Tonales Zentrum festlegen bzw. Modi verwenden

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Nous
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Tonales Zentrum festlegen bzw. Modi verwenden

Erstellt: von Nous » 04.12.2012, 20:38

Hallo alle zusammen,

nachdem ich weder in Büchern zur Musiktheorie noch im Internet eine Antwort finden konnte, hab ich mich hier mal angemeldet, weil ich ohnehin viel hier mitlese, in der Hoffnung, dass man mir hier helfen kann.

Im Grunde hab ich mehrere Fragen, die sich alle um das gleiche drehen, nämlich darum wie man Dur/Moll-Tonleitern bzw. die Modi richtig benutzt. Mein Problem sieht in etwa so aus, dass es beim Improvisieren eigentlich immer nach Dur klingt (bzw. mit der Pentatonik klingt es aufgrund der fehlenden Leittöne nach gar nichts *g). Um zu versuchen das Problem auf eine Frage zu bringen: Wie lege ich das tonale Zentrum ohne begleitende Akkordfolge fest? Oder anders: wie kriege ich es hin, dass eine monophone Melodie (z.B. ein Intro) nach einem bestimmten Modus klingt? Oder noch anders: wie erzeuge ich in einer Melodie eine Strebewirkung zu einem Ton?

Ich hoffe man versteht was ich meine.
Liebe Grüße,
Alex

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mjchael
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Erstellt: von mjchael » 04.12.2012, 23:33

Das kommt darauf an, wo du deine Halbtonschritte hinlegst.

Die Modi (Kirchentonarten) der Moll-Tonarten am Beispiel Em

ps.: Sollte ein Video nicht mehr vorhanden sein, versucht es über die Suche.

Bleiben wir mal bei E-Moll
Pentatonik
Nach dem Quintenzirkel:
G D A E H
sortiert nach Em
E _ G A H _ D

Äolisch
E F# G A H C D E = Em-äolisch und klingt nach der natürlichen Moll-Tonleiter.
In der Tonart C-Dur wäre es der Akkord Am, woher ich mir das äolisch gut ableiten kann.

Jetzt hast du schon bei Moll 3 Möglichkeiten.
Einmal das normale von oben (also die gewöhnliche bzw. natürliche Em-Tonleiter)

Harmonisch Moll
Der natürlichen Em-Tonleiter fehlt ein Leitton, der wieder zum E hin leitet. Also fügt man da künstlich einen ein.
Dann das harmonische Em mit dem künstlichen Leitton D# ergibt eine übermäßigen Sekunde von C nach D# mit 3 Halbtonschritten (statt der üblichen 1 oder 2)
E F# G A H C D# E
Natürliches Moll wird gerne bei Rock-Balladen eingesetzt.




Melodisches Moll
Damit das ganze wieder etwas melodischer klingt, erhöht man noch das C zum C#.
Aus dem Halbtonschritt von H nach C wird ein Ganztonschritt, der nicht weiter stört.
Aus der übermäßigen Sekunde von C nach D# wird eine große Sekunde bzw. ein Ganztonschritt von C# nach D#, der sich viel melodischer anhört, warum man das Ganze auch melodisches Moll nennt.
Typisch ist, dass man melodisches Moll raufwandert, aber normales Dur runterwandert.
E F# G A H C# D# E D C H A G F# E

Das kannst du sehr schön ausprobieren, indem du im Bass immer die lehre E-Saite spielst, und dann mit den übrigen Tönen herumspielst. Es könnte so klingen:

oder cooler: :D

Also typisch Barock, aber kommt auch oft in Rockballaden vor (obwohl hier lange Zeit über natürliches Moll gespielt wird.)


Auch schön: Das alte Schloss von Mussorgsky - hier professionell

Der Voggenreiter-Verlag hatte das mal als einen sehr einfachen Tab rausgebracht.
So würde ich einfach mal mit den folgenden Modis rumexperimentieren.
Wirkt auch gut auf E-Gitarre, obwohl ich davon kein Video gefunden habe.

Typisch für melosisches Moll sind auch russische Lieder:


oder hier was finnisches, aber mit dem selben Strickmuster. (Fingerstyle ab der 1. Minute)


Die drei Varianten des Molls musst du dir gut einprägen! Es fällt leichter, wenn du dich ein wenig mit Liedern in Moll abgibst.

