Gut zu wissen

11 typische Anfängerfehler und wie du sie vermeidest


Jeder Gitarrist kennt das: nach anfänglichen schnellen Erfolgen dauert es mit dem Fortschritt immer länger und länger, bis am Ende gar nichts mehr funktionieren will und man scheinbar monatelang auf der Stelle steht.

Auf der einen Seite ist das ganz natürlich, denn die fortgeschritteneren Techniken und Spielweisen verlangen einiges mehr an Übung als es die anfänglichen Dreiklänge brauchen.

Diese Fehler, die häufig als Anfängerfehler bezeichnet werden, halten uns in unserem Fortschritt zurück. Jedoch sind nicht nur Anfänger davon betroffen. Auch fortgeschrittene Gitarristen und sogar Profis, die täglich auf ihrem Instrument spielen, blockieren sich durch bestimmte Angewohnheiten selbst. Wir betrachten heute 11 typische Fehler beim Gitarre üben und die Strategien, diese zu vermeiden.

Fehler Nr. 1 : Überforderung

Gerade am Anfang haben wir Großes vor: wir sehen berühmte Rockgitarristen auf der Bühne stehen und scheinbar mühelos endlos lange Soli spielen. Ganz klar, das Ziel steht fest! Dass es auf dem Weg dorthin allerdings lang und stets bergauf geht, übersehen viele Gitarristen.

Um wirklich Fortschritte zu machen ist es dringend notwendig, die Fundamente zu erlernen. Schließlich kann kein Baum wachsen, wenn die Wurzeln nicht stabil sind. Wer sich zu Beginn seiner Reise mit Sweep Picking oder hochkomplexen Solopassagen beschäftigt, vernachlässigt die notwendigen Grundlagen.

Auch wenn es am Anfang nicht dem eigenen Musikgeschmack entspricht, sollten Gitarristen sich zunächst mit den absoluten Basics vertraut machen. Dazu gehören offen gegriffene Akkorde, einfache Skalen wie die Pentatonik und das konzentrierte Rhythmusspiel. Sitzen all diese Grundlagen wird es bald von ganz allein weitergehen und dem Traum vom grandiosen Solo steht nichts mehr im Wege.

Fehler Nr. 2: Unterforderung

Eng verbunden mit Fehler Nummer 1 steht auch Fehler Nummer 2: Wer stets nur in der Komfortzone arbeitet, wird sich nicht verbessern. Daher gehört es auch beim Lernen der Gitarre dazu, sich ab und zu Ziele zu setzen, die noch außer Reichweite liegen. Dazu kann ein vertracktes Riff gehören oder kurze Solopassagen.

Spielen wir immer nur in unserer Komfortzone, werden wir uns nicht weiter verändern und auch keine neuen Dinge lernen. Daher sollte der Lehrplan stets die Basics mit einem großen Prozentsatz abdecken, aber auch bislang noch nicht gemeisterte Techniken und Passagen beinhalten.

Sehr gut geeignet ist dabei das schrittweise Lernen eines ganzen Songs. Während die Begleitung im Chorus meist durch Akkorde überbrückt werden kann, gehört das ein oder andere Solo dann zu den herausfordernden Übungen. Aber keine Eile: konzentriere dich am Anfang auf das saubere Spielen der Passagen – die Geschwindigkeit kommt mit der Zeit von ganz allein.

Fehler Nr. 3: Zu langes üben

Gerade zu Beginn der Karriere stehen Gitarristen noch sehr in der Phase der Verliebtheit: Die Gitarre ist häufig Zentrum der Aufmerksamkeit, das neue Hobby will so viel Zeit wie möglich in Anspruch nehmen.

Doch Vorsicht: Wer zu lange übt, riskiert nicht nur schmerzende Fingerspitzen! Durch zu lange Übungssessions werden wir unaufmerksam, unsere Konzentration schwindet und es schleichen sich Fehler ein, die durch langes Üben und Wiederholen verfestigt werden.

Besser als einmal in der Woche für vier Stunden zu üben ist es, seine Übungen auf mehrere, halbstündige Sessions zu verteilen. So bleiben Körper und Geist ruhig und konzentriert.

