CAGED-Skalen

18 Beiträge   •   Seite 1 von 1
Benutzeravatar
Kratzer
meint es ernst
Beiträge: 19
Registriert: 30.08.2012
Wohnort: Frankfurt am Main

CAGED-Skalen

Erstellt: von Kratzer » 18.12.2012, 09:26

Hallo liebes Forum,

ich habe mich hier vor einigen Monaten angemeldet als ich gerade anfing, Gitarre zu lernen.
Zur Zeit versuche ich mir das Spielen autodidaktisch mit Büchern bei zu bringen, unter anderem mit dem wirklich sehr guten Buch von DK. In jenem Buch bin ich jetzt bei dem Kapitel der CAGED-Skalen angekommen...und bin doch etwas überfordert. Also wenn ich mir Videos auf Youtub zu dem Thema ansehe, dann höre ich oft: ..."brauch man nicht wirklich...haben wir an der Musikhochschule nie gemacht, ist aber ganz nützlich ..." etc.
Hier im Forum finde ich auch nicht wirklich was, daher meine Frage, ob ich das Kapitel erst mal überspringen soll, oder ob ihr mir vllt erklären könnt (Idiotensicher) was es mit den CAGED-Skalen auf sich hat.
Also was ich weiß, es gibt sogenannte Shapes. Ich spiele einen D Dur Akkord und daraus leiten sich nun Shapes mit CAGED Akkorden ab...oder?
Vielen Dank für etwaige Hilfe

LG

Benutzeravatar
startom
Mod-Team
Beiträge: 2701
Registriert: 17.03.2011
Wohnort: Wallenwil TG - Schweiz
Gitarrist seit: 2001

Erstellt: von startom » 18.12.2012, 10:18

Hoi
Ich spiele seit über 10 Jahren Gitarre, Akustik und Elektrisch. Von Fingerstyle und Fingerpicking über Metal-Riffs ist da alles dabei.
Von CAGED-Skalen habe ich noch nie etwas gehört. Mit meinen Kenntnissen über die Kirchentonleitern und Pentatoniken kann ich eigentlich über sämtliche Songs in unserem Band-Repertoire frei und passend solieren.

Ich mag vielleicht kein exemplarisches Beispiel sein, aber habe es bis hierhin auch ohne CAGED geschafft.
Tom

Benutzeravatar
Kratzer
meint es ernst
Beiträge: 19
Registriert: 30.08.2012
Wohnort: Frankfurt am Main

Erstellt: von Kratzer » 18.12.2012, 11:54

Grüezi Startom,

dann werde ich mich vor erst weiter mit anderen Bestandteilen der Gitarre auseinander setzen.
Ich hatte schon befürchtet, dass man ohne CAGED kleinere Probleme bekommt, aber es gibt ja auch noch die reduzierten CAGED Skalen.

Vielen Dank noch mal

Liebe Grüße in die Schweiz

Benutzeravatar
RollapS
schreibt schneller als du liest
Beiträge: 128
Registriert: 08.12.2011
Wohnort: 94

Erstellt: von RollapS » 18.12.2012, 14:55

Hallo,

seit x Jahren spiele ich Gitarre und habe nie was von diesem System (nicht Skala) gehört und
hab es auch nicht vermisst. Neugierig geworden durch die Anfrage hier, hab ich gegoogelt und
bin auf verschiedene Seiten gestoßen, hab aber immer nur "Bahnhof" verstanden.

Das heißt, die Profis können viel ausführlich erklären. Was das Ganze aber soll bzw. was ich als
Laie damit anfangen kann, erfahre ich nicht. Aber das ist mal ja von vielen Bedienungsanleitungen
schon gewohnt.

Erst auf dieser Seite ....http://www.kreinau.com/theorie/caged-system/ kam mir die
"Erleuchtung". Ich hoffe, ich liege richtig.

