Gitarrensaite klirrt bzw. summt

Ratgeber und Kaufberatung zu Gitarrensaiten
von KlausdieMaus
#308308
Hallo,
ich versuche seit ca. 6 Monaten Gitarre zu spielen, klappt auch soweit ganz gut, dank eines VHS Kurses den ich zur Zeit besuche.
Ich habe meiner Westerngitarre (A&L) vor ca. 3 Wochen neue Saiten gegönnt.
Elixer Stärke 010, wegen der Fingerkuppen :-)
War etwas holperig als Anfänger diese aufzuziehen, hat aber geklappt.

Nun stelle ich fest das die Saite 2B (H) lange nachklingt in einem hohen Ton, obwohl ich nach dem Anschlagen die Saiten gleich stoppe.
Gleichzeit vibriert auch die hohe Saite 6E mit.

Ist die Saite falsch aufgezogen?
Die Umwicklungen an der Mechanik sind sehr knapp bemessen, kann auch daran liegen.
Kann ich auch die Saite jetzt einzeln nachkaufen und aufziehen, oder sollten immer alle Saiten komplett getauscht werden?

Gruß
Klaus
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von Bellwood
#308312
Hallo Klaus,

wenn die Saiten gerade erst drauf sind, könntest du auch eine einzelne Saite wechseln, aber du wirst sie nicht einzeln kaufen können.

Die wenigen Umwicklungen an der Mechanik können solch ein Phänomen meiner Meinung nach nicht verursachen. Dies führt schlimmstenfalls dazu, dass sich die Saite aus der Mechanik löst. Bei der H-Saite sollten es so 3 Umwicklungen sein - nicht mehr, aber auch nicht unbedingt weniger.

Wenn ich das richtig verstanden habe, hast du Saiten mit anderer Stärke aufgezogen als vorher drauf waren. Hier vermute ich das Problem. Die Spannung der Saiten am Hals ändert sich dadurch. Dann kann es vorkommen, dass die Gitarre neu eingestellt werden muss, damit die Saitenlage wieder stimmt. (Durch die Spannung der Saiten wird der Hals etwas gewölbt. Andere Spannung - andere Wölbung.)

Wenn du die Saite stoppst, dürfte eigentlich nichts mehr klingen. Dass benachbarte Saiten dann auch mitklingen, kenne ich eigentlich eher von den tiefen Saiten.

Bist du sicher, dass deine Anschalgtechnik korrekt ist?

Faiererweise muss ich eingestehen, dass ich mich mit E-Gitarren besser auskenne.

Vielleicht hat ja noch jemand einen konkreteren Ratschlag.
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von Software-Pirat
#308319
Das korrekte Aufziehen der Saiten ist schon sehr wichtig, allerdings kenne ich es so, daß die Saite dann, wenn zuviele Umwicklungen um die Mechaniken sind, die Gitarre eher instabil in der Stimmung wird (weil die Saiten einfach zuviel Spiel haben). Es kann aber auch sein, daß die Saite die Mechanik an einer zu hohen Position verläßt und deshalb sie mit zuwenig Druck im Sattel sitzt. Merke, ungefähr drei Wicklungen um die Mechanik (bei den hohen Saiten darf es gern mehr sein), und jede Wicklung soll unter der vorherigen sitzen. Dann paßt das schon.
Kleiner Tipp: Investier ein paar Euro in eine Saitenkurbel, die machen das Leben viel einfacher.

Ansonsten kann es auch sein, daß die Saite nicht fest in der Sattelkerbe sitzt. Schließlich ist die Sattelkerbe auf eine dickere Saite optimiert worden. Hier kannst du die Kerbe mit etwas Sekundenkleber auffüllen und dann neu feilen (oder feilen lassen, denn ein perfektes Sattelsetup ist schon die etwas höhere Kunst des Gitarrensetups).

Ansonsten wird sich die Halskrümmung deiner Gitarre verändert haben, wie Bellwood schon schrieb, weil die dünneren Saiten einfach weniger Zug haben, als die dickeren.
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von mjchael
#308322
Das die anderen Saiten mitschwingen hat erst mal gar nichts mit dem Aufziehen der Saiten zu tun.

Das Phänomen nennt sich Resonanz.
Die H-Saite schwingt mit etwa 247,5 Hz (fürs Rechnen leicht gerundet)
Die E-Saite schwingt mit etwa 330 Hz (fürs Rechnen leicht gerundet)

Die E-Saite schwingt also 4/3 mal schneller als die H-Saite.
Nun ist es so, dass beide Saiten einen kleinsten gemeinsamen Vielfachen haben (Mathematik lässt grüßen).
330 Hz * 3 = 990 Hz
247,5 Hz * 4 = 990 Hz
Dieses ist der Oberton, den beide Saiten entwickeln, und den du als störend empfindest.

Nebenbei erwähnt: Der Effekt tritt übrigens schon ein, wenn die Saiten nur in der Nähe der Stimmung sind. Man hört dann eine Schwebung. Beim Stimmen nutzt man diesen Effekt aus, um zu hören, ob eine Saite gestimmt ist oder nicht. Je weniger Schwebung, desto genauer die Stimmung. Aber anderes Thema. Nach einem Stimmgerät gestimmte Gitarren haben durch die gleichstufige Stimmung ein nicht ganz so sauberes Schwingungsverhältnis. Aber das ist ein anderes Thema.

Wie dem auch sei, die H-Saite regt die E-Saite mit an, bei 990 Hz zu schwingen.
Und die E-Saite regt mit ihren 990 Hz Oberton ihrerseits wieder die vorher abgedämpfte H-Saite ebenfalls auf 990 Hz mitzuschwingen.
Die tiefe E-Saite mischt da übrigens auch noch etwas mit.
Würdest du über einen Verstärker spielen, könnte dieser Effekt sogar noch verstärkt werden.

Es hat also nichts mit einem Fehler der Gitarre zu tun, sondern rein mit der Physik. Resonanz und Obertöne sind die Schuldigen.
Es wäre natürlich denkbar, das der Gitarrenkörper baulich bedingt ebenfalls die Neigung hat, viel leichter bei dem Ton H zu schwingen, als bei allen anderen Tönen.
Möglicherweise kann sogar die Raumakustik etwas zu dem ganzen Effekt beitragen.
(Der Badezimmer-Effekt. "Im Badezimmer hört sich jede Stimme gut an.")

Du müsstest also alle Saiten abdämpfen, (beim Stimmen etwa) um diesen Effekt zu umgehen.

Gruß Mjchael
von KlausdieMaus
#308325
Danke erstmal an alle die geantwortet haben.
Dann bin ich erstmal beruhigt.

Das mit der Resonanz ist schon eine "Wissenschaft" für sich.
Mein Wohnzimmer ist in der Tat sehr klein und hat Dachschrägen.
In dem Raum von der VHS wo wir üben, habe ich schon festgestellt, das die Gitarre viel besser klingt.
Ich werde das ganze mal im Auge behalten.
PS: Ein Kurbel habe ich mir auch zugelegt, schon allein um die PINS (Ballend) sauber rauszukriegen.

In diesem Sinne, frohes Fest an alle

Klaus
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