Testbericht Blackstar ID:30

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howdy71
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Testbericht Blackstar ID:30

Erstellt: von howdy71 » 25.07.2013, 15:57

Ich hatte mir den Blackstar ID:30 gekauft, und es gab Anfragen nach einem Erfahrungsbericht!

Here you go:

In den letzten beiden Jahren habe ich zu Hause nur über einen Line6 POD HD 500 und angeschlossene Aktivboxen gespielt. Ich bin nach wie vor der Meinung, dass die POD HD Serie immer noch das beste Ampmodelling bietet. In der letzten Zeit habe ich allerdings verstärkt wieder Gitarrenamps ausprobiert und das Spielgefühl über einen Amp ist einfach anders als über ein Multieffektboard.

Das heißt, es musste wieder ein Amp her. Das Problem dabei, war das ich oft über einen Kopfhörer spielen muss, da meine Tochter im Nebenzimmer schläft. Eigentlich sollte es ein kleiner Röhrenamp werden, allerdings hatten die Objekte der Begierde entweder keinen Kopfhöreranschluss, und wenn einer da war, bzw ein Emulated Output, welcher über technischen Umwege mit einem Kopfhörer zusammenarbeitet, dann klangen diese Lösungen richtig übel. Wer schonmal den Blackstar HT-5, oder einen Amp der Tubemeister Serie von H&K über Kopfhörer gespielt hat, der wird wissen was ich meine.

Seit einiger Zeit gibt es die Blackstar ID Serie, welche Blackstar mit dem üblichen Marketing Bla Bla intensiv bewirbt. Streicht man die ganzen Werbeattribute wie „revolutionary“ usw mal weg, bleibt vor allem eines übrig, eine verdammt gut klingende Amp Serie (auch über Kopfhörer), welche sehr variabel ist, und tatsächlich nach Röhre klingt, aber im Grunde immer noch ein Modelling Amp ist.

Am Ende ist meine Wahl auf den Blackstar ID:30 gefallen, und den schauen wir uns jetzt mal näher an!

Gehäuse:
Robust, mit schwarzem Kunstleder überzogen, Plastikkappen an den Ecken und ein 12“ Zöller Lautsprecher.

Bedienpanel:
Logisch aufgebaut.

Neben dem Gitarreninput findet man einen Anschluss für einen Kopfhörer, sowie einen Line In / MP3 Eingang, beides als 3,5“ Klinke. Daneben gibt es den Voice Poti welcher von Clean Warm bis Overdrive2 verschiedene Zerrstufen anbietet, mehr dazu nachher. Daneben findet man den Gain und Volume Regler, gefolgt vom Equalizer (Bass, Treble, kein Poti für die Mitten!) und den Blackstar typischen ISF Poti um die Klangfärbung von amerikanisch zu britisch verändern zu können, und das sehr effektiv! Dann folgt das eigentliche Topfeature des Amps, der TVP Schalter. Blackstar hat hier ein Modelling eingebaut, welches erlaubt folgende Röhrentypen zu modellieren. Das wären EL84, 6V6, EL34, KT66, 6L6 und KT88.

Dann folgt die Effekte Sektion mit Modulationseffekten, Delays und Reverbs. Einen Tap Knopf, sowie einen Level Regler für die Effekte gibt es natürlich auch. Abschliessend gibt es noch den Input für den Fußschalter und den On/Off Switch.

Unterschiede zum nächst grösseren Modell (ID:60) sind, der EQ hat noch einen Regler für die Mitten, und einen Effektloop, welcher per Software aktiviert werden kann. Hier werden dann der Emulated Output und der Line In (6,3“ Klinke) zu einem Effektloop umgeschaltet. Der Emulated Output liefert beim ID:60 nur einen Line Level, was dann wieder für Probleme beim Anschluss eines Kopfhörers sorgen kann. Was auch der Grund war, warum ich mich für den ID:30 Entschieden habe.

Software:
Blackstar stellt eine Software zur Verfügung, welche es erlaubt die Einstellungen des Amps am Rechner vorzunehmen. Das User Interface für den Amp ist ähnlich aufgebaut wie die Anordnung der Potis, auch hat man hier die Möglichkeit die Mitten den Amps zu regeln. Die Effekte werden wie Effektpedale dargestellt. Die Einstellung eines Sounds ist auf diese Art und Weise sehr einfach. Auch lassen sich so die 128 Speicherplätze belegen. Die 128 Speicherplätze lassen sich nur mit einem optionalen Fußschalter abrufen. Tuner und PhaseTrainer (abspielen von MP3 Dateien in verschiedenen Geschwindigkeiten) sind auch in die Software integriert!

Über die Software wird auch direkt ein Firmware Update angeboten, sobald der Amp per USB mit dem Rechner verbunden wird.