Mit CAGED sind die "Grundakkorde" C-dur usw. gemeint. Wenn ich einen solchen Akkord z.B. zwei Bünde
hochschiebe, würden die leeren Saiten von vorher Töne wiedergeben, die zum "neuen"
Akkord nicht passen. Also muss der Zeigefinger ran. Es geht also um einen Barré-Griff.

Da ich meine Gitarrenspiel mit Barré-Griffen angefangen habe, habe ich ca. 50 Jahre mit
diesem System "gearbeitet", ohne es zu wissen. Man lernt eben nie aus !

Vermutlich kann man mit diesem System noch mehr anfangen. Für den Anfang sollte diese Erklärung
reichen, wenn sie denn richtig ist !?

Grüße ...
Zuletzt geändert von RollapS am 18.12.2012, 16:44, insgesamt 1-mal geändert.
Von nix kommt nix !

Benutzeravatar
Kratzer
meint es ernst
Beiträge: 19
Registriert: 30.08.2012
Wohnort: Frankfurt am Main

Erstellt: von Kratzer » 18.12.2012, 15:06

Hallo RollapS

danke für den Link, ich bin halt auch noch ziemlich neu mit Gitarre und daher "sehe" ich nicht sofort, was es für einen direkten Nutzen haben soll, dieses System. In meinem Buch wird es vor allem für Solis angepriesen und bei Beherrschung extrem nützlich, auf dem gesamten Brett rum zu turnen.
Ich hatte mich ja auch schon gewundert, nur spärliche Informationen darüber zu finden. Daher werde ich es erstmal nur "reduziert" nutzen und weiter an Fingerfertigkeit und Übersicht arbeiten.

Vielen Dank und liebe Grüße

Seb

Benutzeravatar
startom
Mod-Team
Beiträge: 2701
Registriert: 17.03.2011
Wohnort: Wallenwil TG - Schweiz
Gitarrist seit: 2001

Erstellt: von startom » 18.12.2012, 15:42

Hoi Kratzer
Praxis-Tipp (non-Theorie) für das Solospiel: Setz dich mit folgenden Begriffen auseinander:

- Pentatonik (Einstiegs Tonleiter für das Solospiel)
- Lagenspiel (Fingersatz auf dem Griffbrett für das Solospiel)
Tom

Benutzeravatar
Kratzer
meint es ernst
Beiträge: 19
Registriert: 30.08.2012
Wohnort: Frankfurt am Main

Erstellt: von Kratzer » 18.12.2012, 15:50

Jo, die Pentatonik ist mir auch schon öfter begegnet, als CAGED.
Vielen Dank für den Tipp, wird gemacht.

LG

Seb
Ich mach doch schon so schnell ich kann

Benutzeravatar
mjchael
Mod-Team
Beiträge: 9048
Registriert: 08.07.2007
Wohnort: Marburger Hinterland
Gitarrist seit: 1980

Erstellt: von mjchael » 18.12.2012, 15:53

Das CAGED-System führt die 5 wichtigen Hauptskalenformen auf die Akkorde C-, A-, G-, E-, und D-Dur zurück.

Bild Bild Bild Bild Bild

Jeden dieser Akkorde kann man als Barré quer über das Griffbrett transponieren (verschieben)
Bild Bild Bild Bild Bild

In der Praxis greift man die Akkorde aber oftmals einfacher.
Z.B. die C-Form bzw. C7-Form lässt sich leichter so greifen:
Bild
Aber hier alle Möglichkeiten aufzuzeigen würde zu weit führen. Weiter unten seht ihr aber ein Beispiel.

Wie du siehst, nenne ich die E-Form auch F-Form, und die A-Form auch Bb-Form.
Der Vorteil ist, dass man die Skalenformen besser von der F-Dur- bzw. B-Dur-Tonleiter ableitet, als von der E- oder A-Dur-Tonleiter. Dazu müsste man allerdings ein wenig mehr in die Musiklehre einsteigen, was ich der Einfachheit wegen mal übergehe.

