Frage zum Akkordbewegungen/ -folgen im Quintenzirkel

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Truemas
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Frage zum Akkordbewegungen/ -folgen im Quintenzirkel

Erstellt: von Truemas » 21.03.2012, 23:37

Hallo zusammen. Ich spiele seit ca. einem Monat Gitarre. Ich habe mich in den letzten Tagen intensiv mit dem Quintcirkel befasst, aus folgendem Grunde: Für meinen ersten remix möchte ich eine eigentlich simple Akkordfolge auf Basis des Quintcircels spielen: C - G- D. Beim Ausprobieren ( Standard tuning auf E-Gitarre) fiel mir auf das mit der G-Dur akkord einen zu tiefen basston hat und ich habe etwas rumprobiert und mir gefiel der Übergang von Cdur nach D mit einem Cmaj7 besser. Ich frage mich allerdings: WARUM ist das so? Von dem was ich bisher gelesen habe, sollte Cmaj7 keine Leitfunktion darstellen und wenn überhaupt doch nur die Dominante zu Fdur sein, oder? Und im Generellen: Wie bewege ich mich gut im Quintencircel in oben genannter Reihenfolge, so das es gut klingt. Angeblich muss man nicht modulieren, aber mir scheinen die Übergänge auf diese Weise (Cdur - Gdur- Ddur) zu abrupt und nicht fließend genug. Ich hoffe jemand erkennt mein Problem und kann mir helfen. Da beiße ich mir jetzt schon seit Stunden die Zähne dran aus...

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Arne
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Erstellt: von Arne » 21.03.2012, 23:57

Hallöle,
du schreibst "C - G - D".
Dort bewegst du dich nicht in C-Dur, sondern in G-Dur.
Versuche mal "G C D" oder (falls du in C-Dur spielen möchtest "C F G").
Insofern kann ich mir denken, dass das für dich ein wenig komisch klingt, aber vielleicht hast du einen Fehler in der Interpretation des QZ gemacht.
Die Tonika (Grundton) steht in der Mitte von 3 Akkorden. Rechts davon steht die Dominante, die auch gerne mal als Septakkord gespielt wird, links davon die Subdominante.
Vielleicht hilft das ein wenig zur Klärung.

Gruß

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mjchael
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Erstellt: von mjchael » 22.03.2012, 08:37

Die beliebteste Akkordbewegung ist gegen den Quintenzirkel bzw. den Quintenzirkel abwärts.
Dabei ist die Bewegung von der Dominante zum Grundton die wichtigste Bewegung mit der stärksten Schlusswirkung.
Mit verantwortlich dafür sind die Leit- und Strebetöne einer Tonleiter.

Doch mal im einzelnen.

Der Quintenzirkel in C-Dur (die 7 Töne incl. der Akkoderweiterungen)
C-Dur-Tonleiter mit den Akkorden F C G7 Dm Am Em Hm7b5

Der Quintenzirkel in G-Dur
G-Dur-Tonleiter mit den Akkorden C G D7 Am Em Hm F#m7b5

Der Quintenzirkel in D-Dur
D-Dur-Tonleiter mit den Akkorden G D A7 Em Hm F#m C#m7b5

Bei den folgenden Beispielen zeige ich dir entweder nur alles an der C-Dur-Tonleiter, oder ich gehe die oberen drei Tonleitern in C G und D durch.

Ein Standardklischee ist die II-V-I-Verbindung
Dm G7 C
Am D7 G
Em A7 D

Vergleiche die Akkordfolgen, und du siehst, dass diese Akkordfolge den Quintenzirkel rückwärts bzw. abwärts verläuft. Du hast diese Akkordfolge schon in 100.000 Liedern gehört, und möglicherweise hast du genau so eine Akkordverbindung eingesetzt.
siehe: typische 2-5-1-Schlusswendungen

Erweitere jetzt mal jeden Akkord um die Septime. (macht man gerne im Jazz).
Die Septime ist einen Ton vor der Oktave.
also du springst Acht Töne weiter und dann einen Ton zurück
D + 8 (Oktave) = D - 1 (einen Ton davor) = C
C ist zwei Bünde vor dem D, also ist es eine kleine Septime.
Dm + C = Dm 7
G + F = G7 (F ist zwei Bünde vor dem G also eine kleine Septime)
C + H = Cmaj7 oder kurz Cj7
H ist einen Bund vor C, also eine große Septime.
groß = lateinisch major
demnach major7 oder kurz maj7 und noch kürzer j7

Die selben Akkorde der II-V-I-Verbinung von oben. Dieses mal - wie im Jazz üblich - noch um weitere Septimen (7er Intervalle) ergänzt.
Dm7 G7 Cj7
Am7 D7 Gj7
Em7 A7 Dj7

Ich vermute mal, das du mit solchen Akkordverbindungen herumgespielt hast, und festgestellt hast, dass sich diese ganz nett, und ein wenig jazzig anhören.

