Solo-Arrangement aus Akkorden komponieren

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opasam
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Solo-Arrangement aus Akkorden komponieren

Erstellt: von opasam » 20.03.2015, 08:03

Hallo !

Ich habe schon überall im Internet nach (englischsprachigen) Tutorials gesucht, wie man aus reinen Akkorden, die es ja massenweise gibt, eine geiles Solo Arrangement zusammenbauen kann. Mit der Harmonierlehre habe ich mich natürlich auch schon beschäftigt,
aber trotzdem hilft mir das im Moment nicht weiter.

Hier einfach mal ein Beispiel, welchen Song ich mehrstimmig spielen möchte.
Auf Lagefeuermucke habe ich schon lange keine Lust mehr. ))-))

http://www.chords-and-tabs.net/song/nam ... gh-the-air

Es gibt doch bestimmt Methoden, wie man am besten vorgehen kann.

Umgekehrt wäre es natürlich ebenso nützlich zu wissen, wie man aus Melodien die passenden Begleitakkorde findet und dann als Untermalung mit einbindet.

Ich bin Euch sehr dankbar für Eure Hilfe.

Danke !

Gruß
opasam

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startom
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Erstellt: von startom » 20.03.2015, 11:15

Hoi
Wenn du weisst, welche zusätzlichen Töne zu deinen Akkorden passen, ist das bereits die halbe Miete. Wenn du dann noch weisst, wo du diese Töne greifen kannst, musst du nur noch üben und an deinen Arrangements feilen.

Somit kannst du zwischen Akkorden kleine Melodien / Uebergangstöne / einbauen, damit es den Song auflockert.

Beispiel für Akkordvariationen:
A Dur im Zusammenspiel mit Asus2 und Asus4. Hör dir nur mal das Intro des Oldies "Needles and pins" von den Searchers (gecovert u.a. von Smokie) an.

So etwas kann beliebt ausgebaut werden. Als Uebung für dich selber: Hör dir das Intro von Melanie C "First day of my life" an und versuche, dies mit der Akkordfolge
D - A - Em - G nachzuspielen. Tipp: Du wirst Dsus2 und Dsus4 benötigen, um dieses Muster nachspielen zu können. Gitarre einen Halbton tiefer stimmen und es stimmt mit dem Originalsong überein.
Tom

opasam
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Erstellt: von opasam » 20.03.2015, 17:40

Danke für Deine Antwort.
Da das Stück, das ich für die Sologitarre schreiben möchte, in Bb-Dur geschrieben ist, darf ich doch für die Melodie auch nur das Tonmaterial Bb, C, D, Eb, F, G, A nehmen, oder ?
Dann ist das ja auch gar nicht so schwer.

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snicki
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Erstellt: von snicki » 20.03.2015, 19:49

Das ist ein sehr komplexes Thema, zudem es wirklich verdammt viele Ansätze und Möglichkeiten gibt.

Gehen wir mal davon aus, du hast ein Stück in Bb Dur.

Du hast also 3 Durakkorde: Also Bb, Eb und F, dazu die 3 Mollakkorde: Gm, Cm und Dm und den verminderten Akkord über A.

Ein Ansatz:

Du denkst die aufsteigende und absteigende Melodien aus und suchst dir dazu die Akkorde, in denen diese Töne drin enthalten sind.

Also du nimmst z.B. eine absteigende Linie Bb, A und G; das könntest du über die Akkorde Bb, F und Db spielen (Knocking on Heavensdoor lässt grüßen); das Bb ist halt der Grundton der Tonika, das A die Terz des F Dur und das G die Terz des Db.
Passt also 100%. Ist aber sehr harmonisch, muss man so wollen. Man könnte das aus noch weiter spinnen und zu den Tönen eine zweite Linie drüber oder drunter spielen. Also Bb und D, dann A und C und dann G und Bb, also zusammen als Doublestops.

Die Linien kannst du aber absichtlich als Reibungspunkte auslegen. Das reicht schon wenn du einen Ton verzögert spielst, also das G der eben genannten Linie noch nicht auf die 1 spielst sondern erst etwas verzögert oder du baust absichtlich einen Reibungston mit ein.


Zweiter Ansatz: erfinde Linien aus mehreren Tönen, die du konsequent über alle Akkorde spielst.
Bsp. Du spielst je Takt immer die gleichen Tönen aus Bb, C, D, Db, D, C als Triolen, immer hoch und wieder Runter. Darüber kannst du jetzt alle Akkorde der Tonart spielen. Bei einigen hört es besser an, bei einigen geriebener, dissonanter. Aber das ist gerade die Würze. Das kann man natürlich noch viel weiter ausgestalten.


