Die 5 Haupt-Dur- und Moll-Tonleitern auf Gitarre (Workshop)

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mjchael
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Die 5 Haupt-Dur- und Moll-Tonleitern auf Gitarre (Workshop)

Erstellt: von mjchael » 07.01.2010, 04:27

Für all diejenigen, die sich einmal näher mit der Dur- und der Molltonleiter bzw. mit den Improvisationsskalen befassen wollen, ist dieser Workshop gedacht.

Es geht hier um das einfache Improvisieren über Lieder die in einer Tonart bleiben.
Hier geht es nicht um eine Improvisation mit der Pentatonik. Dieses Thema wird wenn überhaupt nur am Rande gestreift.

Hier geht es auch nicht um eine Improvisation im Blues, bzw. das Improvisieren mit einer Blues-Skala.

Ebenfalls gehe ich hier allenfalls mal am Rande auf Kirchentonarten ein, auch wenn dieser Workshop grundlegend für das Thema ist.

Sollte dich eines der genannten Themen interessieren, dann suche mal nach, ob wir hier schon einen Workshop oder zumindest mal ein paar Tipps im Forum haben.

Viele Lieder, über die man improvisieren kann bleiben brav in einer Tonart. Und um sich überhaupt mit dem Thema Improvisieren zu beschäftigen lohnt es sich einmal nur mit dem Thema Dur-Tonleitern zu beschäftigen. Ob man die Pentatonik und die Bluestonleiter schon kennt, oder ob man sie irgendwann mal später lernt ist dabei eigentlich unwichtig. Das Thema Dur-Tonleitern und die davon abgeleiteten Molltonleitern sind jedenfalls ein sehr wichtiges Kapitel in Sachen Improvisation.

Du solltest alle Grundakkorde kennen, die dir im Lagerfeuerdiplomund Folkdiplomvermittelt werden. und dich auch mit den Barré-Akkorden (siehe Rockdiplom)auskennen, und schon mal ein paar Lieder in eine andere Tonart transponiert haben. Darüber hinaus ist es auch nicht schlecht, wenn du dich ein wenig mit erweiterten Akkorden (maj7, sus4, add9) und Intervallen auskennst (siehe Balladendiplom). Zumindest solltest du in der nächsten Zeit die Wissenslücken schließen.

Wenn du von all den Sachen noch keine Ahnung von den oben genannten Grundlagen hast, also noch gar keine Lieder begleiten kannst, dann macht es eigentlich wenig Sinn, sich mit der Improvisation zu beschäftigen. Vieles bleibt dir einfach unverständlich, was jedem, der schon ein kleines Repertoire an Liedern hat, einfach selbstverständlich ist.
Auch wenn ich hier fast bei 0 anfange hört sich alles ziemlich theoretisch an, wenn du keine Vorstellung davon hast, wie man es bei einfachen Liedern einsetzen könnte.

Schau dir ruhig vorher mal mal den ersten Teil der Skalentypen auf den Wikibooks an.

Aber fangen wir nacheinander an.

Alle folgenden Lektionen sind zum Lernen gedacht,
nicht zum einfach mal drüberlesen. Sie enthalten auch einige recht trockene Übungen, um die man leider nicht drum herum kommt. Etwas später versuche ich Anwendungsbeispiele für die Skalen zu finden, wo du das gelernte einfach mal ausprobieren kannst. Aber bei den Lektionen hier geht es hauptsächlich darum, die 5 Hauptskalen in die Finger zu bekommen.

Versuche jede einzelne Lektion zu verstehen, bevor du dich an die nächste Lektion begibst.

Sollte ich etwas unverständlich ausgedrückt haben, frage einfach nach, damit ich es verbessern kann.

Lektion 1
Lerne mal den folgenden ersten Fingersatz

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|-Z-|-M-|---|-K-|---|
|-Z-|-M-|---|-K-|---|


Übe diesen auf allen Saitenlagen

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E -|---|---|---|---|---|
H -|---|---|---|---|---|
G -|---|---|---|---|---|
D -|---|---|---|---|---|
A -|-Z-|-M-|---|-K-|---|
E -|-Z-|-M-|---|-K-|---|


Code: Alles auswählen

E -|---|---|---|---|---|
H -|---|---|---|---|---|
G -|---|---|---|---|---|
D -|-Z-|-M-|---|-K-|---|
A -|-Z-|-M-|---|-K-|---|
E -|---|---|---|---|---|


Code: Alles auswählen

E -|---|---|---|---|---|
H -|---|---|---|---|---|
G -|-Z-|-M-|---|-K-|---|
D -|-Z-|-M-|---|-K-|---|
A -|---|---|---|---|---|
E -|---|---|---|---|---|


Achtung!
Beim Übergang zwischen der G- und der H-Saite muss der untere Teil des Fingersatz um einen Bund nach rechts verschoben werden. (Warum? Später!)

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E |---|---|---|---|---|
H |---|-Z-|-M-|---|-K-|
G |-Z-|-M-|---|-K-|---|
D |---|---|---|---|---|
A |---|---|---|---|---|
E |---|---|---|---|---|


Zwischen der H- und E-Saite ist wieder alles normal

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E |---|-Z-|-M-|---|-K-|
H |---|-Z-|-M-|---|-K-|
G |---|---|---|---|---|
D |---|---|---|---|---|
A |---|---|---|---|---|
E |---|---|---|---|---|


Auf welchem Bund du mit der Übung anfängst ist vollkommen dir überlassen. Übe vielleicht zuerst in einer höheren Lage (ab dem 5. Bund), wo der Abstand der Finger möglichst bequem ist. Später kannst du dann in tiefere Lagen (1-5) üben, wo du die Finger etwas mehr spreizen musst.

Wandere die einzelnen Töne rauf und runter.
Beispielsweise:

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|---------4-5-7-5-|-4------------------|
|-5-4-5-7---------|---7-5-4-5-7-5-4----|

Dann kannst du etwas mit den Intervallen herumspielen. (z.B. jeden 2. Ton überspringen...)

Aber beachte, dass du den ersten Fingersatz immer nur über 2 Saiten übst. Nicht mehr! Erst beim zweiten Durchgang kommt das nächste Saitenpaar dran, und dann das übernächste. Aber sei dir jedesmal bewusst, dass der erste Fingersatz jeweils nur über zwei Saiten geht.

Lektion 2

Nach dem ersten Fingersatz übst du den 2. Fingersatz

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|-Z-|---|-R-|-K-|---|
|-Z-|---|-R-|-K-|---|


Übe auch diesen auf allen Saitenlagen

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E -|---|---|---|---|---|
H -|---|---|---|---|---|
G -|---|---|---|---|---|
D -|---|---|---|---|---|
A -|-Z-|---|-R-|-K-|---|
E -|-Z-|---|-R-|-K-|---|


Code: Alles auswählen

E -|---|---|---|---|---|
H -|---|---|---|---|---|
G -|---|---|---|---|---|
D -|-Z-|---|-R-|-K-|---|
A -|-Z-|---|-R-|-K-|---|
E -|---|---|---|---|---|


Code: Alles auswählen

E -|---|---|---|---|---|
H -|---|---|---|---|---|
G -|-Z-|---|-R-|-K-|---|
D -|-Z-|---|-R-|-K-|---|
A -|---|---|---|---|---|
E -|---|---|---|---|---|


Achtung! Auch beim 2. Fingersatz muss zwischen der G- und der H-Saite der untere Fingersatz um einen Bund nach rechts verschoben werden

Code: Alles auswählen

E |---|---|---|---|---|
H |---|-Z-|---|-R-|-K-|
G |-Z-|---|-R-|-K-|---|
D |---|---|---|---|---|
A |---|---|---|---|---|
E |---|---|---|---|---|


Zwischen der H- und E-Saite ist auch hier wieder alles normal

Code: Alles auswählen

E |---|-Z-|---|-R-|-K-|
H |---|-Z-|---|-R-|-K-|
G |---|---|---|---|---|
D |---|---|---|---|---|
A |---|---|---|---|---|
E |---|---|---|---|---|



Auch hier gilt wieder nur zwei Saitenpaare zu üben!

Lektion 3

Achte bei den Fingersätzen mal auf das kleine Karré. Das sind die kleinen Sekunden, bzw. die Töne, die direkt nebeneinander liegen, ohne dass noch ein leerer Bund dazwischen ist.


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|-Z-|-M-|
|-Z-|-M-|

oder

|-R-|-K-|
|-R-|-K-|


In diesem Karré ist der Grundton der Dur-Tonleiter versteckt. Du findest den immer von dir als Gitarrist aus gesehen oben rechts. (In der Tabulatur, die ja auf dem Kopf steht ist sie unten rechts)

Code: Alles auswählen

|-Z-|-M-|
|-Z-|<1>|

oder

|-R-|-K-|
|-R-|<1>|


Mit Hilfe des Grundtons kannst du leicht die anderen Intervalle in den beiden Fingersätzen bestimmen.

Code: Alles auswählen

|-3-|-4-|---|-5-|---|
|-7-|<1>|---|-2-|---|


Code: Alles auswählen

|-2-|---|-3-|-4-|---|
|-6-|---|-7-|<1>|---|


Die Nummern der Intervalle erhält man ganz einfach, indem man die Töne einer Dur-Tonleiter durchnummeriert.

C-Dur-Tonleiter

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C D E F G A H C
1 2 3 4 5 6 7 1


D-Dur-Tonleiter

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D E F# G A H C# D
1 2 3  4 5 6 7  1


E-Dur-Tonleiter

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E F# G# A H C# D# E
1 2  3  4 5 6  7  1


Anstelle jede Tonleiter einzeln mit Notennamen aufzuschreiben, ist es einfacher, die Intervalle 1-7 für alle Dur-Tonleitern zu verwenden.

Je nach Dur-Tonleiter kann

Code: Alles auswählen

|-3-|-4-|---|-5-|---|
|-7-|<1>|---|-2-|---|

für die C-Dur-Tonleiter stehen

Code: Alles auswählen

|-E-|-F-|---|-G-|---|
|-H-|<C>|---|-D-|---|

oder für die G-Dur-Tonleiter stehen

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|-H-|-C-|---|-D-|---|
|-F#|<G>|---|-A-|---|

oder jede andere Tonleiter.

Die <1> steht immer für den Grundton der entsprechenden Tonleiter. Welche Töne dieses tatsächlich sind müsste man also im einzelnen abzählen. In der Praxis (wenn es nur ums Spielen geht) muss man sich aber nicht um jeden einzelnen Ton kümmern. Es reicht wenn man die Grundtöne bestimmen kann.

Bei Liedern, die in einer Dur-Tonleiter stehen, musst du dafür sorgen, dass die <1> auf dem Grundton sitzt. Dannach kannst du mit der Skala, die wir hier erarbeiten über das ganze Lied improvisieren.

Beispiel:
Ein Lied ist in G-Dur. Ich suche mir den Grundton von G-Dur, und setze da hin die >1>
G $6 3

Das wäre ein G, Vom G-Dur-Akkord abgeleitet. von dem aus du deine Skala aufbauen könntest.
C $5 3

Das wäre ein C vom C-Dur-Akkord abgeleitet, von dem aus du deine Skala aufbauen könntest.
Was die Grundtöne der einzelnen Akkorde angeht, das wurde im Lagerfeuer- und besonders im nachfolgenden Folkdiplom ausführlich beschrieben. (Siehe Signatur unten).
Mit der Skala könnt ihr dann über das ganze Lied improvisieren, egal, was für Akkorde sonst noch da vorkommen.
Aber wohl gemerkt, ich gehe von einfachen Liedern aus, die nur in einer Tonart bleiben (die meisten Schlager, Pop-Songs, viele Rock-Songs bleiben in nur einer Tonart.. Kein Blues, kein Jazz, kein Tonartenwechsel oder sonst was verrücktes. Wenn man die Skala übt, muss man sich das Leben nicht unnötig schwer machen.

Backingtracks als Midi in den Tonarten C und G findet ihr im entsprechenden Beitrag
Diese könnt ihr für den ganzen Workshop nutzen. Ihr müsst nur abzählen, wo auf dem Griffbrett ein C oder ein G ist, und da eure <1> positionieren.

Weiter im Text:
Wenn zwei Töne jeweils zwei Bünde auseinander sind, dann nennt man das einen Ganztonschritt.

Code: Alles auswählen

-|-O-|---|-O-|-

Das Intervall dieser beiden Töne ist eine große Sekunde. Der Bund dazwischen wird übersprungen, und wird üblicherweise im ganzen Stück nicht gespielt. (Es gibt natürlich Ausnahmen, sogar recht viele Ausnahmen, aber die grobe Verallgemeinerung soll für's erste mal reichen). Die übersprungenen Bünde können auch mit den schwarzen Tasten auf dem Klavier verglichen werden, die bei bestimmten Tonarten (C-Dur und natürliches A-Moll) auch ausgelassen bzw. übersprungen werden müssen.

Bild

Wenn zwei Töne von keinem weiteren Bund getrennt sind, also wenn sie gleich nebeneinander liegen, dann ist das ein Halbtonschritt.

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-|---|-O-|-O-|---|-

Der Intervall dieser beiden Töne nennt man eine kleine Sekunde. Wenn ihr oben in dem Bild noch einmal nachschaut, dann seht ihr, dass zwischen den Tönen H und C sowie zwischen den Tönen E und F keine schwarze Taste vorhanden ist. (Beachte: das englische "B" ist ein deutsches "H")

Nach dem, was wir eben von den kleinen Sekunden gelernt haben, dann muss ja bei einem der kleinen Sekunden (H-C oder E-F) der Grundton vorhanden sein. Und da wir uns hier bei dem Beispiel mit der C-Dur-Tonleiter beschäftigen, wundern wir uns nicht, dass wir den Grundton C bei den kleinen Sekunden (H-C) auf der rechten Seite finden. Genau dem entspricht das "Karré", auf dass ich euch so eindringlich aufmerksam gemacht haben.
-|-7-|<1>|- entspricht also in etwa -|-H-|<C>|-

Da wir keine "schwarze Tasten" haben, die sich auf dem Klavier so vornehm zurückziehen, müssen wir eben mehr auf die kleinen Sekunden achten, um eine Orientierung zu erhalten.

Da die kleinen Sekunden auf der Gitarre so schön untereinander sind (na ja, bis auf die Ausnahme zwischen der G- und der H-Saite), bildet sich für uns ein kleines Rechteck, an dem man sich sehr gut orientieren kann.

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|-3-|-4-|
|-7-|<1>|


Und mit den Halbtonschritten der C-Dur-Tonleiter, die ihr hoffentlich schon kennt:

Code: Alles auswählen

|-E-|-F-|
|-H-|<C>|


Lektion 4

Auf der Gitarre ist der erste Fingersatz immer über dem zweiten Fingersatz.

F-Typ (wie es zu dem Namen kommt, das erkläre ich später)

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E -|---|---|---|---|---|
H -|---|---|---|---|---|
G -|-2-|---|-3-|-4-|---| \ Zweiter
D -|-6-|---|-7-|<1>|---| / Fingersatz
A -|-3-|-4-|---|-5-|---| \ Erster
E -|-7-|<1>|---|-2-|---| / Fingersatz


Alleine die Vorübung lohnt sich schon, und du kannst schon einmal anfangen,
den ersten Teil von Asturias zu spielen,
was sich auf E-Gitarre schon verdammt gut anhört. (Auch wenn es eigentlich ein Klassikstück ist). Ok, man bekommt nicht das ganze Stück hin, aber auch der erste Teil, und noch ein zwei Teile in der Mitte können schon bewältigt werden,
und machen selbst in der extrem verkürzen Version etwas her.

Leider habe ich nicht für jede Skala ein passendes Übungsbeispiel parat, sondern ich muss euch die Übungen daher recht trocken vermitteln, aber ich hoffe ihr habt selbst schon eine wage Vorstellung davon, warum es sich lohnt, die Skalen mal im ganzen Zusammenhang zu lernen.


Bb-Typ

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E -|---|---|---|---|---|
H -|---|-2-|---|-3-|-4-| \ Zweiter
G -|-6-|---|-7-|<1>|---| / Fingersatz
D -|-3-|-4-|---|-5-|---| \ Erster
A -|-7-|<1>|---|-2-|---| / Fingersatz
E -|---|---|---|---|---|

Wie ihr seht, sind die beiden Fingersätze nur um eine Saitenlage nach unten versetzt. Der untere ist fast identisch mit dem oberen, bis auf den G- und H-Saiten-Übergang, wo die untere Hälfte des zweiten Fingersatzes um einen Bund nach rechts rutschen muss.

Wenn du aber die Übungen von Lektion 1 und 2 gemacht hast, dann ist es nur eine Frage der Konzentration. Der Lagewechsel zwischen der G- und H-Saite musst du bei allen Skalen, die noch folgen, immer mit einrechnen.

D-Typ

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E -|---|-2-|---|-3-|-4-| \ Zweiter
H -|---|-6-|---|-7-|<1>| / Fingersatz
G -|-3-|-4-|---|-5-|---| \ Erster
D -|-7-|<1>|---|-2-|---| / Fingersatz
A -|---|---|---|---|---|
E -|---|---|---|---|---|

Wieder alles eine Saitenlage tiefer, und jetzt ist auch die obere Hälfte des zweiten Fingersatzes um eine Saitenlage nach rechts verrutscht. Der 1. und der 2. Fingersatz sehen beide komplett aus. Sie sind aber durch den Lagewechsel nicht mehr genau untereinander, sondern um einen Bund versetzt.

G-Typ

Code: Alles auswählen

G -|---|-6-|---|-7-|<1>| / 2.Fingersatz
D -|---|-3-|-4-|---|-5-| \ Erster
A -|-7-|<1>|---|-2-|---| / Fingersatz
D -|---|---|---|---|---|
A -|---|---|---|---|---|
E -|---|---|---|---|---|

Alles noch eine Saitenlage tiefer, wieder mit dem G- H-Saiten-Übergang. Vom 2. Fingersatz ist nur die obere Hälfte zu sehen, da nach der unteren E-Saite ja keine weitere Saite mehr folgt.

Versucht beim Üben einmal die Tonleiter zu spielen. Von <1> nach <1> vorwärts und rückwärts. Am Anfang und am Ende hängst du die übrigen Töne vor und nach der <1> als Anhängsel dran.

Es kommt im Augenblick noch nicht darauf an, dass ihr eine ganz bestimmte Tonart zu einem ganz bestimmten Lied trefft. Also ist es egal in welchem Bund ihr anfängt. Wie man eine ganz bestimmte Tonart daraus ableitet kommt später dran.
Zuletzt geändert von mjchael am 19.12.2012, 14:16, insgesamt 15-mal geändert.

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Erstellt: von mjchael » 07.01.2010, 05:08

Mit dieser Übung solltest du ein zwei Tage zu tun haben.

Wiederholung
Beachte, dass du bis jetzt nur 7 Sachen lernen musstest

  1. den 1. Fingersatz
  2. den 2. Fingersatz
  3. wo beim 1. und 2. Fingersatz das Karré ist
  4. dass der erste Fingersatz immer über dem zweiten Fingersatz ist
  5. wo bei dem Karré die <1> ist
  6. wie man Intervalle durchnummeriert
  7. dass es zwischen der G- und H-Saite immer zu einem Lagenwechsel kommt. (der untere Teil wird um einen Bund nach rechts verschoben)

Lektion 5

Jetzt musst du noch einen dritten Fingersatz lernen.

Achte hier besonders auf den Fingersatz!
Bild
Intervalle
Bild


Übe den Fingersatz in der obersten Saitenlage und eine Saitenlage tiefer!

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E -|---|---|---|---|---|
H -|---|---|---|---|---|
G -|---|---|---|---|---|
D -|-7-|<1>|---|-2-|---|
A -|---|-5-|---|(6)|---|
E -|---|-2-|---|-3-|-4-|

E -|---|---|---|---|---|
H -|---|---|---|---|---|
G -|-7-|<1>|---|-2-|---|
D -|---|-5-|---|(6)|---|
A -|---|-2-|---|-3-|-4-|
E -|---|---|---|---|---|

Es kommt beim 3. Fingersatz immer zu einem Lagewechsel nach links. Rutscht man mit dem 3. Fingersatz jetzt eine Saitenlage tiefer, dann müssen wir wieder den Lagewechsel zwischen der G- und H-Saite einberechnen.

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E -|---|---|---|---|---|
H -|---|-7-|<1>|---|-2-|
G -|---|-5-|---|(6)|---|
D -|---|-2-|---|-3-|-4-|
A -|---|---|---|---|---|
E -|---|---|---|---|---|

Wenn der 3. Fingersatz bei der D-Saite beginnt, dann hebt sich der Lagewechsel der normalerweise beim 3. Fingersatz wäre mit dem Lagewechsel zwischen der G- und H-Saite auf. Insgesamt vereinfacht sich dadurch der Fingersatz.