Bild Bild Bild Bild Bild

Wen es interessiert:
Der Aufbau der E-Dur- und A-Dur-Tonleiter in den ersten Bünden ist weiter von den tatsächlich verwendeten Skalen entfernt, als die F- und Bb-Form. Aber es kommt hinterher einfach auf den Zusammenhang an, ob du dir eine Skala lieber von A und E oder von F und Bb ableiten willst. Ist so ähnlich, wie bei F# und Gb, wo der Zusammenhang entscheidet, welche Bezeichnung treffender ist.

Meine Bezeichnung ist dichter an der Musiklehre, allerdings fehlt mir jetzt das passende Merkwort "Caged" aus dem Englischen für "in einen Käfig (cage) eingesperrt".


Das Caged-System ist glaube ich in den 70er-Jahren in Amerika entstanden.
Meine Akkord-Scalen-Systematik habe ich wesentlich später aber nahezu unabhängig davon entwickelt. Wohlmöglich inspiriert von den Lehrbüchern aus dem Voggenreiter-Verlag, die von Akkordfamilien oder so sprachen.

Wie dem auch sei: Mit CAGED sind die 5 Grundtöne der Skalen gemeint.
Die Töne sind die Tonleiter abwärts sortiert.
Ich würde sie also folgendermaßen sortieren:
C Bb G F D
Kommt aber letztlich aufs selbe raus.


Für uns ist da eher die Bezeichnung "Box", "Form", "Shape", 1. bis 5. Fingersatz (Fingering) oder schlicht "Skala" bzw. in engl. "Scale" bekannt.

Wie auch immer du die Skala nennen willst, aus ihnen leitest du dir die 5 Hauptformen ab:
Bild Bild Bild Bild Bild

Die Ziffern 1-7 sind hier die Intervalle (Prime, Sekunde, Terz) der Dur-Tonleiter.
Die Karos darin sind eine Orientierungshilfe, wo sich die kleinen Sekunden in der Skala befinden, mit denen man leicht den Grundton der Dur-Skala bestimmen kann.
Findet man in vielen Workshops hier wieder.
Ansonsten unterscheidet es sich nicht von den herkömmlichen Skalen-Diagrammen.

Auf dem Grifbrett sind die Töne folgendermaßen sortiert.
Bild
Ich habe bei meiner Zeichnung mit F angefangen. Das C A G E D beginnt erst einen Tick später.

Auseinandergonommen sieht es so aus:
Bild Bild Bild Bild Bild

Du findest diese Grundtöne überall wieder
Hier mal am Beispiel der F (E)-Form
Bild Bild Bild Bild Bild Bild

Wenn du weißt, wie ein Barré-Akkord auf einer bestimmten Position heißt, dann weißt du auch, wie die dazugehörige Pentatonik, die dazugehörige Dur- oder Moll-Skala und der Powerchord heißt. Das macht die ganze Sache so einfach. Alle Akkorde und Skalen sind in dem selben Käfig eingesperrt (caged).

Da hast du alle Grundtöne einer Dur-Tonleiter. Jedem Grundton kannst du nun eine der oberen Barré-Akkordformen zuordnen.
Bild

Jeden der Akkorde kannst du nun als Grund-Akkord (Tonika) einer Dur-Skala ansehen, und um diesen Grund-Akkord kannst du nun deine Skala hineinbauen.
Bild

Hier siehst du die 5 Käfige (Cages) rot eingerahmt. Also letztlich alles alte Bekannte.
Die blauen Vierecke zeigen dir die kleinen Sekunden an. In diesem Karré findest du die "1" also den Grundton der Dur-Tonleiter immer rechts unten auf dem Diagramm bzw. rechts oben auf dem Griffbrett (vom Gitarristen aus gesehen.) Und von diesem Viereck aus lässt sich recht einfach von einer Skalenform in die nächste Sliden. (Wird im Workshop zu den 5 Hauptskalenformen näher beschrieben).

