Skalen auswendig lernen

Skalen, Tonleiter, Pentatonik, uvm.
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von Horszt
#320627
Macht es Sinn alle Skalen (Penta auf jedenfall, aber Mixo, Phryg, Octo ) auswendig zu lernen oder sollte man einfach im Jammen lernen quasi ? Ich hoffe, ihr versteht was ich meine ... Ich habe die berechtigte Angst, dass wenn ich die nun auswendig lerne nur noch aufs Griffbrett achte anstatt auf das Gefühl und hinzuhören ...

Danke im Voraus,

Horshzt
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von mjchael
#320638
Jede Skala zu lernen ist unsinn.

12 Töne, über die man je 7 Kirchentonarten darüber hinaus noch 2 Molltonarten (harmonisch und melodisch) 3 weitere mixolydische Varianten (Mixo11# + Mixo 9b + Mixo13b) , 3 Pentatonikarten (Dur, Moll, Blues) + Bluestonleiter (incl. Blue-Notes)

um nur mal ein paar wichtige genannt zu haben.

Das sind 12 * (7 + 2 + 3 + 2 + 1) = 12 + 15 = 180 Skalen, die jede noch mal in 5 verschiedenen Lagen gespielt werden kann = 900 Skalen.

Alle Zwischenformen, exotische Skalen (noch 4 oder 5 weitere hebräische Skalen die auf der harmonischen Molltonleiter aufbauen, die Ungarische, Zigeuner...) , Hybrid-Skalen, und was es sonst noch alles gibt, habe ich gar nicht mit eingerechnet. Aber man ist da ganz schnell bei weit über 1000 und mehr Skalen.

Aber wie hast du es bisher gemacht?

Kannst du schon alle (und ich meine wirklich alle) Akkorde und Akkordvariationen?

Nein, du lernst die wichtigsten Akkorde, die du am häufigsten brauchst.
Einige Akkorde leitet man einfach von den Grundakkorden ab (G - G7)
Einige Akkorde leitet man von Dur und Moll ab (E Em)
viele sus2, sus4, add2, add4, 7er, j7er etc. Akkorde leitet man von einem Grundakkord ab, bei dem man einfach einen Finger mehr drauf-, oder wegtut.
Viele Barré-Akkorde werden doch nur hin und her geschoben. Und du nutzt auch nicht alle möglichen Akkordformen in allen Tonleitern, sondern du nimmst nur die, die gerade praktisch sind. (vgl. Hm im 2. Bund = x24432 und Hm im 7. Bund = 799777)
Das sind die beiden praktischsten Formen. Aber es gibt noch einige mehr. Teilweise mit leeren Saiten, etc.

Nicht viel anders läuft es mit den Skalen.
Viele Tonarten brauchst du gar nicht, oder äußerst selten.
Dann fängst du erst mal an, alles in den gängigen Tonarten
C Am und G Em zu lernen
und für den Blues E und A

Ich habe oben alleine schon von 4 mixolydische Skalen ( Mixolydisch, Mixo11# + Mixo 9b + Mixo13b) gesprochen.
Wenn du nicht weißt, wann, und warum du die Skalen verwendest, dann bringt es auch nichts, wenn du weißt, wie sie gespielt werden, und wie sie heißen. Du kannst letztlich nicht viel damit anfangen.

Wenn du ein paar Grundlagen hast, wie Akkordfunktionen (Tonika, Subdominante, Dominante) und den Kirchentonarten, und wie die Sachen miteinander zusammenhängen, dann erschließt sich dir vieles von selbst.

Du lernst irgendwann, dass Dur7-Akkorde meist bei der Dominante, oder einer Zwischendominante vorkommen, oder bei einer Moll-Dominante.
Oder beim Blues oder Rock über alle Akkorde.

Dur7, normale Dominante = Mixolydisch
In C-Dur wäre das der G7-Akkord, über den man Mixolydisch spielt.

Tonika als Zwischendominante, die zur Subdominante weiterleitet = Mixolydisch
Immer noch in C-Dur, wird das C zum C7 und leitet zum F-Dur-Akkord weiter.

