Hilfe, ich soll jemanden Gitarrenunterricht geben...

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mjchael
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Hilfe, ich soll jemanden Gitarrenunterricht geben...

Erstellt: von mjchael » 23.08.2010, 21:51

Dieser Thread ist speziell für Flow eröffnet worden, und für alle gedacht, die ihren Freunden Gitarre beibringen wollen.

Über das für und wider, ob man als nichtstudierter Gitarrist es überhaupt wagen darf, mit seinem geringen Erfahrungsschatz anderen etwas beizubringen, darauf möchte ich mich hier nicht auslassen. Die Fragen werde ich sogar hier abwürgen und löschen bzw. auf einen anderen Thread verschieben. Hier sollen Tipps weitergegeben werden, worauf man sich bei seinem Unterricht vorbereiten sollte. Was man sich selber beibringen sollte, und welche Wissenslücken man schließen sollte, um den andren möglichst wenig Unsinn beizubringen.

Ich war vor kurzem erst wieder auf einem Forumstreffen, und da sind sehr viele Leute dabei, die haben ihre ersten Schritte im Gitarrenspielen von Freunden und Privatleuten gelernt. Und die spielen alle trotzdem verdammt gut. Es stimmt zwar, dass man vieles vielleicht hätte besser machen können, aber ich denke der schlimmste Fehler beim Gitarrenspielen lernen ist es, dass man überhaupt nicht anfängt.

Obwohl ich ein wenig improvisieren kann, bin ich kein guter E-Gitarren-Spieler. Daher wäre es schön, wenn ein paar E-Gitarren-Spieler mit Tipps weiterhelfen können.

Ich werde euch ein paar Tipps geben, die natürlich eng mit dem Lagerfeuerdiplom und den darauffolgenden Kursen zusammenhängen. Damit gebe ich euch die Möglichkeiten, Entscheidungen die ich getroffen habe nachzuvollziehen.

Wer selber Tipps und Tricks für angehende Gitarrenlehrer hat, der soll die ruhig mit hier rein schreiben. Aber es geht hier nicht darum, die eine Methode gegen eine andere auszuspielen. Welcher Methode man den Vorzug gibt, dass sollen die angehenden Lehrer selbst beurteilen.

Alle Tipps sind für angehende Gitarrenlehrer im ehrenamtlichen und privaten Bereich gedacht.
Hier wird nicht über einzelne Probleme von Schülern gesprochen. Dafür ist das Forum da. Hier wird nicht über gute und schlechte Lehrer gelästert. Dafür ist das Offtopic da.

Hier geht es um Unterrichtsmethoden. Worauf man Achten sollte, und welches Wissen man mitbringen sollte, und welche Wissenslücken man so schnell wie möglich schließen sollte.

Fehler werden hier nur beschrieben, wenn ein Lehrer darauf achten sollte, diese zu vermeiden.

Für Gitarrenschüler kann dieser Thread interessant sein, um zu sehen, warum man etwas wie machen soll, und wie einige Lehrer ticken.

Gruß Mjchael
Zuletzt geändert von mjchael am 24.08.2010, 00:41, insgesamt 2-mal geändert.

Gast

Erstellt: von Gast » 23.08.2010, 22:15

Hey, danke Mjchael!
Ich möchte jetzt mal fernab von Musikthorie vor allem Tipps für die richtige Haltung und ähnliches geben...
Auch wenn der Thread in erster Linie für mich ist, will ich einige Tipp und Ratschläge wiedergeben um anderen Lehrern, bzw solche die es werden wollen zu helfen.

Also:

Zur Hand/zum Arm..
Die Handhaltung macht einges aus. Gerade in den Anfangszeiten als Gitarrist sollte man daher die richtige Haltung beigebracht bekommen.


Der Daumen sollte Horizontal zum Hals stehen.
Bild

Dabei darauf achten dass die Daumenkuppe nicht auf dem Griffbrett liegt.
Bild

Es gibt zwar bestimmte Akkorde die man so greifen kann, aber ich persöhnlich rate davon beim Anfängern ab. Wenn er später mal zu solchen Kniffen greift, ist es kein Problem. Aber er sollte sich nicht durch solche Hilfsgriffe davon abhalten lassen, wichtige Lektionen zu lernen.



Speziell bei Barreakkorden kann man aber anders vorgehen. Einfach den Daumen paralell zum Hals und den Ellenbogen bewusst vom Körper wegdrücken.
Bild

So kann sich eine natürliche Hebelwirkung aufbauen und das ganze erleichtert das greifen, so dass man (bzw der Schüler) nicht unnötig Kraft beim greifen (drücken) aufwenden muss.

