Hilfe! Plötzlich Gitarrenlehrer

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gibmirson
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Hilfe! Plötzlich Gitarrenlehrer

von gibmirson » 11.08.2017, 11:38

Hallo in die Runde,
als Neurentner hat man Zeit. Das macht sich gerade mein Enkel (10 J) zunutze und möchte mich als "Gitarrenlehrer" engagieren.
Soweit so gut! Aber wie fange ich das richtig an? Das erste Problem ist schon die Auswahl des Lernmaterials. Welches Medium ist für das Alter das Richtige? Natürlich kenne ich Wikibooks, (Brümmer und Bursch vom Hörensagen). Stellt sich mir die Frage, mit welchem Lehrbuch erhalte ich das Interesse am Üben außerhalb der Schulungsstunden? Welche Übungslieder (Schwierigkeitsgrad) können in dem Alter die Gier nach dem Spielen wecken (er findet Mark Foster geil)?

Hat schon jemand Erfahrung in einer gleichen oder ähnlichen Situation gemacht? Vielleicht kann mir einer der hier aktiven Gitarrenlehrer einen Tipp für den Einstieg geben.

Ich fände es cool, wenn ich in einigen Jahren mit dem Kurzen auf der Bühne stehen könnte. ))==

Gruß
gib
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startom
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Re: Hilfe! Plötzlich Gitarrenlehrer

von startom » 11.08.2017, 15:26

Hoi
Ich bin nebenberuflich seit über vier Jahren Gitarrenlehrer (Pensum ca. 20 - 25 %) an einer örtlichen Musikschule und unterrichte Schüler im Alter von 7 - 17 Jahren.
Sehr wichtig beim Umgang mit Kindern bis 10 Jahre ist das Spielerische und die Methodik. Sehr gute Erfahrungen habe ich mit diesem Lehrmittel gemacht: Die AMA Gitarrenschule für Kinder, hier ein Link: https://www.weltbild.de/artikel/buch/di ... 13637774-1

Die ersten 6-8 Monate unterrichte ich jeweils ziemlich konsequent nach diesem Buch, bis ca. zur Mitte (Seite 50). Danach wird der Unterricht sehr individuell.

Vor allem bei den jüngeren Schüler um die 10 Jahre ist die Bindung zum Gitarrenlehrer sehr wichtig. Je 'lieber' sie dich haben, umso motivierter üben sie. Erst im Alter von 11-13 Jahren erkennen die Kinder, dass sie in erster Linie für sich selber üben...nicht für die Eltern, nicht für die Lehrer. Das ist keine Weisheit von mir, sondern Erkenntnisse aus der Pädagogik.

Viel Spass beim Einstieg als Gitarrenlehrer.
Tom

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gibmirson
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Re: Hilfe! Plötzlich Gitarrenlehrer

von gibmirson » 11.08.2017, 19:48

Hi startom,
danke für die schnelle und inhaltsreiche Info. Ich werde mir das Buch mal näher ansehen.
Den Hinweis über die Personenbindung nehme ich dankbar an. Ich habe ähnliches schon mal bei der Kinderschachgruppe (6-10 J) kennen gelernt. Ging es mal nicht, sich zu konzentrieren, haben wir halt Fußball oder Fangen gespielt. Hauptsache Spaß ist dabei.
Danke nochmals
Gruß
gib
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Harry83
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Re: Hilfe! Plötzlich Gitarrenlehrer

von Harry83 » 11.08.2017, 20:21

Hey Ho!

Vor ein paar Jahren fragten mich zunächst Freunde, ob ich ihnen ein bisschen was "zeigen" könne. Das habe ich auch richtig gerne gemacht. Irgendwie hat es sich dann rumgesprochen, und es kamen immer mehr Anfragen. Auch von Eltern, deren Kinder es gerne mal probieren möchten. "Kein Problem". Ich nehme dafür kein Geld, sondern mache es, weil es mir Spaß macht. Zurzeit habe ich 6 Schüler, im Alter von 13 - 22.

Die erste Stunde, wenn nicht sogar länger, läuft immer gleich ab. Ich frage, was die Ziele sind. Sagt man mir, man möchte irgendwann mal so spielen, wie der derzeitige Gitarrenheld, erkläre ich, dass das fast unmöglich ist, da man sonst eine 1 zu 1 Kopie sein müsste. Aber zumindest in die Richtung kann, und soll es dann auch gehen, was kein Problem darstellt.