Jetzt zu deiner Frage, warum das mit Intervallen - also mit dem j7 - so klappt.

Faustformel: Halbtonschritte leiten zum nächstgelegenen Ton der Tonleiter weiter
C-Dur-Tonleiter dessen Grundakkord aus den Tönen C E G besteht.
C _ D _ E F _ G _ A _ H C
Der Halbtonschritt F leitet nach E weiter.
Der Halbtonschritt H leitet nach C weiter.


Beim Dur-Akkord leitet die kleine Septime zum Grundakkord.
G7 besteht aus den Tönen G H D F
Der Halbtonschritt H leitet nach C weiter (H ist der Leitton der C-Dur-Tonleiter)
Der Halbtonschritt F leitet nach E weiter. (F ist ein Strebeton in der C-Dur-Tonleiter)
Beim G7-Akkord kommt ein Leitton und ein Strebeton zusammen, und drängen gemeinsam zu den Tönen C und E hin.
Die beiden Töne C und E gehören zum Grund-Akkord C-Dur-Akkord

Beim Dur-Akkord leitet die große Septime (j7 bzw. maj7) zum Grundton des gerade gespielten Akkord.
Die große Septime leitet nicht weiter. Oder man kann es auch so sehen: Die große Setpime H des C-Dur-Akkord ist ein Leitton, der wieder zum gerade gespielten Grundton C hin leitet. Daher hat j7 etwas stabilisierendes für den Akkord.
Cmaj7 besteht aus den Tönen C E G H
Der Halbtonschritt H leitet nach C weiter, also zum gerade gespielten Grundton.

Stelle dir den Grundakkord ohne Septime wie ein Eis- oder Würstchenverkäufer vor, der ruhig immer auf seiner Stelle steht.

Stelle dir einen Grundakkord mit einer großen Septime wie die Käufer vor dem Würstchenstand vor. Aucn sie stehen still, und verweilen. Doch dieses Verweilen ist nur für einen Moment, weil es hinterher doch wieder weiter geht.Man schwankt so ein klein bisschen zwischen Warten und dem Wunsch weiter zu gehen. (Ähnlich wie bei einem Besuch in einem Museum, wo man sich die Ausstellungsstücke anschaut.)

Wenn man das Würstchen hat, dann dann soll es in eine andere Richtung gehen (Wie beim Dominant-Sept-Akkord bzw. Dur7-Akkord). Möglicherweise wieder zurück ins Büro.
Beim Museum würde wohl der Weg vom Eingang zu den Ausstellungsgegenständen oder am Schluss der Weg zum Ausgang den Dominantsept-Akkord entsprechen.

Die wichtigste Akkordbewegung in einer Tonart ist die von der Dominante (z.B. G7) nach dem Grundton (z.B. C bzw.. Cmaj7).
Diese Bewegung definiert ein tonales Zentrum (was meist auch der Grundakkkord der Tonart ist.)
Maj7-Akkorde werden gerne im Jazz eingesetzt.
Maj7-Akkorde können der Grundton (Cmaj7) oder auch die Subdominante (Fmaj7) einer Tonart sein. Also ist Maj7 ein notwendiges aber kein hinreichendes Kennzeichen für die Tonika bzw. für den Grundakkord.

Eine kleine Septime bei einem Dur-Akkord (z.B. G7) ist jedoch ein hinreichendes Kennzeichen für eine Dominante. Daher ist eine Dominante (Dur-Akkord mit kleiner Septime) ziemlich wichtig, um ein tonales Zentrum (in der Regel den Grundakkord einer Tonart z.B. C bzw. Cmaj7) zu definieren.

Soweit die Theorie für Akkorde, die nur Töne einer Tonart enthalten. Später kommt noch so was wie Zwischendominanten, Modulationen und andere Ausnahmen hinzu, aber man sollte erst mal bei den Grundlagen bleiben.

