Die Kirchentonleiter für Gitarre einfach erklärt

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Gast

Die Kirchentonleiter für Gitarre einfach erklärt

Erstellt: von Gast » 14.01.2010, 23:00

Die ersten groben Anfänge hab ich zwar gemacht also was Tonales Zentrum ist weiß ich schonmal.
Nur wie benutzt man diese Kirchentonleiter? Woran erkenn ich das dieses Lied z.B. in lydisch oder lokrisch ist?)
Ich möchte das endlich richtig kapieren auch wenn es Zeit braucht.

Danke für eure Hilfe :)

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Stone
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Erstellt: von Stone » 15.01.2010, 19:45

Lydisch oder lokrisch oder was auch immer hängt davon ab, von welcher Stufe der Grundtonleiter die von Dir gewünschte Tonleiter beginnt!

Beispiel:
C-Dur geht ja bekanntlich C D E F G A B C mit den Halbtonschritten zwischen 3/4 und zwischen 7/8.

Beginnst Du jetzt basierend auf C-Dur z.B. auf der 2. Stufe, also D, eine weitere Tonleiter, verschiebst aber nicht die Halbtonschritte wie bei Dur üblich, sondern lässt sie da, wo sie auch bei C-Dur sind, dann entsteht dabei D-Dorisch.

Bei D-Dorisch stehen die Halbtöne dann folglich nicht zwischen 3/4 und 7/8, sondern zwischen 2/3 und zwischen 6/7...
...und dieses Spiel kannste auch auf E treiben...dann heisst es eben mit den Halbtonschritten wiederum um eins nach unten versetzt nicht mehr dorisch, sondern phrygisch u.s.w.

Ist eigentlich ganz einfach...irgendwie!
Weiteres hier...http://de.wikipedia.org/wiki/Kirchentonart
Gruß,
STONE

Gast

Erstellt: von Gast » 16.01.2010, 01:41

Das ist doch keine Antwort. Du hast super beschrieben, wie man die Tonleiter herleiten kann. Aber wie man sie benutzt ist immer noch unklar.

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mjchael
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Erstellt: von mjchael » 16.01.2010, 04:28

Ich muss mir noch ein wenig überlegen, wie ich den Stoff aufbereite, aber ich bin schon an einer Antwort am arbeiten.

Gruß Mjchael

Gast

Erstellt: von Gast » 16.01.2010, 07:49

Feon hat geschrieben:Das ist doch keine Antwort. Du hast super beschrieben, wie man die Tonleiter herleiten kann. Aber wie man sie benutzt ist immer noch unklar.


Das was Stone beschrieben hat gehört auch zum Workshop^^ Und ich hatte es auch gefragt wie ich ein Lied erkenne welche Tonleiter es hat =) Habs zwar so wie er gesagt schon verstanden, aber ich kanns trotzdem net umsetzen bei anderen Lieder.
http://www.transatlanticweb.com/tabs/we ... chords.htm
da isses i-wie mir noch net klar.
C# ist Tonal. Aber das ganze basiert auf F#. =/

mjchael hat geschrieben:Ich muss mir noch ein wenig überlegen, wie ich den Stoff aufbereite, aber ich bin schon an einer Antwort am arbeiten.

Gruß Mjchael


Danke =)

@stone auch Danke^^

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mjchael
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Erstellt: von mjchael » 16.01.2010, 08:55

Achtung! Die ersten 20 Lektionen habe ich zwar an einem Tag erstellt, das heißt aber auf keinen Fall, dass du sie an einem Tag lesen, geschweige den begreifen und lernen sollst.

Ich habe nicht studiert, und somit Jahre gebraucht, um mir mein Wissen aus Unterricht und Büchern zusammen zu suchen, und so aufzusbereiten, dass ich beim täglichen Spielen auch was damit anfangen kann.

Ich hole weit aus, leite vieles von der einfachen Durtonleiter her (genau wie es Abi von Reinighaus in seinem Buch "IN VIVO GUITAR" macht), und bin damit vermutlich recht langatmig. Ich hoffe aber, dass dadurch die Zusammenhänge einleuchtender werden.

Abspulen kann ich selbst das Wissen im Bruchteil einer Sekunde, denn die "Bauelemente" der Skalen die man für die Kirchentonarten braucht sind eigentlich sehr einfach, wenn man mal das System verstanden hat. Auch die Anwendung ist bei einfachen Liedern, die nur in einer einfachen Tonart bleiben recht einfach. Aber es gibt noch viele Feinheiten, die man nicht so schnell mal eben in einem Workshop abhandeln kann.

Bis man mit diesen Grundlagen zur Meisterschaft kommt, braucht man viel Übung. Nicht umsonst ist Musik ein Studienfach. Hier geht es nur um die ganz elementaren Grundlagen; also um eine Einführung in die Kirchentonarten, wie man sie zur Improvisation über einzelne Akkorde gebrauchen kann. Bis zu den Megasolos wird es noch einiges an Übung dauern.

Für das Lernen gilt das gleiche:
Da müsst ihr euch einige Tage Zeit nehmen, und die Lektionen gegebenenfalls mehrfach wiederholen.
Sobald euch also der Kopf raucht:
Hört auf, und macht morgen weiter!
Und plant eine Wiederholung ein!

Allerdings liefere ich euch nur die Grundlagen, und versuche so eine Tür aufzustoßen. Die Grundlagen gilt es weiter auszubauen.

Also viel Spaß bei der Theorie



Fange ich mal ganz einfach an

Du hast einen G-Dur-Akkord zu greifen

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E ||---|---|-Z-|---|---|---|---|
H ||---|---|-Z-|---|---|---|---|
G ||---|---|-Z-|-M-|---|---|---|
D ||---|---|-Z-|---|-K-|---|---|
A ||---|---|-Z-|---|-R-|---|---|
E ||---|---|-Z-|---|---|---|---|


Jetzt sollst du über diesen G-Dur-Akkord improvisieren.
Wir gehen mal davon aus, dass es sich nicht um einen Blues handelt, oder sonst etwas wo man eine Blues-Skala verwenden will. Denn das ist Lektion für einen anderen Workshop. Wir bleiben erstmal bei einfachen Dur- und Molltonleitern.

Lektion 1

Absolut wichtig für die Improvisation über den G-Dur-Akkord sind erst einmal die Grundtöne. Du solltest von jedem Akkord, den du greifst, wissen wo der Grundton ist.

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E ||---|---|-G-|---|---|---|---|
H ||---|---|---|---|---|---|---|
G ||---|---|---|---|---|---|---|
D ||---|---|---|---|-G-|---|---|
A ||---|---|---|---|---|---|---|
E ||---|---|-G-|---|---|---|---|


Das man den Grundton eines Akkordes genau so heißt, wie der Akkord (G) sollte klar sein. Und dass man den Grundton eines Akkordes üblicherweise mit der 1 bezeichnet (Intervall) sollte dir auch noch klar sein.

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E ||---|---|<1>|---|---|---|---|
H ||---|---|---|---|---|---|---|
G ||---|---|---|---|---|---|---|
D ||---|---|---|---|<1>|---|---|
A ||---|---|---|---|---|---|---|
E ||---|---|<1>|---|---|---|---|


Lektion 2

Zu jedem Dur- und Moll-Akkord gehört eine Quinte. Also suchen wir die Quinte von dem G-Dur-Akkord.

Quinte? Was ist das den?
Quinte leitet sich aus dem lateinischen ab und bedeutet so viel wie "der Fünfte"

Von was der Fünfte?
Von einer Tonleiter natürlich!

Wenn G der erste Ton ist <1>, welcher Ton ist dann der fünfte Ton?

G A H C D
D ist der Fünfte von G aus gezählt

G=1, A=2, H=3, C=4, D=5

D ist also die Quinte von G, was nichts anderes heißt, dass D der fünfte Ton von G aus gezählt ist.

Wo befindet sich die Quinte des G-Dur-Akkordes?

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E ||---|---|<1>|---|---|---|---|
H ||---|---|-5-|---|---|---|---|
G ||---|---|---|---|---|---|---|
D ||---|---|---|---|<1>|---|---|
A ||---|---|---|---|-5-|---|---|
E ||---|---|<1>|---|---|---|---|


Oder in Tönen

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E ||---|---|<G>|---|---|---|---|
H ||---|---|-D-|---|---|---|---|
G ||---|---|---|---|---|---|---|
D ||---|---|---|---|<G>|---|---|
A ||---|---|---|---|-D-|---|---|
E ||---|---|<G>|---|---|---|---|


Praktisch orientierst du dich aber einfach am Powerchord der zum G-Dur-Akkord gehört.

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E ||---|---|---|---|---|---|---|
H ||---|---|---|---|---|---|---|
G ||---|---|---|---|---|---|---|
D ||---|---|---|---|<1>|---|---|
A ||---|---|---|---|-5-|---|---|
E ||---|---|<1>|---|---|---|---|

Der Powerchord ist der Anker für deine Improvisation. Die Töne umspielst du mehr oder weniger.

Ein E-Bass könnte alleine mit der <1> und der 5 schon eine ganz einfache Begleitung hinlegen. Damit hast du zwei Töne deiner Improvisation.

Lektion 3

Beim dritten Ton der Improvisation brauchst du auch nicht lange zu überlegen. Es ist ein G-Dur-Akkord, also musst/kannst du natürlich auch die Dur-Terz mit verwenden. Terz heißt nichts weiter als der dritte Ton in einer Tonleiter. Und das ist bei G-Dur das H

G A H

Das im Englischen unser "H" nicht existiert, sondern "B" genannt wird, das sei nur am Rande erwähnt. Aber wir wissen, dass zu unserer Improvisations-Skala noch das H mit hinzukommen muss.

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E ||---|---|<G>|---|---|---|---|
H ||---|---|-D-|---|---|---|---|
G ||---|---|---|-H-|---|---|---|
D ||---|---|---|---|<G>|---|---|
A ||---|-H-|---|---|-D-|---|---|
E ||---|---|<G>|---|---|---|---|


Oder als Intervalle der Grundton <1> die Quinte (5) und die Durterz (3)

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E ||---|---|<1>|---|---|---|---|
H ||---|---|-5-|---|---|---|---|
G ||---|---|---|-3-|---|---|---|
D ||---|---|---|---|<1>|---|---|
A ||---|-3-|---|---|-5-|---|---|
E ||---|---|<1>|---|---|---|---|


Aber bis jetzt haben wir ja nichts weiter gemacht, als die Akkordtöne des G-Dur-Akkordes aufzubauen. 1-3-5 sind halt die Töne des G-Dur-Akkord.

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E ||---|---|<1>|---|---|---|---|
H ||---|---|-5-|---|---|---|---|
G ||---|---|---|-3-|---|---|---|
D ||---|---|---|---|<1>|---|---|
A ||---|---|---|---|-5-|---|---|
E ||---|---|<1>|---|---|---|---|

Es ist noch eine Terz mit hinzu gekommen, die man normalerweise beim Barré-Akkord nicht mit greift. Aber wenn das H an einer Stelle passt, dann passt es für die Improvisations-Skala auch überall dort, wo es sonst noch vorkommt.

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E ||---|---|<1>|---|---|---|---|
H ||---|---|-5-|---|---|---|---|
G ||---|---|---|-3-|---|---|---|
D ||---|---|---|---|<1>|---|---|
A ||---|-3-|---|---|-5-|---|---|
E ||---|---|<1>|---|---|---|---|


Das ist alles noch nichts weltbewegendes, aber die Akkordtöne sind ein Grundbestandteil einer Kirchentonleiter. Das sind die Töne, die später mit den übrigen Tönen einer Kirchentonleiter umspielt werden. Man merkt sich die Töne, die bei der Improvisation stärker betont werden sollten, dadurch, dass man sich einfach den Barré-Akkord vor Augen führt. Man muss ihn bei der Improvisation nicht greifen, aber man muss wissen, wo die Akkordtöne liegen.
Zuletzt geändert von mjchael am 24.02.2011, 22:54, insgesamt 14-mal geändert.

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Erstellt: von mjchael » 16.01.2010, 09:10

Lektion 4
Zwei Töne gehören ebenfalls automatisch mit zu einer Kirchentonleiter.

Moment, 3 Akkordtöne + noch 2 weitere Töne das sind 5 Töne.
Fünf heißt im Griechischen "Penta". Kennt man ja von Pentagramm oder Pentagon. Und in der Musik kennt man die Pentatonik. Aber welche beiden Töne sind das?

Den ersten Ton ermittelt man über die Mollparallele. Man lernt irgendwann mal auswendig, dass die Mollparallele von G-Dur der E-Moll-Akkord ist.

(Mollparallele von C-Dur wäre A-Moll; und die Mollparallele von F-Dur wäre Dm. Das ist Grundlagenwissen, dass man einfach beim Erlernen der Akkorde mit auswendig zu lernen hat. Wenn der Lehrer ein wenig darauf achtet, dann BEGREIFT der Schüler das buchstäblich. Also noch ein paar mal den Wechsel zwischen G-Dur und E-Moll üben!)

Der wie vielte Ton ist denn das E (wenn G = 1) ?

G A H C D E
E = 6 = Sexte

Zu unserer Improvisationsskala kommt also automatisch die Sexte (6) mit hinzu. Man muss sich mal kurz überlegen, wo man die Sexte bzw. das E für die Skala findet. Die Sexte ist natürlich einen Ganztonschritt weiter als die Quinte. (Ganztonschritt = 2 Halbtonschritte bzw. 2 Bünde weiter).
Das brauchen wir aber nur für die H-Saite.

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-|-5-|---|(6)|-

Auf der D-Saite im 2. Bund wissen wir, da das ja ein Grundton des Em-Akkord ist. Wir sehen dann an dem Diagram, dass sich die (6) drei Halbtonschritte vor der <1> befindet.

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-|(6)|---|---|<1>|-


tragen wir das in die Skala ein

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E ||---|---|<1>|---|---|---|---|
H ||---|---|-5-|---|(6)|---|---|
G ||---|---|---|-3-|---|---|---|
D ||---|(6)|---|---|<1>|---|---|
A ||---|-3-|---|---|-5-|---|---|
E ||---|---|<1>|---|---|---|---|

Weil die Mollparallele so wichtig ist, setze ich sie mal in runden Klammern.

Lektion 5
Fehlt noch der letzte Ton zur Pentatonik. Drei Akkordtöne konnten wir uns einfach über den Akkord ableiten, und einen konnten wir uns über die Moll-Parallele herleiten. Dass die Sekunde immer dann passt, wenn ein Dur-Akkord da steht, dass musst du jetzt einfach mal so lernen. Warum die Sekunde bei Dur-Akkorden immer passt, dass siehst du später. Jetzt nehme es einfach mal so hin.

(Die Profis: verschont die Anfänger noch mit der kleinen Sekunde der Moll-Dominante. Hat bei den Kirchentonleitern erst mal nichts zu suchen.)

Die Sekunde ist der zweite Ton in einer Tonleiter. Er ist ein Ganztonschritt bzw. zwei Halbtonschritte nach der <1> oder er ist ein Ganztonschritt bzw. zwei Halbtonschritte vor der -3-

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-|<1>|---|-2-|---|-3-|-

"Oder" sag ich nur, weil sie in den 5 Hauptskalen üblicherweise nicht nebeneinander gespielt werden, damit man die Finger nicht unnötig spreizen muss. Aber das ist Stoff für den Workshop: Die 5 Haupt-Dur- und Moll-Tonleitern

Tragen wir die Sekunden mal ein

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E ||---|---|<1>|---|-2-|---|---|
H ||---|---|-5-|---|(6)|---|---|
G ||---|-2-|---|-3-|---|---|---|
D ||---|(6)|---|---|<1>|---|---|
A ||---|-3-|---|---|-5-|---|---|
E ||---|---|<1>|---|-2-|---|---|


Damit hätten wir die 5 Töne, die man jedesmal spielen kann, wenn man einen G-Dur-Akkord sieht. Mit den 5 Tönen ist man immer auf der sicheren Seite.

Du weißt aber, dass zu einer Tonleiter üblicherweise 7 Töne und nicht nur 5 Töne gehören.

Ich sagte gerade, dass die 5 Töne der Pentatonik sicher bzw. ungefährlich für den Akkord sind. Mit den Tönen kann man problemlos über den G-Dur Akkord improvisieren.

Dann muss es also 2 Töne geben, die gefährlich sind. Bis jetzt haben wir zwar 5 Töne gesehen, die in jeder Kirchentonleiter vorkommen (zur Wiederholung: 3 Akkordtöne und die beiden weiteren Töne der Pentatonik, wovon einer sich von der Mollparallele ableiten lässt.)

Aber noch haben wir uns noch nicht dem eigentlichen Problem der Kirchentonarten genähert. Wir haben nur mal abgeklärt, welche Töne "sicher" sind. Ab jetzt geht es zum eigentlichen Thema.
Zuletzt geändert von mjchael am 16.01.2010, 09:43, insgesamt 1-mal geändert.

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Erstellt: von Stone » 16.01.2010, 09:37

Naja, er wollte wissen, woran er Modes erkennen kann und ich habe das so verstanden, dass er unter anderem wissen will, wie man sie eben identifiziert.
Und das geht nun mal u.a. über die Halbtonschritte.

Feon hat geschrieben:Das ist doch keine Antwort. Du hast super beschrieben, wie man die Tonleiter herleiten kann. Aber wie man sie benutzt ist immer noch unklar.

Und ohne jetzt stänkern zu wollen:
Mit dieser ^^ Antwort hast Du ganz sicher noch ein ganz grosses Stück weniger Klarheit geschaffen, was die Fragen des TE betrifft.

