Die Spinne und der kleine Finger

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MrGreen
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Die Spinne und der kleine Finger

Erstellt: von MrGreen » 03.11.2016, 18:00

Hallo.

Ich spiele erst seit ein paar Wochen E-Gitarre.
Nun stößt man im Netz immer wieder auf "Die Spinne" als Aufwärm- bzw Dehnübung für die Finger.

Ich hab das jetzt mal probiert, aber ich hab da irgendwie tierisch Probleme.

Ich fange z.B im 9. Bund der E-Saite an:
Zeigef =9. Bund, Mittelfinger= 10. Bund, Ringfinger=11.Bund, kleiner Finger=12.Bund
soweit so gut.
Jetzt heißt es aber Zeigefinger=9.Bund A-Saite, die anderen Finger bleiben auf den jeweiligen Bünden der E-Saite stehen.
Irgendwie ist da aber mein kleiner Finger zu kurz. Wenn ich das Fingerendglied des kleinen Fingers möglichst rechtwinklig aufsetze, um die A-Saite nicht "abzuwürgen", bin ich mit den anderen Fingern schon ziemlich über den rechten Winkel drüber und die Saite rutscht mir teilweise Richtung Fingernagel weg.

Ist das einfach Übungssache oder mach ich da was falsch? Hab schon einige Videos angeschaut, aber das sieht bei denen immer so einfach aus. Außerdem scheinen die alle üble Krakenfinger zu haben :P


MFG

ZeroOne
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Re: Die Spinne und der kleine Finger

Erstellt: von ZeroOne » 03.11.2016, 18:09

Übungssache, leider ;). Es gibt also keine Ausrede. Deine sehnen müssen sich erst noch an die neue Belastung gewöhnen. Auch die Unabhängigkeit der einzelnen Finger wird sich verbessern.

Aber ganz ehrlich, auch nach 18 Jahren ist die Kombination kleiner Finger-Ring Finger immer noch ein Problem von mir ^^.

RumbleRay
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Re: Die Spinne und der kleine Finger

Erstellt: von RumbleRay » 03.11.2016, 18:20

Jo genau, mach Dir keine Sorgen, die Krakenfinger kommen mit den Jahren;)
Pass auf jeden Fall auf, dass Du bei den Aufwärmübungen nicht verkrampfst, sonst haste ganz schnell ne Sehnenscheidenentzündung, das ist ne echt beschissene Sache, such Dir zum Aufwärmen auf jeden Fall eine leichte Übung und mach danach die schwer(er)en Sachen.
Schönen Abend!

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mjchael
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Re: Die Spinne und der kleine Finger

Erstellt: von mjchael » 04.11.2016, 09:23

Lese dir mal die Grundlagen zum Greifen durch.
https://de.wikibooks.org/wiki/Gitarre:_ ... er_Akkorde
Ich gehe davon aus, dass dein Handteller das Griffbrett berührt, und du dadurch die Reichweite deiner Finger einschränkst.
Möglichwerweise baust du den Druck auf die Saiten auch durch eine Art Zwinge zwischen Daumen und kleinem Finger auf. Die Hand verkrampft sich, und die Beweglichkeit nimmt ab. Lockert man in dem Fall jedoch den Daumen, und baut den Druck auf die Saite lediglich durch einen Zug des Unterarms auf, so geht alles viel lockerer, und der kleine Finger erreicht auch die tiefe E-Saite ohne Probleme.
Das sind die Fehler, die die meisten Anfänger machen. Um genau zu sagen, wo es hakt, ist es immer Hilfreich, jemanden zu haben, der einem gegenüber sitzt, und den einen oder anderen Tipp geben kann.
Gruß Mjchael

MrGreen
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Re: Die Spinne und der kleine Finger

Erstellt: von MrGreen » 08.11.2016, 09:11

Hallo.

Danke erstmal für die Antworten. :-)

@mjchael: Mein Problem dabei ist eigentlich nicht das erreichen der Saite. Sondern eher den kleinen Finger so aufzusetzen, dass ich die A-Saite nicht abwürge. Mit viel Mühe geht es irgendwie. Aber nicht verkrampfen ist was anderes^^
Das mit dem Zug des Unterarms weis ich. Habe das Problem auch wenn ich den Daumen wegnehme. Vielleicht liegt es daran, dass ich mir mal das Gelenk des kleinen Fingers ausgekugelt habe, und jetzt deswegen nicht mehr so gelenkig bin.

Generell noch ne Frage dazu. Ist es sinvoller einfach zu spielen um die Bewegungsabläufe zu trainieren, auch wenn man die Saiten abwürgt? Oder sollte man schon von Anfang an die Finger gleich 100% richtig aufsetzen auch wenn es dann total verkrampft ist?