Wenn der Schüler den Arm bei Akkorde greifen/spielen zu nah am Körper hat, dann ruhig mal darauf hinweisen, dass er ihn bewusst vom Körper wegdrücken soll.


P.S: Vielen Dank gilt Mjchael, dafür das er, wohlgemerkt unaufgefordert, einen Thread dazu eröffnet hat.
P.s.s.: Wenn der Thread speziell für mich ist dann ist die überschrift nicht ganz korrekt, da ich keinem Untericht geben soll, sondern möchte bzw schon mache..aber ist natürlich der übersicht halber sinnvoll ;)


Gruss Flo

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Erstellt: von mjchael » 24.08.2010, 00:18

@Flow
Ne, dein Thread war schon der Auslöser. Aber der Thread ist nicht allein für dich gedacht, sondern für alle potenziellen ehrenamtlichen oder privaten Gitarrenlehrer, die nicht das Glück oder die Zeit gehabt haben, Musik zu studieren. Nicht zuletzt habe ich mir ja selbst für meinen eigenen Unterricht viele Gedanken darüber gemacht, und habe den mit Membern von Gitarrenforen durchdiskutiert. (Zumeist mit Membern vom www.gitarrenboard.de)

Einiges steht schon in den Wikibooks drin, aber ich denke es schadet nichts dieses auch hier mal zu veröffentlichen, und zur Diskussion zu stellen, um seinen eigenen Unterricht zu verbessern.

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Ich habe Gitarristen gesehen, die konnten Nothing-Else-Matters schon fast flüssig vorspielen, aber sie konnten nicht ein einziges Lied mit einfachen Akkorden begleiten, obwohl dieses mit zu den einfachsten Fähigkeiten gehört.

Wenn ihr anderen das Gitarrespielen beibringen wollt, würde ich mit dem einfachen Grundlagen anfangen, und dann erst wenn die Grundlagen gelegt sind, mit schwereren Lektionen weitermachen.

Allerdings bringt es nichts, zuerst nur alles zu lernen, was leicht zu handhaben ist. Mit vielen einfachen Griffen kann man nur bei einem Lied was anfangen, und man wird diesen einfachen Griff kaum noch bei anderen Liedern einsetzen. Obgleich der Griff einfach ist (z.B. Dj7) , bringt er einem in der Fähigkeit Gitarre spielen zu lernen, erst mal nicht viel weiter. Man kann zwar viele Akkorde, kann sie aber kaum bei vielen Liedern einsetzen. Hätte man ein paar andere Akkorde gelernt, worunter mitunter auch ein schwerer Akkord mit dabei wäre (G-Dur mit kleinem Finger) dann hätte man mit viel weniger Akkorden ein riesiges Repertoire eröffnet.

Also die Frage
Welche Akkorde soll man Anfängern zuerst beibringen?
Die meisten Lieder in unserer westlichen Hemisphäre sind in Dur. Also solltest du alle Dur-Tonarten mit Akkorden kennen, für die man keine Barré-Akkorde benötigt.

C-Dur mit den Akkorden F C G
G-Dur mit den Akkorden C G D
D-Dur mit den Akkorden G D A
A-Dur mit den Akkorden D A E

Es gibt tausende von Liedern, die sich in einer dieser vier Tonarten mit je drei Akkorden spielen lassen.

Daher solltest du dich mit den Akkordfunktionen Tonika - Subdominante - und Dominante sehr gut auskennen.
Wenn du darüber nicht Bescheid weißt, dann mache dich damit vertraut:
http://de.wikibooks.org/wiki/Gitarre:_Die_Dur-Kadenz_-_Das_gro%C3%9Fe_Dreigestirn

Diese Theorie ist elementar. Die Vokabeln mögen dir zwar noch wie Fremdwörter erscheinen, aber sie sollten dir bald genau so vertraut sein wie addieren, subtrahieren, dividieren und multiplizieren. Es sind nur Vokabeln, und der Sinn, der dahinter steht, ist gar nicht mal so schwer zu erfassen.

Tonika = Ruhepol, Start- und Zielakkord, fest, stabil und bewegungslos.
Subdominante = verbindender und weiterleitender Charakter. Schwebend, vorwärts bewegend.
Dominante = Spannungsreich - Höhepunkt, nach Auflösung (zur Tonika hin) strebend - instabil

Du solltest die Vokabeln nicht trocken lernen, sondern mit Höreindrücken in Verbindung bringen, und du solltest in der Lage sein, diesen Höreindruck anderen zu beschreiben.

