Astloch in der Fichtendecke?

Hilfe und Tipps zum Gitarrenkauf
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von Don Lucio
#387651
Hallo,
ich würde gern mal eure Meinung hören.

Ich habe mir eine nicht ganz billige Westerngitarre gekauft. Im Versand, bei einem Händler mit eigentlich guter Reputation.
Der (höhere) Preis der Gitarre wird u.a. mit der Decke aus Engelmann-Fichte begründet.

Nun kam das Teil an und beim Auspacken trifft mich quasi der Schlag: Das helle Holz der Fichtendecke weist eine Unregelmäßigkeit in der ansonsten eleganten, glatten Maserung auf, die ganz offensichtlich von einem Ast stammt, der mal an dem Baum, aus dem die Decke geschnitten wurde, wuchs.

Ich nenne es "Astloch", obgleich es natürlich kein Loch ist, sondern nur eine Unterbrechung der ansonsten vertikalen Maserung. Diese Störung hat ungefähr die Größe eines Daumens (also von der Fläche her, sie ist nicht erhaben) und befindet sich unterhalb des Schallloches, dort, wo bei vielen Gitarren ein Pickguard aufgeklebt ist. Ich will aber eigentlich mein edles Instrument nicht schon jetzt mit so einer Schutzplatte verunzieren.

Den Klangeigenschaften der Gitarre tut dieses "Astloch" höchstwahrscheinlich keinen Abbruch, und aus 2 Meter Entfernung sieht man diese Stöung in der Maserung auch nicht. Dennoch frage ich mich, ob so etwas "normal" ist und bitte um eure Meinung. Hat schon jemand mal eine Gitarre gekauft, die solch ein "Astloch" hatte?

Danke,
Don Lucio.
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von mjchael
#387657
Es gibt recht viele Gitarren mit unschöner Maserung. Holz ist eben ein Naturprodukt.

Solch ein "Schönheitsfehler" hat in der Regel keinen Einfluss auf den Klang. (Das würdest du ja hören. )

Viele Gitarren mit unschöner Maserung werden oft voll-lackiert. Eine pechschwarze Gitarre (oder welche Farbe gerade angesagt ist) enthält oft Hölzer mit rein optisch minderwertiger Maserung. Die Farbe kaschiert einiges. Von daher dürften viele eine Gitarre mit optisch nicht besonders schönen Maserungen und kleineren Fehlern haben, ohne es zu wissen.

Ob eine solche Stelle eine Schwachstelle darstellt, die leichter reißen kann, muss ein Schreiner beurteilen. Das dürfte aber meist nicht der Fall sein.

Einige Gitarren mit besonders schönen Maserungen sind funiert. Das Unterholz kann dabei sogar eine Sperrholzplatte sein.
Über die Stabilität sagt das aber nicht allzuviel aus. Einige sind anfälliger für spätere Risse, andere sind deutlich robuster als die mit Vollholzdecken.

Dann gibt es Decken mit Schmetterlingsschnitt, die eine symetrische Maserung haben und aus zwei Platten bestehen. Ob die Nahtstelle einen Schwachpunkt darstellt, hängt von den Fähigkeiten des Instrumentenbauers ab.

Eine unregelmäßige Maserung stellt dagegen weniger einen Schwachpunkt dar.
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von MarkusG
#387658
Ein Bild der Decke wäre da schon aufschlussreich...

Einen ähnlichen Thread gab es vor ein paar Jahren schon mal, denke ich. Da ging es aber um eine eher preisgünstige Gitarre. Ich finde den aber gerade nicht auf die Schnelle.

Wenn da wirklich ein Ast in der Decke ist, dann hätte ich Bedenken was die Langzeithaltbarkeit angeht, zumindest wenn es eine massive Decke ist (wovon ich bei einem teureren Instrument ausgehen). Und wenn die Gitarre aus dem höherpreisigen Segment ist würde mich ein Ast in der Decke auch optisch so sehr stören, dass ich sie zurück schicken würde...
Mich persönlich würde der Ast JEDES Mal ärgern, wenn ich die Gitarre in die Hand nehme.

Ist aber nur meine persönliche Meinung; sowas muss jeder mit sich selbst ausmachen.
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von Funplayer99
#387659
Ab einer gewissen Preisklasse würde ich beim Neukauf optische Fehler nicht akzeptieren.
Ein Bild des "Astloches" wäre hilfreich um überhaupt das Ausmaß des Makels verstehen zu können.
Wenn dich der Makel so stört,dann würde ich die Gitarre zurück geben oder das Gespräch mit dem Verkäufer suchen.
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von Don Lucio
#387660
MarkusG hat geschrieben:Ein Bild der Decke wäre da schon aufschlussreich...
Recht hast du. Hier kommt: http://www.zworks.de/20200522_175439.jpg

Sorry, hätte ich schon gleich machen sollen.

Ich denke, wenn es nicht im Versand gewesen wäre, sondern in einem klassischen Gitarren-Laden, wo der potentielle Käufer die Gitarre in die Hand nehmen kann; wenn er dann zwei Exemplare dieses Gitarren-Modells zur Auswahl hätte, eines mit und eines ohne "Astloch": Ich denke, da gibt es keinen Zweifel: Niemand würde freiwillig die Astloch-Variante wählen.