Typische Akkord-Progressionen im Jazz verlaufen in Quinten abwärts. Und im Jazz erweitert man gerne die Akkorde um die Septime. Dabei nimmt man meist die Septime, die auch zur gerade gespielten Tonart passt. So ergibt sich das mit den großen und kleinen Septimen von alleine.

Schaue dir mal den Rhytm Change und den diatonischen Quintenfall an, und höre dir mal die Beispiele dazu an.

Ich hoffe, ich habe dir mehr Fragen beantwortet, als neue Fragen aufgeworfen. ;)

Gruß Mjchael

Truemas
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Erstellt: von Truemas » 22.03.2012, 22:57

Danke an euch beide für eure Antworden , aber besonders Mjchael. Ich richte mich hier jetzt besonders an letztgenannten:

Ich habe in den letzten Wochen besonders viel Musiktheorie via mehrerer Quellen studiert und was du mir über die Strebewirkung von Dominant-Septakkorden erzählst war mir bereits bekannt. Das der Tonika 4 Klang zurück zur Tonika führt, war mir bisher nicht bewußt aber es macht Sinn. Ich muss mich vielleicht noch ein wenig genauer ausdrücken:
Auf der Wikipedia ( man kann über Wiki nun denken was man möchte) Quintzirkelpage steht das man problemlos in Quinten (also rechts) den Quintzirkel entlangwandern kann ohne zu modulieren. Und die Akkordfolge C - G - D dann in dem Sinne keine T - D - SD Kombination ergibt. Wie gesagt fand ich einfach nur seltsam das der Cmaj7 sich gut vor dem Ddur anhörte. Ich habe das ganze gerade noch einmal auf dem Keyboard gespielt ( da kann ich die Tonbeziehung leichter nachvollziehen ) cmaj 7 hat mit dem G einen Halbtonschritt zum fis des Ddur Akkordes. Die Akkordfolge die ich gerne spielen möchte ist Cdur - Cmaj7 - Ddur ( und dann irgendwie zurück zu C kommen, da muss ich mal schaue was ich mit den Basstönen anstelle um zurück zu leiten, in meinem "ohr" habe ich eine Idee, ich weiß nur noch nicht wie die Notentechnisch aussieht ). Ich glaube was mir helfen könnte bei meinen momentanen Fragen die mich am "einfach mal machen" hindern wäre eine Liste mit den Auflösungen der verschiedenen , ich nenne sie mal "üblichen Akkorden" und ihren Auflösungsmöglichkeiten. Damit meine ich auch Akkorde wie die Sus2 und Sus 4 Akkorde. Was haltet ihr denn von der Cdur - Cmaj7 - Ddur Sequenz? Auf dem Keyboard spiele ich Cdur und Cmaj7 normal und beim Ddur die erste Alteration mit der Quinte links vom Grundton.

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mjchael
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Erstellt: von mjchael » 23.03.2012, 00:15

Ich habe bei meiner Antwort ganz klar unterschieden zwischen einer diatonischen Akkordfolge (die nur in einer Tonart bleibt), und den Ausnahmen, die irgendwann später noch mal kommen. Zwischendominanten und so.
Da gibt es noch zwischendominantketten etc.

ein paar Sachen wurden schon bei den Akkordprogressionen (Link siehe oben) vorgestellt.

Ich schicke dich mal zu zwei weiteren Artikel, die dir weiterhelfen:
[Tutorial] Typische Tonleiter-fremde Akkorde
und
[Workshop] Eine Akkordfolge erweitern

Da wird dann gezeigt, wie man mit einer Quintenkette quer durch Zwischendominanten wandern kann, ohne jemals auf einer Tonika zu landen.

Na ja, meist landet man doch irgendwann wieder auf einer Tonika. Und auch im Jazz findet man immer Tonale Zentren, wobei diese jedoch ständig wechseln. Aber das geht dann doch mehr in die Jazzbegleitung. Und bevor man versteht, was da ab geht, sollte man erst mal die elementaren Grundlagen verstehen, so wie es bei einer ganz einfachen Toneiter funktioniert.

Die allermeisten Lieder der Folk-, Rock- und Pop-Musik halten sich an die einfachen Dur- und Moll-Tonleitern. Und evtl. noch die Blues-Tonleiter. Und von daher sollte man sich zuerst mal mit den Phänomenen vertraut machen, bevor man sich mit Zwölftonmusik, Tritonussubstitutionen, Modulationen und sonstigen echt schrägen Sachen auseinandersetzt.