Phrygisch
Der Em-Akkord kann aber auch in der C-Dur-Tonleiter vorkommen.
E F G A H C D E
Jetzt hättest du es phrygisch. Em-Akkord aber die Töne der C-Dur-Tonleiter.

Phrygisch Dominant (HM5 d.h. 5. Akkordstufe des harmonischen Molls)
Em ist die Mollparalele der Dominante. Wenn Em nach Am weiterleitet, oder wenn du sogar in der Am-Tonleiter bist, kommt es oft vor, dass man aus dem Em ein E-Dur macht.
Aber weil sich dieser Modus ursprünglich vom Em ableitet, füge ich diesen hier als Ausnahme mit bei den Moll-Akkorden auf.

Die Mollterz von Em ist das G. Die Dur-Terz von E ist das G#
E F G# A H C D E
Das klingt schon sehr orientalisch oder spanisch oder jüdisch, je nach Betonung.
Ich merke mir gerne "die spanische" Tonleiter, weil mir das "p" in España die Eselsbrücke zum phrygisch gibt, und es sich in der Tonart C-Dur eben um den Akkord E handelt, wie España.
E-Dur-Akkord, aber die Töne von harmonisch Moll (was wir vorhin mit E-harmonisch-Moll gemacht haben.)
Man nennt das ganze dann phrygisch-Dominant. (Habe ich mich jüngst erst mit einem "Musikwissenschaftler" von der Wikipedia drauf geeinigt. ;)

Moment mal, da hatte ich doch zwei Beispiele für gesucht:

kann schon ganz schön poppig klingen (Beispiel aus den 80ern) sein:

oder auch ziemlich heavy


Dorisch
Em kommt auch noch in der D-Dur-Tonleiter vor.
Hier nochmal das normale Em
E F# G A H C D E
Jetzt mit den Tönen der D-Dur-Tonleiter
E F# G A H C# D E

In C-Dur wäre es der Dm-Akkord bzw. über dem Dm-Akkord wird mit der C-Dur-Tonleiter improvisiert. Da kann man sich leicht das D ableiten und weil Dm die zweite Akkordstufe in der Tonart C-Dur ist, so ist man mit "Duo" ( = lateinisch für "2") auch schnell bei dorisch.

Em ist die zweite Akkordstufe von D-Dur. Probiere es auch mal so aus, wie bei "das alte Schloss".
Also immer die E-Saite im Bass, und spielen tust du die D-Dur-Tonleiter.
Beispiel aus den 80ern:

Kann aber auch mittelalterlich klingen

Noch ein Beispiel:

Bei Gelegenheit suche ich noch ein Beispiel für irische Musik raus, wo man auch oft den dorischen Modus antrift.

Für E-lokrisch (7. Stufe der F-Dur-Tonleiter) habe ich kein gescheites Beispiel.
Vielleicht liefert mir den mal einer nach. Aber mit dem Modus ist auch schwer umzugehen. Und meist ist man da schon im Jazz oder Jazz-Blues, wo man Akkordfolgen wie
Em7b5 A7 Dm spielt.
Klingt zwar nicht schlecht, aber da solltest du dich vorher ein wenig in Jazzbegleitung einarbeiten.
http://de.wikibooks.org/wiki/Gitarre:_d ... fall_in_Am
Ich glaube aber, das würde hier ein wenig zu weit vom Thema ablenken.

Es gibt noch eines, dass ein wenig aus dem Rahmen fällt, und das wäre der Blues in Em bzw. die Em-Blues-Skala.

Die Em-Pentatonik bleibt erstmal:
E _ G A H _ D E
Als Blue-Note fügt man noch die 5b hinzu. (schaut man sich am besten bei einer Blues-Skala an)
Quinte (5) von E ist ein H, ein Halbton drunter (5b) ist ein Bb.
E _ G A Bb H _ D E
Die Halbtonschritten von A nach Bb nach H bieten viele Bending-Möglichkeiten.

Damit dürfte ich alle übliche Modi in Moll abgehandelt haben.
Es gibt noch eine Besonderheit bei phrygisch-Dominant, aber das erkläre ich bei der mixolydischen Skala.