Achtung: Gerade am Anfang ist die ungewohnte Bewegung und der Kontakt der Finger mit den Seiten unangenehm und sollte nicht übertrieben werden! Kleinere Verletzungen und sogar Sehnenreizungen können im schlimmsten Fall zu langen Zwangspausen führen!

Fehler Nr. 4: Falsche Haltung

Die E-Gitarre gilt als das Autodidakten-Instrument schlechthin. Mithilfe von Youtube Videos, Büchern und Online-Unterrichten bringen sich Millionen von Gitarristen das Spielen selbst bei. Ohne Frage: Die Gitarre eignet sich hervorragend dazu, autodidaktisch gelernt zu werden. Jedoch gehört zum guten Gitarristen mehr als nur eine schnelle Fingertechnik.

Gerade bei längeren Übungssessions muss auch die Haltung stimmen! Wer verkrampft oder in sich zusammengesunken sitzt belastet seinen Rücken und wird nicht lange Freude am Musizieren haben. Was klingt wie der abgedroschene Rat einer Musikschule ist tatsächlich oft der Grund dafür, dass das Hobby Gitarre nicht weiterverfolgt wird.

Suche dir eine bequeme, aber aufrechte Position und lerne Schulterpartie und Rücken beim Gitarrenspiel zu entspannen. Wer auf Unterricht verzichten möchte, sollte sich selbst filmen oder vor einen Spiegel setzen – du wirst erkennen, wo du verkrampfst und wie du dich besser positionieren kannst.

Fehler Nr. 5: Üben ohne Metronom

Das Üben mit dem Metronom ist für viele Gitarristen ein Graus. Dabei ist dieses kleine Hilfsmittel unersetzlich dafür, unterschiedliche Rhythmen und Tempi ins Gefühl zu bekommen. Gerade bei der Rhythmusbegleitung ist es wichtig, sich auf seinen inneren Taktgeber konzentrieren und verlassen zu können.

Das monotone Klicken des Metronoms kann nerven, der Übungseffekt tritt jedoch zum Glück auch ein, wenn zu einem Drumtrack geprobt wird: Im Internet finden sich viele hundert dieser programmierten oder eingespielten Schlagzeugtracks, die unter Angabe der jeweiligen Geschwindigkeit (bpm) abgerufen werden können. So wird aus der schnöden Übung schnell echte Musik!

Fehler Nr. 6: Schlecht eingestellte Gitarre

Wer schon einmal eine hochwertige Gitarre in der Hand hatte, wird festgestellt haben, dass das Spielen sehr viel einfacher fällt als bei sehr günstigen Einsteigermodellen. Das liegt jedoch nicht daran, dass die hochwertige Gitarre ihre Magie auf die Finger überträgt. Alles ist Einstellungssache: Wer versucht auf einer günstigen Einsteigergitarre mit einer zu hohen Saitenlage schnelle Soli zu spielen, wird schnell an seine Grenzen stoßen. Auch erfahrene Gitarristen können hier nicht viel herausholen.

Doch das bedeutet nicht, dass der Griff zu einer teuren Gitarre notwendig wird! Mit ein wenig Mühe und technischen Verstand lässt sich beinahe jede Gitarre so weit einstellen, dass ihre Bespielbarkeit optimiert wird. Eine sauber intonierte Gitarre mit gutem Stimmverhalten lässt sich sehr viel leichter spielen, als eine frisch aus der Fabrik ausgelieferte. Besonders Saitenlage und Stimmstabilität sorgen dafür, das Gitarrenspiel zu lieben oder zu hassen!

Fehler Nr. 7: Zu viel Fokus auf das Equipment

Viele Gitarristen neigen dazu, sich mit ihrem Equipment mehr zu befassen als mit dem eigentlichen Instrument. Wer sich dabei erwischt immer weiter an der Gitarre herum zu optimieren, neue Effektgeräte zu kaufen und auszuprobieren oder stets auf der Suche nach dem perfekten Amp ist, der wird früher oder später seine Übungen vernachlässigen.