Aber zurücksenden...? Ich bin unschlüssig ...

Gruß,
Don Lucio.
von Vollröhre
#387661
Wo genau ist das Astloch?

Ist wohl eher Geschmackssache, ob einem die Maserung gefällt oder nicht. Wenn es Dir nicht gefällt und Du noch im Rückgabezeitfenster bist, dann ist es Dein gutes Recht die Gitarre zurück zu schicken.
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von MarkusG
#387662
So, mit Bild ist das Ganze doch schon um einiges aufschlussreicher. Unter Astloch hatte ich mir ehrlich gesagt etwas viel gröberes vorgestellt. Nun kann ich Deine Zweifel nachvollziehen. Ich bin auch nicht jemand, der wegen jedem kleinen Mist etwas wieder zurück schickt oder umtauscht.
Ich denke, es geht um die Stelle zwischen Schallloch und Binding, welche wie ein heller Fleck aussieht? Wenn das kein Lichtreflex ist, der nur auf dem Photo auftritt, dann würde mich das stören. Bei der kleinen Unregelmäßigkeit der Maserung näher am Schallloch würde ich mir sagen, dass das nunmal ein Naturprodukt ist, aus dem die Decke gebaut wurde.
Die eigentliche Frage, ob Du die Gitarre behalten möchtest oder nicht kannst Du Dir nur
selbst beantworten. Und eigentlich hast Du das schon:
Don Lucio hat geschrieben:
Ich denke, wenn es nicht im Versand gewesen wäre, sondern in einem klassischen Gitarren-Laden, wo der potentielle Käufer die Gitarre in die Hand nehmen kann; wenn er dann zwei Exemplare dieses Gitarren-Modells zur Auswahl hätte, eines mit und eines ohne "Astloch": Ich denke, da gibt es keinen Zweifel: Niemand würde freiwillig die Astloch-Variante wählen.
Zumindest zu dem Preis (den ich ja nicht kenne) hättest Du die Gitarre wohl nicht im Laden gekauft.
Nun kam das Teil an und beim Auspacken trifft mich quasi der Schlag
Und Du warst beim Betrachten Deines neuen Instruments echt enttäuscht.

Offensichtlich ist die Gitarre nicht so, wie Du sie Dir vorgestellt hast.
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von Funplayer99
#387663
Die Entscheidung kann dir keiner abnehmen.
Ich mag Holzmasserung in vielen Varianten aber wenn dieser "Fehler" wirklich so heftig ins Auge springt wie auf dem Bild würde mich das stören.
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von Don Lucio
#387664
Ok, danke für Eure Einschätzungen.

Ich hätte vielleicht noch ergänzend den Preis erwähnen sollen:
Die Gitarre ist eine LAG Tramontane THV20DCE. In der Grundvariante kostet sie knapp 1.000€. Für 300€ mehr gibt es eine Variante mit höherwertigen Hölzern, für diese hatte ich mich entschieden.

Und nun bewege ich mich emotional zwischen einer gewissen Entrüstung einerseits und dem Bemühen, nicht überempfindlich zu sein, andererseits. Jedenfalls war ich bisher der Meinung, dass man für 1.300 Euro eine im Finish makellose Gitarre erwarten kann. Oder?

Gruß,
Don Lucio.
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von Funplayer99
#387665
Auch wenn die Gitarre das Soundsystem drin hat, sollte sie in dem Preisbereich schon ordentlich aussehen.
Zumal du ja 300 draufgelegt hast um höherwertige Hölzer zu haben.
von Vollröhre
#387666
Du wirst doch damit nicht glücklich, oder? Also schick sie zurück.
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von Don Lucio
#387667
Vollröhre hat geschrieben:Du wirst doch damit nicht glücklich, oder? Also schick sie zurück.
Naja, so einfach ist das nicht. Denn abgesehen von diesem optischen "Fliegenschiß" ist es eine sehr bemerkenswerte Gitarre. Tadellos verarbeitet, ein überragender Klang und last not least eben dieses neuartige HyVibe-System, das ich allerdings noch nicht in Gänze ausprobiert habe. Scheint eine Welt für sich zu sein.

Mal sehen, vielleicht überwinde ich meine Enttäuschung und lerne, das Astloch "schön" zu finden, so wie die indischen Männer diesen schwarzen Fleck auf der Stirn ihrer Frauen schön finden ;)

Also, nochmals vielen Dank für Eure Einschätzungen.

