Wer hilft mir beim improvisieren?

Duspol1
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Wer hilft mir beim improvisieren?

von Duspol1 » 19.05.2017, 10:18

Hallo Leute,

ich denke das Problem kennt jeder Gitarrist. Ich weiß wie ich die Pentatonik übers Griffbrett spiele, weiß jetzt wie ich die Tonleitern spiele, aber hört sich immer noch nach nix an. Einer sagt Pentatonik spielen, der andere hat den Tip man soll sich an die Akkorde halten, usw. usw.! Wie ist bei Euch der Knoten geplatzt? Hat jemand ein Beispiel? Danke für eure Antworten!

Gruß

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Software-Pirat
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Re: Wer hilft mir beim improvisieren?

von Software-Pirat » 19.05.2017, 14:23

Es klingt einfacher als es ist. Spiel einfach so, daß es sich gut anhört.

Wo ist denn genau das Problem? Klingt es falsch oder klingt es einfach langweilig? Ich geh mal davon aus, du meinst letzteres. In diesem Fall hilft meiner Meinung nach, einfach viel Musik zu hören (und zu spielen) um ein Gefühl für die Licks zu bekommen. Auch ein Blick in eine Lick-Bibliothek kann mal helfen.
Grundsätzlich gilt natürlich, daß man über einen Akkord mit der entsprechenden Pentatonik bzw. Tonleiter nicht verkehrt liegt. Aber wenn man die Töne stur nacheinander herunter spielt, ohne dabei mal das Tempo zu variieren, oder mal ein Bending einzubauen, dann klingt das halt langweilig. Ein gutes Solo ist auch weniger eine technische Herausforderungen. Du solltest natürlich wissen, wo die entsprechende Töne auf dem Griffbrett zu finden sind, ohne groß darüber nachzudenken. Das hilft, den wenn du nicht groß darüber nachdenkst, welchen Ton du spielen darfst, und welchen nicht, dann kannst du dich einigermaßen von deinem Gefühl treiben lassen.

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mjchael
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Re: Wer hilft mir beim improvisieren?

von mjchael » 19.05.2017, 14:44

Es kommt ein wenig darauf an, auf was du improvisieren willst.
• Blues oder von Blues beeinflusste Musikrichtungen mit Pentatonik und ggf. einigen Blue-Notes
• Pop oder Pop-Rock wo du mehr mit einer Tonleiter improvisierst.

Es sind zwei verschiedene Konzepte, die man nicht gegeneinander ausschließen sollte.

Ein Beispiel hatten wir eben schon gehabt:
Blues-Pentatonik beim Stop-Blues
Pentatoik und Improvisieren

Nach dem Stop-Blues kannst du dich mal Sweet-Home-Alabama versuchen mit eine G-Dur-Pentatonik im ersten Bund.
Der funktioniert ähnlich, nur nimmst du hier nicht die Gm-Pentatonik wie beim Blues, sondern die G-Dur-Pentatonik wie beim Country.



Stöbere mal nach weiteren Lessons und Tabs zu Sweet Home Alabama. Dann findest du einige Passagen, an denen du dich für den Anfang orientieren kannst.

Du hast da zwar immer nur kleine Parts jeweils beim letzten Takt, aber du siehst, wie hier jeder eine andere Version davon spielt.
Also funktioniert es hier eigentlich genau so wie beim Improvisieren.

Was helfen kann, ist, wenn ein Stück nur wenige Akkorde hat.
https://www.guitarplayerbox.com/select/chords/find/songs/?element=deepButton&pList=a&chSel=Am&chSel=C&chSel=G
Hier könntest du versuchen nur mit der Am-Pentatonik klarzukommen,
• Tonart des ganzen Stücks = Pentatonik-Tonart (also bei den Beispielen aus dem Link Am)
Wenn es sich über dem G-Dur-Akkord nicht gut anhört, oder langweilig klingt, wechselst du zu
• Akkord = Pentatonik (Am = Am-Pentatonik, G-Dur = G-Dur-Pentatonik)

Wenn jetzt hier noch C-Dur und Em mit hinzukähmen würde es keine nennenswerten Schwierigkeiten machen, denn vom Fingersatz her sieht die Am-Pentatonik genau so aus wie die C-Dur-Pentatonik
und die G-Dur-Pentatonik sieht genau so aus wie die Em-Pentatonik.
Also kommst du mit nur 2 Skalen aus, was das ganze doch recht überschaubar macht.