Dann kommen die Grundlagen. Die Gitarre an sich, die Saiten, Töne etc. Damit meine Schüler gleich am Anfang ein kleines Erfolgserlebnis haben, zeige ich ihnen das Introriff von Seven Nation Army. 7 Töne, nur auf der A Saite, und erkläre ihnen, wie sie dieses spielen können. Natürlich bekommen sie auch einige Fingerübungen von mir. Damit sind sie dann erst mal etwas beschäftigt.

Da wir keine festen Termine haben, bekommen alle von mir, einmal die Woche, eine E-Mail, in der ich Frage, wann wer Zeit und auch Lust hat. Danach richte ich mich dann auch. Fast alle gehen noch zur Schule, weshalb es meistens am Wochenende ist.

Darauf baue ich dann alles auf. Die Bücher von Peter Bursch nehme ich nur als Hilfestellung, sollten wirklich mal Fragen aufkommen, die ich selber nicht auf Anhieb beantworten kann. Meine Schüler haben Spaß. und das ist mir am Wichtigsten!

Fast immer sitze ich hinterher mit den Eltern zusammen, und erzähle, bei einem Kaffee, wie er oder sie sich macht. Ab und an bin ich auch etwas gefrustet, wenn ich merke, dass in ein- bis zwei Wochen rein gar nichts gemacht wurde. Aber die Schule geht eben vor, und somit ist das auch in Ordnung.

Wichtig für die Schüler ist natürlich auch, dass sie mit einem klar kommen. Wenn das nicht passt, bringt es leider nicht viel. Natürlich kommt auch mal ein "och nö...!" Aber wenn ich dann erkläre, dass man nur so weiterkommt, und ich selber auch so gelernt habe, ist das dann auch vergessen.
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gibmirson
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Re: Hilfe! Plötzlich Gitarrenlehrer

von gibmirson » 12.08.2017, 11:00

Hi Harry83,
danke für Deinen Beitrag. Ich glaube, dass mit 13 J die Meinung der Kids schon eine bestimmte Richtung aufzeigt. Bei meinem Enkel - wie gesagt 10 J - ist das eher noch nicht der Fall. Ich denke, dass er das mal probieren möchte, weil Jetzt ein Schulwechsel ansteht und die neue Schule auch Schulbands fördert. Das hat sein Interesse geweckt. Er hat mich des Öfteren beim Spielen gesehen und zieht für sich die Schlussfolgerung, dass Opa hier hilft, was er natürlich gerne tut.
Ich unterstütze das sehr, bin mir nur noch nicht sicher, wie ich sein Interesse langfristig aufrecht erhalten kann. Gerade am Anfang ist ja das Üben oft nicht sofort mit Erfolg verbunden - und Lieder zu spielen findet auch nicht sofort statt.
Vielleicht ist Deine Vorgehensweise hier hilfreich, eine/n gleichaltrige/n Partner/in zu integrieren, dann springt man nicht so schnell wieder ab. Mal sehen, was er dazu sagt.
Danke für Deine Hinweise.
Gruß
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Re: Hilfe! Plötzlich Gitarrenlehrer

von Harry83 » 12.08.2017, 13:09

Zum Thema Alter: Mit 12 oder 13, genau weiß ich das nicht mehr, wollte ich unbedingt E-Gitarre lernen. Meine Eltern schenkten mir eine klassische Gitarre, weil der Händler sagte, es sei ein "Muss" bevor man überhaupt E-Gitarre spielen lernen kann. Was ist passiert? Die Klampfe hatte ich nur kurz in der Hand. Dann verstaubte sie Jahre lang in der Ecke. Erst 2007, mit schon 24, fing ich dann mit der E-Gitarre an. Das ich irgendwann selber mal unterrichte, hätte ich nie gedacht!

Was ich damit sagen will ist, dass man gerade bei den etwas jüngeren Musikern, Geduld mitbringen muss, und sie auch ruhig an die Hand nehmen sollte. Was zurzeit vielleicht noch "uncool" ist, finden sie in kurzer Zeit vielleicht super. Zusammen mit Freunden, macht es natürlich noch mehr Spaß.
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Re: Hilfe! Plötzlich Gitarrenlehrer