Wenn man das Cage-System weiter ausreizt, dann kann man versuchen, Akkorde zu finden, die innerhalb einer Box bleiben.

Typischer Einsatz im Jazz:
vergleiche mal die Akkordfolge
Gm7 C7 Fmaj7 bzw. Gm7 C9 Fmaj7 = II-V-I-Verbindung in F-Dur also F-Dur-Tonleiter.
Quer übers Griffbrett angewandt:
Bild
Bei einer Barré-Akkordfolge der Gm7-Form, C7-Form, Fmaj7-Form verwendet man zur Improvisation die Skala der F-Form.
Zwar verschiebt man in der Grafik nach und nach die Akkorde (habe leider keine, wo es stehen bleibt), aber solange es im II-V-I-Schema bleibt, so lange verwendet man für die Improvisation eine Skala.

Angewandt bei einem einfachen Rock oder Boogie-Woogie wo man in einer Dur-Tonart bleibt.
Angenommen du hast die Akkorde
A = 577655
D = x57775
E = x79997
Du musst bei der Improvisation beim E die Skala wechseln, oder eine etwas ungünstigere 3-Notes-per-String-Skala verwenden, wo man ziemlich die Finger spreizen muss. Würdest du dafür sorgen, dass alle Akkorde in einer Box (Cage) bleiben, dann kämst du mit nur einer Skala aus.
Das geht ganz einfach:
A = 577655
D = x57775
E7 = xx7675x
Du hast weniger Herumspringen auf deinem Griffbrett, und kommst mit nur einer Skala aus.

Das ganze CAGED-System dient also hauptsächlich zur Orientierung auf dem Griffbrett, und orientiert sich an den Grundtönen der Skala, und den Grundtönen der Barré-Akkorde.

Mehr dazu:
:arrow: http://de.wikibooks.org/wiki/Gitarre:_Akkordformen
:arrow: http://de.wikibooks.org/wiki/Gitarre:_Formen-Systematik

Und weiterführend (was über das Caged-System hinaus geht, aber darauf fußt):
:arrow: http://de.wikibooks.org/wiki/Gitarre:_3 ... ing_Skalen

Wenn du dir hier unsere Workshops über Tonleitern anschaust, dann hast du genau das Gleiche gelernt, wie beim Cage-System. Wohlmöglich noch einiges mehr, denn ich habe an dem System etwas länger herumgefeilt als der Erfinder.

Es ist aber alles elementare Musiklehre und Handwerkzeug auf der Gitarre. Die Begrifflichkeiten sind vielleicht ein wenig anders, aber gemeint ist das selbe.
Es ist also in vielem das Caged-System drin enthalten, auch wenn es nicht explizit auf der Verpackung steht. ;)



Gruß Mjchael
Zuletzt geändert von mjchael am 18.12.2012, 19:22, insgesamt 6-mal geändert.

Benutzeravatar
Kratzer
meint es ernst
Beiträge: 19
Registriert: 30.08.2012
Wohnort: Frankfurt am Main

Erstellt: von Kratzer » 18.12.2012, 16:07

...wow...danke :shock:
Ich mach doch schon so schnell ich kann

Benutzeravatar
snicki
Pro
Beiträge: 2085
Registriert: 29.08.2010
Wohnort: Hannover
Gitarrist seit: 1994

Erstellt: von snicki » 18.12.2012, 16:17

Nie gehört, aber nach dem Link hab ich es so verstanden:
Ähnlich wie beim Klavier, wo man immer den tiefsten Ton weglässt und oben anbaut. Also ne Akkordumkehrung.

Demnach wäre z.B. G Dur im 3.Bund als Barre gespielt die E-Dur Form
und somit das E aus C A G E D.

Danach würde dem CAGED Prinzip die D-Dur Form kommen, usw...

Also angefangen mit der am niedrigst spielenden Form wäre bei G Dur die Reihenfolge:

G-E-D-C-A

G---E---D---C-----A----G--(usw.)