Fassen wir die Modi in Moll zusammen:

E F# G A H C D E = E-äolisch (normales bzw. natürliches E-Moll) - typisch bei Rockballaden
E F# G A H C D# E = E- harmonisch Moll - typisch Russisch
E F# G A H C# D# E D C H A G F# E = Melodisches Moll - typisch mittelalterlich aber auch russisch
E F G A H C D E = E-phrygisch - ein wenig spanisch (eher das nächste)
E F G# A H C D E = E-phrygisch-dominant - typisch orientalisch - spanisch - arabisch - jüdisch
E F# G A H C# D E = E-Dorisch - typisch irisch - mittelalterlich
E _ G A H _ D E = Em-Pentatonik - anpassungsfähig
E _ G A Bb H _ D E= Em-Blues-Scala - typisch Blues ;)

beachte, dass bei fast allen Varianten die Em-Pentatonik enthalten ist.
(Ausnahme E-phryg.dom.)

Mache mit jeder Skala immer die Grundübung:
E im Bass, und darüber mit den oben genannten Tonarten zu spielen.

Die Modi der Dur-Tonleiter kommen im nächsten Post.

Gruß Mjchael
Zuletzt geändert von mjchael am 05.12.2012, 01:14, insgesamt 5-mal geändert.

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Erstellt: von Nous » 05.12.2012, 00:14

Hallo mjchael,

danke für deine Antwort und dass du dir so viel Mühe gemacht hast mit den Beispielen und Erklärungen. Leider finde ich aber darin nicht die Antwort auf meine eigentliche Frage - vielleicht ist es auch total einleuchtend und ich hab einfach ein Brett vor'm Kopf - nämlich, wie man eine Melodie nach Moll statt nach Dur klingen lässt (um erstmal bei Dur und Moll bzw. bei ionisch und äolisch zu bleiben, bevor ich an die anderen Modi gehe).

Ich geb mal ein Beispiel von mir:

Code: Alles auswählen

E|--------------------------|-------------------------|
B|-----------2-----2--3--2--|-------------------------|
G|--------4-----4-----------|--4--1--2----------------|
D|-----2--------------------|-----------0-----4-------|
A|--0-----------------------|--------------4----------|
E|--------------------------|--------------------2----|

(4/4 Takt; alle Noten Achtel bis auf das F# am Schluss)

Die Melodie beginnt mit einem Motiv in A-Dur im ersten Takt, das mit dem ersten Ton H im zweiten Takt abschließt und wechselt dann zur Paralleltonart F#-Moll. Aber ich hab keine Ahnung wieso es dann nach Moll klingt. Also, mir ist klar, dass sich die Spannung im Melodieverlauf zum F# hin auflöst, aber was ich nicht verstehe ist, wie man aus dem selben Tonvorrat (von A-Dur und F#-Moll) zwei verschiedene Tongeschlechter macht (bzw. sieben verschiedene Modi). Und ich weiß, dass das mit dem tonalen Zentrum zusammenhängt, also damit, zu welchem Ton hin man die Spannung eines Melodieverlauf auflöst, aber weiter komm ich damit nicht.

Vielen Dank nochmal und liebe Grüße,
Alex

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Erstellt: von mjchael » 05.12.2012, 03:15

Ich beantworte dir deine Frage schon ganz richtig.
Vielleicht wird das Pferd aus deiner Sicht von hinten aufgezäumt, aber ich werde das weiter machen.

Soviel sei schon mal gesagt:
Du hast 7 Akkorde in der A-Dur-Tonleiter
D A E Hm F#m C#m G#m7b5
Du hast bis jetzt aber nur die Akkorde A und F#m verwendet, und diese vorangestellt.
Kein Wunder dass alles nach A-Dur bzw. F#m klingt.

Wenn du einen anderen Modus haben willst, musst du die anderen Akkorde voranstellen, und du musst dich darum sorgen, dass sich alles um einen der anderen Akkorde dreht.
Du musst jetzt die anderen Akkordtöne hervorheben, und die übrigen nur als Durchgangstöne spielen. Die Intervall-Struktur hat sich zudem verändert. Doch das erläutere ich dir am Besten am konkreten Beispiel:

Spiele mal folgende Akkordfolge
E D A E und verwende dabei die A-Dur-Tonleiter.

oder

Das tonale Zentrum wurde nach E-Dur verlegt.