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E -|---|---|---|---|---|
H -|---|-Z-|<M>|---|-K-|
G -|---|-Z-|---|(R)|---|
D -|---|-Z-|---|-R-|-K-|
A -|---|---|---|---|---|
E -|---|---|---|---|---|

Noch eine Saitenlage tiefer

Code: Alles auswählen

E -|---|-Z-|<M>|---|-K-|
H -|---|---|-M-|---|(K)|
G -|---|-Z-|---|-R-|-K-|
D -|---|---|---|---|---|
A -|---|---|---|---|---|
E -|---|---|---|---|---|

Auch hier hebt der Lagewechsel zwischen der G- und H-Saite den Lagewechsel des 3. Fingersatzes wieder auf.

Die Sache mit dem Lagewechsel beim 3. Fingersatz und dem Lagewechsel zwischen der G- und H-Saite muss man immer berücksichtigen. Das mag sich beim ersten Durchlesen etwas kompliziert anhören, aber es reduziert den ganzen Aufbau der Dur-Tonleitern auf 4 Bausteine. Den 1. bis 3. Fingersatz und der Lagewechsel zwischen der G- und H-Saite. Das ist dann aber auch alles, was man rein vom formalen Aufbau beachten muss.

Lektion 5
Schau dir beim dritten Fingersatz mal die den oberen Teil an!

Code: Alles auswählen

-|---|-Z-|---|-R-|-K-|-

Das ist doch die untere Hälfte des zweiten Fingersatzes!

Und der untere Teil des dritten Fingersatzes

Code: Alles auswählen

-|-Z-|-M-|---|-K-|---|-

das ist doch der obere Teil des ersten Fingersatzes!

Der 3. Fintersatz verbindet den unteren Teil des zweiten Fingersatz mit dem oberen Teil des ersten Fingersatz

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|-3-|-4-|---|-5-|---| \ Erster
|-7-|<1>|---|-2-|---| / Fingersatz
|---|-5-|---|(6)|---|
|---|-2-|---|-3-|-4-| \ Zweiter
|---|(6)|---|-7-|<1>| / Fingersatz


Damit hast du ein geschlossenes System, dass sich durch alle Lagen hindurch zieht.

Lektion 6
Würde man das System weiter durch spinnen, dann würde man folgendes erhalten:

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|-2-|---|-3-|-4-| \zweiter   
|(6)|---|-7-|<1>| /Fingersatz
|-3-|-4-|---|-5-|     \erster
|-7-|<1>|---|-2-|---| /Fingersatz  \ dritter
|---|-5-|---|(6)|---|               >Finger-
|---|-2-|---|-3-|-4-| \zweiter     / Satz
    |(6)|---|-7-|<1>| /Fingersatz
    |-3-|-4-|---|-5-|     \erster
    |-7-|<1>|---|-2-|     /Fingersatz  \ dritter
    |---|-5-|---|(6)|---|               >Finger-
    |---|-2-|---|-3-|-4-| \zweiter     / Satz
        |(6)|---|-7-|<1>| /Fingersatz


(p.s.: solltest du den Workshop mit einem Handy betrachten, musst du diesen ggf. quer halten, damit die Tabulaturen richtig angezeigt werden)

Natürlich gibt es keine 12-saitige Gitarre, bei der jede Saite nach Quarten gestimmt sind, aber dieses ist eine gute Übung, die du mal mit Hilfe eines Rechenpapiers und einem Bleistift nachvollziehen solltest. Im Prinzip findest du hier alle Dur-Skalen der Gitarre wieder (wenn du dir nur 6 Nachbarsaiten herauspickst).

Es gibt halt nur den Haken mit dem Übergang der G- und H-Saite.

Der Grund für den Lagewechsel, den man jedes mal beachten muss, liegt an der Stimmung der Gitarre. Du weißt sicher noch, dass alle Saiten im 5. Bund gestimmt werden. (vgl. Stimmen mit Bünden). Sie sind also in Quartabständen gestimmt. (Quarte = Abstand von 4 Tönen einer Tonleiter) Außer eben zwischen der G- und H-Saite; dort sind sie nämlich in einem gr. Terzabstand (Terz = Abstand von 3 Tönen einer Tonleiter) gestimmt (4. statt 5. Bund), was zur Folge hat, dass das obere Schema immer zwischen der G- und H-Saite sich um einen Bund nach rechts verschiebt.

Lektion 7

Mit dem 3. Fingersatz besitzt du 3 Module (Fingersätze)
die immer in einer bestimmten Reihenfolge aufeinander folgen.
1. Fingersatz ist über dem 2. Fingersatz
und
der 3. Fingersatz verbindet das untere Ende des 2. Fingersatz mit dem oberen Ende des ersten Fingersatz.

Das ist erst mal alles was du für die 5 Hautskalen wissen musst. 3 Fingersätze, die immer in einer bestimmten Reihenfolge aufeinandertreffen.

Das einzige was es jetzt noch zu bedenken gibt, das ist der Übergang zwischen der G- und H-Saite wo sich immer alles um einen Bund nach rechts verschieben.

Du lernst die Reihenfolge von 3 Modulen und beachtest den Übergang zwischen der G- und der H-Saite.

Damit erarbeitest du dir nun einen Skalentyp nach dem andern. Du wirst sehen, du hast bald die 5 Haupt-Typen drin.

Und bevor ihr mich mit Fragen überschüttet: Es gibt neben den 5 Haupt-Typen noch ein paar Nebentypen. Die heben wir uns aber für später auf.

Also zuerst die 5 Haupt-Typen

ps.:
(Vergiss nicht den 3. Fingersatz zu üben)
Gruß Mjchael
Zuletzt geändert von mjchael am 09.01.2010, 05:35, insgesamt 1-mal geändert.

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Erstellt: von mjchael » 07.01.2010, 05:47

Lektion 8

Der D-Dur-Skalentyp

Um den 3. Fingersatz noch einmal zu üben beginnen wir gleich mal mit dem in der obersten Saitenlage:

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E -|---|---|---|---|---|
H -|---|---|---|---|---|
G -|---|---|---|---|---|
D -|-7-|<1>|---|-2-|---| \
A -|---|-5-|---|(6)|---|   > 3. Fingersatz
E -|---|-2-|---|-3-|-4-| / 


Du siehst dass bei der D-Saite die kleine Sekunde auf der linken Saite ist.

Code: Alles auswählen

D -|-7-|<1>|---|---|---|

Also ist das gleichzeitig die obere Hälfte des ersten Fingersatzes.

Code: Alles auswählen

E -|---|---|---|---|---|
H -|---|---|---|---|---|
G -|-3-|-4-|---|-5-|---| \ erster
D -|-7-|<1>|---|-2-|---| / Fingersatz
A -|---|-5-|---|(6)|---|
E -|---|-2-|---|-3-|-4-|


unter dem ersten Fingersatz kommt der 2. Fingersatz. Durch den G- H-Saiten-Übergang muss er um einen Bund nach rechts verschoben werden.

Code: Alles auswählen

E -|---|-2-|---|-3-|-4-| \ zweiter
H -|---|-6-|---|-7-|<1>| / Fingersatz
G -|-3-|-4-|---|-5-|---|
D -|-7-|<1>|---|-2-|---|
A -|---|-5-|---|(6)|---|
E -|---|-2-|---|-3-|-4-|


Wie du siehst, es handelt sich hier um die drei Module, die du vorher gelernt hast. Man muss nur wissen, wie man diese drei Module in der richtigen Reihenfolge untereinander setzt.

Lektion 9

Wie kommt es zu der Bezeichnung D-Typ?
Bild


Schau dir mal an wo die Grundtöne (<1>) liegen!
Bild


Jetzt gehe mal alle einfachen Dur-Akkorde durch, und überlege dir, welche Akkorde ihren Grundton sowohl auf der D-Saite als auch auf der H-Saite haben!

Es gibt bloß einen Dur-Akkord der passt. (Achte auf die beiden schwarzen Punkte)

Bild


Für die Typisierung (Benennung) dieser ersten Hauptskala richtet man sich also nach der Lage der Grundtöne. Das wird dir im laufe der nächsten Fingersätze noch deutlicher werden.

Das wäre der erste von 5 Skalentypen.
Wann man diesen wo einsetzt, das hebe ich mir für etwas später auf.
Heute soll es nur mal darum gehen, die drei Fingersätze untereinander zu üben. Damit hat man erst einmal genug zu tun.

Spiele die Skala vom D-Typ rauf und runter, bis du es ganz fließend kannst. Denke immer an den Lagenwechsel zwischen der G- und der H-Saite.

Es kommt jetzt bei den Übungen gar nicht darauf an, dass du irgendeine Melodie hinbekommst. Vielleicht kannst du besonders auf die Grundtöne <1> achten. Um mehr brauchst du dich vorerst mal nicht zu kümmern.

Es geht nur darum, dass du die Skala irgendwie in die Finger bekommst. Wenn du es schaffst eine einfache Melodie zu spielen (wie alle meine Entchen): "Schön, aber im Moment noch nicht unbedingt notwendig".

Es geht vorläufig echt nur um die reine Technik. Bis man daraus ein mördergeiles Solo hinlegen kann, wird es noch einiges an Übung brauchen. Aber es wäre falscher Ehrgeiz, dieses jetzt bei den ersten Übungen von sich abzuverlangen. Am Anfang geht es echt nur um "Trockenübungen".


Du willst die Skala jetzt bei einer bestimmten Dur-Tonleiter anwenden. Du musst nur dafür sorgen, dass die 1 der Skala auf dem Grundton der Dur-Tonleiter liegt.

Beispiel: Du willst über einem Lied in G-Dur imprivisieren.
Nimm dir Beispielsweise "Amerrican Pie", das ist lang genug oder "Fahter and Son" oder "When you Say nothin at all" oder welches Lied auch immer du in G-Dur findest.

ich sehe, das der Grundton (also die <1>) auf der D-Saite ist. Daher suche ich den Ton G als Startton der G-Dur-Tonleiter auf meiner D-Saite.

Code: Alles auswählen

E ||---|---|---|---|---|---|---|---|-
H ||---|---|---|---|---|---|---|---|-
G ||---|---|---|---|---|---|---|---|-
D ||-D#|-E-|-F-|-F#|<G>|---|---|---|-
A ||---|---|---|---|---|---|---|---|-
E ||---|---|---|---|---|---|---|---|-


Jetzt habe ich mit dem <G> auch gleichzeitig meine <1>.
Die Profis wissen, dass im 5. Bund auf der D-Saite ja der Ton G sein muss, denn mit dem vergleicht man beim Stimmen ja auch die G-Saite.

Code: Alles auswählen

E ||---|---|---|---|---|---|---|---|-
H ||---|---|---|---|---|---|---|---|-
G ||---|---|---|---|---|---|---|---|-
D ||---|---|---|---|<1>|---|---|---|-
A ||---|---|---|---|---|---|---|---|-
E ||---|---|---|---|---|---|---|---|-


das Karre darum bauen

Code: Alles auswählen

E ||---|---|---|---|---|---|---|---|-
H ||---|---|---|---|---|---|---|---|-
G ||---|---|---|-3-|-4-|---|---|---|-
D ||---|---|---|-7-|<1>|---|---|---|-
A ||---|---|---|---|---|---|---|---|-
E ||---|---|---|---|---|---|---|---|-


erster Fingersatz auffüllen

Code: Alles auswählen

E ||---|---|---|---|---|---|---|---|-
H ||---|---|---|---|---|---|---|---|-
G ||---|---|---|-3-|-4-|---|-5-|---|-
D ||---|---|---|-7-|<1>|---|-2-|---|-
A ||---|---|---|---|---|---|---|---|-
E ||---|---|---|---|---|---|---|---|-


zweiter Fingersatz darunter, aber um eine Lage nach rechts verrutscht

Code: Alles auswählen

E ||---|---|---|---|-2-|---|-3-|-4-|-
H ||---|---|---|---|-6-|---|-7-|<1>|-
G ||---|---|---|-3-|-4-|---|-5-|---|-
D ||---|---|---|-7-|<1>|---|-2-|---|-
A ||---|---|---|---|---|---|---|---|-
E ||---|---|---|---|---|---|---|---|-


und nach oben hin den dritten Fingersatz auffüllen
zweiter Fingersatz darunter, aber um eine Lage nach rechts verrutscht

Code: Alles auswählen

E ||---|---|---|---|-2-|---|-3-|-4-|-
H ||---|---|---|---|-6-|---|-7-|<1>|-
G ||---|---|---|-3-|-4-|---|-5-|---|-
D ||---|---|---|-7-|<1>|---|-2-|---|-
A ||---|---|---|---|-5-|---|-6-|---|-
E ||---|---|---|---|-2-|---|-3-|-4-|-


Andere mögen vielleicht den G/D als Akkord spielen, und von dem die <1> ableiten. Mit einem Akkord, der schon so aussieht wie ein D-Dur ist es vielleicht leichter sich der Skala der D-Dur-Form zu nähern.

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E ||---|---|---|---|---|---|-3-|---|-
H ||---|---|---|---|---|---|---|<1>|-
G ||---|---|---|---|---|---|-5-|---|-
D ||---|---|---|---|---|---|---|---|-
x ||---|---|---|---|---|---|---|---|-
x ||---|---|---|---|---|---|---|---|-



Viel Spaß beim Üben.
Gruß Mjchael
Zuletzt geändert von mjchael am 20.11.2011, 10:43, insgesamt 5-mal geändert.

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Erstellt: von mjchael » 09.01.2010, 06:13

Lektion 10
Verschieben wir mal den Fingersatz vom D-Dur-Typ um eine Saitenlage nach unten

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E -|---|-2-|---|-3-|-4-|
H -|---|-6-|---|-7-|<1>|      E -|---|-6-|---|-7-|<1>|
G -|-3-|-4-|---|-5-|---|      H -|---|-3-|-4-|---|-5-|
D -|-7-|<1>|---|-2-|---|      G -|-7-|<1>|---|-2-|---|
A -|---|-5-|---|(6)|---|      D -|---|-5-|---|(6)|---|
E -|---|-2-|---|-3-|-4-|      A -|---|-2-|---|-3-|-4-|
                              E -|---|---|---|---|---|


Die fehlenden Töne auf der E-Saite kannst du leicht selbst ergänzen. Entweder siehst du, dass bei der A-Saite die untere hälfte des zweiten Fingersatzes einfach nach oben vervollständigt werden muss.

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A -|---|-2-|---|-3-|-4-| \ zweiter
E -|---|-6-|---|-7-|<1>| / Fignersatz


Oder du schreibst einfach die Intervalle von der unteren E-Saite ab, die ja oben genau so aussehen muss.

Beim ersten Fingersatz, der jetzt zwischen der G- und H-Saite liegt, kommt es wieder zum Lagewechsel.

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H -|---|-3-|-4-|---|-5-| \ Erster
G -|-7-|<1>|---|-2-|---| / Fingersatz


Damit hätten wir die nächste Skala.
Wieder haben wir nicht mehr, als unsere drei Fingersätze, und einen Lagewechsel.

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E -|---|-6-|---|-7-|<1>|
H -|---|-3-|-4-|---|-5-|
G -|-7-|<1>|---|-2-|---|
D -|---|-5-|---|(6)|---|
A -|---|-2-|---|-3-|-4-|
E -|---|-6-|---|-7-|<1>|


Lektion 11

Wie heißt nun diese Skala?
Suchen wir doch mal die Grundtöne. Schau mal, wo die kleinen Sekunden sind. (die Töne, die direkt nebeneinander liegen, bzw. wo kein freier Bund dazwischen liegt.)

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E -|---|---|---|-7-|<1>|
H -|---|-3-|-4-|---|---|
G -|-7-|<1>|---|---|---|
D -|---|---|---|---|---|
A -|---|---|---|-3-|-4-|
E -|---|---|---|-7-|<1>|


Du entdeckst zwei mal das Karré
Einmal das vom zweiten Fingersatz. (die hohe E-Saite wurde nur von der tieferen abgeschrieben)

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E -|---|---|---|-7-|<1>|
H -|---|---|---|---|---|
G -|---|---|---|---|---|
D -|---|---|---|---|---|
A -|---|---|---|-3-|-4-|
E -|---|---|---|-7-|<1>|


Und die vom ersten Fingersatz, der aber durch den Lagewechsel etwas verschoben ist.

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E -|---|---|---|---|---|
H -|---|-3-|-4-|---|---|
G -|-7-|<1>|---|---|---|
D -|---|---|---|---|---|
A -|---|---|---|---|---|
E -|---|---|---|---|---|


Von denen kann man wieder leicht die Grundtöne ( <1> ) bestimmen.

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E -|---|---|---|---|<1>|
H -|---|---|---|---|---|
G -|---|<1>|---|---|---|
D -|---|---|---|---|---|
A -|---|---|---|---|---|
E -|---|---|---|---|<1>|

Ja, ja, ich gebe ja zu, du hättest die <1> auch gleich ablesen können, aber wenn du mal selbst den Skalentyp bestimmen willst, dann kannst du dich nur an deinem Ohr und an deinen Fingersatz orientieren. Da sind dann die kleinen Sekunden (bzw. das Karré) eine wertvolle Orientierungshilfe.

Welcher Grundakkord hat denn seine Grundtöne auf den beiden E-Saiten und auf der G-Saite?

Bild Bild


Dies ist also die Skala vom G-Typ
Bild


Bei der Skala von G-Typ hast du gleich zwei Lagenwechsel. Zuerst den vom 3. Fingersatz, und dann gleich darauf der zwischen der G- und H-Saite.

Später zeige ich dir, wie man diesen Lagewechsel durch eine Überstreckung des Kleinen Fingers auch umgehen könnte, aber vorerst bleiben wir bei unseren drei Fingersätzen mit den entsprechenden Lagewechsel. Das macht nämlich das Lernen und das Üben recht einfach.

Wann und wo er eingesetzt wird, kommt später.

Viel Spaß beim Üben
Mjchael

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Erstellt: von mjchael » 09.01.2010, 13:38

Lektion 12

Die folgende Skala ist in der Klassik sehr beliebt.
Sie ist wieder eine Saitenlage tiefer als die vom G-Dur-Typ

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E -|---|-6-|---|-7-|<1>|
H -|---|-3-|-4-|---|-5-|     E -|---|-3-|-4-|---|-5-|
G -|-7-|<1>|---|-2-|---|     H -|---|-7-|<1>|---|-2-|
D -|---|-5-|---|(6)|---|     G -|---|-5-|---|(6)|---|
A -|---|-2-|---|-3-|-4-|     D -|---|-2-|---|-3-|-4-|
E -|---|-6-|---|-7-|<1>|     A -|---|-6-|---|-7-|<1>|
                             E -|---|-3-|-4-|---|-5-|


Ermitteln wir wieder die Karrés (kleinen Sekunden)

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E -|-3-|-4-|---|---|
H -|-7-|<1>|---|---|
G -|---|---|---|---|
D -|---|---|-3-|-4-|
A -|---|---|-7-|<1>|
E -|-3-|-4-|---|---|

Die Sekunde auf der tiefen E-Saite wurde diesmal von der hohen E-Saite abgeschrieben.

Über die Karrés ermitteln wir die Grundtöne (rechts oben vom Karré)

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E -|---|---|---|---|
H -|---|<1>|---|---|
G -|---|---|---|---|
D -|---|---|---|---|
A -|---|---|---|<1>|
E -|---|---|---|---|

Und wir ermitteln den Dur-Akkord, der seine Grundtöne sowohl auf der H-Saite, als auch auf der A-Saite hat.

Wieder gibt es nur eine Möglichkeit.
BildBild


Schauen wir nochmal, ob wir wieder unsere drei Fingersätze wiederfinden:

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E -|-3-|-4-|---|-5-| \ Erster
H -|-7-|<1>|---|-2-| / Fingersatz
G -|-5-|---|(6)|---|
D -|-2-|---|-3-|-4-| \ zweiter
A -|-6-|---|-7-|<1>| / Fingersatz
E -|-3-|-4-|---|-5-| - untere Hälfte d. 1. Fingersatz


Der dritte Fingersatz ist gar nicht so leicht zu entdecken, denn der Lagewechsel, denn man beim 3. Fingersatz erwartet (einen Bund nach links) hebt sich hier mit dem Lagewechsel zwischen der G- und H-Saite (einen Bund nach rechts) gegenseitig auf.

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E -|---|---|---|---|
H -|-7-|<1>|---|-2-| \
G -|-5-|---|(6)|---|  > 3.Fingersatz ohne Lagewechsel
D -|-2-|---|-3-|-4-| /
A -|---|---|---|---|
E -|---|---|---|---|


Ohne den Lagewechsel erleichtert sich natürlich der Fingersatz

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E -|-Z-|-M-|---|-K-|
H -|-Z-|<M>|---|-K-| \
G -|-Z-|---|(R)|---|  > 3.Fingersatz ohne Lagewechsel
D -|-Z-|---|-R-|-K-| /
A -|-Z-|---|-R-|<K>|
E -|-Z-|-M-|---|-K-|


Oftmals beginnt man beim Üben der Durskalen mit dieser Skala vom C-Dur-Typ, denn sie lässt sich (wie wir gleich noch sehen werden) leicht von der einfachen C-Dur-Tonleiter ableiten. Doch ich habe mich bei diesem Workshop dagegen entschieden. Denn Ich wollte, dass ihr mit den drei Fingersätzen vertraut werden, und diese sowie den Lagewechsel im Auge haltet.