3---3---7----7-----0----15--
0---3---8----8----12----12--
0---4---7----7----12----12--
0---5---5----9----12----12--
2---5---X---10---10----14--
3---3---X----X----X-----15--

jedenfalls hab ich es so verstanden, gehört hab ich da auch nie was von. Irgendwann kennt man halt das Griffbrett und weiß, wo verschiedene Akkordevarianten liegen.
Hilfreich ist es schon alle Lagen zu kennen, um nicht immer nur bei jedem Akkord die gleiche Dreiklangkonstellation zu spielen und das ganze Griffbrett hin-und herrutschen zu müssen.

Gruß Snicki

EDIT: Mensch Micha war wieder schneller und hat gleich wieder den Hammer ausgepackt =(=))=
Zuletzt geändert von snicki am 18.12.2012, 18:56, insgesamt 2-mal geändert.

Benutzeravatar
RollapS
schreibt schneller als du liest
Beiträge: 128
Registriert: 08.12.2011
Wohnort: 94

Erstellt: von RollapS » 18.12.2012, 17:03

Hallo,

jetzt "muss" ich mal ein wenig stänkern.

Mit diesen Grafiken hätte ich nie Gitarre spielen gelernt. Ich hätte wohl kapituliert. Es wäre
mir zu mühsam gewesen, meine Finger entsprechend den Grafiken und Zahlen auf das Griffbrett
zu setzten.
Mit wenigen, einfachen Akkorden kann man gut Songs begleiten, dazu singen, pfeifen usw.
Das sollte für den Anfang einige Zeit reichen. Ich verstehe die Anfänger nicht, die sich mit dem
ganzen Zeugs rumquälen mögen.
Und die Gitarrenlehrer, die ihre Zöglinge mit dem Zeug überhäufen, haben von Didaktik und
Methodik auch nicht viel Ahnung.

Let´s play, just for fun !
Von nix kommt nix !

Benutzeravatar
mjchael
Mod-Team
Beiträge: 9048
Registriert: 08.07.2007
Wohnort: Marburger Hinterland
Gitarrist seit: 1980

Erstellt: von mjchael » 18.12.2012, 17:35

@ snicki: Hab halt selbst lange an dem Thema gearbeitet.

@RollapS
Wenn ich meinen Schülern Gitarre beibringe, dann erzähle ich denen auch nichts vom Caged-System.

Schaue dir das Lagerfeuerdiplom, Folkdiplom, Balladendiplom, Rock-Diplom und Rockballadendiplom einmal an. Da taucht fast gar nichts vom Caged-System auf.

Gib aber mal Caged-System oder Caged-Medode oder Caged-Guitar-Medode oder so in die Google-Suche ein, und du wirst damit überhäuft. Aber schaue dir 30 Seiten an, und dir werden 30 verschiedene Sachen vorgeführt. Und wenn du Pech hast, hast du auch die falsche Seite erwischt.

Wenn jetzt hier einer dannach fragt, so sollte es nicht wundern, dass man ihm auch antwortet. Wie sinnvoll du das ganze hältst, bleibt letztlich dir selbst überlassen. Keiner zwingt dich diese Methode zu übernehmen. Ist aber dennoch weit verbreitet.

Es ist halt eine Systematik, und die ist naturgegeben recht komplex.
Sagt ja schon der Name: Caged-System

Aber so bringt man es keinem bei.
Man fängt beim Zupfen damit an, den Schülern beizubringen, wo die Bass-Akkorde der einzelnen Akkorde sind.
Wenn man sich mit den erweiterten Akkorden (sus4, Add9, maj7 etc.) beschäftigt, bringt man einem die Grundtöne auf den Melodietönen bei.
Man fängt erst bei den Barré-Akkorden so langsam damit an. Barré-Akkorde der A-Form, der E-Form, Der Am-Form und der Em-Form.
Das reicht erst mal eine Weile.

