Keine Akkorde nur Tabulatoren???

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von OldieGuitar
#388182
Ich habe von einem bekannten erfahren, das man E-Gitarre, ausschließlich über Tabulatoren lernen kann, an statt sich mit den Akkorden "rum zuplagen" stimmt das? Er sagte mir, das es dazu auch Lernbücher gibt, die nur auf diese Spielweise ausgelegt sind. Ich will das nicht so ganz glauben....
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von Software-Pirat
#388183
Das ist natürlich falsch bzw. Quatsch. Natürlich kann man Gitarre auch nur über Tabulatoren lernen, aber jetzt mal ernsthaft: Tabulatoren sind ja nur eine andere Schreibweise für Noten, in einer speziellen Schreibweise für Gitarristen bzw. Bassisten. Nicht mehr nicht weniger! Und mit Noten kann man genauso Akkorde darstellen, wie mit Tabulatoren. Man kann es sich aber noch einfacher machen, und einfach hinschreiben, welchen Akkord man an welcher Stelle spielen muß. Mit der Spielweise hat das alles aber gar nichts zu tun!
Mal so nebenbei: Meiner Erfahrung lernt man schneller Gitarre, wenn man sich bewußt wird, was man wo und weshalb zu spielen hat. Das beinhaltet auch ein wenig Theorie. Zumindest den generellen Aufbau der Tonleiter, einer Pentatonik und Akkorden sollte man lernen. Ansonsten tut man sich auf Dauer nur schwerer, als es sein muß.
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von mjchael
#388184
Keiner lernt Gitarre über Tabulatoren. Die braucht man für die Schreibmaschine oder für Schreibprogramme. :lol:

Es gibt Gitarrenlehrbücher, die ausschließlich mit Tabulaturen arbeiten, und es gibt Gitarrenlehrbücher, die ausschließlich mit Noten arbeiten. In beiden Arten von Schulen kann man nicht einen notierten Akkord sehen. Es gibt ebensolche Klavierbücher.

Man kann. Aber warum sollte man das wollen? Ich meine ausschließlich!?

Dein Bekannter mag sich nicht mit Akkorden herumplagen. Es ist ein Armutszeugnis, dass er keine Ahnung davon hat. Du weißt selbst, dass schon Kinder das hinbekommen.

Es muss geklärt werden, ob die Gitarrenschule evtl. ein bestimmtes Genre bedient. Da kann es durchaus sein, dass sie auf Akkorde verzichten kann. Die allermeisten Gitarrenschulen, die ich kenne (mit Ausnahme von ein paar klassischen Schulen) nutzen auch Akkorde.

Lasse deinen Bekannten in dem Glauben. Es ist wie mit denen, die keine Musiklehre wollen. Oder mache mit dem eine Wette, dass derjenige das nächste Essen ausgeben muss, der in einem Gitarrengeschäft oder Musikschule beweisen kann, dass die meisten Gitarrenschulen ohne bzw. mit Akkorden arbeiten.

Oder leg dem Jazzstandards vor, oder Songbücher. Oder picke dir einen halbwegs bekannten aber nicht zu schweren Song raus, und sage, er soll den spontan begleiten.

Mal sehen, wer den schneller begleitet bekommt. Der, der sich die Harmonien heraushört, oder der sich Ton für Ton raushört. (Doof nur, wenn da keine Gitarre dabei ist.)

Ich würde argumentieren, es gibt auch vegane Kochbücher, da muss man sich nicht mit Fleisch und Fisch rumschlagen. Wer nur Backen will, braucht sich auch nicht um Gemüse zu kümmern.