Bei A-Dur hast du die Pentatonik aus den Tönen
A E H F# C#
Es kommen noch hinzu
D A E H F# C# G#
D ist die reine Quarte, und G# ist die große Septime von A

Jetzt betrachte das ganze mal von E-Dur aus
Die Pentatonik von E-Dur ist
E H F# C# G#
zu E-Dur kam hinzu
D A E H F# C# G#
A ist wieder die reine Quarte von E, aber D ist die kleine Septime von E.
Also ist die kleine Septime der Ton, der hier den Mixolydischen Modus ausmacht

Setze mal das D voran, und verwende die A-Dur-Tonleiter.
Ich habe kein Paradebeispiel in D-lydisch, habe aber doch ein Beispiel gefunden:


Die D-Dur-Pentatonik ist
D A E H F#
Hinzu kommen
D A E H F# C# G#
C# ist von D aus wieder die große Septime (wie bei A-ionisch)
Aber G# ist von die aus die übermäßige Quarte (halbton höher als die reine Quarte G)

Jeder Dur-Akkord hat eine Dur-Pentatonik. An den Tönen kann der Modus nicht liegen.
Die reine Quarte ist nicht eindeutig, da sie sowohl im ionischen Modus, als auch im mixolydixchen Modus vorkommt. Aber sie grenzt die Modi ein, denn der lydische Modus ist ausgeschlossen.

Die große Septime ist ebenfalls nicht eindeutig, da sie sowohl im ionischen Modus, als auch im lydischen Modus vorkommt. Sie grenzt aber den mixolydischen Modus aus.

Eingrenzende Töne sind also die reine Quarte (sus4-Akkorde bzw. add11-Akkorde) und die große Septime (maj7-Akkorde)

Die übermäßige Quarte (4# bzw. 11#) bestimmen den lydischen Modus.
Die kleine Septime (7) bestimmt den mixolydischen Modus.

Du musst also bei Dur-Akkorden unbedingt die Quarte und die Septime spielen, denn je nach dem ob sie rein (4 bzw. 11), übermäßig (4# bzw 11#), klein (7) oder groß (j7) sind, wird der Modus näher bestimmt.
Wenn diese Intervalle nicht beim vorangestellten Akkord vorkommen sollten, da bei diesem nur die Pentatonik gespielt wurden, dann sollten die Nachbar-Akkorde wenigstens die markanten Intervalle beinhalten, um den Modus des Stückes festzulegen.

Nettes Beispiel: folgende Strophe:
Akkorde C Em
legt ja im ersten Moment C-Dur nahe. Aber da taucht der Ton F# auf, der von C aus die übermäßige Quarte (4#) ist, und damit beim C eindeutig C-lydisch festlegt.
Später hört man dann, dass sich der Refrain zur G-Dur-Tonart auflöst, bzw. dass die G-Dur-Tonart zugrunde liegt.

Von G-Dur aus gesehen (in der G-Dur-Tonleiter) ist C die Subdominante, G die Tonika, und D(7) wäre die Dominante.

stelle die Subdominante voran, betone die übermäßige Quarte (und am besten auch die große Septime) und du hast lydisch
stelle die Tonika voran, betone sowohl die reine Quarte und die große Septime und du hast jonisch
stelle die Dominante voran, betone die kleine Septime (und am besten auch die reine Quarte) und du hast mixolydisch

Ich mache morgen oder übermorgen mit den E-Dur-Akkorden weiter, und ich werde dir zeigen, wie ich mit einem Akkord quer durch die Tonarten wandere.
Das meine ich mit "das Pferd von hinten aufzäumen"

und hinterher fasse ich alles noch einmal einer Tonart zusammen, so wie ich es jetzt bei den Dur-Akkorden der A-Dur-Tonleiter gemacht habe.
Beide Betrachtungsweisen gehören zusammen, und ergeben gemeinsam ein Bild.
Vielleicht stricke ich es auch noch mal ganz um, so dass alles noch klarer wird, und die Lektion passend für die Wikibooks wird. Sowas kostet aber ein wenig Hirnschmalz. Das hier hab ich gerade mal eben hingetippt. An der Form muss ich noch etwas feilen.


