Akkorde in verschiedenen Lagen

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lostfear
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Akkorde in verschiedenen Lagen

Erstellt: von lostfear » 05.11.2014, 09:47

Guten Morgen zusammen,

Eine Sache, die ich bisher noch nicht so ganz verstehe ist, warum spielt man Akkorde die man relativ einfach in den ersten 3 Bünden greifen kann, auch häufig im höheren Lagen als Barre (z.B. Am im 5.)?
Ich mein, es gibt Situationen, in denen es durchaus Sinn macht, bsp. Hotel California, wo man vom F# zum G einfach einen Bund weiter rutscht, aber ich kenne viele Videos wo es m.M.n. keinen Sinn macht die ersten 3 Bünde zu verlassen. Ob ich ein G im 3. als Barre oder im 3. normal gegriffen spiele, spielt doch auch für den Gesang also die Tonhöhe keine Rolle, oder?
Könnte mich hier jemand mal diesbezüglich aufklären?

Grüße

Lostfear
Gelber Schnee is Bahh

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Counterfeit
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Erstellt: von Counterfeit » 05.11.2014, 11:20

kommt drauf an :D
Pauschal kann man das wohl nicht beantworten. Manchmal ist es vielleicht einfach bessere Spielbarkeit oder Gewohnheit. Oft ist es aber auch das "Voicing". Auch theoretisch die gleichen Töne klingen, klingen verschiedene Greifweisen von Akkorden einfach anders.

lostfear
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Erstellt: von lostfear » 05.11.2014, 12:10

Danke für die Antwort.
Also gibts wohl durchaus Situationen, bei dem man sein Spiel einfach nur optisch aufpimpen will. :lol:
Gelber Schnee is Bahh

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Phuehue
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Erstellt: von Phuehue » 05.11.2014, 12:45

Salut lostfear

Dass man sein Gitarrenspiel nur "optisch" etwas pimpen will, hat wohl nicht viel Sinn und ist - so wage ich zu behaupten - wohl in 99% aller Fälle nicht der Grund :D

Wie counterfeit schon richtig beschrieben hat: ein Am als offener Akkord klingt definitiv anders als ein Amoll auf dem 5 Bund. Oder auf dem siebten Bund über die oberen vier Saiten. Oder auf dem 5 Bund mit offenen Saiten etc... manchmal ist es halt tatsächlich auch nur die "Ergonomie". So greife ich auf der E-gitarre ein Amoll so gut wie nie als offener Akkord, sondern meist auf dem 5. Bund. Erlaubt mir viel mehr Optionen. ZB dass ich dem Bass mit Daumen spiele und so mehr Möglichkeiten habe, das ganze mit Riffs auszuschmücken etc.

Sogar identische Töne (gleiche Tonhöhe) variieren vom Klang leicht, wenn man sie an unterschiedlichen Stellen auf dem Griffbrett greift. :)

lostfear
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Erstellt: von lostfear » 05.11.2014, 13:01

Hallo,

das war natürlich etwas ironisch gemeint. Dennoch wage ich zu behaupten, dass es bei dem einen übrigen Prozent, dann doch was mit Show zu tun hat. :lol:

Aber mal ernsthaft, das klingt schon recht einleuchtend.

Danke!
Gelber Schnee is Bahh

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mjchael
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Erstellt: von mjchael » 05.11.2014, 18:34

Das Dämpfen der Akkorde kommt noch mit hinzu!

z.B.
D und A bei Summer of '96
http://de.wikibooks.org/wiki/Gitarre:_Schlagmuster_9000

Einige Rock`n`Roll-Klischees
http://de.wikibooks.org/wiki/Gitarre:_D ... kordformen

Man kann mit Barré-Akkorden schön über das Griffbrett sliden.
Z.B E (7. Bund unten) Eb (6. Bund unten) D (5. Bund unten) G (5. Bund oben)

Oder es ist wirklich einfacher:
Bad, Bad Leroy Brown (Jim Croce 1973)
http://www.gitarre-spielen-lernen.de/fo ... tml#237678

Was das Voicing angeht, so will man oftmals den tiefen Bass-Ton haben. Beim Wechsel-Schlag zwischen Bass- und Melodiesaiten ergibt der einfache Barré-Griff im Bass einen Powerchord, was sich oftmals besser anhört, und nicht so schrummelt, als wenn man den vollen Akkord hat.

vgl.
G = 320003 G H D ... ganzer Akkord (incl. Dur-Terz) im Bass
G = 355433 = G D G ... = Powerchord im Bass (ohne Dur-Terz)

Mit der E-Gitarre und viel Verzerrung schrummelt der Akkord nicht so im Bass.