Es lohnt sich nicht darüber aufzuregen, solange er es nicht in einer Gruppe macht, wo er andere vom Lernen abhalten will.
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von OldieGuitar
#388189
@Software-Pirat

Er spielt die E-Gitarre nur über Tabs und Powechords und bekommt damit Lieder hin wie , Iron Man, Enter Sandman, Smoke on the Water und einige andere. Er spielt da nicht einen einzigen Akkord so wie ich es mal lernen bin, also die Akkorde nach den üblichen allgemeinen Griffbildern.
Ich dachte mir aber, das die Sache irgendwie begrenzt ist und nicht so ausführlich wie mit Akkorden. Sonst würde doch Jeder (oder die Meisten) nur Tabs und Powechords spielen, oder?
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von OldieGuitar
#388190
@ mjchael

Er spielt die E-Gitarre nur über Tabs und Powechords und bekommt damit Lieder hin wie , Iron Man, Enter Sandman, Smoke on the Water und einige andere. Er spielt da nicht einen einzigen Akkord so wie ich es mal lernen bin, also die Akkorde nach den üblichen allgemeinen Griffbildern.
Ich dachte mir aber, das die Sache irgendwie begrenzt ist und nicht so ausführlich wie mit Akkorden. Sonst würde doch Jeder (oder die Meisten) nur Tabs und Powechords spielen, oder?
Er hat in der Musikschule deswegen aufgehört und gemeint, dass die wenn die wollten den Schülern das auch so (mit Tabs und Powerchord) beibringen könnten, nur das ginge eben schneller und dann würden die Musikschulen und privaten Musiklerer nichts verdienen.

Mir fällt bar jetzt so auf Anhieb kein Leid ein, wo ich Ihm, wie du vorschlägst, das Gegenteil beweisen kann, hast Du zufällig eines Griffbereit oder weist du zufällig Eines?
lg
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von startom
#388191
Da ist soviel Unwissen in der Meinung deines Kollegen, dass ich gar nicht weiss, ob ich meine Zeit verplempern soll, ihm die Akkorde schmackhaft zu machen.

Zum einen: Powerchords sind auch Akkorde. Anstatt Dreiklänge mit Terz sind dies halt einfach nur Zweiklänge. Diese sind vor allem hilfreich bei verzerrten Sounds, da ansonsten die Terz etwas matschig wirkt. Dies, weil die Terz halt 'zu nahe' bei Grundton und Quinte liegt. Wer Akkorde und Powerchords für zwei verschiedene Paar Schuhe hält, hat halt nur ansatzweise recht.

Zum anderen: Klar kann ich Gitarre nur über Tabulaturen lernen. Aber: Auch mit Tabulaturen kann ich Akkorde darstellen. Ausserdem braucht irgendwann jeder mal zumindest Kenntnis von den Notenwerten, um auch die korrekte Taktart und Rhythmik eines Songs spielen zu können.

Zum Schluss: Ja, ich kann JEDES, wirklich JEDES Lied einfach nur mit Quintakkorden (Tschuldigung: Powerchords klingt cooler) begleiten. So verwehre ich mir halt eine ganze Palette von Harmonien und Melodien, aber für den "Weg des geringsten Widerstands" ist diese Vorgehen ideal.
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von mjchael
#388192
"Nicht so ausführlich"?

Es sollte jeden klar sein, dass eine Sache weniger ausführlich ist, wenn weniger Informationen angegeben werden.

Allerdings sind Akkordangaben zur Vereinfachung gedacht. Man braucht weniger Informationen um den Sachverhalt zu erfassen. Und man hat komplexere Informationen. Damit kann aber nur derjenige was Anfangen, der die Informationen nutzt.

Dein Freund will nur melodisch spielen. Soll er doch. Niemand zwingt ihn harmonisch zu denken.

Aber gib ihm mal Yesterday von den Beatles.

Er bekommt nur die Melodie nachgespielt.

Auf die Idee Varianten einzubauen kommt er nicht.

Standard
[C] Yesterday, [Em] all my troubles seemed so [Am] far away

Mit Zwischendominante
[C] Yesterday, [E] all my troubles seemed so [Am] far away
auch
[C] Yesterday, [Em] all my [E7]troubles seemed so [Am] far away

Oder mit einer II-V-Verbindung

[C] Yesterday, [Bm] all my [E7]troubles seemed so [Am] far away

auch
[C] Yesterday, [Bm] all my [E]troubles [E7]seemed so [Am] far away

Mit den einfachen Akkorden kannst du es wie ein Pfadfinderlied (für verliebte Teenager) klingen lassen oder leicht jazzig angehaucht für reifere Erwachsene. Dein Bekannter kann nur Tabs nachspielen.

