[Tutorial] Wie leitet man sich die Töne der Akkorde ab?

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She_sun
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[Tutorial] Wie leitet man sich die Töne der Akkorde ab?

Erstellt: von She_sun » 18.04.2010, 19:01

Also was ich damit meine:
ich weiss ja wo ich welchen finger hinsetze, aber welche Noten spiele ich?
oder aus welchen Noten besteht denn ein Akkord?

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Nightmare
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Erstellt: von Nightmare » 18.04.2010, 19:04

Ein Akkord besteht aus dem Grundton und aus 2 Terzen dazu.

Je nachdem ob kleine oder große Terz und in welcher Reihenfolge hintereinander kommen, ist der Akkord Dur, Moll, vermindert oder übermäßig. Übermäßig sind zwei große Terzen, vermindert zwei kleine und Dur und Moll jeweils eins von beiden, ddie Reihenfolge hab ich aber vergessen^^

www.musicians-place.de

Da kannst du vieles dazu lernen.

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musicdevil
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Erstellt: von musicdevil » 18.04.2010, 20:49

indem du die töne einfach abzählst ;)

dazu muss man natürlich die tonleiter kennen :D
C, Cis, D, Dis, E, F, Fis, G, Gis, A, Ais, B, C

nehmen wir nun mal die dicke E-saite...
schlägst man die leer an, dann hat man ein E, logisch...
drücke ich sie im ersten bund habe ich ein F...weil siehe oben E, F, Fis...
im zweiten bund wärs dann ein Fis, dritter bund ein G usw., klar?

nun mal sie A-saite...leer angeschlagen ein A
im ersten bund ein Ais...zweiter bund ein B, dritter bund ein C
achtung vierter bund ein Cis (siehst, es geht wieder von vorne los ;) )

also immer oben die tonleiter nehmen und dann einen ton weiter nach rechts...
A, Ais, B, C....
D, Dis, E, F, Fis...
B, C, Cis, D, Dis....

und die saitennamen solltest schon kennen, also E, A, D, G, B (H), e
und dann guckst oben siehe tonleiter

praktisches beispiel *E-Moll*

man darf alle saiten anschlagen...also
E-saite leer = E
A-saite drückst ja im zweiten bund, ergibt also ein B
D-saite auch im zweiten bund, ergibt also ein E
G-saite wieder leer...ergibt ein G
B-saite leer ergibt B
e-saite leer ergibt ein E

also spielen wir die töne E, B, E, G, B, E (von oben nach unten)

und ein E-moll akkord setzt sich genau aus E, G und B zusammen...
wie du siehst, kommt sogar gleich 3 mal ein E im akkord vor...

ich empfehle dir da auch das buch:
*Gitarrengriffe für Pop & Rock*
http://www.guitar-tv.de/index.php?id=18

theorie ganz simpel alles erklärt ;)

und den *transposer* http://www.transposer.de/
auf dem transposer kannst du all das sofort ablesen...und das teil kann noch ne menge mehr...sollte jeder gitarrist haben, bin absolut begeistert von dem teil...hilfreich zum transponieren, für skalen, pentatoniken ect.
selbst bluesskalen werden dargestellt...alles ganz easy :)

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mjchael
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Erstellt: von mjchael » 19.04.2010, 10:12

Lerne zuerst die Töne der C-Dur-Tonleiter auf den ersten drei Bünden!
* C-Dur-Tonleiter-Workshop

Übung 1:
* Vom Basslauf zur C-Dur-Tonleiter

Übung 2:
* C-Dur-Tonleiter auf den Melodiesaiten

Weiter das Griffbrett rauf
Note-Location-Workshop
* Einfache Lernhilfen für die Töne auf dem 5. Bund
* Wie man Töne durch bekannte Barré-Akkorde bestimmt.

Solltest du im Notenlesen noch nicht ganz so fitt sein empfehle ich dir folgende PDF mit Eselsbrücken:
* Noten lesen lernen mit Tricks (PDF)

kurze Zusammenfassung
* Lernhilfen auf einer PDF mit Tabs
Für diese PDF sollte man aber vorher die andren Kapitel gelesen haben.

