E-Gitarre Bauformen • Stratocaster • Les Pau • Telecaster • SG • u.a. Welche E-Gitarre soll ich mir kaufen?

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mjchael
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E-Gitarre Bauformen • Stratocaster • Les Pau • Telecaster • SG • u.a. Welche E-Gitarre soll ich mir kaufen?

von mjchael » 12.07.2017, 15:14

Hier folgt ein kleiner Überblick über die wichtigsten (meist verbreiteten) Bauformen der E-Gitarre.
Da ich eher der Akustik-Gitarrist bin, gebe ich hier nur einen kurzen Überblick.
Ich werde nicht zu tief ins Detail gehen, versuche aber das Wichtigste für die erste Kaufentscheidung für Gitarrenanfänger oder leicht fortgeschrittene zusammenzutragen.
Ich beschränke mich auch auf mittelpreisige Gitarren, die noch im Budget der meisten Member liegen. Also keine, für die ich erst mal drei Monatsgehälter hinlegen muss. Für bessere E-Gitarren aus dem Band- bzw. Profi-Bereich wäre ein neues Thema passender.
Ich hoffe, dass die Kollegen auf den Zug aufspringen, und ihrerseits Informationen beisteuern.

Die berühmtesten und am meisten verbreiteten E-Gitarren sind
• Stratocaster
• Les Pau
• Telecaster
• SG (Solidbody Guitar)

ps.: alle Beiträge dürfen von euch kommentiert, ergänzt und korrigiert werden.
Ich werde versuchen eure Impulse in die Texte einzuarbeiten.
Die lebhafte Diskussion habe ich hier ausgelagert.
► Kommentare und Diskusionen bitte an dieser Stelle weiterführen.


Worum es hier nicht gehen soll, ist eine Marke gegen die andere auszuspielen.

Stratokaster
Die Strat wird seit 1954 von der US-Firma "Fender" gebaut.
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Sie gilt weltweit als die beliebteste, meistverkaufte und meistkopierte E-Gitarre.

Der Klang:
Sie ist wegen ihres drahtigen Sound sehr beliebt. Der gläsernen, transparente bis scharfen Ton setzt sich in der Band gut durch und ist daher für Solos sehr gut geeignet. Der Tremolo macht es nicht unbedingt leicht, die Fender zu stimmen, da alle Saiten über den Tremolo miteinander verbunden sind, und sich von daher gegenseitig beeinflussen. Beim Spielen jedoch kann ein Tremolo im Zusammenspiel mit den Saiten (Schlagwort Resonanzen, Schwebung) zu einem eigenen Sound führen, der von einigen Spielern als eine Art mechanischen Halleffekt beschrieben wird. Jimi Hendrix dürfte wohl zu einem der genialsten Strat-Spieler aller Zeiten gehören, da er die Soundmöglichkeiten der Strat bis aufs äußerste ausgereizt hat.

Youtube-Suche: Stratocaster Sound

Im Gegensatz zur Telecaster fehlen der Strat größtenteils die schrillen Höhen, gegenüber der Gibson Les Paul klingt die Stratocaster eher hell mit geringerem Sustain. Sie ist das Standardinstrument bei Funk und Discomusik.

Typische Merkmale: geschraubter Hals • Grifbrett mit 21 oder 22 Bünde • Sattelbreite 43 mm • Steg / Brücke mit einzelnen Saitenreitern • meist mit Tremmolo-System • Tonabnehmer: 3× Single Coil (SSS) oder 1× Humbucker + 2× Single Coil (HSS) • Klangregler: 1× Lautstärke 2× Höhenblende • 1× 5-Wege-Tonabnehmerwahl

Wichtige E-Gitarristen mit Strat (auszugsweise):
Eric-Clapton • Jimi Hendrix • Richie Sambora (bei Bon Jovi) • Matthias Jabs (Scorpions) • Rory Gallagher • Ritchie Blackmore (Deep-Purple) • David Gilmour • Eric Johnson • Stevie Ray Vaughan • Robin Trower • Buddy Guy • John Mayer • Dave Murray • Adrian Smith • Robert Cray • Chris Rea • Mark Knopfler • Hank Marvin • Buddy Holly • Steve Vai (Gitarrist von Frank Zappa)

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mjchael
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Re: E-Gitarre Bauformen - Welche E-Gitarre soll ich mir kaufen?

