Was ist eigentlich ein "Sound"?

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Don Lucio
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Was ist eigentlich ein "Sound"?

von Don Lucio » 14.01.2015, 12:52

Mein Problem ist dies (kennen vermutlich viele andere auch): Habe auf YT eine toll klingende Gitarrensequenz gehört, das möchte ich auch spielen. Die Tonfolge kann ich raushören, übertrage das in meine Gitarre und erlebe eine große Enttäuschung. Die Melodie / Riff ist richtig, aber der Sound fehlt.

In günstigen Fällen schreibt der Künstler auf YT etwas zu seinem Aufnahme-Setting, z.B. in meinem konkreten Fall "Habe einen Line 6 DL4 zwischen meine Gitarre und den Amp geschleift."

Wow, das ist es also, dachte ich, renne flugs in den Gitarrenladen meines Vertrauens und kaufe mir das Teil, zumal es im Netz überschwänglich gelobt wird, für seine Vielfalt an "Effekten" etc.

Enttäuschung, die zweite: Auch mit diesem Line-6 Effektgerät kriege ich den "Sound" des Originals auf Youtube nicht hin, nicht mal ansatzweise.

Nun plagen mich Zweifel, ob ich vielleicht etwas Grundsätzliches falsch verstanden habe:

Ein Effektgerät macht mitnichten einen bestimmten "Sound", sondern eben nur einen bestimmten Effekt. In meinem Fall des Line6 DL-4 sind es nur Delay-Effekte. Diese zwar in allen möglichen Variationen, aber für den eigentlichen Sound ist er nicht zuständig, jedenfalls nicht hauptsächlich.

Diesen spezifischen, tollen "Sound" macht wohl immer noch hauptsächlich der Amp, oder? Sehe ich das richtig? Das, was das Ohr letztlich hört, ist das Ergebnis aus Gitarre+Effekt+Amp (mit all seinen ebenfalls vielfältigen Einstellungsmöglichkeiten)? Hinzu kommt - was für mich als unbegabter Anfänger wohl am schlimmsten wiegt - wohl auch die Spielweise des Gitarristen.

Auslöser für meine Zweifel und Quelle meiner Verwirrung ist ein Youtube-Video Demo des Line6 DL-4.
Da werden alle 16 Grundeinstellungen des Geräts kurz angespielt. Aber ich vermute sehr stark, dass die teilweise sehr unterschiedlichen "Sounds" nicht nur das Ergebnis von Einstellungen am Line6 DL-4 sind, sondern dass da jeweils ganz verschiedene Amps bzw. Amp-Einstellungen eine Rolle spielen.

Solche Demos gibt es ja für fast alle Effekt-Geräte auf Youtube. Falls meine Vermutung zutrifft: Welchen Wert haben denn solche Demos als Hilfe bei der Kaufentscheidung bzw. Suche nach dem gewünschten "Sound"?

Danke für eure Stellungnahme.
Don Lucio.
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korgli
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von korgli » 14.01.2015, 13:03

Hi Lucio

Mit den Effekten ist das so ne Sache.
Am Sound sind viele Sachen beteiligt, nicht nur so ein Effektgerät.
Die ganze Kette sieht so aus.

- Mensch (Wissen)
- Fingerfertigkeit
- ev. Plektrum (hart, weich)
- Anschlagtechnik
- Saiten
- Tonabnhemer
- Gitarrentyp (Bauart, Holz usw)
- Einstellung welche Tonabnehmer
- Potentiometereinstellung (ist nicht zu vernachlässigen)
- Kabel (auch da gibt's Unterschiede
- Amp (welcher ? gibt's ne Menge)
- Ampeingang (high, low)
- Gaineinstellung des Amps
- Reglereinstellungen des Amps
- allenfalls eben das Effektgerät (wie eingeschlauft, in Serie oder in FX Kanal usw.
- dann eben die Effekteinstellung an sich (könnte man jetzt stundenlang drüber reden
- Lautsprecher
- Raum (wie ist es aufgenommen worden)
- Wiedergabe des Sounds (z.b. auf kleinen PC Speaker oder grosse PA)

All das und noch viel mehr trägt bei zu einem Sound.
klar - du willst mal in die Nähe kommen des Sounds.

Poste doch mal DAS YT - dann kann man mehr sagen, wie du dahin kommen könntest.

fredy

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Phuehue
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von Phuehue » 14.01.2015, 13:27

Du hast grundsätzlich alles schon richtig verstanden. Der "Gesamtsound" ist immer eine Kombination aller Elemente. Eine nicht abschliessende Ansammlung hat Korgli ja schon bereits benannt. Aber auch dennoch: Ein anderer Gitarrist wird auf meinem identischen Setting wohl immer noch ein wenig anders klingen. Das ist normal.