Gruß Mjchael

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fever
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Erstellt: von fever » 29.04.2010, 23:43

Zu dem Artikel mit Tricks fürs Notenlesen: Erfahrungsgemäß war es bei mir so, dass ein bis zwei Sprüche am Anfang helfen, allerdings später schwer wieder ab zu gewöhnen sind.
Man geht dazu über immer diese Sprüche runter zu rattern und merkt sich nicht den einzelnen Ton. Das ist wie mit einer Alphabet Melodie, viele müssen um zu sagen welche Buchstaben vor und nach zb L stehen einmal das Alphabet im Kopf schnell aufsagen, oft in einer Kindermelodie.

Den einzigen Spruch den ich benutz hab war "Eine Dumme Alte Gans Hat Entenfüße" für die Saiten, zu anfang.

Was mir dann später geholfen hat einzelne Töne schnell auf einer Saite zu finden, war zuerst die Töne des fünften Bundes auf jeder Saite zu lernen, da man von dort schnell abzählen kann.
Danach kamen dann 1,3,7,9 dazu und der Rest ergibt sich dann auch von selbst.

Am besten wenn einem langweilig ist, auf Autofahrten oder so, die Töne auf den Saiten durchgehen, aber nicht in der Abzähl-Reihenfolge, sonder durcheinander, wie eine art Quiz.

Ich bin auch noch nicht perfekt im Noten lesen und tat mich am Anfang sehr schwer, aber das war eine Technik die für mich sehr geholfen hat, und man gewöhnt sich keine dummen Kindersprüche an^^

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mjchael
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Erstellt: von mjchael » 30.04.2010, 01:28

Die C-Dur-Tonleiter muss man einfach auswendig können.

sowohl vorwärts:
C D E F G A H C D E F G A H C

als auch rückwärts
C H A G F E D C H A G F E D C

Und zwar so gut, dass man von jedem Buchstaben aus problemlos den Vorgänger als auch den Nachfolger bestimmen kann.

Ebenso muss man den Quintenzirkel sowohl vorwärts auswendig können
F C G D A E B (bzw. H)
Fähige Clevere Gitarristen denken an ein Barré

Als auch rückwärts
H (bzw. B) E A D G C F
Dort hilft der Merksatz für die B-Tonarten
Frische Brötchen essen Asse des Gsangsvereins (Gospel - Chors)

und man muss wissen, wie es rechts und links von diesen 7 Tönen weitergeht.
Fb Cb Gb Db Ab Eb Bb F C G D A E B F# C# G# D# A# E# B#

Also dreimal das selbe, nur zuerst mit Bes, dann ohne Vorzeichen, und dann mit Kreuzen.

Das man die Tonleiter kennen muss, ist hoffentlich für alle selbstverständlich.

Der Quintenzirkel hilft einen ungemein, Vorzeichen von Tonarten zu bestimmen. Ebenso hilft er typische Kadenzen und Akkordfolgen zu bestimmen.

Vgl. mein Lieblingsbeispiel:
Am7 Dm7 G7 Cj7 | Fj7 Hm7b5 Esus4 E
I will survive oder Surprime
es geht immer den Quintenzirkel abwärts.

Für die Terzen lernt man am besten die drei Akkordtöne der einzelnen Akkorde auswendig.

Dazu lernt man zuerst die sieben Stammakkorde der C-Dur-Tonleiter auswenig
C = C E G
Dm = D F A
Em = E G H
F = F A C
G = G H D
Am = A C E
Hdim = H D F

Von den Dur-Akkorden leitet man sich die Moll-Akkorde ab.
Man muss nur den mittleren Ton (die Durterz) um einen Halbtonschritt (zur Mollterz) erniedrigen.
Cm = C Eb G
Fm = F Ab C
Gm = G Bb D

und von den Moll-Akkorden leitet man sich die Dur-Akkorde ab
Mann muss nur den mittleren Ton (die Mollterz) um einen Halbtonschritt (zur Durterz) erhöhen.
D = D F# A
E = E G# H
A = A C# E

Damit kannst du schon mal 12 wichtige Dur- und Moll-Akkorde. Der Dim-Akkord wird etwas stiefmütterlich behandelt.