Don Lucio.
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von Funplayer99
#387668
Was spricht dagegen diese Gitarre gegen eine andere ohne Makel des gleichen Modells zu tauschen? Oder handle einen Rabatt raus ;-)
von Vollröhre
#387669
Ich sehe das so wie funplayer. Einfach mal beim Händler nachfragen. Wenn Du die Gitarre beim grossen T gekauft hast, kannst Du sie doch innerhalb von 30 Tagen ohne Nennung von Gründen zurück schicken. Da das dem Händler klar ist. wird er Dir irgendwie entgegen kommen. Fragen kostet ja nix.
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von Don Lucio
#387672
Funplayer99 hat geschrieben:Was spricht dagegen diese Gitarre gegen eine andere ohne Makel des gleichen Modells zu tauschen?
Ja, könnte ich machen. Bei Thomann die Astloch-Gitte zurückgeben und mit dem Geld woanders eine andere kaufen. Und hoffen, dass die ohne Astloch ist.
Funplayer99 hat geschrieben:Oder handle einen Rabatt raus ;-)
Hab ich versucht. Habe damit aber bei Thomann auf Granit gebissen. Man wollte mir stattdessen einreden, dass das Astloch so etwas wie ein besonderes Merkmal sei, das die Authentizität des Holzes unterstreicht.

Na ja, kann sich ja jeder sein Teil denken.
Weil die LAG aber ansonsten viel Freude macht, habe ich mich entschlossen, sie zu behalten. In Gottes Namen dann eben mit Astloch.

Gruß,
Don Lucio.
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von MarkusG
#387673
Was wäre, wenn Dir Thomann die Gitarre gegen eine mit einwandfreier Decke eintauscht?
Ich denke mal, wenn Du Deine jetzige Gitarre einfach so innerhalb von 30 Tagen zurück schicken kannst, müssten die doch, auch in eigenem Interesse, fähig sein, Dir als Ersatz eine andere zu schicken. Die werden wohl nicht nur eine gehabt haben, oder?
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von Andreas Fischer
#387674
Dir gefällt sie nicht, dann tausche die doch.
Thomann ist da mehr als kulant, lass dir von denen einfach eine neue schicken.
Aber das wurde dir ja gefühlt schon 1234 mal gesagt.
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von Funplayer99
#387676
Ich verstehe ehrlich gesagt nicht dass man sich an einem Fehler stört aber die Gitte behält nur weil irgendwie ein Verkäufer das als besonderes Merkmal beschreibt.
Wenn mich was an einem Instrument stört dann will ich das nicht haben..... aber ich kaufe eh keine neue Instrumente übers Netz, schon garnicht bei so einem Preis.
Wenn ich übers Netz kaufe, dann über Plattformen um sie zu schlachten, auch das ist kaum mehr der Fall.
Meine letzte Gitte die ich neu gekauft habe ist schon ein paar Jahre her, und da habe ich meine Dame mit dabei gehabt.Ich testete einige und bin bei 2 Gitarren hängen geblieben.Beide von der gleichen Marke und fast identisches Modell.Ich grüblete welche es sein soll weil beide gut waren.....da meine meine bessere Hälfte:" Nehm die Gitarre die dir optisch mehr zusagt weil du ärgerst dich wenn du die andere und preisgünstigere nimmst, immer wenn du sie im Musikzimmer siehts und hättest die andere haben können die dir besser gefallen hat." .... da ging es nur drum bessere Optik bzw teureres Holz.Und Recht hat sie, Ich denk heute immer daran wenn ich die Gitte in die Hand nehme was für ein Fehler es gewesen wäre die andere zu nehmen.
Mier spukt schon länger eine Gitte im Kopf rum....aber auch die werde ich nur kaufen wenn ich sie persönlich angetestet hab.Aber bei dieser Gitarre ist es eher das haben wollen als das haben müssen.
von Guitar-manic-55
#387807
Hallo,
also mich würde das "Astloch" auch stören, zumal es eine Schwachstelle in der Decke ist. Dieser "Ast" ist quer zur Faser gewachsen, und bildet somit eine Unterbrechung der Maserung. An solchen Stellen bilden sich gerne Risse, besonders wenn das Holz nicht lange genug abgelagert ist, d.h. bei der Verarbeitung nicht trocken genug war. Zwar läuft der Schnitt nur durch den Randbereich des Astes, aber die Maserung ist trotzdem unterbrochen. Eine hochpreisliche Gitarre mit diesem Mangel würde ich umtauschen.
Mich wundert, dass überhaupt Fichtenholz verwendet wurde, da dieses sehr weich und grobfaserig ist, und deshalb die Resonanz des Korpuses gedämpft wird. Aber, wie gesagt, mit dieser Sorte "Fichtenholz" kenn ich mich nicht aus, nur mit den heimsichen Arten.

Greatings aus Süddeutschland
guitar manic 55
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von MarkusG
#387809
Also die Wahl von Fichtenholz für Gitarrendecken ist dann doch alles andere als außergewöhnlich. Ich würde mal vermuten, dass über 80% aller Konzertgitarren und Westerngitarren eine Decke aus Fichtenholz haben, bei jenen mit massiver Decke wahrscheinlich sogar mehr. Dabei ist Fichtenholz nicht gleich Fichtenholz. Im Falle der häufig verwendeten Alpen- oder Bergfichten ist das nicht wirklich grobfasrig, sondern eher feingemasert.
Dabei würde mich ein Astbereich, wie oben bereits angemerkt, schon auch stören.
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