Wichtig war mir halt am Anfang, jedem Modus einen Charakter zu geben, so dass du nicht einfach nur mit einem Fingersatz arbeitest, oder einer Tonleiter, sondern dass du eine gewisse Grundvorstellung davon hast, wie ein Modus klingen kann, und was für einen typischen Charakter ein Modus haben kann. Dann fällt es (zumindest mir) leichter, dieses auch in die Praxis umzusetzen.

Also noch ein klein wenig Geduld, und das Puzzle fügt sich zusammen.
Bild

Aber eines nach dem andern.

Gruß Mjchael

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Erstellt: von mjchael » 09.12.2012, 04:45

Die Modi (Kirchentonarten) der Dur-Tonarten am Beispiel E-Dur

ps.: Sollte ein Video nicht mehr vorhanden sein, versucht es über die Suche.

Dur-Pentatonik
Sortiert nach dem Quintenzirkel:
E H F# C# G#
sortiert nach E-Dur
E F# G# _ H C# _ E

ionisch
E F# G# A H C# D# E = E-ionisch entspricht E-Dur
Dur ist die in den westlichen Ländern die verbreitetste Tonart, und auch extrem wandlungsfähig. Man findet sie sowohl bei Schlagern, Walzer, Kinderliedern, Rock, Country, Reggae, etc.
In der Tonart C-Dur entspricht es natürlich dem C-Dur-Akkord. Im Jazz spielt man diesen Akkord meist als major7-Akkord, womit ich mir recht leicht den ionischen Modus ableiten kann. Die Kunst ist es, mit Hilfe des Rhythmus die verschiedenen Stile herauszuarbeiten.

Beispiele brauche ich glaube ich keine aufzuführen. Suche dir einfach irgend ein Lied in Dur aus. 80 bis 90% aller Lieder in einem handelsüblichen Liederbuch sind in Dur.

lydisch
E F# G# A# H C# D# E = E-lydisch
In der Tonart C-Dur entspricht es dem F-Dur-Akkord. Da passt es ganz gut, dass mich lydisch an den Frauenname Lydia erinnert.
So wirklich viele Liedbeispiele im lydischen Modus habe ich nicht gefunden. Ich glaube er wird kaum für Lieder eingesetzt. (Außer vielleicht bei alten Kirchenliedern.)
Aber es wird gerne als Hintergrundmusik verwendet. Improvisationen im lydischen Modus plätschern oftmals so vor sich hin. Es hat oft etwas weiterleitendes, fließendes, leicht melancholisches.
Manchmal wird es langer Zeit in einer Strophe verwendet, und löst sich erst im Refrain nach Dur auf.

Patrick SWAYZE " she's like the wind ....... "
Hier liebt die Storphe vom Riff, das zu dem C-Dur-Akkord noch das F# aus der G-Dur-Tonleiter mit reinknallt. Im Refrain löst es sich später nach G-Dur auf, aber die Strophen sind eindeutig C-lydisch


*edit* Ein paar Beispiele habe ich dann doch gefunden:

Alanis Morissette - Ironic
Startet immer mit einem G-Dur, obwohl das Tonmaterial der D-Dur-Tonleiter vorliegt.


Birdy "People Help The People" (siehe Projekt Begleitvorschläge)
Bei Capo im 1. Bund: Startet und endet immer mit dem F-Dur-Akkord, obwohl das Tonmaterial der C-Dur-Tonleiter vorliegt


Das lydische wird aber oft nur für einen vor sich hin fließende Improvisation gebraucht.
Typische Sachen, die man immer als Hintergrundmusik von romantischen Landschaftsbildern oder Schlossbesichtigungen hört.


Joe Satriani Flying in a blue dream
Spielt hier in C-Lydisch (Tonmaterial der G-Dur-Tonleiter)


Steve Vai-The Riddle
Spielt hier E-lydisch (Tonmaterial der H-Dur-Tonleiter)



mixolydisch
E F# G# A H C# D E = E-mixolydisch
Beispiele hatte ich schon im letzten Post geliefert.
Akkordfolge E D A E

oder


In der Tonart C-Dur entspricht es dem Akkord G-Dur. Dort ist G bzw. G7 die Dominante.
Das besondere am mixolydischen Modus ist genau wie bei der Dominante, dass sie überall auftauchen kann, auch da, wo man sie rein von einer Dur- oder Moll-Tonleiter nicht erwarten würde. Die Verbindung zwischen Dominante und Tonika ist ein solch wichtiges Element, dass man praktisch jeden einzelnen Akkord zu einer Zwischendominante umfunktionieren kann.
Die Dominante mischt (mixt) überall mit. (So merke ich mir mixolydisch) Es gibt sogar Musikstücke, die sind ausschließlich aus Dur-7-Akkorden aufgebaut. Kennzeichnend ist eine drängende, vorwärts strebende, dynamische Melodie, die oft nach Auflösung in einen Grundakkord hin strebt.