Ich backe da lieber etwas kleinere Brötchen, und verstehe bei denen wenigstens genau, was ich mache. Die exotischen Sachen überlasse ich lieber den Spezis und Vollprofis.

Bin ja schließlich nur ein Hobby-Gitarrist, und kein Berufsmusiker oder Musik-Professor.

Gruß Mjchael

michum
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Erstellt: von michum » 23.03.2012, 01:08

@Truemas

Nimm den Qintenzirkel nicht so ernst. Du spielst grad seit einem Monat erst Gitarre. Für eine Akkordfolge wie C D G oder sogar nur C Cmaj D brauchst du keinerlei tierfschürfendes harmonisches Verständnis :)
Wie du selbst schreibst:
"eine eigentlich simple Akkordfolge", und das ist noch stark untertrieben. Spiel wie du meinst dass es gut klingt, ich sehe nicht wozu man hochtrabende Bezeichnungen dazu braucht.

Natürlich kannst du von C zu D gehen ohne nach G aufzulösen. Du wunderst dich dass es gut klingt? Hast du denn gedacht, die paar Vorschläge im Quintenzirkel seien die einzige Möglichkeit? Es gibt noch viel mehr.

Die Funktionen Tonika-Dominante-Subdominante sind doch nur der Einstieg für Anfänger, um etwas Systematik reinzubringen. Von den meisten Musikrichtungen längst überholt. Schon zu Zeiten der Klassik wurden ganz andere Sachen ausprobiert.
Soll heißen, eigentlich ist auch die klassische Harmonielehre viel weiter, aber man kommt einfach bei dem ganzen Anfängerkram nie dazu das mal zu erklären. Man bleibt immer in den Grundlagen stecken, und die passen nur bedingt zur musikalischen Praxis.


Zum Beispiel (nur ganz populäre Beispiele, die so schon im Quintenzirkel vorkommen, nur auf einem anderen Ausgangspunkt):

- bei D C G kannst du D als Zentrum nehmen, als 1 definieren.
Die Harmonielehre nennt das mixolydisch. Zigtausend Rocksongs gehen so. Wohlgemerkt, das ist nicht die 5.Stufe von G. Wir sind in D (mixo) und das ist die fette 1. Stufe.

- bei deinem Vorschlag C Cmaj7 D kannst du auch C als 1 setzen (lydisch, falls du das nachlesen willst^^), dann wanderst du zu D hoch und gehst zurück. Aus deinem 2.Post hab ich ein wenig den Eindruck, das schwebt dir so vor.

- um zum C zurückzukehren kannst du auch ein Bb oder Bbmaj7 spielen, also
Cmaj7 D Bbmaj7 C
und das findest du im Quintenzirkel schon gar nicht so nah beieinander. Geht aber problemlos (es gibt nichts was nicht geht). Exotisch ist daran auch nichts.
Erinnert mich an
Cmaj7 D Bbmaj7 Am
- eine ziemlich ähnliche Folge - dann hast du das Intro hier
http://www.youtube.com/watch?v=m2C1gyWMJQY
ist ne andere Tonart aber es sind die Abstände. Übrigens gibt es dort (viel später!) im Refrain doch eine Auflösung zur Tonika, da freut man sich erst recht. Ändert aber nichts daran, dass das Intro auch schon prima funktioniert.

Lös dich einfach von dem Eindruck, man müsse unbedingt T D SD spielen. Dann begreifst du auf einen Schlag einen Riesenhaufen Musik viel besser. Die "klassische Einteilung" ist schon ok und richtig, aber das ist wie gesagt nur eine Möglichkeit unter vielen.