Inbetriebnahme:
Bevor man den Amp richtigen nutzen kann, sollte man ihn aus dem Demo herausholen, welcher standardmäßig bei der Auslieferung aktiviert ist. Recht einfach -> beim Einschalten den Manual Knopf gedrückt halten, und der Amps geht aus dem Demo Mode raus. Dies muss nur einmal gemacht werden.

Zuerst habe ich die verschiedenen Pre-Sets, 12 an der Zahl, durchgespielt. Schon hier fällt auf, dass der Amp unheimlich gut klingt (natürlich alles sujektiv). Der Amp reagiert toll darauf, wie man die Saiten anschlägt und klingt einem Röhrenamp tatsächlich sehr ähnlich. Wenn hier einer im Blindtest zwischen dem Blackstar ID und einem Röhrenamp einen Unterschied feststellen kann, dann würde mich das wundern. Die von Blackstar immer hervorgehobene TVP Schaltung ist toll. Ein Druck auf diesen Knopf aktiviert das Modelling der verschiedenen Röhrentypen. Ohne die aktivierte TVP Schaltung klingt der Amp wie ein stinknormaler Transistoramp, mit aktivierter TVP Schaltung klingt der Amp komplett anders.

Das Modelling der unterschiedlichen Röhren färbt den Sound deutlich, wenn der Amp mit höherer Lautstärke betrieben wird, treten die Klangunterschiede auch deutlicher hervor. Im Zusammenspiel mit der ISF Schaltung, bietet der Blackstar Amp eine Vielzahl an tollen Sounds. Für die Heimanwendung sei gesagt, die 30 Watt Version ist laut, richtig laut. Wer seine Nachbarn vergrätzen will, der hat mit dem Amp das richtige Werkzeug an der Hand.

Die beiden Cleanen Voicings haben reichlich Headroom, auch die cleanen Einstellung können mit ordentlicher Lautstärke gespielt werden, ohne dass der Amp grossartig in die Zerre geht. Die Zerre geht erst im Crunch Voicing los. Toll wie der Amp hier auf das Spiel des Gitarristen reagiert. Mit der richtigen Auswahl der Röhrenmodulation bekommt man hier tolle Rock Songs der Marke AC/DC hin, ebenso für Blues ist dieses Voicing prädestiniert. Super Crunch schraubt den Zerrgrad etwas weiter nach oben 80er Jahre Metal und Hard Rock klappt hiermit wunderbar. Danach folgen die beiden Overdrive Voiching OD1 und OD2. Ab hier geht es in die High Gain Ecke. Für Black Metal Geschredder dürfte es etwas eng werden, aber wer sich im moderne Metal zu Hause fühlt, der wird hier seine Freude haben.

In der Software kann man für die beiden Overdrive Voicings ein Noise Gate einstellen. Warum das nur für diese beiden Voicings geht, weiss wohl nur Blackstar. Das Noisegate wäre mit Sicherheit auch für die Crunch Voicings gut zu gebrauchen gewesen. Allerdings ist das Noisegate auch nur sehr rudimentär einstellbar. Es gibt genau drei Stufen – on, middle, off. Wobei schon bei der mittleren Stufe einige Töne unschön abgewürgt werden. Ich hoffen, hier bessert Blackstar nochmal per Firmwareupdate nach! Andernfalls würde ich über ein externes Noisegate nachdenken.

Effekte: Die Effektsektion ist mit 4 Delays, 4 Reverbs und Chorus, Flanger, Chorus, Tremolo gut ausgestattet. Die Effekte klingen gut und sind auch direkt am Amp, oder über die Software einfach einzustellen.

Recording:
Ich bin nicht der größte Recordingweltmeister und nehme auch nur selten auf. Getestet habe ich das gestern Abend nur kurz. Da Output Level über den USB, wie auch über den emulated Output ist verdammt leise. Dieses Problem wird auch im offiziellen Blackstar Forum beschrieben. Hier muss ich noch mal genauer nachschauen, ob das eine Einstellungssache ist. Wenn nicht, sollte Blackstar hier auch noch per Firmware nachbessern.

Fazit:
Nachdem Schulnoten System würde ich dem Blackstar ID:30 eine 2 geben.
Der Amp klingt toll, er hat einen eigenen Sound, was man nicht von jedem Modellingamp sagen kann. Vielseitig ist er auch. Lediglich das seltsame Verhalten des Noisegates nervt (ich habe es ausgeschaltet) und das niedrige Output Volumen über USB und den emulated Output sind verbesserungswürdig!

Bei Fragen, einfach fragen!

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Chavez
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Erstellt: von Chavez » 25.07.2013, 18:04

Ich hatte auch ein Auge auf einen Amp der ID-Serie geworfen.
Danke schön für deinen ausführlichen Bericht. Deine Aussagen haben mich noch mehr bekräftigt den ID-15 und/oder ID-30 selbst anzutesten und vermutlich auch zu kaufen.