Und nein, ich bin in keinster Weise beleidigt, weil Du das geschrieben hast, sondern wollte nur abschliessend zu dem Thema meinen Senf dazugeben und das nicht einfach so stehen lassen...auch wenn Du Recht hast damit, dass der TE nun immer noch nicht weiss, wie er es umsetzen kann. Dennoch konnte ich wenigstens einen Teil beitragen und einen Ansatz liefern.
Nix für ungut.
Gruß,

STONE

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Erstellt: von mjchael » 16.01.2010, 09:47

Moment, hab doch etwas Geduld! Es geht doch gleich weiter. Ich hohle zwar etwas weiter aus, aber hinterher lohnt sich das Breittreten, und dir wird viel mehr klar sein, als ein paar Punktbilder, und ein paar Akkordfolgen, die einem üblicherweise vorgesetzt werden.

Gruß mjchael

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Erstellt: von mjchael » 16.01.2010, 10:38

Lektion 6

5 Töne haben wir, also füllen wir die anderen beiden doch eben mal schnell auf.

1 2 3 und 5 6 haben wir, fehlt noch 4 (die Quarte) und 7 (die Septime)

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E ||---|-7-|<1>|---|-2-|---|---|
H ||---|---|-5-|---|(6)|---|---|
G ||---|-2-|---|-3-|-4-|---|---|
D ||---|(6)|---|-7-|<1>|---|---|
A ||---|-3-|-4-|---|-5-|---|---|
E ||---|-7-|<1>|---|-2-|---|---|


Und fertig ist die G-Dur-Tonleiter.

Lektion 7
Warum hat der jetzt so ein Aufhebens wegen der einfachen G-Dur-Tonleiter gemacht? Das hätte ich doch auch so gewusst....

Aber gehen wir noch mal von der Eingangsfrage aus:
Angenommen du sollst über einen G-Dur-Akkord improvisieren....

Bist du dir sicher, dass du jedesmal wenn ein G-Dur-Akkord vorkommt auch die G-Dur-Skala genommen werden darf?

Wenn das Lied in G-Dur steht, dann passt die G-Dur-Tonleiter natürlich wie die Faust aufs Auge. Dann ist der G-Dur-Akkord der Grundakkord (die Tonika) der Tonleiter G. Und weil G der erste Ton in der G-Dur-Tonleiter ist, sagt man auch, dass der G-Dur-Akkord in der G-Dur-Tonleiter auf der ersten Stufe steht.

Die Töne der G-Dur-Tonleiter kennst du vielleicht vom Quintenzirkel her, oder du weißt sie einfach so.

G A H C D E F# G

Eingetragen in die Improvisations-Skala

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E ||---|-F#|<G>|---|-A-|---|---|
H ||---|---|-D-|---|(E)|---|---|
G ||---|-A-|---|-H-|-C-|---|---|
D ||---|(E)|---|-F#|<G>|---|---|
A ||---|-H-|-C-|---|-D-|---|---|
E ||---|-F#|<G>|---|-A-|---|---|


Aber ein G-Dur-Akkord kommt doch nicht nur bei der G-Dur-Tonleiter vor. G-Dur kann doch ebenfalls die 5. Stufe der C-Dur-Tonleiter sein (Quinte von C aus gezählt). In der C-Dur-Tonleiter kommt aber kein F# vor sondern ein F. Dann stimmt doch unsere ganze Skala nicht mehr. Dann müssen wir eine andere Skala nehmen.

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E ||---|---|<G>|---|-A-|---|---|
H ||---|---|-D-|---|(E)|-F-|---|
G ||---|-A-|---|-H-|-C-|---|---|
D ||---|(E)|-F-|---|<G>|---|---|
A ||---|-H-|-C-|---|-D-|---|---|
E ||---|---|<G>|---|-A-|---|---|


Wenn also der G-Dur-Akkord in der C-Dur-Tonleiter vorkommt, dann müssen wir den Ton F# streichen, und durch den F ersetzen.

Wir müssen jetzt eine ganz andere Skala nehmen, obwohl wir doch den gleichen Akkord haben.

Mal eben abzählen, wer wievielte Ton der F vom G ist:
G A H C D E F
Der Ton F ist 7 Töne vom G entfernt also ist F eine Septime.

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E ||---|---|<1>|---|-2-|---|---|
H ||---|---|-5-|---|(6)|-7-|---|
G ||---|-2-|---|-3-|-4-|---|---|
D ||---|(6)|-7-|---|<1>|---|---|
A ||---|-3-|-4-|---|-5-|---|---|
E ||---|---|<1>|---|-2-|---|---|


Moment, wir haben ein Problem!
Mann kann doch nicht den F# als Septime bezeichnen und den F auch als Septime. Da kommt man ja völlig durcheinander. Die beiden Töne muss man doch voneinander unterscheiden.

Üblicherweise ist es so, das der Ton, der weiter weg vom Grundton ist als ein großes Intervall bezeichnet wird, und der Ton, der andere der genau so heißt, nur mit anderem Vorzeichen wird als kleines Intervall bezeichnet.

F ist die kleine Septime, und F# ist die große Septime.
Üblicherweise stellt man der kleinen Septime ein "b" nach. Also muss unsere Imprivisationsskala folgendermaßen aussehen:

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E ||---|---|<1>|---|-2-|---|---|
H ||---|---|-5-|---|(6)|-7b|---|
G ||---|-2-|---|-3-|-4-|---|---|
D ||---|(6)|-7b|---|<1>|---|---|
A ||---|-3-|-4-|---|-5-|---|---|
E ||---|---|<1>|---|-2-|---|---|


Beachte, dass ich hier alles von dem Grundton des G-Dur-Akkord aus gezählt habe. Wenn sich ein G-Dur-Akkord in einer C-Dur-Skala befindet, dann gehört zum G-Dur-Akkord eine kleine und keine große Septime.

Du hast zwar einen G-Dur-Akkord, aber du verwendest zur Improvisation das Tonmaterial der C-Dur-Tonleiter.

DAS ist eine Kirchentonleiter. Im Moment verwende ich den Begriff so, wie in die Jazzer für ihre Improvisationen über einzelne Akkorde verwenden. Später weite ich die Erklärung noch weiter aus, aber vorerst bleiben wir bei einem Akkord.

G-Dur-Akkord, aber C-Dur-Tonleiter.
Was macht der G-Dur-Akkord eigentlich in der C-Dur-Tonleiter?

In einer C-Dur-Tonleiter ist G der fünfte Ton.
C D E F G
Demnach steht der G-Dur-Akkord in der C-Dur-Tonleiter auf der 5. Stufe.
Die 5. Stufe bezeichnet man als Dominante.
Du weißt vielleicht noch, dass die Dominante zu der Tonika hin drängt. Besonders dann, wenn er ein Dominant-Sept-Akkord ist.

Akkordfolge
C F G7 C

Mist, wieder ein Problem.
Wir wissen, dass die 7 die beim G steht eine Septime ist. Aber müsste es dann nicht eigentlich
C F G7b C
heißen? Es ist doch eine kleine Septime von G aus gezählt, oder!?

Eigentlich ja! Eigentlich müsste man einen G7 in der C-Dur-Tonleiter G7b nennen.

Tut man aber nicht! Das sollte dir bei einem Blick in die Liederbücher mit Akkorden schon aufgefallen sein.

Warum? Vermutlich weil es einfacher ist und damit man nicht durcheinander kommt. Wir wissen, das die kleine Septime des G-Dur-Akkord ein F ist. Es ist kein Fb was ja ein 7b nahelegen könnte.

Wie dem auch sei, die kleine Septime kommt so häufig bei den Akkorden vor, dass man sich das 7b schenkt, und einfach eine 7 schreibt. Also bleiben wir bei Akkorden beim G7 und ändern es nicht in G7b ab.

Akkorde mit einer großen Septime kamen früher eh kaum vor.

Problem:
Akkorde mit einer großen Septime kommen aber heutzutage öfter mal vor. Vor allem im Jazz kommt man ohne die so gut wie gar nicht aus.

Aber wie ihr vielleicht schon mitbekommen habt, wird eine große Septime auch als major7 bezeichnet. (major = groß). oder kürzer maj7 oder noch kürzer j7. Ein G mit einer großen Septime bezeichnet man also kurz Gj7.

Ich weiß, es ist ein langer Exkurs, aber wenn du das mal verstanden hast, dann fällt dir vieles was die Intervalle bei Akkorden angeht leichter. und die Intervalle brauchst du noch bei Akkorden.

Mal auf einer Saite verdeutlicht:

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-|<G>|---|-A-|---|-H-|-C-|---|-D-|---|-E-|-F-|-F#|-G-|-
-|<1>|---|-2-|---|-3-|-4-|---|-5-|---|-6-|-7-|j7-|-1-|-


Damit wir aber mit der 7 nicht durcheinander kommen, schreibe ich in den Improvisations-Skalen immer j7 hin, wenn es sich um eine große Septime handelt, und ich schreibe 7b, wenn es sich um eine kleine Septime handelt, auch wenn man es bei den Akkorden nicht tut.
Zuletzt geändert von mjchael am 09.01.2011, 17:03, insgesamt 3-mal geändert.

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Erstellt: von mjchael » 16.01.2010, 10:46

Lektion 8
Jetzt müssen wir dem Kind noch einen Namen geben...

Wenn G-Dur der Grundakkord der Tonleiter G-Dur ist,
also wenn G-Dur die erste Stufe bzw. die Tonika einer Dur-Tonleiter ist
dann Improvisieren wir zum G-Dur-Akkord mit den Tönen der G-Dur-Tonleiter.

Und das nennt man mit dem Fachbegriff
Grundakkord der Dur-Tonleiter = IONISCH

Die Skala G-jonisch (= Dur-Tonleiter)

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E ||---|j7-|<1>|---|-2-|---|---|
H ||---|---|-5-|---|(6)|---|---|
G ||---|-2-|---|-3-|-4-|---|---|
D ||---|(6)|---|j7-|<1>|---|---|
A ||---|-3-|-4-|---|-5-|---|---|
E ||---|j7-|<1>|---|-2-|---|---|

(beachte: diesmal korrekterweise mit j7!) 6

Wenn G der Grundakkord von der G-Dur-Tonleiter ist, dann ist es üblicher das ganze einfach G-Dur bzw. Dur-Tonleiter zu nennen, als den seltsamen Begriff "ionisch". Aber zur Unterscheidung zu den anderen Kirchentonarten verwendet man halt diesen Begriff.

Wie nennen wir unser zweites Kind?

Wenn unser G-Dur-Barré innerhalb der C-Dur-Tonleiter ist,
also wenn G-Dur die fünfte Stufe bzw. die Dominante einer Dur-Tonleiter ist
dann Improvisieren wir zum G-Dur-Akkord mit den Tönen der C-Dur-Tonleiter.

Und das nennt man mit dem Fachbegriff
Dominante einer Dur-Tonleiter = Mixolydisch
Die Skala G-mixolydisch

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E ||---|---|<1>|---|-2-|---|---|
H ||---|---|-5-|---|(6)|-7b|---|
G ||---|-2-|---|-3-|-4-|---|---|
D ||---|(6)|-7b|---|<1>|---|---|
A ||---|-3-|-4-|---|-5-|---|---|
E ||---|---|<1>|---|-2-|---|---|


Lektion 9
Der G-Dur-Akkord kommt aber nicht nur in der G-Dur- und C-Dur-Tonleiter vor, sondern auch in der D-Dur-Tonleiter.

Akkorde:
D G A7 D

Töne der D-Dur-Tonleiter
D E F# G A H C# D

Zähle gleich den Intervall von dem Grundton der D-Dur-Skala zum Grundton des G-Dur-Akkord ab!
D E F# G
Der G-Dur-Akkord steht auf der D-Dur-Tonleiter also auf der 4.Stufe (Quarte von D). Die vierte Akkordstufe in einer Dur-Tonleiter ist die "Subdominante".

Übertragen wir das C# der D-Dur-Skala in die Improvisations-Skala

Code: Alles auswählen

E ||---|-F#|<G>|---|-A-|---|---|
H ||---|-C#|-D-|---|(E)|---|---|
G ||---|-A-|---|-H-|---|---|---|
D ||---|(E)|---|-F#|<G>|---|---|
A ||---|-H-|---|-C#|-D-|---|---|
E ||---|-F#|<G>|---|-A-|---|---|


Übertragen wir wieder die Intervalle

Code: Alles auswählen

E ||---|j7-|<1>|---|-2-|---|---|
H ||---|-4-|-5-|---|(6)|---|---|
G ||---|-2-|---|-3-|---|---|---|
D ||---|(6)|---|j7-|<1>|---|---|
A ||---|-3-|---|-4-|-5-|---|---|
E ||---|j7-|<1>|---|-2-|---|---|


Zählen wir jetzt mal den Abstand vom Grundton des G-Dur-Akkord zum veränderten C# aus der D-Durtonleiter
G=1 A=2 H=3 C#=4
Also ist det Ton C# die Quarte vom Akkord-Grundton G.
Moment wir haben wieder ein Problem. Die Quarte (4) hatten wir doch schon mal. Vorher als C und jetzt als C#. Nennt man jetzt das C# eine große Quarte, also j4?
Nein, denn sonst müsste man ja C eine kleine Quarte also 4b nennen. Bei der Quarte kommt wieder eine Ausnahme zum tragen. Da bei fast allen Akkorden eine 4 mit bei vorkommen kann (z.B. als sus4) und nennt man die normale 4 (der kleinere Intervall) eine reine Quarte, und der größere Intervall ist eine Übermäßige Quarte.
Die übermäßige Quarte wird mit 4# bezeichnet.

Also nochmal die korrekten Intervalle

Code: Alles auswählen

E ||---|j7-|<1>|---|-2-|---|---|
H ||---|-4#|-5-|---|(6)|---|---|
G ||---|-2-|---|-3-|---|---|---|
D ||---|(6)|---|j7-|<1>|---|---|
A ||---|-3-|---|-4#|-5-|---|---|
E ||---|j7-|<1>|---|-2-|---|---|


Und wie nennt man nun diese Skala?
Wenn G-Dur innerhalb der D-Dur-Tonleiter ist,
also wenn G-Dur die 4.Stufe bzw. die Subdominante einer Dur-Tonleiter ist,
dann Improvisieren wir zum G-Dur-Akkord mit den Tönen der D-Dur-Tonleiter.

Und das nennt man mit dem Fachbegriff
Lydisch
Die Skala G-lydisch

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E ||---|j7-|<1>|---|-2-|---|---|
H ||---|-4#|-5-|---|(6)|---|---|
G ||---|-2-|---|-3-|---|---|---|
D ||---|(6)|---|j7-|<1>|---|---|
A ||---|-3-|---|-4#|-5-|---|---|
E ||---|j7-|<1>|---|-2-|---|---|


Von der einfachen Dur-Tonleiter (jonisch) unterscheiden sich die beiden anderen Tonleitern nur durch einen einzigen Ton. Bei der mixolydischen Skala kommt eine kleine Septime (7b bzw. 7) vor, anstelle der großen Septime (j7) bei den beiden anderen Tonarten. Also gilt es bei der mixolydischen Tonart dieses Intervall hervorzuheben. Bei G mixolydisch ist der Ton F die kleine Septime. Also muss man irgendwie E-F-G oder so beim G-Dur-Akkord spielen, damit der mixolydische Charakter raus kommt. E - F# - G wäre die Tonfolge bei den anderen Modis.

Die lydische Skala hat eine übermäßige Quarte (4#) anstelle der reinen Quarte (4), die bei den anderen beiden Tonarten vorkommt. Beim Akkord G wäre das der Ton C#, den man irgendwie noch mit umspielen sollte (beispielsweise H - C# - D anstelle von H C E bei den beiden anderen Tonarten.)

Bei der jonischen Tonart kommt weder die 4# vor, noch die 7b (bzw. 7). Eigentlich müsste man beide Töne bei der Improvisation mit umspielen, damit der jonische Charakter eindeutig hervorkommt.

Wichtige Schlagworte sind hier "lydische Quarte" und "Mixolydische Septime" wobei die mixolydische Septime automatisch beim Dominant-Sept-Akkorden vorhanden ist.

Übrigens: Wenn euch etwas komisch vorkommen sollte, weil ich mich irgendwo widerspreche:
Rechnet damit, dass mir Tipp-Fehler, oder Kopier-Fehler vorkommen.
Fragt ruhig nach. Durchaus möglich, dass ich noch was verbessern muss.
Zuletzt geändert von mjchael am 10.02.2015, 08:52, insgesamt 7-mal geändert.

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Erstellt: von mjchael » 16.01.2010, 13:32

Lektion 10
Unser G-Dur-Akkord kann aber nicht nur in den Tonarten G-Dur, D-Dur und C-Dur vorkommen, sondern er kann auch in den Tonarten Em, Hm und Am vorkommen.

Aber darum brauchen wir uns vorerst nicht weiter zu kümmern.

Am ist (wie du hoffentlich noch weißt) die Mollparallele von C-Dur. Beide Tonleitern haben das gleiche Tonmaterial.
C D E F G A H C = C-Dur
A H C D E F H A = A-Moll

Für unseren G-Dur-Akkord ändert sich dadurch gar nichts. Wenn G-Dur der Grundton ist, dann ist
G A H C D E F G = G-Mixolydisch
Egal, ob dich der G-Dur-Akkord die Töne von der C-Dur-Tonleiter ausleiht, oder wenn er sie sich von der A-Moll-Tonleiter ausleiht.

Em
E F# G A H C D E
hat die gleichen Töne wie
G-Dur
G A H C D E F#
In beiden Fällen wird über unseren G-Dur-Akkord ionisch improvisiert.

und
Hm
H C# D E F# G A H
hat die gleichen Töne wie
D-Dur
D E F# G A H C# D
In beiden Fällen wird über unseren G-Dur-Akkord lydisch improvisiert.