Einen Lagewechsel zu beschreiben, der sich durch einen anderen Lagewechsel aufhebt, wie hier bei der Skala von C-Dur-Typ, damit wollte ich nicht anfangen. Diese Skala wollte ich erst einführen, wenn man im Groben verstanden hat, worum es überhaupt geht.

Bild


Hier kostet es ein wenig mehr Überlegung, wie sich die Lagewechsel letztlich auf die drei Fingersätze auswirken, aber wenn man das Prinzip verstanden hat, dann bleibt es auch hier bei unseren drei gelernten Fingersätzen.

Lektion 13

Wenn wir schon mal bei der Skala von C-Dur-Typ sind, dann können wir diese ja auch mal mit der normalen C-Dur-Tonleiter vergleichen. Ich hoffe doch, dass du wenigstens die C-Dur-Tonleiter in den ersten drei Bünden auswendig kannst.

Bild
Bild


(lass dich nicht von den gelben Leit- und Strebetöne verwirren. Das gehört zu einer anderen Lektion)

Wie du siehst, die C-Dur-Tonleiter und die Skala vom C-Dur-Typ gleichen sich doch sehr stark. Der einzige Unterschied beim Fingersatz ist, dass man bei der einfachen C-Dur-Tonleiter in den ersten drei Bünden den Fingersatz vereinfachen kann. Denn du hast noch die Leeren Saiten, wo du ja keinen Finger aufsetzen musst. Wenn du die C-Dur-Tonleiter in eine höhere Lage transponierst, dann übernimmt der Zeigefinger die Rolle, die der Steg bei den leeren Saiten übernimmt.

Vereinfacht könnte man auch sagen, dass man bei einer Improvisation mit dem C-Skalen Typ auch einfach einen Capo in den entsprechenden Bund setzen könnte, und dann alles so wie bei einer C-Dur-Tonleiter spielt. Und es lohnt sich bei einigen Sachen auch, lieber einen Capo mit einer einfachen Dur-Tonleiter zu verwenden, als eine ganze Skala zu nutzen. Aber wenn man noch mehr auf dem Griffbrett hin und her schwimmen will, dann kann man ja nicht mitten im Solo mal eben das Capo verschieben. Dort braucht man dann die Skala vom C-Typ.

Also mit einer Improvisationsskala auf dem Griffbrett zu improvisieren, ist so ähnlich, als würde man mit einem Capo eine einfache Durtonleiter in eine höhere Lage verschieben.

Soviel für heute
Viel Spaß beim Üben

Mjchael
Zuletzt geändert von mjchael am 10.01.2010, 22:13, insgesamt 3-mal geändert.

akustikgitarre
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Erstellt: von akustikgitarre » 09.01.2010, 14:19

Super Zusammenstellung. Danke Mjchael, ich werde mich, wenn ich mal mehr Zeit habe, daran machen. Wäre es aber nicht sinnvoller, dies unter Musiktheorie zu stellen und dort evtl. in die Tipps reinzugeben. Nur ein Vorschlag ;)

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Erstellt: von mjchael » 09.01.2010, 16:45

Wir sind noch am überlegen, wo wir am besten die Workshops unterbringen. Da ist noch nicht das letzte Wort gesprochen (wir warten auf Sweeps endgültige Entscheidung). Danach wird es entsprechend verschoben.

Gruß Mjchael


Nachtrag:
Wie ihr inzwischen seht, hat Sweep ein eigenes Board für Workshops eingerichtet.
Zuletzt geändert von mjchael am 13.02.2010, 18:07, insgesamt 1-mal geändert.

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Erstellt: von mjchael » 09.01.2010, 17:39

Lektion 14

Die nächste Skala, die drankommt ist die vom F-Dur-Typ.
Ich könnte sie zwar genau wie die vorherigen herleiten, aber ich will einmal einen anderen Weg gehen.

Wir haben immer im zweiten Schritt festgestellt, wo die Grundtöne sind, und von welchem Akkord sich die Skalen ableiten. Diesmal machen wir es umgekehrt.

Es sollte euch bekannt sein, dass man den F-Dur-Akkord quer über das Griffbrett verschieben kann. Also verschieben wir ihn einfach mal in den 5. Bund. Wir wissen, dass ein Akkord vom F-Dur-Typ im 5. Bund ein A-Dur-Akkord wird.

F-Dur-Akkord

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E ||-Z-|---|---|---|---|---|---|
H ||-Z-|---|---|---|---|---|---|
G ||-Z-|-M-|---|---|---|---|---|
D ||-Z-|---|-K-|---|---|---|---|
A ||-Z-|---|-R-|---|---|---|---|
E ||-Z-|---|---|---|---|---|---|


A-Dur-Akkord im 5.Bund (F-Form)

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E ||---|---|---|---|-Z-|---|---|
H ||---|---|---|---|-Z-|---|---|
G ||---|---|---|---|-Z-|-M-|---|
D ||---|---|---|---|-Z-|---|-K-|
A ||---|---|---|---|-Z-|---|-R-|
E ||---|---|---|---|-Z-|---|---|


Wo bei einem Akkord vom F-Dur-Akkord die Grundtöne sind, dass gehört zur Allgemeinbildung eines Gitarristen. Solltet ihr euch da nicht sicher sein, dann holt (am besten mit dem Workshop zur C-Dur-Tonleiter) dieses Hintergrundwissen noch einmal nach!
A-Dur-Akkord im 5.Bund (F-Form)

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E ||---|---|---|---|<Z>|---|---|
H ||---|---|---|---|-Z-|---|---|
G ||---|---|---|---|-Z-|-M-|---|
D ||---|---|---|---|-Z-|---|<K>|
A ||---|---|---|---|-Z-|---|-R-|
E ||---|---|---|---|<Z>|---|---|


Es sollte weiterhin klar sein, dass wenn der Akkord im 5. Bund ein A-Dur ist, dass dann auch die Grundtöne ein A sind.

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E ||---|---|---|---|<A>|---|---|
H ||---|---|---|---|-Z-|---|---|
G ||---|---|---|---|-Z-|-M-|---|
D ||---|---|---|---|-Z-|---|<A>|
A ||---|---|---|---|-Z-|---|-R-|
E ||---|---|---|---|<A>|---|---|


Wir vereinfachen uns die Sache aber wieder, indem wir den Grundton einfach als <1> bezeichnen.

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E ||---|---|---|---|<1>|---|---|
H ||---|---|---|---|---|---|---|
G ||---|---|---|---|---|---|---|
D ||---|---|---|---|---|---|<1>|
A ||---|---|---|---|---|---|---|
E ||---|---|---|---|<1>|---|---|

Wenn wir uns erinnern, was wir vom ersten und zweiten Fingersatz wissen, dann wissen wir auch, dass der Grundton immer unter dem Mittelfinger oder aber unter dem kleinen Finger ist.

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|-Z-|-M-|---|-K-|---|
|-Z-|<M>|---|-K-|---|


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|-Z-|---|-R-|-K-|---|
|-Z-|---|-R-|<K>|---|


Bauen wir mal um die Grundtöne das Karré, damit wir wieder Orientierungspunkte haben

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E ||---|---|---|-7-|<1>|---|---|
H ||---|---|---|---|---|---|---|
G ||---|---|---|---|---|-3-|-4-|
D ||---|---|---|---|---|-7-|<1>|
A ||---|---|---|-3-|-4-|---|---|
E ||---|---|---|-7-|<1>|---|---|


Ihr erinnert euch vielleicht, dass bei einer Dur-Tonleiter die Halbtonschritte (kleine Sekunden) zwischen dem 3. und 4. Ton und zwischen dem 7. und 8. Ton bzw. zwischen dem 7. und 1. Ton ist.
(Bei der Oktave handelt es sich um den gleichen Notennamen. Daher ist 8 = 1)

Nichts anderes stellt das "Karré" dar. Und an den Halbtonschritten können wir uns, wie wir schon gesehen haben gut orientieren.

Füllen wir nun einfach die Fingersätze auf

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E ||---|---|---|-7-|<1>|---|-2-|
H ||---|---|---|---|---|---|---|
G ||---|---|---|-2-|---|-3-|-4-| \ Zweiter
D ||---|---|---|-6-|---|-7-|<1>| /Fingersatz
A ||---|---|---|-3-|-4-|---|-5-| \ Erster
E ||---|---|---|-7-|<1>|---|-2-| / Fingersatz


Beim dritten Fingersatz müssen wir noch einmal überlegen.
Der 3. Fingersatz ohne Lagewechsel

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-|-7-|<1>|---|-2-|---|-
-|---|-5-|---|-6-|---|-
-|---|-2-|---|-3-|-4-|-


Jetzt liegt aber 2 - 3 4 und 5 - 6 genau zwischen der G- und H-Saite, so dass ein Lagewechsel mit hinzukommen muss.

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-|>>>|-7-|<1>|---|-2-|---|-
-|>>>|---|-5-|---|-6-|---|-
-|---|-2-|---|-3-|-4-|-


Dementsprechend sieht die A-Dur-Tonleiter im 5. Bund folgendermaßen aus:

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E ||---|---|---|-7-|<1>|---|-2-| \
H ||---|---|---|---|-5-|---|-6-|  > 3. Fingersatz
G ||---|---|---|-2-|---|-3-|-4-| / ohne Lagewechsel
D ||---|---|---|-6-|---|-7-|<1>|
A ||---|---|---|-3-|-4-|---|-5-| 
E ||---|---|---|-7-|<1>|---|-2-|

Wieder benötigen wir für den 3. Fingersatz keinen richtigen Lagewechsel, da sich der vom 3. Fingersatz mit dem Lagewechsel zwischen der G- und H-Saite aufhebt.

Lektion 15

Die Form ist vom F-Dur-Typ. Es ist eine F-Dur-Tonleiter, die man in den 4. Bund verschoben hat. (Der Grundton liegt aber auf dem 5. Bund!)

Bild
Bild


Du hättest also wieder ein Capo in den 4. Bund setzen können und einfach die F-Dur-Tonleiter gespielt.

Mach dir noch mal klar, warum der Barré-Akkord, mit dem wir angefangen haben im 5. Bund sitzt, und warum die gesamte Skala aber im 4. Bund beginnt. Ich kann euch nur dringend empfehlen, dass ihr euch an den Grundtönen orientiert, die ihr einfach über die Barré-Akkorde ableiten könnt, und nicht an der "Lage" die für die Skala einen Bund vorher ist, weil sie sich nur am Zeigefinger orientiert.

(Wenn dich das Thema "Lage" interessiert, schau dir mal den Thread in unserem Gitarrenlexikon an! Die Lage)

Die Grundtöne des Barré-Akkord sind die gleichen Grundtöne der Skala vom F-Dur-Typ und sie heißen genau so wie die Dur-Tonleiter und der Barré-Akkord.

Willst du also in G-Dur irgendetwas Improvisieren, setze den Barré-Akkord in den 3. Bund, bestimme die Grundtöne und leite dir von den Gundtönen ausgehend die Skala ab.

Versuche doch mal bei irgend einem Lied in G-Dur mit der G-Dur-Skala zu improvisieren.

Father & Son ist lang genug
American Pie ist noch länger

Versuche einfach mal bei solchen liedern, ob du irgendetwas zurechtgewurschtelt bekommst.

Ihr solltet euch eingehend mit dem Thema Transponieren von Akkorden befassen, denn mit der Kopplung der Barré-Akkorde mit den Skalen kann man sehr leicht die tatsächliche Tonhöhe bestimmen. Doch dazu später mehr.

Viel Spaß beim Üben
Gruß Mjchael
Zuletzt geändert von mjchael am 13.08.2010, 23:03, insgesamt 6-mal geändert.

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Erstellt: von mjchael » 10.01.2010, 14:53

Lektion 16

Warum nenne ich diese Tonleiter jetzt eigentlich F-Typ, und nicht E-Typ?

Man kann doch den F-Dur-Barré problemlos auf einen E-Dur-Akkord zurückführen.

Es geht aber nicht nur um den einzelnen Akkord, sondern es geht um die ganze Tonleiter.

Rufen wir uns noch einmal ins Gedächtnis, wie die F-Dur-Tonleiter aussieht
F-Dur-Tonleiter und die Skala vom F-Dur-Typ

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E ||-F-|---|-G-|     -|-7-|<1>|---|-2-|-
- ||-C-|---|-D-|     -|---|-5-|---|-6-|-
G ||---|-A-|-Bb|     -|-2-|---|-3-|-4-|-
D ||---|-E-|-F-|     -|-6-|---|-7-|<1>|-
A ||-Bb|---|-C-|     -|-3-|-4-|---|-5-|-
E ||-F-|---|-G-|     -|-7-|<1>|---|-2-|-

Analog dazu abgeleitet
E-Dur-Tonleiter und die Skala vom E-Dur-Typ

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E ||---|-F#|---|-G#|     -|<1>|---|-2-|---|-3-|-
H ||---|-C#|---|-D#|     -|-5-|---|-6-|---|-7-|-
. ||-G#|-A-|---|-H-|     -|---|-3-|-4-|---|-5-|-
. ||-D#|-E-|---|-F#|     -|---|-7-|<1>|---|-2-|-
A ||---|-H-|---|-C#|     -|-3-|---|-5-|---|-6-|-
E ||---|-F#|---|-G#|     -|<1>|---|-2-|---|-3-|-

Man könnte durchaus auch diese Skala einfach auswendig lernen. Es gibt sogar EIN Karré, an dem man sich ein wenig orientieren kann. Aber wenn man sich die Skala genauer ansieht, dann haben wir zweimal den selben Ton H, so dass wir allein da uns immer erst überlegen müssen, welchen wir davon spielen, und welchen wir überspringen wollen. Es gibt zudem einen Fingersatz, der gleich dreimal vorkommt.

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-|-Z-|---|-R-|---|-K-|-

oder

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-|-Z-|---|-M-|---|-K-|-

Dabei ist mir erstmal weniger wichtig, dass man entweder den Zeigefinger oder den kleinen Finger überstrecken muss. Ich finde es für das erste Lernen ungünstig, dass der Fingersatz gleich in drei Intervall-Formen vorkommt.

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-|-3-|---|-5-|---|-6-|-
-|<1>|---|-2-|---|-3-|-
-|-5-|---|-6-|---|-7-|-


Dieser Fingersatz ist sehr ungünstig, wenn du auf die Schnelle den Grundton einer Tonleiter bestimmen sollst. Du benötigst immer mindestens drei Saiten, um zu wissen, wo in der Skala du dich eigentlich befindest.

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-|-Z-|---|-R-|---|-K-|-
-|-Z-|---|-R-|---|-K-|-


Könnte folgendes sein

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-|-3-|---|-5-|---|-6-|-
-|<1>|---|-2-|---|-3-|-

oder aber

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-|<1>|---|-2-|---|-3-|-
-|-5-|---|-6-|---|-7-|-


Durch die fehlenden kleinen Sekunden (die wir beim Karré kennen gelernt hatten,) hat man keinen richtigen Orientierungspunkt.

Zum Lernen und zur Orientierung und zur Bestimmung der Tonart ist dieser Fingersatz denkbar ungeeignet.

Das einfache Konzept mit den 3 Fingersätzen und dem Lagewechsel zwischen der G- und H-Saite könnte man hier vergessen.

Natürlich kann es sein, dass man auf die Fingersätze mit der Überstreckung aus rein praktischen Erwägungen zurückgreifen will, aber ich empfehle euch, dass ihr euch zuerst auf die 5 Hauptskalen konzentriert, und diese in- und auswendig lernt, denn wie ihr gesehen habt sind die nicht ganz so schwer, wie ihr vielleicht am Anfang gedacht habt.

Alle anderen Skalen müsst ihr immer als ganzes lernen, und ihr könnt sie nicht so einfach in drei überschaubare Blöcke zerlegen, bei denen immer klar ist, welcher voranging, und welcher zu folgen hat.

Wenn wir später einmal aus grifftechnischen Gründen doch noch einen Ton mehr auf einer Saite brauchen, dann werden wir die Hauptskala einfach erweitern. Das funktioniert dann ganz einfach. Doch das wird Stoff für eine spätere Lektion werden.

Mit diesem Kommentar möchte ich nur den Leuten erst mal den Wind aus den Segeln nehmen, die in irgendeinem Buch vielleicht noch eine Skala gesehen haben, die ein wenig anders als die hier gezeigten aussehen und die man nicht so ohne weiteres übereinanderbringen kann.

Was ich euch hier vermittle, das sind die Grundlagen. Alles andere sind Erweiterungen. Wir wollen das Pferd nicht von hinten aufzäumen.

Merkt euch: eine Skala vom E-Typ ist für den Anfang unpraktisch zum Lernen. Die Skala vom F-Dur-Typ passt besser ins System.

Das werden wir auch später noch weiter ausführen.

Gruß Mjchael
Zuletzt geändert von mjchael am 13.06.2011, 16:54, insgesamt 5-mal geändert.

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Erstellt: von mjchael » 10.01.2010, 15:43

Lektion 17

Vier Skalen haben wir schon kennengelernt.
  1. D-Dur-Typ
  2. G-Dur-Typ
  3. C-Cur-Typ
  4. F-Dur-Typ


Jetzt kommt der fünfte und damit der letzte der 5 Hauptformen in Dur.

Die Skala vom Bb-Dur-Typ

Die Skala vom Bb-Dur-Typ leitet sich von der Bb-Dur-Tonleiter ab. Aus der Musiklehre wissen wir, dass zur Bb-Dur-Tonleiter die Töne Bb und Eb mit dazu gehören.

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- ||-F-|---|-G-|---|     -|---|-5-|---|-6-|---|-
- ||-C-|---|-D-|-Eb|     -|---|-2-|---|-3-|-4-|-
G ||---|-A-|-Bb|---|     -|-6-|---|-7-|<1>|---|-
D ||-Eb|---|-F-|---|     -|-3-|-4-|---|-5-|---|-
A ||-Bb|---|-C-|---|     -|-7-|<1>|---|-2-|---|-
- ||-F-|---|-G-|---|     -|---|-5-|---|-6-|---|-


Suchen wir mal unsere 3 Fingersätze:

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-|---|-5-|---|-6-|---|-
-|---|-2-|---|-3-|-4-|- \ zweiter Fingersatz...
-|-6-|---|-7-|<1>|---|- / ...mit Lagewechsel
-|-3-|-4-|---|-5-|---|- \ Erster
-|-7-|<1>|---|-2-|---|- / Fingersatz
-|---|-5-|---|-6-|---|-


Der dritte Fingersatz ist hier auf die oberen und unteren beiden Saiten aufgeteilt

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-|---|-5-|---|-6-|---|-  > Obere Hälfte des
-|---|-2-|---|-3-|-4-|- /  dritten Fingersatz
-|-6-|---|-7-|<1>|---|-
-|-3-|-4-|---|-5-|---|-
-|-7-|<1>|---|-2-|---|- \  Untere Hälfte des
-|---|-5-|---|-6-|---|-  > dritten Fingersatz


Durch die Randlage des 3. Fingersatzes erleichtert sich natürlich unser Fingersatz, da wir keinen Lagewechsel einplanen müssen. (Bis auf den zwischen der G- und der H-Saite.)

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-|---|-Z-|---|-R-|---|-
-|---|-Z-|---|-R-|-K-|-
-|-Z-|---|-R-|<K>|---|-
-|-Z-|-M-|---|-K-|---|-
-|-Z-|<M>|---|-K-|---|-
-|---|-M-|---|-K-|---|-


Der Grund-Akkord mit den Grundtönen ist auch sehr leicht bestimmt:

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-|---|-Z-|---|---|---|-      -|---|---|---|---|---|-
-|---|-Z-|---|-K-|---|-      -|---|---|---|---|---|-
-|---|-Z-|---|<R>|---|-      -|---|---|---|<1>|---|-
-|---|-Z-|---|-M-|---|-      -|---|---|---|---|---|-
-|---|<Z>|---|---|---|-      -|---|<1>|---|---|---|-
-|---|-Z-|---|---|---|-      -|---|---|---|---|---|-

Nur zur Übung leiten wir noch mal das Karré ab:
(Beachte den Lagewechsel zwischen der G- und H-Saite)

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-|---|---|---|---|---|-
-|---|---|---|-3-|-4-|-
-|---|---|-7-|<1>|---|-
-|-3-|-4-|---|---|---|-
-|-7-|<1>|---|---|---|-
-|---|---|---|---|---|-


Wir füllen die Skala zum ersten und zweiten Fingersatz auf

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-|---|---|---|---|---|-
-|---|-2-|---|-3-|-4-|-
-|-6-|---|-7-|<1>|---|-
-|-3-|-4-|---|-5-|---|-
-|-7-|<1>|---|-2-|---|-
-|---|---|---|---|---|-


und ergänzen nach oben und nach unten mit dem 3. Fingersatz.