Truemas
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Erstellt: von Truemas » 23.03.2012, 10:51

Danke euch beiden für die Antworten. Ich habe mich während meiner musiktheoretischen Odyssey ebenfalls mit , wie oben schon erwähnt, Modulationen, Ausweichungen, Kirchentonleitern etc. beschäftigt.
Ich beschreibe euch mal wie meine Vorstellung vom Komponieren aussieht: Als erstes ist da in meinem Kopf schon eine Idee, ob nun Melodie oder Akkordfolge. Das Problem ist das ich bisher nie die Fähigkeiten hatte diese genau in dem Klang um zu setzen wie ich sie in meinem Kopf höre (klingt ein bisschen Psycho , oder?). Darum habe ich mich nun viel mit der Theorie befaßt um feststellen zu können welches die Akkorde und Übergänge der Akkorde sind, wenn ich erstmal die Grundtöne gefunden habe. Leichter macht es bestimmt auch nicht die Tatsache das ich privat anspruchsvollen Kram wie ältere Video Game Music ( vom Genre her progressive Rock mit Klassik und Jazz Einschlag ) und Prog Rock/Metal wie Dream Theater höre. Dadurch ist mein Ohr natürlich schon an eher "exotischen" Kram inspiriert. Ich bin froh das meine erste Akkordfolge die mir vorschwebt nicht so exotisch ist, aber das Verständnis dahinter ist mir sehr wichtig. Mir ist durchaus bewußt das viele Musiker ihre Melodien mit einer Tonabfolge machen und diese dann lediglich Transponieren oder in ein paar "Tasten" weiter nach rechts oder links versetzen. Allerdings empfinde ich es genau so wie es in der online Testversion des Buches "What music REALLY is" geschrieben steht, und zwar das sich da die Spreu vom Weizen trennt wenn man weiß wie man Melodien und Akkorde führt. Und das ist das was ich lernen möchte. Ich hoffe ich konnte ein wenig vermitteln wo da meine Priorität liegt. Ich schaue mir jetzt mal eure Links an.

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mjchael
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Erstellt: von mjchael » 23.03.2012, 14:25

Musik ist halt auch irgend wie ein wenig wie Kochen.

Es gibt einige bewährte Grundrezepte, die in den meisten Fällen funktionieren.
Da gibt es bewährte Beilagen, typische Fleischgericht, einfache Nachtische, und man kommt mit einigen Grundlagen schon recht weit.
Doch es gibt kein Verbot etwas anders zu machen, wie es in den Kochbüchern steht.

Man kann hervorragend Ananasscheiben zu Kasslerbraten mit Käse überbacken.

Gewürze, die man in pikanten Asiatischen Gerichten vermutet, findet man in Lebkuchen wieder.

Und dann gibt es auch so einfache Sachen wie Currywurst-Pommes.

Harmonielehre und so ist halt mehr so was wie Grundrezepte. Hörerfahrungen von vielen Musikern in Konzepte gepackt. Vokabeln, die hauptsächlich dazu da sind, Worte für das zu finden, was man macht, so dass man sich mit anderen darüber unterhalten kann.

Aber inzwischen hat schon jeder genügend Kochsendungen gesehen, dass der Kreativität keine Grenzen gesetzt sind. So ist das auch mit der Musik. Erlaubt ist was gefällt. Harmonielehre erleichtert nur den Einstieg.

Wenn man das mit den Akkordfunktionen und den typischen Akkorden einer Dur-Tonleiter halbwegs kapiert hat, dann kann man sich mit diesem Grundwissen viel einfacher den exotischen Sachen annähern.

Lese dir mal durch, wie ich mich einer mixolydischen Akkordfolge nähere.
http://de.wikibooks.org/wiki/Gitarre:_m ... folge_in_D

oder dem dorischen
http://de.wikibooks.org/wiki/Liederbuch ... monielehre
http://de.wikibooks.org/wiki/Liederbuch ... rough_Fair

oder dem phrygischen Dur
http://de.wikibooks.org/wiki/Liederbuch:_Hawa_nagila

Natürlich sind die Beschreibungen nicht vollständig, und es gäbe noch viel mehr zu den Kirchentonarten zu sagen, doch man kann sich durchaus mit bekannten Elementen der Harmonieliere (Dur- und Moll-Tonarten) den Kirchentonarten annähern, und bekommt eine ungefähre Vorstellung von der Materie. Und zwar auf einem Niveau, dass ein Hobbymusiker auch etwas praktisch damit anfangen kann, ohne sich zu sehr ins Detail zu verlieren.

Profimuskiker dringen noch mal tiefer in die Materie ein, aber wenn man die ganze Harmonielehre nicht zu eng sieht, dann läuft man eigentlich nicht so schnell in Gefahr, sich davon einengen zu lassen. Man erkennt schnell, das es noch einiges darüber hinaus gibt.