von OldDad » 12.08.2017, 14:12

Hi @Erklär-Bär, "Bei meinem Enkel - wie gesagt 10 J - ist das eher noch nicht der Fall" ..., das dürfte normal sein.
Auch ist es in diesem Alter längst nicht sicher, ob die neue Leidenschaft die nächsten Monate überhaupt anhält.
Aus meiner ganz persönlichen Erfahrung (mit dem Sohnemann) hat sich die Schulband als warer Glücksfall herausgestellt. Informiere dich
mal über die aktuelle Situation der Band an der neuen Schule.
Die Lernfortschritte waren enorm und was noch wichtiger war, die Motivation in der Gruppe.
Vielleicht ist das auch für dich eine "zusätzliche" Option, dem Enkel zu helfen. Bei den meisten Schulbands fehlt es an Unterstützung
, da die Lehrer oft überfordert sind damit die Zeit, die finanziellen Mittel (Verhandlungen mit dem Förderverein), die Ausarbeitung von
Projekten, Bandausstattung und das Coaching für inner- und ausserschulische Auftritte etc. aufzubringen.

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gibmirson
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Re: Hilfe! Plötzlich Gitarrenlehrer

von gibmirson » 12.08.2017, 16:18

Welche Übungsgitarre es wird, werde ich nach ein paar Übungsstunden wissen. Er weiß ja noch gar nichts in der Richtung. Ich habe genug Material im Musikkeller stehen. Die "eigene" Gitarre gibt es als Belohnung, wenn sich herausstellt, dass er dabei bleiben wird, sozusagen als zu erreichendes Ziel. Damit möchte ich den Ansporn wecken, nicht bei kleinster Schwierigkeit aufzugeben.

Die Idee mit der Unterstützung der Schulband finde ich gut. Mal sehen, wie sich das entwickelt. Ist ja auch für mich evtl. eine interessante Aufgabe. Aber vor allem steht erstmal der Einstieg in das Hobby.
Danke für die Infos,
Gruß
gib
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startom
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Re: Hilfe! Plötzlich Gitarrenlehrer

von startom » 12.08.2017, 16:31

Unsere Musikschule bietet auch Schülerband Betreuung an. Allerdings muss ich sagen, dass es keinen Sinn macht, ohne jegliche Vorkenntnisse auf einem Instrument in eine Schülerband einzusteigen. Ein Jahr Instrumentalunterricht ist bei uns Voraussetzung für den Einstieg in eine Schülerband.

Ansonsten werden nur die etwas Fortgeschrittenen gebremst und anstelle Songs einzustudieren gibt es Basisunterricht für Einzelne, während die anderen herumstehen und warten.
Tom

sunset
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Re: Hilfe! Plötzlich Gitarrenlehrer

von sunset » 14.08.2017, 01:51

Hi gibmirson,
wenn's um den reinen Einstieg ins Instrument geht - von Null weg sozusagen - beginne ich mit der rechten Hand (linken bei LinkshänderInnen) und lasse erst mal nur Rhythmuszupfs mit dem Daumen auf leeren Saiten spielen.

Da geht dann schon mal eine kleine Rockgroove auf den tiefen Saiten. Ohne Tabs oder Noten, einfach nur vorspielen und nachspielen lassen. Du hast sicher das eine oder andere drauf, gibmirson ;) Dann mal einen gegriffenen Ton auch in den höheren Saiten dazu. Mit den anderen Fingern ausprobieren, kleine Melodien, mitsingen. Nicht zuviel Info. Hand, Herz, Hirn, in dieser Reihenfolge.

Dazwischen "schummle" ich Akkorde (Em, Am, anfangs) rein, die ich nur selber so vor mich hin spiele, meistens wollen die Kinder das dann auch können und probieren es von sich aus.

Ob sie dann als erstes lieber Akkorde und Begleiten oder Melodie spielen lernen wollen, überlasse ich ihnen, aber ich schau immer drauf, dass sie sich körperlich dabei wohl fühlen, die Schultern und der Rücken locker sind, die Gitarre sozusagen entspannt in der Hand liegt.

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Re: Hilfe! Plötzlich Gitarrenlehrer

von gibmirson » 14.08.2017, 17:36

startom, Ja natürlich, erstmal nicht in der Band, sondern Üben und den Spaß am Spielen gewinnen. Das habe ich auch schon mit ihm besprochen, versteht er auch. Ich werde mich in der Schule mit dem Musiklehrer diesbezüglich in Verbindung setzen. Dann aber als Ziel die "eigene Gitarre", wenn er soweit ist. Das AMA-Lehrbuch habe ich bereits bestellt, danke nochmals für diesen Hinweis.

