Tipps zum Einstieg in die Musiktheorie

Skalen, Tonleiter, Pentatonik, uvm.
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von Chukkzy
#293923
Nach Jahrelangem "Theorie? Ist mir zu trocken!" bin Ich jetzt an einem Punkt, wo Ich schon ein bisschen mehr über so Sachen wie Skalen, Akkordfolgen etc wissen möchte... Aber wie das so ist, wenn man kein total Anfänger mehr ist weiss man oft nicht wo man mit einem bestimmten Thema beginnen soll (besonders wenn man keinen Kurs besucht der einen festen Lehrplan hat).

Daher nun meine (zugegebenermaßen ziemlich komplizierte) Frage: Womit fange Ich an? Gibt es irgendwas womit jeder kleine Gitarrenschüler anfängt auf dem man dann einem Pfad folgen kann der einen von Thema zu Thema leitet, oder muss man einfach ins kalte Wasser springen, sich irgendwas aussuchen und mittendrin beginnen? :?
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von mjchael
#293948
Die Akkorde auf der Gitarre lernt man ja irgendwie von selbst.
Besser gesagt, dazu braucht man ganz am Anfang noch keine Theorie.

Die drei Akkordfunktionen in Dur
Was ich als hilfreich erachte ist "Tonika - Subdominante - Dominante"
Dabei finde ich weniger die Vokabeln wichtig, als mehr für welchen Höreindruck die drei Worte stehen. Das ist einfacher als man denkt, auch wenn einen am Anfang die Vokabeln abschrecken.

http://de.wikibooks.org/wiki/Gitarre:_D ... reigestirn

Lerne dir die Vokabeln, die Akkordstufen ( 1 4 5 oder mit römischen Ziffern I IV V )
dann aber höre dir unbedingt die Midibeispiele mit den Erklärungen an. Dann fängt das ganze nämlich an Sinn zu machen. Man bekommt eine Ahnung davon, welche Funkion Akkorde haben, und man lernt es einfache Lieder nach dem Gehör zu begleiten.

Mollparallelen
Sobald die 3 Hauptfunktionen sitzen, kümmerst du dich um die 3 Funktionen in Moll.
Ist auch nicht viel schwerer.

http://de.wikibooks.org/wiki/Gitarre:_Mollparallelen

Es wäre gut, wenn du jeden der 6 typischen Akkorde einer Tonart charakterisieren kannst.
Dabei meine ich es aber ganz einfach
Tonika: stabil - Ruhepol - Start und Ziel
Subdominante: fließend - schwebend - Nachbarakkorde verbindend
Dominante: präsentierend - spannungsreich - Schlusswirkung: leitet gerne zur Tonika weiter
Tonikaparallele: ruig - faul - gemütlich - manchmal traurig - kann ebenfalls Start und Ziel sein
Subdominantenparallele: abwartend - vorbereitend (leitet gerne zur Dominante weiter)
Dominantenparallele: energisch - verärgert - quängelig (leitet gerne zur Tonikaparallele weiter)

Viel mehr braucht man nicht, um sich halbwegs zurecht zu finden.

Akkordfolgen
Dann empfiehlt es sich ein paar Standard-Akkordfolgen zu lernen, und sich einzuprägen.

In G-Dur
  • G C D G (Dur-Kadenz)
  • G Em C D (Schu-bi-du-ba bzw. "Doo Wop")
  • G D G (Schlusswendung)
  • Am D G (2-5-1-Schlusswendung)
  • G D Em C (Pop-Kadenz)
  • G C G (Kirchenschluss)
In C-Dur
  • C F G C (Dur-Kadenz)
  • C Am F G (Schu-bi-du-ba bzw. "Doo Wop")
  • C G C (Schlusswendung)
  • Dm G C (2-5-1-Schlusswendung)
  • C G Am F (Pop-Kadenz)
  • C F C (Kirchenschluss)
Diese Akkordfolgen entdeckt man nämlich schon bei vielen Anfängerlieder immer wieder. Man lernt dann immer 3-4 Akkorde auf einmal, und muss sich nicht von Akkord zu Akkord hangeln.
Und wenn du einigen Akkordfolgen mal einen Namen geben kannst, dann erkennst du sie auch bald nur vom hören wieder.

Diese Standard-Akkordfolgen werden immer weiter ausgebaut, und auch durch weitere Tonarten exerziert, sobald man die entsprechenden Akkorde kann.

http://de.wikibooks.org/wiki/Gitarre:_A ... gressionen

Rechne mit Ausnahmen
Nachdem man weiß, welche Akkorde üblicherweise in einem Lied vorkommen, entdeckt man ab und zu Akkorde, die aus der Reihe tanzen.
Da ist zum einen die Zwischendominante und die Dominante einer Moll-Tonart.
Zu diesem Zeitpunkt kann nicht auf alle Möglichkeiten eingegangen werden, aber man sollte erkennen, dass die "Regeln" nur das beschreiben, was am häufigsten bzw. am ehesten anzutreffen ist, aber dass keine Regel so fest ist, dass es dazu keine Ausnahmen geben kann. Und dass einige "Ausnahmen" in bestimmten Musikrichtungen (hier: Lieder in Moll) so oft vorkommen, dass sie schon wieder eine eigene Regel bilden.