Wie dem auch sei: von den 12 Akkorden kann man sich fast alle übrigen Dur und Moll-Akkorde mit Vorzeichen ableiten.
Bei denen muss man alle Akkordtöne um einen Halbtonschritt erhöhen oder erniedrigen.

Damit kommst du in 3 Schritten zu den Akkordtönen von 36 Akkorden

Code: Alles auswählen

   6 Stammakkorde
+  6 abgeleitete Dur- und Moll-Akkorde
+ 12 abgeleitete Akkorde mit B-Vorzeichen
+ 12 abgeleitete Akkorde mit Kreuz-Vorzeichen
===============================
= 36 wichtige Dur- und Mollakkorde durch alle Tonarten.

Zuerst kommt der Stamm-Akkord der C-Dur-Tonleiter.
Drüber und drunter sind die Akkorde um einen Halbtonschritt verschoben.

Dann kommt der abgeleitete Dur- bzw. Moll-Akkord
mit erhöhter oder erniedrigter Terz (siehe Unterstreichung).
Drüber und drunter sind die Akkorde wieder um einen Halbtonschritt verschoben

Code: Alles auswählen

====================
Cb  = Cb Eb  Gb   b
C   = C  E   G    Stamm-Akkord
C#  = C# E#  G#   #

Cbm = Cb Ebb Gb   b
Cm  = C  Eb  G    abgeleitetes Moll
C#m = C# E   G#   #
====================
Dbm = Db Fb  Ab   b
Dm  = D  F   A    Stamm-Akkord
D#m = D# F#  A#   #

Db  = Db F   Ab   b
D   = D  F#  A    abgeleitetes Dur
D#  = D# F## A#   #
====================
usw.


====================
Cb = Cb Eb Gb
C = C E G
C# = C# E# G#

Cbm = Cb Ebb Gb
Cm = C Eb G
C#m = C# E G#
====================
Dbm = Db Fb Ab
Dm = D F A
D#m = D# F# A#

Db = Db F Ab
D = D F# A
D# = D# F## A#
====================
Ebm = Eb Gb Bb
Em = E G H
E#m = E# G# H#

Eb = Eb G Bb
E = E G# H
E# = E# G## H#
====================
Fb = Fb Ab Cb
F = F A C
F# = F# A# C#

Fbm = Fb Abb Cb
Fm = F Ab C
F#m = F# A C#
====================
Gb = Gb Bb Db
G = G H D
G# = G# H# D#

Gbm = Gb Bbb Db
Gm = G Bb D
G#m = G# H D#
====================
Abm = Ab Cb Eb
Am = A C E
A#m = A# C# E#

Ab = Ab C Eb
A = A C# E
A# = A# C## E#
====================
Jetzt muss man nur noch die Ausnahmen mit H und B extra lernen.

Bb = Bb Db F
Bb = Bb D F
H = H D# F#
Hm = H D F#

Dann hast du wirklich alle 40 Dur- und Moll-Akkorde, die dir in deinem Leben begegnen können.

Einige von denen wirst du vermutlich nie spielen, aber mehr gibt es praktisch nicht.


Das wären die Sachen, die ich unbedingt auswendig lernen würde.
Und für die erste Zeit helfen einem die Merksätze wirklich weiter.

Damit hat man fast alle wichtigen Intervalle, die man braucht.

Sekunden (2) auf- und abwärts hast du durch die Tonleiter.
Terzen (3) hast du durch die Akkordtöne. Leider nur aufwärts.
für Terzen abwärts sollte man sich nochmal mit den Mollparallelen beschäftigen.
Quinten (5) auf und abwärts lernt man über den Quintenzirkel.
Quarten sind eigentlich nichts weiter als Quinten abwärts.

Damit hat man alle Intervalle, die bei Akkordfolgen vorkommen kann.
Sekunden - Terzen - Qinten auf- und abwärts.
Mehr braucht man nicht.

Glaubst du nicht?
Quarte = Quinte abwärts
Sexte = Terz abwärts
Septime = Sekunde abwärts.
Wie gesagt mehr braucht man nicht.