Das die Moll-Tonarten noch mal so ihre Eigenheiten haben, können wir uns zwar einmal im Hinterkopf behalten, aber das Thema mit dem melodischen Moll und dem harmonischen Moll hat erst einmal nichts mit den Kirchentonarten zu tun.

Lektion 11
Merke:
Über einen Dur-Akkord kann mit drei Kirchentonarten improvisiert werden.

Ionisch, wenn der Akkord die 1. Stufe also die Tonika einer Dur-Tonleiter ist.
Lydisch, wenn der Akkord die 4.Stufe also die Subdominante einer Dur-Tonleiter ist.
Mixolydisch, wenn der Akkord die 5. Stufe also die Dominante einer Durtonleiter ist.

Lektion 12
Eigentlich brauche ich doch nur die Dur-Tonleiter zu wissen, und ich kann mir den ganzen anderen Kram schenken. Oder?

An und für sich stimmt das. Solange es sich um ein einfaches Lied in Dur oder in Moll handelt, macht man sich normalerweise keine große Mühe, sich mit den ganzen Kirchentonarten herumzuschlagen.

Dennoch ist es recht einfach, wenn man sich dem Thema "Kirchentonarten" so nähert, dass man erst einmal das "normale" Vorkommen in einfachen Liedern untersucht, bevor man sich an die Stücke begibt, wo man vom "normalen" abweicht. Aber nur damit wir uns nicht falsch verstehen: Normal heißt hier so viel wie "Kommt meist so vor, verwendet man meist in dem und dem Zusammenhang". Das Gegenteil ist nicht "unnormal", sondern "seltener, ungewöhnlich, besonders".

Wir werden sehen, dass alle Lieder nicht immer nur bei einer Tonart bleiben.

Mal ein paar Beispiele:

Nehmen wir mal die C-Dur-Tonleiter und überlegen wir uns, welche Akkorde da üblicherweise vorkommen. Dazu nimmt man sich den Quintenzirkel zu Hilfe. Wie man den benutzt, ist Thema für einen anderen Workshop. Solange der hier noch nicht geschrieben ist, schaut mal in den Wikibooks nach.

Also in der C-Dur-Tonleiter erwartet man die Akkorde
F C G7 Dm Am Em.

Bei Liedern in C-Dur erwartet man also üblicherweise eine Folge mit diesen 6 Akkorden.

Beispiel:
C Em Am Dm G

Hier überlegt man nicht lange über Kirchentonarten nach, sondern man nimmt einfach die C-Dur-Tonleiter.

Jetzt kam aber Gerald Marks bei seinem Lied "All of me" auf die Idee, den Akkord Em einfach durch einen E-Dur-Akkord auszutauschen. Und unsere schöne C-Dur-Tonleiter erhält auf einmal durch den Skalen-fremden Akkord eine ganz andere Färbung.


Es geht mir hier nur um den zweiten Akkord, nach dem ersten "All of me" bei den Worten "Why not take"...

Die ersten Töne über dem C-Dur-Akkord sind:

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  C-Dur
|-------------------|
|-1--------1--3--1--| = C (1) und D (3)
|----0--------------| = G
|-------2-----------| = E
|-------------------|
|-------------------|


Das sind die Akkord-Töne der C-Dur-Tonleiter, und noch die Sekunde. Also alles Töne, die so und so zum C-Dur-Akkord passen. Alle Musiker wissen, dass sie hier mit den Tönen der C-Dur-Tonleiter begleiten bzw. improvisieren müssen. Das es C-ionisch ist, interessiert eigentlich vorerst niemanden.

Bei den Worten "Why not take" spielt man aber unerwartet den E7 Akkord. Frank Senatra singt:

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  E7
|------------|
|-0----------| = H
|----1-------| = G#
|-------3----| = E
|------------|
|------------|

Er singt in der Melodie nur einen anderen Ton. Und zwar den Ton G# (die Dur-Terz vom E7-Akkord) und nicht den G von der C-Dur-Tonleiter.

Das E und das H sind Akkordtöne vom E-Dur-Akkord, aber die kommen auch in der C-Dur-Tonleiter vor.
Nun ja, ein anderer Ton, was macht man da so ein Geschiss drum?

Wir haben es hier nicht nur mit einer Gesangsstimme und einer Gitarre zu tun, sondern mit einer ganzen Bigband. Und die spielen im Hintergrund einiges mehr, als nur die drei Akkordtöne. Nun vielleicht nicht gerade am Anfang, aber das Thema wiederholt sich ja mehrfach im ganzen Lied.

Und das ist nur die ganz einfache Version. Wenn Jazzer mal loslegen, und frei drauf losimprivisieren, dann halten sie sich nur an dem Akkordgerüst, und vielleicht an ein paar Eck-Tönen fest, aber ansonsten klimpern sie wild drauf los.

Bei so viel Freiraum muss man nun wissen, mit welchen Tönen man über diesen E7-Akkord improvisiert.

Wir vereinfachen vorerst mal die Sache, gehen erst mal grob davon aus, dass die Jazzer brav sind, und sich nur an die Kirchentonarten halten. (Es gibt noch andere Skalen, denen Jazzer zur Verfügung stehen, aber das würde die Sache im Augenblick nur unnötig verkomplizieren.)

Trotzdem ist jetzt die Frage: Welche nehme ich?

E-jonisch (also mit dem Tonmaterial der E-Dur-Tonleiter)
E-lydisch (also mit dem Tonmaterial der H-Dur-Tonleiter)
E-mixolydisch (also mit dem Tonmaterial der A-Dur-Tonleiter)

Der Schmalspur-Improvisator macht es sich erst mal leicht, und nimmt sich nur mal die sicheren Töne. Auf der Gitarre kommt der E-Dur-Akkord ganz gut im 7. Bund....

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E ||---|---|---|---|---|---|-Z-|---|---|---|-
H ||---|---|---|---|---|---|-Z-|---|-K-|---|-
G ||---|---|---|---|---|---|-Z-|---|-R-|---|-
D ||---|---|---|---|---|---|-Z-|---|-M-|---|-
A ||---|---|---|---|---|---|-Z-|---|---|---|-
E ||---|---|---|---|---|---|-Z-|---|---|---|-


Er kennt die Grundtöne und die Quinte. Denn er erinnert sich an den

Powerchord (E5)

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E ||---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|-
H ||---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|-
G ||---|---|---|---|---|---|---|---|<1>|---|-
D ||---|---|---|---|---|---|---|---|-5-|---|-
A ||---|---|---|---|---|---|<1>|---|---|---|-
E ||---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|-


Die anderen beiden Quinten und die Töne der Pentatonik, die zu dem Akkord gehören kennt er auch.

E-Dur-Pentatonik

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E ||---|---|---|---|---|---|-5-|---|(6)|---|-
H ||---|---|---|---|---|---|-2-|---|-3-|---|-
G ||---|---|---|---|---|(6)|---|---|<1>|---|-
D ||---|---|---|---|---|-3-|---|---|-5-|---|-
A ||---|---|---|---|---|---|<1>|---|-2-|---|-
E ||---|---|---|---|---|---|-5-|---|(6)|---|-

Mit der Pentatonik ist er erst einmal auf der sicheren Seite. Aber die Pentatonik hat nur wenig Charakter. Die fehlende Quarte (rein oder übermäßig) und die fehlende Septime (große oder kleine) würden der Improvisation viel mehr Würze geben. Es sind nur zwei Intervalle, aber bei den Intervallen muss man sehr vorsichtig sein. Wenn er den falschen nimmt, dann klingt das echt daneben. Wie entscheiden?

Na ja, mit dem E7 haben wir einen kleinen Tipp bekommen. Es ist ein Akkord mit einer kleinen Septime (7b) und es ist kein Akkord mit einer großen Septime (Ej7)

Wenn ihr jetzt mal zurückblättern würdet, dann würdet ihr sehen, dass eine kleine Septime nur bei einer Dominante vorkommt. Und E7 entspricht der Dominante von der Tonart A-Dur (und wäre dort die 5.Stufe). Wir werden es also, mit der mixolydisch Skala probieren.

Es kann nicht E-lydisch sein, denn bei lydisch wäre es die Subdominante (4. Stufe von H-Dur) und dann käme beim E ein j7 und kein 7 vor.

Auch wenn es E-jonisch wäre (E-Dur Tonika 1.Stufe) dann müsste eine große Septime (Ej7) vorhanden sein.

ein j7 bei einem Dur-Akkord grenzt die möglichen Funktionen auf die Tonika und die Subdominante ein. Eine 7b bei einem Dur-Akkord legt die Funktion Dominante fest! Die kleine Septime ist bei Dur-Akkorden ein markantes Intervall, das (wenn man nur bei den Kirchentonarten bleibt) die mixolydische Skala erfordert.

Schlagwort: mixolydische Septime

(Es gibt noch extra Skalen für melodisches und harmonisches Moll, aber wir gingen ja davon aus, dass die Spieler ganz brav sind, und sich nur an die Kirchentonarten halten.)

Fehlt noch die Quarte. Ist es eine reine Quarte oder eine übermäßige?

Eine reine Quarte kommt bei der Tonika und bei der Dominante vor, nicht aber bei der Subdominante. Dort wäre es eine übermäßige Quarte (4#). Eine übermäßige lydische Quarte kommt aber üblicherweise nicht zusammen mit der kleinen Septime vor. Also können wir davon ausgehen, dass wir hier eine reine Quarte haben.

E-mixolydisch

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E ||---|---|---|---|---|---|-5-|---|(6)|-7b|-
H ||---|---|---|---|---|---|-2-|---|-3-|-4-|-
G ||---|---|---|---|---|(6)|-7b|---|<1>|---|-
D ||---|---|---|---|---|-3-|-4-|---|-5-|---|-
A ||---|---|---|---|---|---|<1>|---|-2-|---|-
E ||---|---|---|---|---|---|-5-|---|(6)|-7b|-


Wenn ich also über den E7 in dem Lied frei imprivisieren wollte, dann würde ich mich am Tonvorrat der A-Dur-Tonleiter bedienen, denn E7 ist die Dominante der A-Dur-Tonleiter. Und das entspricht eben E-mixolydisch. Die 7b beim Dur-Akkord weist auf eine mixolydische Skala hin (solange man sich nur der Kirchentonarten bedient). Wenn keine 7 mit beim E-Dur-Akkord dabei stehen würde, dann würde ich mir (um ganz sicher zu gehen) E-mix. drüber schreiben.

Wie so was in der Praxis aussieht (bzw: wie es sich anhört):


Achtet mal, wie er bei der zweiten Hälfte mit der Improvisation ab geht. Dabei benutzt er weitestgehend die gleiche Akkordfolge (Auch wenn er die Akkorde vielleicht noch ein wenig ausschmückt.)

Ob der sich jetzt jedesmal 100%ig beim E7-Akkord um die mixolydische Skala hält, das schaffe ich nicht, dem Typ von den Fingern abzuschauen. Es gibt zwar die Theorie (eine Regel, die einen in den meisten Fällen weiterhilft) aber es ist Jazz, wo man auch mit Ausnahmen rechnen muss.

Aber ich wollte euch nur so eine ungefähre Vorstellung geben.

Glaubt aber ja nicht, ich selbst könnte so wild herum improvisieren. :lol: ====))
Zuletzt geändert von mjchael am 07.09.2012, 22:30, insgesamt 6-mal geändert.

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Erstellt: von mjchael » 16.01.2010, 14:41

Lektion 13

Schauen wir uns mal ein einfacheres Lied an. Kein Jazz.

Ganz einfache Akkorde

Em G D A
Spiele die Akkordfolge mehrfach hintereinander...

Ah, kenn ich, das ist doch...

Yep, das ist Boulevard of Broken Dreams. Tonart scheint E-Moll zu sein* .

Machen wir mal ein Experiment: Ergänzen wir mal alle Dur-Akkorde jeweils um ein Sus4

Gsus4 = 320013
Dsus4 = x(0)0233
Asus4 = (0)02230

Als Anschlag nehmen wir einfach den Lagerfeuerschlag (1 . 2 + . + 4 .)

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G     4     G     D     4     D     A     4     A
A - A V - V A - | A - A V - V A - | A - A V - V A -

A = Aufschlag, V = Abschlag, - = Luftschlag

Da muss man bei der "und" nach der 2 nur einen Finger aufsetzen (beim A verschieben). das ist die 4, die oben neben dem G als Kurzform für Gsus3 steht.
und bei der "4" vom Takt geht es wieder zurück zum Ausgangsakkord

Beim G kommt der Zeigefinger hinzu und wieder weg...
Beim D kommt der kleine Finger hinzu und wieder weg...
Beim A verschiebt man den Ringfinger um einen Bund weiter und geht wieder zurück.

Nun achtet mal, ob es passt.

Wenn ihr Probleme mit dem Anschlag haben solltet, dann wurschtelt euch irgendwas zurecht. Versucht nur anstelle des G auch mal den Gsus4 zu spielen. usw. usw...

Beim G-Dur-Akkord hört sich ein sus4 nicht schlecht an.
Beim D-Dur-Akkord hört sich ein sus4 ebenfalls nicht schlecht an.
Beim A-Dur aber passt der sus4 irgendwie nicht.

Sowieso passt der A-Dur-Akkord nicht in das gewohnte Schema von Em hinein. Den bei der Tonart Em erwartet man üblicherweise den Akkord Am und nicht A-Dur.

Wie dem auch sei, die Quarte (4) scheint nicht zum A-Dur-Akkord hineinzupassen. Er wirkt da wie hineingequetscht, aber er gehört da eigentlich nicht hin.

Wir wissen, dass die reine Quarte zur ionischen Skala, also zur Tonika passen kann, oder aber zur Dominante mit ihrer mixolydischen Skala.

Da beim A-Dur-Akkord aber nicht die reine Quarte dazu passt, verhält sich A-Dur hier wie eine Subdominante, die eine lydische Skala erfordern würde.

Wenn man also ein Solo mit den Akkorden macht, dann muss man beim A-Dur die lydische Skala nehmen.

Ob das in jedem Fall auch passt, steht noch mal auf einem anderen Blatt. Im Zweifelsfall nimmt man lieber die A-Dur-Pentatonik und ist auf der sicheren Seite, aber auf keinen Fall A-ionisch oder A-mixolydisch.

Stichwort: Lydische Quarte
Also wenn schon eine Quarte beim A-Dur-Akkord, dann eine übermäßige (4#)

A-Dur verhält sich dann wie die Subdominante der Tonart E-Dur. Es ist hier keine richtige Subdominante, aber es verhält sich fast so wie eine, und sie schafft es irgendwie zurück nach E-Moll zu leiten.

Harmonielehre ist hier zwar etwas komplizierter als die einfachen Akkorde den Anschein machen, aber es klingt cool.
Solche Ausnahmen merkt man sich, um sie vielleicht auch mal irgendwo anders einzusetzen, um einen ähnlichen coolen Effekt zu erzeugen. (z.B. als Experiment für ein Solo)

*Edit: Die Tonart scheint nur auf den ersten Blick Em zu sein. Bis zum A-Dur-Akkord fällt nicht auf, dass es anders sein könnte. Erst wenn man alle Töne betrachtet, fällt auf, das der Ton C, der zur Em-Tonart gehört, gar nicht vorkommt. Es kann also nicht Em sein, sondern es ist E-Dorisch, was ich euch etwas später erläutere.


Lektion 14
So, ich habe mich jetzt lange genug über normale Dur-Akkorde und die üblichen Intervalle ausgelassen, und über einzelne Ausreißer.

Jetzt versuche ich mal was über den Klang von lydisch und mixolydisch zu sagen.
Ionisch kann ich mir rein vom Klang her sparen, denn das entspricht dem einfachen Dur.

Nur für die Profis:
In der Klassischen Musik passiert es häufiger mal, dass man innerhalb eines Stückes in Dur plötzlich einen Abschnitt hat, der eigentlich mit der Dominante beginnt, und man normalerweise erwartet, dass über die Dominante mixolydisch improvisiert wird. Aber die Dominante verhält sich ganz und gar nicht wie eine Dominante, sondern sie nimmt völlig das Runder in die Hand, und für eine bestimmte Zeit wird die Dominante zur neuen Tonika. Eigentlich ist das eine Modulation. Doch sie führt dann irgendwann wieder zurück zur normalen Tonart. Über die neue Tonika muss man dann jonisch improvisieren.
Als Beispiel mal einen aufgepeppten Choral von Johann Sebastian Bach:

Bis zur 18. Sekunde alles einfaches Dur.
In dem Teil, den man rein Melodisch als Refrain bezeichnen könnte, wird auf einmal die Dominante zur neuen Tonika. Es kam zu einem Rollentausch. Die Tonika wird in dem Refrain auf einmal zur Subdominante umgedeutet, und leitet zur neuen Tonika hin, die vorher noch die Dominante war.
Über den Akkord, der vormals die Tonika war, muss jetzt, da er zur Subdominante des Refrains geworden ist, lydisch improvisiert werden. Und über die ehemalige Dominante muss nun ionisch improvisiert werden, da dieses nun die neue Tonika ist.

Bei der 27. Sekunde landet man wieder auf der Original-Tonart, und die Rollen werden wieder zurück getauscht.

Mir fällt leider nur dieses klassische Beispiel ein, da ich davon eine Picking-Version für Gitarre gemacht habe. Vielleicht fällt mir - oder einem von euch - ja noch ein passendes Pop- oder Rockstück ein.

