Harmonie von Akkorden

Skalen, Tonleiter, Pentatonik, uvm.
Benutzeravatar
von Anctify
#167476
Hall zusammen!
Ich hab gestern Abend/ oder heute Nacht wenn mans genau nimmt
die Zeit dazu genutzt mich ein bisschen mit dem Quintenzirkel
und den Grundzügen der Harmonie-Lehre zu beschäftigen.
das ist mir auch recht einleuchtend(gegen den uhrzeiger sinn = Subdominante
Im Uhrzeigersinn = Dominante)
Das ist auch sehr gut zu sehen in simplen Songs wie z.b. Knocking on heavens door.
Nun hab ich mir mal Don't look back in anger von Oasis angeguckt
und hab nicht ganz verstanden wie er da auf die Akkorde kam.
Hat er da einfach nur ausprobiert oder steckt da ein System dahinter?
Ich mein C ist die Tonika wenn ich es richtig gesehen habe.
dann wären F und G subdominante und dominante.
Dann muss a-moll wohl die moll-parallele von C sein,welches ja die Tonika ist.
Aber wie kommt er jetzt auf E-dur :shock:
das ist doch am anderen ende des quintenzirkels.


mfg Anctify
von Gast
#167496
sallü
gut bin kein spezialist in der harmonielehre aber bin mir ziemlich sicher dass sich die musiker nicht nur am quintenzirkel halten. Bestimmt nehmen sie paar akkorde die eben dem quintenzirkel nach zusammen passen und fügen noch ein akkord dazu der rein akustisch dazu passt

MD
von RAc
#167518
...also wie mein Vorschreiber schon angedeutet hat: Die Harmonielehre ist keine Vorschrift; sie ist der Versuch, zu erklären, was das Ohr als harmonisch empfindet.

Gut, daß die Musik sich genau so wenig daran hält wie die Sprache sich an die Grammatik hält... ;-)

Das E bei dem Lied, das Du zitierst, kann sehr verschieden interpretiert werden, z.B. als chromatische Überleitung zum F. Oder aber als Verschärfung des E Moll, was die Mollparallele zur Dominate ist. Oder die harmonische Dominante des A Moll (das wäre in dem Fall eine sogenannte kurzzeitige Modulation nach A Moll).

In C ist der Sprung nach E Dur oft der beginn einer sogenannten Dominantkette, also C-E7-A7-D7-G7-C (z.B. viele Country Blues Stücke im Stil von Rev. Gary Davis; Alice'S Restaurant von Arlo Guthrie ist ähnlich, aber da "fehlt" eine Stufe: C-A7-D7-G7-C), oder zuweilen wird sie als Farbe hereingebracht, um eine eigentlich standardmäßige Melodiefolge aufzupeppen (z.B. in American Tune von Paul Simon oder Branduardi's Hightown Fair). In diesem Fall ist es weder noch, was darauf hinweist, daß es sehr viele Möglichkeiten gibt, eine Melodie zu harmonisieren...

Da sind ganze Menschenleben drüber verlebt worden, also mach Dir keinen Streß - vieles macht Sinn, und ein Sänger, der z.B. eine sehr tragende Stimme hat, kann noch über komplett irrsinnigen Harmoniefolgen gute uhnd schlüssige Musik machen.

Aber völlig willkürlich ist es nicht - das sind die bad news; es muß immer einen Sinn machen, wie man Melodie harmonisiert - es gibt halt nur mehr als einen Sinn...
Benutzeravatar
von mjchael
#167655
@RAc ()/ viel besser hätte ich es nicht erklären können. ()/

Der Quintenzirkel beschreibt das, was am häufigsten vorkommt.
Was vom Quintenzirkel abweicht sind Ausnahmen.

Es gibt Zwischendominanten, wo ein Moll-Mollakkord auf einmal zu einem Dur-Akkord wird, um wie eine Dominante zum nächsten Akkord zu leiten.
Wenn Em zu E7 wird, und nach Am weiterleitet ist es also eine Zwischendominante.
Da Am aber die Moll-Parallele zur C-Dur-Tonleiter ist, nennt man diese besondere Zwischendominante auch einfach die Dominante einer Moll-Tonart genannt wird. Die verhält sich aber genau so wie eine Zwischendominante.

Selbst C-Dur kann zu C7 werden um nach F-Dur weiterzuleiten (obgleich normalerweise kein C7 in der C-Dur-Tonleiter vorkommen kann.)

Es gibt noch so etwas wie eine Zwischen-Subdominante. F ist die Subdominante in C-Dur. Bb ist die Subdominante in F-Dur. Wenn also ein Bb in der C-Dur-Tonleiter auftaucht, und nach F-Dur weiterleitet, dann ist es eine Zwischensubdominante.

F-Dur kann auch einfach zu Fm werden. (Subdominante in Moll / / nicht zu verwechseln mit der Subdominantenparallele Dm).

Eine Dominantenkette wurde auch schon oben erwähnt.

Es gibt noch ein paar andere Akkorde, die besonders im Jazz auftauchen (Tritonus-Substitution), aber mit den oben genannten hat man schon mal die wichtigsten Ausnahmen zusammen.

Gruß Mjchael
von RAc
#167662
mjchael hat geschrieben:@RAc ()/ viel besser hätte ich es nicht erklären können. ()/

...

Gruß Mjchael
Vielen Dank für die Blumen! ::::::

Ich hatte vergessen, auf die als nächstes Folgende naheliegende Frage einzugehen: Wozu braucht man denn überhaupt den Quintenzirkel, wenn dann in der Praxis doch Alles anders gemacht werden kann?