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-|---|-5-|---|-6-|---|-
-|---|-2-|---|-3-|-4-|-
-|-6-|---|-7-|<1>|---|-
-|-3-|-4-|---|-5-|---|-
-|-7-|<1>|---|-2-|---|-
-|---|-5-|---|-6-|---|-


Lektion 18
Angenommen du möchtest mit dieser Skala ein Stück in Eb-Dur begleiten. Wie gehst du vor?

Zuerst nimmst du dir den Grundakkord des Bb-Dur-Skalentyp vor.

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-|---|-Z-|---|---|---|-
-|---|-Z-|---|-K-|---|-
-|---|-Z-|---|<R>|---|-
-|---|-Z-|---|-M-|---|-
-|---|<Z>|---|---|---|-
-|---|-Z-|---|---|---|-


Jetzt überlegst du dir in welchen Bund du diesen Akkord setzen musst, um Eb-Dur zu erhalten
Bb-Dur

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E ||-Z-|---|---|---|-
H ||-Z-|---|-K-|---|-
G ||-Z-|---|<R>|---|-
D ||-Z-|---|-M-|---|-
A ||<Z>|---|---|---|-
E ||-Z-|---|---|---|-

H-Dur

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E ||---|-Z-|---|---|---|-
H ||---|-Z-|---|-K-|---|-
G ||---|-Z-|---|<R>|---|-
D ||---|-Z-|---|-M-|---|-
A ||---|<Z>|---|---|---|-
E ||---|-Z-|---|---|---|-

C-Dur

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E ||---|---|-Z-|---|---|---|-
H ||---|---|-Z-|---|-K-|---|-
G ||---|---|-Z-|---|<R>|---|-
D ||---|---|-Z-|---|-M-|---|-
A ||---|---|<Z>|---|---|---|-
E ||---|---|-Z-|---|---|---|-

Db-Dur (= C#-Dur)

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E ||---|---|---|-Z-|---|---|---|-
H ||---|---|---|-Z-|---|-K-|---|-
G ||---|---|---|-Z-|---|<R>|---|-
D ||---|---|---|-Z-|---|-M-|---|-
A ||---|---|---|<Z>|---|---|---|-
E ||---|---|---|-Z-|---|---|---|-

D-Dur

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E ||---|---|---|---|-Z-|---|---|---|-
H ||---|---|---|---|-Z-|---|-K-|---|-
G ||---|---|---|---|-Z-|---|<R>|---|-
D ||---|---|---|---|-Z-|---|-M-|---|-
A ||---|---|---|---|<Z>|---|---|---|-
E ||---|---|---|---|-Z-|---|---|---|-

Eb-Dur (= D#-Dur)

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E ||---|---|---|---|---|-Z-|---|---|---|-
H ||---|---|---|---|---|-Z-|---|-K-|---|-
G ||---|---|---|---|---|-Z-|---|<R>|---|-
D ||---|---|---|---|---|-Z-|---|-M-|---|-
A ||---|---|---|---|---|<Z>|---|---|---|-
E ||---|---|---|---|---|-Z-|---|---|---|-


Da wir wissen wo die Grundakkorde von einem Akkord in der Bb-Form ist, wissen wir jetzt auch wo die Grundtöne der Eb-Dur-Skala ist.

Eb-Dur-Grundtöne

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E ||---|---|---|---|---|---|---|---|---|-
H ||---|---|---|---|---|---|---|---|---|-
G ||---|---|---|---|---|---|---|<1>|---|-
D ||---|---|---|---|---|---|---|---|---|-
A ||---|---|---|---|---|<1>|---|---|---|-
E ||---|---|---|---|---|---|---|---|---|-


Karrés bilden (Lagewechsel beachten)

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E ||---|---|---|---|---|---|---|---|---|-
H ||---|---|---|---|---|---|---|-3-|-4-|-
G ||---|---|---|---|---|---|-7-|<1>|---|-
D ||---|---|---|---|-3-|-4-|---|---|---|-
A ||---|---|---|---|-7-|<1>|---|---|---|-
E ||---|---|---|---|---|---|---|---|---|-


Erste und zweite Fingersatz auffüllen

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E ||---|---|---|---|---|---|---|---|---|-
H ||---|---|---|---|---|-2-|---|-3-|-4-|-
G ||---|---|---|---|-6-|---|-7-|<1>|---|-
D ||---|---|---|---|-3-|-4-|---|-5-|---|-
A ||---|---|---|---|-7-|<1>|---|-2-|---|-
E ||---|---|---|---|---|---|---|---|---|-


Und schließlich den 3. Fingersatz oben und unten ergänzen

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E ||---|---|---|---|---|-5-|---|-6-|---|-
H ||---|---|---|---|---|-2-|---|-3-|-4-|-
G ||---|---|---|---|-6-|---|-7-|<1>|---|-
D ||---|---|---|---|-3-|-4-|---|-5-|---|-
A ||---|---|---|---|-7-|<1>|---|-2-|---|-
E ||---|---|---|---|---|-5-|---|-6-|---|-


Lektion 19
Wir haben die originale Bb-Dur-Tonleiter

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- ||-F-|---|-G-|---|
- ||-C-|---|-D-|-Eb|
G ||---|-A-|-Bb|---|
D ||-Eb|---|-F-|---|
A ||-Bb|---|-C-|---|
- ||-F-|---|-G-|---|

in den 5. Bund verschoben (transponiert)
Das sind 5 Halbtonschritte

0.Bund = Bb
1.Bund = H (1. Halbtonschritt)
2.Bund = C (2. Halbtonschritt)
3.Bund = C#/Db (3. Halbtonschritt)
4.Bund = D (4. Halbtonschritt)
5.Bund = D#/Eb (5. Halbtonschritt)

Wie du siehst, kann man eine Tonleiter wie einen Akkord quer über das Griffbrett verschieben (transponieren). Und ich hatte ja vorher schon gesagt, dass dieses den selben Effekt hat, als wenn man die Bb-Dur-Tonleiter mittels Capo im 5. Bund verschoben wurde.

Vergegenwärtige dir noch einmal, dass der Eb-Dur-Akkord mit einem Barré vom Bb-Typ im 6. Bund liegt, (den im 6. Bund ist der Grundton Eb), aber dass die Skala einen Bund früher im 5. Bund anfängt (da immer noch der Halbtonschritt vor dem Grundton mit eingerechnet werden muss)

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-|-7-|<1>|-


Beim bundweise Verschieben ändert die Skala nicht ihr Aussehen (Form/Typ/engl. Shape), genauso wenig wie ein Barré-Akkord sein Aussehen (Form/Typ/engl. Shape) ändert.
Die Form einer Dur-Skala wird Einheitlich nach den 5 Hauptskalen-Typen benannt, die wir bis jetzt kennengelernt haben. D-, G-, C-, F-, Bb-Typ.

Im englichen ist die Bezeichnung E-Shape (für unseren F-Typ) und A-Shape (für unseren Bb-Typ) gebräuchlich.

Da ich aber die Skalen lieber von der F-Dur und Bb-Dur-Tonleiter ableite, als von der A- und E-Dur-Tonleiter, halte ich die Bezeichnungen E-Typ und A-Typ für weniger sinnvoll.

Trotzdem kann es sein, dass euch die Begriffe aus dem englischen irgendwann einmal unterkommen. Dann sollt ihr die Begriffe wenigstens kennen. Ich habe euch den D-G-C-F-Bb-Typ beigebracht, die Engländer bringen den C-A-G-E-D-Shape bei. Aus den einzelnen Buchstaben ergibt sich im englischen der recht einprägsamen Begriff "CAGED-System" (von englisch "Caged" = "Käfig"). Da unser englisch aber oftmals nicht gut genug ist, um mit den Vokabeln Caged und Shape (Gestallt/Form) etwas anzufangen müssen wir uns nur am Rande damit befassen.

Ich bin der Überzeugung, dass die "Erfinder" des Caged-System bei der Entwicklung die Sache nicht bis zum Ende durchgesponnen haben. Sie haben nicht die natürlichen Tonleitern und die Akkord-Typen und harmonischen Zusammenhänge (Harmonielehre) mit eingerechnet.

Ich habe Jahre später nahezu das gleiche System entwickelt (schade, dass ich nicht zuerst darauf gekommen bin), doch ich habe gleich von Anfang an mit Tonarten und den dazugehörigen Akkorden gearbeitet, so dass ich fast das gleiche System noch einmal erfunden habe. (Ja ja, man bekleckert sich nicht mit Ruhm, wenn schon vorher einer auf die Idee gekommen ist. Es gibt keine Medaille für den, der das Rad ein zweites mal erfunden hat :( )

Trotzdem, so ähnlich sich die beiden Systeme sind, gibt es bei meiner späteren Version doch kleinere Abweichungen. (Ich kann hier nicht von Modifizierungen sprechen, denn ich kannte das erste System bis dato noch nicht.)

Da es aber gleich mehrere Leute gegeben hat, die weitestgehend unabhängig voneinander zu ähnlichen Ergebnissen bzw. zu ähnlichen Systemen kommen (Der Voggenreiter-Verlag hat ansatzweise das Caged-System vermittelt, und mir einige Impulse geliefert), lohnt es sich auch für euch, sich näher mit der Sache Akkordtypen und Skalentypen zu befassen, oder wie es auf Englisch heißt dem Caged-System und die einzelnen Shapes (Formen) der Skalen.

Viel Spaß beim Üben

Mjchael
Zuletzt geändert von mjchael am 05.03.2010, 11:40, insgesamt 2-mal geändert.

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Erstellt: von mjchael » 30.01.2010, 09:59

Lektion 20

Zusammenfassung:

Wir haben die 5 Hauptformen der Dur-Barré-Akkorde kennengelernt:

A:2 A:3 A:4 A:5 A:6


Einige werden zwar recht selten eingesetzt, aber diese dienen ja auch nur zur Orientierung.

Wichtig sind die Grundtöne dieser Akkorde.

Bild Bild Bild Bild Bild


Für einen einzigen Ton ergibt sich ein ganz bestimmtes Grundton-Muster auf dem Griffbrett, dass jeder Gitarrenspieler auswendig können sollte.

Bild


Man kann sich an den Akkordformen orientieren, und sich so von Grundton zu Grundton hangeln

Bild

Der besondere Vorteil an Akkordformen ist, dass man sich relativ leicht die Lage und damit den Namen des Barré-Akkord ableiten kann. Natürlich müsst ihr dazu wissen, wie man Akkorde transponiert. Zur Not solltet ihr diese Wissenslücke so schnell wie möglich schließen. Aber sobald man den Namen des Barré-Akkord bestimmt hat, können wir auch ganz leicht die Lage und Tonhöhe irgendeiner Dur-Tonleiter bestimmen. (Das funktioniert übrigens a auch für jede Moll-Tonleiter, Dur-Pentatonik, Moll-Pentatonik, Bluestonleiter etc.)

Je schneller und deutlicher ihr begreift, dass Akkordtöne Bestandteile einer Skala sind, und Skalen auch Akkordtöne enthalten, desto einfacher werdet ihr euch mit dem Lernen, und mit der Zuordnung der richtigen Tonarten sein.

So selbstverständlich es sein mag, dass der Grundton einer Skala und der Grundton des Akkords auf der ersten Stufe der entsprechenden Skala ein und das selbe ist, scheinen nur wenige diesen Zusammenhang zu kennen. (Profis mal außen vor gelassen.) Man findet den Zusammenhang nur selten in der Fachliteratur erläutert, und daher habe ich die Vermutung, dass der Zusammenhang nur in wenigen Köpfen von Gitarristen vorhanden ist.

Das, was ihr beim Transponieren der Barré-Akkorde gelernt habt, könnt ihr ohne Probleme auf Dur- und Molltonleitern sowie Dur- Moll- und Blues-Pentatoniken übertragen.

In den letzten Lektionen haben wir gelernt, wie wir nach der Bestimmung des Grundtons schrittweise die Skala aufbauen können.

Ihr erinnert euch an
  1. Die Bestimmung der Grundtöne
  2. das Karré
  3. den ersten bis dritten Fingersatz
  4. der Lagewechsel zwischen der G- und der H-Saite

Und das war im Großen und ganzen alles was ihr braucht, um alle Dur-Skalen auf dem Griffbrett abzuleiten.

Bild

Bild

Bild

Bild

Bild


Oder zusammenfassend auf einem Griffbrett:


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Erstellt: von mjchael » 13.02.2010, 19:45

So, ich denke, ich habe euch lange genug Zeit mit den 5 Dur-Skalen gelassen...

Es wird Zeit für die nächste Lektion.

Lektion 21


Sind euch bei der Skala die großen blauen Rechtecke aufgefallen?

Was hat es mit denen auf sich?

Ihr seht in der Animation, dass sie irgendetwas mit dem Karré zu tun haben.

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E -|---|---|---|---|---|---|---|---|---|-
H -|---|---|---|---|---|---|---|---|---|-
G -|---|---|---|-3-|-4-|---|---|---|---|-
D -|---|---|---|-7-|<1>|---|---|---|---|-
A -|---|---|---|---|---|---|---|---|---|-
E -|---|---|---|---|---|---|---|---|---|-


Nehmen wir mal an, das Karré hier gehört zum zweiten Fingersatz

Code: Alles auswählen

E -|---|---|---|---|---|---|---|---|---|-
H -|---|---|---|---|---|---|---|---|---|-
G -|---|-2-|---|-3-|-4-|---|---|---|---|-
D -|---|-6-|---|-7-|<1>|---|---|---|---|-
A -|---|---|---|---|---|---|---|---|---|-
E -|---|---|---|---|---|---|---|---|---|-


Mit wenigen Überlegungen können wir ermitteln, dass die dazugehörige Skala vom F-Typ ist. (1. Fingersatz eins höher und nach unten den dritten Fingersatz, bei dem sich die Lagewechsel des 3. Fingersatz mit dem von der G-H-Saite gegenseitig aufheben.)

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E -|---|-7-|<1>|---|-2-|---|---|---|---|-
H -|---|---|-5-|---|-6-|---|---|---|---|-
G -|---|-2-|---|-3-|-4-|---|---|---|---|-
D -|---|-6-|---|-7-|<1>|---|---|---|---|-
A -|---|-3-|-4-|---|-5-|---|---|---|---|-
E -|---|-7-|<1>|---|-2-|---|---|---|---|-


Jetzt nehmen wir mal an, wir haben ein Lied in G-Dur, und der Sänger oder die Sängerin singt gerade in einer Tonlage, wo ihr merkt, das diese sich mit eurem Solo beißt. (Passiert dann, wenn Sänger und Gitarrist beide im selben Frequenzspektrum spielen.)

Du entscheidest dich, dieses Tonspektrum dem Sänger zu überlassen (gute Wahl!) und du selbst versuchst deine ganze Improvisation in einer höheren Lage zu spielen, so dass man die Stimme des Sängers und deine Improvisation klar voneinander unterscheiden kann.

Wie kommt man jetzt recht elegant in eine höhere Lage, ohne erst lange überlegen zu müssen, welcher Akkord, welcher Bund, welche Skala?

Ich orientiere mich da wieder an den kleinen Sekunden (dem Karre).

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E -|---|---|---|---|---|---|---|---|---|-
H -|---|---|---|---|---|---|---|---|---|-
G -|---|-2-|---|-3-|-4-|---|---|---|---|-
D -|---|-6-|---|-7-|<1>|---|---|---|---|-
A -|---|---|---|---|---|---|---|---|---|-
E -|---|---|---|---|---|---|---|---|---|-


Dort ist für mich ein geeigneter Umsteigeplatz, der mich so gut wie keine größeren Überlegungen kostet. Ich muss mir gar keine Gedanken über Skalentypen und Akkorde zu machen, denn die ergeben sich ganz von alleine.

Auf einem der beiden Saiten (D- oder G-Saite) rutsche ich einfach zwei Bünde weiter.

Code: Alles auswählen

E -|---|---|---|---|---|---|---|---|---|-
H -|---|---|---|---|---|---|---|---|---|-
G -|---|-2-|---|-3-|-4-|---|-5-|---|---|-
D -|---|-6-|---|-7-|<1>|---|-2-|---|---|-
A -|---|---|---|---|---|---|---|---|---|-
E -|---|---|---|---|---|---|---|---|---|-


Wie ich das mache ist mir völlig frei gestellt.
Ich könnte beispielsweise mit dem Zeigefinger zwei Bünde weiter rutschen

Code: Alles auswählen

E -|---|---|---|---|---|---|---|---|---|-
H -|---|---|---|---|---|---|---|---|---|-
G -|---|-Z-|---|-Z-|-M-|---|-K-|---|---|-
D -|---|-Z-|---|-Z-|<M>|---|-K-|---|---|-
A -|---|---|---|---|---|---|---|---|---|-
E -|---|---|---|---|---|---|---|---|---|-


oder ich rutsche mit dem kleinen Finger weiter

Code: Alles auswählen

E -|---|---|---|---|---|---|---|---|---|-
H -|---|---|---|---|---|---|---|---|---|-
G -|---|-Z-|---|-M-|-K-|---|-K-|---|---|-
D -|---|-Z-|---|-M-|<K>|---|-K-|---|---|-
A -|---|---|---|---|---|---|---|---|---|-
E -|---|---|---|---|---|---|---|---|---|-


und zeihe die anderen Finger einfach mit.

Code: Alles auswählen

E -|---|---|---|---|---|---|---|---|---|-
H -|---|---|---|---|---|---|---|---|---|-
G -|---|---|---|-Z-|-M-|---|-K-|---|---|-
D -|---|---|---|-Z-|<M>|---|-K-|---|---|-
A -|---|---|---|---|---|---|---|---|---|-
E -|---|---|---|---|---|---|---|---|---|-


Bei welcher Saite ich nun den Slide mache, das ist eigentlich völlig wurscht. Klar ist, dass ich jetzt im ersten Fingersatz gelandet bin. Ich klimpere etwas auf dem ersten Fingersatz herum und verschaffe mir mal eine Orientierung.

Nach unten muss jetzt der zweite Fingersatz folgen, aber ich muss auch noch den Lagewechsel zwischen der G- und H-Saite beachten. (ich mache mir vorerst keine Gedanken darüber, in was für einer Skala ich mich eigentlich befinde, sondern ich klimpere einfach herum, und habe nur meine drei Fingersätze und den Lagewechsel vor Augen.

Code: Alles auswählen

E -|---|---|---|---|-2-|---|-3-|-4-|---|-
H -|---|---|---|---|-6-|---|-7-|<1>|---|-
G -|---|---|---|-3-|-4-|---|-5-|---|---|-
D -|---|---|---|-7-|<1>|---|-2-|---|---|-
A -|---|---|---|---|---|---|---|---|---|-
E -|---|---|---|---|---|---|---|---|---|-


Spätestens jetzt weiß ich einfach, dass ich mich in der Skala vom D-Dur-Typ befinde, denn nach einiger Übung erkennt ihr die typischen Formen auf Anhieb. (Es gibt ja bloß 5 Formen)

Nur noch zum Abschluss die Skala voll machen

Code: Alles auswählen

E -|---|---|---|---|-2-|---|-3-|-4-|---|-
H -|---|---|---|---|-6-|---|-7-|<1>|---|-
G -|---|---|---|-3-|-4-|---|-5-|---|---|-
D -|---|---|---|-7-|<1>|---|-2-|---|---|-
A -|---|---|---|---|-5-|---|-6-|---|---|-
E -|---|---|---|---|-2-|---|-3-|-4-|---|-


So rutscht man recht einfach von eine Skala in die andere. Hier war es vom F-Typ in den D-Typ.

Angenommen, es ist immer noch zu tief, oder ich will für mein Solo noch mal eines drauflegen und noch höher spielen.

Wo ist der beste Punkt zum Sliden?

Code: Alles auswählen

E -|---|-2-|---|-3-|-4-|---|---|---|---|-
H -|---|-6-|---|-7-|<1>|---|---|---|---|-
G -|---|---|---|---|---|---|---|---|---|-
D -|---|---|---|---|---|---|---|---|---|-
A -|---|---|---|---|---|---|---|---|---|-
E -|---|---|---|---|---|---|---|---|---|-


Natürlich dort, wo das nächste Karré auf der rechten Seite ist. Hier sliden wir wieder genau wie oben beschrieben

Code: Alles auswählen

E -|---|-2-|---|-3-|-4-|---|-5-|---|---|-
H -|---|-6-|---|-7-|<1>|---|-2-|---|---|-
G -|---|---|---|---|---|---|---|---|---|-
D -|---|---|---|---|---|---|---|---|---|-
A -|---|---|---|---|---|---|---|---|---|-
E -|---|---|---|---|---|---|---|---|---|-


Wieder klimpern wir eine weile beim ersten Fingersatz herum, und überlegen uns, wie es nach oben hin weitergehen muss.

Code: Alles auswählen

E -|---|---|---|-3-|-4-|---|-5-|---|---|-
H -|---|---|---|-7-|<1>|---|-2-|---|---|-
G -|---|---|---|---|---|---|---|---|---|-
D -|---|---|---|---|---|---|---|---|---|-
A -|---|---|---|---|---|---|---|---|---|-
E -|---|---|---|---|---|---|---|---|---|-


Über dem ersten Fingersatz kommt der dritte Fingersatz, aber wir müssen noch den Lagewechsel zwischen der G- und H-Saite beachten.

