Bezug Dominante --> Tonika; Subdominante --> Dominante

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Volare
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Bezug Dominante --> Tonika; Subdominante --> Dominante

Erstellt: von Volare » 26.03.2011, 04:23

Mich würd mal interessieren warum wir nach einer Subdominante die Dominante erwarten und warum wir nach der Dominante die Tonika hören wollen. Denn ich weiß dass es so ist, aber mich würden die Hintergründe interessieren. Kann mir da jemand etwas zu sagen?

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ole127
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Erstellt: von ole127 » 26.03.2011, 10:42

Es klingt einfach gut. Das ist einfach so festgelegt. Stell dir vor du spielst als Tonika C-Dur dann F-Dur als Subdominante und dann G-Dur als Dominante. Anscließend spielt man dann ja um es rund zu machen wieder die Tonika. Wenn du jetzt zb. die Tonikaparallele spielst fehlt am Ende irgendetwas das merkt man.

MfG Ole
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snicki
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Erstellt: von snicki » 26.03.2011, 11:53

Das können andere besser erklären, aber ich mach mal die Vorhut.
Mal das beispiel in C-Dur, also:
C-Dur= Tonika, F-Dur= Subdominante, G(7) = Dominant(septakkord)

im G7 sind die Töne G H D F enthalten, die die Töne des C-Dur Akkords quasi umschweben.
Das H strebt zum C hin (Halbton), das F zum E (auch Halbton) und werden auch als Leittöne bezeichnet. Zudem ist der Dominantseptakkord duch die 7 zudem dissonant, also spannungsgeladen. Also strebt der Akkord zusätzlich zu einer harmonischen Auflösung hin.

Vielleicht gibt es eine physikalische Erklärung dafür, vielleicht ist es nur unsere Hörgewohnheit, kulturell bedingt. In Japan erwartet man vielleicht keine Auflösung zum C-Dur.

Nach dem F erwartet man nicht unbedingt die Dominante, sondern auch die Tonika, aber das gilt eher für den Blues und Rock n Roll Bereich, rein aus Hörgewohnheit. Bei sonstigen Stücken sind auch alle anderen Akkorde innerhalb der Tonart (oder auch nicht) möglich, ohne das es sich beißt.
Gruß Snicki

PS: aber wie gesagt, das können andere besser ;)

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hnz
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Erstellt: von hnz » 26.03.2011, 12:42

Ergänzend kann noch gesagt werden, dass die Septime der Dominante, in Gdur das f, einen sogenannten Quartvorhalt zur Terz der Tonika, in Cdur das e, ist.
Da die Quarte ein dissonantes Intervall ist "strebt" sie zur Konsonanz der Terz.

hnz

PS: Aber warum GENAU es so ist, das weiß ich auch nicht. Kulturellbedingt stimmt schon, aber es wird wohl auch eine physikalische Erklärung geben.

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mjchael
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Obertöne Physik Quintverhältnis

Erstellt: von mjchael » 26.03.2011, 13:05

Bleiben wir mal in C-Dur
Die Subdominante F-Dur leitet gar nicht mal so stark nach G-Dur weiter. Sie kann auch wieder ganz gemütlich nach C-Dur zurück leiten.
Daher würde ich der Subdominante einen Verbindenden Charakter zuschreiben. Vorwärts leitend, aber nicht so fest in der Richtung festgelegt.

C F G
C F C
C G F C
funktioniert alles.
Beim letzten Beispiel ist es aber der G-Dur-Akkord, der zurück zum C-Dur-Akkord drängt, aber die Auflösung wird durch den F noch etwas herausgezögert.

Dass die Dominante so gut zur Tonika weiterleitet hängt von unseren Hörgewohnheiten ab, und hat tatsächlich physikalische Gründe.

Jeder Ton erzeugt eine Reihe von Obertönen.
Beim Ton C:
Bild

1=C, 2=C, 3=G, 4=C, 5=E, 6=G, 7=Bb, 8=C, 9=D, 10=E, 11=F, 12=G, 13=A, 14=Bb, 15=H, 16=C

Aber auch der Ton G erzeugt eine Reihe von Obertönen.

Die Obertöne werden zum einen von der Gitarrensaite erzeugt,
zum andern von dem Gitarrenkorpus, der durch die Saite in Schwingung versetzt wurde.
Aber auch der ganze Raum, in dem du spielst, dient als Resonanzkörper.

Der Raum selbst ist auf bestimmte Frequenzen gestimmt. Das hörst du besonders in gekachelten Badezimmer. Auch bei Kirchen mit einer guten Akustik.
Wir haben es gelernt, das wir unsere Stimme auf die günstigen Frequenzen eines Raumes abstimmen. Die Resonanzen des Raumes wirken wie ein natürlicher Verstärker.

