Saiten schneiden in die Löcher der Bridge-Pins

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Don Lucio
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Saiten schneiden in die Löcher der Bridge-Pins

Erstellt: von Don Lucio » 30.06.2013, 13:46

Es geht um meine Fender Sonora SCE Thinline, mit € 280,00 keine ganz billige Gitarre. Ich habe beim Saitenwechseln jetzt etwas festgestellt, wo ich mich frage, ob das nicht ein ganz eklatanter Qualitätsmangel ist:

Die Saiten werden am unteren Ende mit sogen. Bridge-Pins, so speziellen weißen Stiften, in dafür vorgesehenen Löchern in der Brücke festgehalten.

Zum Saitenwechseln mußte ich nun diese Pins herausziehen und da bot sich mir ein - wie ich finde - erschreckendes Bild: Die Löcher in der Brücke zeigten tiefe Einschnitte von der Saite, in der Richtung, wo die Saite über den Steg gezogen wird.

Ich nehme mal an, dass im Neuzustand diese Löcher "gesund" sind, also rund und ohne Einschnitte von der Saite.

Meine Frage an die Gitarren-Experten: Handelt sich bei meiner Fender um ein Billig-Merkmal oder ist es normal, dass im Laufe der Gitarrenbenutzung sich die Saiten in die Löcherwände derart einschneiden?
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BridgePinHoles.jpg
Das Bild zeigt die freigelegten Pin-Löcher der e- und h-Saite. Die Einschnitte links sind deutlich zu sehen.
BridgePinHoles.jpg (126.21 KiB) 889 mal betrachtet
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hnz
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Erstellt: von hnz » 30.06.2013, 13:51

Für mich höchstens ein Konstruktionsmangel aber kein Hinweis auf schlechte Materialien.
Der Saitenzug verteilt auf so wenig Fläche bringt wohl jedes Holz an seine Grenzen.

hnz

balise
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Erstellt: von balise » 30.06.2013, 16:53

Völlig normal. Sei froh, dass da keiner kleine Messinghülsen o.ä. reingemacht hat und dadurch der Ton vielleicht mehr Richtung Metal geht......

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Don Lucio
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Erstellt: von Don Lucio » 30.06.2013, 17:25

balise hat geschrieben:Völlig normal. Sei froh, dass da keiner kleine Messinghülsen o.ä. reingemacht hat und dadurch der Ton vielleicht mehr Richtung Metal geht......


Oh ... kannst du Gedanken lesen? Genau das hatte ich vor: kleine Randverstärker aus dünnem Blech anbringen.

Keine gute Idee?
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Don Lucio
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Erstellt: von Don Lucio » 30.06.2013, 17:35

hnz hat geschrieben:Der Saitenzug verteilt auf so wenig Fläche bringt wohl jedes Holz an seine Grenzen.


Jedes nicht. Überraschenderweise habe ich ähnliche Einschnitte ins Brückenholz nicht bei meiner Supermarkt-Gitarre (Marke Axmann, gekauft als meine erste Gitarre im Nov. 2011 bei Lidl, für 79,00 €).

Und ebenso überraschenderweise habe ich ähnliche Einschnitte (eher sogar noch etwas tiefer) bei meiner bisher teuersten Gitarre, einer Crafter für 500,00 €.

Rein empirisch über diese drei Gitarren kann ich also feststellen:

Je teurer die Gitarre, desto tiefer die Einschnitte. Muß ich daraus vielleicht schließen, dass das Gegenteil der Fall ist: Einschnitte sind kein Qualitätsmangel sondern zeichnen höherwertige Gitarren sogar aus?

Fragen über Fragen ...
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musicdevil
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Erstellt: von musicdevil » 01.07.2013, 00:09


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korgli
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Erstellt: von korgli » 01.07.2013, 10:28

Hi

Völlig normal.
Sehr normal.
Nicht bedenklich.

Jep - je teurer die Gitarre, desto grösser die Einschnitte
(Achtung reiner Sarkasmus ! )
Darum sind alte teure Gitarren mit Schrammen und Hicks übersäht.
Manche zahlen erst DANN Höchstpreise. =)=)=

fredy

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Don Lucio
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Erstellt: von Don Lucio » 01.07.2013, 11:45

musicdevil hat geschrieben:Lies mal hier:
http://www.gitarre-spielen-lernen.de/fo ... +schneiden


Danke.
Ja, das sagt alles. Sorry, dass ich diesen Thread nicht selber gefunden habe.

Fazit:
Es scheint unter Fachleuten umstritten, ob diese "Kerben" (aka Einschnitte) ein Produktmangel sind, die zur sofortigen Reklamation berechtigen oder ob es sich dabei um ein als "ramping" bezeichnetes Verfahren handelt, das der Hersteller bewußt anwendet, um die Saiten nicht zu stark abzuknicken.

Ich persönlich habe beschlossen, mich der "ramping"-Theorie anzuschließen.

Und entschuldige mich bei meiner Fender Sonoran, die ich schon so übel beschimpft habe ... :)

Danke an alle.
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phunky
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Erstellt: von phunky » 01.07.2013, 12:13

Es scheint unter Fachleuten umstritten, ob diese "Kerben" (aka Einschnitte) ein Produktmangel sind, die zur sofortigen Reklamation berechtigen


Die Reklamierer möchte ich dann sehen. Ob die bei all der Reklamiererei dann wohl zwischendurch auch mal zum Spielen kommen? Das ist nämlich vollkommen normal.

