[Workshop] Akkorde heraushören

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mjchael
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[Workshop] Akkorde heraushören

von mjchael » 26.10.2012, 11:57

In diesem Workshop beschreibe ich euch mal, wie ich üblicherweise Akkorde eines halbwegs einfachen Liedes heraushöre. Also Lieder, die man üblicherweise in Liederbüchern findet, wie beispielsweise "das Ding Band 1-3". Lieder, die mit gewöhnlichen Dur- und Moll-Akkorden begleitet werden (egal ob mit oder ohne Barré-Akkorde).

Ich gehe also davon aus, dass es sich nicht gerade um ein schweres Jazz-Stück oder so was handelt, sondern eher um einfaches Pop- oder Rocklied.

Ich rechne nicht damit, dass du dich gut in Musiklehre auskennst, erwarte aber, dass du wenigstens eine Grundlegende Ahnung von Akkorden und Tonleiter hast, und dass du schon ein paar Lieder in deinem Repertoire hast. Und ich gehe einfach mal davon aus, dass du Barré-Akkorde lieber meidest. Daher werde ich dich ab und zu auf andere Artikel verweisen, wo du dein Wissen vertiefen kannst.

ps.: Ihr dürft euch bei Ute bedanken (weiß gar nicht ob sie hier angemeldet ist, und einen richtigen Nic-Namen hat)
Sie hatte mich per E-Mail nach Akkorden gefragt, und ich wollte sie nicht mit einer unserer Standard-Antworten Abspeisen.
Beachte folgenden Artikel: Keine allgemeine Fragen per PN stellen!

So hab ich den Stups bekommen, doch mal wieder einen Workshop zu machen :lol:

Ich habe vor, euch regelmäßig bei Akkordanfragen wieder mit der Nase auf diesen Workshop zu stoßen. ;)

ps.: Der Workshop liest sich sehr lang, lässt dadurch aber keine Fragen offen.
Vieles ist immer reine Wiederholung. Du wirst sehen, dass es lange nicht so schwer ist, wie du jetzt noch glaubst.

Achtung: Wenn du noch keine Ahnung von Harmonielehre oder so was hast, mache langsam und nimm dir nur eine Lektion nach der andern vor. Sobald es dir zu viel wird, mach eine Pause.

[Workshop] Akkorde heraushören
Lektion 1: Suche nach Tabs im Netz
Lektion 2: Probiere mal alle einfachen Akkorde aus
Lektion 3: Grenze die Tonart ein
Lektion 4: Grenze die Akkorde ein
Lektion 5: Vereinfache die Tonart
Lektion 6: Bestimme die Akkorde
Lektion 7: Rechne die Originaltonart aus und finde evtl. eine geeignetere Tonart.
Lektion 8: Tipps im Umgang mit Tonarten
Lektion 9: Lerne Standard-Akkordkombinationen
Lektion 10: Letzte Tipps
Lektion 11: Akkorde haben Charakter
Lektion 12: Achte auf die Töne
Zuletzt geändert von mjchael am 10.03.2013, 20:07, insgesamt 10-mal geändert.

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von mjchael » 26.10.2012, 12:28

Lektion 1
Suche nach Tabs im Netz


Wenn du diesen Artikel hier lesen kannst, dann kann ich wohl davon ausgehen, dass du ein Internetzugang hast.

Also gebe den Titel des Liedes und den Interpreten in die Suche (Google oder ähnliches) ein.

___)) Ich hab da mal "kirsti ein student aus uppsala tab" für dich gegoogelt...
(Das war die tatsächliche Anfrage von Ute!)

Meist hat man Glück damit. Aber bei diesem Beispiel mal ausnahmsweise nicht.
Wenigstens habe ich den Text gefunden.

Na, dann schaue ich mal bei Youtube nach, ob es vielleicht eine Live-Aufnahme oder ein Cover von dem Lied gibt, und ich vielleicht dem Gitarrenspieler auf die Finger sehen kann.

Das Original hilft mir um auf die Finger zu schauen nicht viel weiter.


Hier sehe ich wenigstens, dass die Studenten hier mit dem Akkord G-Dur anfangen.
(edit: Video nicht mehr vorhanden - daher nur noch die Youtube-Suche)
https://www.youtube.com/results?search_query=Ein+Student+aus+Uppsala
Aber man sieht halt nicht alle Akkorde. Uns so wirklich gut kann man die Akkord da nicht raushören, und ob die alles so richtig spielen ist auch nicht so sicher.
Na ja, viel hat es nicht geholfen, aber einen Versuch war es wenigstens wert.

Manchmal hilft mir die Homepage vom Midi- und Karaokeplayer vanBasco weiter
http://www.vanbasco.com/search.html.en? ... perpage=10

Bei diesem Lied hab ich leider keinen Erfolg gehabt.

Hätte ich aber Erfolg damit gehabt, dann hätte ich das Tempo des Midis mit dem VanBasco-Player so langsam schalten können, dass ich die einzelnen Noten am Klavier des Gerätes hätte ablesen können. Zur Not hätte ich das Midi auch ein paar Halbtonschritte höher oder tiefer stellen können, um eine gefälligere Tonart zu bekommen. Ein paar Grundlegende Kenntnisse über die Klaviertastatur sind schon hilfreich.

Bei dem Lied "Ein Student aus Upsalla" haben wir jetzt keinen wirklichen Erfolg damit. Und es gibt auch kein Tab dazu.
Die Coverversion mit den Studenten hat uns wenigstens gezeigt, dass sie das Lied mit dem G-Dur-Akkord angefangen haben, aber die anderen Akkorde erkennt man nicht.

Für die folgenden Lektionen gehe ich einfach mal davon aus, dass wir überhaupt keine Hilfe gefunden haben.
Zuletzt geändert von mjchael am 29.10.2012, 16:51, insgesamt 3-mal geändert.

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von mjchael » 26.10.2012, 12:56

Lektion 2
Probiere mal alle einfachen Akkorde aus

Das erste, was man ausprobiert, sind alle einfachen Akkorde.

Als einfache Akkorde sehe ich die Akkorde an, die man im Lagerfeuerdiplomund im Folkdiplomlernt.

Merke dir dazu einfach mal folgenden Merksatz:

Fähige Clevere Gitarristen Denken An Einen Barré

Dann habe ich alle Akkorde beisammen, die ich zu den einfachen Grundakkorden zähle.
F C G D A E B

D-, A- und E-Dur gibt es auch in der Moll-Form
F C G D(m) A(m) E(m) B

Und für das englische B spielen wir den H7
F C G D(m) A(m) E(m) H7

Jetzt lässt man das Stück abspielen, und man probiert einfach die Akkorde aus, und schaut nach, ob es passen konnte. Das deine Gitarre richtig gestimmt sein muss, versteht sich hoffentlich von selbst.

E-Dur ? ? ? Irgendwie, aber nicht ganz. Es ist leicht daneben.
G-Dur ? ? ? Passt gar nicht
D-Dur ? ? ? geht ebenfalls nicht
C-Dur passt manchmal ! ! !
F-Dur passt am Anfang ! ! !

Der Merksatz von oben hilft uns bei der Suche der Akkorde weiter. Wenn wir einen Akkord gefunden haben, dann stehen die anderen Akkorde meist gleich in der Nachbarschaft.

Sollte mal gar kein Akkord passen, dann nimm dir ein Capo zur Hilfe, und setze es in den ersten Bund. Du musst dann später etwas herumrechnen, aber du hast dann mehr Treffer bei Kreuz- und B-Tonarten (Lieder bei denen normalerweise unmengen von Barré-Akkorden gespielt werden müssten.). Siehe dazu weiter unten: Tipps im Umgang mit Tonarten.
Zuletzt geändert von mjchael am 31.10.2012, 11:16, insgesamt 1-mal geändert.

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von mjchael » 26.10.2012, 13:24

Lektion 3
Grenze die Tonart ein


Wenn man den Anfangsakkord gefunden hat, so grenzt das die Möglichkeiten extrem ein.
Meist gibt der Anfangsakkord und der Endakkord einer Strophe oder des Refrains auch die Tonart mit an.
Hier bei diesem Lied wäre das F-Dur.

Beim Video mit den Studenten war es G-Dur. Die singen das Lied halt einen Ton höher als das Original.

Was mache ich aber, wenn ich keinen bekannten Akkord finde?

Da muss ich versuchen, die Tonart aus den Tönen des Interpreten herauszufinden.
Damit das klappt, muss ich mich ein wenig mit dem Improvisieren beschäftigen.