Wenn jetzt unsere Stimme sich bei einem Ton G gut anhört, so kannst du davon ausgehen, dass sich auch die Obertöne des Tones G ( G A H D F) vom Raum verstärkt werden.

Vergleiche die Obertöne von C zwischen dem 8. und 16. Ton. Die habe ich nur nach G Transponiert. 11 13 und 14 habe ich wegen dem komplizierten Schwingungsverhältnis ausgeblendet (11/8; 13/8; 14/8); Je einfacher das Schwingungsverhältnis ist, desto deutlicher tritt der Oberton hervor. Noch tiefer darauf einzugehen, würde den Rahmen dieses Postes sprengen.

Ob sich ein Ton gut anhört, das ermitteln wir selbst durch Versuch und Irrtum.
Wir richten unsere Stimme intuitiv auf die Frequenzen ein, die von einem Raum gut verstärkt werden.

Nehmen wir mal an, dass der Ton G mit seinen Obertönen gut verstärkt wird. Also verwenden wir diesen Ton, und seine Obertöne. Es könnte aber wohlmöglich sein, dass wir nicht den Grundton des Raumes erwischt haben, sondern die Quinte des Raumes.

Also versuche ich einfach mal eine Quinte tiefer den Grundton zu erwischen. Ich versoche ob auch der Ton C mit seinen Obertönen C D E G Bb gut funktioniert.

Genau das ist der Quintabstand, auf den unser Ohr bzw. unsere Hörerwartungen geeicht sind.
Der Sprung in die Quinte und zurück hat sich einfach bewährt, um damit zu spielen.

Wenn du nun noch den nächsten Oberton von G ausprobierst (D mit den Obertönen D E F# A C) dann hast du fast eine Tonleiter beisammen.

C = C D E G Bb
G = G A H D F
D = D E F# A C
Sortiert man alle Töne:
G A (Bb) H C D E (F) F# G
Dann hast du die G-Dur-Tonleiter mit noch zwei Zusatztönen.
Der Rest ist dann Konventionen und kulturelle Vorlieben.

C D E G sind Obertöne von C-Dur, die sich auch hintereinander gesungen gut miteinander vertragen. Der Ton Bb reibt sich mit einigen der anderen Töne. Also schmeißen wir den einfach raus.
Jetzt nimmt man einfach noch das A mit hinzu (das ist von D die Quinte bzw. von E die Quarte mit hinzu, deren Schwingungsverhältnisse sich gut miteinander vertragen, dann hat man alle Töne einer Pentatonik.

Die Pentatonik war eine der ersten Tonleitern, die sich extrem gut zum Singen eignet.

Wenn du den Ton G zugrunde legst, und von dem die Unterquinte C und die Oberquinte D mit hinzu nimmst, und über jeden dieser 3 Haupttöne die Pentatonik bildest, dann hast du deine G-Dur-Tonleiter

Das ist jetzt nicht alles hochwissenschaftlich abgesichert, aber es sollte dir mal eine ungefähre Vorstellung von der Materie geben.

Gruß Mjchael

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ole127
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Erstellt: von ole127 » 27.03.2011, 11:36

Sehr schön,Mjchael. ;)
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derDachs
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Re: Bezug Dominante --> Tonika; Subdominante --> Domin

Erstellt: von derDachs » 27.03.2011, 12:44

Volare hat geschrieben:Mich würd mal interessieren warum wir nach einer Subdominante die Dominante erwarten und warum wir nach der Dominante die Tonika hören wollen. Denn ich weiß dass es so ist, aber mich würden die Hintergründe interessieren. Kann mir da jemand etwas zu sagen?



Die Erwartungshaltungen liegen eher an Hörgewohnheiten.
Nach der Subdominante die Dominante zu erwarten ist absolut nur Hörgewohnheit.


Die Folge: C F G7 C basiert auf folgendem.

C ist Dominatne von F
G7 ist Dominante von C

Das Erwarten von C nach dem G7 liegt wie schon gesagt wurde daran, dass ein Dominantsept akkord dissonate Spannung erzeugt, welche wir in einen Wohlklang aufgelöst haben möchten.
Da G7 nun den Leiton B enthält der von unten zum Grundton C ansteigt und den Gleitton F der abfällt in die Terz also in das E des C-Durakkordes erwarten wir eben genau diese, oder aber Am(Trugschluss).

F heist Subdominante(Alternative Dominante) wenn man von F nach C auflöst, da hier nicht der Leitton B aber der Gleitton F enthalten ist. Also ist auch Dm subdominante oder eben ein Akkord der F aber nicht B enthält.

Die Erwartungen liegen aber meist tatsächlich an den Hörgewohnheiten weshalb Menschen mit schlechten oder nicht ausgeprägten Hörgewohnheiten, meist zur Langeweile oder zu vorhersehbaren Akkordwechseln neigen.

mfG derDachs

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