)(()

Antwort: Stell' Dir eine französische (oder spanische... oder usbekische... ist ja egal) Grammatik auf einem DINA4 Blatt vor. Das gibt es und ist auch gar nicht so schlecht; wenn man sich da durchackert, kann man schon Mal einen Pastis bestellen und die Titelzeilen der lokalen Varianten der Bild Zeitung verstehen. Aber eine Sprache *sprechen* ist ja etwas Anderes... da gibt es all die Farben, die Ausnahmen von den Regeln, die Möglichkeiten, den gleichen Sachverhalt auf 10 verschiedenen Arten mit 12 Untertönen auszudrücken...

Der Quintenzirkel ist so etwas wie so eine Grammatik. Er steckt den harmonischen Rahmen ab, in dem sich ein Großteil der Hörgewohnheiten unserer westlichen Ohren abspielt, wie Mjchael schon angedeutet hat. Mit dem, was Du jetzt schon weißt, Anctify, kannst Du ca. 60-70% der Musik, die in kommerziellen Sendern gespielt wird, verstehen und einordnen (ca. 98% der Musik in Erbschleichersendern oder Bierzelten, aber das ist ein anderes Thema).

Wo ab die Musik anspruchsvoller oder internationaler wird, wird der Rahmen gesprengt. Wenn Du z.B. in die keltische Musik gehst, haben die Begriffe Tonika, Subdominante und Dominante keine Bedeutung mehr, weil sich die Begriffe um die sogenannte ionische Kadenz gruppieren - d.h. die "Standard Harmoniefolge" I-IV-V-I. Diese Folge hat sich aus verschiedenen Gründen über die Jahrhunderte in das mitteleuropäische Ohr eingegraben wie ein Flußbett in eine Landschaft. Da gibt es unendlich viel Variationen drüber und auch "Standardmodulationen," also gebräuchliche Exkurse in andere Tonarten während eines Stückes. Grundlage von all dem ist aber immer noch der Quintenzirkel (siehe z.B. das Buch von Haunschildt).

Die keltische Musik hat sich aber i.W. andersherum durchgegraben, d.h. in Akkordfolgen wie II-I-IV-I-II (das sogenannte dorische) oder V-IV-I-IV-V (mixolydisch). Das sind Teile der sogenannten Modi (bin mir sicher, daß es da auf dem Forum schon genügend Infos drüber gibt).

Wenn Du dann noch weiter in die Welt hinausgehst, wird es immer "schräger," weil halt auch die Aufteilung einer Tonleiter in 12 Halbtöne mehr oder weniger willkürlich ist; in anderen Kulturkreisen gibt es z.T. Vierteltöne, Zwischentöne (die "blue note" ist dafür das bekannteste Beispiel) und so weiter.

Also sieh den Quintenzirkel als sowas wie ein Rettungsboot an, mit dem Du Dich auf den weiten Ozean der Musik begibst; wenn Du weißt, wo dein Boot ankert, hast Du immer wieder einen Referenzpunkt, wo Du hingehen kannst, wenn Du Angst hast abzusaufen. Aber der Spaß bei der Musik ist eben das erforschen und so weit wie möglich wegschwimmen...

macht das Sinn?
Benutzeravatar
von Anctify
#167813
japp.Es macht Sinn RAc.
Ich danke dir für den Aufwand dieses Beitrags und bin
beeindruckt wie gut du dich auskennst :shock:
Mir ist noch nicht mal in den Sinn gekommen mich irgendwann mit keltischer
Musiktheorie auseinander zusetzten :D
Aber ich danke dir,du hast Licht ins Dunkel meines Hirns gebracht :D



mfg Anctify
von RAc
#167848
Anctify hat geschrieben:japp.Es macht Sinn RAc.
Ich danke dir für den Aufwand dieses Beitrags und bin
beeindruckt wie gut du dich auskennst :shock:
Mir ist noch nicht mal in den Sinn gekommen mich irgendwann mit keltischer
Musiktheorie auseinander zusetzten :D
Aber ich danke dir,du hast Licht ins Dunkel meines Hirns gebracht :D



mfg Anctify
Hallole,

auch Dir vielen Dank für das Kompliment. Allerdings kommt das Wissen, das ich habe, einfach mit der Zeit (ich beschäftige mich jetzt schon sehr lange mit Musik), wirkt sich aber bislang noch nicht besonders auf mein Können aus - ich blicke mit Hochachtung (und manchmal mit etwas Neid) auf diejenigen, die das Wissen nicht haben (oder brauchen?) und trotzdem (oder deswegen?) gute Musik machen. Mit anderen Worten, ich würde mir manchmal wünschen, dass meine Musik mehr aus dem Herz als aus dem Kopf kommt...

P.S. Musik ist wie Zen: Mit Jeder Frage, die man beantwortet bekommt, tut sich mehr als eine neue Frage auf... ;)
Vergleichbare Themen
Themen Statistiken Letzter Beitrag
Frage: Ton von Akkorden
von vierzehn    - in: Musiktheorie
7 Antworten 
1717 Zugriffe
von vierzehn
Schreibweise von Akkorden
von Bubblecore    - in: Gitarrenakkorde
5 Antworten 
3400 Zugriffe
von Volare
Betonen von Akkorden
von matcat    - in: Gitarrenakkorde
6 Antworten 
1289 Zugriffe
von mjchael
Bestimmen von Akkorden
von oiseau    - in: Gitarrenakkorde
2 Antworten 
1334 Zugriffe
von Alchimedes
Lernen und üben von Akkorden
von syscrash    - in: Gitarrenakkorde
7 Antworten 
1929 Zugriffe
von snicki