von mjchael » 12.07.2017, 15:15

Les Pau
Die LP (oder Paula) wird seit 1952 von der US-Firma Gibson hergestellt.
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Die Les Paul wiegt etwa zwischen 3,5 bis 4,5 kg und ist damit in der Regel deutlich schwerer als die anderen typischen Bauarten. Der massive Körper und der verleimte Hals schlucken viele Obertöne, wodurch der Klang weicher und susain-reicher (Nachklang) wird.
Jedoch fräst man bei moderneren LP im Gitarrenkörper nicht nur Löcher für die Elektronik ein, sondern bewusst noch einige Luftlöcher (Fachwort: chambered - gekammert) , welche das Gewicht reduzieren. Die meisten guten Hersteller sagen, dass der Klang unter der Gewichtsreduktion nicht leidet. Auch andere Bauarten gibt es mit chambered Body um Gewicht zu sparen.
Von der LP gibt es oft von einer Serie 2 Ausführungen. Die LP-Standard ist für Bühnenauftritte gedacht, und macht optisch einiges her. Die Studio verzichtet bei gleicher Klangqualität und gleicher Bespielbarkeit und gleichwertiger Technik auf teure effektvolle Lackierungen, Einlegearbeiten oder der cremefarbenen Umrandung des Korpus. Die Hölzer haben keine so spektakuläre Maserung, das Logo auf der Kopfplatte ist nur aufgemalt (keine Intarsien). Dieses schlägt sich natürlich im Preis nieder.

Typische Merkmale
Mensur 63 mm, Korpus Solidbody, eingeleimter Hals mit 22 Bünde, Mechaniken je 3 rechts und links gekapselt, zweiteilige Tune-O-Matic-Metallbrücke mit einzelnen Saitenreitern, 2 Humbucker, Regler: 2 Volume- und 2 Toneregler - 1 × 3-Wege-Tonabnehmerwahl

Klang
Die Les Paul hat einen warmen, vollen Klang und wird gerade dort eingesetzt, wo es auf diese Klangfarbe ankommt. Mal ein etwas simpler Vergleich: würde man die Strat mit einer Trompete vergleichen, müsste man die LP wohl mit einem Saxophon vergleichen. Besonders Blues- und Jazzmusiker schätzen die Paula. In den 70ern wurde die Paula gerne für einen schweren fetten Background-Sound eingesetzt, der auch bei Grunch und Heavy-Metal sehr geschätzt wird.

youtube-Suche: Les Paul Sound
Wichtige E-Gitarristen mit einer LP (auszugsweise):
Eric Clapton (bei seinen Blues-Stücken) • Jimmy Page (Led Zeppelin) • Pete Townshend (The Who) • George Harrison und Paul McCartney (Beatles) • Neil Young • Steve Hackett (Genesis) • Marc Bolan • Jimmy Page (Led Zeppelin) • Carlos Santana • Gary Moore • Ace Frehley (KISS) • Billy Gibbons (ZZ Top) • Slash (Guns N’ Roses) • Kirk Hammett und James Hetfield (Metallica) • Paul Landers (Rammstein)

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Re: E-Gitarre Bauformen - Welche E-Gitarre soll ich mir kaufen?

von mjchael » 12.07.2017, 15:26

Vergleich: Stratocaster und Les Paul





ps.: Die Überschrift ist mit der Youtube-Suche verlinkt, falls einzelne Videos verschwinden sollten.

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Re: E-Gitarre Bauformen - Welche E-Gitarre soll ich mir kaufen?

von everyBlues » 14.07.2017, 10:17

GuitarRalf hat geschrieben:Salut,
Insgesamt soll sie schwerer sein als die Stratocaster. Hast du da einen Wert? Meine Strat-Kopie wiegt ca. 3374g (mit Gurt).
Die Gitarren sind interessant, aber ich würde für eine Kaufauswahl noch die Halbakustik hinzunehmen. l


Meine Paula (Kopie) wiegt so ca 4,5kg. Es gibt welche die sind noch schwerer ( ca 6 kg). Denke das ist dem Holz geschuldet. Mahagoni Holz, ohne chambered ist nun mal schwerer als Erle. Mit chambered wirds dann vielleicht leichter. Hatten die Alten aber alle nicht.
Es gibt auch leichtere. Aber im allgemeinen kann man schon sagen, das Les Pauls schwerer sind als Start. und Tele.
Die Halbakustik (ES= Electric Spanish) fehlt noch, ja. Vielleicht auch die Jazzgitarre, wird ja auch elektromagnetisch gespielt.
Anm: Danke für das Fachwort "chambered" • ES und Archtop kommt noch

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Re: E-Gitarre Bauformen - Welche E-Gitarre soll ich mir kaufen?

von mjchael » 19.07.2017, 17:15

Telecaster
Die Tele wird seit 1955 von der US-Firma "Fender" gebaut.
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Die Telecaster ist wegen der einfachen Bauweise eines der meistkopierten Gitarrenmodelle.