Code: Alles auswählen

E -|---|---|---|-3-|-4-|---|-5-|---|---|-
H -|---|---|---|-7-|<1>|---|-2-|---|---|-
G -|---|---|---|-5-|---|-6-|---|---|---|-
D -|---|---|---|---|---|---|---|---|---|-
A -|---|---|---|---|---|---|---|---|---|-
E -|---|---|---|---|---|---|---|---|---|-


Spätestens hier weiß ich, dass das die Skala vom C-Typ ist, denn ich werde an die untere Hälfte der C-Dur-Tonleiter erinnert. (siehe: C-Dur auf den Melodiesaiten)

Ich weiß, dass ich beim C-Dur-Typ keinen Lagewechsel habe (weil sich der zwischen der G- und H-Saite mit dem des 3. Fingersatz gegenseitig aufheben) und ich kann einfach mit dem zweiten Fingersatz oben weitermachen.

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E -|---|---|---|-3-|-4-|---|-5-|---|---|-
H -|---|---|---|-7-|<1>|---|-2-|---|---|-
G -|---|---|---|-5-|---|-6-|---|---|---|-
D -|---|---|---|-2-|---|-3-|-4-|---|---|-
A -|---|---|---|-6-|---|-7-|<1>|---|---|-
E -|---|---|---|-3-|-4-|---|-5-|---|---|-



Ich will von der C-Dur-Skala noch eine Lage weiter auf dem Griffbrett nach vorne klettern.

Dazu muss ich erst mal von den unteren beiden Saiten, die mir gerade noch als Orientierung gedient haben, nach oben in die Bass-Saiten klettern, damit ich wieder einen geeigneten Punkt zum sliden finde.

Code: Alles auswählen

E -|---|---|---|---|---|---|---|---|---|-
H -|---|---|---|---|---|---|---|---|---|-
G -|---|---|---|---|---|---|---|---|---|-
D -|---|---|---|-2-|---|-3-|-4-|---|-5-|-
A -|---|---|---|-6-|---|-7-|<1>|---|-2-|-
E -|---|---|---|---|---|---|---|---|---|-


Und hier beginnt das gleiche Spiel von vorn.


Rücken wir mal eben was nach vorne, damit ich nach rechts hin mehr Platz habe

Code: Alles auswählen

E -|---|---|---|---|---|---|---|---|---|-
H -|---|---|---|---|---|---|---|---|---|-
G -|---|---|---|---|---|---|---|---|---|-
D -|-3-|-4-|---|-5-|---|---|---|---|---|-
A -|-7-|<1>|---|-2-|---|---|---|---|---|-
E -|---|---|---|---|---|---|---|---|---|-


Nach unten geht es weiter mit dem zweiten Fingersatz. Allerdings kommt hier noch der Lagewechsel zwischen der G- und H-Saite mit hinzu.

Code: Alles auswählen

E -|---|---|---|---|---|---|---|---|---|-
H -|---|-2-|---|-3-|-4-|---|---|---|---|-
G -|-6-|---|-7-|<1>|---|---|---|---|---|-
D -|-3-|-4-|---|-5-|---|---|---|---|---|-
A -|-7-|<1>|---|-2-|---|---|---|---|---|-
E -|---|---|---|---|---|---|---|---|---|-


Das es sich hierbei um die Skala vom Bb-Dur-Typ handelt, findet ihr bestimmt leicht selbst heraus. (Auffüllen könnt ihr die Skala selber.)


Doch ich halte mich hier nicht lange auf, sondern gehe einfach weiter zum nächsten Slide-Punkt

Code: Alles auswählen

E -|---|---|---|---|---|---|---|---|---|-
H -|---|-2-|---|-3-|-4-|---|---|---|---|-
G -|-6-|---|-7-|<1>|---|---|---|---|---|-
D -|---|---|---|---|---|---|---|---|---|-
A -|---|---|---|---|---|---|---|---|---|-
E -|---|---|---|---|---|---|---|---|---|-


Klimpert erst mal eine Weile bei diesem zweiten Fingersatz herum, und prägt euch den Lagewechsel ein, denn er kommt notgedrungen auch in der nächst höheren Lage vor.

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E -|---|---|---|---|---|---|---|---|---|-
H -|---|-2-|---|-3-|-4-|---|-5-|---|---|-
G -|-6-|---|-7-|<1>|---|-2-|---|---|---|-
D -|---|---|---|---|---|---|---|---|---|-
A -|---|---|---|---|---|---|---|---|---|-
E -|---|---|---|---|---|---|---|---|---|-


Trotz des Lagewechsels funktioniert der Slide genau so wie wir ihn schon vorher ausgeführt haben. Am Fingersatz auf der entsprechenden Saite ändert sich nichts.

Na gut dass wir den Lagewechsel jetzt schon hinter uns haben, dann ist die Skala nämlich leichter nach oben und dach unten mit dem zweiten und dritten Fingersatz aufzufüllen.

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E -|---|---|---|-6-|---|-7-|<1>|---|---|-
H -|---|---|---|-3-|-4-|---|-5-|---|---|-
G -|---|---|-7-|<1>|---|-2-|---|---|---|-
D -|---|---|---|-5-|---|-6-|---|---|---|-
A -|---|---|---|-2-|---|-3-|-4-|---|---|-
E -|---|---|---|-6-|---|-7-|<1>|---|---|-


Das ist die Skala vom G-Typ.


Um den nächsten Slide-Punkt zu erwischen, müssen wir ganz nach oben auf die Bass-Saiten wandern. Ich rücke auch gleich noch etwas zurück, um weiter Platz nach rechts zu haben.

Code: Alles auswählen

E -|---|---|---|---|---|---|---|---|---|-
H -|---|---|---|---|---|---|---|---|---|-
G -|---|---|---|---|---|---|---|---|---|-
D -|---|---|---|---|---|---|---|---|---|-
A -|-2-|---|-3-|-4-|---|---|---|---|---|-
E -|-6-|---|-7-|<1>|---|---|---|---|---|-


Jetzt wird in den Bass-Saiten geslidet

Code: Alles auswählen

E -|---|---|---|---|---|---|---|---|---|-
H -|---|---|---|---|---|---|---|---|---|-
G -|---|---|---|---|---|---|---|---|---|-
D -|---|---|---|---|---|---|---|---|---|-
A -|-2-|---|-3-|-4-|---|-5-|---|---|---|-
E -|-6-|---|-7-|<1>|---|-2-|---|---|---|-


Den kann man nun einfach nach unten weiter auffüllen

Code: Alles auswählen

E -|---|---|---|---|---|---|---|---|---|-
H -|---|---|---|---|---|---|---|---|---|-
G -|---|---|---|---|---|---|---|---|---|-
D -|---|---|---|---|---|---|---|---|---|-
A -|---|---|-3-|-4-|---|-5-|---|---|---|-
E -|---|---|-7-|<1>|---|-2-|---|---|---|-


erster Fingersatz ganz oben gehört zum F-Dur-Skalentyp

Code: Alles auswählen

E -|---|---|-7-|<1>|---|-2-|---|---|---|-
H -|---|---|---|-5-|---|-6-|---|---|---|-
G -|---|---|-2-|---|-3-|-4-|---|---|---|-
D -|---|---|-6-|---|-7-|<1>|---|---|---|-
A -|---|---|-3-|-4-|---|-5-|---|---|---|-
E -|---|---|-7-|<1>|---|-2-|---|---|---|-


Damit schließen wir den Kreis

____________________________________________________

Es wird mit Sicherheit noch zig andere Möglichkeiten geben, wie ihr von einer Lage in die andere wechseln könnt, und ihr werdet euch in der Spielpraxis nicht immer an den Karrés orientieren, sondern vielleicht eher an Akkorden, aber dennoch kenne ich selbst keine einfachere Methode mal so eben von einer Skala in die nächste zu rutschen, und so das ganze Griffbrett der Gitarre abzudecken.

Und dabei hat man gar nicht viel mehr zu beachten, als unsere drei Fingersätze, und den Slide am Karré.

Wenn ihr euch ein Lied raussucht, dass ganz lange in einer Tonart bleibt, werdet ihr sehen, wie viel Spaß es macht, während des Liedes einmal quer über das ganze Griffbrett hin und her zu rutschen.




Wie man von einer Skala in die andere zurückrutscht, findet ihr mit Sicherheit leicht selber raus.

Viel Spaß beim ausprobieren.
Zuletzt geändert von mjchael am 16.12.2011, 23:36, insgesamt 6-mal geändert.

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Erstellt: von mjchael » 13.02.2010, 19:46

Lektion 22
Viele so genannte "Longform-Skalen" verlieren ihren Schrecken, wenn man sie nur als eine Weiterführung des hier vorgestellten Systems betrachtet.


Bild

Bild

Das sind nur mal zwei so genannte Longform-Scales.

Ich habe schon ganz viele solche Punktbilder in ganz vielen Büchern gesehen. Aber soll ich euch was sagen:

Da ich in zig Büchern zig Variationen gefunden habe, habe ich hinterher gar keine gelernt.

Ich hätte zwar eine Skala gehabt, aber ehrlich gesagt wusste ich mit der Skala überhaupt nichts anzufangen, denn ich hatte gar keinen Bezug zu irgendeiner Tonart oder dergleichen.

So eine Skala wie oben braucht ihr euch nicht mehr zu Gemüte zu führen, denn ihr könnt sie euch mit dem was ihr schon wisst leicht selber bilden.

Fangen wir wieder mal mit der Skala vom G-Typ an:

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E -|-6-|---|-7-|<1>|---|---|---|---|---|-
H -|---|---|---|---|---|---|---|---|---|-
G -|---|---|---|---|---|---|---|---|---|-
D -|---|---|---|---|---|---|---|---|---|-
A -|-2-|---|-3-|-4-|---|---|---|---|---|-
E -|-6-|---|-7-|<1>|---|---|---|---|---|-


von der interessiert uns nur der 2. Fingersatz, denn hier Sliden wir

Code: Alles auswählen

E -|---|---|---|---|---|---|---|---|---|-
H -|---|---|---|---|---|---|---|---|---|-
G -|---|---|---|---|---|---|---|---|---|-
D -|---|---|---|---|---|---|---|---|---|-
A -|-2-|---|-3-|-4-|---|-5-|---|---|---|-
E -|-6-|---|-7-|<1>|---|-2-|---|---|---|-


Das Sliden vom 2. in den 1. Fingersatz könnt ihr ja jetzt schon.

(Wenn ihr es nicht könnt, dann habt ihr wieder mal nur durchgelesen, und nichts selbst ausprobiert. Schämt euch! Kein wunder dass ihr nur Bahnhof versteht... Macht erst mal eure Hausaufgaben, und tut einfach nur das, was in der Letzten Lektion steht. Einfach Schritt für Schritt! Dann fällt es euch nämlich wie Schuppen von den Augen!)

Wie dem auch sei, nach unten geht es mit dem 2. Fingersatz weiter.

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E -|---|---|---|---|---|---|---|---|---|-
H -|---|---|---|---|---|---|---|---|---|-
G -|---|---|-2-|---|-3-|-4-|---|---|---|-
D -|---|---|-6-|---|-7-|<1>|---|---|---|-
A -|-2-|---|-3-|-4-|---|-5-|---|---|---|-
E -|-6-|---|-7-|<1>|---|-2-|---|---|---|-


Wie ihr seht, hab ich einfach die Finger vom vorherigen Slide da gelassen. Und nun, zwei Saiten tiefer funktioniert fast alles genau so wie zwei Saite drüber.

Code: Alles auswählen

E -|---|---|---|---|---|---|---|---|---|-
H -|---|---|---|---|---|---|---|---|---|-
G -|---|---|-2-|---|-3-|-4-|---|-5-|---|-
D -|---|---|-6-|---|-7-|<1>|---|-2-|---|-
A -|-2-|---|-3-|-4-|---|-5-|---|---|---|-
E -|-6-|---|-7-|<1>|---|-2-|---|---|---|-


Nur wenn wir jetzt nach unten auffüllen, müssen wir den Lagewechsel zwischen der G- und H-Saite beachten

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E -|---|---|---|---|---|-2-|---|-3-|-4-|-
H -|---|---|---|---|---|-6-|---|-7-|<1>|-
G -|---|---|-2-|---|-3-|-4-|---|-5-|---|-
D -|---|---|-6-|---|-7-|<1>|---|-2-|---|-
A -|-2-|---|-3-|-4-|---|-5-|---|---|---|-
E -|-6-|---|-7-|<1>|---|-2-|---|---|---|-


Aber auch hier geht es ansonsten genau so weiter...

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E -|---|---|---|---|---|-2-|---|-3-|-4-|---|-5-|-
H -|---|---|---|---|---|-6-|---|-7-|<1>|---|-2-|-
G -|---|---|-2-|---|-3-|-4-|---|-5-|---|-
D -|---|---|-6-|---|-7-|<1>|---|-2-|---|-
A -|-2-|---|-3-|-4-|---|-5-|---|---|---|-
E -|-6-|---|-7-|<1>|---|-2-|---|---|---|-


Du kletterst von Karré zum Karré

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E -|---|---|---|---|---|---|---|-3-|-4-|---|---|-
H -|---|---|---|---|---|---|---|-7-|<1>|---|---|-
G -|---|---|---|---|-3-|-4-|---|---|---|-
D -|---|---|---|---|-7-|<1>|---|---|---|-
A -|---|---|-3-|-4-|---|---|---|---|---|-
E -|---|---|-7-|<1>|---|---|---|---|---|-


Wie es rechts uns links von einem Karré weiter geht wisst ihr ja inzwischen

Code: Alles auswählen

-|-2-|---|-3-|-4-|---|-5-|-
-|-6-|---|-7-|<1>|---|-2-|-


Und wo ihr hier jetzt slidet (oben bei 7-1 oder unten bei 3-4) und mit welchem Finger slidet (Z oder K) bleibt euch überlassen.

Code: Alles auswählen

-|-Z-|---|-Z-|-M-|---|-K-|-
-|-Z-|---|-Z-|<M>|---|-K-|-


Code: Alles auswählen

-|-Z-|---|-M-|-R-|---|-R-|-
-|-Z-|---|-M-|<R>|---|-R-|-


Die ganze Longform-Skala baut sich aus drei Slide-Modulen auf

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E -|---|---|---|---|---|-2-|---|-3-|-4-|---|-5-|-
H -|---|---|---|---|---|-6-|---|-7-|<1>|---|-2-|-

G -|---|---|-2-|---|-3-|-4-|---|-5-|---|-
D -|---|---|-6-|---|-7-|<1>|---|-2-|---|-

A -|-2-|---|-3-|-4-|---|-5-|---|---|---|-
E -|-6-|---|-7-|<1>|---|-2-|---|---|---|-


Man klettert immer mal kurz in eine Skala rein, wandert zum nächsten Slide-Punkt, und rutscht weiter.


Eine zweite Hauptform ist folgende:

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E -|---|---|---|---|---|---|---|-6-|---|-7-|<1>|---|-2-|
H -|---|---|---|---|---|-2-|---|-3-|-4-|---|-5-|-
G -|---|---|---|---|-6-|---|-7-|<1>|---|-2-|-
D -|---|---|-2-|---|-3-|-4-|---|-5-|---|-
A -|---|---|-6-|---|-7-|<1>|---|-2-|---|-
E -|-2-|---|-3-|-4-|---|-5-|---|---|---|-


Nehme ich sie mal etwas auseinander, dann entdeckt man auch hier die einzelnen Module.

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E -|---|---|---|---|---|---|---|-6-|---|-7-|<1>|---|-2-|

H -|---|---|---|---|---|-2-|---|-3-|-4-|---|-5-|-
G -|---|---|---|---|-6-|---|-7-|<1>|---|-2-|-

D -|---|---|-2-|---|-3-|-4-|---|-5-|---|-
A -|---|---|-6-|---|-7-|<1>|---|-2-|---|-

E -|-2-|---|-3-|-4-|---|-5-|---|---|---|-


Der Slide zwischen der G- und H-Saite macht die Skala etwas unübersichtlicher, und auch der Einstiegspunkt oben auf der E-Saite ist nicht so ganz einfach- Da sich die Skala aber aus den gleichen Bausteinen besteht, ergibt sich deren Aufbau automatisch.

Ich selbst orientiere mich meist nur am Mittleren Teil...

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E -|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
H -|---|---|---|---|---|-2-|---|-3-|-4-|---|-5-|-
G -|---|---|---|---|-6-|---|-7-|<1>|---|-2-|-
D -|---|---|-2-|---|-3-|-4-|---|-5-|---|-
A -|---|---|-6-|---|-7-|<1>|---|-2-|---|-
E -|---|---|---|---|---|---|---|---|---|-


weil der sich leicht in zwei Slide-Module aufteilen lässt

Code: Alles auswählen

E -|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
H -|---|---|---|---|---|-2-|---|-3-|-4-|---|-5-|-
G -|---|---|---|---|-6-|---|-7-|<1>|---|-2-|-

D -|---|---|-2-|---|-3-|-4-|---|-5-|---|-
A -|---|---|-6-|---|-7-|<1>|---|-2-|---|-
E -|---|---|---|---|---|---|---|---|---|-


Ich baue dann noch eine Reihe nach oben und nach unten an...

Code: Alles auswählen

E -|---|---|---|---|---|---|---|-6-|---|-7-|<1>|---|---|
H -|---|---|---|---|---|-2-|---|-3-|-4-|---|-5-|-
G -|---|---|---|---|-6-|---|-7-|<1>|---|-2-|-
D -|---|---|-2-|---|-3-|-4-|---|-5-|---|-
A -|---|---|-6-|---|-7-|<1>|---|-2-|---|-
E -|---|---|-3-|-4-|---|-5-|---|---|---|-


... aber nur um festzustellen, das der linke Teil der Skala zum C-Dur-Typ gehört....

Code: Alles auswählen

E -|---|---|-3-|-4-|---|-5-|---|---|---|---|---|---|---|
H -|---|---|-7-|<1>|---|-2-|---|---|---|---|---|-
G -|---|---|-5-|---|-6-|---|---|---|---|---|-
D -|---|---|-2-|---|-3-|-4-|---|---|---|-
A -|---|---|-6-|---|-7-|<1>|---|---|---|-
E -|---|---|-3-|-4-|---|-5-|---|---|---|-


... und der rechte Teil zum G-Dur-Typ ...

Code: Alles auswählen

E -|---|---|---|---|---|---|---|-6-|---|-7-|<1>|---|-
H -|---|---|---|---|---|---|---|-3-|-4-|---|-5-|---|-
G -|---|---|---|---|---|---|-7-|<1>|---|-2-|---|---|-
D -|---|---|---|---|---|---|---|-5-|---|-6-|---|---|-
A -|---|---|---|---|---|---|---|-2-|---|-3-|-4-|---|-
E -|---|---|---|---|---|---|---|-6-|---|-7-|<1>|---|-


Ich bin ja nicht sklavisch an eine ganz bestimmte Skala gebunden. Ich habe ja jetzt eine einfache Methode kennengelernt, wie ich sie mir selbst bilden kann. Also klettere ich entweder die Skala vom C Typ runter oder die Skala vom G-Typ rauf, um den nächsten einfacheren Slide-Punkt zu finden. (Genau wie wir es gelernt haben.)


Und für all den ganzen Kram, den wir hier gelernt haben, braucht ihr tatsächlich nur 6 einfache Elemente.

Die drei Fingersätze

Bild

Bild

Bild

Das Karré zur Orientierung
Bild

neu Kennengelernt habt ihr jetzt das Slide-Modul
Bild

Ach ja, und den Lagewechsel zwischen der G- und H-Saite dürfen wir nie vergessen.
Bild

Das jeweils in die richtige Reihenfolge gebracht, und die Grundtöne immer den richtigen Akkord-Typen zugeordnet, und schon hat man das ganze Griffbrett erobert.

Zumindest was die Dur-Tonleitern angeht. Es fehlt natürlich noch die Molltonleiter, aber damit lasse ich euch noch ein wenig Zeit.

So nun viel Spaß beim Sliden.

Gruß Mjchael
Zuletzt geändert von mjchael am 17.12.2011, 10:23, insgesamt 1-mal geändert.

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Erstellt: von mjchael » 14.02.2010, 21:37

Lektion 23

Halt, vor den Moll-Tonleitern fehlt noch eine einfache Erweiterung der Skalen.

Manchmal will man gar nicht in seiner Improvisation eine ganze Lage (2 Bünde) weitersliden, sondern man will bei dem gerade so praktisch gegriffenen Akkord bleiben.

Trotzdem stört euch an einer Stelle ein Lagewechsel, oder ihr wollt den Barré-Finger vom Akkord nicht wegbewegen, nur um noch ein oder zwei Töne vor dem Barré-Zeigefinger zu bekommen.

Wie gehe ich vor?

Als Beispiel nehme ich einfach mal die Skala vom G-Dur-Typ.