Auch wenn sich die meisten dieses Phänomen mit einer Modulation erklären, so sieht man hier doch, dass man auf die einzelnen Modis der Akkorde achten muss, und dass auch der ionische Modus unerwartet wo anders auftauchen kann. (So war es zumindest bei mir, als ich das erste mal versucht habe, das Stück zu begleiten.)



So, vom Exkurs aus der Klassik über die Dominante, die zur Tonika wird, wieder in unsere Zeit:

Wisst ihr, dass es gar nicht so leicht ist, ein typisch lydisches Stück zu finden? Ich habe mir den Wolf gesucht. Aber ich glaube, ich habe was gefunden, was dem Lydischen sehr nahe kommt.

Machen wir ein Ausflug in die 80er:
:arrow: She`s Like The Wind - Patrick Swayze

Versucht mal vom Anfang die Akkorde herauszufinden....

:arrow: She`s Like The Wind - Patrick Swayze

Wirklich versuchen, ist nicht schwer

Jetzt stell dich nicht so an
:arrow: She`s Like The Wind - Patrick Swayze

Na, wenn du wirklich nicht weiterkommst, dann versuche es mal mit

C-Dur und Em

Was für eine Tonart?

C-Dur und E-Moll könnten zu der Tonart C-Dur passen. Em wäre dann die Subdominantenparallele von C.
Em ist ja die Mollparallele von G-Dur. Und G7 würde ja auch zu C-Dur passen.

Soweit die Überlegung...
Jetzt aber mal die Frage: Ist dem so?

Wo passt den noch überall der C-Dur-Akkord?

C-Dur könnte die Dominante der Tonart F-Dur sein. Dann müsste bei einer Improvisation über den C-Dur-Akkord eine kleine Septime mit dabei sein, und das wäre ein Bb. (Bb gehört ja zur F-Dur-Tonleiter).

Aber ein Bb passt hier überhaupt nicht rein. Zumal üblicherweise auch kein Em-Akkord in der F-Dur-Tonleiter vorkommt. Also Mixolydisch können wir vergessen, denn es gibt keine kleine Septime (Mixolydische Septime) beim C-Dur-Akkord.

Also doch C-Dur?
Die Töne sind
C D E F G A H C

Klimpere mal irgendwie das Intro nach.... Da ist ein F# mit dabei, und kein F.

F# ist von C aus eine Quarte. Aber keine reine Quarte sondern eine übermäßige Quarte. Übermäßige Quarte = lydische Quarte. Sie ist das Kennzeichen einer Lydischen Skala. C-Dur ist die Subdominante der Tonart G-Dur. Es handelt sich hier nicht um die Parallele Tonart Em (Mollparallele von G-Dur), nur weil da der Em-Akkord vorkommt.

Sondern das C herrscht hier so vor, dass der lydische Charakter hier sehr schön heraus kommt. Ein wenig schwebend, nach vorne fließend, nicht wirklich drängend, aber auch nicht ruhend. Ein wenig melancholisch, träumerisch, und (weil es gerade zum Lied passt) ein wenig sehnsüchtig und schmachtend....

Das wäre eine Möglichkeit, die lydische Skala einzusetzen.

Ok lydisch klingt nicht immer nur so, sondern er kann auch ein wenig wie mit der Tür ins Haus fallen....

Beim Lied
Hey Mr Tamborin Men
stolpert man lydisch mit der Subdominante in einen Song hinein. Man muss also in diesem Lied lydisch anfangen. Aber leider nur einen Akkord lang, um sich dann aber über G(7) nach C-Dur (ionisch) aufzulösen.

Das ist auch bei She`s Like The Wind - Patrick Swayze der Fall, aber die Auflösung zur Tonika G-Dur wird so lange herausgezögert, um doch einen guten Eindruck vom Lydischen zu gewinnen.

Ein weiteres Beispiel für Lydisch wäre:
Birdy "People Help The People" (siehe Projekt Begleitvorschläge)
Bei Capo im 1. Bund: Startet und endet immer mit dem F-Dur-Akkord, obwohl das Tonmaterial der C-Dur-Tonleiter vorliegt


oder

Alanis Morissette - Ironic
Startet immer mit einem G-Dur, obwohl das Tonmaterial der D-Dur-Tonleiter vorliegt.
Zuletzt geändert von mjchael am 19.02.2013, 12:48, insgesamt 8-mal geändert.

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Erstellt: von mjchael » 16.01.2010, 16:39

Lektion 15

Hm ich kenne ein wirklich gutes Beispiel zu Mixolydisch. Aber da schicke ich euch mal zu einen kleinen Ausflug in die Wikibooks.

Dort habe ich dem nämlich ein ganzes Kapitel mit Akkordübung und Hörbeispiel geschrieben.

Es wäre Unsinnig, dass alles hier hin abzutippen.
Nach der Lektion (die dir bestimmt auch Spaß machen wird), sehen wir uns hier wieder.

:arrow: http://de.wikibooks.org/wiki/Gitarre:_mixolydische_Akkordfolge_in_D


Lektion 16
Wenn die Dominante das Sagen hat, dann hört es sich oft auch Rockig an. Das mag an dem drängenden, vorwärtsstrebenden Charakter der Dominante liegen, die meist du einer Tonika hin aufgelöst werden will.

Unser Ohr ist irgendwie darauf geeicht, dass nach einer Dominante und besonders nach einem Dominant-Sept-Akkord die Tonika folgen muss.

"alles nur kulturell bedingt"
Zum Teil mag das schon so stimmen. Aber es hat auch echte physikalische Hintergründe.

Es hängt mit Obertonreihen zusammen. Das sind zusätzliche Resonanzen, die man noch mit zu einem Ton mit hört.

Wen das wirklich interessiert, der kann mich mal im Forum fragen, und ich beantworte ihm die Frage. (Lösungsansatz: In der Obertonreihe von C kommt auch gleichzeitig die Obertonreihe von G vor. Das gleiche geht auch Rückwärts. Wenn man in einem Raum mit einer guten Resonanz mit der Tonart G gut klar kommt, dann kann es sehr gut sein, dass auch die Tonart C also eine Quinte tiefer passt. Der Raum wäre dann in C gestimmt, und G passt deswegen so gut, weil er mit zu den Obertönen von C gehört.) Doch genug abgeschweift... ist was für neugierige Profis...

Wir nehmen es jetzt einfach mal so hin, das unser Ohr so auf den Quintfall (Dominant-Tonika-Verhältnis) geeicht ist, dass wir die Dominante auch dort einsetzen, wo er laut einfacher Dur- und Moll-Tonleiter nicht hin gehört.

Angenommen wir spielen
C F G C

Einfache Akkordfolge in C-Dur.
Jetzt will ich weiter mit F-Dur weitermachen, und ich knalle einfach ein C7 dazwischen, obwohl die kleine Septime (7b) also der Ton Bb ja nicht wirklich zur C-Dur-Tonleiter bzw. zur Tonika C-Dur gehört.

Also

C F G C | C7 F | C Am Dm G | C

Da C vom Akkord F-Dur eine Quinte entfernt ist (C ist die Quinte von F), funktioniert es oft, dass sich C-Dur kurzzeitig wie eine Dominante nach F-Dur hin verhält. Spiele es nach, es funktioniert.

Der Akkord Am ist aber auch eine Quinte von Dm entfernt, und Dm ist eine Quinte von G entfernt! Funktioniert es da auch?

Ausprobieren
C F G C | C7 F (Fm) C-A7-D7-G7 | C
Den Fm beachte mal nicht (passt aber schön zu der Ragtime-Akkordfolge.) Aber ein Dominantsept-Akkord kann überall mal auftauchen, wo ein Quintfall besteht, und daher kann ein Dominant-Sept-Akkord (Dur7) immer mal irgendwo eingestreut werden.

Über jeden Septimakkord (also jeder Dur-Akkord mit kleiner Septime) kann man in der gleichnamigen Mixolydischen Skala Improvisieren. Zumindest, wenn er sich in einen Dur-Akkord auflöst.

Randbemerkung
Wenn er sich in einen Moll-Akkord auflöst, kommt man auch oftmals mit der Mixolydischen Skala gut zurecht, aber man verwendet dann auch eine andere Skala. Das hat etwas mit dem melodischen oder harmonischen Moll zu tun. Das ist aber noch einmal ein Thema für sich, und hat erst einmal nichts mehr mit den Kirchentonarten zu tun hat. Zuerst machen wir es uns mal einfach, und sagen Dur7-Akkord = mixolydisch.
Später erweitern wir den Begriff "mixolydisch" noch ein wenig.

Lektion 17
"Muss ich jetzt für jeden Akkord ausrechnen, zu welchem Dur-Akkord er normalerweise die Dominante ist, damit ich weiß, welche Tonleiter ich nehmen muss?"

Du solltest es können. Du solltest dazu in der Lage sein. Du solltest zu jedem Dur7-Akkord immer auch sagen können zu welcher Tonika er hin drängt, da man einen Dur7-Akkord mit dem Tonvorrat der Tonika begleiten kann (wobei man dann mixolydisch improvisiert). Der Quintenzirkel ist da eine gute Hilfe.

Aber so kompliziert muss man es sich gar nicht machen. Es gibt auch eine Abkürzung.

Ich gehe davon aus, dass du zu jedem Dur-Barré-Akkord die Dur-Tonleiter herleiten kannst.

Solltest du das noch nicht können, frage ich mich, was du jetzt schon mit den Kirchentonarten willst? Also wenn du es nicht können solltest, dann hole vorher die Dur-Skalen mit ihren dazugehörigen Akkorden nach.

Workshop: Die 5 Haupt-Dur- und Moll-Tonleitern

Also ich gehe mal davon aus, du kannst die Dur-Skalen.

Wenden wir uns mal den drei wichtigsten Formen zu.

Du hast einen Akkord vom E-Dur-Typ. Also gehst du zuerst einmal von der Skala des E-Dur-Typs aus. (Das ist die Dur-Skala mit der wir diesen Workshop hier angefangen haben)

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E ||---|---|---|---|-Z-|---|---|
H ||---|---|---|---|-Z-|---|---|
G ||---|---|---|---|-Z-|-M-|---|
D ||---|---|---|---|-Z-|---|-K-|
A ||---|---|---|---|-Z-|---|-R-|
E ||---|---|---|---|-Z-|---|---|


Dur-Skala zum entsprechenden Dur-Akkord (= ionisch)

Code: Alles auswählen

E ||---|---|---|j7-|<1>|---|-2-|
H ||---|---|---|---|-5-|---|-6-|
G ||---|---|---|-2-|---|-3-|-4-|
D ||---|---|---|-6-|---|j7-|<1>|
A ||---|---|---|-3-|-4-|---|-5-|
E ||---|---|---|j7-|<1>|---|-2-|


Der Akkord ist im 5. Bund ein A-Dur, und die Skala ist die A-Dur-Skala (in der E- bzw. F-Dur-Form)

Wir gehen also zuerst vom Normalfall einer Dur-Tonleiter aus.

Nun haben wir aber einen A7 Akkord. Wir wissen, dass keine große Septime dazu gehört (j7), sondern eine kleine Septime (7b). Also wissen wir, dass dieses dann Mixolydisch ist (mixolydische Septime)

Wo ist die Septime? Wir rechnen erstmal gar nicht lange nach, sondern greifen einfach einen A7-Akkord und schauen nach.

Code: Alles auswählen

E ||---|---|---|---|<1>|---|---|---|
H ||---|---|---|---|-5-|---|---|-7b|
G ||---|---|---|---|-Z-|-3-|---|---|
D ||---|---|---|---|-7b|---|---|---|
A ||---|---|---|---|-Z-|---|-5-|---|
E ||---|---|---|---|<1>|---|---|---|


Wir schmeißen also aus unserer Dur-Skala die j7 raus, und ersetzen sie durch die 7b, die wir durch den A7-Akkord herausgefunden haben.

Fertig ist die Skala A-mixolydisch

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E ||---|---|---|---|<1>|---|-2-|---|
H ||---|---|---|---|-5-|---|-6-|-7b|
G ||---|---|---|-2-|---|-3-|-4-|---|
D ||---|---|---|-6-|-7b|---|<1>|---|
A ||---|---|---|-3-|-4-|---|-5-|---|
E ||---|---|---|---|<1>|---|-2-|---|


Und wie sieht es für A-Lydisch aus?
Die lydische Skala behält seine j7, dafür wirft sie die reine Quarte raus, und ersetzt sie durch die übermäßige Quarte (4#).

Fertig ist die lydische Skala.

Code: Alles auswählen

E ||---|---|---|j7-|<1>|---|-2-|
H ||---|---|---|-4#|-5-|---|-6-|
G ||---|---|---|-2-|---|-3-|---|
D ||---|---|---|-6-|---|j7-|<1>|
A ||---|---|---|-3-|---|-4#|-5-|
E ||---|---|---|j7-|<1>|---|-2-|

Die lydische Quarte (4#) ist immer einen Halbtonschritt vor der Powerchord-Quinte. Die wird dir noch beim Blues begegnen. Dort wird sie zwar meist 5b genannt, aber rein von der Grifftechnik ist es der selbe Ton.

Von der Dur-Tonleiter (ionisch) aus unterscheiden sich die beiden anderen Kirchentonarten nur durch zwei Intervalle, nämlich der lydischen Quarte (4#) und der mixolydischen Septime (7b)

Lektion 18
das gleiche mal mit einem Akkord vom A-Dur (Bb-Dur)-Typ

Diesmal den Eb-Dur-Akkord von dem Skalenworkshop

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E ||---|---|---|---|---|-Z-|---|---|---|-
H ||---|---|---|---|---|-Z-|---|-K-|---|-
G ||---|---|---|---|---|-Z-|---|<R>|---|-
D ||---|---|---|---|---|-Z-|---|-M-|---|-
A ||---|---|---|---|---|<Z>|---|---|---|-
E ||---|---|---|---|---|-Z-|---|---|---|-


Dur-Skala (ionisch)

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E ||---|---|---|---|---|-5-|---|-6-|---|-
H ||---|---|---|---|---|-2-|---|-3-|-4-|-
G ||---|---|---|---|-6-|---|j7-|<1>|---|-
D ||---|---|---|---|-3-|-4-|---|-5-|---|-
A ||---|---|---|---|j7-|<1>|---|-2-|---|-
E ||---|---|---|---|---|-5-|---|-6-|---|-


Als Eb7 gegriffen muss wegen der kleinen Septime (7b) mixolydisch improvisiert werden.

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E ||---|---|---|---|---|-5-|---|---|-7b|-
H ||---|---|---|---|---|-Z-|---|-3-|---|-
G ||---|---|---|---|---|-7b|---|---|---|-
D ||---|---|---|---|---|-Z-|---|-5-|---|-
A ||---|---|---|---|---|<1>|---|---|---|-
E ||---|---|---|---|---|-5-|---|---|---|-


j7 streichen 7b setzen

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E ||---|---|---|---|---|-5-|---|-6-|-7b|-
H ||---|---|---|---|---|-2-|---|-3-|-4-|-
G ||---|---|---|---|-6-|-7b|---|<1>|---|-
D ||---|---|---|---|-3-|-4-|---|-5-|---|-
A ||---|---|---|---|---|<1>|---|-2-|---|-
E ||---|---|---|---|---|-5-|---|-6-|-7b|-


Jetzt wollen wir den Eb als Subdominante haben, bei der lydisch improvisiert werden muss.

Die j7 bleibt bestehen.
Die reine Quarte (4) verschwindet,
und wird durch die übermäßige Quarte (4#) ersetzt.
Die kommt vor die Power-Chord-Quinte (5)

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E ||---|---|---|---|-4#|-5-|---|-6-|---|-
H ||---|---|---|---|---|-2-|---|-3-|---|-
G ||---|---|---|---|-6-|---|j7-|<1>|---|-
D ||---|---|---|---|-3-|---|-4#|-5-|---|-
A ||---|---|---|---|j7-|<1>|---|-2-|---|-
E ||---|---|---|---|-4#|-5-|---|-6-|---|-



Lektion 19
Nur je ein Intervall unterscheidet die reinen Dur-Skalen von der mixolydischen oder von der lydischen Skala.

Entweder ist es die 4 oder die 4# (lydische Quarte)
oder es ist die 7b oder die j7 (mixolydische Septime, die aber bei Akkorden ohne das "b" auskommt).

Die Quarte (rein oder übermäßig) und /oder die Septime (große oder kleine) entscheiden darüber zu welcher Kirchentonart eine Skala gehört.

Bei der übermäßigen (lydischen) Quarte (4#) und bei der kleinen (mixolydischen) Septime (7b) weiß man immer eindeutig, zu welcher Kirchentonart die Skala gehört. Sie legen bei den Modus (anderes Wort für Kirchentonart) eindeutig fest.

Bei der reinen Quarte (4) oder bei der großen Septime (j7) kann man nicht eindeutig sagen, zu welcher Kirchentonart die Skala gehört. Einer der beiden Intervalle schließen höchstens eine Kirchentonart aus. Man muss also den anderen mit überprüfen.

Und die anderen Intervalle?

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|<1>|---|-2-|---|-3-|---|---|-5-|---|(6)|---|---|-1-|

1-3-5 sind Akkordtöne. Die passen zu jedem Dur-Akkord, egal, in welcher Tonart, bzw. in welcher Funktion (Subdominante, Tonika, Dominante) oder in welchem Modus (lydisch, ionisch, mixolydisch) er steht.

Die große Sekunde (2) sowie auch ihre Oktave (9) sagt auch nichts über die Funktion bzw. den Modus des Akkordes aus.

Ebensowenig sagt eine große Sexte (6) bzw. deren Oktave (13) etwas über die Funktion oder den Modus des Akkordes aus.