Exkurs: Tonart durch Improvisationssalen ermitteln (Beispiel)
Einen Ausführlichen Lehrgang findet ihr dazu:
:arrow: [Workshop] Die 5 Haupt-Dur- und Moll-Tonleitern

Als Einstieg dazu:
:arrow: [Tutorial] Tonart mit Improvisationsskalen bestimmen

(findet ihr über Startseite » Workshops und Tutorials Unsere Projekte - Workshop- und Tutorial-Sammlung)

Wenn ich die Methode mit den Improvisationsskalen auf das Lied anwende, dann finde ich mit ein wenig Versuch und Irrtum folgende Töne, mit denen ich über das Lied improvisieren kann.

Code: Alles auswählen

             III      V      VII                 XII
 E ||---|---|-Z-|---|-M-|-K-|---|---|---|---|---|---|---|-
 H ||---|---|-Z-|---|-M-|-K-|---|---|---|---|---|---|---|-
 G ||---|-Z-|-M-|---|-K-|---|---|---|---|---|---|---|---|-
 D ||---|-Z-|-M-|---|-K-|---|---|---|---|---|---|---|---|-
 A ||---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|-
 E ||---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|-

oder

Code: Alles auswählen

             III      V      VII                 XII
 E ||---|---|---|---|-Z-|-M-|---|-K-|---|---|---|---|---|-
 H ||---|---|---|---|-Z-|-M-|---|-K-|---|---|---|---|---|-
 G ||---|---|---|---|-Z-|---|-R-|---|---|---|---|---|---|-
 D ||---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|-
 A ||---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|-
 E ||---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|-


Ich suche das Karré (die kleinen Sekunden bzw. die Töne, die direkt nebeneinander liegen)

Code: Alles auswählen

             III      V      VII                 XII
 E ||---|---|---|---|-M-|-K-|---|---|---|---|---|---|---|-
 H ||---|---|---|---|-M-|-K-|---|---|---|---|---|---|---|-
 G ||---|-Z-|-M-|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|-
 D ||---|-Z-|-M-|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|-
 A ||---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|-
 E ||---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|-


von denen weiß ich, welche Intervalle das in einer Tonleiter sind (der wievielte Ton dieses in einer Tonleiter ist). Wichtig ist vor allem: Aus der Sicht des Gitarrenspielers ist die <1> (also der Startton der Dur-Tonleiter) rechts oben. (Nicht vergessen, in der Tabulatur steht ja alles auf dem Kopf!)

Code: Alles auswählen

             III      V      VII                 XII
 E ||---|---|---|---|-3-|-4-|---|---|---|---|---|---|---|-
 H ||---|---|---|---|-7-|<1>|---|---|---|---|---|---|---|-
 G ||---|-3-|-4-|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|-
 D ||---|-7-|<1>|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|-
 A ||---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|-
 E ||---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|-


Und wenn ich die <1> habe, dann habe ich auch den Grundton der Dur-Tonleiter.
Den kann ich einfach abzählen. Entweder von der D-Saite aus:

Code: Alles auswählen

             III      V      VII                 XII
 E ||---|---|---|---|-3-|-4-|---|---|---|---|---|---|---|-
 H ||---|---|---|---|-E-|<F>|---|---|---|---|---|---|---|-
 G ||---|-3-|-4-|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|-
 D ||-D#|-E-|<F>|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|-
 A ||---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|-
 E ||---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|-


Oder ihr versucht es vom 5. Bund aus.
Im 5. Bund der H-Saite ist der Stimmton der hohen E-Saite. Ein Bund daneben ist das F.

Die C-Dur-Tonleiter auf den ersten drei Bünden sollte man schon auswendig können.
:arrow: Wikibooks: C-Dur-Tonleiter-Workshop

Also ich weiß, dass die <1> das F ist, also liegt die Tonart F-Dur vor, oder falls es eine Molltonart wäre (genauer: Dm), so würde diese zumindest das gleiche Tonmaterial der F-Dur-Tonleiter verwenden.

Vielfach muss man diese ganze Aktion mit den Improvisationsskalen nicht machen,
wenn man mal ein oder zwei Akkorde gefunden hat. Vieles ergibt sich dann von alleine.

Damit hätten wir schon mal viel gewonnen.
Zuletzt geändert von mjchael am 07.01.2013, 12:47, insgesamt 2-mal geändert.

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von mjchael » 26.10.2012, 14:02

Lektion 4
Grenze die Akkorde ein


Hierbei hilft euch der Merkspruch aus Lektion 2

Fähige Clevere Gitarristen Denken An Einen Barré

Schreibt euch die Tonfolge 3 mal hintereinander auf einen Zettel!
F C G D A E B | F C G D A E B | F C G D A E B

fügt den ersten 7 Tönen ein "b" bei, und den letzten 7 ein "#"
Fb Cb Gb Db Ab Eb Bb | F C G D A E B | F# C# G# D# A# E# B#

Das ist die englische Form des Quintenzirkels ausgerollt als eine Linie. Den müsst ihr nur die erste Zeit aufschreiben. Wenn ihr den Quintenzirkel mal etwas häufiger anwendet, dann wird er euch ganau so geläufig sein, wie das Alphabet, oder die Tonleiter, die man auch auswendig können sollte, oder wie die Reihenfolge der Monate etc. Alles nur eine Frage der Übung und der stetigen Wiederholung.

Im deutschen müsste man eigentlich aus dem B ein H machen, und aus dem Bb ein B
Fb Cb Gb Db Ab Eb B | F C G D A E H | F# C# G# D# A# E# H#

Du siehst hoffentlich, dass die englische Variante viel einfacher und übersichtlicher ist. Von daher verwende ich diese weiter.

Finde den Grundton der Dur-Tonleiter
Ich habe meinen Grundton F (bzw. Grundakkord F-Dur) gefunden, und suche diesen nun im Quintenzirkel:
Fb Cb Gb Db Ab Eb Bb | F C G D A E B | F# C# G# D# A# E# B#

Auch bei einer Moll-Tonleiter würde ich zuerst die Dur-Parallele Suchen. Also auch bei der Tonart Dm würde ich mit dem Ton F für F-Dur anfangen. Finde ich halt einfacher, weil ich ja den Grundton der zugrunde liegenden Dur-Tonleiter im Karré gefunden habe. Ginge aber auch anders rum.

Bestimme die Dur-Akkorde
Ich nehme jetzt einfach die beiden Nachbarn mit hinzu, und habe die drei Dur-Akkorde gefunden, die üblicherweise in einem Lied in F-Dur vorkommen.

Fb Cb Gb Db Ab Eb Bb | F C G D A E B | F# C# G# D# A# E# B#

Also Bb-Dur F-Dur und C-Dur

Bestimme den typischen Dominant-Sept-Akkord
Der linke Akkord dieser Dreiergruppe nennt man die Dominante. Und der kommt oft als 7er-Akkord (Dominant-Sept-Akkord) vor
Fb Cb Gb Db Ab Eb Bb | F C7 G D A E B | F# C# G# D# A# E# B#

Aus dem Lagerfeuerdiplom wissen wir aber, dass man Ziffern bei Akkorden meist problemlos weglassen kann. Vergleiche dazu:
:arrow: (Wikibooks) Die Dur-Kadenz - Das große Dreigestirn

Bestimme die üblichen Moll-Akkorde
Die nächsten drei Töne gehören auch noch mit zur F-Dur-Tonleiter, und sie sind gleichzeitig die Grundtöne der Moll-Akkorde
Fb Cb Gb Db Ab Eb Bb | F C(7) Gm Dm Am E B | F# C# G# D# A# E# B#
Wenn es sich bei diesem Lied um ein Stück in Moll handelt, so wäre die Tonart der mittlere der Moll-Akkorde.
Gm Dm Am
Also Dm.

Bestimme die Dominante der Moll-Tonart
Wenn es sich um eine Moll-Tonart handelt, so kommt es oft vor, dass man aus dem rechten der drei Nachbarn einen Dur- oder Dur7-Akkord macht.
Gm Dm A7
Wenn du schon ein paar Lieder in Moll gespielt hast, sollte es dir schon bekannt sein. Wenn nicht, solltest du dich ein wenig mit Liedern in Moll beschäftigen.

Jetzt hast du alle üblichen Akkorde der Tonart beisammen
Wir erwarten also folgende Akkorde bei der F-Dur-Tonleiter.
Bb F C Gm Dm Am

Wir rechnen dabei eventuell noch mit folgenden Dur7-Akkorden
Bb F C(7) Gm Dm Am (A7)

Natürlich müssen nicht alle 6 Akkorde vorkommen. Es gibt ja auch Lieder mit 2, 3 oder 4 Akkorden. Aber selbst wenn weniger Akkorde gebraucht werden, grenzt es die Suche ganz gut ein.

Diese Methode funktioniert bei jeder Tonart und den allermeisten Liedern.

  • Grundton der Dur-Tonleiter und die beiden Nachbarn ergeben die Dur-Akkorde.
  • Die nächsten drei rechten Nachbarn sind die Moll-Akkorde.
  • Der Rechte Akkord der drei Dur-Akkorde und auch der rechte Nachbar der drei Moll-Akkorde (bei einer Moll-Tonart) kann auch mal als Dur7-Akkord erscheinen.