C-Dur-Tonleiter in den ersten 3 Bünden
Sobald du die Grund-Akkorde kannst, ( C D Dm E Em F G A Am H7) lohnt es sich die C-Dur-Tonleiter in den ersten drei Bünden zu lernen.
http://de.wikibooks.org/wiki/Gitarre:_C ... r_Workshop

Die kannst du dann für Basstöne (Slash-Akkorde) und Bassläufe gut gebrauchen. Weiterhin kannst du die C-Dur-Tonleiter für die ersten Add9, Sus4 und 7er-Akkorde gebrauchen, damit du die Töne auch abzählen kannst. Und wo wir schon bei den Sus-Akkorden sind:

Intervalle
Dann lohnt es sich, sich mit einfachen Intervallen zu beschäftigen.
7er | 6-7 (Blues) | C7 | sus4/add4 | Gadd4 | add9 |
http://de.wikibooks.org/wiki/Gitarre:_v ... en_Streich
und die folgenden Kapitel oben in der Navigationsleiste

Rhyhtmen
Wie sich Rhyhthmen grundlegend aufbauen
http://de.wikibooks.org/wiki/Gitarre:_S ... erarbeiten
und zum Üben:
http://de.wikibooks.org/wiki/Gitarre:_D ... a-Rhythmen

Das sind alles Sachen, die man eh als Gitarrenanfänger braucht.

Quintenzirkel
Sobald es darum geht, welche Akkorde üblicherweise in einer Tonart anzutreffen sind, welche zusammenpassen,
welche Töne zu einer Tonleiter gehören,
welche Töne zu einer Pentatonik gehören,
dann kommt man um den Quintenzirkelnicht drum herum.

Und ganz speziell zum Akkorde-Heraushören:
[Workshop] Wie höre ich Akkorde heraus?

Viele praktische Beispiele, die zudem ziemlich einfach gehalten sind:
[Projekt] Begleitvorschläge + Chords heraushören

Ausnahmen vom Quintenzirkel (Akkorde)
Der Quintenzirkel zeigt einem, was üblicherweise zusammen passt. Allerdings gibt es ausnahmen:

Interessant ist dann auch:
[Tutorial] Typische Tonleiter-fremde Akkorde

und angewandt auf ein konkretes Lied:
[Workshop] Eine Akkordfolge erweitern

Pentatonik
Sobald es um das improvisieren geht, lernt man Pentatoniken
http://de.wikibooks.org/wiki/Gitarre:_P ... assungen_1

Tonleiter-Skalen
[Workshop] Die 5 Haupt-Dur- und Moll-Tonleitern

Und was da noch unbedingt mit hinzu gehört:
[Tutorial] Tonart mit Dur- und Mollskalen bestimmen

Bluesharmonik
und dann gibt es noch
[Workshop] Einstieg in den Blues

[Workshop] Akkorde heraushören
fasst nochmal einiges zusammen.

Das sind jetzt alles Lektionen, die sehr Praxisnah sind, und so wie sie hier aufgeführt wurden, auch halbwegs sinnvoll zu lernen sind.
Diese Workshops und einzelne Seiten sind die von mir am häufigsten verlinkten Seiten zum Thema Musiktheorie.

Sachen, die du viel weiter nach hinten stellen kannst:
Kirchentonarten
[Workshop] Wie benutzt man Kirchentonleiter?

Musiklehre
Dann gibt es noch einige Sachen, die nur mit der Harmonielehre bzw. Musiklehre zu tun haben:
Einführung in die Musiktheorie (von Arne)
  1. Teil 1 - Durtonleiter, Durtonarten
  2. Teil 2 - Molltonarten
  3. Teil 3 - Das Notensystem, Noten lesen
  4. Teil 4 - Tonika, Dominante, Dominantsept
  5. Teil 5 - Die Praxis
Einige Workshops hier im Forum: Und meiner (sehr ausführlich, aber noch nicht fertig):
[Workshop] Elementare Musiktheorie

Die meisten Links findest du über:
Startseite » Workshops und Tutorials

Unsere Projekte - Workshop- und Tutorial-Sammlung

Weiterhin gibt es eine klasse Homepage, die aber nicht für Gitarristen ausgerichtet ist:
http://www.lehrklaenge.de

Es gibt hier im Forum noch zig andere klasse Artikel, aber ich denke so hast du mal einen ungefähren roten Faden.

Natürlich sollte man sich auch das ein oder andere Buch zum Thema anschaffen.

Gruß Mjchael
Zuletzt geändert von mjchael am 13.02.2013, insgesamt 9-mal geändert.
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von Chukkzy
#294063
Wuff, viel zu gucken... :D Danke sehr für die ausführliche Antwort, wie gesagt, manchmal sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht.
von Gast
#304090
Hallo Chukkzy, Noten lesen lernen, wäre ein super Anfang, wenn du es nicht schon kannst. Skalen, Intervalle, Dreiklänge, Vierklange, Kadenzen und Funktionsharmonik etc., lassen sich dann leicht verstehen. Grüße Marc
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