Elton John-Crocodile Rock
Im Refrain wird extrem oft der Dur7-Akkord incl. mixolydischer Melodieführung eingesetzt.


Keep On Truckin Mamma
Im Ragtime werden oft eine ganze Kette von Dur7-Akkorden aneinandergesetzt.


Und natürlich findet man diese auch oft im Blues und Rock'n'Roll wieder.


Beim mixolydischen Modus gibt es noch einige Eigenheiten, auf die ich im nächsten Post drauf eingehen möchte.

Blues in Dur
Ein Blues in Dur ist kompliziert. Man erarbeitet sich diesen am besten Schrittweise.

Schritt 1.
Typisch beim Blues ist, dass man zwar einen Akkord in Dur hat, da aber mit einer Moll-Pentatonik drüber improvisiert.
E _ G A H _ D E = Mollpentatonik

Schritt 2.
Typisch ist die Blue-Note 5b, über die man gerne mal ein Bending macht.
E _ G A Bb H _ D E

Schritt 3.
Da man einen Dur-Akkord im Hintergrund hat, wird oft mit der Dur-Moll-Modalität herumgespielt. Die Moll-Terz die sich aus der Mollpentatonik ergibt ist oftmals nur ein Durchgangston, der zur Dur-Terz weiterleitet.
E _ G G# A Bb H _ D E

Die Moll-Terz und die verminderte Quinte verleihen dem Blues den typischen traurigen Charakter, den man eigentümlicherweise die Farbe Blau zugeordnet hat, woher sich das Blues ableitet.

Schritt 4.
Nun kommen in der Begleitung oft noch Spielereien mit der Quinte, Sexten und kleinen Septime vor (5-6-7er-Spielereien). Diese wird aber nicht unbedingt als Blue-Note empfunden.
E _ G G# A Bb H C# D E

Schritt 5.
Rein aus melodiösen Gründen fügt man gerne noch die Sekunde (2) bzw. None (9) beim Gesang und oft auch bei der Improvisation mit ein.
E F# G G# A Bb H C# D E

Wie du siehst, hab ich die letzten beiden Töne grün gefärbt. Dieses sind die Gefahrlosen Töne der Dur-Pentatonik.

Wenn man alle Töne zusammennimmt, so hat man
E _ _ _ H _ _ E = Powerchord (Rahmenintervall)
E _ G# _ H _ _ E = Dur-Akkord
E _ G A H _ D E = Moll-Pentatonik (Dur-Moll-Spielereien + Septime für den Dur7-Akkord)
E _ G A Bb H _ D E = Bluenote 5b für das Bending
E _ G G# A Bb H _ D E = einfache Dur-Blues-Scala
E F# G# _ H C# = Dur-Pentatonik (für die 5-6-7-Spielerei, und die melodische Sekunde für den Gesang)

Es ist eine Art Baukastensystem.

E F# G G# A Bb H C# D E


Zusammenfassung:
E F# G# _ H C# _ E = E-Dur-Pentatonik (anpassungsfähig)
E F# G# A H C# D# E = E-ionisch (normales Dur - typisch westliche Musik)
E F# G# A# H C# D# E = E-lydisch (typisch vor sich hin plätchernd)
E F# G# A H C# D E = E-mixolydisch (typisch rockig)
E F# G G# A Bb H C# D E = Dominant-Blues bzw. Blues in Dur
Beachte auch hier, dass überall die Dur-Pentatonik enthalten ist.
Zuletzt geändert von mjchael am 19.02.2013, 13:07, insgesamt 2-mal geändert.