Gruß Mjchael
Zuletzt geändert von mjchael am 30.04.2010, 22:39, insgesamt 1-mal geändert.

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Denis
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Erstellt: von Denis » 30.04.2010, 13:58

mjchael hat geschrieben:
Dazu lernt man zuerst die sieben Stammakkorde der C-Dur-Tonleiter auswenig
C = C E G
Dm = D F A
Em = E G H
F = F A C
G = G H D
Am = A C E
Hdim = H D F



Das auswendig lernen ist doch eigentlich überflüssig. Wenn man weiß, wie sich ein Akkord zusammen setzt, kann man das doch auch selber ableiten statt lernen.

Aber mal wieder gut beschrieben und erklärt. ()/
Seien wir realistisch, fordern wir das Unmögliche. (Che Guevara)

lauter
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Erstellt: von lauter » 30.04.2010, 15:25

Eine Frage dazu: Was bedeutet das "dim" bei "Hdim"?
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Gast

Erstellt: von Gast » 30.04.2010, 15:29

diminished -> vermindert ;)

Gast

Erstellt: von Gast » 30.04.2010, 16:00

Denis hat geschrieben:
mjchael hat geschrieben:
Dazu lernt man zuerst die sieben Stammakkorde der C-Dur-Tonleiter auswenig
C = C E G
Dm = D F A
Em = E G H
F = F A C
G = G H D
Am = A C E
Hdim = H D F



Das auswendig lernen ist doch eigentlich überflüssig. Wenn man weiß, wie sich ein Akkord zusammen setzt, kann man das doch auch selber ableiten statt lernen.

Aber mal wieder gut beschrieben und erklärt. ()/


nicht unbedinngt. nur weil du weiss was ein c-dur zb aus c, e, g besteht weiss du ja nicht wie man ihn greifft, es würde rein theoretisch mehrere varianten geben, jenachdem wie du deine finger stretchen kannst.

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mjchael
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Erstellt: von mjchael » 30.04.2010, 18:33

lauter hat geschrieben:Eine Frage dazu: Was bedeutet das "dim" bei "Hdim"?

Pferd# hat den schon richtig als verminderten Akkord beschrieben.

Exkurs über den Verminderten Akkord
Davon sollst du als Anfänger nur mal was gehört haben, aber du musst es noch nicht wirklich auswendig lernen. Aber es bringt dir viel, wenn du versuchst habwegs zu verstehen, was ich hier erzähle. Aber du musst es nicht so auswendig lernen wie die Tonleiter, den Quintenzirkel und die Akkordtöne der Dur- und Moll-Akkorde.



Du hast gesehen, dass alle 40 Akkorde eine Quinte haben.
Diese ist immer 7 Halbtonschritte vom Grundton entfernt

Quinte vom Grundton C von C-Dur oder C-Moll ist G
C - C# - D - D# - E - F - F# - G

Quinte vom Grundton von G-Dur oder G-Moll ist ein D
G - G# - A - A# - H - C - C# - D

Als Halbtonschritte zähle mal die Bindestriche zwischen den einzelnen Tönen.
Es sind immer 7 Halbtonschritte.

Jetzt gibt es aber auch in der C-Dur-Tonleiter den Abstand zwischen H und F.

Nebenbei:
H ist der 7. Ton der C-Dur-Tonleiter, und wir reden jetzt über den Akkord auf der 7. Stufe der C-Dur-Tonleiter (den man aber nur selten einsetzt.)

In der Tonleiter ist F der fünfte Ton nach dem H (wenn H der erste ist)
H C D E F
Fünf Töne heißt erst einmal, dass es eine Quinte ist. Denn Quinte ist primär nichts anderes als eine Ordnungszahl (der erst, der zweite... der fünfte).

Aber zähle mal die Halbtonschritte
H - C - C# - D - D# - E - F

Das sind nur 6 Halbtonschritte und keine 7.
Es ist immernoch eine Quinte, aber durch den fehlenden Halbton ist es eine Verminderte Quinte.