Zumindest nicht, solange man kein Jazz spielt.

Lektion 20

Achtung eine Extralektion für Jazzer!

Wenn bei einem Dur-Akkord noch ein weiterer Intervall hinzukommt, wie ein add2, add9, 6 (bzw. add6) oder add13, so sagt dieser Anhang bei einem Dur-Akkord nichts über die Funktion eines Akkordes aus.

Warum?
Diese Intervalle können bei jeder Funktion bzw. bei jedem Modus auftauchen. In der Improvisations-Skala tauchen sie auch in jedem Modus auf. Eine 9 ist ja nur die Oktave einer 2, und eine 13 ist ja nur eine Oktave einer 6. Diese Intervalle gehören, wie wir in den ersten Lektionen geklärt haben zu der Pentatonik. Sie kommen in jedem Modus eines Dur-Akkordes vor, egal ob lydisch, jonisch oder mixolydisch. Deshalb kann man ja auch mit der Pentatonik gefahrlos über einen Dur-Akkord improvisieren.

Was ist jetzt im Jazz anders?
Beim Jazz wird immer die 7 aufgefüllt, wenn eine höhere Zahl auftaucht.

Ein A9 ist im Jazz immer ein A7/9. Also muss über einem A9 immer mixolydisch improvisiert werden. Das hat nichts mit der 9 zu tun, sondern es hat was mit der kleinen mixolydischen 7 zu tun, die einem im Jazz immer mit untergejubelt wird.

Wenn da Aj9 steht, dann ist das ein A9 bei dem noch eine große Septime (j7) mit aufgefüllt wurde. Also muss dieser Akkord jonisch oder lydisch improvisiert werden. Je nach dem ob der Aj9 die Tonika ist, oder die Subdominante (oder sich so verhält).

Beim A11 wird nicht nur die 7 aufgefüllt, sondern auch noch die 9 und eben die 11. Eine Oktave unter der 11 ist die 4, also die reine Quarte. Die reine Quarte (4) und die Undezime (11) heißen gleich bzw. sie haben den gleichen Notennamen. Daher kannst du im Kopf die 11 und die 4 Intervallmäßig gleichsetzen.

Na ja, die 11 hat aber noch die 9 mit dabei, die aber nix weiter über die Funktion aussagt (da es der 2 entspricht). Da aber auch noch die 7 mit aufgefüllt wird, wissen wir, dass ein A11 mixolydisch sein muss.

Ein Aj11 muss jonisch sein. Es wird ein j7 aufgefüllt, was die Möglichkeiten auf jonisch und lydisch eingrenzt. Die 9 wird noch mit aufgefüllt, was uns aber nichts weiter sagt. Aber die 11 entspricht entspricht ja der Quarte. Und zu lydisch müsste eine 11# vorhanden sein, was einer übermäßigen Quarte entspräche. ein Aj7/11# müsste lydisch improvisiert werden.

Aber Jazz wäre nicht Jazz, wenn es da nicht auch noch Spielraum für Außnahmen gäbe. Das sind nur mal die Regeln, die sich aus den Kirchentonleitern ableiten lassen.

So 20 Lektionen ist für heute ein ordentliches Pensum.

Die anderen drei Kirchentonarten die sich aus den drei Moll-Akkorden ableiten hebe ich mir für etwas später auf. (Aber nicht mehr heute).


Gruß Mjchael...
Zuletzt geändert von mjchael am 07.11.2012, 13:45, insgesamt 4-mal geändert.

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Erstellt: von mjchael » 18.01.2010, 01:09

Feon hat geschrieben:Das ist nicht richtig. Wenn sich ein Dominantseptakkord auf die sechste Stufe (am von C-dur) auflöst, dann wird in der Regel nicht mit Mixolydisch darüber improvisiert. Vielmehr benutzt man den Tonvorrat von harmonisch Moll, also HM5/Mixo(b9/b13)


Ähm, vielleicht hast du meinen Kommentar bei Lektion 5 überlesen:

Mjchael hat geschrieben:(Die Profis: verschont die Anfänger noch mit der kleinen Sekunde der Moll-Dominante. Hat bei den Kirchentonleitern erst mal nichts zu suchen.)


Aber vielleicht hast du auch den einleitenden Satz überlesen:
Mjchael hat geschrieben:Wir gehen mal grob davon aus, dass die Jazzer brav sind, und sich nur an die Kirchentonarten halten.
Trotzdem ist jetzt die Frage: Welche nehme ich?

Das setzt doch schon voraus, dass sich die Jazzer nicht nur an die reinen Kirchentonarten halten müssen. Für das Lernen musste ich einfach die Sache grob vereinfachen, denn sonst hätte ich die Leute mehr verwirrt, als dass sie irgendetwas verstanden hätten. Denen raucht so schon der Kopf.


Aber ich habe mir deine Bemerkung zu Herzen genommen und die Lektion 16 wie folgt erweitert
Lektion 16 hat geschrieben:...
Zumindest, wenn er sich in einen Dur-Akkord auflöst.

Randbemerkung
Wenn er sich in einen Moll-Akkord auflöst, kommt man auch oftmals mit der Mixolydischen Skala zurecht, aber man verwendet dann oftmals eine andere Skala. Das hat etwas mit dem melodischen oder harmonischen Moll zu tun. Das ist aber noch einmal ein Thema für sich, und hat erst einmal nichts mehr mit den Kirchentonarten zu tun hat. Zuerst machen wir es uns mal einfach, und sagen Dur7-Akkord = mixolydisch.
Später erweitern wir den Begriff "mixolydisch" noch ein wenig.



Feon hat geschrieben:Denn bei Dominantseptakkorden werden sehr unterschiedliche Skalen angewandt, je nachdem wohin sie sich auflösen und ob es Sekundär oder Substitutdominanten sind. Auf jeden Fall hat das nichts mit Kirchentonleitern zu tun. Man kann jedoch über jeden Dominantseptakkord, der sich auf einen Durakkord auflöst, mixolydisch spielen, auch wenn es nicht immer die erste Wahl ist.


Verzeih mir ein wenig die grobe Vereinfachung. Ich gehe bei der Phrygischen Skala näher darauf ein, und mache da einen Exkurs über melodisches und harmonisches Moll. Es ist schon richtig, dass Mixilydisch nicht immer die erste Wahl ist, aber sie wird dennoch angewandt. In der Improvisation stört es weniger, wenn man statt der kleinen Sexten (6b bzw. 13b) eine große spielt, und aus einem harmonischen Moll ein melodisches Moll macht. Es ist ebenfalls nicht so ungewöhnlich, eine Große statt einer kleinen Sekunde zu spielen (2 statt 2b bzw. 9 statt 9b) weil die kl. Sekunde doch recht exotisch klingt. Bei Akkorden wird bei einem 11er oder 13er die 9 bzw. die 9b oftmals ausgelassen, und auch in der Improvisation übergeht man sie gerne. (Hab ich wieder aus dem Jazz-Buch).

Aber ich muss zugeben, dass ich selbst nicht der große Solist bin. Ich verlasse mich bei einigen Aussagen auf ein paar Jazz-Bücher (für Klavier). Meine eigene Erfahrung sammle ich eher beim Arrangieren von Pickingsachen, und dem Analysieren von Tabs/Noten/etc. um mir klar zu machen was da eigentlich von mir gefordert ist. Aber die Theorie ist ja in beiden Fällen die gleiche.

Und es ist oftmals interessant, dass man bei einigen Mollstücken durchaus verschiedene Skalen verwenden kann. (Phryg./Mixo./HM5/Mixo9b/13b) Mixo. ist vielleicht nicht immer die optimale, aber sie funktioniert auch, wenn danach ein Mollakkord folgt. (Obwohl eine melodische bzw. harmonische Moll-Skala dort evtl. eleganter wäre.)

Aber das hat alles nichts mit Kirchentonarten zu tun, und das macht auch das Lernen nicht wirklich einfach, denn es setzt Wissen voraus, die vermutlich sehr viele, die das hier lesen, noch gar nicht haben. Dann doch lieber alles etwas grob vereinfachen, und hinterher erweitern. Bis die Leute zu Jazz oder Jazz-Blues kommen wird es wohl noch eine Weile dauern, und bis dahin können die ohne größere Probleme mit der kleinen Wissenslücke leben.

Feon hat geschrieben:Den lydischen Modus hört man sehr oft bei Filmmusiken.

()/ Danke für das Beispiel
Schade, dass die so wenig bekannt sind. Ich kenne leider wirklich nur "She`s Like The Wind" von Patrick Swayze, und ich bin froh, überhaupt ein brauchbares Beispiel für lydisch gefunden zu haben.

Aber ich habe noch ein paar Beispiele aufgetrieben, die aber leider nicht so besonders bekannt sind.

Pink Floyd - Cluster One
david gilmour - mihalis

Der erste Teil des Simson-Themas scheint noch lysisch zu sein.

Auszugsweise zitiert:

Code: Alles auswählen

|------------------|
|------------------|
|----------2--0----|
|----2--4--------2-|
|-3----------------|
|------------------|


Die Töne entsprechen den Akkordtönen von C-Dur (C E G) mit übermäßiger Quarte (F#).
Die Sexte (A) dazu sagt ja bei Dur-Akkorden nichts weiter über ihre Funktion bzw. Modus aus.
Aber das Simson-Thema ist so verjazzt, und schräg, dass man da insgesamt nicht viel mit Kirchentonarten allein anfangen kann. Es geht hinterher irgendwie noch mit einem Bb (der kleinen Septime) weiter, der ja üblicherweise nicht mit einer übermäßigen Quarte zusammen vorkommt. Daher bewegt sich das Stück außerhalb von den einfachen Kirchentonarten.
Ganz nett mal was über das Simson-Thema gehört zu haben, aber wir lernen hier höchstens, dass Kirchentonleitern nicht alles ist...


Echte lydische Lieder gibt es aus dem Mittelalter, oder in Kirchengesangsbüchern. Ich könnte für die Kirchengesangsbücher bestimmt Beispiele finden, doch die werden den meisten nicht viel bringen.

Oftmals taucht das Lydische nur als einleitender Akkord auf.

z.B. F G | F G | F G | F G | C
oder auch F C | F C | F G7| C
Aber es löst sich immer wieder nach C auf.
Beispiel:
- Tocotronic - Gegen den Strich
(hab ich über die Wikipedia gefunden, kenn ich aber selbst nicht)

Die F da oben kann man aber sehr leicht durch Dm7 ersetzen. Dann hätte man "Dorisch" und würde eine II-V-I-Verbindung einleiten. Doch dazu komme ich bei Dorisch noch drauf zurück.

Echte lydische Lieder habe ich sonst noch nicht gefunden.


Das gleiche gilt für Phrygisch. Da habe ich (außer ein paar uralten Chorälen) noch kein wirklich brauchbares Beispiel gefunden. (Zumindest keines für reines Phrygisch.)
Zuletzt geändert von mjchael am 18.01.2010, 05:42, insgesamt 3-mal geändert.

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Erstellt: von mjchael » 18.01.2010, 20:35

Wiederholung


Halten wir noch einmal das Wesentliche fest.

Kirchentonarten verwenden das gleiche Tonmaterial wie eine Dur-Tonleiter.
Daher kann man jede Kirchentonart von einer Dur-Tonleiter ableiten.

Die drei Kirchentonarten der Dur-Akkorde
Wir haben drei Kirchentonarten kennengelernt, die man den Durakkorden zuordnen kann.

lydisch - entspricht der 4.Stufe einer Durtonleiter
ionisch - entspricht der 1.Stufe einer Durtonleiter ( = Dur )
mixolydisch - entspricht der 5.Stufe einer Durtonleiter

Von den Akkorden einer einer Durtonleiter ausgehend wird
über die 4 Stufe also der Subdominante lydisch improvisiert
über die 1 Stufe also der Tonika ionisch improvisiert
über die 5 Stufe also der Dominante mixolydisch improvisiert

lydische Intervalle
Die lydische Skala unterscheidet sich von der Dur-Skala nur durch einen Ton; es ist die übermäßige Quarte (4#). In Akkorden kann auch die Oktave der übermäßigen Quarte (11#) angegeben sein, die ebenfalls auf den lydischen Modus hinweist.
Stichwort: lydische Quarte (4#)

mixolydische Intervalle
Die mixolydische Skala unterscheidet sich ebenfalls nur durch einen Ton von der Dur-Tonleiter. Es ist die kleine Septime (7b). In Akkorden wird das "b" nicht mit bei der Septime angegeben. Ein Dur7-Akkord weist meist auf den mixolydischen Modus hin. (Außer wenn er als Dominante bei einer Molltonart auftaucht, oder als Zwischendominante zu einem Moll-Akkord weiterleitet, aber das muss nochmal extra besprochen werden.) Ein Septim-Akkord kann bei Dur-Akkorden auch versteckt sein, wenn Intervalle, wie 9, 11 oder 13 mit hinzu kommen. Im Jazz wird dann die 7 automatisch mit aufgefüllt.
Stichwort: mixolydische Septime (7b)

Modus- bzw. Funktions-bestimmende Intervalle
Die übermäßige Quarte (4#) und die mixolydische Septime (7b) bestimmen die Akkordfunktion, und damit den Modus.

harmonisches und melodisches Moll kommt später dran
(Man muss bei dem mixolydischen Modus noch die Molltonarten beachten, doch dazu später...)

Modus- bzw. Funktions-einschränkende Intervalle
Eine große Septime (j7) die bei einem Dur-Akkord vorkommt schränkt die Möglichkeiten ein. Als Funktion kann es die die Subdominante mit ihrem lydischen Modus oder aber die Tonika mit ihrem jonischen Modus sein, nicht aber die Dominante mit ihrem mixolydischen Modus, denn diese benötigt die kleine Septime (7). Ein Major7-Akkord kann also keine Dominante und daher auch nicht mixolydisch sein.

Eine reine Quinte (4) bei einem Dur-Akkord schränkt ebenfalls die Möglichkeiten ein. Als Funktion kann es die Tonika mit ihrem jonischen Modus, oder aber die Dominante mit ihrem mixolydischen Modus sein, nicht aber die Subdominante mit ihrem lydischen Modus, denn diese benötigt ja die übermäßige Quarte (4#). Ein sus4-Akkord oder ein add4 Akkord (oder ein 11er-Akkord) kann also nicht lydisch sein.

Bei der ionischen Skala benötigt man sowohl die reine Quarte (4) als auch die große Septime (j7) um den Modus eindeutig zu bestimmen.

Abweichler
Solange man sich nur in einer Dur- oder Molltonart befindet, lohnt es sich nicht besonders, sich mit den Kirchentonarten auseinander zu setzen. Aber wir haben gesehen, dass einzelne Akkorde von der üblichen Einteilung "Subdominante-Tonika-Dominante" abweichen können. Und da interessiert es uns schon wie sich der Abweichler verhält. (Bei Dur-Akkorden eben "wie" eine Subdominante, oder "wie" eine Dominante.) Es ist fast so als hätte man mal kurzfristig die Tonart gewechselt (wenn auch nur einen Akkord lang).

Kirchentonarten ganzer Stücke oder Melodie-Passagen
Es kann auch sein, dass sich bei einem Lied das tonale Zentrum ganz verschiebt. Das tonale Zentrum ist mehr oder weniger der Akkord, um den sich das ganze Musikstück (oder ein bestimmter Ausschnitt eines Musikstückes) zu drehen scheint. Der eigene Höreindruck und die eigene Hörerwartung ist hier ausschlaggebend. Wir haben bis jetzt ein Stück im mixolydischen Modus kennengelernt, wo die Dominante das Zepter in die Hand nahm, und beim lydischen Modus hat die Subdominante das Sagen, obwohl es sich bei den Beispielen nur um Ausschnitte eines Liedes handelte. Den jonischen Modus, wo die Tonika das tonale Zentrum ist, erachten wir als Normalfall.

Randbemerkung:
Ich vergleiche alle Akkordfunktionen immer mit einer normalen Dur-Tonleiter, und leite alle Vergleiche immer von der Dur-Tonleiter ab. In der Musik-Wissenschaft würde es zu einer Umbenennung kommen, die aber für den Lernenden mehr Verwirrung stiften würden, als dass sie was klären könnte. Kirchentonarten werden aber viel einfacher, wenn man sie auf eine einfache Durtonleiter zurückführt.

wenig Aussagekräftige Intervalle
Die Akkordtöne (1-3-5) sagen kaum etwas über die Akkordfunktion und den Modus aus. Außer eben das zu einem Dur-Akkord die drei Kirchentonleitern lydisch-jonisch-mixolydisch gehören, und zu einem Moll-Akkord dorisch-äolisch-phrygisch (die wir später noch kennen lernen werden)

Bei Dur-Akkorden sagt die große Sekunde (2) und die große Sexte (6) nichts über die Akkordfunktion aus. Die gr. None (9) und die gr. Tredezime (13) für sich allein (bei add9 oder add11) auch nichts (sind ja bloß die Oktaven von 2 und 6).

Ausnahme
Im Jazz wird jedoch automatisch die 7 mit aufgefüllt, was üblicherweise den mixolydischen Modus nach sich zieht.
Dur9 = Dur7/9;
Dur11 = Dur7/9/11,
Dur13 = Dur7/9/11/13

Ein "j" oder ein "maj" weist auch ohne die 7 auf eine große Septime hin
Dur/maj9 = Dur/maj7/9;
Dur/j11 = Dur/j7/9/11,
Dur/j13 = Dur/j7/9/11/13
Solche Akkorde gehören zur Tonika (ionisch) oder bei einer übermäßigen Quarte bzw. deren Oktave (11#) zur Subdominante (lydisch).

