Gruppenunterricht: Mitschüler zu langsam

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Apoyando
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Gruppenunterricht: Mitschüler zu langsam

Erstellt: von Apoyando » 19.01.2013, 23:42

Hallo zusammen,

seit ca. 4 Monaten nehme ich Akustikgitarren-Gruppenunterricht an einer Gitarrenschule. (Ich zahle ca. 55€ pro Monat ( = 4 x 45 Minuten, in den Schulferien kein Unterricht).

Obwohl der Unterricht für 3 Leute gedacht ist, sind wir nur zu zweit - was ja schon mal gut ist. Auch macht mir die Gitarre ziemlich Spaß, und bis jetzt bereitet mir auch zuhause Üben (bei mir ca. 6 x 30 Minuten/Woche) große Freude.

Jetzt das Manko: Meine Mitschülerin ist sehr langsam unterwegs. Ich schätze, sie übt sehr wenig, und anders als bei mir sind ihre Notenkenntnisse auch ziemlich rudimentär.

Bis jetzt hatten wir fast nur Melodiespiel (Greifen in den ersten 4 Bünden; Begleitbuch ist Heinz Teucherts "Die neue Gitarrenschule"); über Weihnachten konnte ich mich damit retten, dass ich alle möglichen Weihnachtslieder spielen gelernt habe. Auch habe ich mir das Computerspiel "Rocksmith" samt Billig-E-Gitarre gekauft, um etwas gechallenged zu werden.

In größerem Maße autodidaktisch voraus lernen traue ich mich aber nicht. Als nächsten wären bald die Grundakkorde dran - aber ich habe Schiss, dass ich mir etwas falsch beibringe, und es umso schwerer wird, das wieder auszumerzen.

Einzelunterricht nehmen möchte ich mir nicht leisten: 110€/Monat ist noch 'ne ganz andere Preisklasse.

Habe mir auch schon überlegt, den Gitarrenlehrer darauf anzusprechen. Vielleicht kann ich in eine andere, fortgeschrittenere, oder schneller lernende, Gruppe springen. Andererseits stelle ich mir diese Rangiererei ganz schön schwierig vor, da meine Gruppe dann nur noch aus einem Mitglied (eben jener langsamen Schülerin) bestehen würde.


Was würdet Ihr tun? Gibt es "Extrastoff", den Ihr mir für nebenher empfehlen könntet? (Ich denke da zBsp. an weitere Übung im Melodiespiel). Oder wäre es sinnvoll nach einem anderen Lehrbuch parallel zu lernen? Oder wäre es wirklich das beste, so schnell wie möglich in eine Gruppe zu kommen, die etwas herausfordernder ist?

sunset
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Re: Gruppenunterricht: Mitschüler zu langsam

Erstellt: von sunset » 20.01.2013, 01:05

Apoyando hat geschrieben:Einzelunterricht nehmen möchte ich mir nicht leisten: 110€/Monat ist noch 'ne ganz andere Preisklasse.


Um diesen Preis hätte ich auch gerne GitarrenschülerInnen :cool:

Ist es nicht möglich, eine/n Lehrer/in zu finden, die - wie ich das z.B. bei einigen Erwachsenen mache - 2-wöchig Unterricht anbietet, dafür mindestens 60 min., um 28,- Euro pro Einheit, entsprechend intensiv ist es und sie haben genug Stoff zum Üben.

Andererseits stelle ich mir diese Rangiererei ganz schön schwierig vor, da meine Gruppe dann nur noch aus einem Mitglied (eben jener langsamen Schülerin) bestehen würde.

Das sollte allerdings nicht dein Problem sein, denn du willst gut Gitarre spielen lernen, wenn sie das nicht will oder kann, muss sie sich anders arrangieren.

Ich an deiner Stelle würde mit dem Gitarrenlehrer sprechen, ob er dir nicht Einzelunterricht zu günstigeren Bedingungen bieten kann und wenn nicht, mich nach einer neuen Lehrerin, einem neuen Lehrer umsehen.

Wenn du selbstständig weiter lernen möchtest, kann ich dir von Ralph Tönnes, "Gitarre spielen, mein schönstes Hobby" empfehlen, das ergänzt die Teuchert Gitarrenschule ganz gut und eignet sich auch zum autodidaktischen Lernen.