Code: Alles auswählen

E -|---|---|---|-6-|---|-7-|<1>|---|---|-
H -|---|---|---|-3-|-4-|---|-5-|---|---|-
G -|---|---|-7-|<1>|---|-2-|---|---|---|-
D -|---|---|---|-5-|---|-6-|---|---|---|-
A -|---|---|---|-2-|---|-3-|-4-|---|---|-
E -|---|---|---|-6-|---|-7-|<1>|---|---|-

Sagen wir einfach mal, mich stört da an der Skala die 7.
Wir müssten die 7 auf der G-Saite am besten auf die D-Saite bringen.

Schau mal kurz oben auf die E-Saite!
Du siehst, dass die 7 genau 2 Bünde nach der 6 kommt.

Code: Alles auswählen

E -|---|---|---|-6-|---|-7-|<1>|---|---|-
H -|---|---|---|-3-|-4-|---|-5-|---|---|-
G -|---|---|-7-|<1>|---|-2-|---|---|---|-
D -|---|---|---|-5-|---|-6-|---|-7-|---|-
A -|---|---|---|-2-|---|-3-|-4-|---|---|-
E -|---|---|---|-6-|---|-7-|<1>|---|---|-


Die 7 auf der G-Saite ist der Selbe Ton wie die 7 auf der D-Saite.
Ich merke mir weiterhin, das die 7 auf der G-Saite ist, und ich behalte mir immer im Hinterkopf, das die 7 auf der G-Saite zum Karré gehört, dass ich für meine Orientierung brauche.

Aber für mein Solo überstrecke ich mal eben meinen kleinen Finger auf der D-Saite, und erhalte dadurch vielleicht einen spieltechnischen Vorteil.

Modifizierte G-Skala

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E -|---|---|---|-6-|---|-7-|<1>|---|---|-
H -|---|---|---|-3-|-4-|---|-5-|---|---|-
G -|---|---|-X-|<1>|---|-2-|---|---|---|-
D -|---|---|---|-5-|---|-6-|---|-7-|---|-
A -|---|---|---|-2-|---|-3-|-4-|---|---|-
E -|---|---|---|-6-|---|-7-|<1>|---|---|-


Wir behalten immer die Grundform der Skala im Hinterkopf, denn wir könnten das Karré mit der durchge-X-ten 7 durchaus noch gebrauchen, um eine Lage zurück zu sliden, aber wir können durchaus mittels einer kleinen Überstreckung einige Spielvorteile ausnutzen.

__________________________________________

Wenn ihr jetzt für jeden der 5 Skalentypen austüfteln wollt, wo man auf welcher Saite wie weitermachen kann, verrate ich euch jetzt mal einen kleinen Trick:

Wenn ihr die 5 Hauptskalen kennt, dann müsst ihr nur eine Sache wissen, um bei jeder Skala auf jeder Saite zu wissen, wo rechts und links von unseren bekannten Fingersätzen der nächste Ton ist.

Eine Dur-Tonleiter hat gar nicht so viele kleine Sekunden, wie uns die vielen Karrés, die wir bis jetzt immer zur Orientierung benutzt haben, glauben machen wollen. Es gibt viel mehr große Sekunden, also Töne, die genau zwei Bünde weiter sind (vor oder zurück) als ihr Vorgänger.

Wenn ihr irgendeine Skala habt, dann ist jeder weitere Ton nach rechts oder links von der Skala genau 2 Bünde vom Vorgänger entfernt.

Bleiben wir mal bei unserem G-Dur-Typ-Beispiel

Code: Alles auswählen

E -|---|---|---|-6-|---|-7-|<1>|---|---|-
H -|---|---|---|-3-|-4-|---|-5-|---|---|-
G -|---|---|-7-|<1>|---|-2-|---|---|---|-
D -|---|---|---|-5-|---|-6-|---|---|---|-
A -|---|---|---|-2-|---|-3-|-4-|---|---|-
E -|---|---|---|-6-|---|-7-|<1>|---|---|-


So geht es nach rechts und nach Links weiter

Code: Alles auswählen

E -|---|-Z-|---|-6-|---|-7-|<1>|---|-K-|-
H -|---|-Z-|---|-3-|-4-|---|-5-|---|-K-|-
G -|-Z-|---|-7-|<1>|---|-2-|---|-K-|---|-
D -|---|-Z-|---|-5-|---|-6-|---|-K-|---|-
A -|---|-Z-|---|-2-|---|-3-|-4-|---|-K-|-
E -|---|-Z-|---|-6-|---|-7-|<1>|---|-K-|-


Ich bin jetzt einfach mal davon ausgegangen, dass du nach links hin den Zeigefinger (Z) überstrecken würdest, und nach rechts hin den kleinen Finger (K). Um was für Intervalle es sich letztlich handelt, braucht ihr euch gar nicht so genau zu überlegen, sondern einfach nur, das jeder weitere Ton nach rechts oder Links je zwei Bünde weiter ist.

Ihr habt die Grundform immer vor Augen und behaltet sie auch zur Orientierung im Hinterkopf.

Nach rechts und nach links geht es immer zwei Bünde weiter.

Das ist schon alles was ihr wissen müsst.

Wenn ihr euch irgendwann mal für das Sweepen interessiert,
und man euch nahe legt, dass ihr euch mit einer

"3-Noten-Pro-Seite-Skala (3 Notes Per String Scala)"

beschäftigen sollt, dann schaut euch die Skala an:

Bild

und überlegt mal, was wir hier eigentlich für eine Grundform haben?

Bild


Na klar, das ist eine Variation des D-Dur-Skalentypes.

Code: Alles auswählen

E -|---|---|---|---|---|-2-|---|-3-|-4-|
H -|---|---|---|---|---|-6-|---|-7-|<1>|
G -|---|---|---|---|-3-|-4-|---|-5-|---|
D -|---|---|---|---|-7-|<1>|---|-2-|---|
A -|---|---|---|---|---|-5-|---|(6)|---|
E -|---|---|---|---|---|-2-|---|-3-|-4-|


man hat einfach den dritten Fingersatz oben bei der E- und A-Saite um zwei Bünde nach links erweitert.....

Code: Alles auswählen

E -|---|---|---|---|---|-2-|---|-3-|-4-|
H -|---|---|---|---|---|-6-|---|-7-|<1>|
G -|---|---|---|---|-3-|-4-|---|-5-|---|
D -|---|---|---|---|-7-|<1>|---|-2-|---|
A -|---|---|---|-Z-|---|-5-|---|(6)|---|
E -|---|---|---|-Z-|---|-2-|---|-3-|-4-|


....und die 4 auf der E-Saite rausgeworfen....

Code: Alles auswählen

E -|---|---|---|---|---|-2-|---|-3-|-4-|
H -|---|---|---|---|---|-6-|---|-7-|<1>|
G -|---|---|---|---|-3-|-4-|---|-5-|---|
D -|---|---|---|---|-7-|<1>|---|-2-|---|
A -|---|---|---|-Z-|---|-5-|---|(6)|---|
E -|---|---|---|-Z-|---|-2-|---|-3-|-:-|


...weil sie ja auch zwei Bünde vor der 5 auftaucht...

Code: Alles auswählen

E -|---|---|---|---|---|-2-|---|-3-|-4-|
H -|---|---|---|---|---|-6-|---|-7-|<1>|
G -|---|---|---|---|-3-|-4-|---|-5-|---|
D -|---|---|---|---|-7-|<1>|---|-2-|---|
A -|---|---|---|-4-|---|-5-|---|(6)|---|
E -|---|---|---|<1>|---|-2-|---|-3-|-:-|


Der Besondere Vorteil an der Skala hier ist aber, dass wir jetzt noch den Grundton <1> zur Verfügung haben, was als zusätzlicher Basston oftmals von vorteil ist.

Ihr müsst also nicht erst ellenlange eine neue Skala pauken, sondern ihr merkt euch:
Grundform von dem D-Dur-Typ, aber oben noch 2 Bünde nach links.

Das macht die Analyse und das zurechtfinden in einer solchen Skala um ein vielfaches einfacher.

________________________________-

Analyse....
Bild
= C-Typ mit vielen Erweiterungen um zwei Bünde nach links.

(Sagt mir selbst nicht besonders zu...
aber was solls, ich bin nicht so der Solist.)

Den Rest könnt ihr euch ja dann zu Gemüte führen, wenn ihr für bestimmte Techniken mal eine
3-Note-Per-String-Scala
benötigt.
/Edit: In der Zwischenzeit habe ich den ganzen Artikel überarbeitet, und grobe Fehler beseitigt. Am Stil muss ich noch etwas herumfeilen.

Wie ihr vielleicht vermuten könnt, beschäftige ich mich weniger damit.
Das kann ja vielleicht ein anderer mal an einer anderen Stelle weiter ausführen.

Aber das einfache Bauprinzip:
Grundform der 5 Hauptskalen
jeweils um 2 Bünde nach rechts oder Links erweitern

wird euch viel Lernerei erleichtern.

Mit den 5 Grundformen ist es viel einfacher eine Skala einer bestimmten Tonart zuzuordnen.

Und lasst euch nicht von der Bezeichnung der Bilder oben irritieren!
Das erweitern um zwei Bünde nach rechts oder nach links hat rein gar nichts mit den Kirchentonarten zu tun. Die Bezeichnungen oben sind nur zum Teil richtig. Aber es sind alles auch C-Dur-Tonleitern.

Aber das ist Stoff für einen anderen Workshop.

Wann es sinnvoll ist, eine Grundform auf einer oder mehreren Seiten nach rechts oder links um 2 Bünde zu erweitern, dass müsst ihr alles im Einzelfalle selber überprüfen.

Verliert euch nicht im Dickicht sondern haltet euch die Grundlagen fest.

  • 3 Fingersätze
  • Karré zur Orientierung
  • Lagewechsel zwischen G- und H-Saite
  • Slide-Modul

Das wars.

und wenn das nicht reicht,
  • nach rechts oder Links noch zwei Bünde weiter.


Das war es jetzt aber endgültig gewesen, was ich euch zum rein formalen Aufbau der Dur-Skalen beibringen kann und will.

Gruß Mjchael

ps.:
Sollte bis hier hin etwas unklar sein, oder solltet ihr bei mir einen Fehler entdeckt haben (kann ja auch mal vorkommen), dann fragt nach, oder gebt mir Bescheid.
Zuletzt geändert von mjchael am 15.05.2012, 00:36, insgesamt 3-mal geändert.

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Erstellt: von mjchael » 22.02.2010, 13:36

Lektion 24
Wir haben die 5 Hauptskalen in Dur kennengelernt:
Bild

Die Skalen der Molltonleiter
Nun wollen wir uns mit den Moll-Tonleitern beschäftigen. Dabei beschränken wir uns vorerst auf die reinen Moll-Tonleitern. Es gibt noch harmonische und melodische Molltonleitern, die es von den Intervallen her in sich haben. Aber das heben wir uns für später auf. Zuerst wollen wir die einfachen natürlichen Moll-Tonleitern kennenlernen.

Zuerst eine gute Nachricht:
Rein von den Fingersätzen kommt nichts wesentlich neues hinzu. Und da wir die Fingersätze schon kennen, werden wir sie auch gar nicht lange lernen müssen.

Viel mehr werde ich versuchen, für jeden der 5 Fingersätze zu zeigen, wo man im am ehesten einsetzt. Einige Fingersätze sind eher für Grundakkorde in Dur geeignet, die anderen eher für Grundakkorde in Moll. (Grundakkord meint hier die Tonika bzw. erste Akkordstufe einer Dur- oder einer Moll-Tonleiter.) Das macht letztlich das Lernen einfacher. Später, wenn einem die Skalen geläufig sind, wird man sie auch flexibler einsetzen können.

Aber jetzt zu den Moll-Skalen.

Vielleicht habt ihr noch so viel vom Musik-Unterricht mitbekommen, dass die C-Dur-Tonleiter die selben Töne hat, wie die reine A-Moll-Tonleiter.

C = C D E F G A H C
Am = A H C D E F G A

Die Am-Tonleiter hat einen anderen Grundton, aber ansonsten besteht sie aus genau den gleichen Tönen.

Das Problem ist, dass man die Intervalle der A-Moll-Tonleiter von dem Grundton A aus berechnen muss.

C-Dur

Code: Alles auswählen

-|-1-|---|-2-|---|-3-|-4-|---|-5-|---|-6-|---|j7-|-1-|-
-|-C-|---|-D-|---|-E-|-F-|---|-G-|---|-A-|---|-H-|-C-|-


Die A-Moll-Tonleiter im Vergleich mit den C-Dur-Intervallen

Code: Alles auswählen

-|-1-|---|-2-|---|-3-|-4-|---|-5-|---|-6-|---|j7-|-1-|-
-|-A-|---|-H-|-C-|---|-D-|---|-E-|-F-|---|-G-|---|-A-|-


Du siehst, dass einige Intervalle in der Am-Tonleiter kleiner sind, als die in der Dur-Tonleiter.

Code: Alles auswählen

-|-1-|---|-2-|-3b|---|-4-|---|-5-|-6b|---|-7b|---|-1-|-
-|-A-|---|-H-|-C-|---|-D-|---|-E-|-F-|---|-G-|---|-A-|-


Die reine A-Moll-Tonleiter hat eine kleine Moll-Terz (3b) eine kleine Sexte (6b) und eine kleine Septime (7b)

Ich führe mal die Skala vom Am-Typ beispielhaft auf:

Code: Alles auswählen

E -|---|---|---|-5-|-6b|---|-7b|---|---|-
H -|---|---|---|-2-|-3b|---|-4-|---|---|-
G -|---|---|---|-7b|---|<1>|---|---|---|-
D -|---|---|---|-4-|---|-5-|-6b|---|---|-
A -|---|---|---|<1>|---|-2-|-3b|---|---|-
E -|---|---|---|-5-|-6b|---|-7b|---|---|-


Die Skala ist jetzt vom theoretischen Teil her absolut richtig beschrieben. Aber versucht einmal bei dieser Bezeichnung irgendeine brauchbare Orientierung zu finden.

Diese Intervalle benötige ich, wenn ich einzelne Akkorde näher bezeichnen muss. Aber für eine Improvisations-Skala bringen mich die "korrekten" Intervalle nicht wirklich weiter. Sie verwirren mehr, als sie klären.

Daher empfehle ich euch, dass ihr die Theorie Theorie sein lässt, und dass ihr euch eine praktischere Lösung sucht.

Wir haben gesehen, dass die Am-Tonleiter doch die gleichen Töne hat, wie die C-Dur-Tonleiter. Warum nehmen wir dann nicht einfach die Intervalle der C-Dur-Tonleiter...

Code: Alles auswählen

-|-1-|---|-2-|---|-3-|-4-|---|-5-|---|-6-|---|j7-|-1-|-
-|-C-|---|-D-|---|-E-|-F-|---|-G-|---|-A-|---|-H-|-C-|-


... und merken uns ganz einfach, dass die Am-Tonleiter zwei Töne bzw. 3 Bünde früher anfängt.

Code: Alles auswählen

-|-6-|---|j7-|-1-|---|-2-|---|-3-|-4-|---|-5-|---|-6-|-
-|-A-|---|-H-|-C-|---|-D-|---|-E-|-F-|---|-G-|---|-A-|-


Also ich finde es viel einfacher, mir zu merken, dass eine Moll-Tonleiter rein pragmatisch gesehen eine Dur-Tonleiter ist, die mit 6 anstelle mit 1 anfängt.

die Skala vom Am-Typ

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E -|---|---|---|-3-|-4-|---|-5-|---|---|-
H -|---|---|---|j7-|-1-|---|-2-|---|---|-
G -|---|---|---|-5-|---|<6>|---|---|---|-
D -|---|---|---|-2-|---|-3-|-4-|---|---|-
A -|---|---|---|<6>|---|j7-|-1-|---|---|-
E -|---|---|---|-3-|-4-|---|-5-|---|---|-


Die Akkordform sieht folgendermaßen aus

Code: Alles auswählen

E -|---|---|---|-3-|---|---|---|---|---|-
H -|---|---|---|-Z-|-1-|---|---|---|---|-
G -|---|---|---|-Z-|---|<6>|---|---|---|-
D -|---|---|---|-Z-|---|-3-|---|---|---|-
A -|---|---|---|<6>|---|---|---|---|---|-
E -|---|---|---|-3-|---|---|---|---|---|-


Die Akkordintervalle sind jetzt nicht richtig durchnummeriert.
so wäre es korrekt:

Code: Alles auswählen

E -|---|---|---|-5-|---|---|---|---|---|-
H -|---|---|---|-Z-|-3b|---|---|---|---|-
G -|---|---|---|-Z-|---|<1>|---|---|---|-
D -|---|---|---|-Z-|---|-5-|---|---|---|-
A -|---|---|---|<1>|---|---|---|---|---|-
E -|---|---|---|-5-|---|---|---|---|---|-


Aber mit dem kleinen Schönheitsfehler kann ich sehr gut leben.

Ich bringe meinen Schülern schon sehr früh bei, dass der Akkord C-Dur und Am Parallele Akkorde sind. Am ist die Mollparallele von C-Dur und C-Dur ist die Dur-Parallele von Am.

Der Wechsel von C-Dur nach Am ist so einfach (nur ein Finger muss sich bewegen) , dass man sich die Parallelen wirklich leicht merken kann.

Und genau so kann man es auch mit den Barré-Formen machen.


Code: Alles auswählen

E -|---|---|---|-3-|---|---|---|---|---|-
H -|---|---|---|-Z-|-1-|---|---|---|---|-
G -|---|---|---|-Z-|---|<6>|---|---|---|-
D -|---|---|---|-Z-|---|-3-|---|---|---|-
A -|---|---|---|<6>|---|---|---|---|---|-
E -|---|---|---|-3-|---|---|---|---|---|-


Code: Alles auswählen

E -|---|---|---|-3-|---|---|---|---|---|-
H -|---|---|---|-Z-|-1-|---|---|---|---|-
G -|---|---|---|-5-|---|---|---|---|---|-
D -|---|---|---|-Z-|---|-3-|---|---|---|-
A -|---|---|---|-Z-|---|---|<1>|---|---|-
E -|---|---|---|-3-|---|---|---|---|---|-


Zu beiden Akkordformen gehört folgende Tonleiter

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E -|---|---|---|-3-|-4-|---|-5-|---|---|-
H -|---|---|---|-7-|<1>|---|-2-|---|---|-
G -|---|---|---|-5-|---|(6)|---|---|---|-
D -|---|---|---|-2-|---|-3-|-4-|---|---|-
A -|---|---|---|(6)|---|-7-|<1>|---|---|-
E -|---|---|---|-3-|-4-|---|-5-|---|---|-


Dieses mal habe ich den Grundton der Dur-Tonleiter (C-Form) in spitzen Klammern gesetzt <1> und den Grundton der Moll-Tonleiter (Am-Form) in runden Klammern.

Bei einer Improvisation mit dieser Skala vom A-Moll-Typ überlege ich mir zuerst, wo eigentlich der Grundton der Parallelen Dur-Tonleiter ist, und schon habe ich alles, was ich für meine Orientierung brauche.

Ich finde mein Karré
Ich kann mir die 3 Fignersätze ableiten
Und für die Akkordtöne des A-Moll-Types habe ich ja immer noch das Akkordbild des Barré-Akkord im Hinterkopf.

Am einfachsten kommt man über den zweiten Fingersatz in die Skala rein.

Code: Alles auswählen

D -|---|---|---|-2-|---|-3-|-4-|---|---|-
A -|---|---|---|(6)|---|-7-|<1>|---|---|-


Ich halte den dritten Fingersatz nur bedingt geeignet, um sich zu orientieren. Aber mit viel Übung funktioniert auch das.

Code: Alles auswählen

D -|-7-|<1>|---|-2-|---| \
A -|---|-5-|---|(6)|---|   > 3. Fingersatz
E -|---|-2-|---|-3-|-4-| / 


Einfacher ist es hier wieder, sich zu überlegen, wie denn die parallele Dur-Skala aussieht.

Und das ist auch schon das ganze Geheimnis an der natürlichen Moll-Skala.

Die natürliche Moll-Skala hat die gleichen Töne, und damit den gleichen Fingersatz wie die parallele Dur-Tonleiter, nur das der Grundton die (6) ist und nicht die <1>.

Jetzt können wir uns auch Gedanken um den Hauptanwendungsgebiet der Skala von der C- bzw. Am-Form machen

C- /Am-Form

Code: Alles auswählen

E -|---|---|---|-3-|-4-|---|-5-|---|---|-
H -|---|---|---|-7-|<1>|---|-2-|---|---|-
G -|---|---|---|-5-|---|(6)|---|---|---|-
D -|---|---|---|-2-|---|-3-|-4-|---|---|-
A -|---|---|---|(6)|---|-7-|<1>|---|---|-
E -|---|---|---|-3-|-4-|---|-5-|---|---|-


Am ehesten setzt man diese Skala ein, wenn man eine Moll-Tonleiter von einem Barré-Akkord in der Am-Form ableiten will.