Die Methode lässt sich schnell lernen, und leicht anwenden.
Man erspart sich zusätzlich noch jedes lästige Abzählen der Halbtonschritte.
Du brauchst dazu nur einen einzigen Merkvers auswendig zu lernen.

Fähige Clevere Gitarristen Denken An Einen Barré

Kannst du alles noch mal Nachlesen unter:
:arrow: (Wikibooks) Der Quintenzirkel

Nach dieser Methode hast du alle Akkorde beisammen, die man am ehesten bei einem Lied in einer bestimmten Tonart erwartet. Allerdings musst du gelegentlich mal mit ein paar Ausnahmen rechnen. Tipps dazu findest du weiter unten.

Fehlt noch der 7. Ton bzw. der 7.Akkord
Der Vollständigkeit müsste man nun noch den nächsten Nachbarn der Moll-Akkorde mit hinzunehmen (das E) um alle Töne bzw. Akkorde der F-Dur-Tonleiter beisammen zu haben.
Alle 7 Töne der F-Dur-Tonleiter sind:
Bb F C G D A E
und alle 7 Akkorde die man üblicherweise in F-Dur verwendet sind
Bb F C Gm Dm Am Em7b5

Allerdings kommt der Moll7-Akkord mit verminderter Quinte (b5) (m7b5) doch eher selten vor, so dass wir meist den Em7b5 vernachlässigen können.
Der wird nur dann mal interessant, wenn du dich für verjazzte Stücke interessierst.
Bei einfachen Rock- und Popsongs und wie hier bei Schlagern kommt der so gut wie nicht vor.

Also wir erwarten bei dem Lied die Akkorde
Bb F C(7) Gm Dm Am (A7)
Zuletzt geändert von mjchael am 13.02.2013, 12:13, insgesamt 5-mal geändert.

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von mjchael » 26.10.2012, 15:05

Lektion 5
Vereinfache die Tonart


Wir haben ein Problem:
In den Vorgaben haben wir angenommen, dass ihr nach Möglichkeit Barré-Akkorde meiden wollt.
Auch Profis spielen nicht unbedingt gerne Barré-Akkkorde. Wenn mal einer oder zwei mit dabei sind, ist das kein Problem. Aber wenn mehrere dabei sind, dann wird die Begleitung nicht unbedingt einfacher. Viele Hammering-On und Pull-Offs, viele Bassläufe und andere Akkordverziehrungen (sus4 add9 etc.) klappt halt in den Tonarten mit weniger Barré-Akkorden viel leichter.

In der Tonart F-Dur haben wir einige Barré-Akkorde
Bb F C Gm Dm Am

Gut, den F-Dur könnte man zur Not noch vereinfachen, und das kleine F-Dur spielen, aber der Bb-Dur und Gm kann man nur schlecht vereinfachen.

Besser ist es da, gleich die ganze Tonart zu wechseln.

Die Studenten oben im Video haben das Lied einen Ton höher in G-Dur gesungen. Die Akkorde zu G-Dur findet man genau so wie ich es in Lektion 4 beschrieben habe:

Original-Tonart F-Dur
Bb F C Gm Dm Am
Einen Ton höher nach G-Dur
C G D Am Em Bm

G-Dur hat nur einen Barré mit dabei. Den Bm (auf deutsch Hm). Oft kommt der aber gar nicht im Lied vor, denn es müssen ja nicht unbedingt alle 6 möglchen Akkorde auch im Lied vorkommen. Und wenn er doch mal vorkommt, so gibt es den Trick, dass man einfach versucht, den Bm durch ein D-Dur (Mollparallele) auszutauschen.
:arrow: (Wikibooks) Mollparallelen

Das blöde an G-Dur ist hier, dass man dazu erst mal die Akkorde kennen muss.
In unser Vorgabe haben wir ja gesagt, dass wir nur das Lied in F-Dur haben (bzw. für die Übung uns nur mit dem Original beschäftigen wollen).
Bringt da nicht viel, zu versuchen die Akkorde von G-Dur heraushören.

Also wenden wir wieder einen Trick an. Wir setzen die Tonart nicht rauf, sondern runter.
Jetzt haben wir zwar wieder die Tonart geändert, aber dagegen können wir etwas machen:

Wir nutzen einfach das Capo

Um ein Capo zu nutzen, musst du die chromatische Tonleiter auswendig können. So und so solltest du dich ein wenig mit dem Aufbau von Tonleitern und mit Halbtonschritten auskennen. Solltest du das nicht können, so ist es ratsam, dass du über kurz oder lang diese Wissenslücken schließt.
Kleiner Exkurs: die Chromatische Tonleiter
Schreibe mal zwei mal hintereinander die ersten 7 Buchstaben unseres Alphabetes auf

A B C D E F G | A B C D E F G | A B C ...

Damit hätten wir schonmal alle Töne der C-Dur-Tonleiter.
Dass die C-Dur-Tonleiter üblicherweise mit dem C anfängt
A B C D E F G | A B C D E F G | A B C ...
und wir deutschen lieber H als B schreiben
A H C D E F G | A H C D E F G | A H C ...
tut erst mal nicht viel zur Sache. Wir bleiben einfach bei der englischen Version und schreiben die jeweils doppelt auf

A A B B C C D D E E F F G G | A A B B C C D D E E F F G G
Da sind jetzt jeweils zwei Töne zu viel drin. aber das machen wir im übernächsten Schritt

Wenn du Kreutztonarten haben willst, dann füge jedem zweiten Zwilling ein # an
A A# B B# C C# D D# E E# F F# G G# | A A# B B# C C# D D# E E# F F# G G#

Wenn du B-Tonarten bevorzugst, fügst du jedem ersten der Zwilligen ein "b" an
Ab A Bb B Cb C Db D Eb E Fb F Gb G | Ab A Bb B Cb C Db D Eb E Fb F Gb G

Wir haben jetzt ein Problem. Wir wissen, dass zwischen E und F sowie zwischen B und C ( = H und C) kein Ganztonschrit, sondern nur ein Halbtonschritt ist. Also muss der dazwischen gelöscht werden.

__ A A# B B# C C# D D# E E# F F# G G# | A A# B B# C C# D D# E E# F F# G G#
Ab A Bb B Cb C Db D Eb E Fb F Gb G _| Ab A Bb B Cb C Db D Eb E Fb F Gb G

Wisst ihr alles? Na ja, ich schreibe es auch nur für die auf, die sich nicht mehr ganz sicher sind.


Also die chromatische Tonleiter der Kreuztonarten lautet wie folgt:
A A# B C C# D D# E F F# G G# A A# B C C# D D# E F F# G G# A A# B C...

Die Töne der Bb-Tonarten leite ich mir einfach von den Kreuztonarten ab
A# = Bb | C# = Db | D# = Eb | F# = Gb | G# = Ab

(nicht vergessen engl. B (!) = deutsches H.)

Die Tonart F-Dur von dem Lied gefällt mir nicht, weil da zu viele Barrés mit dabei sind.
Also setze ich den Capo einfach in den 1. Bund, und nehme die Akkorde, die einen Halbtonschritt vor den F-Dur-Akkorden sind, also die Akkorde von E-Dur.

Capo im 0. Bund = Bb F C(7) Gm Dm Am
Capo im 1. Bund = A E B(7) F#m C#m G#m

Wären jetzt bei dem Lied nur Dur-Akkorde mit dabei (wie im Refrain), dann könnte ich das Lied ganz einfach mit den Akkorden E A und H7 (engl. B7) begleiten.
Aber es kommen Moll-Akkorde als Barré-Akkorde vor, die ich lieber umgehen möchte.

Also weiter probieren.
Vor dem E kommt das D# bzw. Eb.
Merke dir mal, dass man beim Grundton einer Dur-Tonleiter die B-Tonarten bevorzugt.
Warum das so ist, kannst du dich hier schlau machen:
:arrow: [Workshop] Elementare Musiktheorie und da genauer: Lektion 2d wo beschrieben wird, warum man keine Kreuze als Grundton einer Dur-Tonleiter nehmen soll.

Capo im 0. Bund = F-Dur mit den Akkorden: Bb F C(7) Gm Dm Am
Capo im 1. Bund = E-Dur mit den Akkorden: A E B(7) F#m C#m G#m
Capo im 2. Bund = Eb-Dur mit den Akkorden: Ab Eb Bb(7) Fm Cm Gm (wenig hilfreich)
Capo im 3. Bund = D-Dur mit den Akkorden: G D A(7) Em Bm F#m (evtl. möglich aber 2 Barrés)
Capo im 4. Bund = Db-Dur mit den Akkorden: Gb Db Ab(7) Ebm Bbm Fm (wenig hilfreich)
Capo im 5. Bund = C-Dur mit den Akkorden: F C G(7) Dm Am Em :D Keine Barrés

Also setzen wir doch für das Lied einfach den Capo in den 5. Bund, und probieren an dieser Position die folgenden Akkorde aus
F C G(7) Dm Am Em

Mehr zum Thema Transponieren:
:arrow: (Wikibooks) einfache Transponiertabelle
:arrow: (Wikibooks) der Kapodaster
Zuletzt geändert von mjchael am 06.01.2013, 14:47, insgesamt 2-mal geändert.