Bei Quinten und Quarten unterscheidet man
die reine Quinte (5) und
die reine Quarte (4) sowie
die verminderte Quinte (5b) und
die übermäßige Quinte (5#) sowie
die verminderte Quarte (4b) und
die übermäßige Quarte (4#)

Die verminderte Quinte (5b) wird öfter mal eingesetzt, und
die übermäßige Quarte (4#) oder deren Oktave (11#) tauchen auch ab und zu mal auf. Es lohnt sich also irgendwann mal die zu üben. (Hat aber noch Zeit. Viel Zeit.)

Die verminderte Quarte (4b) und die übermäßige Quinte (5#) bleibt doch eher den Jazzern vorbehalten. (Brauchst du also erst zu üben, wenn sie irgendwann mal in einem Stück gefordert sein sollten.)

Die reine Quarte (4) und die reine Quinte (5) kommen so oft vor, dass man sich üblicherweise das "reine" bei der Bezeichnung schenkt. Solange nichts anderes gesagt hat, und solange nicht irgendwo noch ein verminderter oder übermäßiger Akkord herumgurkt sagt man nur Quinte und Quarte, und rechnet auch mit nichts anderem.

Bei den anderen Intervallen Sekunde, Terz, Sexte und Septime unterscheidet man generell zwischen großen und kleine Intervallen.

Vom Grundton zur großen Terz sind 4 Halbtonschritte
C - C# - D - D# - E (vgl. C-Dur)

Vom Grundton zur kleinen Terz sind 3 Halbtonschritte
D -D# - E - F (vgl. Dm)

Die große Terz vom Grundton aus nennt man auch Dur-Terz.
Bei Akkorden wird immer angenommen, dass neben dem Grundton auch die Dur-Terz und die reine Quinte mit dazu kommt.
Das sieht man daran, dass man für den Akkord eigentlich nur einen Großbuchstaben braucht (und zwar der Grundton).

Bei Moll-Akkorden kommt die kleine Terz hinzu. Diese nennt man dann Mollterz. Anstelle bei den Akkorden eine 3b hinzu zu schreiben, setzt man einfach ein "m" danach.

Soviel sollte schon klar sein.

Hdim besteht aus den Tönen H D F
Von H nach F haben wir gesehen, dass es eine verminderte Quinte ist (5b)
Von H nach D sind es wieviele Halbtonschritte?
H - C - C# - D

Bindestriche zählen!

Es sind 3 Halbtonschritte, also ist es eine Moll-Terz.

Der Akkord heißt also korrekt
Hm5b

Oft kommt noch ähnlich wie beim G7 eine Septime hinzu
Hm5b7
Allerdings nennt man die 7 immer vor den übrigen Intervallen.
Also korrekt: Hm7b5
Du merkst wie langsam aus einem harmlosen Akkord ein Akkordmonster wird, was das Aufschreiben angeht.
Hdim7 schreibt sich kürzer als
Hm7b5

Zudem hat ein verminderter Akkord solch einen speziellen Klang, dass man mit der Silbe "dim" auch gleich den Höreindruck vermittelt bekommt.
Zumindest, wenn man den Akkord schon mal öfter gespielt hat.
Doch er wird vorwiegend von Jazzern und ab und an von ein paar Blues-Spielern eingesetzt.

Bei einfachen Liedern in Schlager, Pop, Rock und Folk taucht ein Dim-Akkord nur selten auf, so dass er wie schon gesagt etwas stiefmütterlich behandelt wird.

Hdim besteht aus den Tönen H D F
G7 besteht aus den Tönen G H D F
Also wird oft versucht, den Hdim als einen G7 ohne Grundton umzudeuten, oder ihn durch einen G7 (mit Grundton) zu ersetzen.

Hdim7 besteht aus den Tönen H D F A
lässt man den Grundton H weg, hat man D F A, was nichts anderes als ein Dm-Akkord ist. Oftmals begnügt man sich mit dem Dm-Akkord und vergibt damit einen schönen Spannungsverlauf.

Sogar bei Songs, wo er wirklich extrem gut reinpassen würde (wie mein Lieblingsbeispiel "I will survive") versucht man ihn oft durch Alternativen zu ersetzen (was auch meist gelingt.)