Code: Alles auswählen

E -|---|---|---|-3-|---|---|---|---|---|-
H -|---|---|---|-Z-|-1-|---|---|---|---|-
G -|---|---|---|-Z-|---|<6>|---|---|---|-
D -|---|---|---|-Z-|---|-3-|---|---|---|-
A -|---|---|---|<6>|---|---|---|---|---|-
E -|---|---|---|-3-|---|---|---|---|---|-



Die C-Dur-Form wird zwar auch ab und zu mal als Barré gespielt, aber doch wesentlich seltener als die A-Moll-Form. Die C-Dur-Barré-Form behalten wir uns nur als Orientierungshilfe für die <1> im Hinterkopf. Wir müssen den Barré nicht unbedingt greifen zu können (obgleich es kein Fehler ist, wenn man den kann), sondern wir müssen von dem Akkord nur wissen, wo die <1> ist, damit wir das Karré für die Orientierung finden.

BildBildBild


Nach dem gleichen Prinzip funktionieren auch alle anderen Moll-Tonleiter-Formen.

Aber zuerst übt einmal die Am-Form.

Wie wäre es, ihr setzt den Barré-Akkord von der Am-Form in den 7. Bund, und improvisiert mit der Skala über Nothing else Matters.

Oder jedes Lied, das mit Em anfängt.

Sollte mal ein Ton dann doch nicht so passen, das wird Stoff für eine spätere Lektion (harmonisches und melodisches Moll). Behelft euch dann bei dem entsprechenden Akkord, wo es mal nicht passt mit der Pentatonik des entsprechenden Akkord.

Also Moll-Tonleiter so lange es passt
Vorerst ist es egal, welche Akkorde im Lied vorkommen.
Mit der Molltonleiter, in der das ganze Stück steht, kann auch das ganze Stück begleitet werden.

Achte dennoch auf die Akkorde.
Da wo du mal nicht mit der Moll-Tonleiter weiterkommst, da behilfst du dich am einfachsten damit, dass du bei dem einzelnen Akkord auf die entsprechende Akkord-Pentatonik zurückgreifst.

Hat was mit dem harmonischen und melodischen Moll zu tun, auf das ich noch später zurückkommen will.

Gruß Mjchael
Zuletzt geändert von mjchael am 17.12.2011, 10:25, insgesamt 5-mal geändert.

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Erstellt: von mjchael » 22.02.2010, 14:01

Lektion 25
die Skala vom Em-Typ
Lest euch die Lektion 23 ruhig noch ein paar mal durch, bis ihr wirklich verstanden habt, worum es geht.

Nehmen wir uns mal zwei andere Moll-Parallelen vor

G-Dur und E-Moll

In der Barré-Form:

BildBildBild


Eine Einsatzmöglichkeit der Skala sind Stücke in Moll, deren Hauptakkord ein E-Moll-Typ ist. (z.B. Am im 5. Bund wird als E-Moll-Typ gegriffen.)

Der G-Dur-Akkordtyp dient wieder nur zur Orientierung, damit ich die <1> vom Karré finde. Der Grundton der Molltonleiter ist aber die (6) die im Bild grau gezeichnet ist.

Am einfachsten kommt man über den zweiten Fingersatz in die Skala rein.

Code: Alles auswählen

A -|---|---|---|-2-|---|-3-|-4-|---|---|-
E -|---|---|---|(6)|---|-7-|<1>|---|---|-


Diesmal ist der Grundton der Moll-Skala (6) ganz oben auf der E-Saite.

Wie wäre es mit dem Lied "Here without you" in Bbm bzw. A#m?

Allso Akkord vom Em-Typ in den 6. Bund rein und mit der Skala vom Em bzw. G-Dur-Typ versuchen auf das Lied irgendetwas zu improvisieren.

Oder wie wäre es mit dem Lied

Summer-Wine.

Steht in Am
Also Em-Akkordtyp in den 5. Bund setzen und loslegen.

Ihr erinnert euch noch daran, dass ihr gegebenenfalls durch Überstreckung des kleinen Fingers vielleicht einen spieltechnischen Vorteil habt.

Code: Alles auswählen

E -|---|---|---|-6-|---|-7-|<1>|---|---|-
H -|---|---|---|-3-|-4-|---|-5-|---|---|-
G -|---|---|-X-|<1>|---|-2-|---|---|---|-
D -|---|---|---|-5-|---|-6-|---|-7-|---|-
A -|---|---|---|-2-|---|-3-|-4-|---|---|-
E -|---|---|---|-6-|---|-7-|<1>|---|---|-


Die Regel war: Man kann jeden Fingersatz nach rechts und nach links um jeweils zwei Bünde erweitern. Dieses macht dann Sinn, wenn ihr Beispielsweise den Akkord-Zeigefinger liegen lassen wollt. Ihr müsst es aber nicht, sondern ihr könnt auch einfach den 3. Fingersatz so ausspielen, wie ihr ihn von Anfang an gelernt habt. (Mache ich meistens so.)


Viel Spaß beim ausprobieren.
Es muss noch nicht wirklich gut klingen. Ihr habt schon viel gewonnen, wenn es sich halbwegs brauchbar anhört.

Gruß Mjchael
Zuletzt geändert von mjchael am 17.12.2011, 10:26, insgesamt 2-mal geändert.

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Erstellt: von mjchael » 26.05.2010, 03:37

Lektion 26
Der Gm(7)-Typ
BildBildBild


Die Skala vom Gm7-Typ kommt seltener zum Einsatz, denn nur selten verwendet man den Gm7-Akkordtyp als Grundakkord einer Moll-Skala. Viel mehr verwendet man den Fingersatz für die Skala vom Bb-Dur-Typ. Das ist auch der Haupteinsatz dieses Fingersatzes. Will man doch mal vom Gm7-Akkordtyp in eine Improvisation wechseln, dann ist der Ringfinger mit dem Grundton der parallelen Dur-Tonart der beste Einsteigepunkt, denn dort hat man gleich die <1> vom Karré.

Code: Alles auswählen

E |---|---|---|---|---|
H |---|-2-|---|-3-|-4-|
G |-6-|---|-7-|<1>|---|
D |---|---|---|---|---|
A |---|---|---|---|---|
E |---|---|---|---|---|


Ebenso kann man den kleinen Finger auch weiter auf die 4 schieben, und dann rückwärts in den zweiten Fingersatz rutschen.

Übrigens:
Es ist nicht möglich, einen vernünftigen Gm-Typ zu greifen. Die Notwendigen Töne wären:

Code: Alles auswählen

-|---|---|---|<1>|---|-
-|---|---|---|-5-|---|-
-|<1>|---|---|-3-|---|-
-|-5-|---|---|---|---|-
-|---|_3b|---|---|---|-
-|---|---|---|<1>|---|-

Ich habe nicht die Lust, meine Finger dermaßen zu überstrecken. Mit diesen Tönen lässt sich für mich keinen vernünftigen Akkord darstellen, den man einfach mal so anschlagen kann.
Moll-Akkorde haben aber einen kleinen Vorteil gegenüber den Dur-Akkorden. die Septime (7) kann man bei allen Moll-Akkorden einsetzen, ohne deren Funktion zu verändern. Bei Dur-Akkorden muss man je nach Funktion zwischen einer kleinen (7) und einer großen (j7) Septime unterscheiden. Die kleine Septime steht bei Dur-Akkorden nur bei der Dominante, die große Septime bei dem Grund-Akkord (Tonika) und der Subdominante.

Bei Moll-Akkorden kann man meist Problemlos eine kleine Septime ergänzen.

Code: Alles auswählen

-|---|---|---|<1>|---|-
-|---|---|---|-5-|---|-
-|<1>|---|---|-3-|---|-
-|-5-|---|---|-7-|---|-
-|---|_3b|---|---|---|-
-|---|---|---|<1>|---|-

Und in dieser Form kann man mit der Dämpfung der A-Saite sehr leicht den Akkord greifen.

Das selbe "Problem" taucht weiter unten auch beim Hm-Typ auf, so dass er nur als Hm7-Typ dargestellt werden kann. Dass ich die Bezeichnung Gm7-Typ und Hm7-Typ auch für die Moll-Skalen verwende ist eigentlich völlig unnötig. Gm-Typ und Hm-Typ würde völlig reichen. Da ich die Skalen aber immer mit den zugrundeliegenden Akkord-Typen verbinde, sind die Skalen so für mich einfacher abzuleiten und zu merken. Man verzeihe mir den kleinen Schönheitsfehler.

=================================

Wenn man nur ein Solo spielt, und nicht gleichzeitig zwischen Akkorden und Solo hin und her springt, dann muss man sich um folgendes kaum Gedanken machen. Ich selbst spiele aber nur selten Solos, sondern ich benutze die Skalen meist für Melodiepicking, oder ich versuche jazzige Arrangements nachzuspielen. Und da benötige ich neben der reinen Melodie, für die ich die Skalen brauche, auch die Akkorde, die ich für die Harmonien brauche.

Problem:
Wenn man diese Skala vom Bb-Typ übt, ist es sinnvoll etwas später auch den Slide eine Lage zurück in die Skala vom C-Dur-Typ zu lernen.

Grund:
Die Tonart A-Dur wird mit folgenden Akkorden begleitet:
1. Stufe = A-Dur
4. Stufe = D-Dur
5. Stufe = E-Dur

Bei der Skala vom (A-) Bb-Typ erwarte ich genau diese Akkorde in der Barré-Form. Die A-Form und die E-Form sind sehr leicht als Barré-Akkorde darzustellen, aber der D-Dur-Typ geht nicht so leicht von den Fingern.

Typische Kadenz:
Akkordfolge mit Akkordtypen, die innerhalb einer Skala/Lage bleiben.
Nachteil: der ungünstige Barré vom D-Dur-Akkordtyp (2. Takt beim G-Dur im 5. Bund)

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  D          G          A          D
|-5--------|-7--------|-5--------|-5----|
|-7--------|-8--------|-5--------|-7----|
|-7--------|-7--------|-6--------|-7----|
|-7--------|-5--------|-7--------|-7----|
|-5--------|----------|-7--------|-5----|
|----------|----------|-5--------|------|


Lösung:
Statt dessen nimmt man für die 4. Stufe auch eine E-Dur-Form, nur 2 Bünde vorher.
Akkordfolge mit einfachen Barré-Akkordtypen

Code: Alles auswählen

  D          G          A          D
|-5--------|-3--------|-5--------|-5----|
|-7--------|-3--------|-5--------|-7----|
|-7--------|-4--------|-6--------|-7----|
|-7--------|-5--------|-7--------|-7----|
|-5--------|-5--------|-7--------|-5----|
|----------|-3--------|-5--------|------|

Dieses ist eine typische Akkord-Kadenz.

Nachteil: G-Dur ist hier in einer anderen Lage, und damit in einer anderen Skala.

Aber was macht man dann bei der Improvisation?
Wie gesagt, wenn ich nur ein Solo ohne Akkorde spielen muss, kann es mir egal sein. Wenn ich aber Akkorde habe, oder etwas mit Akkorden arrangieren will, dann brauche ich einen Lagenwechsel.

Die Lösung relativ einfach, und wir haben ja schon gelernt, wie es geht:

Erinnerst du dich noch an die Longform?

die 2. Longform

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E -|---|---|---|---|---|---|---|-6-|---|-7-|<1>|---|---|
H -|---|---|---|---|---|-2-|---|-3-|-4-|---|-5-|-
G -|---|---|---|---|-6-|---|-7-|<1>|---|-2-|-
D -|---|---|-2-|---|-3-|-4-|---|-5-|---|-
A -|---|---|-6-|---|-7-|<1>|---|-2-|---|-
E -|---|---|-3-|-4-|---|-5-|---|---|---|-


wir hatten dort 2 Slide-Module, die wir dann nach oben und unten erweitert haben.

Code: Alles auswählen

E -|---|---|---|---|---|---|---|-6-|---|-7-|<1>|---|---|

H -|---|---|---|---|---|-2-|---|-3-|-4-|---|-5-|-
G -|---|---|---|---|-6-|---|-7-|<1>|---|-2-|-

D -|---|---|-2-|---|-3-|-4-|---|-5-|---|-
A -|---|---|-6-|---|-7-|<1>|---|-2-|---|-

E -|---|---|-3-|-4-|---|-5-|---|---|---|-


Die Töne, die ziemlich weit rechts sind brauchen wir hier aber gar nicht.

Code: Alles auswählen

E -|---|---|---|---|---|-5-|---|-6-|---|-
H -|---|---|---|---|---|-2-|---|-3-|-4-|-
G -|---|---|---|---|-6-|---|-7-|<1>|---|-
D -|---|---|-2-|---|-3-|-4-|---|-5-|---|-
A -|---|---|-6-|---|-7-|<1>|---|-2-|---|-
E -|---|---|-3-|-4-|---|-5-|---|---|---|-

Man sollte sich also zusätzlich das Slide-Modul auf der A- und D-Saite einprägen. Dieses wird gebraucht, wenn man den Akkord auf der 4. Stufe spielt, und für den 2 Bünde zurückrutschen muss.

Wenn man aber lange genug mit solchen Tonarten bzw. Akkordfolgen zu tun hat, welche die Skalen vom Bb-Typ erfordern, dann geht auch der Lagewechsel zurück in die Skala vom C-Typ leicht von der Hand.
==========================================
Mann könnte jetzt noch mal kurz überlegen, ob man die Skala nicht auch in der anderen Richtung sinnvoll erweitern könnte:

Aber der Akkord auf der 4. Sufe müsste dann so aussehen:
G-Dur = (6)98676
Also müsste man den Akkord der 4. Stufe (G-Dur) dann in der C-Form spielen. Das macht man aber wirklich nur extrem selten. Also lohnt es sich nicht, länger darüber nachzudenken.

Allerdings sind genau das die Überlegungen die man sich beim Improvisieren macht. Welche Skala kann ich für welchen Akkord in einer bestimmten Lage am besten verwenden. Das ganze geht dann in die Richtung Modale Improvisation bzw. in Richtung Kirchentonarten. Aber das ist Stoff für einen anderen Workshop.

Gruß Mjchael
Zuletzt geändert von mjchael am 17.12.2011, 10:26, insgesamt 2-mal geändert.

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Erstellt: von mjchael » 26.05.2010, 06:05

Lektion 27
Der Dm-Typ

BildBildBild


Ebenso wie der Gm7-Akkordtyp kommt auch der Dm7-Akkordtyp nur sehr selten als Grundakkord einer Molltonleiter vor. Zumindest nicht in seiner Barré-Form. Also wendet man den Fingersatz hauptsächlich bei einen bei einem Barré-Akkord vom F-Dur-Typ.

Zur Tonart F-Dur gehören die Akkorde
1. Stufe = F
4. Stufe = Bb
5. Stufe = C

wieder sind die F-Form und die Bb-Form einfach zu greifen.
Jetzt könnte man sich fragen, in welche Lage man wechseln muss, um den Akkord der 5. Stufe in der C-Form zu umgehen. Wen es interessiert, es wäre die nächst höhere Lage 2 Bünde weiter. Aber das ist gar nicht nötig, denn man kann den C-Dur-Typ auch anders umgehen. Die 5. Stufe kann auch als ein Dur7-Akkord darstellen, und der C7-Typ wiederum recht einfach zu greifen wenn man die beiden E-Saiten dämpft, oder nicht anschlägt.

Code: Alles auswählen

x -|---|---|---|---|---|-
H -|---|-Z-|---|---|---|-
G -|---|---|---|-K-|---|-
D -|---|---|-M-|---|---|-
A -|---|---|---|-R-|---|-
x -|---|---|---|---|---|-


Damit bleibt man in einer Lage.
Beim Gm7-Typ war dies nicht möglich, denn den Akkord auf der 4. Stufe kann man normalerweise nicht als 7er-Akkord darstellen.

Gruß Mjchael
Zuletzt geändert von mjchael am 17.12.2011, 10:26, insgesamt 1-mal geändert.

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Erstellt: von mjchael » 26.05.2010, 06:28

Lektion 28
Der Hm7-Typ

BildBildBild


Sowohl der Hm7- noch der D-Dur-Akkordtyp werden in ihrer Barré-Form so gut wie nie als Grundakkord einer Tonart verwendet.

Die Skala von Hm7- / D-Dur-Typ wird daher hauptsächlich als Verbindungsglied zwischen der Skala vom F-Dur- und C-Dur-Typ verwendet.

Sollte aber mal ein Barré-Akkord vom A-Dur-Typ auf der 5. Stufe stehen, oder ein Barré-Akkord vom Em-Typ auf der 2. Stufe, dann käme dieser Fingersatz zum Einsatz. Doch dieses ist wieder ein Thema für die Kirchentonarten, was hier zu weit führen würde, was ihr euch aber mal im Hinterkopf behalten solltet.

Gruß Mjchel
Zuletzt geändert von mjchael am 17.12.2011, 10:27, insgesamt 1-mal geändert.

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Erstellt: von mjchael » 26.05.2010, 07:03

Lektion 29
Abschluss

Ihr habt jetzt alle 10 Hauptskalentypen kennengelernt.

C/Am - D/Hm7 - F/Dm - G/Em - Bb/Gm7

Wenn man aber von den Grundakkorden der Tonart ausgeht werden hauptsächlich 4 Zuordnungen verwendet:
BildBild

BildBild

BildBild

BildBild


Für die Em-Form und die Am-Form ist es günstig auch die Dur-Parallelen (G bzw. C) im Hinterkopf zu halten, um die <1> aus dem Karré für die Orientierung zu haben.

Diese 4 Zuordnungen dürften die Formen sein, die du in Zukunft am häufigsten verwenden wirst. Die anderen 6 möglichen Zuordnungen kommen einfach seltener vor, weil man die Barré-Akkordformen einfach seltener als Grundakkord benutzt.

Erst wenn du dich weiter mit modaler Improvisation beschäftigst (Zuordnung von Akkorden, Akkordstufen / -funktionen und Skalen), werden auch die anderen Zuordnungen wieder interessanter. Aber das kann warten.

Du brauchst keine Angst zu haben, etwas nicht zu lernen, denn du wendest ja 4 von 5 Fingersäten ständig an, und es gibt ja nur 5 Fingersätze.

Der Rest kann warten, bis du dich mit mit dem Thema näher auseinandersetzen wirst.

=====================================================

Damit schließe ich den Workshop ab. Vielleicht werde ich nochmal das eine oder andere Überarbeiten, aber mir fällt im Moment nichts weitere ein, was zu den 5 Hauptformen zu ergänzen wäre.
Melodisches und Harmonisches Moll sind Stoff für einen anderen Workshop.
Modale Improvisation sind ebenfalls Stoff für einen anderen Workshop.

Sollte ich noch was vergessen haben, mich irgendwo vertan haben (was auch vorkommen kann), oder sollten euch noch weitere Beispiele oder so einfallen, postet es hier drunter.

Solltet ihr etwas nicht verstehen, dann meckert nicht lange herum, wie kompliziert doch alles sei, sondern fragt nach.
Dann habe ich die Möglichkeit es deutlicher zu erklären. Ich habe keine Probleme gegebenenfalls etwas umschreiben.
Aber dazu sind wir ein Forum, wo man auch mal nachhaken kann.

Ich hoffe ihr konntet was mit dem Workshop anfangen.

Gruß Mjchael
Zuletzt geändert von mjchael am 17.12.2011, 10:27, insgesamt 1-mal geändert.

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Erstellt: von Kato » 26.05.2010, 11:19

:shock: Du solltest ein Buch schreiben MJ......ich dachte..oh klasse genau das richtige für den Uralub zum Mitnehmen......aber damit bin ich ja ein halbes Jahr beschäftigt^^
:lol:
Wahnsinn...danke für den Haufen Arbeit. Ich werde mal anfangen mich durchzuwuseln.

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Erstellt: von mjchael » 26.05.2010, 16:55

Das Buch schreibe ich ja auf den Wikibooks.
Ich hoffe nicht, dass du ein halbes Jahr dafür brauchst. Fange mal an den Stoff praktisch durchzuarbeiten, und du wirst sehen, du wirst viel schneller mit den Skalen klar kommen als du jetzt vielleicht vermutest.

Die Menge an Text soll dir die Zeit mit Versuch und Irrtum verkürzen. Sobald du mal verstanden hast worum es geht, wirst du feststellen, dass das meiste was hier steht reine Wiederholung ist. Lass dich von der Menge des Textes nicht abschrecken. Würde ich dir beim Unterricht gegenüber sitzen, würde alles viel schneller gehen.

Ich würde genau so immer wieder das selbe wiederholen, aber es würde dir nicht so auffallen, weil du auch gleichzeitig das Ganze üben würdest. Nur weil ich hier alles schriftlich ausformuliere, und so, dass es möglichst unmissverständlich ist, sieht es so viel aus.

Gruß Mjchael

ray6233
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Erstellt: von ray6233 » 20.10.2010, 19:06

Ich kann jetzt die erste Skala (D-Typ). Ist das jetzt egal wo auf dem Griffbrett ich die spiele?! Oder wo muss ich beginnen? Also welcher bund....