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Erstellt: von Nous » 11.12.2012, 19:35

Hallo mjchael,

nochmals vielen vielen Dank für die Mühe die du dir mit deiner Antwort gemacht hast. Das finde ich wirklich toll.
Leider ist der Groschen bisher aber noch nicht gefallen. Mit dem unterschiedlichen Aufbau der Modi hatte ich mich schon beschäftigt. Aber nehmen wir z.B. mal den mixolydischen Modus, der sich von den anderen beiden "dur-artigen" Modi (den tendenziellen Charakter eines Modus kann ich mir ganz gut darüber merken, ob sich ein Dur- oder Mollakkord aus dem Skalenaufbau bilden lässt) durch die kleine Septime unterscheiden lässt. Wie setze ich jetzt z.B. in einer Melodie in C-Dur, wo das G die Tonika des mixolydischen Modus ist, das A in Verbindung zum Ton G? Wenn ich die beiden Töne nacheinander spiele, klingt es in der Melodie ziemlich unzusammenhängend, weil das ja auch ein großer Tonsprung ist und wenn man man sich vom A zum G durch die Skala abwärts bewegt, verliert das Intervall an Markanz, die ja aber für den Modus doch eigentlich wichtig ist, weil sonst könnte ich ja auch den ionischen Modus nehmen, der von der Septime abgesehen, gleich aufgebaut ist.

Danke nochmal und liebe Grüße,
Alex

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Erstellt: von mjchael » 11.12.2012, 20:07

Wenn du eine Melodie in C-Dur spielst, dann spielst du eben Dur.
Dann spielst du kein Mixolxdisch.
Du beginnst mit dem Akkord C, und du endest mit dem Akkord C.
Alles ist jonisch.

Nur wenn du den Akkord G bzw. G7 spielst, dann hast du für einen kurzen Moment die Mixolydische Skala. Hier betrachtet man die Akkord-Skalen-Theorie. Also die Töne, die man zur Improvisation über einen einzigen Akkord spielt.
Zur Hervorhebung der Dominante sollte eben die kleine Septime, und am besten auch noch die Quarte erklingen. Aber der mixolydische Modus dauert gerade mal so lange, wie du die Dominante spielst. Also oftmals höchstens einen Takt lang.

Hier lohnt es sich einfach nicht, von mixolydisch zu sprechen. Hier hast du schlicht und ergreifend C-Dur.

Interessant ist es, wenn du irgendwo eine Zwischendominante einbaust.

Spiele mal von den Beatles "Whith a little Help from my Friends"
Refrain //: C Bb F C ://
Improvisiere da mal über den Bb Bb-mixolydisch, und du wirst feststellen, es hört sich beschissen an.

Es ist da ganz falsch, da Bb hier keine Zwischendominante, sondern eine Zwischensubdominante ist.

Über das Bb musst du Bb-lydisch improvisieren. Also mit übermäßiger Quarte und großer Septime.

Spiele"All of me"
C E Am Dm G
Über den E-Dur Akkord musst du E-mixolydisch spielen. E-Lydisch würde sich hier absolut falsch anhören.

Also wenn mal ein anderer Akkord als die üblichen auftauchen, dann wird das mit den modalen Skalen wieder interessant.

Wenn du aber ein Solo in einem bestimmten Modus haben willst, dann musst du auch dafür sorgen, dass die ganze Akkordfolge so angelegt ist, dass die entsprechende Akkordform die Führungsrolle hat.

Wenn ich ein Stück in C-Dur habe, dann spiele ich eben den Akkord, der die Dominante ausmacht, im Solo.
Also z.B. G F G F G G
Und ich beginne die Tonfolge jetzt nicht C D E F G, weil ja weiterhin die C-Dur-Tonleiter benutzt wird, sondern z.B. die Töne
G F G A H C H C D H G. Also ich betone zum einen die Akkordtöne, und baue geschickt das F als kleine Septime und das C als Quarte ein, aber immer so, dass die Akkordtöne von G-Dur vorherrschen.

In C-Dur den C-Dur-Akkord mixolydisch klingen lassen zu wollen ist in der Regel Unsinn. C ist die Tonika, und über die wird ionisch improvisiert.

Es sei denn, man will dann doch ein C7 spielen, und eine Zwischendominante einbauen, um zum Akkord F weiterzuleiten. Aber das ist die Ausnahme. In der Regel funktioneirt es nicht.

Ich weiß aber nicht, ob es dir nun wirklich klar geworden ist.
Falls nicht, erkläre mir mal, was du versuchst, bzw. was du beabsichtigst.
Möglicherweise kann ich dir einen Tipp geben, oder sogar einen Denkfehler aufzeigen.