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[Chords] Ein Student aus Upsala (Kirsti)

von mjchael » 26.10.2012, 15:36

Lektion 6
Bestimme die Akkorde


Jetzt wissen wir, dass bei dem Lied in F-Dur hauptsächlich die Akkorde F C G Dm Am Em vorkommen, wenn man den Capo in den 5. Bund setzt.

Du musst aber auch in der vereinfachten Tonart mit Capo immer damit rechnen, dass doch einmal ein Akkord aus der Reihe tanzt, und doch einmal ein anderer als die 6 beschriebenen mit dabei ist. Aber meist wirst du mit den 6 Akkorden hinkommen. Der Rest sind halt die Ausnahmen von der Regel.

Versuchen wir es mal bei dem Lied:


Vorspiel und Refrain:
C F G C
C F G C

Strophe:
C C F C
Dm Dm G G7
C C F C
C F G7 C

Würde sich so singen lassen. Aber es gibt hier eine kleine Ausnahme, die man kennen muss.
Das Dm, was wir hier üblicherweise erwarten, das wird hier zu einer so genannten Zwischendominante. Vielleicht habt ihr schon was davon im Lagerfeuerdiplom gehört:
:arrow: (Wikibooks) Lagerfeuerdiplom - Abschlusslektion - Zwischendominante

Ich warnte euch ja schon vor, dass man mit kleinen Ausnahmen rechnen müsst. Aber bei nur einem Akkord hält sich die Suche nach den Ausnahmen doch sehr in Grenzen.

Also spielt man die Strophe folgendermaßen:
Strophe:
C C F C
D7 D7 G G7
C C F C
C F G7 C

Wir haben jetzt noch ein zweites Problem.
Bei der zweiten Strophe funktionieren unsere ganzen Akkorde nicht mehr.
Die wandern einfach jede Strophe einen Halbton rauf.

"Eine Frechheit" für all die Gitarrenspieler, die Barrés verabschäuen (oder einfach noch nicht so gut können ;) )

Aber wisst ihr was? Für den Hausgebrauch bleiben wir doch einfach in einer Tonart, und machen die Steigerung nicht mit. :D
Zuletzt geändert von mjchael am 09.01.2013, 03:40, insgesamt 1-mal geändert.

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von mjchael » 26.10.2012, 16:06

Lektion 7
Rechne die Originaltonart aus
und finde evtl. eine geeignetere Tonart.


Auch wenn die meisten ihr Ziel erreicht haben dürften, will ich doch noch ein paar Schritte weiter gehen.

Wir wissen, die Original-Tonart war F-Dur, und nicht C-Dur.
Also transponieren wir unsere Akkorde wieder zurück in die Original-Tonart.

Wir wissen noch
Capo im 5. Bund = C-Dur mit den Akkorden: _F C G(7) Dm Am Em
Capo im 0. Bund = F-Dur mit den Akkorden: Bb F C(7) Gm Dm Am

Ich verwende beim Notieren der Akkorde einer Tonart IMMER den Quintenzirkel, weil er so schön einfach ist, und wie schon gesagt, das lästige ausrechnen der Vorzeichen wegfällt.
Ich kann ihn euch also nur allerwärmstens ans Herz legen!

Man hat das schnell mal auf ein Notitzpapier aufgeschrieben, und muss jetzt einfach nur Akkord für Akkord ablesen.

C F G C | C F G C
C C F C | D7 D7 G G7
C C F C | C F G7 C

F Bb C Bb | F Bb C Bb
F F Bb F | G7 G7 C C7
F F Bb F | F Bb C7 F

Ihr könnt einfach eine Transponier-Tabelle verwenden.

Ich selbst kenne den Quintenzirkel auswendig, und ich weiß, dass die C-Dur-Tonleiter im Quintenzirkel einfach eines weiter rechts von der F-Dur-Tonleiter steht, und gehe einfach von jedem Akkord einen Schritt nach links. Solches "Fachwissen" erlangt ihr ziemlich schnell selbst, wenn ihr einfach den Quintenzirkel ein wenig anwendet.
Hab ich den euch eigentlich schon ans Herz gelegt? ;)

Mit ein wenig Übung klappt das so leicht, dass man Akkorde auch einfach im Kopf 4 Töne höher bzw. 5 Töne tiefer spielen kann, indem man einfach alle Akkorde im Quintenzirkel eines nach links rückt.

Will man sie im Kopf 5 Töne Höher bzw. 4 Töne tiefer spielen rückt man im Quintenzirkel einfach einen Platz nach rechts.

Das selbe sollte man auch die Tonleiter rauf oder runter können.

Kann ganz praktisch für unser Lied hier sein.

Finde eine geeignetere Tonart für den Hausgebrauch
Wir hören, dass Kirsti im Video die Tonleiter bei jeder Strophe um einen Halbtonschritt erhöht.
Sie fängt mit F-Dur an, geht dann weiter nach Gb-Dur und dann kommt sie bei G-Dur an.

G-Dur ist wieder eine recht einfache Tonart. Also versuchen wir doch einfach mal die F-Dur-Verson nach G-Dur zu transopnieren.

F Bb C Bb | F Bb C Bb
F F Bb F | G7 G7 C C7
F F Bb F | F Bb C7 F

G C D C | G C D C
G G C G | A A7 D D7
G G C G | G C D7 G

Das ich hier A A7 und nicht A7 A7 spiele, ist eine gängige Variante, die man immer ausprobieren kann, wenn ein 7er Akkord angezeigt wird.
Wird näher im Folkdiplom beim G7-Akord beschrieben
:arrow: G7 aufteilen
Hätte man also schon bei der F-Dur-Variante machen können
F F Bb F | G G7 C C7

Spult mal das Video auf 1 Minute und 20 Sekunden vor, und versucht mal die G-Dur-Akkorde
http://www.youtube.com/watch?v=PtPPirkYjAk#t=1m20s

Die G-Dur-Variante wäre jetzt wohl die Variante, die ich für den Hausgebrauch verwenden würde. (Also die Version, welche auch die Studenten oben verwendet haben :D )

Wenn ich also irgendeine Tonart habe, dann wandere ich einfach die chromatische Tonleiter rauf oder runter, und suche einfach die nächste Tonart, die für mich leichter spielbar ist, aber die immer noch für mich singbar ist. Wenn es eine gut spielbare Tonart gibt, die aber nicht singbar ist, dann versuche ich halt mit einem Capo zu arbeiten. Dazu sollte man sich aber erst mal grundsätzlich mit den 12 Tonarten beschäftigen, um zu wissen, welche brauchbar sind, und welche einfacheren in der Nähe sind.
Zuletzt geändert von mjchael am 28.10.2012, 22:00, insgesamt 1-mal geändert.

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von mjchael » 26.10.2012, 17:20

Lektion 8
Tipps im Umgang mit Tonarten

Ihr habt euch jetzt hoffentlich ein Herz gefasst, und den Qintenzirkel auswendig gelernt.
Ihr braucht dazu ja nur den einen Merksruch:

Fähige Clevere Gitarristen Denken An Einen Barré

Die Anfangsbuchstaben 3 mal hintereinander aufschreiben, die ersten 7 mit "b" die letzen 7 mit "#"
Fb Cb Gb Db Ab Eb Bb F C G D A E B F# C# G# D# A# E# B#

Je mehr die Tonart in der Mitte ist, desto einfacher ist diese.
Je weiter sie nach rechts oder links wandert, desto komplizierter (wegen Barrés) wird sie.

Die einfachste Tonart ist C-Dur/Am, da dafür keine Barrés gebraucht werden
C-Dur = F C G(7) Dm Am Em (E7 bei der Tonart Am)

Die Kreuztonarten
Wende bei jedem Beispiel den Merksatz an, und schaue einfach mal nach, ob du auch die Akkorde der Beispiele selber finden würdest!

Was Kreuztonarten sind, und wie man sie im Notenbild bestimmt, findet ihr im Quintenzirkel

Die nächst einfachste Tonart ist G-Dur/Em
G-Dur = C G D(7) Am Em Bm (H7)
Bm kann man hier oft durch ein D oder manchmal auch durch ein H7 umgehen. Zur Not spielt man auch einen Hm7, der genau wie ein H gegriffen wird, jedoch ohne Zeigefinger.
Bild
Aber ich verwende doch lieber den Barré Bm, da er in meinen Ohren einfach besser klingt.