Danke sunset, für die Info. Das ist wahrscheinlich die große Kunst (und für mich der große Lerneffekt), die Überforderung am Anfang zu verhindern und die Begeisterung zu fördern. Hand, Herz, Hirn werde ich mir merken, ist ein griffiger Merksatz. Bin mal gespannt, wie wir beide mit der Aufgabe fertig werden. Die Aufgabenstellung werde ich auf jeden Fall in kleinen Schritten vornehmen. ich glaube auch, wenn nach den ersten Stunden schon das eine oder andere einfache Lied (viele Leersaiten dabei), welches wir zusammen spielen können, ansteht, sollte die Freude überwiegen und die Motivation gesteigert werden. Mama und Papa müssen das dann "ertragen"!! :D
Ich danke Euch nochmals für die Hinweise.
Gruß
gib
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Re: Hilfe! Plötzlich Gitarrenlehrer

von mjchael » 14.08.2017, 17:55

Ich kann dir das Lagerfeuerdiplom durchaus empfehlen, denn damit habe ich selbst Kindern das Gitarrenspielen beigebracht.
Sehr vorteilhaft für dich als angehender Lehrer finde ich das Konzept:
https://de.wikibooks.org/wiki/Gitarre:_ ... des_Buches
(und auch was vor dem Kapitel auf der Seite steht)
Weiterhin stehen in den Lektionen viele Tipps, die dir im laufenden Unterricht viel sinnvoller vorkommen werden, als es nur gelesen zu sehen.
Da hast du einen durchdachten Plan, den du abhaken kannst, und nachdem du Lieder raussuchen kannst. Das Konzept ist offen genug, dass du für jeden Musikgeschmack die Passenden Lieder findest.

Es gibt einige Kinderlieder mit dabei, aber die größte Herausforderung wird es sein, genügend Kinderlieder zu finden, die denen auch Spaß macht. Ein Gespräch mit einer Lehrerin könnte von Vorteil sein, wenn du erfährst, was die so in der Schule singen.
Stöbere auch mal unter Pfadfinderlieder herum. Da gibt es vieles lustiges, das auch für die Altersgruppe geeignet ist.
Ich hatte mir einige CDs nebst Liederbücher gekauft, und die Akkorde für meine Lektion angepasst.
Allerdings habe ich längst gar keine Ahnung mehr, welche Lieder gerade angesagt sind.
Na ja einige findest du jedenfalls im Lagerfeuerdiplom. und gib mir mal deine E-Mail, per PN dann sende ich dir noch was zu.

Gruß Mjchael

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Re: Hilfe! Plötzlich Gitarrenlehrer

von gibmirson » 14.08.2017, 19:40

Hallo Mjchael,
danke für Deine Unterstützung. Ich kenne das Wikibooks , finde es sehr gut und habe schon viel darin gestöbert. Elemente daraus werde ich sicherlich einfließen lassen. Ich möchte das Ganze aber auch spielerisch aufbauen. Aus der Erfahrung mit der Kinderschachgruppe weiß ich, dass das Spielerische in dem Alter sehr wichtig ist. Wenn die Konzentration nicht da ist, muss ich auf Alternativen ausweichen, notfalls singen, mit dem Cajon oder den Händen Takte schlagen, im Extremfall Fangen oder Fußball spielen. Wichtig ist der Spaß dabei.

ich bin gespannt auf Deine Unterlagen. Eine PN habe ich gerade übersandt.
Gruß
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Re: Hilfe! Plötzlich Gitarrenlehrer

von mjchael » 15.08.2017, 19:35

Du wirst dich eh viel weiter aufstellen, und dir einiges an Material zulegen.
Nur professionelle studierte Musiker fahren eingleisig mit einem einzigen Buch und nach nur einem Konzept.
Und von denen eigentlich auch nur die mit sehr durchschnittlichen Fähigkeiten.
Die meisten fahren mehrgleisig.

Einer meiner ersten Schüler vor zig Jahren hatte die Aufmerksamkeitsspanne eines 2 monate alten Welpens.
Ich war froh, wenn er mir mal 5 Minuten am Stück zugehört hatte.
Maximal ein neuer Akkord (außer die erste Lektion) - maximal ein Schlagmuster mehr war nicht drin. Aber das reicht aus.
Bei allen normalen Schülern singen wir 5-6 Lieder (alle mit dem selben Akkorden und den selben Schlagmustern und möglichst auch mit der selben Akkordfolge)
Nur ein einfaches wird intensiv geübt. Beim Rest reicht es nur eine Strophe und/oder Refrain anzusingen.