Dann kann man Barrés auch einfacher Transopnieren.
Paradebeispiel:
Spicks And Specks (Bee Gees)
http://www.youtube.com/results?search_q ... s+Bee+Gees
Akkordfolge im Lied
G D Em Hm - C G C D7
paar Strophen weiter:
Ab Eb Fm Cm - Db Ab Bbm Eb7
Gegen Ende:
A E F#m C#m - D A Hm E7

Hier ist es einfacher die Pachelbel-Folge ausschließlich als Barré zu spielen, und wenn man die Akkordfolge mal in den Fingern hat, läuft die wie von selbst, und man muss sie nur jeweils einen Bund nach oben schieben.

Apropos Standard-Akkordfolgen:
http://de.wikibooks.org/wiki/Gitarre:_A ... gressionen

Wenn man mal eine Standard-Akkordfolge als Barré in den Fingern hat, so braucht man diese nur noch quer über das Griffbrett zu verschieben, und weiß dann genau was man zu spielen hat. Man braucht nur den Start-Bund, und der Rest läuft von selbst.

Ach ja, da gibt es noch die Sache mit dem Improvisieren:
Bei den 3-Noten-Pro-Saite-Skalen orientiert man sich meist an den Barré-Akkorden
http://de.wikibooks.org/wiki/Gitarre:_3 ... ing_Skalen

Ebenso bei der Pentatonik:
http://de.wikibooks.org/wiki/Gitarre:_P ... rundformen

Es gibt natürlich auch ganz dumme Gründe, wie Leute, die denken, die einfachen Grund-Akkorde seien keine "richtigen" Akkorde, sondern nur die Akkorde, bei denen einem die Finger weh tun, das sind die einzig richtigen... :lol:

Aber wie du siehst, gibt es einige gute Argumente für Barrés.
Aber wenn dir ein einfacher Akkord sinnfoller erscheint, spiele ihn.

Wenn ich jemand die Barré-Akkorde in einem Crash-Kurs an einem Wochenende beibringe (Gitarrenforumstreffen) dann spiele ich gerne
"California Dreaming" (The Mamas & The Papas) easy to play: (Am G) (F G) E4 E
5. 'Bund, 3. Bund 1. Bund 3. Bund und einfaches Esus4 E

Spielt sich nach ein paar Liedern wie von selbst.
http://de.wikibooks.org/wiki/Gitarre:_E ... ee-Akkorde

Wenn ich das gleiche Lied aber in Fingerstyle spiele, dann verwende ich meist einfache Akkorde:
http://www.youtube.com/watch?v=Tu78nxzY3uk
:D Na ja, nicht ganz auf dem Niveau, eher so:
http://www.youtube.com/watch?v=_lELKyZwlxc
und selbst das etwas abgespeckt )()(

Also Barrés, da wo es bequemer, einfacher, praktischer ist.
und bei den einfachen Akkorden genau so.

Immer wieder gerne zitiert zum Thema:
http://de.wikibooks.org/wiki/Gitarre:_R ... -Dur-Griff

Viel Spaß beim lesen.

Gruß Mjchael

lostfear
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Erstellt: von lostfear » 05.11.2014, 19:33

Vielen Dank @mjchael,

ich weiß deine Mühen hier echt zu schätzen und lese deine Beiträge immer gerne. Jedenfalls finde ich es nicht selbstverständlich, dass sich hier jemand Tag für Tag so eine Arbeit macht, um die Welt ein bisschen schlauer zu machen. :lol: Allein das Raussuchen der Links dürfte doch schon min. 15 Min. gedauert haben. Danke dafür.

Ich werde mich mal durch die Links arbeiten und meinen Horizont erweitern. Jedenfalls ist meine Frage erstmal beantwortet. :)

LG

Lostfear
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RollapS
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Erstellt: von RollapS » 05.11.2014, 20:27

Hallo,

zum Thema Barre-Akkorde "muss" ich auch meinen Senf dazu geben.
Vor vielen, vielen Jahren, als die Songs von Freddy Quinn in waren, bewunderte ich einen
Klassenkameraden, der so einen (simplen) Song auf der Gitarre begleiten konnte.