Die Tonart G-Dur kann man auch mit den Akkorden der C-Dur-Tonleiter im 7. Bund spielen
G-Dur im 0. Bund = C G D(7) Am Em Bm (H7)
Entspricht mit Capo
C-Dur im 7. Bund = F C G(7) Dm Am Em (E7)
Ist aber nur selten notwendig.

Die nächsten beiden einfachen Tonarten sind D-Dur und A-Dur.

D-Dur/Bm im 0. Bund = G D A(7) Em Bm F#m (F#7) (Bm=Hm)
Entspricht mit Capo
C-Dur im 2. Bund = F C G(7) Dm Am Em (E7)

A-Dur/F#m im 0. Bund = D A E(7) Bm F#m C#m (C#7)
Entspricht mit Capo
G-Dur im 2. Bund = C G D(7) Am Em Bm (H7)
Für den Hausgebrauch könnte man das Lied also einen Ton tiefer singen (wie beispielsweise bei Country-Roads, das im Original in A-Dur gespielt wird.)

E-Dur/C#m zählt immer noch zu den einfachen Tonarten, wenn keine Moll-Akkorde mit dabei sind.
E-Dur im 0. Bund = A E B(7) F#m C#m G#m (G#7) (B7=H7)
Entspricht mit Capo
C-Dur im 4. Bund = F C G(7) Dm Am Em (E7)

Wenn man fast nur mit Dur-Akkorden spielt, dann werden am liebsten folgende Tonarten werwendet:
C-Dur : F C G Dm Am Em (Nimmt man gerne bei Hammering und Bassläufen)
G-Dur : C G D Am Em _ (Nimmt man gerne bei Akkorderweiterungen)
D-Dur : G D A Em _ _ (Nimmt man gerne bei Lieder nur mit Dur-Akkorden)
A-Dur : D A E _ _ _ (Nimmt man gerne bei Lieder nur mit Dur-Akkorden)
E-Dur : A E H7 _ _ _ (nimmt man auch gerne bei Blues und Gospel)

Auch wenn die Tonart G-Dur einen Tick beliebter ist, als die Tonart C-Dur, so erkennt man doch dass die Möglichkeiten, und damit die Beliebtheit der Tonleitern abnimmt, je weiter man nach rechts im Quintenzirkel wandert.

B-Dur (=H-Dur) meidet man gerne als Gitarrenspieler
B-Dur/G#m im 0. Bund = E B F#(7) C#m G#m D#m (D#7)
Entspricht mit Capo
G-Dur im 4. Bund = C G D(7) Am Em Bm (B7)
Für den Hausgebrauch singe ich das Lied einen Halbton höher in C-Dur.
C-Dur im 0. Bund = F C G(7) Dm Am Em (E7)

Randbemerkung: man bezeichnet das häufig als Capo -1. Es wird kein Capo verwendet, sondern singt das Lied nur einen Halbton höher als das Original.

F#/A#m-Dur findet man als Gitarrist furchtbar
F#-Dur im 0. Bund = H F# C#(7) G#m A#m E#m (E#7)
Jawohl, es muss E#m heißen, auch wenn man praktisch einen Fm-Akkord greift. Der Grund wurde schon erläutert.
:arrow: Schweirige Tonarten
Entspricht mit Capo
C-Dur im 6. Bund = F C G(7) Dm Am Em (E7)
Für den Hausgebrauch singe ich das Lied einen Halbton höher. (Capo -1)
G-Dur im 0. Bund = C G D(7) Am Em Bm (B7)


Die B-Tonarten
Die B-Tonarten werden gerne von Blechbläsern verwendet, da diese oft in einer B-Tonart gestimmt sind. Von daher findet man oftmals Kirchenlieder oder Volksmusik (so genannte Backenmusik) in B-Tonarten gesetzt.

Allgemeiner Tipp: spiele das Stück einfach einen Halbton höher, übersehe die Bes als Vorzeichen, und füge den Akkorden ohne Vorzeichen ein # an.

F-Dur/Dm im 0. Bund = Bb F C Gm Dm Am (wird gerne von Blockflötenspielern verwendet)
Entspricht mit Capo
E-Dur im 1. Bund = A E H7 F#m C#m G#m (G#7) (nimmt man, wenn nur Dur-Akkorde vorkommen)
Entspricht mit Capo
C-Dur im 5. Bund = F C G(7) Dm Am Em (E7)
oder einen Ganzton höher (Capo -2)
G-Dur (Capo -2) = C G D(7) Am Bm Em (E7)

Bb-Dur/Gm im 0. Bund = Eb Bb F(7) Cm Gm Dm (D7)
Entspricht mit Capo
G-Dur im 3. Bund = C G D(7) Am Em Bm (H7)
Für den Hausgebrauch versuche ich es entweder einen Halbton tiefer
A-Dur im 0. Bund = D A E(7) Bm F#m C#m (C#7) (wenn nicht zu viele Barrés vorkommen)
oder einen Ganzton höher (Capo -2)
C-Dur im 0. Bund = F C G(7) Dm Am Em (E7)

Eb-Dur/Cm im 0. Bund = Ab Eb Bb(7) Fm Cm Gm (G7)
Für den Hausgebrauch lasse ich die "b" weg, und setze ein "#" bei den anderen Akkorden (Capo -1)
E-Dur im 0. Bund = A E H7 F#m C#m G#m (G7) (wenn nicht so viele Barrés vorkommen)
Eb-Dur Entspricht mit Capo
C-Dur im 3. Bund = F C G(7) Dm Am Em (E7)

Ab-Dur/Fm im 0. Bund = Db Ab Eb(7) Bbm Fm Cm (C7)
Für den Hausgebrauch lasse ich die "b" weg, und setze ein "#" bei den anderen Akkorden (Capo -1)
A-Dur im 0. Bund = D A E(7) Bm F#m C#m (C#7) (wenn nicht zu viele Barrés vorkommen)
Ab-Dur entspricht mit Capo
G-Dur im 3. Bund = C G D(7) Am Em Bm (H7)

Db-Dur/Bbm im 0. Bund = Gb Db Ab(7) Ebm Bbm Fm (F7)
Für den Hausgebrauch lasse ich die "b" weg, und setze ein "#" bei den anderen Akkorden (Capo -1)
D-Dur im 0. Bund = G D A(7) Em Bm F#m (F#7)
Db-Dur entspricht mit Capo
C-Dur im 1. Bund = F C G(7) Dm Am Em (E7)

Gb-Dur/Ebm im 0. Bund = Cb Gb Db(7) Abm Ebm Bbm (Bb7)
Für den Hausgebrauch lasse ich die "b" weg, und setze ein "#" bei den anderen Akkorden (Capo -1)
G-Dur im 0. Bund = C G D(7) Am Em Bm (H7)
Gb-Dur entspricht mit Capo
C-Dur im 6. Bund = F C G(7) Dm Am Em (E7)

Das wären alle 12 Tonarten
Zuletzt geändert von mjchael am 23.04.2013, 20:37, insgesamt 4-mal geändert.

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von mjchael » 26.10.2012, 17:47

Lektion 9
Lerne Standard-Akkordkombinationen


Bestimmte Akkordkombinationen werden viel häufiger gebraucht als andere.
Von daher besteht die Chance, dass man diese viel eher bei unbekannten Stücken wiederfindet.
Bei bestimmte Musikrichtungen erwartet man oftmals bestimmte typische Akkordfolgen eher als bei anderen Musikstilen.

Oft sind sie nicht ganz vollständig vorhanden, aber oft helfen diese einem enorm weiter.

Mal ein paar für die Tonarten C und G ausgeführt:

Dur-Kadenz
C F G(7) C
G C D(7) G

Moll-Kadenz
Am Dm E7 Am
Em Am H7 Em

Andalusische Kadenz (der Spanier)
Am F G E7
Em D C H7

Blues-Kadenz
C C C C | F F C C | G F C G7
G G G G | C C G G | D C G D7
(Auch ausschließlich mit 7er-Akkroden zu spielen)

Kirchenschluss
(C) F C
(G) C G

Schlusswendung
(F) G7 C
(C) D7 G

II-V-I-Schlusswendung
Dm G7 C
Am D7 G

Auch als Jazz-Kadenz
Dm7 G7 Cj7 Cj7
Am7 D7 Gj7 Gj7

erweiterte Schlusswendung
Am Dm G7 C
Em Am D7 G

Mit Zwischendominanten
(Am) D7 G7 C oder sogar A7 D7 G7 C
(Em) A7 D7 G oder sogar E7 A7 D7 G
Letztere Varianten kommen gerne bei Ragtime vor.
Auch
Dm D7 G7 C
Am A7 D7 G

Doo Wop (50er-Kadenz oder Ice-Creme-Progression)
C Am F G
G Em C D

Rhyhtm-Change
C Am Dm G
G Em Am D

Popformel
C G Am F oder auch Am F C G
G D Em C oder auch Em C G D

Pachelbel-Folge
C G Am Em | F C F G
G D Em Bm | C G C D

Diatonischer Basslauf
C C/H Am Am/G | F D7/F# G 7
G G/F# Em Em/D | C A7/C# D7

Weitere Akkordfolgen und ausführlichere Erklärungen:
:arrow: [Workshop] Akkordfolgen bzw. Akkordprogressionen
oder gleich mit Youtube-Links
:arrow: (Wikibooks) Akkordprogressionen

Das hilft dir bei vielen Standard-Situationen weiter. (Nicht nur beim Raushören.)