Jedoch gibt es schon so ein paar Hauptmerkmale, welche den Sound beeinflussen. so wird man auf einer Stratocaster nie wie eine ES335 klingen. Oder ein Vox AC30 wie ein Fender Twin. Meines Erachtens kann man deshalb schon grob unterteilen in Gitarre + Amp, dass den ersten Grundsound macht. Plus ein jeweiliges Effektgerät.

Doch das finden eines Sounds, der genau so wie eine Vorlage tönt, das ist je nachdem beinahe unmöglich, bzw. einer der grössten Märkte für Hersteller von Amps, Gitarren und Effektgeräten.
Einer der wohl am meistgesuchtesten Sounds überhaupt ist der typische SVR-Sound. Es gibt x-Foren, welche sich nur darum kümmern, im Detail jedes einzelne Stück Material, Gitarren, Saiten, Effekte Amps etc. zu analysieren, welche Stevie gespielt hat etc, und dennoch gibt es kaum ein Amateur-Gitarrist, der haargenau wie SVR klingt.

Du bist mit deiner Frage also einer der grössten Mysterien der E-Gitarre auf der Spur und nun wohl wie ich und Millionen anderer auch auf der Suche nach DEM oder SEINEM Sound :D

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Don Lucio
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von Don Lucio » 14.01.2015, 14:30

Hallo Fredy,
danke. Deine Aufzählung der am Zustandekommen eines "Sounds" beteiligten Komponenten geht ja über meine Vermutung weit hinaus. Also ich habe gelernt: Ein "Sound" ist weit mehr als ein Effekt.


korgli hat geschrieben:Poste doch mal DAS YT - dann kann man mehr sagen, wie du dahin kommen könntest.


Das mach ich gern - auf deine Verantwortung :-)
https://www.youtube.com/watch?v=leiriMSqodw

Relevant sind nur die ersten 2:20 Min (danach geht's um den Ebow, was ich wohl nie verstehen werde + und auch nicht Thema dieses Threads ist).

Insbesondere rätsele ich, wie ab 0:54 dieser rhytmische Sound erzeugt wird, OHNE dass die Schlaghand irgendwelche Saiten anrührt. Nur mit der linken Hand über die Bünde geflitzt ergibt diesen fülligen Sound??

Danke,
Don Lucio.
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Don Lucio
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von Don Lucio » 14.01.2015, 14:33

Phuehue hat geschrieben:Du bist mit deiner Frage also einer der grössten Mysterien der E-Gitarre auf der Spur


Das hast du schön gesagt ... das trifft mein momentanes Gefühl ziemlich genau ... :P

Gut, wenn man weiß, dass man am Anfang einer langen Reise steht und nicht kurz vor dem Ziel.

Danke,
Don Lucio.
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von korgli » 14.01.2015, 14:46

Hi
Leider kann ich bei der Arbeit nicht anhören.
Muss warten.

Naja - man kann schon mit der linken Hand alleine spielen.
Das kostet aber ne längere Zeit üben üben...
Oder eben delay-effekt oder ne Kombination.

Muss es aber erst anhören.

fredy

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von everyBlues » 14.01.2015, 15:00

Don Lucio hat geschrieben:,

Insbesondere rätsele ich, wie ab 0:54 dieser rhytmische Sound erzeugt wird, OHNE dass die Schlaghand irgendwelche Saiten anrührt.


HammerOn und PullOff technik. ;) (soweit ichs sehen konnte).
Und er hat Effekte drin, kenne mich mit den ganzen Effekten aber nicht so aus.

Zum Sound wurde ja schon alles gesagt. Ich bin schon vor sehr sehr langer Zeit davon abgekommen den Sound anderer... hm..zu kopieren. Es wurde ja schon gesagt das ein und derselbe Amp, Gitarre, setting sich bei zwei unterschiedlichen Gitarristen anders anhören kann. Und so ist das auch!
Viel macht die technik aus, der Anschlag, mit was und wie etc.

Besser ist es, so finde ich, seinen eigenen Ton zu finden.

Edit.:

Aso....... "E-Bow" versetzt die Saiten, durch ein Magnetfeld, in schwingung.

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von RollapS » 14.01.2015, 19:57

Zitat :
"Insbesondere rätsle ich, wie ab 0:54 dieser rhytmische Sound erzeugt wird, ..."

Googeln nach DittoX2 = Looper !
Von nix kommt nix !

