürlich darf jeder für sich selber entscheiden was er ausgeben möchte und was ihn Alles wert ist. Wo kämen wir hin, wenn es nicht so wäre.
Pu's ist auch wieder sone Frage. Was ist daran so Besonderes, das man es nicht auch preiswerter anbieten kann bei guter Qualität?
Es gibt keinen Grund dafür, warum teure Pu's besser sind als Preiswerte.
Ein Sündhaft teurer Pickup ist eben auch nur ein Pickup. Das Teure daran ist bestimmt nicht das Material oder die Fertigung.
Es gibt natürlich schon Pu's die nicht so recht gefallen wollen. Das hat für mich aber nichts mit dem Preis zu tun.

Ich würde mir auch keine so teure Gibson LP kaufen ;).

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Re: Für alle Anfänger: Lasst euch nicht von der Muskindustrie verführen!

Erstellt: von Schneiderlein » 06.11.2017, 19:23

funplayer99 hat geschrieben:ich glaube mehr zu sagen bringt nichts mehr.


Was soll das denn sein, ein Maulkorb? Habe ich gegen die Netiquette oder gegen die Forenregeln verstoßen? Ansonsten ist das wohl mir überlassen, mich zu äußern, denn so ganz unkommentiert möchte ich dein doch sehr subjektiv gefärbtes Posting nicht stehen lassen.

Ich fasse mich auch kurz: Was du zum Thema Holz schreibst, da spricht der Selbstbauer. Ich will dem nicht sein Recht absprechen und dass du sehr viel mehr Erfahrungen mit Holzarbeiten hast als ich, erkenne ich gerne an und respektiere ich. Aber ich spreche hier als Gitarrenspieler und für den Sound sind diese Dinge, die du ansprichst, weitgehend irrelevant. Aber selbst wenn man konzediert, dass diese Dinge für die Qualität einer Gitarre von Bedeutung sind, spielt das für den Preis einer Gitarre dennoch überhaupt keine Rolle. Der entscheidende Faktor für den Preis einer Gitarre sind die Lohnkosten – das ist wie bei allem anderen auch so.

Richtig ist, dass etwa bei Fender die Custom-Shop Modelle bei der Holzauswal gewissermaßen "Vorkaufsrecht" haben. Da sprechen wir aber von Gitarren von 5.000€ aufwärts. Leo Fender selbst hat zu Lebzeiten bei der Holzauswahl vor allem auf eines geachtet: Dass es billig ist ;)

Was den Amp angeht ist es auch eher supoptimal wenn man einem Anfänger gleich einen Amp für eine Band empfiehlt,da dies alles für einen Anfänger oftmals Zukunftsmusik ist.

Das finde ich interessant. Ich selber spiele derzeit zuhause selten E-Gitarre. Ist mir viel zu aufwändig. Akustik ist zuhause viel einfacher. Die kann ich auch auf dem Sofa spielen, brauche kein Kabel etc.

Ich habe mir meine erste elektrische von meinem Konfirmationsgeld gekauft, da habe ich schon 8 Jahre Gitarre gespielt, war also nicht mehr wirklich "Anfänger". Die Perspektive war eine Band, ist doch klar. Mit 14 ging das für mich damals im JUZ mit Freunden los, 2 Gitarren, Bass, Schlagzeug. Während des Studiums hat die E-Gitarre bei mir geruht. Als ich vor 6 Jahren wieder meine E-Gitarre hervorgekramt habe, war für mich auch klar, dass ich wieder in einer Band spielen möchte. Das habe ich ja hier geschrieben und bin derzeit dabei, wieder einzusteigen. Morgen ist wieder Probe und ich freue mich schon wieder sehr drauf :D

Offensichtlich ist das heute bei den Möglichkeiten, die man zuhause mit Backing-Tracks aus dem Internet, mit Homerecording etc. nicht mehr die zwangsläufige Perspektive, dass man in einer Band spielen möchte. Das will ich gerne akzeptieren und hier konzedieren, dass auch ich aus einer sehr subjektiven Perspektive heraus hier schreibe und ich immer nur vor dem Hintergrund meiner Erfahrungen hier schreiben kann. Diese kleinen Verstärker für Zuhause waren für mich nie eine Option, weil sich für mich mit der E-Gitarre in erster Linie das Interesse verbindet, laut zu spielen :boxen: Sonst spiele ich akustisch.


@startom:
startom hat geschrieben:
Schneiderlein hat geschrieben:Wirklich bewundernswert, wie ihr eine Ferndiagnose stellen könnt :D

Ja, das kann ich. Eine Gitarre, die sich schlecht bespielen lässt, ist weder "weniger gutmütig" noch "zickig", sondern schlicht und einfach
A) Suboptimal eingestellt oder
B) Sperrholz mit Drähten oder
C) Lange nicht mehr ordentlich besaitet und/oder gepflegt worden.
Natürlich gibt es zwischen verschiedenen Gitarrenmodellen, auch wenn sie einstellungsmäßig optimiert wurden, in der Bespielbarkeit erhebliche Unterschiede. Sehr merkwürdig für mich, dass du mir da widersprichst. Aber lassen wir das, entscheidend ist das hier:
Da gibt's wirklich kein Mysterium der Profigitarre, welche für Anfänger schwer zu bespielen ist.
Denn darum ging es mir. Es gibt kein Mysterium. Ein guter Gitarrist spielt auch auf einer preiswerten Gitarre schön und ein schlechter Gitarrist klingt auch auf einer Custom Shop sch**ße. Das ist der Punkt, um den es mir ging :D

Gerade bei den Effekten trennt sich die Spreu ganz deutlich vom Weizen. Es gibt Geräte für wenige Kröten und es gibt solche, die richtig teuer sind. Die lohnen sich dann aber auch wirklich.
Da sind wir wieder beim Thema teuer-günstig. Irgendwie habe ich das Gefühl, du interpretierst mein Anliegen in diesem Thread falsch.

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