Oder Spiele irgendeinen Doo Woop.
C Am F G
Meist gibt es da eine Stelle, wo ein Ballsauf reinpasst.

C /B Am /G F D/F# G

Mir braucht das keiner zu sagen, ich weiß nur anhand der Akkorde, dass da der Basslauf passt.
Nur nennst du das beim Kollegen nicht Basslauf, sondern du nennst es Runs. (engl. Läufe). Dass deutsche Wort ist viel zu genau. Das englische meint eigentlich das selbe, ist aber etwas wabender formuliert. Das macht bei den Leuten mehr Eindruck.

Geb dem das Intro von Stairway to Heaven mit einem bescheidenen Tab zu spielen.

Frage den, wie lange er braucht, das zu lernen. Und dann, wie lange er braucht, das einem anderen beizubringen.

Wenn jemand Akkordformen erkennt, braucht der nur ein Bruchteil an Zeit. Ich hab hier ein Tutorial im Forum, wo es mit Akkordformen erklärt wird.

ftopic7191.html#p72152

Bei einem schlechten Tab wird der chromatische Basslauf nicht richtig ausgeführt. Da ist dann die Frage, ob er das nicht gesehen hat, entwaffnend.

Gib dem das Tab von Greensleeves. Er spielt es Note für Note - ach halt: Ziffer für Ziffer.

Aber mit Akkorden hat man nur ein Grundgerüst, dass sich verschieden ausbauen lässt.
Um unterschiedliche Variationen zu finden, wird mit Harmonieen gearbeitet.

Picke dir drei Variationen von Classical Gass heraus. Das Original von Mason Williams und zwei unterschiedliche von Tommy Emmanuel.

Oder lege dem mal einen Boogie-Woogie in E von Tommy Emmanuel vor, und frage den mal, ob Tommy da nach Tabulaturen spielt. Nein, er spielt nach Akkorden. 3 Akkorde und eim paar Bluesklischees. Es ist ihm fast unmöglich 2 mal das Selbe zu spielen. Die Variationen funktionieren, weil er Harmonisch denkt, und nicht ausschließlich mellodisch.
Was Songs angeht, picke dir doch was einfaches raus.
https://de.wikibooks.org/wiki/Gitarre:_ ... gressionen

Ich hatte einen guten Bekannten, der konnte U2 so gut auf der Gitarre spielen, dass du nie wusstest, ob nur eine CD lief, oder er gerade am üben war. Aber als er uns begleiten sollte, und wir feststellten, dass die Akkorde für uns zu hoch waren, konnte er nicht mal eben 3 Akkorde ein paar Töne runtersetzen, was ich und du ohne länger nachdenken sofort kann.

Was macht eine Band bei den Carsting-Shows, wenn sie sich auf die Sänger einstellen. Haben die für jeden Song eigene Noten? Wenn ein Mark Foster oder ein Nico Santos fragt, ob es zwei Töne höher oder tiefer sein darf, dann macht die Band das einfach. Da werden keine Notenblätter ausgetauscht.

Es mag Lehrer geben, die die Schüler an sich so lange wie möglich binden wollen. Aber das sind eher die Noten- und die Tab-Spieler. Ich bringe dir Liedbegleitung bei, und sage dir von vornherein, wie lange es üblicherweise dauert, bis du etwas bestimmtes kannst. Ich bringe keinem bei, wie man EIN Lied perfekt spielt, sondern hunderte gut. Also ist bei den meisten genau das Gegenteil der Fall. Mit Akkorden lernt man schneller und ist flexiebler.

Aber das andere kenne ich auch. Exakt Note für Note, Takt für Takt. Das muss man beim Tab-Spieler loben. Aber das allein wäre mir zu wenig. Und auch immer alkes perfekt machen zu müssen, wäre mir zu wenig.

