Analyse eines Songs bezüglich Key-Zuordnung

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headbanger
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Analyse eines Songs bezüglich Key-Zuordnung

von headbanger » 26.08.2018, 18:01

Hallo zusammen,
ich spiele zwar schon lange E-Gitarre, aber erst jetzt will ich mich mit der Musiktheorie ein wenig beschäftigen. Grund dafür ist, dass ich meinen ersten eigenen Song spielen möchte.
Und hier fängt natürlich schon am Anfang das Drama an :?

Ich habe zur Übung mal ein einfaches Lied zur Analyse hergenommen: Metallica -From whom the bell tolls.
Sehr einfach zu spielen und auch die Powerchords sind einfach zu analysieren.
Nun komme ich aber nicht mehr weiter, da ich keinen Key zuordnen kann.

Z.B. im Intro kommen folgende Powerchords vor:
E - F# - F - A - B

Mein Problem ist nun, dass ich keinen Key finde, in dem all diese Chords vorkommen.
Wo habe ich da eine Denkblockade ???

Ich verstehe auch nicht, wie ich ein minor von einem Major bei einem Powerchord unterscheiden kann.
Ich kann zwar flat oder sharp spielen, aber was ist mit Major oder Minor? Das gibt es doch nicht bei Powerchords oder?

Kann mir hier vielleicht jemand weiterhelfen?
Wäre echt dankbar dafür.
Oder gibt es eine gute Lektüre, wo ich dieses Grundwissen erlernen kann.
Habe zwar das Buch "Harmonielehre - endlich verstehen" von Wolfgang Meffert....aber da werde ich auch nicht richtig schlau draus :(

Danke schon mal für die Hilfe =(=))=
Keep on rocking...

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Re: Analyse eines Songs bezüglich Key-Zuordnung

von slowmover » 26.08.2018, 19:12

Ist halt das Problem mit Powerchords. Man sieht halt nicht, ob ein Chord in Dur oder Moll wäre, da die Terz fehlt. Deswegen ist die Auflösung schwerer denn die Paralleltonarten bleiben im Dunkeln. Also für mich wäre es G-Dur oder Em. Du könntest die Akkorde wie folgt ersetzen wenn meine Vermutung G-Dur stimmt:
Powerchord: E = Em, Fis = Fis dim oder Fis-dur, F = F-Dur, A= Am, und H = Hmoll

Probiere mal aus ob das passt. Wenn man die Melodielinie analysiert, könnte da auch eine Kirchentonart oder Em rausschauen. Dann würden die Akkorde auch ggf. von Dur auf Moll uminterpretiert. Aber ohne Kenntnis des Stücks tippe ich G-Dur. Dann würde sicherlich auch manchmal noch der G-Dur Akkord statt der Mollparalelle auftauchen.

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mjchael
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Re: Analyse eines Songs bezüglich Key-Zuordnung

von mjchael » 27.08.2018, 15:19

Einen Dim-Akkord findet man üblicherweise nicht bei Powerchords.

2 Sachen können helfen.

Sortiere die Akkotde nach dem Quintenzirkel
aus
E - F# - F - A - B
wird
F (C) - - A E B F# (C#)
Das C und C# habe ich hinzugefügt, da es die Quinten (also Akkordtöne) von F5 und F#5 sind. (die Quinten der anderen Akkorde stehen schon da. )

Ich weiß, dass Töne und Akkorde innerhalb einer Tonart meist im Quintenzirkel nebeneinander stehen.
Die Vermutung, dass F5 hier eine Ausnahme bildet liegt recht nahe.

5 von 7 Tönen habe ich schon
Es gibt also 3 wahrscheinliche Möglichkeiten

Wenn die Akkorde weitestgehend dem Quintenzirkel folgen, dann müsste A5 sich von A-Dur ableiten, und F#5 von F#m (ersten 3 sind Dur, letzten 3 Moll)

Bei E5 und B5 ist theoretisch beides möglich: E oder Em, B oder Bm
Gut: wäre die Tonart Bm, dann könnte es auch F#-Dur sein. ist aber unwahrscheinlich.

Es kann wegen dem A5 nicht E-lydisch sein.
Es kann wegen dem B5 und F#5 nicht E-phrygisch und nicht E-Moll sein.

also steht E-Dur, E-mixolydisch und E-dorisch zur Auswahl. (sagte ja, dass es 3 Möglichkeiten gibt)

Am wahrscheinlichsten ist es E-Dur.