Dritter Ansatz: Du machst es wie in Ansatz 2 Beschrieben, suchst dir eine Linie aus.
Z.B. du spielst die Mollakkorde Gm und Db im Wechsel, darüber spielst die folgende Linie:
G-Bb-A-Bb-C-Bb-A-Bb über den Gm Akkord und dann wechselst du zum Db Dur Akkord und änderst nur den Anfangston der Linie und zwar zu Dd-Bb-A-Bb-C-Bb-A-Bb.
Die Linie bleibt bis auf den Startton erhalten. Der Startton richtet sich immer nach den gespielten Akkord.

Vierter Ansatz: Du spielst eine Linie wie oben. Jetzt änderst du aber die kopmlette Linie über jeden Akkord, verschiebst also den Fingersatz komplett mit und startest z.B. immer auf dem Grundton des jeweiligen Akkords oder der Terz oder der Quinte. Bleibst aber immer innerhalb der Bb Tonleiter. Alternativ kann man auch den Fingersatz komplett über jedem Akkord gleich spielen ohne Rücksicht auf die Tonleiter, erzielt damit aber ein anderen Höreindruck und verlässt die Tonleiter über jedem Akkord und macht jeden Akkord quasi zur Tonika. Sollte man mal probieren (im Rock und Blues üblich, kann man als Rückung bezeichnen).

und jetzt muss ich leider weiter arbeiten.....

opasam
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Erstellt: von opasam » 21.03.2015, 09:24

Wow, ich weiß Deine Mühe, das alles so schön aufzuschreiben, sehr zu schätzen und dafür vielen vielen Dank, aber es ist für mich noch zu kompliziert.
Also, ich habe einen Song, wo ich nur die Begleitakkorde (Tonart Bb-Dur) habe, dann
habe ich auch "nur" die Stufenakkorde von Bb-Dur zur Auswahl, oder nicht ? Tatsächlich werden nur die 4 Akkorde Bb, Cm, F, Eb gespielt.

I) Bb-Dur
II) C-Moll
III) D-Moll
IV) Eb-Dur
V) F-Dur
VI) G-Moll
VII) A-Moll vermindert

Das Tonmaterial der Bb-Dur Tonleiter ist: Bb, C, D, Eb, F, G, A

Dann wird dieser Song doch auch nur diese Töne im Stück haben, oder gibt es da Ausnahmen ?
Ich habe mal reingehört und versucht, den Anfang der Melodie nur mit diesen 7 Tönen nachzuspielen und es klappt wunderbar.

Vielen Dank !

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mjchael
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Erstellt: von mjchael » 30.03.2015, 13:42

Was vielleicht ganz interessant zu dem Thema ist:

[Projekt] Begleitvorschläge + Chords heraushören
nebst
[Workshop] Akkorde heraushören
Da wirst du nach und nach durch die wichtigsten Sachen durchgeführt.
Was für Lieder, bei denen man die Akkorde nicht kennt, gilt, das gilt genau so bei selbst komponierten Sachen.

Gruß Mjchael

opasam
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Erstellt: von opasam » 01.04.2015, 19:43

Hallo !

Nochmal eine Frage, die zum Thema passt:

Es gibt hier so eine nette Kurzanleitung, wie man elegant nur aus einer Melodie ein schönes Solo Arrangement zaubern kann. Hier der Link:

https://www.visionmusic.com/lessons/sgaone.html

Was ich hier jetzt nicht verstehe, wie der Autor auf die Akkorde Em, D-Dur und Bm kommt.
Genauso kann es doch im 4. Takt auch Am sein, weil hier auch das a enthalten ist.
Oder im 5. Takt kein Bm, sondern F#m.
Oder nicht ?

Vielen Dank !

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mjchael
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Erstellt: von mjchael » 02.04.2015, 11:08

Der Auftakt beginnt mit einem E, das wäre schon mal ein guter Hinweis.
E und G kann Grundton und Mollterz von Em sein,
Es hätte auch die Terz und Quinte von C-Dur sein können.
Versuch und Irrtum bzw. der eigene Geschmack entscheidet hier.

Der Ton A könnte der Grundton von A-Moll sein, die Terz von F#m oder die Quinte von D-Dur. Der zweite Ton F# macht A-Moll unwahrscheinlicher. Man muss bei den anderen Tönen immer schauen, ob es Akkordtöne sind oder ob es Durchgangstöne sind. (Töne, die nicht in die Terz-Schichtung eines Akkordes passen.) Man kann natürlich auch überprüfen, ob sich möglicherweise eine Option anbietet. Am + F# = Am6. Das Ohr entscheidet, ob es passen könnte.
Hab ich im oben genannten Workshop genauer beschrieben:
http://www.gitarre-spielen-lernen.de/fo ... tml#302404

Der Ton D am Schluss könnte der Grundton von D-Dur, die Terz von Hm oder die Quinte von G-Dur sein. Der Ton F# könnte die Terz von D-Dur sein oder die Quinte von Hm. Also ist G unwahrscheinlicher.