Gruß Mjchael

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Erstellt: von mjchael » 11.12.2012, 20:23

Ps. Du kannst auch mal einen Blues oder Rock (einfaches Blueschema) nur mit Dur7-Akkorden spielen, und über jeden Akkord mixolydisch spielen. Dann musst du bei jedem Akkordwechsel auch die Skala Wechseln. Also C-mixolydisch, F-mixolydisch und G-mixolydisch.

Höre dir am besten mal einige Beispiele auf Youtube an. Gib einfach Mixolydisch in die Suche ein, und höre dich da rein.

Es gibt noch ein paar Besonderheiten im mixolydischen, aber das hebe ich mir für einen anderen Post auf.

Linktipp:
http://www.guitar.ch/de/info/frames/jamtracks/set.html

Klicke dich da mal durch.

Gruß Mjchael

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Erstellt: von Nous » 11.12.2012, 21:02

Hallo mjchael,

danke für die schnelle antwort. Danke für die Richtigstellung der Septime in G mixolydisch, da bin ich ein bisschen durcheinander gekommen *g Also,wenn ich das richtig verstanden habe, ist ein Modus immer an einen dazugehörigen Akkord gebunden über den man die Melodie mit dem Material der zugrunde liegenden Tonart spielt?

Und falls dem so ist, würde das dann praktisch bedeuten (wenn ich es richtig verstanden habe):
Wenn ich z.B. einen Blues-Rock mit den Akkorden A5 D5 und E5 spiele, dann entscheidet sich ob er in Dur oder Moll ist durch die darüber liegende Tonleiter, also danach ob ich darüber eine a-Moll- oder A-Dur-Tonleiter spiele?

Liebe Grüße,
Alex

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Erstellt: von mjchael » 11.12.2012, 22:03

Richtig.

Du musst hier einfach wissen, wie du die Akkorde interpretierst.

Es könnten abgespeckte Dur-Akkorde von A-Dur sein (gebe ich im Quintenzirkel an, damit ich nicht durcheinander komme.)
D A E7

Es könnte ein Dominant-Blues in A sein
D7 A7 E7

Etwas rockiges in A-Moll
Dm Am Em
oder typischer
Dm Am E7

und dann könnte noch eine andere Tonart zugrunde liegen.
D A7 Em
2-5-1-Verbindung in D-Dur
Em A7 D
oder im Jazz
Em7 A7 Dj7 Dj7

Es wäre sogar etwas in Em denkbar (G-Dur-Tonleiter drüber spielen)

Powerchords die dicht nebeneinander stehen sind halt vielseitig deutbar.

Selbst bei zwei Dur-Akkorden kann man diese mitunter vielseitig deuten

F C könnte F-Dur sein mit C als Dominante
Könnte aber auch C-Dur mit F als Subdominante - oder auch F-lydisch, wenn man hier den F betont.

Bei Am G könnte es einfach Am sein mit G als Durparallele der Dominante
Es könnte aber auch Am-Dorisch sein, mit G-Dur als Basis.

Hier macht es sogar Spaß, mit dem Modus herumzuspielen.
Zwar die gleichen Grundtöne zu verwenden, aber durch Änderung der Akkorde und der zugrundeliegenden Dur-Skala den ganzen Stil zu ändern.

z.B. von einem mittelalterlichen Stück in Moll zu einem Moll-Blues, zu einem Dominant-Blues zu einem Dominant-Rock'n'Roll zu einem Boogie-Woogie in einer reinen Dur-Tonart, zu einer 251-Jazz-Impro zu einem einfachen Schlager in Dur mit immer den selben Powerchords, aber immer mal anders gedeutet.

Je weniger Töne du zur Verfügung hast, und je dichter die Töne im Quintenzirkel zusammenstehen, desto größer sind die Möglichkeiten etwas zu deuten.
Und man kann durchaus mit dem Umdeuten von Akkorden herumspielen.

Gruß Mjchael

Nous
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Beiträge: 6
Registriert: 04.12.2012

Erstellt: von Nous » 12.12.2012, 00:35

Ok, super :) Vielen Dank, jetzt ist mir echt einiges klar geworden.

Liebe Grüße,
Alex

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