10jähriger möchte Rocker werden...

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LilliMariaLuehr
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10jähriger möchte Rocker werden...

von LilliMariaLuehr » 22.07.2018, 12:23

Hallo ihr,
ich versuche mich gerade auf einen neuen Schüler vorzubereiten, der 10 Jahre alt ist und sich vorstellt, er kann bald so rchtig 'abrocken'... :D
Habt ihr Erfahrung mit Kinderunterricht, der in diese Richtung gehen soll? Wie geht ihr ganz allgemein Kinderunterricht an?
Ich bin dankbar für jeden Tipp.
Liebe Grüße,
LilliMaria

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mjchael
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Re: 10jähriger möchte Rocker werden...

von mjchael » 23.07.2018, 11:03

Grundsätzlich machst du den gleichen Unterricht, wie bei den anderen Schülern, nur bei der Liedauswahl gehst du auf seine Wünsche ein. Das Lagerfeuerdiplom ist entsprechend angelegt.
Vgl.:
https://de.m.wikibooks.org/wiki/Gitarre ... hl%C3%A4ge

Aber es funktioniert auch mit vielen Gitarrenlehrbüchern, wenn du dir zu den Lektionen noch passende Lieder suchst.
Ich hoffe mal nicht, dass du ihm klassische Gitarre mit Noten vermitteln möchtest, sondern Liedbegleitung mit Akkorden.

Ich würde mal überprüfen, woher die Motivation kommt. Wenn die Eltern ebenfalls gerne Rock hören, dein Schüler quasi damit aufgewachsen ist, dürfte es leichter sein. Wenn er jedoch nur einige "Superstars" gesehen hat, könnten die Vorstellungen illusorisch sein. Man übersieht, dass einige 10 jährige Sternchen schon seit ihrem 5. Lebensjahr Musik machen und zudem englische Muttersprachler sind. Da hilft es mitunter Sungar Yung (oder wie der nochmal heißt) mit 14 Jahren zu zeigen, und dann nochmal das "I'm Yours" auf Ukulele, um zu zeigen, das zwischen der einen und anderen Aufnahme 10 Jahre lernen liegen.

Ein Problem für Rocksongs sind mangelnde Englischkenntnisse. Also musst du rockige Lieder in deutsch finden. Es gibt beispielsweise einige deutsche Übertragungen von Rockklassikern mit lustigen Texten aus der Mittelalter- Rollenspielfraktion. Oder Ottos "Hänsel und Gretel" bieten einige kindgerechte Versionen.
Einige kleine einfache Intros und Riffs kann man im normalen Unterricht einstreuen.
Powerchords, Pentatonik-Riffs und Licks, die ich eher später vermittle, kann man früher einstreuen. Aber nicht zu viel davon, sonst will er nur das leichte lernen. Effekthascherei ohne solide Basis.

Ich würde ebenfalls überprüfen, inwieweit er Gitarre LERNEN will. Denn Schüler, die nur Gitarre können wollen, ohne wirklich etwas dafür zu tun, können anstrengend sein. Die muss man ggf. auf den Boden der Tatsachen zurückholen.

Ich gehe davon aus, das Startom dir noch mehr Tipps geben kann, da er viele sehr junge Schüler hat(te) .

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startom
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Re: 10jähriger möchte Rocker werden...

von startom » 23.07.2018, 11:10

Hoi Lilli
Ich unterrichte seit 2013 Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Wichtig aus meiner Sicht ist gerade bei Kindern die Wahl der Methodik und Didaktik, weniger der spieltechnische Inhalt. Das heisst also, die pädagogischen Fähigkeiten der Lehrperson sind wichtiger als das Können auf dem Instrument.

Da jedes Kind individuell ist, gibt es leider keinen "one size fits all"-Ratschlag. Bei einem 10-jähigen Möchtegernrocker würde ich jedoch immer wieder ein paar coole, einfachste Rockriffs mit einbauen. Achte vor allem darauf, dass du dich in die Lage deines Schülers versetzt. Welche Art Unterricht macht Spass, welcher nicht? Wo liegen seine Stärken (immer wieder betonen), wo die Schwächen (immer wieder daran feilen).