Gruss

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mjchael
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Re: Die Spinne und der kleine Finger

Erstellt: von mjchael » 08.11.2016, 09:17

Hast du das Problem auch, wenn du in den unteren Seiten spielst (G H E-Saite) ?
Wenn nein, dann würde ich verstärkt dort die Übungen machen, und nach und nach eine Seite mehr hinzunehmen, bis sich der kleine Finger wieder an die Positionen gewöhnt hat. Mit etwas Übung hast du gute Chancen, das sich die Sehnen und Muskeln wieder in die richtige Position ziehen. Möglicherweise muss dein Gehirn auch nur begreifen, dass die Schonhaltung nicht mehr notwendig ist. Aber hier nichts erzwingen. Stelle dir einfach vor, du stehst wieder am Anfang, und es dauert einfach eine Weile, bis die Beweglichkeit in deine Finger hinein kommt.

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Don Lucio
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Re: Die Spinne und der kleine Finger

Erstellt: von Don Lucio » 13.11.2016, 12:10

Habe die gleichen Probleme wie der Poster MrGreen.
mjchael hat geschrieben:Mit etwas Übung hast du gute Chancen, dass sich die Sehnen und Muskeln wieder in die richtige Position ziehen.

Glaubst du, dass das auch noch bei Menschen von über 60 Jahren möglich ist?
Ich gehöre zu dieser Personengruppe und muß leider feststellen, dass auch nach fast 5 Jahren fast täglichen Übens meine Finger sich weigern, eine ihnen bisher ungewohnte Haltung einzunehmen.
Oder habe ich meinem störrischen Körper einfach nur nicht hart genug zugesetzt? Wieviele Jahre muß ich noch (täglich) üben, um diese extreme Spreizung der Finger (die ja in den unteren Bünden noch viel schwieriger ist) bei gleichzeitiger Senkrechtstellung der Fingerkuppen meinen alten Händen abzutrotzen?
Music was my first love And it'll be my last (John Miles)

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mjchael
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Re: Die Spinne und der kleine Finger

Erstellt: von mjchael » 14.11.2016, 16:43

Ein guter Freund von mir, mittlerweile (mit fast 80 Jahren) verstorben, lid an schwerem Reuma. Die Ärzte prognostizierten ihm, in einem Jahr im Rollstuhl zu sitzen, und das er sich nie wieder erholen würde. Daraufhin ging er regelmäßig spazieren. Über Wald, Wiesen und Felder. Nichts, was er gemacht hatte, war "dem Körper hart zugesetzt". Entgegen aller Vorhersagen ist er noch bis ins hohe Alter ohne Rollstuhl ausgekommen. Von daher halte ich persönlich nichts für unmöglich.
Allerdings bin ich auch realistisch genug, um zu sehen, dass es mitunter einfach anatomische oder gesundheitliche Grenzen gibt. Aber selbst da kann geeignetes Trainig eine weitere Degeneration entgegenwirken. Wenn es sich nicht bessern lässt, so lässt sich doch in dem meisten Fällen eine weitere Verschlechterung aufhalten, oder zumindest lange herauszögern. Doch dieses gilt für nahezu jede Gelegenheit.

Da MrGreen davon geredet hat, dass er sich einen Finger ausgekugelt hat, vermute ich eher dass es sich um ein akutes Problem handelt, den man eher beikommen kann, als chronische Beschwerden.
Ich bin mittlerweile 50 und muss ständig neue Bewegungsabläufe lernen. Noch ist mir das möglich. Ich weiß nicht, wie es in 10 Jahren sein wird, aber da mein erster Beruf Krankenpfleger ist, und meine Kollegen von der Ergo-Therapie immer beobachtet hatte, weiß ich, dass man auch noch einem alten Hund neue Tricks beibringen kann. (Inzwischen bin ich Werbetechniker - jüngst umgeschult.)
Mitunter könnte es sich für dich lohnen mal ein paar Stunden Unterricht bei einem erfahrenen Gitarristen zu nehmen, damit er dir mal ein paar Tipps geben kann. Oft reichen leichte Veränderungen in der Haltung aus, um noch einiges an Beweglichkeit aus den Fingern herauszuholen. Wenn es auch bedeutet, dass man eine seiner Liebgewonnenen Eigenarten umtrainieren muss.
Vergleiche beispielsweise Barré-Akkorde:
Bild
So habe ich sie gelernt, und kam auch einigermaßen damit zurecht. Doch konnte ich kaum längere Lieder spielen.
Nachdem ich sie folgendermaßen gegriffen hatte:
Bild
waren Barré-Akkorde für mich kein Problem mehr. Der Daume wirkt hier nicht mehr wie eine Schraubzwinge, sondern nur als Widerlager, ohne jegliche nennenswerte Kraftanstrengung.
Aber auch wenn die Anatomie wirklich einen Strich durch die Rechnung macht, heißt das noch lange nicht, dass man sich damit abfinden muss. Django Reinhard hat beispielsweise verkürzte Fingersehnen, an denen man nichts mehr machen kann. Aber wie man hören konnte:

Also nicht unterkriegen lassen!

Gruß Mjchael

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