Subdominante als Dur-7-Akkord (bei Bues und Rock) = Mixo11#
Die Subdominante behält die übermäßige (lydische) Quarte (4#) Die Oktave von 4# ist 11#, also der selbe Notenname.
In C-Dur wird der F-Dur wird als F7 gespielt, behält aber bei der Improvisation den Ton H von der C-Dur-Tonleiter bei. Und von F nach H ist eben die übermäßige Quarte (4#) bzw. die lydische Quarte.

In Am leitet der E7-Akkord zurück zum Am. Über den E7 wird im harmonischen Moll Mixo9b gespielt.
Der phrygische Halbtonschritt vom E zum F bleibt trotz des mixolydischen erhalten. Das ist ein kleiner Sekunden-Abstand (2b) bzw. die Oktave davon 9b (also Mixo9b)

Wenn du mal das Prinzip der Mixolydischen Skala verstanden hast (alles hängt von der kleinen Septime ab bzw. der Ton der für den Dur7-Akkord verantwortlich ist.)
Aber bei den Zwischendominanten behalten die Akkorde noch eine gewisse Eigenheit bei, die sie ohne die Septime (7) sowieso gehabt hätten.

Also du musst nicht alle Skalen auswendig kennen, aber du solltest wissen, wie und warum sich bestimmte Skalen so und nicht anders aufbauen. Und bestimmte Skalen machen bei bestimmten Musikrichtungen Sinn. Die ganzen Mixolydischen Varianten verwendet man, wenn man aus allen Akkorden Dur7-Akkorde macht. Und das macht man haußtsächlich beim Blues und bei vielen Rockstücken. Und da lernt man dann die entsprechenden Varianten.

Einiges spielst du nach, und analysierst, was da eigentlich passiert. Und das meiste kannst du auf wenige Grundformen zurückführen.

Beispiel: Meine Antwort auf ein Übungsstück von Siggi-Mertens
ftopic28315.html#320514

Sobald da ein Aha-Effekt kommt, bastelst du an der Baustelle weiter.
Und du eroberst dir eine Sache nach der andern.

Skalen lernst du, wenn du sie brauchst. Ich finde Skalenbücher, die einem eigentlich nicht genau erklären, wozu man die Sachen eigentlich braucht, oder nur alles mit einem ominösen Bauchgefühl erklären, einfach furchtbar.
Lieber ein paar handfeste Regeln, und die konkret auf bestimmte (und wenn es geht einfache) Musikstücke angewandt, und dann stellt sich auch bald ein Bauchgefühl ein, bei dem man mit den Grundlagen experimentiert.

Wie beim Kochen. Man lernt ein paar grundlegende Rezepte, einiges Kocht man nach, anderes experimentiert man, wieder anderes variiert man.

Mal grob lernen, wie das Prinzip ist, und mal ansatzweise herausfinden (hören), wofür man so ein Zeugs eigentlich braucht. Und wirklich lernen muss man nur eine Handvoll Skalen. Der Rest wird abgeleitet.

Die Feinheiten lernt man mit den Stücken, die man spielt.

Also die Skalen lernst du wie die Akkorde. Schrittweise. Fängst mit den wichtigsten Tonarten, und den Grundskalen an, und dann lernst du nach und nach weitere.

Gruß Mjchael
Benutzeravatar
von Beastmaster
#320926
Meiner Meinung nach ist folgendes Sinnvoll. Obwohl Michael was ähnliches meinte:

Du lernst die Grundsysteme: Dur/Moll - System und Pentatonisches (oder auch nur eines)

Für andere Skalen merkst du dir nur noch die 1 - 2 Töne die sich verändern.
(bzw du leitest Sie aus dem Namen ab)

Beispiel:Mixo #11
Code: Alles auswählen
Mixolydische Skale: G A B C  D E F
Mixo#11             G A B C# D E F
lieber zusätzlich arpeggios lernen

Beastmaster
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