Der Klang:
Die Telekaster hat einen hohen, knackigen, fast schon metallischen, spitzen Klang mit einem „Boom-chicka-Boom“ Sound wie er bei Rockabilly und Funk sehr beliebt ist. Der dünne Ton setzte sich im Klangbild der Band trotz Synthesizern und schweren Effekten gegen die anderen Instrumente gut durch. Die Tele wird bei vielen Musikrichtungen eingesetzt. Neben den vorher genannten ist zeitbedingt Country eines der ersten Musikrichtungen, wo sich die Tele zum Einsatz kam. Ich vermute einmal, dass der hohe Klang an ein Banjo erinnert, Ebenso im Rockabilly, Blues, Jazz, Rock, Britpop und Funk. Überall dort, wo man einen hohen schreienden Ton braucht. Durch die hohen Töne lassen sich diese sehr gut verzerren (Bending), Seltener trifft man sie auch bei Punk und Heavy Metal an.

Ton beginnt hier erst ab 30 sek.

Der „Boom-chicka-Boom“ Sound

Hoher Ton bei Solis

Youtube-Suche: Telecaster + Sound

Typische Merkmale: Mensur: 648 mm • geschraubter Hals • Griffbrett mit 21 oder 22 Bünden • Sattelbreite 43 mm • 6 x gekapselte Mechaniken links • feste, einteilige Metallbrücke mit drei gemeinsamen oder sechs einzelnen Saitenreitern • 2 × Single Coil • Klangregelung: 1x Lautstärke, 1× Höhenblende, 1× 3-Wege-Tonabnehmerwahl.
Der Korpus hat im Gegensatz zur Stratocaster einen einzelnen Cutaway. Der Korpus setzt im 17 oder 18 Bund an. so dass der fehlende obere Cutaway nicht stört. Bei der LP setzt der Korpus im 15 oder 16 Bund an, woraus sich ableiten lässt, dass die Tele vor allem da gebraucht wird, wo es auf hohe Töne ankommt.

Wichtige E-Gitarristen mit Tele (einige mehr bei Country-, Blues- und Jazzliebhaber bekannt) :
Danny Gatton, Merle Haggard, Albert Lee oder James Burton. Luther Perkins (Gitarrist von Johnny Cash), Muddy Waters, Mike Stern, Bill Frisell, Frank Diez, Karl Ratzer, Tom Principato, Dieter Übler, Keith Richards und Ron Wood (Rolling Stones), Bob Dylan, Steve Cropper (Booker T. & the M.G.’s), Francis Rossi und Rick Parfitt (Status Quo) , Richie Sambora, Bruce Springsteen, John Frusciante, Sheryl Crow, Avril Lavigne, gelegendlich Jimmy Page (z.B. das Intro von "Starway to Heaven" von Led Zeppelin), Syd Barrett und David Gilmour (Pink Floyd) Bei den letztgenannten kam es mehr auf die Aufnahmequalität im Studio an. Der dünne Ton lies sich einfacher aufnehmen und abmischen.

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Re: E-Gitarre Bauformen - Welche E-Gitarre soll ich mir kaufen?

von mjchael » 19.07.2017, 17:39

Vergleich Strat und Tele






Und ein wirklich berümtes Duell Strat gegen Tele (hier die lange Version) will ich euch nicht vorenthalten.
Es stammt aus dem Film "Crossroads", (Sehenswert!).

Yotube-Suche, falls das Video gelöscht wird.
ps.: Es dürfte erwiesen sein, das Steve Vai als studierter Musiker am Schluss nur für den Film das Stück versemmelt. Irgendwo habe ich ein Video gesehen, wo er das Stück volständig spielt. :)

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Re: E-Gitarre Bauformen - Welche E-Gitarre soll ich mir kaufen?

von mjchael » 19.07.2017, 18:29


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Re: E-Gitarre Bauformen - Welche E-Gitarre soll ich mir kaufen?

von mjchael » 20.07.2017, 18:57

Vergleich: Les Paul + Telecaster + Stratocaster
Wer sich hier noch unklar ist , für den habe ich noch mal alle drei im Vergleich.