Bedeutung der wenig aussagekräftigen Intervalle
Sie können in jedem Modus vorkommen. Sie bilden zusammen die Pentatonik, die ungefährlich für eine Improvisation ist, jedoch nicht so viel "Charakter" hat.

_____________________________________________


Schaut mal, ob ihr soweit alles nachvollziehen könnt.
Ich habe dermaßen viele Wiederholungen eingebaut, dass ich hoffe, es bläut sich euch alleine durch das Lesen ein. :D

Gruß Mjchael
Zuletzt geändert von mjchael am 23.01.2010, 11:52, insgesamt 1-mal geändert.

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Erstellt: von mjchael » 18.01.2010, 21:36

Lektion 21

Wir haben die 3 Kirchentonarten in Dur kennengelernt.

Fehlen noch die drei für Moll-Akkorde.

Bleiben wir wieder bei der G-Dur-Tonleiter.
Die üblichen Akkorde einer G-Dur-Tonleiter sind

C G D7 Am Em Hm

C ist die Subdominante
G ist die Tonika
D7 ist die Dominante.

Am ist die Mollparallele von C-Dur.
Da C hier die Subdominante ist, ist Am die Subdominanten-Parallele.

Em ist die Mollparallele von G-Dur.
Da G hier die Tonika ist, ist em die Tonika-Parallele.

Hm ist die Mollparallele von D(7).
Da D(7) hier die Dominante ist, ist Hm die Dominanten-Parallele.

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        |Subdominante | Tonika | Dominante |
in Dur  |    C        |   G    |    D(7)   |
in Moll |    Am       |   Em   |    Hm     |


Lektion 22
Stellen wir fest auf welchen Stufe die einzelnen Akkorde stehen.
Dazu schauen wir uns die G-Dur-Tonleiter an.

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1 2 3 4 5 6 7  1
G A H C D E F# G


Daraus lassen sich die 7 Akkordstufen ableiten.

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1  2   3   4  5   6   7      1
G  Am  Hm  C  D7  Em  F#mb5  G


Die 7. Akkordstufe mit ihrem F#mb5 übersehen wir für's erste. Der bekommt noch mal eine extra Lektion für sich alleine.

Die Stufen der drei Moll-Akkorde mit ihren Funktionen sind demnach

2. Stufe = Am = Subdominanten-Parallele
6. Stufe = Em = Tonika-Parallele
3. Stufe = Hm = Dominanten-Parallele

Drei Akkordstufen in Moll
Drei Akkordfunktonen in Moll
Drei Kirchentonarten für die Moll-Akkorde


Lektion 23
Gehen wir das Problem noch mal wie bei den Dur-Akkorden an.

Dur greifst einen Em-Akkord (hier im 7. Bund)

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E ||---|---|---|---|---|---|-Z-|---|---|---|---|-
H ||---|---|---|---|---|---|-Z-|-M-|---|---|---|-
G ||---|---|---|---|---|---|-Z-|---|-K-|---|---|-
D ||---|---|---|---|---|---|-Z-|---|-R-|---|---|-
A ||---|---|---|---|---|---|-Z-|---|---|---|---|-
E ||---|---|---|---|---|---|-Z-|---|---|---|---|-


Welche Skala verwendest du über diesen Akkord?

Dazu musst du wieder wissen, in welcher Tonart der Em-Akkord üblicherweise vorkommt.

Em kann die Subdominanten-Parallele der Tonart D-Dur sein.
Em kann die Tonika-Parallele der Tonart G-Dur sein
Em kann die Dominanten-Parallele der Tonart C-Dur sein.

Das sind die selben drei Tonarten, in denen auch der G-Dur-Akkord vorkommen kann.

G-Dur kann die Subdominante der Tonart D-Dur sein.
G-Dur kann die Tonika der Tonart G-Dur sein
G-Dur kann die Dominante der Tonart C-Dur sein.

Nur jeweils zwei Akkorde stimmen mit den möglichen Tonarten, in denen sie vorkommen können überein.

Hierbei sind vorerst nur die Tonart gemeint, die ausschließlich mit dem Tonvorrat einer Dur-Tonleiter gebildet wird. Bei den Moll-Tonarten muss das nämlich nicht sein, doch das Problem heben wir (wie schon öfter gesagt) für etwas später auf.

Da der G-Dur-Akkord und der Em-Akkord in den gleichen Tonarten vorkommt, müssen sich die beiden Akkorde auch mit den selben Tönen auseinandersetzen.

Ein G-Dur-Akkord muss man bei der Improvisation je nach Tonart mit folgenden Tönen rechnen:

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       1 | 2 | 3 | 4 | 4# | 5 | 6 | 7b | j7 | 1
D-Dur: G | A | H |   | C# | D | E |    | F# | G
G-Dur: G | A | H | C |    | D | E |    | F# | G
C-Dur: G | A | H | C |    | D | E | F  |    | G


Da der Em-Akkord mit den gleichen Tönen arbeitet, kommt es zu einer ähnlichen Aufstellung

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       1 | 2b | 2  | 3b | 4 | 5 | 6b | 6  | 7b | 1
D-Dur: E |    | F# | G  | A | H |    | C# | D  | E
G-Dur: E |    | F# | G  | A | H | C  |    | D  | E
C-Dur: E | F  |    | G  | A | H | C  |    | D  | E


Uns fällt auf, dass man bei Moll-Akkorden in der Improvisation zwischen einer kleinen Sekunde (2b) und einer großen Sekunde (2) unterscheidet.
Die kleine Terz (3b) gehört zu einem Moll-Akkord dazu, denn die Moll-Terz ist ja das Kennzeichen des Moll-Akkord.
Es gibt bei Mollakkorden (üblicherweise) keine übermäßigen Quarten.
Die Quinte (Powerchord-Quinte) gehört zu jedem Dur- und Moll-Akkord automatisch mit dazu.
Es wird zwischen einer kleinen (6b) und einer großen Sexten (6) unterschieden.
Bei Moll-Akkorden kommen (üblicherweise) nur kleine Septime vor.

Das "Üblicherweise" muss ich fast immer einfügen, denn es gibt immer ausnahmen von der Regel. Manche Ausnahmen sind extrem selten, aber nicht unmöglich. Ein paar Ausnahmen kommen jedoch häufiger vor. Bei Molltonarten können sie so häufig vorkommen, dass sie wieder zur Regel werden. Aber ihr wisst ja: harmonisches und melodisches Moll kommen später noch mal dran.

Grundton, Mollterz und Quinte (1-3b-5) gehören wie üblich zum Akkordton, und sind daher automatisch in allen Improvisationsskalen vertreten.

Während man bei den Dur-Akkorden auf die Quarten und Septimen besonders aufpassen muss, ist es bei den Moll-Akkorden genau umgekehrt. Die Quarten sind bei allen Moll-Akkorden reine Quarten, und die Septimen sind bei allen Moll-Akkorden kleine Septimen (Ausnahmen möglich).

Während bei Dur-Akkorden die Sekunde (2) und die Sexte (6) nichts über die Funktion, und damit über den Modus aussagt, sind diese Intervalle genau die, auf die man bei den Moll-Akkorden aufpassen muss.

Dur-Akkord: 2 und 6 sind sicher, 4(#) und (j)7 unsicher
Moll-Akkord: 2(b) und 6(b) sind unsicher, 4 und 7 sind sicher

Merkt euch das!

Eines ist schon mal sicher: Ein Moll7-Akkord sagt nichts über seine Funktion, und damit auch nichts über seinen Modus aus.

Gruß Mjchael

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Erstellt: von mjchael » 19.01.2010, 04:28

Lektion 24
Bauen wir wieder Schrittweise die Em-Skalen auf

zuerst die Grundtöne bestimmen

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E ||---|---|---|---|---|---|-Z-|---|---|---|---|-
H ||---|---|---|---|---|---|-Z-|-M-|---|---|---|-
G ||---|---|---|---|---|---|-Z-|---|(1)|---|---|-
D ||---|---|---|---|---|---|-Z-|---|-R-|---|---|-
A ||---|---|---|---|---|---|(1)|---|---|---|---|-
E ||---|---|---|---|---|---|-Z-|---|---|---|---|-

Beide Grundtöne heißen E. Genau wie der Em-Akkord. Zur Unterscheidung von den Grundtönen eines Dur-Akkordes setze ich sie diesmal in Runden klammern.

Dann die Quinten

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E ||---|---|---|---|---|---|-5-|---|---|---|---|-
H ||---|---|---|---|---|---|-Z-|-M-|---|---|---|-
G ||---|---|---|---|---|---|-Z-|---|(1)|---|---|-
D ||---|---|---|---|---|---|-Z-|---|-5-|---|---|-
A ||---|---|---|---|---|---|(1)|---|---|---|---|-
E ||---|---|---|---|---|---|-5-|---|---|---|---|-

wieder kann man sich an dem Powerchord orientieren

Nun noch die Mollterz dazu

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E ||---|---|---|---|---|---|-5-|---|---|---|---|-
H ||---|---|---|---|---|---|-Z-|-3b|---|---|---|-
G ||---|---|---|---|---|---|-Z-|---|(1)|---|---|-
D ||---|---|---|---|---|---|-Z-|---|-5-|---|---|-
A ||---|---|---|---|---|---|(1)|---|---|-3b|---|-
E ||---|---|---|---|---|---|-5-|---|---|---|---|-

Da die Mollterz eine kleine Terz ist, wird sie mit 3b bezeichnet. Im Akkord erkennt man sie nur an dem Buchstaben "m".
1-3b-5 sind die Intervalle eines Moll-Akkords.

Wir haben gelernt, dass die kleine Septime und die reine Quarte bei den Moll-Akkorden zu den ungefährlichen Akkorden gehört

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E ||---|---|---|---|---|---|-5-|---|---|-7b|---|-
H ||---|---|---|---|---|---|---|-3b|---|-4-|---|-
G ||---|---|---|---|---|---|-7b|---|(1)|---|---|-
D ||---|---|---|---|---|---|-4-|---|-5-|---|---|-
A ||---|---|---|---|---|---|(1)|---|---|-3b|---|-
E ||---|---|---|---|---|---|-5-|---|---|-7b|---|-

fertig ist die Em-Pentatonik, deren Intervalle (genau wie vorher beim G-Dur-Akkord) in allen Kirchentonleitern vorkommen, die sich von einem Moll-Akkord ableiten.
1-3b-5 + 4 + 7b sind die Intervalle einer Moll-Pentatonik

Füllen wir noch die fehlende Sekunde und die kleine Sexte mit hinzu, um die Molltonleiter vollständig zu machen.

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E ||---|---|---|---|---|---|-5-|-6b|---|-7b|---|-
H ||---|---|---|---|---|---|-2-|-3b|---|-4-|---|-
G ||---|---|---|---|---|---|-7b|---|(1)|---|---|-
D ||---|---|---|---|---|---|-4-|---|-5-|-6b|---|-
A ||---|---|---|---|---|---|(1)|---|-2-|-3b|---|-
E ||---|---|---|---|---|---|-5-|-6b|---|-7b|---|-

Wenn ein Em-Akkord in einer G-Dur-Tonleiter (der Dur-Parallele) vorkommt, dann steht er dort auf der 6. Stufe. Em ist in der G-Dur-Tonleiter die Tonika-Parallele.

Die reine Moll-Tonleiter (welche genau die selben Töne hat wie die G-Dur-Tonleiter) ist unsere erste Kirchentonart, die sich von einem Moll-Akkord ableitet.

Es ist der äolisch Modus.


Vergleichen wir diese mit den Notennamen

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E ||---|---|---|---|---|---|-H-|-C-|---|-D-|---|-
H ||---|---|---|---|---|---|-F#|<G>|---|-A-|---|-
G ||---|---|---|---|---|---|-D-|---|(E)|---|---|-
D ||---|---|---|---|---|---|-A-|---|-H-|-C-|---|-
A ||---|---|---|---|---|---|(E)|---|-F#|<G>|---|-
E ||---|---|---|---|---|---|-H-|-C-|---|-D-|---|-

Wir sehen noch einmal, dass es sich um die selben Töne handelt, wie bei der G-Dur-Skala. (G A H C D E F# G)
Daher sollte man sich bei einer Moll-Tonart immer auch den Grundton der parallelen Dur-Tonart vor Augen führen, den dieser Grundton hilft uns, sich in der Tonleiter zu orientieren.

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E ||---|---|---|---|---|---|-H-|-C-|---|---|---|-
H ||---|---|---|---|---|---|-F#|<G>|---|---|---|-
G ||---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|-
D ||---|---|---|---|---|---|---|---|-H-|-C-|---|-
A ||---|---|---|---|---|---|---|---|-F#|<G>|---|-
E ||---|---|---|---|---|---|-H-|-C-|---|---|---|-

Die kleinen Sekunden-Abstände liefern bessere Orientierungshilfen für die Fingersätze, als es der Grundton des Moll-Akkordes täte.

Code: Alles auswählen

E ||---|---|---|---|---|---|-H-|-C-|---|-D-|---|-
H ||---|---|---|---|---|---|-F#|<G>|---|-A-|---|-
G ||---|---|---|---|---|---|-D-|---|(E)|---|---|-
D ||---|---|---|---|---|---|-A-|---|-H-|-C-|---|-
A ||---|---|---|---|---|---|(E)|---|-F#|<G>|---|-
E ||---|---|---|---|---|---|-H-|-C-|---|-D-|---|-

Wir sehen auch, dass die Bezeichnung der Intervalle nichts über die tatsächlichen Vorzeichen der Töne aussagt. Ein "b" bei einem Intervall sagt lediglich aus, dass es sich um einen kleinen Intervall handelt, und wenn ein "b" fehlt, handelt es sich um ein großes Intervall, oder bei der Prime (1) Quarte (4) bzw. Quinte (5) um ein reines Intervall.


Lektion 25
Vergleichen wir mal die Intervall-Struktur einer Dur- und einer Moll-Tonleiter. Wir können direkt die G und die E-Saite auf der Gitarre gegenüberstellen.

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1        2   3b  3   4       5   6b  6   7b  j7  1
E ||---|-F#|-G-|---|-A-|---|-H-|-C-|---|-D-|---|(E)|-
  ||---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|-
G ||---|-A-|---|-H-|-C-|---|-D-|---|(E)|---|-F#|<G>|-
  ||---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|-
  ||---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|-
  ||---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|-


Eine Dur-Tonleiter hat nur große oder reine Intervalle. Daher tauchen bei der Dur-Tonleiter bei den Intervallen auch keine Vorzeichen auf. (die würden bei kleinen, verminderten oder übermäßigen Intervallen gebraucht)

Das Hauptmerkmal der Moll-Tonleiter ist die kleine Terz (3b), denn die Terz bestimmt das Tongeschlecht (Dur- oder Moll).
Jede natürliche Molltonleiter, oder jede Kirchentonart, die sich von einem Moll-Akkord ableiten lässt hat eine kleine Septime (7b).
Vorweggenommen wurde, dass die kleine Sexte (6b) zwar das Kennzeichen einer Moll-Tonleiter ist, aber sie kommt nicht in jeder Kirchentonleiter vor, die sich von einem Moll-Akkord ableitet.
Das gleiche gilt für die große Sekunde (2).

Lektion 26
Wir haben schon festgestellt, dass ein Em Akkord, genau wie der G-Dur-Akkord auch in der C-Dur-Tonleiter vorkommen kann. Eine C-Dur-Tonleiter hat ein F, aber kein F#

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1    2b      3b      4       5   6b      7b      1
E ||-F-|---|-G-|---|-A-|---|-H-|-C-|---|-D-|---|(E)|-
  ||---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|-
  ||---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|-
  ||---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|-
  ||---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|-
  ||---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|-

Kommt ein Em-Akkord in der C-Dur-Tonleiter vor, so steht er dort auf der 3. Stufe.

Die Parallele von Em ist G-Dur. G-Dur ist in der C-Dur-Tonleiter die Dominante. Em ist demnach in der C-Dur-Tonleiter die Dominanten-Parallele.

Der Modus heißt phrygisch.

In der Imprivisationsskala müssen wir die große Sekunde durch eine kleine Sekunde ersetzen.

E-phrygisch im 7. Bund

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E ||---|---|---|---|---|---|-5-|-6b|---|-7b|---|-
H ||---|---|---|---|---|---|---|-3b|---|-4-|---|-
G ||---|---|---|---|---|---|-7b|---|(1)|-2b|---|-
D ||---|---|---|---|---|---|-4-|---|-5-|-6b|---|-
A ||---|---|---|---|---|---|(1)|-2b|---|-3b|---|-
E ||---|---|---|---|---|---|-5-|-6b|---|-7b|---|-


Schlagwort: Phrygische Sekunde (2b)

Lektion 27
Wir haben schon festgestellt, dass ein Em Akkord auch in der D-Dur-Tonleiter vorkommen kann. Dort kommt zwar das F# vor, aber auch das C#

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1        2   3b      4       5       6   7b      1
E ||---|-F#|-G-|---|-A-|---|-H-|---|-C#|-D-|---|(E)|-
  ||---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|-
  ||---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|-
  ||---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|-
  ||---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|-
  ||---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|-

Kommt ein Em-Akkord in der D-Dur-Tonleiter vor, so steht er dort auf der 2. Stufe.

Die Parallele von Em ist auch hier G-Dur. G-Dur ist in der D-Dur-Tonleiter die Subdominante. Em ist demnach in der D-Dur-Tonleiter die Subdominanten-Parallele.

Der Modus heißt dorisch

In der Imprivisationsskala müssen wir die kleine Sexte durch eine große Sexte ersetzen.