Erst, wenn man sich tiefer mit Tonleitern, Pentatoniken etc. beschäftigt, dann wird das Caged-System interessant.

Und wenn man das ganze Skala für Skala, Akkordform für Akkordform lernt, dann ist das gar nicht mal so schwer.

Aber mal ehrlich so kompliziert sind die Grafiken gar nicht.
Die Zahlen 1 bis 7 sind die Intervalle in einer Dur-Tonleiter.
1 = Prime bzw. Grundton
2 = Sekunde
3 = Terz
4 = Quarte
5 = Quinte
6 = Sexte
7 = Septime
Ansonsten unterscheiden sich die Grafiken in nichts von den üblichen Skalenbilden.

Es muss in Zahlen bzw. Intervallen angegeben werden, und nicht in Notennamen, da man die Skalen ja Quer über das Griffbrett verschieben kann, und sich die Notennamen dann immer ändern würden. Intervalle sind da einfacher.

Die Am-Pentatonik im 5. Bund leitet sich vom Am-Barré-Akkord im 5. Bund ab, und der sieht aus, wie ein Em-Akkord mit einem Capo im 5. Bund, daher hat der Barré-Akkord die Em-Form.
Da ist dann auch beim Unterricht absolut nichts schweres dabei.
Jetzt muss einem nur noch die Verknüpfung gelingen:
Barré-Akkord = Em-Form, aha dann ist auch die Pentatonik in der Em-Form
(Dominant-Blues wo man mit der Moll-Pentatonik über einen Dur-Akkord improvisiert, sei hier mal außen vor gelassen.)

Bild

Der Barré-Akkord und die gleichnamige Pentatonik sind im gleichen Käfig eingesperrt (caged)
Das ist die Eselsbrücke. Gleiche Form ==> gleicher Käfig

Es geht hier um ein System und um Musiktheorie, und das was ich hier gezeigt habe, ist der grobe Überblick (ähnlich wie ein Lexikon-Artikel.)

Eine Unterichtseinheit sieht da einfacher aus.

Schau dir hier den Workshop über die 5 Hauptskalenformen an. Da flechte ich es ein. Und es ist lange nicht so kompliziert, wie es sich jetzt anhören mag. Wenn das Prinzip mal verstanden ist, steigt man da schnell durch.

Gruß Mjchael

Benutzeravatar
Horszt
öfter hier
Beiträge: 82
Registriert: 29.05.2010
Wohnort: Berlin

Erstellt: von Horszt » 18.12.2012, 19:21

Ich habe dieses Prinzip auch von meinem Lehrer vorgestellt bekommen ... Nun weiß ich nicht, ob ich sich das Lernen lohnt ? beziehungsweise mehr lohnt als andere skalen etc. ? Was meint ihr ? Wie soll ich vorgehen ?

LG
They laugh about you, because you are different. You laugh about them, because they're all the same.

Folge mir auf twitter ! @Bluesbillie

Benutzeravatar
mjchael
Mod-Team
Beiträge: 9048
Registriert: 08.07.2007
Wohnort: Marburger Hinterland
Gitarrist seit: 1980

Erstellt: von mjchael » 18.12.2012, 19:32

Du lernst nichts anderes.

Die Akkorde, die Skalen, die Pentatoniken sind genau die selben, wie sie in den meisten anderen Gitarrenbüchern vorgestellt werden.

Der einzige Unterschied ist, dass man diese althergebrachten Pentatoniken und Skalen nun einem Barré-Akkord zuordnet, der die gleichen Grundtöne wie die Skalen hat. Da man viele der Barré-Akkorde kennt, kann man viel einfacher die entsprechenden Skalen benennen.