Was die Akkorde und das Begleiten betrifft, ist das Lagerfeuerdiplom auf den Wikibooks von mjchael hier aus dem Forum immer wieder ein guter Tipp.

lg
sunset

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mjchael
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Erstellt: von mjchael » 20.01.2013, 09:58

Teuchert hat eine ziemlich gute Gitarrenschule geschrieben. Da kann man nicht viel falsch machen, wenn man vorauslernt. Man braucht auch nicht zu viel Angst zu haben, sich etwas falsch beizubringen, wenn man selbst bereit ist, dieses später wieder zu korrigieren. Mit der Schwierigkeit, sich Fehler wieder auszumerzen können die Schüler, die lerneifrig sind eigentlich gut umgehen. Sie haben nicht die Lernblockaden, die es einem Lehrer so schwer machen, denen es wieder richtig beizubringen. Beim schon von Sunset vorgeschlagenem Lagerfeuerdiplom gibt es allerhöchstens einen Diskussionsbedarf, wo man den Daumen hinsetzt. Für Klassikstücke wird er bevorzugt etwas tiefer angesetzt, um die Reichweite der Finger zu erhöhen, während er im Lagerfeuerdiplom bequemer etwas höher angesetzt wird, was bei langem Spielen zu weniger Verkrampfungen führt. Wenn du grundsätzlich bereit bist, die Position des Daumens im Bedarfsfall zu ändern, wirst du keine Probleme haben. Der gesamte Rest ist mit allen üblichen Gitarrenschulen, die ich in den Händen hielt, kompatibel.

Der Preis von 55 Euro pro Monat ist ein ziemlich günstiges Angebot, da sollte man auch bis zu einem Gewissen Grad bereit sein gewisse Einschränkungen in Kauf zu nehmen. Ein individueller Gitarrenunterricht kostet dem Gitarrenlerhrer viel mehr Vorbereitung, und sollte auch verdientermaßen besser entlohnt werden. Ich würde zuerst einmal mit dem Lehrer sprechen. Evtl. gibt es die Möglichkeit, dass er die Schüler tauscht. Vielleicht hat er noch eine weitere Gruppe, bei der es ähnlich abläuft. Dann kann er die beiden "Schnell-Lerner" in einen Kurs zusammennehmen, und die beiden, die etwas länger brauchen, in eine andere Gruppe nehmen.

Vielleicht würde es etwas bringen, wenn dir der Lehrer andere Hausaufgaben geben würde. Das ist oft meine Strategie. Meine derzeitigen Schüler haben beide ebenfalls ein unterschiedliches Lerntempo. Da versuche ich den Schülern mehr Übungsbeispiele zu geben, als nötig sind. Der Langsamlerner übt nur ein oder zwei Lieder, der Schnelllerner übt drei bis fünf Lieder, und stöbert auch bei den eigenen Büchern. Ebenso könnte das Buch von Ralph Tönnes, "Gitarre spielen, mein schönstes Hobby" für dich weitere Herausforderungen haben. Allerdings gebe ich privaten Unterricht, den ich viel flexibler gestalten kann, als es in der Musikschule möglich ist. Wenn die Schere zu groß wird, habe ich den Unterricht eben anders aufgeteilt. Andersrum muss man halt immer Rechnen, dass mal jemand hinterher hinkt. Es gibt ja noch so was wie Schule, und bei älteren Gitarrenschülern Lehre, Studium, Beruf und Familie, die man auch unter einen Hut bringen muss.

Eigentlich sollten aber Musiklehrer solche "Probleme" gewöhnt sein, und sie sollten auch Lösungsvorschläge dafür haben. Erst, wenn das Gespräch mit dem Lehrer zu keinem Erfolg führt, oder er dich nur vertröstet, würde ich mich nach anderen Lehrern umsehen.

Gruß Mjchael

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karioll
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Erstellt: von karioll » 20.01.2013, 19:03

Kann auch sein, dass du in der Halben Zeit Einzelunterricht mehr gefördert wirst, als in der größeren Stundenzahl Gruppenunterricht.

Ich war auch mal im "preiswerten" Gruppenunterricht, aber der Lehrer hatte auch nur immer ein paar Minuten für mich. Der Umstieg auf Einzelunterricht war für mich das bessere Preis-Leistungs-Verhältnis. Also lieber 30 min Einzel , als eine Stunde Gruppe.
Durch Übung kannst Du der Natur ein Schnippchen schlagen (Mahatma Ghandi)

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Erstellt: von chiara » 21.01.2013, 10:35

Ich unterrichte auch einige Zweiergruppen.
Da gab es auch Momente in denen einer der Schüler etwas hinterher hinkte,
weniger motiviert und fleißig war als der andere. Ich habe es gelöst mit
Gesprächen, Ehrlichkeit, Hinweisen, Motivation. Hat immer geholfen, dann kam die Motivation bei den Schülern. Ein Duo habe ich aber ab einem Punkt in Einzelunterricht aufgeteilt, da es für beide Kinder besser war, was sie dann auch selber feststellten und dankbar waren. Man muss solche Probleme als Lehrer bemerken und schnell angehen.