Male dir beispielsweise einen kleinen Videoclip aus (nur ein ganz kurzer für eine Mini-Werbung), den du mit ein paar Akkorden unterliegen sollst. Spiele die Szene erzählerrisch dar und unterlege sie mit den passenden Akkorde...

(Tonika) Ein Flugzeug ist auf der Startfläche (Subdominante) Er ist auf dem Rollfeld, und im Steigflug (Dominante) Das Flugzeug hat die Flughöhe erreicht (kann da aber nicht ewig bleiben) (Subdominante) und geht in den Sinkflug und (Tonika) landet wieder. Mit einem Dominantseptakkord kann man den Sturzflug verdeutlichen.

Das gleiche mit einer Bergtour. Man Startet (Tonika) frühmorgens, wandert den Berg rauf (subdominante) und hat den Gipfel irgendwann erreicht (Dominante) es wird Langweilig (Dominantseptakkord) man wandert zurück (Subdominante) und kommt unten wieder an (Tonika)

Ein König sitzt auf seinem Thron (Tonika). Er geht zum Balkon (Subdominante). Er hebt die Arme, die Hörnerquinten erschallen, das Volk jubelt (Dominante), Dem König werden die Arme schwer (Dominantsept-Akkord) er geht wieder zurück (Subdominante) und setzt sich wieder (Tonika).

Somit erhalten die drei Akkordfunktionen einen Charakter und einen Bewegungsmoment, der sich beschreiben lässt.

Die Dominantseptakkorde (Dur-7er) kann man zur Not weglassen, und man kann das Stück dennoch spielen.

Nur bei der Tonart E-Dur mit den Akkorden
E-A-H7 sollte man nicht auf den 7er verzichten, weil man sonst einen H-Dur-Akkord nehmen müsste; und das wäre ein Barré-Akkord.

Damit hätte man alle 5 Tonarten in Dur, die man recht einfach mit 3 Dur-Akkorden begleiten kann.

C-Dur mit den Akkorden F C G
G-Dur mit den Akkorden C G D
D-Dur mit den Akkorden G D A
A-Dur mit den Akkorden D A E
E-Dur mit den Akkorden A E H7

Die nächste Dur-Tonart gegen den Uhrzeigersinn im Quintenzirkel wäre
F-Dur mit den Akkorden Bb F C
Aber Bb ist ein Barré-Akkord, der noch warten kann.

Die nächste Dur-Tonart im Uhrzeigersinn im Quintenzirkel wäre
H-Dur mit den Akkorden E H F#
Aber sowohl H-Dur als auch F#-Dur sind Barré-Akkorde, die man diesmal nicht mit einer 7 erweitern kann, um sie zu vereinfachen.

Alles lässt sich extrem einfach aus dem Quintenzirkel ablesen, daher solltest du diesen in- und auswendig beherrschen.

Von den Dur-Akkorden sind für Anfänger die Akkorde G, F und H7 erfahrungsgemäß am schwersten.

Demnach würde es eigentlich recht nahe liegen, mit der Tonart A-Dur anzufangen, da die Akkorde D A E mit zu den einfachen zählen.

Ich persönlich habe den Akkord E-Dur weiter nach hinten verschoben. Warum erzähle ich etwas später.

Neben den Dur-Akkorden gibt es aber noch die Moll-Akkorde, von denen sich jedoch nur die Akkorde Dm Am Em recht leicht greifen lassen. Das sind die einzigen drei reinen Moll-Akkorde, die sich einfach spielen lassen. Überprüfe das ruhig anhand der anderen Tonarten.

Fm Cm Gm (gegen den Uhrzeigersinn im Quintenzirkel) und Hm (im Urzeigersinn im Quintenzirkel) müssen alle über Barré gespielt werden, und natürlich alle Akkorde mit einem Vorzeichen.

Gm7 und Hm7 lassen sich noch recht einfach greifen. Gm7 mit Dämpfungen (3x333x) gehört aber zu der Tonart F-Dur (oder Bb-Dur oder Eb-Dur), so dass die übrigen Akkorde der Tonart für Anfänger ungeeignet sind. Hm7 (x20202) spielt sich zwar verhältnismäßig einfach, klingt aber in der Form in meinen Ohren nicht besonders gut. Das ist vermutlich auch der Grund, warum man ihn so gut wie nie einsetzt, und den lieber als Barré spielt.

Wie schon gesagt kann man auf die meisten 7er-Akkorde für den Anfang verzichten. Bis auf den H7-Akkord.

Am7 A7, Em7, E7 lassen sich recht einfach in einem Rutsch lernen. Es muss nur ein Finger aufgesetzt, oder angehoben werden. C7 als Dominante mach F-Dur wird eher selten gebraucht, wenn man auf Barré-Akkorde vorerst verzichten möchte.