Was die Ausnahmen von der Regel angeht, da solltest du dich bei Gelegenheit mal mit folgendem beschäftigen:
:arrow: [Workshop] Eine Akkordfolge erweitern
und auch
:arrow: [Tutorial] Typische Tonleiter-fremde Akkorde
Letzteres ist mehr eine Aufzählung bzw. Zusammenfassung, ersteres arbeitet an einem praktischen Beispiel.
Zuletzt geändert von mjchael am 29.01.2013, 17:20, insgesamt 6-mal geändert.

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von mjchael » 26.10.2012, 17:57

Lektion 10
Letzte Tipps


Das ist so das Grundhandwerkzeug, mit dem ich arbeite. Viel mehr steckt oftmals nicht dahinter.
Wenn ihr euch die Beispiele unten anschaut, werdet ihr sehen, dass es in der Praxis oftmals viel einfacher ist, da man nicht mit allen Eventualitäten rechnen muss, die ich hier im Workshop beschrieben habe.

Wie ihr seht, reicht es oft aus, eine schwerere Tonart mit einem Capo zu erhöhen, und dann wie eine einfache Tonart in C- oder G-Dur zu behandeln. Die Akkorde verhalten sich zueinander nämlich in jeder Tonart gleich.

Jede Tonart hat eine Subdominante, Tonika und Dominante in Dur, und deren Vertreter in Moll.
:arrow: vgl. (Wikibooks) Mollparallelen - Das 2 x 3 Schema

Natürlich ist es von Vorteil, wenn du dich ein wenig mehr mit der Musiktheorie befasst. Aber wie du siehst, ist das, was man fürs Überleben braucht gar nicht mal sooo viel.

Und wenn du wissen willst, wie man richtig gut im Heraushören von Akkorden ist,

Bild

Damit bekommst du die meisten Lieder herausgehört. Aber es gibt eben auch Ausnahmen, und manchmal klappt das Schema nicht mehr.
Wenn du vor hast, schwerere Akkordfolgen und schrägere Akkorde herauszuhören, dann hilft es nur, dass du die Akkorde erst mal lernst zu spielen, und anzuwenden. Jazz-Akkorde hört man nur raus, wenn man selbst Jazz spielt. (Gilt ebenso für Blues, Bossa-Nova etc.)
Sus4, Add9, maj7-Erweiterungen erkennt man nur, wenn man sie selbst spielt und anwendet, und lange genug in entsprechende Musikstile hineinschnuppert.

Aber ich sagte eingangs ja schon: Hier soll es um einfache Lieder gehen.
Ich habe auch keine Probleme damit ein so genanntes Original zu vereinfachen, oder eine Akkordfolge noch auszubauen, oder an eine Standard-Akkordfolge anzupassen, solange es sich dadurch noch halbwegs gut anhört.
Vereinfachungen sind also erlaubt. Und es sollte klar sein, dass es einige Lieder gibt, wo man die Akkorde nicht so leicht raushören kann, oder wo sich die Akkorde nicht so schön brav an das 2x3-Dur-Moll-Schema halten. Aber irgendwo muss man ja anfangen. Wenn man das Heraushören von Stücken übt, dann doch lieber bei den einfachen Liedern. Wie man sieht Schafft man die Grundlagen in 10 Lektionen.

Also wenn es dann doch nicht gleich klappt, gilt folgende Durchhalteparole:
Bild

Und wenn alle Stricke reißen, dann frage einfach in einem Forum nach.
Vielleicht hilft dir ja ein freundlicher Member :D

Viel Spaß beim Ausprobieren
Mjchael
Zuletzt geändert von mjchael am 13.02.2013, 12:21, insgesamt 2-mal geändert.

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von mjchael » 27.10.2012, 12:35

Lektion 11
Akkorde haben Charakter


Was ich noch zu sagen vergaß:
Ich vergesse leicht, dass viele ja gar nicht das Lagerfeuerdiplom gemacht haben, und von daher die Grundlagen-Lektionen gar nicht beherrschen.

Ich sagte bereits, dass sich die Akkorde in jeder Tonart gleich verhalten.
Jede Tonart hat eine Tonika, Subdominante und Dominante, sowie deren Vertreter.

Oftmals kann man die einzelnen Akkorde nur am Melodieverlauf heraushören.
Dieses muss man aber üben, und man sollte den typischen Höreindruck der Tonika, Subdominante und Dominante in Dur und in Moll kennen. Dabei sollte man sich nicht zu schade sein, auf vergleichende Bilder zurückzugreifen. Auch wenn die Beispiele an einigen Stellen doch sehr hinken. Aber auch Mathematik hat man am Anfang mit Äpfeln und Birnen gelernt.

Die Durkadenz

Die Tonika ist der Grundakkord in einem Lied. Die Tonika gibt also den Ton an ;) . Sie ist meist der Start- und Zielakkord in einem Lied.
  • Die Tonika in der Tonart C-Dur ist der Akkord C-Dur
  • Die Tonika in der Tonart G-Dur ist der Akkord G-Dur
Der Melodieverlauf ist bei der Tonika meist ruhig bzw. zur Ruhe kommend. Die Melodie kommt zu einem Endpunkt, oder sie hält einen Zwischenstopp. Man kann das Adjektiv "stabil" (wie bei einem Würfel) verwenden. Müsste ich der Tonika ein Zimmer zuordnen, wo würde ich die Tonika ins Wohnzimmer stecken. Müsste ich einen kleinen Werbeclip mit einer Wanderung mit Akkorden unterlegen, so wäre die Tonika sowohl der Start- als auch das Ziel.

Die Dominante baut eine Spannung auf. Die Dominante dominiert, oder besser sie präsentiert sich. Es klingen einem die Hörnerquinten und Fanfahren beim Einzug der Ritter oder des Königs in den Ohren. Die Dominante wirkt am Ende eines Motives oft als Rausschmeißer, der zum Schluss hin drängt. Als Adjektiv würde wohl "gespannt" passen (wie ein Bogen, oder wie ein sich drehender Kreisel) Die Dominante kann die ihr eigene Spannung noch durch eine kleine Septime (7er-Akkord) erhöhen, und drängt dann noch stärker zum Schluss.
  • Die Dominante in der Tonart C-Dur ist der Akkord G-Dur oder G7
  • Die Dominante in der Tonart G-Dur ist der Akkord D-Dur oder D7
Der Melodieverlauf ist bei der Dominante meist spannungsreich, zu einem Höhepunkt kommend, strebt aber wieder zurück zum Grundakkord. Müsste ich der Dominante ein Zimmer zuordnen, wo würde ich die Dominante in die Küche stecken, wo viel gearbeitet und vorbereitet wird. Müsste ich einen kleinen Werbeclip mit einer Wanderung mit Akkorden unterlegen, so wäre die Dominante der Gipfel einer Bergwanderung, oder der Aussichtsturm, eben der Höhepunkt einer Wanderung. Aber da verweilt man nicht auf Dauer. Irgendwann wird es Langweilig, man wird ungeduldig, und der Dominante wird noch eine Septime zugeführt, und als 7er-Akkord will er unbedingt wieder zurück gehen.

Die Subdominante hat etwas Verbindendes. Sie fließt von der Tonika zur Dominante oder von der Dominante zurück zur Tonika.
  • Die Subdominante in der Tonart C-Dur ist der Akkord F
  • Die Subdominante in der Tonart G-Dur ist der Akkord C
Die Subdominante ist weder so spannungsreich wie die Dominante, aber auch nicht so ruhig wie die Tonika. Sie hat etwas nach vorne treibendes. Das Adjektiv "fließend" wurde ja schon genannt, und erinnert mich an einen rollenden Reifen oder eine rollende Kugel. Müsste ich der Subdominante ein Zimmer zuordnen, wo würde ich die Subdominante in den Flur stecken, welcher die Zimmer verbindet, oder vielleicht die Aula einer Schule oder eines Büros. Müsste ich einen kleinen Werbeclip mit einer Wanderung mit Akkorden unterlegen, so wäre die Subdominante der Weg zum Aussichtspunkt der Wanderung, oder der Weg wieder zurück.