E-dorisch im 7. Bund

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E ||---|---|---|---|---|---|-5-|---|-6-|-7b|---|-
H ||---|---|---|---|---|---|-2-|-3b|---|-4-|---|-
G ||---|---|---|---|---|-6-|-7b|---|(1)|---|---|-
D ||---|---|---|---|---|---|-4-|---|-5-|---|---|-
A ||---|---|---|---|---|---|(1)|---|-2-|-3b|---|-
E ||---|---|---|---|---|---|-5-|---|-6-|-7b|---|-


Schlagwort: dorische Sexte (6)

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Erstellt: von mjchael » 19.01.2010, 23:51

Lektion 28

Wir haben die drei Kirchentonarten von einem Akkord in der A-Moll-Form abgeleitet.

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E ||---|---|---|---|---|---|-Z-|---|---|---|---|-
H ||---|---|---|---|---|---|-Z-|-M-|---|---|---|-
G ||---|---|---|---|---|---|-Z-|---|(1)|---|---|-
D ||---|---|---|---|---|---|-Z-|---|-R-|---|---|-
A ||---|---|---|---|---|---|(1)|---|---|---|---|-
E ||---|---|---|---|---|---|-Z-|---|---|---|---|-


Leiten wir es jetzt mal von einem Akkord in der Em-Form ab. Dazu greifen wir den

Am-Akkord im 5. Bund.

Code: Alles auswählen

E ||---|---|---|---|(Z)|---|---|---|---|---|---|-
H ||---|---|---|---|-Z-|---|---|---|---|---|---|-
G ||---|---|---|---|-Z-|---|---|---|---|---|---|-
D ||---|---|---|---|-Z-|---|(Z)|---|---|---|---|-
A ||---|---|---|---|-Z-|---|-R-|---|---|---|---|-
E ||---|---|---|---|(Z)|---|---|---|---|---|---|-


Die Herleitung der Pentatonik kürze ich hier mal ab, denn ich halte euch schon für fähig, jetzt selbst den Powerchord (1-5) die Akkord-Töne (1-3b-5) und die Pentatonik ( 1-3b-5 + 4-7b) abzuleiten.

Es ist die mit Abstand beliebteste Pentatonikform in der am häufigsten gebrauchten Lage

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E ||---|---|---|---|<1>|---|---|-3b|---|---|---|-
H ||---|---|---|---|-5-|---|---|-7b|---|---|---|-
G ||---|---|---|---|-3b|---|-4-|---|---|---|---|-
D ||---|---|---|---|-7b|---|<1>|---|---|---|---|-
A ||---|---|---|---|-4-|---|-5-|---|---|---|---|-
E ||---|---|---|---|<1>|---|---|-3b|---|---|---|-


Die beiden 3b auf der E-Saite und die 4 auf der A-Saite musst du dir besonders einprägen. Die übrigen Intervalle kannst du dir ganz einfach über die typischen Barré-Akkord-Formen ableiten.

Am7

Code: Alles auswählen

E ||---|---|---|---|(Z)|---|---|---|---|---|---|-
H ||---|---|---|---|-Z-|---|---|---|---|---|---|-
G ||---|---|---|---|-Z-|---|---|---|---|---|---|-
D ||---|---|---|---|-7b|---|(-)|---|---|---|---|-
A ||---|---|---|---|-Z-|---|-R-|---|---|---|---|-
E ||---|---|---|---|(Z)|---|---|---|---|---|---|-


Am7

Code: Alles auswählen

E ||---|---|---|---|(Z)|---|---|---|---|---|---|-
H ||---|---|---|---|-Z-|---|---|-7b|---|---|---|-
G ||---|---|---|---|-Z-|---|---|---|---|---|---|-
D ||---|---|---|---|-Z-|---|(Z)|---|---|---|---|-
A ||---|---|---|---|-Z-|---|-R-|---|---|---|---|-
E ||---|---|---|---|(Z)|---|---|---|---|---|---|-


Asus4 (hier: Am-sus4)

Code: Alles auswählen

E ||---|---|---|---|(Z)|---|---|---|---|---|---|-
H ||---|---|---|---|-Z-|---|---|---|---|---|---|-
G ||---|---|---|---|-Z-|---|-4-|---|---|---|---|-
D ||---|---|---|---|-Z-|---|(Z)|---|---|---|---|-
A ||---|---|---|---|-Z-|---|-R-|---|---|---|---|-
E ||---|---|---|---|(Z)|---|---|---|---|---|---|-


Lektion 29
Ich könnte jetzt wieder einfach die gr. Sekunde (2) und die kleine Sexte (6b) auffüllen, und ich hätte die Am-Tonleiter. Doch ich gehe diesmal einen anderen Weg. Er mag auf den ersten Blick komplizierter erscheinen, aber mitunter kommt man so leichter zum Ziel.

Ich gehe einfach mal davon aus, dass es euch leichter fällt, über eine Dur-Tonleiter zu improvisieren. Also frage ich mich, welcher Dur-Tonleiter die Am-Tonleiter entspricht.

Nun bei Am ist es nicht besonders schwer. Es ist die C-Dur-Tonleiter. Wie wird sie aber in dieser Lage (5. Bund) gespielt?

Die Akkordform ist vom Em-Typ. Vom Em-Typ ist die Dur-Parallele der G-Dur-Typ (so was bleibt immer gleich). Also überlegen wir uns, wie der G-Dur-Akkord als Barré im 5. Bund aussehen müsste.

C-Dur-Akkord als G-Dur-Typ im 5. Bund

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E ||---|---|---|---|(Z)|---|---|-K-|---|---|---|-
H ||---|---|---|---|-Z-|---|---|---|---|---|---|-
G ||---|---|---|---|-Z-|---|---|---|---|---|---|-
D ||---|---|---|---|-Z-|---|(-)|---|---|---|---|-
A ||---|---|---|---|-Z-|---|-M-|---|---|---|---|-
E ||---|---|---|---|(Z)|---|---|-R-|---|---|---|-


Von dem Akkord wissen wir, wo die Grundtöne sind

Code: Alles auswählen

E ||---|---|---|---|(Z)|---|---|<1>|---|---|---|-
H ||---|---|---|---|-Z-|---|---|---|---|---|---|-
G ||---|---|---|---|<1>|---|---|---|---|---|---|-
D ||---|---|---|---|-Z-|---|(-)|---|---|---|---|-
A ||---|---|---|---|-Z-|---|-M-|---|---|---|---|-
E ||---|---|---|---|(Z)|---|---|<1>|---|---|---|-


Jetzt können wir ganz einfach das anwenden, was wir vom Improvisations-Skalen-Workshop her wissen.

Wir wissen wo die 1 ist, also füllen wir die Karrés auf

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E ||---|---|---|---|(-)|---|-7-|<1>|---|---|---|-
H ||---|---|---|---|-3-|-4-|---|---|---|---|---|-
G ||---|---|---|-7-|<1>|---|---|---|---|---|---|-
D ||---|---|---|---|---|---|(-)|---|---|---|---|-
A ||---|---|---|---|---|---|-3-|-4-|---|---|---|-
E ||---|---|---|---|(-)|---|-7-|<1>|---|---|---|-


Wir füllen den 1. und zweiten Fingersatz auf

Code: Alles auswählen

E ||---|---|---|---|(6)|---|-7-|<1>|---|---|---|-
H ||---|---|---|---|-3-|-4-|---|-5-|---|---|---|-
G ||---|---|---|-7-|<1>|---|-2-|---|---|---|---|-
D ||---|---|---|---|---|---|(-)|---|---|---|---|-
A ||---|---|---|---|-2-|---|-3-|-4-|---|---|---|-
E ||---|---|---|---|(6)|---|-7-|<1>|---|---|---|-


Und wir füllen noch die 5-6 vom dritten Fingersatz auf

Code: Alles auswählen

E ||---|---|---|---|(6)|---|-7-|<1>|---|---|---|-
H ||---|---|---|---|-3-|-4-|---|-5-|---|---|---|-
G ||---|---|---|-7-|<1>|---|-2-|---|---|---|---|-
D ||---|---|---|---|-5-|---|(6)|---|---|---|---|-
A ||---|---|---|---|-2-|---|-3-|-4-|---|---|---|-
E ||---|---|---|---|(6)|---|-7-|<1>|---|---|---|-


Jetzt haben wir zwar die C-Dur-Tonleiter ermittelt, aber wir wissen ja, dass diese die selben Töne hat, wie die Am-Tonleiter.

Wir wissen, dass bei der Tonika (hier C-Dur) die Moll-Parallele (hier Am) auf der 6. Stufe steht. Wir haben immer noch das Akkordbild des Am-Akkordes vor unserem geistigen Auge, und wir kennen die Grundtöne dieses Akkordes.

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E ||---|---|---|---|(Z)|---|-7-|<1>|---|---|---|-
H ||---|---|---|---|-Z-|-4-|---|-5-|---|---|---|-
G ||---|---|---|-7-|<Z>|---|-2-|---|---|---|---|-
D ||---|---|---|---|-Z-|---|(K)|---|---|---|---|-
A ||---|---|---|---|-Z-|---|-M-|-4-|---|---|---|-
E ||---|---|---|---|(Z)|---|-7-|<1>|---|---|---|-

Durch eine Betonung der Akkordtöne A-C-E verhindern wir, dass sich die Tonleiter wie C-Dur (ionisch) anhört, sondern wie Am (äolisch).

Lektion 29
Ebenso leicht hätten wir auch die Skala vom Am-Typ ableiten können, indem wir diesem die C-Dur-Parallele gegenüber gestellt hätten.

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E ||---|---|---|---|---|---|(Z)|---|---|---|---|-
H ||---|---|---|---|---|---|-Z-|-M-|---|---|---|-
G ||---|---|---|---|---|---|-Z-|---|(K)|---|---|-
D ||---|---|---|---|---|---|-Z-|---|-R-|---|---|-
A ||---|---|---|---|---|---|-Z-|---|---|---|---|-
E ||---|---|---|---|---|---|(Z)|---|---|---|---|-

E ||---|---|---|---|---|---|(Z)|---|---|---|---|-
H ||---|---|---|---|---|---|-Z-|<M>|---|---|---|-
G ||---|---|---|---|---|---|-Z-|---|---|---|---|-
D ||---|---|---|---|---|---|-Z-|---|-R-|---|---|-
A ||---|---|---|---|---|---|-Z-|---|---|<K>|---|-
E ||---|---|---|---|---|---|(Z)|---|---|---|---|-

Es ist oftmals einfacher, die äolische Skala von der jonischen Skala abzuleiten.

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Erstellt: von mjchael » 20.01.2010, 00:40

Lektion 30

Verfahren wir mal ebenso bei der dorischen Skala
Wir wissen inzwischen, dass die dorische Skala sich als 2. Stufe einer Dur-Tonleiter ableiten lässt.

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E ||---|---|---|---|(2)|---|---|---|---|---|---|-
H ||---|---|---|---|-Z-|---|---|---|---|---|---|-
G ||---|---|---|---|-Z-|---|---|---|---|---|---|-
D ||---|---|---|---|-Z-|---|(2)|---|---|---|---|-
A ||---|---|---|---|-Z-|---|-R-|---|---|---|---|-
E ||---|---|---|---|(2)|---|---|---|---|---|---|-


Ein Grundton ist leicht zu finden. Die <1> muss 2 Bünde vor der (2) sein.

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E ||---|---|---|---|(2)|---|---|---|---|---|---|-
H ||---|---|---|---|-Z-|---|---|---|---|---|---|-
G ||---|---|---|---|-Z-|---|---|---|---|---|---|-
D ||---|---|---|---|<1>|---|(2)|---|---|---|---|-
A ||---|---|---|---|-Z-|---|-R-|---|---|---|---|-
E ||---|---|---|---|(2)|---|---|---|---|---|---|-


Grunton der Dur-Parralele ist hier auf der D-Saite, das entspricht einer Dur-Skala in der D-Form.

Code: Alles auswählen

E ||---|---|---|---|(2)|---|---|---|---|---|---|-
H ||---|---|---|---|-Z-|---|---|<1>|---|---|---|-
G ||---|---|---|---|-Z-|---|---|---|---|---|---|-
D ||---|---|---|---|<1>|---|(2)|---|---|---|---|-
A ||---|---|---|---|-Z-|---|-R-|---|---|---|---|-
E ||---|---|---|---|(2)|---|---|---|---|---|---|-


Doch wir schreiten etwas einfacher vor, indem wir zuerst versuchen, den zweiten Fingersatz aufzufüllen.

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-|(2)|---|-3-|-4-|-
-|-6-|---|j7-|<1>|-


Die hohe H- und E-Saite können wir also leicht auffüllen, sowie die tiefe E-Saite

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E ||---|---|---|---|(2)|---|-3-|-4-|---|---|---|-
H ||---|---|---|---|-Z-|---|j7-|<1>|---|---|---|-
G ||---|---|---|---|-Z-|---|---|---|---|---|---|-
D ||---|---|---|---|<1>|---|(2)|---|---|---|---|-
A ||---|---|---|---|-Z-|---|-R-|---|---|---|---|-
E ||---|---|---|---|(2)|---|-3-|-4-|---|---|---|-


Sobald wir einen Fingersatz haben, ist auch der Rest einfach

Die dorische Skala von der jonischen ableiten

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E ||---|---|---|---|(2)|---|-3-|-4-|---|---|---|-
H ||---|---|---|---|-6-|---|j7-|<1>|---|---|---|-
G ||---|---|---|-3-|-4-|---|-5-|---|---|---|---|-
D ||---|---|---|j7-|<1>|---|(2)|---|---|---|---|-
A ||---|---|---|---|-5-|---|-6-|---|---|---|---|-
E ||---|---|---|---|(2)|---|-3-|-4-|---|---|---|-


Lektion 31

Verfahren wir mal ebenso bei der phrygischen Skala
Wir wissen inzwischen, dass die dorische Skala sich als 3. Stufe einer Dur-Tonleiter ableiten lässt.

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E ||---|---|---|---|(3)|---|---|---|---|---|---|-
H ||---|---|---|---|-Z-|---|---|---|---|---|---|-
G ||---|---|---|---|-Z-|---|---|---|---|---|---|-
D ||---|---|---|---|-Z-|---|(3)|---|---|---|---|-
A ||---|---|---|---|-Z-|---|-R-|---|---|---|---|-
E ||---|---|---|---|(3)|---|---|---|---|---|---|-


Wir kennen das Karré, und wissen, wo dort die 3 ist.

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-|(3)|-4-|-
-|j7-|<1>|-


Wir füllen also einfach das Karré auf

Code: Alles auswählen

E ||---|---|---|---|(3)|-4-|---|---|---|---|---|-
H ||---|---|---|---|j7-|<1>|---|---|---|---|---|-
G ||---|---|---|---|-Z-|---|---|---|---|---|---|-
D ||---|---|---|---|-Z-|---|(3)|-4-|---|---|---|-
A ||---|---|---|---|-Z-|---|j7-|<1>|---|---|---|-
E ||---|---|---|---|(3)|-4-|---|---|---|---|---|-


Wir füllen einfach die Fingersätze auf

Wir füllen also einfach das Karré auf
und wir haben die Töne der phrygischen Skala im 5. Bund.

Code: Alles auswählen

E ||---|---|---|---|(3)|-4-|---|-5-|---|---|---|-
H ||---|---|---|---|j7-|<1>|---|-2-|---|---|---|-
G ||---|---|---|---|-5-|---|-6-|---|---|---|---|-
D ||---|---|---|---|-2-|---|(3)|-4-|---|---|---|-
A ||---|---|---|---|-6-|---|j7-|<1>|---|---|---|-
E ||---|---|---|---|(3)|-4-|---|-5-|---|---|---|-


Wieder behalten wir die eigentlichen Akkordtöne im Auge, und betonen diese, damit es sich phrygisch anhört, und nicht aus Versehen jonisch.

Code: Alles auswählen

E ||---|---|---|---|(Z)|-4-|---|-5-|---|---|---|-
H ||---|---|---|---|-Z-|<1>|---|-2-|---|---|---|-
G ||---|---|---|---|-Z-|---|-6-|---|---|---|---|-
D ||---|---|---|---|-Z-|---|(K)|-4-|---|---|---|-
A ||---|---|---|---|-Z-|---|-R-|<1>|---|---|---|-
E ||---|---|---|---|(Z)|-4-|---|-5-|---|---|---|-


Lektion 32
Bei allen Kirchentonarten haben wir absolut die selben Fingersätze, die wir schon von der Dur-Tonleiter her kennen.

erster Fingersatz
Bild

zweiterFingersatz
Bild

dritter Fingersatz
Bild

Du brauchst dir von den Fingersätzen nur die Intervalle zu merken, und den einzelnen Skalen zuzuordnen.

1 = jonisch = Dur
2 = dorisch
3 = phrygisch
4 = lydisch
5 = mixolydisch
6 = äolisch = natürliches Moll
j7 = den wollten wir uns noch für später aufheben.

Lektion 33

Ihr solltet euch mal Gedanken darüber machen, wie weit einer der Hauptintervalle (1 2 3 4 5 6 j7) jeweils vom Grundton entfernt ist.

Um die Nebenintervalle (2b, 3b, 4#, 5b, 6b, 7b) brauchen wir uns nicht weiter zu kümmern, denn alle Kirchentonleitern leiten sich ja von einer Dur-Tonleiter ab. Daher gibt es bezüglich der Entfernung eines Grundtones einer Kirchentonart zum Grundton der zugrunde liegenden Dur-Tonleiter nur große oder reine Intervalle.

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-|---|(6)|---|j7-|<1>|-
-|---|-3-|-4-|---|-5-|-
-|---|j7-|<1>|---|-2-|-
-|-4-|---|-5-|---|(6)|-


Hier geht es nur um die Abstände. Und eigentlich solltet ihr nur je 2 Nachbar-Saiten betrachten.