Entweder

oder ob es sich dabei um ein als "ramping" bezeichnetes Verfahren handelt, das der Hersteller bewußt anwendet, um die Saiten nicht zu stark abzuknicken.


oder der Draht "sucht" sich seinen Weg durch das Holz. Wenn das ausgerechnet bei deiner billigsten Gitarre nicht der Fall ist, dann wahrscheinlich, weil das gar kein richtiges Holz ist, sondern irgendeine gebackene Pampe. Vermute ich zumindest.

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Counterfeit
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Erstellt: von Counterfeit » 01.07.2013, 12:20

also ich hab diese Kerben auch und mir deswegen eigentlich nie Gedanken gemacht. Ist doch auch irgendwie klar, dass sich schwingendes Metal (die Saiten) irgendwie im Holz bemerkbar machen. Ich weiß nicht ob die bei mir ab Werk schon waren. Ich sehe es jedenfalls nicht als problematisch.

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Funplayer99
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Erstellt: von Funplayer99 » 01.07.2013, 13:58

Diese Kerben sind absolut unproblmatisch und normal und kein Umtauschgrund.Abdrücke von Saiten hat man bei jeder Westerngitarre...mal mehr und mal weniger.
Wenn der letzte Club geschlossen und der letzte Künstler abgetreten ist wirst du erkennen, dass man geile Atmosphäre nicht downloaden kann.

Die 99 in meinem Nick ist nicht mein Geburtsjahr!

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Don Lucio
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Erstellt: von Don Lucio » 01.07.2013, 15:50

Counterfeit hat geschrieben:also ich hab diese Kerben auch und mir deswegen eigentlich nie Gedanken gemacht. Ist doch auch irgendwie klar, dass sich schwingendes Metal (die Saiten) irgendwie im Holz bemerkbar machen.


Obgleich ich inzwischen auch überzeugt bin, dass es sich nicht um einen Produktmangel handelt, denke ich aber, so ganz unproblematisch ist die Sache nicht. Jedenfalls dann nicht, wenn die Kerben nicht schon herstellerseitig angebracht wurden.

Wenn die sich nämlich im Laufe des Spielens langsam aber stetig in das Holz eingraben, führt das zu einer ständigen Absenkung der Töne, weil die Saitenspannung entsprechend nachläßt. Man muß also ständig (in der ersten Zeit) nachstimmen und das das führt dann zu Unmut und negativen Bewertungen über die "schlechte Stimmhaltigkeit".

Deswegen glaube ich auch, dass die (besseren) Hersteller diese Kerben bereits bauseitig vorsehen. Wurde hier im Forum ja auch schon von anderer Seite vermutet.

phunky hat geschrieben:Wenn das ausgerechnet bei deiner billigsten Gitarre nicht der Fall ist, dann wahrscheinlich, weil das gar kein richtiges Holz ist, sondern irgendeine gebackene Pampe.


Ja, das ist wohl genau der Fall. Ich hab mir das jetzt mal genauer angeschaut: SIeht sehr nach irgendeinem Kunstoff aus.
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Erstellt: von Counterfeit » 01.07.2013, 16:05

also das "Eingraben" wird wohl nicht in der Geschwindigkeit stattfinden, dass man von einem ständigen Nachstimmen ausgehen muss ;)

Paul Fabulous
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Erstellt: von Paul Fabulous » 01.07.2013, 16:10

Hm, ist das keine (Holz)- Maserung an deiner Brücke? :shock:


Wie ist denn die Saitenlage (Bespielbarkeit) der Gitarre?


Vielleicht rührt das stärkere Einschneiden auch von einer besonders tiefen, bequemen Saitenlage her; diese wird nämlich durch die Höhe der weissen Stegeinlage bestimmt.


Ich denke aber auch, dass es unbedenklich ist.


Vielleicht kannst du ja bei Gelegenheit in eine höhere Stegeinlage (ist nicht teuer) investieren. :D

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Erstellt: von Don Lucio » 02.07.2013, 00:34

Paul Fabulous hat geschrieben:Vielleicht rührt das stärkere Einschneiden auch von einer besonders tiefen, bequemen Saitenlage her;


Nein, das wäre zwar eine logische Annahme, bei meiner Fender Sonoran ist aber genau das Gegenteil der Fall. Die Saitenlage war viel zu hoch. Das war auch der Grund für mich, überhaupt den Steg mal rauszunehmen, wodurch ich erst diese "Einschnitte" zu Gesicht bekam.

Aber, um es noch mal abschließend zu sagen: Diese Kerben sind nicht normal im Sinne von "normaler Verschleiß", sondern sie sind absichtsvolles Konstruktionsmerkmal, genannt "ramping",das habe ich inzwischen als ziemlich "endgültige Wahrheit" erkannt. Siehe auch diesen Artikel (ganz nach unten gehen, unter der Überschrift "Tweak"):

http://www.fretnotguitarrepair.com/repa ... saddle.php

In einem anderen Thread wurde dies übrigens auch schon von Forumsmitglied pflvb so gesagt. Und er hat recht.
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