Hier mal alle drei im Zusammenspiel incl. Bass


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Re: E-Gitarre Bauformen • Stratocaster • Les Pau • Telecaster • SG • u.a. Welche E-Gitarre soll ich mir kaufen?

von mjchael » 24.07.2017, 19:35

Ein klein wenig zur den Tonabnehmern:

Man unterscheidet zwischen Single Coil und Humbucker
E-Gitarre mit einem Humbucker- (links) und zwei Single-Coil-Pickups (Mitte und rechts):
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Single Coli
Pro Tonabnehmer gibt es beim Single Coil (kurz SC) je einen Permanentmagneten pro E-Gitarren-Saite um den ein sehr dünner Draht gewickelten wurde.
Hier mal schematisch dargestellt:
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Aus dem Physikunterricht wisst ihr vielleicht noch, dass durch einen Drat, der in einem Magnetfeld bewegt wird, Strom fließt. Dies nennt man Induktion.
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Unser Single Coil hat nun 6 Magnete mit Spule (so genannte Pickups oder kurz PU), und unsere 6 Gitarrensaiten sind die 6 Drähte, die sich in dem Magnetfeld bewegen. Durch die Saitenschwingung wird mittels Indduktion eine winzige Wechselspannung ausgelöst. (einige zehn bis wenige hundert Millivolt)
Diese geringen Spannungen werden vom Gitarrenverstärkers - wie der Name schon sagt - verstärkt und über den Lautsprecher in Schallwellen umgesetzt und so hörbar gemacht.

Die Gitarrenmodelle Stratocaster und Telecaster der Firma Fender werden üblicherweise mit zwei bis 3 Single Coli ausgestattet. Diese können mittels eines Pickup-Wahlschalters in verschiedenen Kombinationen aktiviert werden.

Singlecoils sprechen sehr gut auf die Saitenschwingung an, und haben von da her in der Regel einen klareren Klang und eine sie können hohe Töne deutlich besser wiedergeben, als ein Humbucker. Singlecoils sorgen für einen glasklaren brillianten Klang. Der geringe Output sorgt dafür, dass der Verstärker besonders bei Höhen nicht so schnell verzerrt.
Je mehr man also einen cleanen Sound bei Solis wünscht, desto eher kann man zu Gitarren mit Single Coli raten. Tendiert man jedoch mehr zu einem fetten Metal-Sound vzw. man möchte mit viel Gain (Verzerrung) spielen, reicht mitunter der niedrige Output nicht aus, und der geringe Tiefmittenanteil des Tons macht sich bemerkbar.

Der Vorteil, dass Singlecolis so gut ansprechen ist auch gleichzeitig ihr Nachteil. Sie sind empfindlich gegenüber Rückkopplungen (wenn verstärkten Schallwellen aus den Boxen die Gitarrensaiten in Schwingung versetzen, die dann wieder an die Boxen weitergegeben werden - Eine Endlosschleife oder besser Ausgedrückt: eine Rückkoplung die für das ohrenzerfetzende Pfeifgeräusch verantwortlich ist.

Zudem fungieren die E-Gitarren-Saiten als eine Antenne, welche wie beim Radio die elektromagnetischen Schwingungen wie sie beispielsweise von Transformatoren, Monitoren oder Leuchtstoffröhren abgestrahlt werden, mitübertragen und mitverstärkt, was dazu führt, dass die Strat und Tele gerne vor sich hin brummeln, auch wenn man gar nicht drauf spielt. (Das typische 50 Hz-Brummen)


In den letzten Jahren kamen allerdings zahlreiche Pickup-Modelle auf den Markt, die mit verschiedenen technischen Vorkehrungen seitens des Verstärkers Nebengeräusche unterdrücken, dabei aber trotzdem den typischen Single-Coil-Klang bieten. Aber auch schon in den 50er Jahren hat sich die insbesondere die Firma Gibson sowie später die Tochterfirma Epiphone sich mit dem SC "P90" hervorgetam. Durch größere Magnete und mehr Output als ein normaler SC werden Störgeräusche reduziert. Der Klang von P-90-Tonabnehmern ist etwas höhenreicher als der eines Humbuckers und gleichzeitig voller, gleichmäßiger und „wärmer“ als der von Single Coils des Fender-Typs. Ein Gipson-P90-SC ist die ideale Wahl für Gitarristen, denen ein einfacher SC zu dünn und ein Humbucker zu undynamisch ist. Die ersten P90-SC waren meist in einem hellbegen Plastikgehäuse mit abgerundeten Ecken untergebracht, was ihm den Spitznahmen Soap-bar (Seifenstück) einbrachte.