Wie beim essen: Ist ja toll, wenn man ein tolles Essen mit mehreren Gängen zubereiten kann, aber manchmal muss es eine Currywurst Pommes sein.

Wir Querbeet-Spieler sollten doch am besten wissen, das nur Solos zu spielen zu einseitig ist.

Mir gefällt Walking in Memphis.
F G C Am (erzählst nichts von Akkorden, sondern spielst die Arpeggios).

Kann ich nicht singen, ist mir zu tief.
Jetzt ist dein Tab-Spieler aufgeschmissen.
Er argumentiert, dass das das Original sei.
Dann kommst du mit Cher und spielst
C D G Em

Aber ich würde mit dem nicht so viel argumentieren.
Ich bringe Gitarrespielen bei, und kein Zalendrücken. Wir sind ja nicht bei Malen nach Zahlen.
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von OldieGuitar
#388197
@startom

Danke für die Antwort, nach dieser Antwort, gehe ich wohl weiter zum Gitarrunterricht in die MS und lerne fleißig die "normalen" Akkorde. Die Noten werte 1/16, 1/8 1/4, 1/2, 1/1 kenne ich, aber das ist auch schon alles, ich weiß dann nicht ob das eine C,D,F Note oder was auch immer ist. Und wenn ich dich richtig verstanden habe ist es nur begrenzt möglich Harmonien und Melodien zu spielen, das ist natürlich nicht in meinem Sinn, wenn ich schon in meinem Alter Gitarre lerne, dann auch richtig. lg
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von OldieGuitar
#388198
@mjchael

Hallo, danke das hat mir sehr weiter geholfen, so weis ich, das ich auf dem richtigen Weg bin und mich weniger auf das Verlassen sollte was mein Kumpel im Bereich Gitarre sagt. Ich werde ihn mal mit einem Lied rausfordern was du hier vorgeschlagen hast.........Auf das Gesicht bin ich echt gespannt. Danke und liebe Grüße -::-::- ()/ ()(/( ))-))

Moderatoraktion: Zitate wurde gelöscht!
Zitiert bitte nicht den vorherigen Post! So schlecht ist unser Gedächtnis nicht. ;)
Oder kürze den wenigstens auf das allernötigste
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von mjchael
#388200
Mit dem Akkordspielen hat man schnelle Erfolge.

Aber auch mit Akkorden kümmert man sich auch über kurz oder lang um Tabs. Schau dir mal mein 3-Finger-Workshop an!

https://de.wikibooks.org/wiki/Gitarre:_ ... er-Picking

Und dann gibt es auch Stücke, wo man schon sehr auf die Tabs achten muss.
https://de.wikibooks.org/wiki/Gitarre:_ ... diepicking

Wenn du einen PC hast, klicke den Link an, wo der ganze Kurs auf einer Seite ist.

Wenn du nur Tabs kannst, ist es sehr anstrengend. Wenn du Akkorde kannst, leitest du dir das meiste über die Akkorde ab, und musst dich nur noch auf die Melodie konzentrieren.

Aber es gibt auch Sachen, die muss man Note für Note, Takt für Takt lernen.

https://de.wikibooks.org/wiki/Liederbuc ... rippe_hier

Da helfen dir die Akkordbezeichnungen nur sehr bedingt. Aber ich vermute mal, dass auch dein Kollege mit poliphonem Spielen seine liebe Mühe haben wird. Trotz Tabs.

Und was Noten angeht, so schwer ist das auch wieder nicht. (Zumindest die Grundlagen.)

https://de.wikibooks.org/wiki/Gitarre:_Notenlesen

Ohne die Notenkenntnisse hätte ich dir bei deiner anderen Frage die Noten nicht von D nach C und G umschreiben und als Tabs für deinen 7jährigen Schüler umsetzen können. Mehrstimmig hab ich es noch nicht ausgesetzt.

Die Stücke in Noten könnte ich zur Not auch als Tabs aussetzen, noch lässt das aber auf sich warten.

Den Gegenpol musste gesetzt werden, denn so weit man auch mit Akkorden kommt, Akkorde sind auch nicht alles.
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