In der Praxis nimmt man anfangs aber nicht alle 5-Dur und 5 Moll-Formen, sondern nur die 4 bekanntesten.
Siehe den Artikel über die Pentatonik, wo auch mit dem Prinzip gearbeitet wird:
http://de.wikibooks.org/wiki/Gitarre:_P ... rundformen

Die Barré-Akkorde sind absolut die selben, die Pentatoniken sind absolut die selben, nur das bestimmen der Tonarten wird leichter, und zu wissen welche Pentatonik man über welchen Akkord verwenden kann.

Man macht genau die gleiche Musik damit. Ist ja nicht so, dass du auf einmal irgendwelche Indischen Raga spielst, nur wenn du mit dem Caged-System arbeitest.

Gruß Mjchael

Benutzeravatar
RollapS
schreibt schneller als du liest
Beiträge: 128
Registriert: 08.12.2011
Wohnort: 94

Erstellt: von RollapS » 18.12.2012, 20:32

Hallo Mjchael,

zugegeben, ich tu mich etwas schwer, mich in die Lage von Anfängern zu versetzen. Da ich als Kind
Klavier lernen durfte/musste, bin ich mit Noten aufgewaschen. Im Jugendalter lernte ich Gitarre in
Eigenregie. Meine Notenkenntnisse brachten mich im Lauf von vielen Jahren soweit, dass ich
heute von 1. bis 12. Bund jeweils weiß, welcher Ton an welcher Stelle zu finden ist. Ich habe also
nie TABs ö.ä. gebraucht.
Für mich ist es leichter nach einem Leadsheet zu spielen als mühsam die Finger nach TABs an die
richtige Stelle zu bringen.

Was mich etwas irritiert ist, dass Anfänger glauben, sich mit solchen Sachen befassen zu müssen
und ihnen vielleicht die Freude am Gitarrenspielen vermiest wird. Man soll auch nicht glauben,
dass man innerhalb von einigen Monaten ein guter Gitarrist wird. Ich bin´s immer noch nicht !

Was soll´s !? Kann ja noch werden, bin ja erst 71

Grüße ...
Von nix kommt nix !

Benutzeravatar
startom
Mod-Team
Beiträge: 2701
Registriert: 17.03.2011
Wohnort: Wallenwil TG - Schweiz
Gitarrist seit: 2001

Erstellt: von startom » 18.12.2012, 21:18

@Rollaps: Wenn du dir angeeignet hast, nach Leadsheet zu spielen, ist es ja gut. Ich persönlich bin sehr froh darüber, dass ich ziemlich viel Zeit in Tabulatur- und Notenwerte lesen investiert habe. So bin ich heute in der Lage, relativ rasch nach Tabulatur spielen zu können.

Die Ausführungen von Mjchael sind für manche Anfänger zu viel auf einmal, die ignorieren das auch. Für andere jedoch, die sich wirklich darin verbeissen wollen, sind sie sehr lehrreich. Das ist zu akzeptieren.

Ein grosser Fehler ist es, jedem Anfänger dieselbe Weisheit aufzwingen zu wollen. Jedoch wird mit Sicherheit niemanden das Gitarrespielen vermiest, wenn die Antwort auf eine Frage in einem Gitarrenforum etwas ausführlicher gestaltet wird.

Im Gegenteil. Da freut sich doch jeder, der eine solch detaillierte Antwort auf sein Anliegen erhält.
Tom

Benutzeravatar
mjchael
Mod-Team
Beiträge: 9048
Registriert: 08.07.2007
Wohnort: Marburger Hinterland
Gitarrist seit: 1980

Erstellt: von mjchael » 18.12.2012, 22:33

Ich arrangiere selbst viele Lieder und Übungsstücke.
Ich bin gar nicht der große Skalenspieler, aber ich brauche das Caged-System, um beispielsweise einen geeigneteren Fingersatz zu finden, um Akkorde und Melodie unter einen Hut zu bekommen.

Nehmen wir doch einfach mal ein ganz simples Beispiel:
Eisgekühlter Bommerlunder

Die Toten Hosen wandern alle Tonarten in Halbtonschritten rauf.
Beginnen wir beispielsweise mit E und H7
dann F und C7
dann Gb und Db7
dann G und D7
dann Ab und Eb7
dann A und E7
etc.