Die Septime (j7) liegt einen Bund vor der <1> die Sekunde (2) liegt zwei Bünde nach der <1>.

Vom dorischen Grundton (2) liegt also der Grundton zwei Bünde vorher.

Die Quarte (4) liegt eine Saite unter der <1>, und die Quinte (5) liegt eine Saite über der <1>.

Vom Grundton der mixolydischen Skala (5) liegt der Grundton der zugrunde liegenden Dur-Skala also eine Saite tiefer.

Vom Grundton der lydischen Skala (4) liegt der Grundton der zugrunde liegenden Dur-Skala also eine Saite höher.

Von Grundton der phrygischen Skala (3) aus liegt der Grundton der zugrunde liegenden Dur-Skala eine Saite höher und einen Bund weiter.

Mitunter können auch Ableitungen über typische Akkord-Intervalle weiterhelfen.

Powerchord:

Code: Alles auswählen

-|---|---|<1>|-
-|---|---|-5-|-
-|<1>|---|---|-


Dur-Terz

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-|---|-3-|---|-
-|---|---|<1>|-


Vgl. G-Dur-Akkord, C-Dur-Akkord, F-Dur-Akkord (klein) D-Dur-Akkord... Es entspricht dort immer der Stellung vom Ringfinger <1> und dem Mittelfinger (3)

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-|---|-M-|---|-
-|---|---|<R>|-


Wenn ihr mehr auf die Intervalle achtet, werden euch einige Bezüge leichter fallen.

Lektion 34
Es steht jetzt jedem selbst frei, wie er sich seine Kirchentonleitern ableitet.

Die Dur-Tonleiter (ionisch) wird als bekannt vorausgesetzt.

Die reine Molltonleiter (äolisch) wird auch als bekannt vorausgesetzt.
Aber man kann sich diese auch gut über die Dur-Parallelen ableiten.

Die dorische Skala hat einen Moll-Akkord als Grundlage.
Ihr könnt die dorische Skala über eine Moll-Tonleiter ableiten.
Nur muss diese eine große Sexte (6) haben anstelle einer kleinen Sexten (6b)
Stichwort: Dorische Sexte (6)
Ihr könnt sie euch aber auch über die jonische Skala ableiten, indem ihr die Fingersätze zur Hilfe nimmt.
Der Grundton der dorischen Skala (2) entspricht der zweiten Stufe einer Dur-Tonleiter.

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|-3-|-4-|---|-5-|---|
|-7-|<1>|---|(2)|---|

|(2)|---|-3-|-4-|---|
|-6-|---|-7-|<1>|---|

___________________________________________________________

Die prygische Skala leitet sich ebenfalls von einem Moll-Akkord ab.
Jedoch hat diese im Gegensatz zu einer reinen Moll-Tonleiter eine kleine Sekunde (2b), und keine große Sekunde (2).
Stichwort: phrygische Sekunde

Aber auch hier kommt man meist mit dem Fingersatz leichter zum Ziel. Wir wissen ja, dass die phrygische Skala der 3. Stufe einer Dur-Skala entspricht.

Hier reicht das Karré

Code: Alles auswählen

-|(3)|-4-|-
-|j7-|<1>|-

oder einfach die Dur-Terz

Code: Alles auswählen

-|---|-3-|---|-
-|---|---|<1>|-

______________________________________________________

Die Lydische Skala ist eine Dur-Skala mit übermäßiger Quarte (4#)
Stichwort: Lydische Quarte (4#)

Der Grundton der lydischen Skala entspricht der 4. Stufe einer Dur-Tonleiter. Man sollte den Abstand vom Grundton der lydischen Skala zum Grundton der Dur-Skala nicht mit der lydischen Quarte verwechseln.

Beispiel: von C-Dur aus ist F die 4 Stufe (reine Quarte (4) )
C _ D _ E F
Die lydische Quarte (4#) ist hier aber der Abstand von F nach H
F _ G _ A _ H

4 liegt eine Saite unter der 1

Code: Alles auswählen

-|---|-4-|-
-|---|<1>|-

lässt sich leicht über das Karré ableiten.

Code: Alles auswählen

-|(3)|-4-|-
-|j7-|<1>|-

Da die Quarte eine Umkehrung der Quinte ist, kann man sich auch mit dem Powerchord behelfen:

Code: Alles auswählen

-|---|---|<1>|-
-|-4-|---|---|-

__________________________________________________________
Die mixoydische Skala ist eine Dur-Skala mit keiner Septime (7b)
Stichwort: mixolydische Septime (7b)

Die 5 liegt eine Saite über der 1

Code: Alles auswählen

-|---|<1>|-
-|---|-5-|-


Man kann sich auch hier wieder mit dem Powerchord behelfen

Code: Alles auswählen

-|---|---|<1>|-
-|---|---|-5-|-
-|<1>|---|---|-


Mit welcher Methode ihr jetzt besser zurande kommt, um euch eure Skala abzuleiten, das hängt allein von euch ab. Ihr müsst einfach beides immer wieder ausprobieren.

Nach einiger Zeit wird man einen Blick für die Sache bekommen. Meist geschieht es dann, wenn man sich näher mit einer Musikrichtung befasst, die verstärkt mit modalen Skalen (anderes Wort für Kirchentonarten) befasst.
Oft ist es der Jazz

Soweit erstmal.

Was noch fehlt ist, etwas über den Klang der molligen Kirchentonarten zu sagen.

Gruß Mjchael
Zuletzt geändert von mjchael am 21.01.2010, 05:16, insgesamt 1-mal geändert.

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Erstellt: von mjchael » 22.01.2010, 00:43

Affe1407bc

Lektion 35

Wie klingt die dorische Skala?
Zuerst schauen wir uns die Funktion des entsprechenden Moll-Akkord an. Es ist die Subdominanten-Parallele. Dem Modus liegt ebenfalls etwas weitertreibendes und schwebendes zugrunde, doch der Moll-Akkord gibt dem Modus oftmals eine traurigere Note, als der lydische Modus. In der normalen Dur-Tonleiter leitet die Subdominanten-Parallele oftmals die Dominante ein. Sie hat daher einen vorbereitenden Charakter um über die Dominante wieder zur Tonika zu leiten. Die Subdominantenparallese steht auf der zweiten Stufe, die Dominante auf der fünften Stufe, und die Dominante auf der ersten Stufe. Daraus ergibt sich die extrem beliebte II-V-I-Akkordfolge. Oftmals leitet eine II-V-I-Akkordfolge jeden Satz einer Strophe ein, so dass man sich beim ersten Akkord sofort auf den dorischen Modus einstellen muss.

Ein schönes Beispiel findet ihr in den Wikibooks:
Englishmen in New-York (Sting) aber man muss ein wenig nachhelfen

Das komplette Kapitel über die II-V-I-Verbindung solltet ihr euch unbedingt antun! Und ihr solltet auch die Beispiele, die ihr nicht kennt, euch einmal anhören. Die Wörter in Großbuchstaben geben den Titel an, den ihr bei Youtube suchen könnt.

Da die II-V-I-Verbindung dermaßen häufig vorkommt, müsst ihr auch damit rechnen, dass ihr oftmals über einen Moll-Akkord (genauer die Subdominanten-Parallele) dorisch improvisieren müsst.

Lektion 36
Man kann oftmals die Subdominante durch die Subdominantenparallele austauschen.

Aus der bekannten Akkordfolge
//: C Am F G ://
kann man oft problemlos einen Akkord austauschen (substituieren)
//: C Am Dm7 G ://

Also wurde einfach mal so aus einem lydischen Modus (beim F-Dur-Akkord) ein dorischer Modus (Dm7).

Wieder ein Beispiel aus den Wikibooks:
http://de.wikibooks.org/wiki/Gitarre:_ein_wenig_Reharmonisierung


Die Subdominantenpaarallele und der damit verbundene dorische Modus ist also ein wichtiges Ausdrucksmittel. Da man mit der Subdominantenparallele in ein Stück hineinstolpern kann, muss man sich darauf vorbereiten, dass man es beim ersten Moll-Akkord, denn man in einem Lied sieht nicht mit der Moll-Tonleiter (äolisch) zu tun hat, sondern mit dem dorischen Modus.

Lektion 37
Bei den vorherigen Beispielen taucht zwar der dorische Modus am Anfang oder mitten in einer Melodiepassage auf, doch sie lösen sich über kurz oder lang in die Tonika auf. In den meisten Fällen über die Dominante.

Aber es gibt auch Lieder, die sich nicht zur Tonika einer Dur-Tonleiter auflösen, sondern stets zurück zur Subdominanten-Parallele finden. Die Subdominanten-Parallele stellt dann das Tonale Zentrum des Musikstückes dar.

Wenn man mal die ionische und äolische Tonleiter (also das einfache Dur und Moll) außer Acht lässt, dann ist die dorische Kirchentonart am häufigsten anzutreffen. Viel häufiger, als der Mixolydische Modus, von dem es aber auch ein paar bekannte Musikstücke gibt. Lieder im lydischen oder phrygischen Modus zu suchen, ist wie das Suchen einer Stecknadel im Heuhaufen.

Bekannte dorische Stücke


In dem Kult-Album "Dark Side Of The Moon" von Pink Floyd gibt es das Instrumentalstück "Any Colour You Like The"

bekannter von denen
Pink Floyd - Another Brick in the Wall - part 2
Findet ihr in "Das Ding" Band 1 - S. 206

Fast nur Dm und am Ende der Strophe ein G-Dm
2x F C Dm im Refrein

Rein von den Tönen die man singt, ist der Modus nicht zu ermitteln, denn es werden nur Töne der Dm-Pentatonik verwendet. Wir haben keinen direkten Hinweis auf die dorische Sexte (6). Sie ergibt sich erst durch die Begleit-Akkorde. Genauer, durch die Dur-Terz des G-Dur-Akkord. (Das ist ein H). Die Akkorde F-C-G gehören eben zur C-Dur-Tonart, wovon Dm die Subdominanten-Parallele wäre.


Ein bekannter Disco-Schinken ist:
I FEEL LOVE von Donna Summer müsste im dorischen Modus sein. Ich habe gerade nicht die Akkorde parat, daher korrigiert mich, sollte ich mich irren, oder ergänzt die Infos!


Ein sehr gelungenes Cover eines dorischen Songs ist
Mad World - Gary Jules (Das Original von Tears for Fears war lange nicht so erfolgreich)
Die Akkordfolge ist in den Strophen immer
Em G D A
D A G7 gehören eigentlich zur D-Dur-Tonleiter. Doch man hört, dass sich es jedesmal zum Em, der zweiten Stufe der D-Dur-Tonleiter (also der Subdominantenparallele) auflöst.


Drunken Sailor wird nur mit Dm und C begleitet.
Im Wikibooks-Artikel habe ich eine recht ausführliche Fußnote hinterlasse.

Noch ein paar Lieder, die ich über die Wikipedia (Englische) gefunden habe, und auf die ich im ersten Moment wohl nicht gekommen wäre. Ich habe die Akkorde aber noch nicht überprüft.
"Eleanor Rigby" The Beatles
"Scarborough Fair"
"Smoke on the Water" by Deep Purple


Ein nettes Beispiel aus dem irisch-schottischen Bereich habe ich im Film "Herr der Ringe" gefunden. Dort gab es eine Szene mit Pippin:
All Shall Fade (Edge of Night)
Da der Schauspieler Billy Boyd es selbst geschrieben hat, ist es mir im Gedächtnis geblieben

Wo wir schon mal bei Irish sind:
As I Roved Out Spielbar nur mit Am und G (aber G-Dur-Tonleiter, nicht C-Dur-Tonleiter!)

Step It Out Mary

Es gibt bestimmt noch einige mehr, aber ich bin mal mit dem Suchen am Ende. Wer selber noch ein paar findet, der soll sie mal hier hin posten. Aber ich denke, ihr habt mal einen Eindruck davon bekommen, wie dorisch so klingt.

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Erstellt: von mjchael » 22.01.2010, 04:29

Lektion 38
Während es für das dorische genügend Beispiele gibt, finde ich im phrygischen keine Lieder. (Zumindest keine im reinen prygischen Modus).

Es gibt ein paar Kirchenlieder, wovon wohl das Lied
"O Haupt Voll Blut Und Wunden" von J.S. Bach aus der Matthäus Passion (BWV 244) das bekannteste sein dürfte.

Nun entsprechen Kirchenchoräle nur selten unserem Musik-Geschmack.
(Nicht jeder ist ein Bach bzw. Paul-Gerhard-Liebhaber)

Aber vielleicht kann man sich über das Lied den etwas "schmerzhaften" Charakter des Phrygischen merken.

Es ist nicht immer nur traurig schmerzhaft, sondern es kann auch etwas quenglig, drängend, verärgert und sogar wütend klingen. Vielleicht ist dies ein Grund, warum sie im Metal gerne für ein Solo eingesetzt wird.

Als Lied-Beispiel habe ich den Zwischenteil aus Falling in Love
Ich springe im Song mal gleich zu der Stelle, auf die es ankommt.

Das Stück ist in C-Dur gesetzt. Es beginnt auch gleich mit dem C-Dur-Akkord. Nur eben bei dem Zwischenteil springt man nach Em (der dritten Stufe von C-Dur, also der Dominanten-Parallele, über die prygisch improvisiert wird)

Noch so ein Beispiel ist Memory hier gilt das gleiche, was schon im letzten Beispiel gesagt wurde. Die Tonart mag eine andere sein, aber das Zwischenteil beginnt wieder mit der Dominanten-Parallele auf der 3. Stufe.

Da ich so und so nicht der supergute Solist bin, wende ich die Skalen häufig für die Harmonisierung von Liedern an.

Da ist mein Paradebeispiel das Lied
Heute Hier Morgen Dort (Hannes Wader)
So in etwa waren die Strophen harmoniesiert.
C C F C | C Am G G7
C C F C | Am G C C

Mir ist aufgefallen, dass man alle Am ohne Probleme auch mit einem Em austauschen konnte.

Mal gefiel mir das eine, mal das andere. Aber irgendwie gefiel es mir nicht durchgängig im Lied nur mit Em oder nur mit Am.

Wenn die Textzeile ruhig war, dann habe ich das bequeme Am (die Tonika-Parallele) genommen, so dass die Melodie über dem Akkord äolisch klingt.
Wenn die Textzeile etwas spannungsreicher wurde, und einen inneren Widerspruch beinhaltete, habe ich lieber das Em (also die Dominanten-Parallele) damit die gleiche Melodie dort phrygisch klingt.

Durch die Wahl der richtigen Akkordfunktion bzw. durch die Wahl des richtigen Modus kann man den Ausdruck eines Liedes mit gestalten.

"Heute hier morgen da" mag nicht gerade das Paradebeispiel dafür sein, aber es ist MEIN Paradebeispeil, weil ich es dort entdeckt hatte und es damit gelernt habe.

Jetzt stellt euch mal vor, ihr wollt ein Solo machen. Die Tonart des ganzen Stückes liegt fest. Aber das Solo soll etwas geladen klingen.

Nehmen wir an, das Stück steht in C-Dur.

Wenn ihr jetzt bei dem Solo den Akkord Am (also die Tonika-Parallele) nehmt, dann wird es sich nach einem gemütlichen Moll anhören.

Wenn ihr aber den Akkord Em als Grundlage für euer Solo nehmt (also die Subdominanten-Parallele), dann erreicht ihr eher einen etwas spannungsgeladenen Charakter, obgleich ihr mit dem gleichen Tonmaterial arbeitet.

Ihr könnt es auch versuchen, zwar den Am-Akkord zu spielen, aber über diesen Akkord phrygisch zu improvisieren (mit dem Tonmaterial der F-Dur-Tonleiter). Ihr müsst dann nur wieder zusehen, wie ihr wieder zurück zur Original-Tonart kommt, aber es kann einen ganz reizvollen Effekt haben.


Dem Phrygischen wird auch nachgesagt, dass es für sich alleine ein wenig Spanisch klingen kann.

Modernere Beispiele, für Lieder, die ganz in phrygisch sind, habe ich nicht gefunden. Aber vielleicht fällt ja euch irgendein Lied ein, oder ihr stolpert darüber.

Doch dass man wenige reine phrygische Lieder findet heißt noch lange nicht, dass die phtygische Skala nicht oft eingesetzt würde. Die phrygische Skala wird gerne für Solos eingesetzt. Sie ist bei Metal-Solos recht beliebt, doch dazu später.

Einen leicht orientalischen Charakter kann sie durch die kleine Sekunde haben. Aber auch da muss ich euch ein wenig vertrösten. Bevor ich darauf genauer eingehe, will ich zuerst das melodische und harmonische Moll dazwischenschieben.

Gruß Mjchael
Zuletzt geändert von mjchael am 29.01.2010, 13:27, insgesamt 1-mal geändert.

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Erstellt: von mjchael » 29.01.2010, 13:26

Ihr wollt jetzt bestimmt einmal hören, was man mit den Kirchentonarten so anstellen kann.

Da möchte ich euch mal einen Link von unseren Schweizer Kollegen ans Herz legen.

http://www.guitar.ch/de/info/frames/jamtracks/set.html

Ich frage mich, warum ich mich hier mit Federn schmücken soll, die www.guitar.ch eher verdient hat. Schließlich habe ich bei denen selbst viel gelernt.

Bis ich weiter an dem Workshop arbeite, soll euch die Homepage ein wenig das Warten versüßen.

Gruß Mjchael

ps.: Kritik, wie ich was besser machen könnte kann hier geäußert werden:
https://www.gitarre-spielen-lernen.de/forum/ftopic19348.htm

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