Natürlich ist die Suche nach dem perfekten Sound uns allen in die Wiege gelegt. Doch das soll nicht bedeuten, dass das Spielen und Üben an sich zurückgestellt wird!

Als Daumenregel kann gelten: Während der Übungssession wird der Sound ignoriert. Die Optimierung des eigenen Klangs kann, abgesehen natürlich von Spieltechniken, in späteren Stunden erfolgen.

Fehler Nr. 8: Nur alleine Üben

Gerade zu Beginn üben viele Gitarristen allein für sich. Das ist gut für Grundlagen und für das Vertraut-machen mit dem Instrument, beim Lernen eines Musikinstrumentes kommt es jedoch auch darauf an, mit anderen Musikern zusammenzuspielen.

Oftmals trauen sich Anfänger nicht, mit anderen Musikern zusammen zu „Proben“. Doch keine Sorge: Durch das Zusammenspiel lernt man sehr viel schneller, konzentrierter und nachhaltiger, als bei der Übung im stillen Kämmerlein.

Tipp: Gerade das Zusammenspiel mit einem erfahreneren Gitarristen kann Anfänger Lichtjahre voraus bringen!

Fehler Nr. 9: Zu wenig spielen

Wer immer nur übt, der wird nie spielen! Natürlich gehören Technikübungen und Fingersätze zum Leben und Lernen eines Gitarristen dazu. Doch wer nur Technikübungen durchführt, wird schnell die Lust an der Gitarre verlieren. Behalte stets im Blick, was dich ursprünglich zur Gitarre gebracht hat: die Liebe zur Musik!

Eine sehr gute Übung, um sich musikalisch weiterzuentwickeln, ist das Spielen zu Backingtracks: Diese online abrufbaren Aufnahmen von Songs sind meist nach Tonarten sortiert und bieten die perfekte Grundlage für eine eigene Improvisation! Lass deiner Kreativität freien Lauf und spiele einfach vor dich hin – du wirst sehen, auch so lassen sich Fortschritte erreichen!

Fehler Nr. 10: Fehlendes Recording

Vertraue nie deinen eigenen Ohren! Zumindest nicht, während du Gitarre spielst. Um eigene Unzulänglichkeiten aufzudecken, ist es häufig sinnvoll sich selbst aufzunehmen. Durch das Aufnehmen und spätere Analysieren fallen kleine Unsauberkeiten und Fehler im eigenen Spiel sehr schnell auf und lassen sich ideal beseitigen. Aber Achtung: besonders am Anfang ist das, was man aus den Lautsprechern hört, sehr ernüchternd 😯

Doch keine Sorge, wenn dein Sound nicht klingt wie von der Platte: In die Produktion moderner Alben fließen Tausende von Dollar und der Aufwand etlicher Techniker, Toningenieure und Profimusiker. Wenn du diesen Sound nur mit einer Gitarre triffst, solltest du dir schon einmal einen Abend in der Royal Albert Hall buchen!

Fehler Nr. 11: Schlechte Gitarre

Der Sound kommt aus den Fingern; ein guter Gitarrist kann auf jeder Gitarre spielen; das Equipment ist nicht alles. All diesen Sprüchen wohnt ein gewisses Maß an Wahrheit inne. Dennoch solltest du darauf achten, dass deine Gitarre in einem guten Zustand ist und sich auch für das ernstliche Gitarrenspielen eignet.

Viele sogenannte Anfängergitarren sind derart schlechter Qualität, dass ein Fortschritt auf der Gitarre mit ihnen nur schwer möglich ist. Achte beim Kauf deiner ersten Gitarre darauf, dass du eine gute Mischung aus Qualität und Preis erhältst!

Schlecht eingestellte Gitarren und Gitarren, die sich nicht einstellen lassen, verderben innerhalb kürzester Zeit die Lust am Gitarrenspiel. Mit der Auswahl einer guten und soliden Anfängergitarre tust du dir selbst und deinen Fingern einen riesengroßen Gefallen und wirst länger bei deinem neuen Hobby bleiben!

Und wie stehst du dazu? Von welchem Fehler kannst du anderen abraten?

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