Bei D7 müssen sich jedoch sehr viele Finger bewegen, so dass man diesen als eigenen Akkord betrachten sollte. Durch die andere Fingerstellung lässt er sich nicht so leicht vom Grundakkord D-Dur ableiten.

G7 lohnt sich dann zu lernen, wenn man die Tonleiter kann. Mit dem Akkord lässt sich über die C-Dur-Tonleiter recht einfach die Dominante erklären und die Septime der Dominante, ohne sich mit irgendwelchen Vorzeichen abzugeben.

Stellen wir noch mal unsere 5 Tonarten zusammen. Aber diesmal mit allen "einfachen" Dur- und Moll-Akkorden, und noch den 3 Dominant-Septim-Akkorden

C-Dur mit den Akkorden F C G G7 Dm Am Em
G-Dur mit den Akkorden C G D D7 Am Em
D-Dur mit den Akkorden G D A Em
A-Dur mit den Akkorden D A E
E-Dur mit den Akkorden A E H7

Wie du siehst sind die beiden Tonarten C-Dur und G-Dur am einfachsten, um alle oder zumindest fast alle Akkordstufen der Tonart mit relativ einfachen Akkorden zu begleiten.

Die Akkorde de Tonart C-Dur sind für Anfänger etwas schwerer, als die Tonart G-Dur.

Um sich relativ zügig ein breites Repertoire anzueignen, ist die Tonart G-Dur am besten geeignet.

Der G-Dur-Akkord stellt zwar eine gewisse Hürde dar (besonders wenn man diesen Akkord mit dem kleinen Finger greift), aber wenn man diese Hürde nach der zweiten oder dritten Unterrichtseinheit gemeistert hat, lässt sich also die Tonart G-Dur am einfachsten erobern.

Natürlich sollte man nicht gleich mit dem G-Dur-Akkord anfangen. Da ist es dann doch besser mit der D-Dur-Tonleiter anzufangen, denn der Griffwechsel D-A ist nun wirklich sehr einfach.

Das alles hat mich dazu veranlasst, mit folgenden Akkorden anzufangen.
D A G C Em Am

und die Akkorde
F Dm E H7 D7 G7
danach durchzunehmen. Was es mit denen weiter auf sich hat, kommt im nächsten Post.

Also zuerst die Tonart D-Dur nur mit den Dur-Akkorden D A G und dann die Tonart G-Dur mit allen Akkorden, die man recht einfach greifen kann.

Dass man Hm oftmals durch ein D-Dur austauschen kann macht die Tonart G-Dur zu der einfachsten Tonart für Gitarristen, die einem mit nur 5-6 Akkorden ein extrem breites Repertoire eröffnen.

=====================================

Also es hätte durchaus gereicht, dir zu sagen, dass du zuerst mit der Tonart G-Dur anfangen solltest, aber als Gitarrenlehrer solltest du die Vor- und Nachteile der gängigsten Tonarten wissen, und zwar im Bezug auf die Spielbarkeit für Anfänger.

Du solltest die anderen Tonarten soweit kennen, dass du möglicherweise Stücke in A-Dur oder F-Dur auch als mögliche gute Anfängerstücke erkennst, wenn du nur die entsprechenden Tonarten nur um einen Ton erhöhst oder erniedrigtst.

Zudem solltest du in der Lage sein, jede mögliche Tonart nach G-Dur oder nach C-Dur umzuschreiben, und mit einem Capo auf die richtige Tonart zu bringen. Auch so kann man gleich mehrere Lieder für Anfänger aufbereiten.

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Suche dir für jeden Akkordwechsel geeignete Liedbeispiele! Am besten mehr als nur ein Lied.
D-A
D-A-D-G-A
G-C-D-C-G
G-Em-C-D
G-Em-C-Am-D
G-Am / G-A / Em D

Sammle die Lieder in der Reihenfolge deines Lehrplans, damit du immer genügend zur Auswahl hast. Durchforste alle deine Liedersammlungen auf die Brauchbarkeit für den Gitarrenunterricht. Mache das lange bevor du den Unterricht vorbereitest, so bleibt dir der Umstand erspart, dass deine Schüler möglicherweise das Lied nicht kennt. Sollte er doch mal gar keines von deinen Beispielen kennen, so kann er sich wenigstens eines raussuchen, dass ihm gut genug gefällt.

Habe auch einige Volks- und Kinderlieder und auch Weihnachtslieder und dergleichen mehr parat. Sie eignen sich prima zum Üben. Mitunter gebrauchst du diese einfachen Lieder nur ein einziges mal fürs Erklären oder um einen Griffwechsel zu üben. Es ist dabei nicht unwahrscheinlich, dass einige von den Liedern niemals in das Repertoire deiner Schüler eingehen werden. Dennoch sind solche Lieder eine gute Unterstützung.