Die Kunst ist es, die Sachen so zu vermitteln, dass man sich der Materie so einfach wie möglich nähern kann, und dabei stets auf bekannte Elemente zurückgreifen kann. Und so was baut sich meiner Meinung nach am besten Stufenweise auf.

Aber ich tüftle selbst noch daran herum, wie man so was am besten darstellt, und versuche dabei auf die konstruktiven Kritiken der Member hier im Forum zu reagieren.

Meine Erfolgserlebnisse sehe ich dann, wenn Member nach einiger Zeit hier im Forum den ganz neuen mit Tipps und Tricks beiseite stehen, und mit dem weiter helfen können, was sie inzwischen verstanden haben.

Gruß Mjchael

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Erstellt: von Truemas » 24.03.2012, 20:47

Also deine Guides sind wirklich super! Den "Grundguide" habe ich ganz durchgelesen und ich werfe auch gleich mal einen Blick in die Kirchentonleitern. Das einzige was ich in ersterem vermisst habe ( oder vielleicht wurden sie als Synoniem genannt ) waren die Sus2 und Sus4 Akkorde und ihre Strebewirkung. Wäre es möglich das du über diese beiden noch kurz etwas erzählen könntest? Dann bin ich für den Anfang sehr gut gerüstet. =)

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Erstellt: von mjchael » 24.03.2012, 22:13

Welchen Grundguide? Ist kein Wort von mir, daher kann ich kein Thread suchen, wo ich den Artikel ergänzen müsste.

Es gibt hier im Forum bestimmt noch einige Themen, die man vervollständigen könnte, blos welchen? Ein Link wäre da schön.

Aber wenn du nach sus2 oder sus4 fragst:
Das Balladendiplom hilft da ungemein weiter:
Beim Gsus4 habe ich ein paar Sachen zum Höreindruck geschireben.
http://de.wikibooks.org/wiki/Gitarre:_Gadd4

Ebenso bei Sus2 Akkorde
http://de.wikibooks.org/wiki/Gitarre:_e ... er-Akkorde

Die Beschreibungen sind nicht Vollständig, vermitteln aber einen ersten Eindruck.

Und was Jazz angeht:
http://de.wikibooks.org/wiki/Gitarre:_Jazzworkshop
Ist zwar auch nur ein kleiner Schnupper-Kurs, aber er vermittelt doch einen kleinen Eindruck.

Gruß Mjchael

Paul Fabulous
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Erstellt: von Paul Fabulous » 26.03.2012, 20:06

Hallo Mjchael,

ich habe mal eine Frage bzw. Anmerkung zu dem Gadd4-Akkord im Wikibook Gitarre. Der Link ist im letzten Post.

Du gibst den Akkord ja mit H auf der A-Saite und C auf der H-Saite an.

Ich spiele den Akkord aber immer ohne dieses H. Die A-Saite kann man ja ganz praktisch mit dem 3. Finger dämpfen, funktioniert bei mir fast automatisch. Mit H im Bass ist es meiner Meinung nach unnötig schwerer zu spielen.

Also ich meine, man kann gut auch das H im Bassbereich verzichten. Außerdem klingt es mit diesem Ton in meinen Ohren auch ziemlich dissonant. Das C enthält uns ja sozusagen das H vor, wohin ja oft aufgelöst wird. Deshalb ja auch die Benennung "Vorhalt" bzw. "suspended" im Englischen.

Ein weiterer Vorteil ist, dass man dann mit dem freien Finger noch das e auf der D-Saite zum Vorhalt mit dazunehmen kann. Diese Wendung wird ja auch oft eingesetzt, z.B. im Folkpicking oder auch ganz häufig bei den Riffs der Stones.

Ich hoffe du kannst mit meinen Anregungen etwas anfangen.


Grüße

Paul

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Erstellt: von mjchael » 26.03.2012, 20:55

Paul Fabulous hat geschrieben:Ich hoffe du kannst mit meinen Anregungen etwas anfangen.


Ich habe hier lieber den Gadd4 genommen, da er weniger Probleme macht, und man weniger erklären muss. Gerade Anfängern könnte es sonst zu viel werden. Schließlich fängt man hier erst an, sich mit Akkorderweiterungen zu beschäftigen.

Dennoch habe ich deine Anregung nicht unberücksichtigt gelassen, und als eine mögliche Option eingefügt.