Jetzt spiele das doch einfach mal mit deinen ganz normalen Standard-Akkorden und Standard-Barré-Akkorden.

Ich nutze jetzt das Caged-System, und mache mir die Sache viel leichter.

E = 022100 + H7 = x21202
F = 133211 + C7 = x32310
Gb = 244322 + Db7 = x4342x
G = 355433 + D7 = x5453x
Ab = 466544 + Eb7 = x6564x
A = 577655 + E7 = x7675x
etc.

Ich habe nur 2 Akkordformen: Die F-Form und die C7-Form, und wandere einfach mit dem Cage einen Bund weiter, und nehme die gleichen Akkorde, nur um einen Bund verschoben. Gut, es kommt noch die Dämpfung der E-Saite mit dazu, aber das sollte wohl kein Problem sein.

Einen Rock'n'Roll in A-Dur spielst du mit Barrés doch absolut genau so wie einen Rock'n'Roll in G-Dur, nur alles um 2 Bünde verschoben.
Du lernst nicht für jeden Rock'n'Roll eine neue Tonleiter, sondern bedienst dich des selben Cage.

Letztendlich ist es nichts anderes, als würde man ein Lied mittels Capo erhöhen. aber die Akkordformen beibehalten.

Viel mehr steckt hinter dem ganzen Caged-System nicht.
Es verdeutlicht nur, dass nicht nur die Tonleitern in ihren verschiedenen Lagen transponiert werden können, sondern die Akkorde können gleichermaßen mit transponiert werden. Und sie verhalten sich da genau so, wie ein paar Bünde vorher oder nachher.

Und viele Akkorde kann man sich quer über dem ganzen Griffbrett viel besser ableiten, wenn man sie auf die Grund-Akkorde in den ersten Bünden zurückführt.

z.B. für das Intro von Stairway to Heaven
http://www.gitarre-spielen-lernen.de/fo ... html#72152

Mit der Hintergrund-Information, dass sich die ersten Akkorde des Intros fast so verhalten, wie die Akkorde Em H7 G im ersten Bund, lässt sich das Intro für viele Anfänger viel leichter lernen. Die Akkorde sind keine Monster mehr, sondern nur nach oben verschobene alte Bekannte.
Die Schüler können auf vorheriges Wissen zurückgreifen.

So sieht dann beispielsweise das Caged-System in der Praxis aus.

Gruß Mjchael

Benutzeravatar
Kratzer
meint es ernst
Beiträge: 19
Registriert: 30.08.2012
Wohnort: Frankfurt am Main

Erstellt: von Kratzer » 19.12.2012, 09:31

Hello,

also erstmal vielen Dank für die sehr verständliche und gute Ausführung vom mjchael.
Ich habe diese Frage hier gestellt, weil ich Gitarre richtig lernen möchte, also mit allem, was dazu gehört und ich dachte, das CAGED-System ist ein wichtiger Bestandteil.
Ich kann sehr gut Klavier spielen und Noten sind mir daher mehr als geläufig, wenn auch noch nicht auf dem Griffbrett sofort alles erkannt wird. Als ich nach Büchern fürs selber Lernen gesucht habe, fand ich zum größten Teil nur Bücher, welche an der Oberfläche kratzen. Will sagen, 7-8 Akkorde, um jeden Beatles Song nach zu spielen und das war nicht mein Ziel.
Daher verbeisse ich mich auch als Anfänger gerne in solche Sachen.
Also Danke noch mal, ich übe dann jetzt erst mal pinched harmonics... ;-) (Spaß)

LG

Seb
Ich mach doch schon so schnell ich kann

18 Beiträge   •   Seite 1 von 1
  • Ähnliche Themen
    Antworten
    Zugriffe
    Letzter Beitrag

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 2 Gäste