Das grenzt die Möglichkeiten schonmal ein.
Jetzt würde ich versuchen mit Tonleitern über das Stück zu improvisieren und auf Gesang und die übrigen Töne achten.

Bei 3 Möglichen würde ich es zuerst mit der E-Dur Tonleiter versuchen. Passt es, hast du die Tonart.

Klappt das nicht, dann mit E-mixolydisch (Tonvorrat der A-Dur-Tonleiter)
Klappt das auch nicht, E-dorisch (Töne von D-Dur)

Wenn jetzt alle Stricke reißen, brauchst du ein Tab inkl. Noten. oder Midi um nachzuschauen.

Das ist jetzt nur nach den vorhandenen Powerchords ausgegangen.
Wenn im Stück andere Akkorde vorkommen, könnte es sein, dass ich meine erste Analyse revidiere.

Aber auch da würde ich erst das wahrscheinlichste ermitteln, und dann nochmal überprüfen.

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mjchael
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Re: Analyse eines Songs bezüglich Key-Zuordnung

von mjchael » 28.08.2018, 10:08

Ich habe ein paar Tabs gefunden:
https://tabs.ultimate-guitar.com/tab/me ... abs_164852

Die Töne der Gitarre habe ich mal zu einer Skala zusammengefügt.

Code: Alles auswählen

-|---|---|---|---|-
-|---|-10|---|-12|-
-|-9-|---|-11|-12|-
-|-9-|---|-11|-12|-
-|---|-10|---|-12|-
-|---|---|---|---|-


Suche das Karré (die kleinen Sekunden) und bestimme den oberen rechten Ton.

Code: Alles auswählen

-|---|---|---|----|-
-|---|---|---|----|-
-|---|---|-11|-12-|-
-|---|---|-11|(12)|-
-|---|---|---|----|-
-|---|---|---|----|-

Die eingeklemmerte Note ist ein D.

Das Tonmaterial entspricht also der D-Dur-Tonleiter, bzw. einem von D-Dur abgeleiteten Modus (also welche bei den Noten 2 Kreuze haben)
(z.B. Bm, G-lydisch, E-Dorisch, A-mixolydisch etc. )

Es kommt jetzt auf die übrigen Akkorde an, um den Modus genau zu bestimmen.
Allerdings rechne ich immer auch mit irgendwelchen Ausnahmen.

Aber D-Dur mit den Akkorden G D A(7) Em F#m C#m (C#7) wäre die Tonart/Akkorde von denen ich alles übrige bestimmen würde, bzw. die Vorgabe /Vorzeichen, die ich beim Tab-Programm eintragen würde, wenn ich die ASCII-Tabs eintippe.

Damit weißt du ungefähr, wie ich solche Sachen angehe.

Da ich das Stück selbst nicht spiele, können die E-Gitarristen (die möglicherweise bessere Tabs haben) ggf. mehr Infos geben.

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Re: Analyse eines Songs bezüglich Key-Zuordnung

von startom » 29.08.2018, 07:03

Hoi headbanger
Du lässt dich hier ein wenig verwirren. Nicht jeder gespielte Ton und jedes gespielte Riff muss zwingend Töne der Tonart enthalten. In diesem Fall ist die Tonart schlicht und einfach E-Moll, mit ganz viel chromatischem Beigemüse.

Beim Analysieren ist es wichtig, die tonartgebenden Elemente von den Verzierungen auf dem Kuchen zu unterscheiden. Im Intro von "For whom the bell tolls" gibt es vier dominante Powerchords. Das sind E5, G5, C5 und A5. Wäre der Song eine Galaxie, wäre die Sonne hier ganz klar E5. Darum dreht sich alles.

Jetzt ist noch die Frage offen: Dur oder Moll? Wäre es E-Dur, wären sowohl G als auch C nicht passende Akkorde, egal ob Dur oder Moll. Zu E-Dur gehören G# und C#. Also muss es Moll sein und jetzt hast du Em, G, C und Am im Intro...und haufenweise Schnickschnack dazu.

Du kannst den Test machen. Klingt es aus deiner Sicht harmonisch, wenn der Song auf Em enden würde? Dann hast du in über 90% aller Fälle bereits die Tonart gefunden.
Tom

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Re: Analyse eines Songs bezüglich Key-Zuordnung

von slowmover » 30.08.2018, 15:21

Startom, you've made my day.
Ich fragte mich schon wie es um Gottes Willen zu E-Dur kommen sollte. Emoll passt in den Kontext. Danke!

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