Hört euch die Beispiele im Lagerfeuerdiplom noch einmal an, und achtet auch in Zukunft bei jedem neuen Lied auf die Funktion der einzelnen Akkorde. Ein Lied hat meist nur 3 Dur-Akkorde. Da gibt es also gar nicht so viele Möglichkeiten, wie es weitergehen kann. Suche dir einfach ein paar Volkslieder oder ganz einfache Schlager raus, von denen du weißt, das sie mit nur 3 Dur-Akkorden begleitet werden, und übe es, diese nur nach dem Gefühl zu begleiten. Das muss man einfach üben. Aber das kann man schon ab der dritten oder vierten Lektion üben. Also als ganz blutiger Anfänger. Auch wenn die Beschreibungen nur Bilder sind, die oftmals ein wenig hinken, so ist es doch erstaunlich, dass meine 9jährigen Schülerinnen selbst in der Lage waren, mit ihren ersten vier Akkorden die sie kannten (A D G C) bei einigen ihrer Lieder aus der Schule selbst die Akkorde zu finden. Natürlich war ein wenig Versuch und Irrtum dabei, aber sie übertrumpften dabei schon einige langjährige Gitarristen, den man einfach nie gesagt hat, auf was sie achten sollen.

:arrow: (Wikibooks) die Durkadenz - mit Hörbeispielen als Midi

Wie gesagt: Übt das mit einfachen Liedern in Dur, wo nur 3 Akkorde vorkommen, und baut euch damit ein Grundverständnis auf, wie Akkorde zusammenspielen.

Die Mollparallelen

Die Tonikaparallele ist der Vertreter der Tonika Sie ist ebenfalls einen Ruhepol, doch die Melodie hat einen etwas traurigeren Verlauf. Sie kann das Musikstück klanglich etwas ausbremsen. Aber wie wir schon gehört haben klingen Mollakkorde nicht immer traurig. Sie können auch zum "Schwungholen" für die lebhafteren Dur-Akkorde verwendet werden.
  • Die Tonikaparallele in der Tonart C-Dur ist der Akkord Am
  • Die Tonikaparallele in der Tonart G-Dur ist der Akkord Em
Bleiben wir beim Bild mit der Wanderung, dann wäre die Tonikaparallele die Herberge oder Rastplatz, wo man sich ausruht oder einen Imbiss einnimmt. In einer Wohnung würde ich die Tonikaparallele ins Schlafzimmer stecken. Entweder zum Ausruhen, oder um sich für die nächste Party umzuziehen.

Die Subdominantenparallele hat ebenfalls wie die Subdominante einen weiterleitenden Charakter. Sie klingt in meinen Ohren aber eher abwartend, bis es weitergeht. "auf dem Sprung sein". Sie bereitet gerne die Dominante vor. Oftmals ersetzt man die Dominante durch die Kombination Subdominantenparallele - Dominante. Also aus einem G C wird oft ein (Dm G) C.
  • Die Subdominantenparallele in der Tonart C-Dur ist der Akkord Dm
  • Die Subdominantenparallele in der Tonart G-Dur ist der Akkord Am
Bei der Wanderung würde ich einen Sammelplatz wie etwa den Busbahnhof oder den Bahnhof als Vergleich heranziehen. Oder die Kasse kurz vorm Aussichtspunkt, wo sich alles noch mal versammelt, und man auf die Nachzügler wartet. In einer Wohnung wäre es wohl die Gaderobe vor dem Ausgang.

Die Dominantenparallele hat ebenfalls spannungsreichen Charakter wie die Dominante. Der Moll-Akkord kann etwas energisch und sogar quängelnd klingen. So wie die Dominante G nach C weiterleitet, leitet Em gerne zur Tonikaparallele Am weiter. Nicht selten plustert sie sich zu einem Dur(7)-Akkord auf, und wird zu einer Art Zwischendominante. Doch darüber wirst du mehr bei den Molltonarten hören.
  • Die Dominantenparallele in der Tonart C-Dur ist der Akkord Em
  • Die Dominante in der Tonart G-Dur ist der Akkord Hm

Auf einer Wanderung wäre es wohl der Spielplatz, auf den man für eine Weile die quängelnden Kinder unterbringt. Und in der Wohnung wäre es wohl das Kinderzimmer.

Macht euch eure eigenen Bilder
Ich weiß nicht, wie gut ihr meine Beispiele nachvollziehen könnt. Im Gitarrenunterricht vermittle ich diese meist sehr theatralisch, und spiele diese vor, und gehe dabei auf die Zuschauer bzw. Schüler ein. Klappt natürlich hier im Forum nicht so gut, wo ihr nur lesen könnt. Charakterisiert euch selbst eure Akkorde, und findet eigene Bilder und Beispiele für eure Akkorde. Denkt euch selbst kleine Szenen aus, um die Funktion einiger Akkorde in einer Standard-Akkordfolge zu beschreiben, die ihr schon in der Lektion 9 kennengelernt habt.
Mit diesen Bildern lassen sich auch oftmals bestimmte Entscheidungen nachvollziehen, wenn man mal diesen, und nicht den anderen Akkord genommen hat. Oder man kommt selbst auf die Idee, dass für das eigene Ohr ein anderer Akkord hier besser passen würde.

So was lernt man nicht durch das Heraushören von Akkorden, sondern indem man versucht, bestimmte Akkordfolgen in einem Lied einfach auswendig zu lernen. Man spielt nicht einfach eine Buchstbenfolge ab, sondern man fragt sich, warum man an einer Stelle einen bestimmten Akkord nimmt, und nicht einen anderen. Dabei muss man bedenken, dass es manchmal mehrere Möglichkeiten gibt, und der Geschmack entscheidet darüber, welchen der Akkorde man nimmt. Nachdem man so einen Höreindruck gewonnen hat, und nachdem man den Höreindruck einer Akkordfunktion zuordnen kann, dann hilft es einem natürlich enorm beim Heraushören der Akkorde von unbekannten Liedern wieder.
Wer das (noch) nicht kann, der hangelt sich halt von Akkord zu Akkord, von Liedzeile zu Liedzeile, und macht alles mit Versuch und Irrtum. Der wird auch an sein Ziel kommen.
Je mehr man sich aber mit Akkordfunktionen auskennt, desto einfacher fällt es einem.

Letztlich steckt da einfach eine Menge Spielerfahrung mit drin. Die Bilder und Vergleiche sind letztlich nur Hilfsmittel und Krücken, um sich der Materie anzunähern. Hinterher hört man es einfach. Man muss sich aber die Mühe machen, das auch zu üben.
Zuletzt geändert von mjchael am 13.02.2013, 12:27, insgesamt 2-mal geändert.

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von mjchael » 27.10.2012, 13:39

Lektion 12
Achte auf die Töne


Gehen wir zum Abschluss noch mal für die Leute, die Noten können, ein wenig ins Eingemachte.

Heraushören von Akkorden geht natürlich auch ohne große Notenkenntnisse, wenn man aber Noten lesen kann, dann kann dieses natürlich auch für das Finden von Akkordfolgen hilfreich sein. Ich sagte ja Eingangs, dass einem evtl. ein Midi helfen kann. Und um das Midi zu interpretieren, sollte man sich halt mit Noten auskennen. Und Glücklicherweise haben ja einige die Grundlagen in der Schule gelernt.

Für die Leute hier noch mal ein paar weitere Tipps, die ihnen weiterhelfen können.

Oftmals geben einem die Töne der Melodie einen Hinweis darauf, welcher Akkord passen könnte.
Dazu ist es hilfreich, dass man auch die Tonleiter C-Dur und G-Dur zumindest in den ersten 5 Bünden auch spielen kann. Leute, die schon ein wenig Melodiepicking gemacht haben, oder die sich schon ein wenig in der Improvisation mit Dur- und Moll-Tonleitern versucht haben, die haben es natürlich viel einfacher. Sie sind eher mal in der Lage, eine Melodie, die sie hören auch auf der Gitarre nachzuspielen.
Und da ich ja gezeigt habe, wie man viele Tonarten, die für den Anfänger noch zu kompliziert sind, mit Hilfe des Capos auf die einfachen Tonarten C-Dur oder G-Dur zurückführen kann, macht es natürlich auch das Nachspielen der Melodien einfach, da man sich nur auf eine der beiden Einfachen Tonarten C- oder G-Dur konzentrieren muss.

Wenn man die Melodie einer Passage rausgefunden hat, sollte man darauf achten, ob der Melodieton auf eine betonte Zählzeit fällt (meist auf 1 und 3) oder auf eine unbetonte Zählzeit (auf 2 und 4). Wer im Deutschunterricht aufgepasst hat, kennt das von den Hebungen und Senkungen bei dem Metrum eines Gedichtes. Wer das nicht hat: "Die Töne, auf denen man klatschen würde".