"Das ist doch ganz einfach !" meinte er. "Du brauchst nur einen Griff." Also: F-Barre ...
Finger sortieren, leichtes "Au!" ...Griff hochziehen auf den 6. Bund = Bb, dann
8. Bund = C usw.

Nach ein paar Tagen Übung klang es nicht mehr ganz so mickrig und die Finger gewöhnten
sich auch langsam an dieses "Vergnügen".
Wenig später kaufte ich mir ein Buch mit Gitarrengriffen. Es kamen also die anderen Barres dazu.

Ich bin froh, dass ich das Gitarrenspielen so gelernt habe. Heute weiß ich bis zum 12. Bund
auf jeder Saite jede Note. Bei vielen Barres hat man schon mal einen Finger frei und kann
etwas dazwischenfummeln.
Von nix kommt nix !

lostfear
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Erstellt: von lostfear » 06.11.2014, 09:15

Hallo,

auch dir Danke für deine Antwort. Es ist nicht so, dass ich mich davor verschließe, auch diese Akkorde zu lernen. Ich kenn von den meißten Standardakkorden auch die Griffe in höheren Lagen und nutze sie auch, wenn sie mein Spiel vereinfachen können. Manchmal ist es einfach sinnvoller und einacher einen Akkord als Barre zu spielen, wenn man den Griff halten kann und nur ein paar Bünde höher rutschen, oder den Fingersatz einfach nur in der Höhe etwas zu verschieben muss.

Mir ging es primär um Videos, wo jemand bsp. von einem Offenen C ein G Barre spielt, um dann wieder zum offenen C zurückzugehen. Und dies hab ich schon häufiger gesehen. Ich fand dies einfach unnötig kompliziert.

Gruß

Lostfear
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mjchael
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Erstellt: von mjchael » 06.11.2014, 14:34

Find ich auch unnötig. Ich denke mal, der hat nicht nachgedacht. und einfach aus dem Bauch heraus gespielt.

Beim Fingerpicking macht es manchmal Sinn. Habe vor ein paar Wochen festgestellt, dass man "Someone Like You" prima mit den Akkorden einfachen Akkorden G D/F# Em C spielen kann. Nur einmal brauche ich in der Melodie das hohe A (E-Saite 5. Bund). Da spiele ich gerne einen G als Barré, und nutze den kleinen Finger für das hohe A.
Gadd9 = 35x435

Wenn das Lied was du gehört hast, an der Stelle einen hohen Ton hat, könnte es ja durchaus möglich sein, dass er das Lied auch als Fingerpicking spielt.

Oder vielleicht hat der auch irgendeine 567-Spielerei wie beim Blues mit dabei, die dir bis jetzt bloß noch nicht aufgefallen ist.
http://de.wikibooks.org/wiki/Gitarre:_B ... Barr%C3%A9
Und wenn es nicht im Stück selbst drin ist, vielleicht hat er es vorher mal damit probiert, und der Barré ist von den 'Vorübungen noch hängen geblieben.
Ich hab da nämlich bei einer Handvoll Liedern einige ungewöhnliche Angewohnheiten, einfach, weil ich sie anfangs doof geübt habe. :lol:

Was das raussuchen der Links angeht:
Ich kenne meine Artikel. und weiß, wo ich die suchen muss. Vieles ist nur copy und past und ein paar Füllworte dazu.

Gruß Mjchael

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Erstellt: von lostfear » 06.11.2014, 15:52

Hi mjchael,

gut ich möchte mir natürlich nicht anmaßen zu sagen, dass es nicht an einem der genannten Gründe gelegen haben könnte. Es wird mit Sicherheit so sein, aber da muss man erstmal hinkommen, sowas zu erkennen. ;)

Nochmals Danke.

Ich spiele übrigens gerade, angestoßen von dieser Diskussion, dieses Lied:

http://www.youtube.com/watch?v=x45hljhmXQE

Ich weiß jetzt was ihr meint, das Lied wird durch die Barres definitiv viel spannender und abwechslungsreicher und macht mir auch weitaus mehr Spaß, als es nur in Standardakkorden zu spielen.

Gruß

Lostfear
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