Dann kannst du versuchen, ob du mit der Blues-Pentatonik was anfangen kannst.
ist bei der Akkordkombination Am G kein Problem.
• Akkordname = Moll-Pentatonik-Name (Blues-Pentatonik)
Die Am-Blues-Pentatonik ist praktisch die Am-Pentatonik; hier ändert sich nichts.
Nur beim G-Dur spielen wir nicht die G-Dur-Pentatonik, sondern die Gm-Pentatonik.
Hört sich im ersten Moment nur schwer an, aber G ist ein Ton tiefer als A, also brauchst du beim Blues nur die Am-Pentatonik zwei Bünde zurück zu schieben und du spielst die Gm-Pentatonik mit dem selben Fingersatz.

Wann mache ich was?
Ausprobieren, und schauen bzw. hören was dabei rauskommt. Du hast ein Lied lang Zeit jede Variante mal auszuprobieren. Klingt es gut, mache weiter, hört es sich schräg an, lass es.
Hört es sich nur langweilig, aber nicht falsch an, mache einfach weiter. Hier kann man später noch einiges mit Rhythmus und Notenwerten ausholen.

G-Dur-Pentatonik mit leeren Saiten
Bild

Gm-Pentatonik (3. Bund)
Spielt man im Blues über einen G-Dur-Akkord
Bild

Am-Pentatonik (im 5. Bund)
Bild

Alternative G-Dur-Pentatonik für den G-Dur-Akkord, wenn du eine Pentatonik suchst die genau wie der G-Dur-Barré im 3. Bund gespielt wird. Die 1 der Pentatonik ist hier auf dem 3. Bund.
Bild

Jetzt hast du nur 2 Formen, die du verschieben kannst. Wenn du die letzte dir für später aufhebst, dann hast du nur eine Pentatonik-Form, die du hin und herschieben musst. Bei der Auswahl an Liedern findest du schnell durch Versuch und Irrtum raus, was wann passt.
Am G
Am Em G
Am C G Em

Wenn du damit halbwegs zurecht kommst kannst du noch versuchen einen Ton mehr mit hinzu zu nehmen
Am F G

So kannst du dich Stück für Stück vortasten.
Sicher ist immer:
Tonart = Pentatonik
Wenn es bei einem Akkord nicht hinhaut gilt als zweites:
Akkord = Pentatonik
Wenn Blues passt gilt:
Akkord = gleichnamige Moll-Pentatonik
Passt die Blues-Pentatonik nicht wechselst du wieder zu
Akkordname = Pentatonikname

Die Profis verwenden die Pentatonik nur als Grundlage. Die wird später aber noch erweitert. Also wundere dich nicht, wenn die Profis etwas sau geiles spielen, dass du nur mit der Pentatonik noch gar nicht hinbekommen kannst. Es muss sich anfangs nicht supertoll anhören. Es soll anfangs nur irgendwie passen.
Wenn es langweilig klingt, solltest du dich erstmal nicht zu sehr davon stören lassen. Daran kannst du arbeiten, wenn du die Pentatonik flüssig in den Fingern hast. Dann kannst du mit Rhythmus, einigen Bendings und unterschiedlichen Notenlängen schon einiges mehr raushohlen. Dich ein wenig an einem Stück entlangzuhangeln denke ich, hilft dir schon ganz gut weiter.

Gruß Mjchael

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Re: Wer hilft mir beim improvisieren?

von Duspol1 » 21.05.2017, 09:23

Danke, werde ich probieren!

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