Bei mehreren Möglichkeiten kommt es zum einen darauf an, wie es weiter gehen soll. Möglicherweise kann man ein Klischee (also eine Standard-Akkordfolge) einsetzen.
http://www.gitarre-spielen-lernen.de/fo ... tml#302354
Die Akkord-Progression von D nach Bm hört sich für mein Ohr etwas gefälliger an, als von D nach F#m oder gar von Am nach F#m. Spiele es nach, und du wirst einen stärkeren Spannungsbogen heraushören. Wenn es gewollt ist, und zum Stück passt, verwende es. Wenn nicht, nimm den gefälligeren Weg.

Evtl. kann man auch versuchen eine Melodie in der Basslinie zu basteln. Wie du siehst, gibt es prinzipiell mehrere Möglichkeiten ein Stück zu arrangieren.

Von daher sind deine Überlegungen vollkommen richtig. ()/

Gruß Mjchael

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GuitarRalf
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Re: Solo-Arrangement aus Akkorden komponieren

Erstellt: von GuitarRalf » 14.01.2016, 19:59

Juten Abend

Noch´mal zum Thema : Solo-Arrangement aus Akkorden komponieren

In dem Workshop Akkorde heraushören steht in der Lektion 9 die Anweisung: Lerne Standard-Akkordkombinationen. Jut , ich glaube opasam hat sich mit seinem : wie man aus reinen Akkorden, die es ja massenweise gibt, eine geiles Solo Arrangement zusammenbauen kann darauf bezogen.

Die Standardfolgen sind aus einem bestimmten Grund so beliebt. Einerseits sind es Folgen, die sehr stabil klingen. Das ist wohl dann der Fall, wenn die Verwandschaftsgrade groß sind. Also die Tonika, Subdominant und Dominante sind eine feste Achse, während Moll-Subdominante, TonikaGegenakkord und der parallele Mollakkord die Akkordfolge schwächen, sie schwabbeliger machen.

Wenn davon gesprochen wird, das der Tonikawechsel innerhalb einer Akkordfolge Spannung erzeugt, dann bezieht sich das doch auf die Tatsache, dass an den Übergangspunkten, den Überführungsakkorden, die neue Richtung und alte Richtung ungewiss ist. Wenn nun ein erstes eigene Lied mit einer eigenen Akkordfolge geschrieben werden soll, dann denke ich ist das primäre Ziel sich innerhalb einer Akkordfolge zu bewegen sinnvoller.

Innerhalb einer zu vertonenden Geschichte gibt es aufs und abs. Wenn die Akkordfolge allerdings mit der Tonika beginnt, kann sich vom ersten Bund aus die Folge nur steigern. Deshalb wurde geschlußfolgert: mit der 4. Stufe zu beginnen ermöglicht es, sich innerhalb der Stufenakkorde auf und ab zu bewegen.

Gruss
GuitarRalf
...Die Gitarre ist viel zu sturr, als dass die sänge... Ach, wäre ich doch ein fähiger Musiker...

slowmover
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Re: Solo-Arrangement aus Akkorden komponieren

Erstellt: von slowmover » 15.01.2016, 08:46

Ich glaube komponieren war einfach nur der falsche Ausdruck. Komponieren wäre beim jetztigen Stand auch zuviel des guten. Ich glaube, er will einfach nur bekannte Stücke als Solo Arrangement mit integrierter Begleitung setzen.
die 4 Töne des Intros bei Flying to the air ein Kinderspiel. Leichter fällt dem Anfänger Arrangieren in einer vertrauten Tonärt. In C-Dur die Strophe mit einem Akkordschlag beginnen, dann auf der 1 und 2. Saite (fehlende Melodietöne sind 1. und 2. im 3 Bund mit dem kleinen Finger). Ist jetzt auch egal ob die Tonart jetzt dann C-dur oder D-dorisch ist.
danach Akkord loslassen und abwärts über d, c, h, a, g ........Eine walking bass Linie könntest Du zu diesem lauf z.B. mit h auf der 5. Saite beginnen.
Obwohl ich auch ein Dilettant bin klappte das im ersten Versuch fast fehlerfrei. dafür ist es wichtig, eine Ton-Schrittweite nicht bezeichnen zu können , sondern zu wissen wie sie klingt. Das gleiche gilt für Akkorderweiterungen.

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