Humbucker
Die Hauptfunktion eines Humbuckers ist es, Störgeräusche, wie ich sie oben beim SC beschrieben habe, zu unterdrücken. (Hum = Brummen, to buck = hemmen, unterdrücken) Schon 1934 wurde das Funktionsprinzip für dynamische Mikrofone eingesetzt. Im Prinzip besteht ein Humbucker aus zwei Single-Coils. Das geniale an der Schaltung ist, dass die beiden SC Magnetfelder in umgekehrter Richtung haben. Eigentlich müssten sich die Induktionswirkung aufheben. Weil man aber den Draht bei der einen in, und bei der anderen gegen den Uhrzeigersinn gewickelt hat, laufen letztlich die Ströme wieder in gleicher Richtung und addieren sich. Allerdings Brummgeräusche, wie sie aus dem Stromnetzwerk eingestreut werden, heben sich durch die gegenläufige Wicklung auf.
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Ein Humbuckers klingt gegenüber einem SC viel wärmer. Und so finden wir diesen bevorzugt bei der Gipson Les Paul. Die schrillen hohen Töne sind weniger, dafür aber der mittlere Frequenzbereich stärker. Bei je zwei Magnete mit Spulen hat man auch den doppelten Output, was sich positiv auf die tieferen Frequenzen auswirkt. Der Vorteil hat aber zugleich einen Nachteil: der Verstärker übersteuert sehr leicht, was zu unerwünschten Verzerrungen führen kann. Außer natürlich, man will diese Verzerrung als besonderes Stilelement haben. Dann ist sie natürlich wieder von Vorteil.

Wie ihr seht, kommt es auf den Sound an, den ihr haben wollt, ob ihr euch eher für einen SC oder für einen Humbucker entscheidet.

Ich wollte nochmal genauer nachschauen, warum SC oft schräg angebracht werden, und der erste Beitrag, auf den ich gestoßen bin, stammt von Chris73 aus unserem Forum, den ich euch ungekürzt wiedergebe, da ich es selbst eh nicht besser erklären könnte
chris73 hat geschrieben:Ja, das ist häufig der Fall (Anm.: schräge SC) bei einem Single-Coil an der Brücke. und das hat keine optischen Gründe, sondern wird wegen dem Sound gemacht. ein PU klingt einfach leicht unterschiedlich, je nachdem wo er den Sound abnimmt. ein und der selbe PU klingt am Hals anders als an der Brücke.
und mit dieser Schrägstellung will man eben auch erreichen, dass ein PU auf der Seite der Bass-Saiten ein etwas anderes Frequenzbild liefert als auf der Seite der hohen Saiten. meistens ist der PU dann so eingebaut, dass er auf der Bass-Saite etwas näher Richtung Hals ist. das soll den Bass-Saiten etwas mehr Wärme und Fülle geben, während die hohen Saiten etwas mehr Höhen abbekommen und so glasiger klingen.

Aus der Erklärung könnt ihr selbst rückschließen, dass bei mehreren Tonabnehmern diejenigen am Hals mehr für die tieferen Frequenzen und der am Steg mehr für die hohen Frequenzen zuständig ist. Der in der Mitte eben für die mittleren Frequenzen.

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Re: E-Gitarre Bauformen • Stratocaster • Les Pau • Telecaster • SG • u.a. Welche E-Gitarre soll ich mir kaufen?

von mjchael » 26.07.2017, 14:17

Noch ein lesenswerter Artikel zum Thema Klangholz:
http://www.kraushaar-gitarren.de/cms/tonholz.html

Und seit dem Washingtoner Artenschutzübereinkommens (CITES) finden sich immer mehr Lösungen für alternative Hölzer.
https://www.musikmedia.de/musikbranche/ ... verfahren/
http://www.deutschlandfunk.de/heimische ... _id=387373

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