Etwas konkreter: Das erste halbe Jahr würde ich Akkorde ganz und gar weglassen. Zuerst soll die Fingerfertigkeit bei einzelnen Noten gestärkt werden. Ich lege von Anfang an Schwergewicht auf Notenwerte und Rhythmus. Das heisst, Zählübungen, Rhythmusübungen (Klopfen, Klatschen, etc.). Zum Anfang gibts mal nur halbe Noten und Viertelnoten, das reicht erstmal.
Falls du auch grad die Noten vermitteln willst, dann würde ich Vorzeichen weglassen und mich nur auf die Töne der C-Dur Tonleiter konzentrieren. Damit kannst du die ersten paar Monate prima füllen und ein Fundament legen.
Tom

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Re: 10jähriger möchte Rocker werden...

von slowmover » 24.07.2018, 16:25

Nun ja. Da bin ich eigentlich recht nah bei Startom. Kinder lernen nicht fur sich oder fur das Leben, sondern für den Lehrer. Es gefällt
ihnen, wenn der Lehrer zufrieden ist. Erst als Jugendliche ändert sich dieses innige Verhältnis. Deswegen hat Tom Recht. Nicht der Virtuose, sondern der gute Pädagoge ist wichtig. In der ersten musikalischen Prägephase kann ein schlechter Lehrer immensen Schaden anrichten.

LilliMariaLuehr
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Re: 10jähriger möchte Rocker werden...

von LilliMariaLuehr » 07.08.2018, 09:28

Vielen Dank für eure Antworten und Tipps. Das WIE ist wichtig. So sehe ich das auch. Warum noch keine Griffe, sondern nur Einzelnoten?
Ist es nicht ein tolles Erfolgserlebnis, wenn sehr bald eine Liedbegleitung möglich wird?
Gruß, Lilli

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mjchael
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Re: 10jähriger möchte Rocker werden...

von mjchael » 07.08.2018, 10:16

Beides ist möglich.
Hier kommt es schlicht auf das Konzept des Lehrers an.

Wobei meine bevorzugte Methode auch nur eine von vielen gangbaren ist. In meiner Signatur findest du nicht umsonst gleich mehrere kostenlose Gitarrenkurse aufgeführt. (Viele Wege führen nach Rom)

Ich denke die Mischung machts. Ein planloser Lehrer kann genausoviel Schaden anrichten wie ein langweiliger unmotivierender Lehrer.

Und dass man bei Kindern viel flexibler und motivierender sein sollte, ohne jedoch ganz den roten Faden zu verlieren, ist glaube ich der gemeinsame Nenner.

Ich denke Kinder sollte man breitgefächert etwas beibringen. Wenige Basics mit denen sie viel anfangen können, und was denen auch Spass macht. Der Geschmack wird sich eh mehrfach ändern. Ich wäre nur dann misstrauisch, wenn der Unterricht zu einseitig wird (z.B. nur Klassik, nur Rock, nur Kinderlieder)
Also wenn die Kinder keine Lieblingsstücke haben, mit denen sie ihre Eltern nerven. ;)

Ob aber einer zuerst mit Noten, mit Akkorden, mit Tabulatur oder einfach mit Vormachen und Nachmachen anfängt ist gleich. Der Lehrer sollte nur überhaupt ein Konzept haben (auch wenn das sehr flexibel angepasst werden kann)

Es motiviert meines Erachtens mehr, wenn man schon etwas mit dem gelernten machen kann - Sprich Lieder singen.
Erst nach einem halben Jahr überhaupt selbständig zu spielen, und das nur nach Noten hätten viele meiner Schüler nicht durchgehalten. Aber nach schon 2 Monaten das Lagerfeuerdiplom. Ist aber letztlich nur eine Frage der Reihenfolge.

Gruß Mjchael

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Re: 10jähriger möchte Rocker werden...

von startom » 07.08.2018, 20:19

LilliMariaLuehr hat geschrieben:Vielen Dank für eure Antworten und Tipps. Das WIE ist wichtig. So sehe ich das auch. Warum noch keine Griffe, sondern nur Einzelnoten?
Ist es nicht ein tolles Erfolgserlebnis, wenn sehr bald eine Liedbegleitung möglich wird?

Natürlich spricht nichts dagegen, bald auch einmal einfache Griffe wie Em und Am einzubauen.
Aus meiner Sicht ist das Allerwichtigste zu Beginn, dass so schnell wie möglich Erfolgserlebnisse eintreten. Ein Finger auf eine Saite ist halt einfacher als drei Finger auf drei verschiedene Saiten. Darum gibts bei mir zu Beginn Einzelton-Unterricht. Für das Kind spielt es keine Rolle, ob du eine Harmonie mit einem Dreiklang aufbaust oder ob du das aktuelle Lieblingslied des Schülers mit einer einfachen Melodie nachspielst.

Das Erfolgserlebnis ist das A und O des Anfängers. Zu Beginn sollten die Hürden so niedrig wie möglich und die Freuden über das Erlernte so gross wie möglich sein.
Tom

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