Wer aber aus klanglichen Gründen lieber einen Gsus4 anstelle eines Gadd4 haben möchte, der legt den Ringfinger gerade so weit um, dass er noch die A-Saite leicht berührt, und damit abdämpft.


Nun hat der Spieler die Wahl.

Beim der Lektion über "Optionale Akkordtöne" gehe ich beim G-Dur-Akkord auf die Problematik genauer ein.
http://de.wikibooks.org/wiki/Gitarre:_Fixierte_Finger
So setzt sich bei diesem Lehrgang das Wissen stückweise zusammen.

Und mal sehen, ob ich die Lektionen nicht in nächster Zeit doch noch genauer schreibe.

Gruß Mjchael

Paul Fabulous
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Erstellt: von Paul Fabulous » 27.03.2012, 22:51

Alles klar, Mjchael!

Habe noch etwas mit diesen Akkorden herumgespielt und bin auf ein kleines "Start me up"-Riff gekommen. Den Rhythmus aufzuschreiben ist schwierig, aber wer es mal probieren will, hier die Akkordfolge:

G - C/G

F/C - C

Im richtigen, bekannten Rhythmus des Stones-Songs gespielt, hört es sich wie ich finde ganz gut an.

Vielleicht könnte man eine kleine Vorhalt-Übung daraus machen. Unten gebe ich noch die Akkorde in Kurzschreibweise an.

G: 3x0003 C/G: 3x2012 F/C: x33211 C: x32010


Grüße

Paul

Truemas
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Erstellt: von Truemas » 28.03.2012, 09:28

Mit "Grundguide" meinte ich "typische Grundleiterfremde Akkorde". Der Begriff war wohl ein wenig zu subjektiv, weil er sich allein auf mein Verständnis zu dem Zeitpunkt von "Grundwissen" bezog. Übrigens nehme ich an das du bei der Zwischensubdominante ( Beatles Beispiel ) bei der Erklärung meinst das Bb die Subdominante von FDur ist , ansonsten macht folgender Satz keinen Sinn für mich: "Bb ist hier die Zwischensubdominante, die zu Bb-Dur gehört."
Bb ist aber wohl von FDur die Subdominante.
Ansonsten erleuchte mich bitte. ^^

Ich schaue mir jetzt mal deine sus 4 und sus 2 Links an. Was hälst du denn von einem Thread wo du die Akkorde die du in den anderen Threads beschreibst , mit Strebewirkung auflistest. Oder macht das vielleicht nur in meinem Anfänger-Kopf Sinn? Denn ich dachte das beim Zuhörer intensiver ist um so geführter die Musik ist.

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Erstellt: von mjchael » 28.03.2012, 12:18

http://www.gitarre-spielen-lernen.de/fo ... tml#226612
Ich habe den Artikel überarbeitet.

Alle Phänomene werde ich wohl nie in einem Artikel zusammenfassen können. Ich beschränke mich da auf die, welche ich am häufisten bei den Liedern die ich spiele antreffe, und überlasse die anderen Besonderheiten den Musikstudenten.

Gruß Mjchael

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Erstellt: von Truemas » 01.04.2012, 00:33

So, da wäre eine weitere Frage die sich mir auf tut. Ich habe habe jetzt meine Akkorde doch ein wenig anders gestaltet, weil es so wirklich so klingt wie ich es haben will: Ich spiele C-Dur ( + G auf der 6. Seite ) E-Mol ( ohne das E der 6. Seite ) und D-Dur ( + A der 5. Seite ).
Mir ist selber schon auf gefallen das ich, auch durch das öftere Anschlagen der höchsten Seite( also die mit dem tiefen Bass-Ton ) mein tonales Zentrum auf die Quinten der Akkorde verlagere. Was habe ich gemacht? Ich möchte das G , H und A im Bass vorherrschen, das aber zusammen mit den Akkorden C-Dur, E-Mol und D-Dur. Sitze ich da jetzt auch in einer Kirchentonleiter? :shock:

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Erstellt: von mjchael » 01.04.2012, 01:11

Kommt drauf an. C Em und D können die G-Dur-Tonleiter sein. Wenn du C voranstellst, und das Tonale Zentrum sein lässt, dann würdest du lydisch spielen.

Wenn ein G folgt, dann könnte es auch C-Dur sein, mit D als Zwischendominante, die nach g weiterleitet.

Aber wie schon gesagt, so lange es gut klingt, ist erlaubt was gefällt.

Gruß Mjchael

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