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howdy71
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Erstellt: von howdy71 » 25.07.2013, 19:59

Gern geschehen!

Anspielen lohnt sich auf jeden Fall. Klingt toll!

Die angesprochenen Mängel (Noise Gate), geringer Level über USB fürs Recording sind für mich nicht ausschlaggebend. Sollten aber erwähnt werden!

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Donnerland
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Erstellt: von Donnerland » 25.07.2013, 21:13

Danke für das Review! Den Amp hatte ich auch schon in Betracht gezogen!

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Erstellt: von Chavez » 26.07.2013, 08:48

Diese Mängel stören mich auch nicht sonderlich.
Für das schlappe Noisegate hätte ich mit dem V-Amp vielleicht eine externe Lösung hier. Könnte ich dann ausprobieren sollte ich einen kaufen. Und mit Recording beschäftige ich mich noch nicht.
Vielleicht bessert Blackstar ja noch nach.

sklischat
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Erstellt: von sklischat » 01.08.2013, 09:47

Der niedrige Line-in-Level stört mich auch ein bisschen. Scheint ja offensichtlich konstruktionsbedingt zu sein. Ich dachte schon, ich hab da was falsch eingestellt. Wenn man den Volume-Regler (2. von links) runterdreht, kann man das Signal etwas anpassen. Aber dann klingt es natürlich anders, weil mit dem Volume-Regler ja die Sättigung/Kompression geregelt wird.

Allerdings funktioniert die Audio-Sektion bei mir nicht. Das virtuelle Band läuft zwar, aber man hört nichts über den Verstärker. Kann es sein, dass man das nur über den PC/Laptop hören kann?

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Motastic
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Erstellt: von Motastic » 01.08.2013, 10:16

Hey Howdy, ist der Amp laut genug für einen kleinen Gig wenn der über ein Mikro abgenommen wird? Wie kommst du mit dem Pedal klar?

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howdy71
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Erstellt: von howdy71 » 01.08.2013, 10:43

Das Pedal habe ich noch nicht! Muss ich mir noch kaufen.

Der Amp ist laut genug, mit Mikro Abnahme kein Problem.

@sklischat: Ich weiss jetzt grade nicht was du meinst?!

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Erstellt: von Motastic » 01.08.2013, 10:58

Danke, ich werd heute mal in den Laden fahren und mich weitläufig beraten lassen :D

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Erstellt: von sklischat » 01.08.2013, 12:32

Hallo Howdy,

ich versuch mal, es zu erklären: Ich starte die Insider-Software und möchte einen Jamtrack über den Audioreiter starten. Ich kann eine Datei in den virtuellen Kassettenspieler legen und starten. Das "Band" läuft, aber man hört keinen Ton aus dem Verstärker.

Gruß Stefan

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howdy71
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Erstellt: von howdy71 » 01.08.2013, 12:37

Ah OK, jetzt verstanden.! Checke ich heute abend mal!

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Erstellt: von Motastic » 01.08.2013, 13:54

Hab nun auch den 30er. Überraschend schwer zu tragen :D

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howdy71
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Erstellt: von howdy71 » 06.08.2013, 15:46

@ Sklischat: Ich habe das Abspielen der Audiodateien ausprobiert. Du musst im Einstellungsmenü USB into Power Amp aktivieren!

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Samhain
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Erstellt: von Samhain » 07.08.2013, 06:33

Motastic hat geschrieben:Hab nun auch den 30er. Überraschend schwer zu tragen :D


wie wäre es mit Rollen drunter schrauben? ;)
greetz
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Erstellt: von Motastic » 07.08.2013, 09:05

Oh ja, das wär sicher notwendig.

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howdy71
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Erstellt: von howdy71 » 07.08.2013, 10:01

Findest Du den ID30 echt so schwer?

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Erstellt: von Motastic » 07.08.2013, 10:26

</sarcasm> :D

Beim ersten tragen überraschend schwer für ein 30W Transen Amp, durch die geschlossene Rückseite aber verständlich.

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Erstellt: von Motastic » 15.08.2013, 10:21

howdy du musst dir unbedingt das FS-10 Pedal zulegen! Geniales Ding mit dem Amp!

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howdy71
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Erstellt: von howdy71 » 15.08.2013, 10:24

Meine Frau schenkt es mir zum Geburtstag, und der ist nächste Woche!

Raji
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Re: Testbericht Blackstar ID:30

Erstellt: von Raji » 21.01.2016, 17:19

Hi
Ich würde mir gerne den ID60 Kaufen, allein schon zwecks dem Mitten Regler und den FX Loop.
Jetzt ist aber die Frage, weil ich die Kiste auch zum Recorden nehmen möchte.
Ist das Problem mit dem leisen Output über USB behoben oder gibt es da schon Infos warum das so war ?.

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