Die Töne auf den schweren Zählzeiten sind meist Akkordtöne. Die auf den unbetonten Zählzeiten sind oft nur Durchganstöne.

Da ich weiß, dass sich ein Akkord aus Grundton, Dur- oder Mollterz und Quinte und manchmal noch eine Septime zusammensetzt, kann ich das ja mal an jedem Ton der G-Dur und der C-Dur-Tonleiter durchexerzieren. Ich werfe beide Tonarten zusammen, weil sich vieles wiederholt, und es mir Tipparbeit erspart.

Der Ton C kann
der Grundton des Akkordes C sein,
die Mollterz des Akkordes Am
die Quinte des Akkordes F (in der Tonart C-Dur)
die Septime des Akkordes Dm7 (in C-Dur) oder D7 (in G-Dur oder als Zwischendominante in C-Dur)

Der Ton D kann
der Grundton des Akkordes Dm (in C-Dur) oder D (in G-Dur) sein,
die Mollterz des Akkordes Hm (in G-Dur)
die Quinte von G-Dur
die Septime von Em7 oder E7 (welcher nach Am weiterleitet)

Der Ton E kann
der Grundton von Em (oder E das nach A weiterleitet)
die Dur-Terz von C-Dur
die Quinte von Am. (oder evtl. A-Dur, der als Zwischendominante nach D weiterleitet)
Die Septime von F#m7b5 (in G-Dur) kommt nur ganz selten mal vor, und leitet dann meist über H7 nach Em weiter.

Der Ton F kann
der Grundton von F-Dur sein
die Moll-Terz von Dm
Als verminderte Quinte von Hm7b5 kommt er nur ganz selten mal in C-Dur vor. Leitet dann aber meist über E7 nach Am weiter.
oder die Septime von G7.

Der Ton F#
kommt als Grundton so gut wie nie vor (F#m7b5 ==> H7 ==> E)
kann die Durterz von D-Dur sein (in G-Dur)
die Quinte von Hm (in G-Dur) oder H7 das weiter nach Em leitet
Kommt als Septime praktisch nicht in G-Dur oder C-Dur vor.

Der Ton G kann
der Grundton von G sein,
die Moll-Terz von Em,
die Quinte von C-Dur
Die Septime von Am7 (oder seltener von A7, das nach D weiterleitet)

Der Ton A kann
Der Grundton von Am oder seltener A-Dur (das nach Dm oder D weiterleitet) sein
Die Dur-Terz von F-Dur
Die Quinte von D-Dur oder Dm
Die Septime von Hm7 (in G-Dur) oder H7 (das zu Em oder E weiterleitet)

Der Ton H kann
der Grundton von Hm (in G-Dur) oder H7 (das zu Em oder E weiterleitet)
Die Durterz von G-Dur
die Quinte von Em oder E-Dur

Grenzt man jetzt noch die Akkorde, die man üblicherweise in der Tonart C-Dur oder G-Dur erwartet ein, dann reduzieren sich wieder die Möglichkeiten.

Bestimmte Akkorde (A-Dur, H7, Hm7b5, E-Dur) tauchen nur in bestimmten Zusammenhängen ausnahmsweise mal in den Tonarten auf. Sie sind dann meist Zwischendominanten, die zum nächsten Akkord, der eine Quinte abwärs ist, weiterleitet.
A ==> D
H7 ==> Em
Hm7b5 ==> E7 ==> Am
E ==> Am
Dass sind in den einzelnen Tonarten bestimmte Akkordfolgen, die man dann auch als eine Standard-Akkordfolge (oder von mir aus auch Standard-Ausnahme) wiedererkennt, wenn man sie schon mal bei ein paar Liedern gespielt hat.

Ausschlussverfahren
Hat man mal zwei Töne im Terz-Abstand beisammen, so grenzt das die Möglichkeiten weiter ein.

Beispiel C und E

Der Ton C kann :
der Grundton des Akkordes C sein,
die Mollterz des Akkordes Am
die Quinte des Akkordes F
die Septime des Akkordes D7 oder Dm7

Der Ton E kann :
der Grundton von Em (oder E das nach A weiterleitet)
die Dur-Terz von C-Dur
die Quinte von Am. (oder A-Dur, das nach D weiterleitet)

E und C zusammen:
Em kann es nicht sein, denn da passt kein C mit dazu.
F-Dur kann es nicht sein, denn da passt üblicherweise kein E mit dabei.
Dm oder D7 kann es nicht sein, denn da passt üblicherweise kein E mit dazu.

Bleiben also nur noch C und Am übrig.

Ich gehe hier jetzt mal davon aus, das man nicht gerade mit jazzigen Akkorden begleiten wollte (wie ein Fmaj7 wo doch ein E mit reinpassen würde.) Aber für so was müsste man sich schon etwas im Jazz auskennen, und wissen, was für Akkorde da üblich sind. Hier geht es aber nur um die Grundlagen, wo wir mit einfachen Akkorden arbeiten. Auch Akkorderweiterungen wie sus4, add6 oder so habe ich mal außen vor gelassen. Für das erste Heraushören von Akkorden braucht man die nicht unbedingt. Man kann die Grundakkorde (Dur, Moll, Dur7) ja hinterher noch ein wenig erweitern, wenn man will. Hier wollen wir aber mal brav bei den einfachen Liedern bleiben. Denn man muss ja irgendwo anfangen. Schließlich sind wir ja nur Hobby-Gitarristen, keine Berufsmusiker.

Auch hier hilft es nichts, man sollte sich mit der Musiklehre auseinandersetzen, und zumindest mal bei der Tonart C-Dur anfangen, aus welchen Tönen die einzelnen Akkorde zusammengebaut sind.

Dann macht man mit G-Dur weiter. Es ändert sich ja nur ein Ton (F wird zu F#).
Und so hangelt man sich von einer Tonart zur nächsten.

Wenn sich die letzte Lektion für dich wie Böhmische Dörfer anhört, dann hast du dich mit der entsprechenden Musiklehre was Terzschichtung und Intervalle angeht, einfach noch nicht beschäftigt, und solltest es irgendwann mal nachholen. Die Sache ist aber gar nicht so trocken, wie sie dir jetzt gerade vorkommen mag. Meist lernt man die ganze Theorie nebenbei, wenn man sich mit Melodiepicking und Fingerstyle auseinandersetzt. Wenn man das lange genug spielt, bekommt man einfach die Erfahrung, was für Töne zu welchen Akkorden passt, und umgekehrt.

Die ganze Theorie spiegelt eigentlich nur wieder, was man vorher geübt hat, und was man in der Praxis anwendet. Mit einiger Ühung weiß man dann einfach, was für Akkorde am besten zu welchen Tönen passen.

Natürlich muss man nicht unbedingt genau wissen, wie die Töne im einzelnen heißen, um einfach durch Zuhören herauszufinden, welcher der 6 Akkorde einer Tonart gerade gebraucht wird. Aber eines dürfte wohl klar sein: Je mehr man weiß, desto einfacher fällt einem das Heraushören von Akkorden.

Wie meine Lehrerin immer zu sagen pflegte: Man sieht (bzw. hört) nur das, was man schon kennt.

Gruß Mjchael

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mjchael
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von mjchael » 07.01.2013, 13:18

Diesen Workshop habe ich konkret bei folgenden Liedern angewandt:

  1. [Chords] Ein Student aus Upsala (Kirsti)
  2. [chords] Schlottersteinhymne (Prinzen)
  3. [Chords] Für immer ab jetzt (Johannes Oerding)
  4. [Chords] Der Billiardär (Rainald Grebe)
  5. [Chords] Lass noch ein Tor für mich offen (Tagträumer)
  6. [chords] Pietro B. - Lo sto male senza te
  7. [Chords] Beautiful (Claudia Koreck)
  8. [Chords] Was ist nur los (Matthias Reim)
  9. [Chords] Spiel mir noch einmal das Lied (Gunter Gabriel)
  10. [chords] Kaze No Shijin (Yuu Shirota)
  11. [Chords] Junger Tag (Gitte)
  12. [Chords]Ausflug ins Blaue (Chima)
  13. [Chords] Schönen guten Morgen (Wise Guys)
  14. [Chords] Nichts ist für immer (Extrabreit)
  15. Einmal leben (Rolf Zuckowskis)

Da habt ihr selbst nochmal die Möglichkeit, das gelernte praktisch anzuwenden und nachzuvollziehen.

Es sind noch weitere Songs im Forum, wo die Akkorde genau nach der gleichen Art bestimmt wurden - Nur gab es da den Workshop noch nicht.

Wenn ihr selbst einmal eine Akkordfolge mit diesem Workshop herausgefunden habt, dann wäre es schön, ihr würdet diesen im Projekt Begleitvorschläge hineinposten. :D

Gruß Mjchael

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