Soviel für die ersten 6 Akkorde

Gruß Mjchael

Gast

Erstellt: von Gast » 24.08.2010, 01:04

Tonika = Ruhepol, Start- und Zielakkord, fest, stabil und bewegungslos.
Subdominante = verbindender und weiterleitender Charakter. Schwebend, vorwärts bewegend.
Dominante = Spannungsreich - Höhepunkt, nach Auflösung (zur Tonika hin) strebend - instabil


die erklärungen gefallen mir, kannst du vll auch mal die anderen stufen erklären?

gruss

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Erstellt: von mjchael » 24.08.2010, 07:59

Flow. hat geschrieben:die erklärungen gefallen mir, kannst du vll auch mal die anderen stufen erklären?


Alle Mollakkorde haben etwas von der parallelen Durfunktion an sich, sind aber die etwas weichere abgemilderte Form.

1. Stufe (C) Tonika = Ruhepol, Start- und Zielakkord, fest, stabil und bewegungslos.
6. Stufe (Am) Tonikaparallele = Ebenfalls Ruhepol, aber wenn man sich die Tonika wie ein Wohnzimmer vorstellt, dann entspricht die Tinikaparallele wohl eher dem Schlafzimmer. Taucht es im Lied auf hat man den Eindruck man zieht sich zurück. Ist entspannter. Sitzt man bei der Tonika im Wohnzimmer und schaut Fernsehn, so räkelt man sich bei der Mollparallele auf der Couch und genießt das ganze im Liegen.

4. Stufe (F) Subdominante = verbindender und weiterleitender Charakter. Schwebend, vorwärts bewegend.
2. Stufe (Dm) Auch die Subdominantenparallele hat etwas verbindendes. Während die Subdominante in einem Haus in etwa den Flur entspricht, der alle Zimmer miteinander verbindet, so wird Dm7 wohl der unmittelbare Bereich vor der Wohnungstüre sein. wo man rein kommt, sich den Mantel auszieht, und erst mal in die Küche geht. Vielleicht auch eine Aula mit Rezeption und so weiter. Die Subdominanntenparallele bereitet sehr oft die Dominante vor. Würde man ein Rennen oder Wettschwimmen beschreiben, wo die Tonika (C) die Wartebank darstellt, die Subdominante (F) das "Auf die Plätze" beschreibt (vielleicht auch das Hochklettern auf den Sprungturm) und die Dominante dann das eigentliche Rennen bzw. Wettschwimmen darstellt, und der Dominantseptakkord (G7) den Entspurt darstellt, um mit der Tonika wieder am Ziel anzukommen, dann ist die Subdominantenparrallele (Dm) das "Fertig" wo man noch mal in die Hocke geht um loszusprinten oder vom Startblock abzuspringen. Also hat die SP etwas gespanntes abwartendes an sich. Zwar noch ruhend, aber auf die nächste Aktion wartend.

5. Stufe Dominante (G bzw. G7) = Spannungsreich - Höhepunkt, nach Auflösung (zur Tonika hin) strebend - instabil
Als Raum wäre es Wohl die Küche. Voller Aktivität und Arbeit. Aber alle Arbeit ist dazu gedacht, irgendwann mal fertig zu sein, um wieder ins Wohnzimmer zu können.
3. Stufe Subdominantenparallele (Em) ist ebenfalls spannungsreich. Da das Moll aber etwas zur Ruhe zwingt, bekommt der Akkord etwas Quängeliges an sich. Es entspricht eindeutig dem Kinderzimmer, mit den etwas verquängelten Teenager. Ein wenig Weltschmerz, ein wenig Arroganz, ein wenig Unzufriedenheit, ein wenig nach Aufmerksamkeit heischend...

Diese Bilder sind natürlich nur Krücken, um den ersten Höreindruck überhaupt mal irgendwie zu beschreiben. Sie hinken hinten und vorne, und stimmen auch nicht in allen Situationen. Wenn man sich dem Thema überhaupt nähert, dann kommt man mit den Beschreibungen schon um einiges weiter, und hat mal eine ganz grobe Vorstellung.

Versuche selbst Stimmige Bilder und Vergleiche zu suchen, die geeignet sein könnten, deinen Schülern die Funktion eines Akkordes zu vermitteln. Wenn dir eine gute Idee kommt, dessen Bild sich stimmig in die 6 Akkordfunktionen einfügt, dann poste sie doch hier hin.

Gruß Mjchael

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