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von korgli » 14.01.2015, 20:02

Hi jep angehört.
Looper triffts wohl.
Und alles mit viel Hall.

fredy

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von musicdevil » 14.01.2015, 22:40

Im Prinzip steht ja alles unter dem Video:

E-bow comes in at about 2:21 time.Guitar-Taylor Grand Auditorium 814 into an alesis reverb box through a Line 6 Digital delay box using the loop feature into a Genz-Benz Shenandoah 60 amp. in a small room so fairly decent sound came in to the video cam.

Also:
Gitarre: Taylor Grand Auditorium 814
Reverb/Hall: Alesis Reverb Box
Delay: Line 6 Digital Delay Box mit 14 Sekunden Loop-Möglichkeit
Amp: Genz-Benz Shenandoah 60 amp

Mit diesem Equipment entstand genau dieser Sound.
Achso...aufgenommen in nem kleinen Raum mit einer Videokamera (deren Mikrofon eventuell ja auch noch zum aufgenommenen Sound beiträgt)

PS: Mit "Sound" ist einfach "Klang" gemeint.
"Sound" ist englisch und heißt eben "Klang" oder "Ton".

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von Don Lucio » 14.01.2015, 23:34

Danke an alle für die vielen Tips.
Leider wurde noch nicht die Frage beantwortet, wie der Sound entsteht, OHNE mit der rechten Hand die Saiten zu schlagen (Stelle 0:54 in dem Video).

Ein Loop ist es wohl nicht, weil die linke Hand ja schon die Töne auf dem Griffbrett greift.

Gruß,
Don Lucio.
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von Hendock » 15.01.2015, 08:44

Don Lucio hat geschrieben:Leider wurde noch nicht die Frage beantwortet, wie der Sound entsteht, OHNE mit der rechten Hand die Saiten zu schlagen (Stelle 0:54 in dem Video).

Doch, wurde sie:

everyBlues hat geschrieben:HammerOn und PullOff technik. ;) (soweit ichs sehen konnte).

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von korgli » 15.01.2015, 09:55

Tja

Zum Thema Sound usw. möchte ich noch was dazu sagen.

Ich höre ab und zu sgen:
Ich spiele doch genau die Note, wende genau diese Technik an, habe genau die Gitarre, und genau den Amp.
Trotzdem tönt es nicht gleich.

Der Mensch (Spieler) steht zuallererst. Dort wird der Ton geformt.
Man kann den Menschen nicht kopieren und das ist gut so.

Manche checken das erst nach und nach.
Auch wenn man es Ihnen 100x sagt.
Aber kommt irgendwann schon.

deezyre
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von deezyre » 15.01.2015, 11:10

Hi,

ohne das Video gesehen zu haben und die SpielTECHNIK kommentieren zu können, und zusätzlich zu allen Punkten, die Korgli aufgeführt hat (obwohl ich das mit dem Tonholz nicht vertrete :D ) fehlt doch noch ein wichtiger Aspekt, der bei allen "Hörerlebnissen", sei's Youtube, CD's, Live-Konzerte, etc. eine Rolle spielt:

Mit WAS wurde der "Sound" aufgenommen und wie wurde er bearbeitet. Sogar ein ganz stupide mit einem Handy oder einer Videokamera aufgenommener Ton verändert diesen. Ganz zu schweigen, wenn man ein Stück beispielsweise mit Mikro vor'm Amp oder dem Schalloch (bei ner unverstärkten Akustik) abnimmt. Da kommen allein schon Faktoren wie "welches Mikro" oder "Position des Mikros" dazu und es geht weiter mit Mixer, DAW, Einstellungen, nachträgliche Effektem, Kompression usw.

Cheers,
Martin
Mit genug Schub fliegt alles..

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von korgli » 15.01.2015, 11:21

Hi
Der "Frager" wollte nur wissen wie die Töne zustandekommen.
Unsere Philosophien gehen schon etwas weiter.

Das mit dem Tonholz gehört eben auch dem "Weiter" an.
Ich denke manche hören die Unterschiede schon. Manche hören nicht mal ob es C oder D ist. :-)
Und manche glauben zu meinen, dass sie es hören, auch wenn sie unsicher sind :-)
Und manche haben es mal gehört, dass man es hören könnte :-)

So glaubt jeder eben sein Ding.
Wichtig ist auf jeden Fall dass es einem gefällt und man zufrieden damit ist.

Beim suchen, oder kopieren eines Klanges, wie man den kopieren könnte, ist eben viel Wissen gefragt. Man kann manches ja durchaus mit verschiedenen Mitteln herstellen.

So auch eben aus dem Thread.
Mittels Delay vom Hersteller X oder eben Y :-)
Oder eben auch mit Looper oder einem Backingtrack.
Oder Hammering Spielweisen gemischt mit anderem...
Manches ist nahe beieinander.
Und so haben wir immer Futter zum diskuttieren.

=)=)=

fredy

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