Wenn du mal so weit bist, dass du dich auch mit einfachen Jazz-Akkorden auseinandersetzt, wirst du ihn öfter einsetzen.
http://de.wikibooks.org/wiki/Gitarre:_Diatonischer_Quintfall_in_Am_mit_Samba-Rhythmen

Aber die meisten Songs kommen ohne einen Dim-Akkord aus.
Das meiste sind halt Dur- und Moll-Akkorde.
Und die Intervalle zu lernen ist sehr wichtig,
denn ohne Dur- und Moll-Akkorde geht fast gar nichts.

Der Dim kann noch warten.
Es reicht, dass du schon mal was von dem gehört hast,
aber du musst dich erst näher mit dem befassen, wenn du jazzigere Akkordfolgen spielen willst.

Der Normalfall bei Akkorden ist
Grundton - Dur-Terz - Quinte
oder
Grundton - Moll-Terz - Quinte

Was darüber hinausgeht muss extra gekennzeichnet werden.
Doch das ist ein anderes Kapitel, und übersteigt dieses Tutorial.

Gruß Mjchael

lauter
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Erstellt: von lauter » 30.04.2010, 21:47

Danke für deine ausführliche Antwort :)
Ich hab mir schon Sorgen gemacht, weil ich davon noch nie etwas gehört habe, aber da ich mich hauptsächlich mit Rockmusik beschäftige, ist das wohl nicht verwunderlich ;)

NOchmal kurz zusammengefasst, ob ich das richig verstanden habe: Also bedeutet "dim" eine verminderte Quinte im Akkord, was im Prinzip das gleiche ist wie eine kleine Terz, richtig? (Kleine und große Terz kannte ich schon, deshalb der Vergleich).
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mjchael
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Erstellt: von mjchael » 30.04.2010, 22:26

lauter hat geschrieben:NOchmal kurz zusammengefasst, ob ich das richig verstanden habe: Also bedeutet "dim" eine verminderte Quinte im Akkord, was im Prinzip das gleiche ist wie eine kleine Terz, richtig? (Kleine und große Terz kannte ich schon, deshalb der Vergleich).


Fast!

"dim" bedeutet einen
  • Moll-Akkord mit kleine Terz (3b) statt großer Terz (3)
  • mit einer verminderten Quinte (5b) statt einer reinen Quinte (5)


Dur-Akkord = Grundton (1) + Durterz (3) + Quinte (5)
Moll-Akkord = Grundton (1) + Mollterz (3b) + Quinte (5)
Dim-Akkord = Grundton (1) + Mollterz (3b) + verminderter Quinte (5b)

Prime, Sekunde, Terz, Quarte, Quinte, Sexte, Septime usw. ist der Abstand zwischen zwei Noten. Meist ist es der Abstand (= Intervall) zwischen dem Grundton einer Tonleiter oder dem eines Akkordes. Allerdings kann der Abstand auch von jedem anderen Ton aus gebildet werden.

Die Terz sagt nur etwas über Dur und Moll aus. Und auch nur dann, wenn die Terz vom Grundton eines Akkordes oder einer Tonleiter aus gebildet wird.

Die Quinte bildet den Rahmen eines Akkordes.
Nur der Grundton und die Quinte zusammen ergibt einen Powerchord.
Aber nur bei einer reinen Quinte.

Die verminderte Quinte ist noch mal etwas ganz eigenes.
Sie kommt im Jazz bei einem Dim-Akkord vor.

Auch im Blues wird die verminderte Quinte (5b) als so genannte Blue-Note vor. Sie wird oft als Durchgangsnote, die zwischen der reinen Quarte (4) und der reinen Quinte (5) liegt, oftmals dazwischen geschmiert, um den bluesigen Charakter zu unterstreichen.
Wirst du kennenlernen, wenn du dich näher mit dem Blues beschäftigst.

Gruß Mjchael

lauter
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Erstellt: von lauter » 01.05.2010, 12:19

Ah, jetzt ists klar :)
Danke nochmal!
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