Tritonus (Intervall) für Gitarre

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von mjchael
#78375
Was ist ein Tritonus?

Ein Tritonus ist ein Intervall aus 6 Halbtonschritten.

Da es ein schlecht singbarer Intervall ist wurde er früher als
der Teufel der Musik bezeichnet und aus der klassischen Musik verbannt.

Wo kommt er vor?
Dieser Intervall kommt innerhalb einer Dur- oder einer natürlichen Molltonart praktisch gesehen nur einmal vor.

Ausgehend von der C-Dur-Tonleiter oder der A-Moll-Tonleiter ist es der Abstand von H nach F.
H C D E F ist der Abstand von einer Quinte.

Üblicherweise haben alle Quinten die man in einer Dur- oder natürlichen Molltonleiter findet, und die von den Powerchords her schon kennt jeweils 7 Halbtonschitte. Der Tritonus hat aber nur 6. Dieses macht man mit einem kleinen "b" nach der 5 kenntlich. (5b)

Durch eine Umkehrung der Töne erhält man ebenfalls einen Intervall, der sich ebenso schräg anhört wie ein Tritonus. Er hat wieder 6 Halbtonschritten.
F G A H
Diesmal ist es eine Quarte. Die normalen Quarten, die man von den sus4-Akkorden her kennt, haben 5 Halbtonschritte. Bei der Umkehrung des Tritonus kommen aber 6 Halbtonschritte zusammen. Dieses wird durch ein Kreuz nach der 4 oder nach der 11 (die Oktave der Quarte) deutlich. (4# oder 11#) Auch wenn es nicht ganz korrekt ist, wird oft auch die Umkehrung eines Tritonus (also die übermäßige Quarte) ebenfalls als Tritonus bezeichnet.

6 Halbtonschritte kommen also in einer Tonleiter einmal als übermäßige Quarte, dann noch als verminderte Quinte vor.

Bei einem Dominantsept-Akkorden bildet der Tonabstand zwischen Terz und der Septime einen Tritonus. (Beispiel: G7 Terz = H, Septime = F).

Funktion?

Eine wichtige (häufigste) Funktion des Tritonus ist, eine Spannung aufzubauen, die zumeist nach einer Auflösung hinstrebt. Die wichtigste (am häufigsten verwendete) Funktion des Tritonus ist die Spannung innerhalb eines Dominantseptakkords aufzubauen, welche sich zur Tonika (oder bei Molltonarten zur Tonika-Parallele) hin auflöst.

Beispiel-Akkordfolge:
C Dm7 G G7 C

C = C E G (Dur-Terz + reine Quinte)
Dm7 = D F A C (Moll-Terz + reine Quinte + kleine Septime)
G = G H D (Dur-Terz + reine Quinte)
G7 = G H D F (Dur-Terz + reine Quinte + kleine Septime)
C = C E G (Dur-Terz + reine Quinte)

Beim G7-Akkord bildet der Abstand von H (der Dur-Terz) nach F (der kleinen Septime) einen Tritonus (verminderte Quinte).

Die Spannung die von G7 durch den Tritonus aufgebaut wird, wird meist zur Tonika (hier C-Dur) aufgelöst.
Zuletzt geändert von mjchael am 08.03.2010, insgesamt 3-mal geändert.
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von howdy71
#110006
Und wer sich einen Tritonus mal anhoeren moechte, der moege sich mal den Song Black Sabbath von Black Sabbath reinziehen.


von Musicus
#132238
Die wichtigste (am häufigsten verwendete) Funktion des Tritonus ist die Spannung innerhalb eines Dominantseptakkords aufzubauen, welche sich zur Tonika (oder bei Molltonarten zur Tonika-Parallele) hin auflöst.
Das ist so nicht ganz richtig:

Ein Dominantseptakkord löst sich im Regelfall immer zur Tonika hin auf, und zwar sowohl in Dur als auch in Moll (Quintfall!). Erfolgt die Auflösung zur Tonikaparallele hin (VI. Stufe in Dur, III. Stufe in Moll), spricht man von einem sog. "Trugschluss", der völlig unabhängig davon auftreten kann, ob es sich nun um eine Dur- oder Moll-Tonart handelt.

Ein Dominantseptakkord kann sich also sowohl in Dur als auch in Moll entweder zur Tonika oder aber zur Tonikaparallele hin auflösen, wobei ersteres den Regelfall darstellt und letzteres keinen Quintfall aufweist!
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von mjchael
#132328
Mehr hab ich doch auch nicht gesagt.

"Die wichtigste (am häufigsten verwendete)"

meint doch auch, dass es noch andere Funktionen gibt. So kann die Lage des Tritonus (oder dessen Umkehrung) den Modus einer Kirchentonleiter bestimmen.

Jonisch: von der Quarte zur gr. Septime ist die Umkehrung eines Tritonus
Dorisch: von der Moll-Terz zur gr. Sexten ist die Umkehrung eines Tritonus
phrygisch: von der kl. Sekunde zur Quinte ist die Umkehrung eines Tritonus
lydisch: vom Grundton zur übermäßigen Quarte ist die Umkehrung eines Tritonus
mixolydisch: von der Dur-Terz zur kleinen Septime ist ein Tritonus
äolisch: von der gr. Sekunde zur kl. Sexten ist ein Tritonus
locrisch: von dem Grundton zur übermäßigen Quarte ist ein Tritonus.

(ich hoffe ich hab mich nicht verrechnet)

Aber bleiben wir doch beim Einfachen.
Meist wird der Tritonus oder seine Umkehrung für Dominant-Sept-Akkorde verwendet. Es geht hier um den Tritonus, nicht um die verschiedenen Formen der Dominante.

Gruß Mjchael
von Musicus
#132358
Hi! Ich wollte auch gar nicht auf den Tritonus hinaus, sondern nur auf die Feststellung der Auflösung des Dominantseptakkords, die man in dieser Formulierung missverstehen kann.
Mit "verschiedenen Formen der Dominante" oder "Funktionen" (z. B. Zwischen- oder Doppeldominanten) hat das nichts zu tun, sondern nur mit dem Auflösungsverhalten eines Dominantseptakkords allgemein.

Deine Aussagen zum Tritonus stimmen übrigens, es sei denn, ich habe mich selbst auf die gleiche Art verrechnet! *g*

Aber ich wollte gar nicht vom Thema abschweifen: Back to Tritonus! :)

Gruß zurück!

Musicus
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von mjchael