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Erstellt: von mjchael » 20.10.2010, 20:21

Zum Üben kannst du die Skala überall beginnen wo du willst.

Wenn du eine bestimmte Dur-Tonart spielen willst, dann musst du dafür sorgen, dass die "1" der Skala auf den entsprechenden Ton zu liegen kommt.

Suche dir einfach mal ein Lied in G-Dur aus.

Ich habe die Lektion um Liedbeispiele in G-Dur erweitert, und erklärt, wie man dieses anwendet.

https://www.gitarre-spielen-lernen.de/forum/ftopic11164.html#120526

Gruß Mjchael

ray6233
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Erstellt: von ray6233 » 20.10.2010, 21:47

Ach jetzt versteh ich das auch. Danke für die Erklärung :-)

Edit: Noch eine Frage. wie gesagt bin ich bei der ersten skala.. Sollte ich vielleicht vorher mit der Pentatonik anfangen? Ist das einfacher?

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mjchael
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Erstellt: von mjchael » 22.10.2010, 12:39

Mache ruhig die Dur-Skalen durch, wenn du schon mal angefangen hast.
Auch mit den Pentatoniken muss man sich erst mal durch Theorie kämpfen.
Wenn du nur die Pentatoniken anwenden willst, ohne zu wissen, was du da machst,
dann mögen diese einfacher sein, da sie weniger Töne haben.

Wenn du dich aber auf deinem Griffbrett besser auskennen willst, und auch eine Ahnung davon haben möchtest, was man warum macht, dann bist du mit diesem Workshop besser beraten.

Die Pentatonik holst du dann später nach.
Gruß Mjchael

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Erstellt: von ray6233 » 25.10.2010, 16:53

Noch eine Frage:
ich habe es bis jetzt so gemacht, sagen wir ein Stück in G-Dur.

Ich habe dann alle Skalen so "ausgerichtet", dass es halt mit den Grundtönen für g-dur passt, und dann quasi über ganze Griffbrett improvisiert. Hat sich in meinen Ohren auch passen angehört.

Jetzt hab ich im buch "1000 Tipps für gitarre" was über die Pentatonik gelesen, und so wie ich das verstehe, soll man sobald jetzt im song z.b. von G nach C gewechselt wird auch mit den tonleitern nach C wechseln und dann damit improvisieren?

Was stimmt da jetzt?! Ich ja gar nicht so schnell "umdenken" mit den Tonleitern oder?

Danke schonmal :)

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Erstellt: von mjchael » 27.10.2010, 03:52

Das Wechseln der Pentatonik ist eigentlich nicht viel was anderes als das Wechseln eines Akkordes.

Eine Pentatonik ist etwas anderes als eine Tonleiter. Die Pentatonik hängt eng mit dem Akkord, den sie umspielt, zusammen. Die Pentatonik passt immer zu den dazugehörigen Akkorden. Sie kann zu anderen Akkorden passen, muss es aber nicht.

Eine Pentatonik ist halt nur der Ausschnitt einer Tonleiter. Es fehlen der Pentatonik eines bestimmten Akkordes die Töne, die zu einem anderen Akkord passen. (Ausnahme Dur- und Moll-Parallelen)

Du weißt, dass man zu einer Tonleiter verschiedene Akkorde spielen kann.
Beispiel für G-Dur (nach dem Quintenzirkel)
C G D(7) Am Em Hm

Die 6 Akkorde tauchen aber auch in anderen Tonarten auf.

Bb F C Gm Dm Am (F-Dur-Tonleiter)
F C G Dm Am Em (C-Dur-Tonleiter)
C G D Am Em Hm (G-Dur-Tonleiter))
G D A Em Hm F#m (D-Dur-Tonleiter)
D A E Hm F#m C#m (A-Dur-Tonleiter)

Wie du siehst, taucht C und Am, G und Em, D und Hm immer zusammen in der selben Tonart auf.

Die Pentatonik einer Dur- oder deren Mollparallele enthält nur die Töne, die in allen drei Tonleitern vorkommt, in der auch die beiden parallelen Akkorde vorkommen.

Beispiel:
C-Dur und Am kommen in der Tonart F-, C- und G-Dur vor.
Die Töne C G D A E kommen ebenfalls in den drei Tonarten vor.
Die Töne F und F# sowie Bb und H unterscheiden sich in den drei Tonarten.

Solange du allerdings in einer Tonart bleibst, ist es nicht unbedingt nötig, dass du die anderen Töne meidest. Nur musst du dich dann mit den Tonleiterskalen auskennen.

Pentatoniken sind dahingehend einfacher, dass man sie eindeutig einem Akkord zuordnen kann, egal in welcher Tonart er steht bzw. egal welche Funktion der Akkord in den einzelnen Tonarten hat (Tonika, Subdominante oder Dominante bzw. deren Mollparallelen) Das kann man bei den Tonleiterskalen nicht sagen.

Aber du hast doch schon gesagt, dass du die G-Dur-Tonleiter quer über das Griffbrett spielen kannst, und dass es einigermaßen passt.
()/ Damit hast du schonmal viel erreicht.
Mache dir das bloß nicht damit kaputt, dass du dich jetzt von anderen Sachen zu sehr verwirren lässt.

Also noch einmal kurz zusammengefasst:
Eine Pentatonik ist eng an einen Akkord gebunden,
Die Tonleiter umspannt mehrere Akkorde.

Gruß Mjchael

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Lorbass
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Erstellt: von Lorbass » 24.02.2011, 22:12

Hallo,

klasse Workshop, so ausführlich und gut verständlich habe ich das noch nicht gesehen. Wirklich sehr gut für Einsteiger.

Hier aber meine Frage:

Ich spiele ohne Plek und würde gerne wissen, ob ich die Finger den Seiten zuordnen muß. Gibt es da eine Regel?

Vielen Dank im voraus.

Lorbass

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mjchael
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Erstellt: von mjchael » 25.02.2011, 00:21

Nein, es gibt keine generellen Regeln.

Die Töne einer Skala können so unterschiedlich gespielt werden (sie müssen ja wirklich nicht immer nur nacheinander gespielt werden, sondern können auch wie ein Arpeggio gespielt werden) dass man sich immer im einzelnen überlegen muss, was gerade das günstigste ist.

Am ehesten würde ich einen Wechselschlag wählen, wo immer Zeige- und Mittelfinger abwechselt. Wo es sinnvoll ist, nimmst du allerdings auch andere Finger. Spielst es mal wie ein Zupfmuster, mal wie ein Arpeggio (nur die Akkordtöne aus der Skala herauspicken) und dann wieder mit dem Wechselschlag.

Ich selbst bin nicht der wirklich gute Solist, und ich brauche die Skalen, um Melodiepicking umzusetzen, wo ich also ein komplettes Arrangement mit Akkorden spiele, aber dennoch die Skalen brauche, damit ich weiß, welche Töne gerade gebraucht werden. Die Töne befinden sich ja auch alle auf den Skalenpunkten.

Den Wechselschlag kannst du über alle Saiten ausführen, sofern du nicht über mehrere Saiten springen musst. In dem Fall muss man was austüfteln. Du kannst aber auch die Basssaiten dem Daumen überlassen, je nach dem wie schnell du spielst.

Selbst Hammering-Figuren und Sweeping sind alles denkbar (wobei letzteres wieder mit dem Plektrum gespielt wird).

Ich habe mir ein wenig Klassik beigebracht (Noten vom Blatt abspielen) und da gab es bei einigen Büchern wertvolle Hilfen zu der Zupfhand. Von daher habe ich einige Erfahrungen gesammelt, die ich versuche auf andere Sachen zu übertragen. Leider kann ich es nicht leisten, die Übungen alle aufzuschreiben. Das würde hier den Rahmen des Workshops doch sprengen.

Aber es lohnt sich, wenn man sich einmal ein wenig mit Klassischer Gitarre beschäftigt.

Vielleicht startest du aber auch mal eine Anfrage im Forum (Technik und Anschläge) und vielleicht entwickelt sich da ja ein kleiner Workshop.

Gruß Mjchael

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Lorbass
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Erstellt: von Lorbass » 25.02.2011, 12:34

Hallo Mjachel,

vielen Dank für deine Antwort!

Gruß Lorbass

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~Lucas~
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Erstellt: von ~Lucas~ » 02.07.2011, 20:53

Hallo,

ich würd' mir gern' den Workshop ausdrucken. Einfach aus dem Browser drucken geht nicht, da ist die Schrift zu klein und auch die Teile mit der "Code" Funktion werden nicht korrekt dargestellt. Alles in Word kopieren klappt auch nicht, ebenfalls wegen dem Ascii Code.
Kann mir jemand helfen?

MfG Lucas
Wer gegen den Strom schwimmt, muss einiges schlucken können...

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mjchael
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Erstellt: von mjchael » 02.07.2011, 23:48

Formatiere den ASCII-Code mit Courier-New!

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~Lucas~
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Erstellt: von ~Lucas~ » 03.07.2011, 16:53

Hey,

ok, das mit dem Code klappt jetzt, allerdings befinden sich nun einige Textabschnitte einfach wie abgehackt auf den Seitenrändern?! Ich glaub, ich lern das ganze doch mit dem PC ;D

MfG Lucas
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Erstellt: von mjchael » 04.07.2011, 01:03

Nachdem du den Text in Word hineinkopiert hast, kannst du einzelne Abschnitte in Spalten aufteilen. Dadurch bekommst du einiges Platzgünstiger hin.

Ebenfalls kannst du mit Tabellen arbeiten. Auch da bekommt man einiges grafisch geregelt.

Allerdings werde ich mir selbst nicht die Mühe machen.
Irgendwann mal landet alles auf die Wikibooks.

Gruß Mjchael

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Counterfeit
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Erstellt: von Counterfeit » 04.07.2011, 10:14

wooow...noch gar nicht gesehen diesen ausführlichen Workshop. Da ich mich bisher nur mit Pentatoniken beschäftigt habe und nun mit den Tonleitern anfangen wollte, ist das genau das Richtige für mich. Danke!

tic
kam, sah und postete
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Erstellt: von tic » 12.08.2011, 10:38

Genau sowas habe ich gesucht - vielen Dank!

baman
öfter hier
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Workshop frage

Erstellt: von baman » 28.08.2011, 12:24

Hi, ich weiß nich ob hier noch was los ist, wenn doch dann hier meine Frage.
Ich hatte gleich zu anfang alle pentatonik positionen gelernt und auch wo deren grundtöne sind. kurz darauf fing ich an mir die fehlenden töne einzusetzen und habe so alle pentatonik posis in tonleitern umgewandelt. mit deinem workshop habe ich jetzt noch ein besseres versständniss erlangt. doch die frage weiteroben hat mich stutzig gemacht. wenn ich zu einem akkord auch die tonleiterskala wechseln soll, kann ich dann nicht auch einfach meine pentatonik an den akkord anpassen? oder ist vielleicht nur gemeint ich soll nur zb. myxolydisch weitermachen? ( also über die dominante?)
btw, sehr guter workshop!

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Erstellt: von mjchael » 28.08.2011, 12:46

Das Problem ist, dass du eine Pentatonik drei Akkorden zuordnen kannst, und einer Tonleiter 7 Akkorden.

Der Fingersatz einer bestimmten Pentatonik kannst du einem Dur-Akkord dessen parallelen Molltonart oder die parallele Molltonart als Dur-Akkord gespielt, wenn du darüber ein Blues spielen willst.
Beispiel
Der Fingersatz einer bestimmten Pentatonik könnte beispielsweise auf folgende Akkorde passen.
C-Dur; A-Moll; A-Dur-Blues

Einer Tonleiter dagegen kann auf 7 Akkorde passen.
C-Dur - Tonika - (ionisch)
Grundton der Tonika = 1

D-Moll - Subdominantenparallele - (dorisch)
Grundton der Subdominantenpatallele = 2

E-Moll - Dominantenparallele - (phrygisch)
Grundton = 3

F-Dur = Subdominante - (lydisch)
Grundton = 4

G-Dur = Dominante - (mixolydisch) = 5
A-Moll = Tonikaparallele (äolisch) = 6
Hm7b5 = Verminderter (lydisch) = 7

Für jeden Akkord verwende ich die selbe C-Dur-Tonleiter. Jedoch ich betone die Akkordtöne des gerade umspielten Akkord stärker als den Rest. Du kannst es ganz bewusst machen, insbesondere wenn du dich später mal mit Kirchentonarten beschäftigst. Bei einfachen Stücken überlegst du meist nicht lange jeden Akkord aus, sondern verlässt dich auf dein Bauchgefühl. Du hörst ja, ob es passt. Die Akkorde beachtest du nur unbewusst, genau wie du es beim Singen machst, wo alles automatisch abläuft, wenn man mal den Anfängerstatus verlassenen hat. Wichtig ist meist nur der Grundakkord der Tonart, um wieder reinzufinden, wenn man doch mal den Faden verloren hat.

So wie du die Durtonleitern anwendest machst du aus jedem Akkord den Grundakkord einer Tonleiter (Tonika). Um die richtige Skala eines Akkordes zu finden, musst du aber zuerst die Tonleiter des ganzen Stückes herausfinden, und diese Skala auf alle Akkorde des Stückes anwenden. (Siehe die Aufstellung oben für C-Dur). Die Skala bleibt gleich, nur die Grundtöne ändern sich.

Probleme hat man nur, wenn man einen einzelnen Akkord unabhängig von einem Stück betrachtet.

Also für einen einzelnen Dur-Akkord sind drei Skalen möglich.

Beispiel:
G-Dur

G-Dur könnte er Grundakkord (Tonika) der Tonart G-Dur sein, über den man mit der G-Dur-Tonleiter improvisiert (also ionisch).
G-Dur könnte in einem anderen Lied die Dominante der Tonart C-Dur sein, über die man mit der C-Dur-Tonleiter improvisiert (also mixolydisch).
G-Dur könnte in noch einem anderen Lied die Subdominante der Tonart D-Dur sein, über die man mit der D-Dur-Tonleiter improvisiert (also lydisch).
G-Dur könnte aber auch irgendeine Zwischendominante sein. Aber auch über diese wird zumeist mixolydisch (also mit dem Tonmaterial der C-Dur-Tonleiter) improvisiert.

Also nicht alle Akkorde sind Grundakkorde einer Tonleiter, sondern es passen mehrere Akkorde zu einer Tonart. Wenn du mal etwas genauer drüber nachdenkst, sollte es eigentlich ganz logisch sein. Denn nichts anderes macht man ja auch beim ganz normalen Begleiten einer Melodie.
Bei einem Lied in C-Dur erwartet man üblicherweise folgende Akkorde:
F C G(7) Dm Am Em und eventuell auch mal den Hm7b5
Das sind die oben beschriebenen Akkorde, die man über ein Lied anwenden kann, für das man eine einzige Skala braucht (Die C-Dur-Skala)

Improvisation und Melodie verhalten sich im Prinzip gleich. Eine Improvisation ist ja vom Prinzip her nichts anderes als eine etwas freier geführte Oberstimme.

Schade dass die Leute immer gleich mit der Improvisation anfangen, aber noch keine Melodien oder so was nachspielen können. Dann wäre man nämlich mit vielen Selbstverständlichkeiten vertraut.

Wie dem auch sei: wenn du aber das mal grob verstanden hast, solltest du besser damit zurechtkommen.
Es kommen später noch ein paar Feinheiten mit Moll-Tonarten dazu, und die Sachen, wo man von der üblichen Tonart abweicht (Modulationen, Dominantenketten, Ausweichungen etc...) aber um diese Ausnahmen zu verstehen, solltest du die Regel verinnerlicht haben.

Gruß Mjchael

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Erstellt: von baman » 29.08.2011, 22:09

ich glaube ich komme auf den richtigen weg...ich glaube :D
also ist es so?
Wenn ich in c-dur bin, ist G meine dominante. muss ich also wenn im lied ein G akkord gespielt wird, auf die G-Dur Tonleiter oder pentatonik wechseln und auf dieser myxolydisch spielen.

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Erstellt: von mjchael » 29.08.2011, 22:55

Ne, du bleibst in dem Fall auch beim G-Akkord auf der C-Dur-Tonleiter und spielst dadurch automatisch mixolydisch.

Also nix mit Wechseln.

Eine G-Dur-Pentatonik hat nichts mit mixolydisch, jonisch oder lydisch zu tun. Denn eine Pentatonik umgeht das Problem mit den verschiedenen Funktionen in der ein Akkord stehen kann.
Die G-Dur Pentatonik verwendet nur die 5 Töne, die in allen drei Skalen/Tonleitern vorkommt, wo man ein G-Dur verwenden kann, und meidet einfach die Töne, mit der sich die 3 Skalen unterscheiden.

Egal, in welcher Tonart du den G-Dur Akkord spielst,
als Tonika in der G-Dur-Tonart (ionisch)
als Subdominante in der D-Dur-Tonart (lydisch)
als Dominante in der C-Dur-Tonart (mixolydisch)
die G-Dur Pentatonik mit den Tönen G D A E H passt immer rein.

Die Töne C oder C# und die Töne F oder F# sind die Töne, die sich von Tonart zu Tonart bzw. von Modus zu Modus unterscheiden. Wer sich nicht sicher mit den Tonleitern ist, der verwechselt da gerne mal was, und streut einen Ton ein, der eigentlich zu einer anderen Tonart gehört. Bei der Pentatonik meidet man die Töne mit "Verwechslungsgefahr".

Du befindest dich aber in der C-Dur-Tonart, und du bleibst da auch. Auch wenn die Akkorde Wechseln. (Es gibt zwar Ausnahmen, aber ich bleibe hier erst mal bei der Regel).

Die ganze Akkordskalentheorie (AST) (Was für ein Modus zu welchem Akkord gehört) ergibt sich dann von ganz alleine durch die Akkordwechsel. Man muss sich eigentlich nicht drum kümmern, sondern bleibt einfach in der C-Dur-Skala.

Das Wechseln von Tonarten kommt in der einfachen Rock und Pop-Musik eher selten vor.
Erst mit dem Jazz wurde das wechseln der Tonart mitten im Stück bis zum Exess getrieben. Da wurde bei jedem zweiten oder dritten Akkord die Tonart gewechselt, und manchmal noch eine Zwischentonart eingeschoben. Ab da erst brauchte man die ganzen Modis für die einzelnen Akkorde.

Eine Ausnahme bilden rockige Lieder, die stark vom Blues beeinflusst wurden. Wo man jeden Akkord als einen Dur7er spielt, auch wenn es nicht die Domininante ist. Dort spielt man dann über jeden Akkord die mixolydische Skala, oder eine Variante von der. (mixo11#) Aber das gehört zu einem anderen Thema, was den Rahmen dieses Workshops sprengen würde.

Der Normalfall ist, dass man in einer Tonart bleibt, und dass Tonartenwechsel eher die Ausnahme ist.

Gruß Mjchael

baman
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Erstellt: von baman » 30.08.2011, 18:46

Ok, dann werde ich mich weiter auf das improvisieren im praktischen. Ich weiß ich bin ziemlich langsam -.- aber ich hab in einem Forum diesen "big picture" beitrag gelesen und da steht eben wo in einer pentatonik der myxolydische "anfang" ist und wo der mollgrundton der durgrundton usw... da dachte ich das ich einfach vom jeweiligen grundton des modus ausgehe.

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Erstellt: von mjchael » 30.08.2011, 20:03

Du musst ein wenig aufpassen, dass du bestimmte Konzepte nicht durcheinander wirfst.
Bei diesem Workshop habe ich ganz ausdrücklich gesagt, dass es hier um einfache Rock- und Popsongs geht, die in einer Tonart bleiben.

Blues und vom Blues beeinflusste Musikrichtungen stehen eben erst mal auf einem anderen Blatt, und man sollte die beiden Konzepte weder in einen Topf werfen, noch gegeneinander ausspielen. Es sind zwei Konzepte, die man getrennt lernen soll.

Das ganze Gerede über Kirchentonarten ist irgendwo ein Gipfelpfad.
Der Workshop hier ist gerade mal der Weg zum Fuß des Berges.
Immer schön eines nach dem andern und nicht alles auf einmal.

Das kann ich zum einen beim besten Willen nicht leisten, und ihr könnt es eh nicht umsetzen.

Der Workshop hier ist etwas einfacher gestrickt.

Schaue dir mal die Beispiele aus den Standard-Akkordverbindungen an, und versuche da mal ein wenig drüber zu Improvisieren.


Da vor allem mal den diatonischen Quintenfall.
Orientiere dich da mal an so Namen wie Garry More oder Santana.
Meist funzt da die C-Dur-Tonleiter.
Macht tierisch Spaß, wenn man mal versucht mit den Meistern ein klein wenig mitzuklimpern.

Gruß Mjchael

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Roddy
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Erstellt: von Roddy » 14.01.2012, 03:04

Ich hab mir mal eine Übersicht im Querformat mit Open Office erstellt.
Habs mal als PDF angehängt, falls es sich wer ausdrucken möchte...

Es sind die Akkord Formen und Dur-Skalen drauf.

Klasse Workshop, danke!
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