Reicht die Aufmerksamkeitsspanne mit Gitarre icht mehr: wird einfach nur mitgesungen - ohne Instrument.
Deine Idee mit der Cachon finde ich sehr gut. Ein Chicken-Shake ist auch was feines. Sogar ein Kazzo wäre denkbar.

Aber ein Akkord und ein Schlagmuster und ein bis zwei Lieder ist nicht besonders viel für eine Unterrichtsstunde. Auch nicht für einen 10-jährigen.

Wenn mal keine Motivation da ist, oder es einfach Anlaufschwirigkeiten gibt, habe ich immer ein neues Lied hervorgekramt, bei dem alle Akkorde und Schlagmuster schon längst bekannt sind. Das motiviert ungemein. Bei den Kindern hatte ich immer auch Bewegungslieder mit dabei (vgl. Tante in Marocco). Allerdings hatte ich da aus dem Kirchlichen Bereich (Kindergottesdienst und Jungschar) noch viel mehr Material und konnte da auch auf viele für die Kinder schon bekannte Lieder zurückgreifen.

Das Lagerfeuerdiplom hat so eine flache Lernkurve, dass man problemlos mal eine Unterrichtseinheit versäumen kann, ohne völlig den Anschluss zu verlieren. Dann lernt der betreffende Schüler eben 2 neue Akkorde anstelle von einem. Für die anderen ist es einfach nur eine Wiederholung (die ich aber geschickt dadurch tarne, dass ich einfach ein neues Lied herauskrame - halt mit den selben Akkorden und den selben Schlagmustern. )

Von einigen Feten-Liedern gibt es auch einige lustige Mittmachlieder, die für Kinder gut geeignet sind. vgl. da hat das Hottepferd, Hörst du die Regenwürmer Husten, etc.
Aber auch Pop-Songs funktionieren ziemlich gut, wenn sie gerade aktuell sind, und halbwegs zu singen sind. Leider weiß ich gerade selbst nicht, welches deutschsprachige Lied im Augenblick sehr angesagt ist. Sobald man mal 3 Jahre keinen Unterricht mit Kindern gemacht hat, ist alles, was noch mit den letzten Schülern prima funktioniert hatte, heute schon hoffnungslos veraltet. Aber sobald es ein Lied gibt, und die Kinder hören es, gerne forsche nach den Akkorden und schaue nach, ob du es für den Unterricht aufbereiten kannst.

Mache dich mal mit der Chord-Pro-Notation vertraut. Viele Programme sind absolut kostenlos, und du kannst dir sehr einfach Liedblätter erstellen.

Auf alle Fälle viel Erfolg mit deinem Projekt.
Sobald mir wieder was in die Hände Fällt, gebe ich es dir weiter.
Gruß Mjchael

MacMike
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Re: Hilfe! Plötzlich Gitarrenlehrer

von MacMike » 23.08.2017, 13:37

startom hat geschrieben:Hoi
Ich bin nebenberuflich seit über vier Jahren Gitarrenlehrer (Pensum ca. 20 - 25 %) an einer örtlichen Musikschule und unterrichte Schüler im Alter von 7 - 17 Jahren.
Sehr wichtig beim Umgang mit Kindern bis 10 Jahre ist das Spielerische und die Methodik. Sehr gute Erfahrungen habe ich mit diesem Lehrmittel gemacht: Die AMA Gitarrenschule für Kinder, hier ein Link: https://www.weltbild.de/artikel/buch/die-ama-gitarrenschule-fuer-kinder-m-cd-audio_13637774-1
Die ersten 6-8 Monate unterrichte ich jeweils ziemlich konsequent nach diesem Buch, bis ca. zur Mitte (Seite 50). Danach wird der Unterricht sehr individuell.

Vor allem bei den jüngeren Schüler um die 10 Jahre ist die Bindung zum Gitarrenlehrer sehr wichtig. Je 'lieber' sie dich haben, umso motivierter üben sie. Erst im Alter von 11-13 Jahren erkennen die Kinder, dass sie in erster Linie für sich selber üben...nicht für die Eltern, nicht für die Lehrer. Das ist keine Weisheit von mir, sondern Erkenntnisse aus der Pädagogik.

Viel Spass beim Einstieg als Gitarrenlehrer.


Das merkt man auf jeden Fall. Oft ist das leider auch der Zeitpunkt, an dem die Kinder keine Lust mehr haben, da sie merken, dass es unter dem Strich nur um sie geht bei dem Ganzen. Wenn es allerdings anders ist und so wollen weiter spielen, fangen sie ab diesem Zeitpunkt oft auch so richtig Feuer und spielen wie Wilde

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