In deinem Fall habe ich das Gefühl Einzelunterricht ist passender für dich.
Als ich früher als Teenie Gitarre an einer Musikschule lernte, begann ich auch in einer Zweiergruppe,
mein Partner war ein Fall wie der von dir beschriebene. Er hinkte in jeder Stunde
sehr hinterher, übte zu wenig und war demotiviert.
Das war für mich auch nervig, weil ich das Gegenteil war.
Ich habe mich dann auch für Einzelunterricht entschieden,
der Lehrer schlug das auch vor, und der andere Schüler wollte dann eh lieber E Gitarre lernen.
Das kann auch schon mal ein Grund sein. Das es Gitarrenschüler gibt, die an Konzertgitarre
überhaupt keinen Reiz und Freude finden, und sofort mit E Gitarre beginnen möchten
und dann motiverter sind. Und es gibt natürlich die Schüler die meinen, nach zwei Stunden kann man Gitarre spielen und Hausaufgaben sind blöd und unnötig.
Da muss man dann schnell klarstellen, das man für das Erlernen dieses komplexen
Instruments auch Disziplin und Geduld braucht. Das Üben dazu gehört, von nix kommt nix.

Von Einzelunterricht hat man meistens mehr. Das ist es wert mehr zu bezahlen.
Du könntest ansonsten aber deinen Lehrer fragen ob er vielleicht einen anderen Schüler hat, der auf deinem Spiellevel ist, der zu dir passen könnte.

Gruß chiara

Hairy Harry
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Erstellt: von Hairy Harry » 21.01.2013, 11:57

Verstehe ich richtig, dass das undifferenzierter Gruppenunterricht ist (alle Schüler werden im gleichen Tempo unterrichtet und bekommen dieselben Aufgaben, wie in der Schule)?

Wenn ja, finde ich 55 Euro pro Monat teuer, zumal das sogar für bis zu 3 Schüler konzipiert ist.

Du solltest deinen Lehrer ansprechen, dass du mit dem Tempo nicht zufrieden bist und dich unterfordert fühlst, denn auf die Dauer wird dir das keinen Spaß machen. Du musst ja nicht der Mitschülerin die "Schuld" geben - vielleicht kann sie wirklich nicht schneller lernen oder sie hat weniger Freizeit als du. Vielleicht hast du auch eine besondere Begabung, kann alles sein. Jedenfalls muss der Lehrer darauf reagieren und entweder die Mitschülerin so fördern, dass sie in absehbarer Zeit wieder gleichziehen kann, oder im Stoff differenzieren (dir andere oder zusätzliche Aufgaben geben) oder die Gruppen anders zusammensetzen. Wenn das alles "nicht geht", dann sieh dich besser nach einem anderen Lehrer um.

Selbständig vorauslernen würde ich nicht. Damit verschiebst du das Langeweile-Problem nur ein paar Wochen in die Zukunft. Außerdem wäre dann das Geld für die Gitarrenstunden vollends verschwendet, denn wenn der Stoff im Unterricht drankommt, kannst du ihn ja schon.

Und "Extrastoff" - in Absprache mit dem Lehrer sicher eine gute Möglichkeit. Im Alleingang eher nicht.

Ich weiß nicht, wer dir die Preise für Einzelunterricht genannt hat, aber 110 Euro finde ich fürstlich. Ich hab noch nie gehört, dass soviel verlangt oder bezahlt wird. Ich bezahle 65 Euro im Monat für Saxophonunterricht (1 x wöchentlich 30 Minuten). Die halbe Stunde reicht aber (wie andere schon gesagt haben) völlig im Einzelunterricht, meiner Erfahrung nach.

Apoyando
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Erstellt: von Apoyando » 27.01.2013, 15:11

Nochmals hallo!

Habe jetzt mit meinem Gitarrenlehrer die Problematik bequatscht. Er ist nicht unbedingt der Meinung, dass die Gruppe sehr inhomogen ist, sondern meint, dass wir uns recht gut ergänzen würden; da sei er anderes gewöhnt... Etwas enttäuschend fand ich, dass er mir kaum Literatur für "nebenher" empfehlen konnte; er meinte, er hätte zwar recht viel - allerdings bräuchte ich dafür noch ca. drei Monate Unterricht.

Ich selbst habe für mich entschieden, noch eine Weile (zumindest, bis die Grundakkorde richtig behandelt werden) in der Gruppe zu verweilen, und meine Kenntnisse "nebenher" noch etwas vertiefen. Dazu möchte ich mir auch das Buch von Ralf Tönnes bestellen. Danke an der Stelle für den Tipp.

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