Melodien sind zu melodisch

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Gast

Melodien sind zu melodisch

Erstellt: von Gast » 25.07.2012, 10:37

Moin

Wenn ich mir ein paar Akkorde zurecht gebastelt habe und versuche dazu eine Melodie zu finden, wird mir diese häufig zu melodisch.
Will heißen, es erinnert mich eher an eine Schlagermelodie als an einen Rock-/Popsong.

Ein Beispiel:
Ich hatte vor Kurzem zu vier Akkorden (D, A, Bm, G) eine Melodie improvisiert, die mir, wie gesagt, zu melodisch erschien. Bei genauerem Hinhören ist mir dann aufgefallen, dass es sich bei den Akkorden um die gleichen Akkorde aus U2s "With or without" handelte und selbst die von mir gespielten Töne alle in der Melodie des U2 Songs vorkamen.

Nur bei mir klang das nach Schlagerlied, nicht nach Rocksong.

Woran liegt das ?

Was unterscheidet einen Rocksong vom Schlager ?
Einen Blues vom Rock, Soul, Funk...

Ist das eine Frage der Harmonielehre, Wahl der Tonart und Akkorde ?

Ich kann zwar deutlich mehr als die o.g. vier Akkorde spielen, kenne von den meisten aber nicht die Namen.
In der Musiktheorie bin ich ein Laie und kann Noten entziffern, mehr aber auch nicht.

Gibt es trotzdem Hoffnung für mich ?

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howdy71
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Erstellt: von howdy71 » 25.07.2012, 10:58

Hoffnung gibt es immer und als Schlagersänger verdient am auch nicht so schlecht, wenn man es mal geschafft hat! :-)

Im Ernst. Das ist natürlich alles höchst subjektiv. Kannst du die Melodie mal aufnehmen und posten!? Das würde helfen.

Gast

Erstellt: von Gast » 25.07.2012, 11:08

Ich mache das auch eher intuitiv ohne wirklich gut Notenlesen oder den Quintenzirkel zu können.
Grundsätzlich hat es aber mit dem genau zu tun.

Die Theorieprofis können Dir das sicherlich besser erklären, darum versuche ich das gar nicht erst.

Einfach gesagt solltest Du aber die betonten Töne der Melodie möglichst nicht genau
auf den Grundtönen der Akkorde entlangführen. Bei Pop und Rock klappts gut wenn Du dich
einfach auf den anderen gespielten, oder allen anderen möglichen Tönen
der gerade gespielten Akkorde orientierst.

Ansonsten klingt es schnell wie Folk, anstatt wie Pop oder Rock.

Gast

Erstellt: von Gast » 25.07.2012, 11:39

Obwohl ich genau verstehe was ihr meint ist für mich gerade With or Without You das typische Beispiel wie stark eine Melodie an der Interpretation hängt.
Wenn Claudia Jung darauf Tränen der Liebe singt dann würdest Du nichts rockiges in der Melodieführung erkennen. Ganz im Gegenteil, das wurde zu den seichten Stücken im Repertoire gehören.
Ich glaube auch nicht, dass eine Komposition durch Komplexität zu beurteilen ist. Interssantes Thema. Ich bin schon gespannt wie Leute unsere Cracks das sehen.
Hanjo

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mjchael
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Erstellt: von mjchael » 25.07.2012, 12:17

Höre dir mal ein paar Lieder an, die einfach Rockiger klingen.
Beispiel
U2- live - with or without you
Bild


Tipp: Bleibe länger auf einer Note, und mache nur sehr sparsame Sprünge. Singe einfach mehrere Silben auf einen Ton.
Wenn du die Töne doch mal wechseln musst, dann Umspiele wenn möglich nur einen Ton.
Bevorzuge Halbtonschritte für die Wechsel (das Umspielen). Man hat dann den Eindruck, trotz vieler Worte schreitet die Melodie nur langsamer und schwerer vorran.
Kommt natürlich auch auf den Ausdruck an.

Bei deinem Beispiel:
D A Bm G
liegen die Halbtonschritte zwischen C# und D und zwischen F# und G

Dazwischen sind halt die Schritte auch hörbar kleiner, und man hat nicht so den Eindruck die Musik hüpft da munter vor sich hin.

Allerdings sollte man sich wenn möglich auch keine Akkordfolge raussuchen, die geradezu dazu einläd Popsongs draus zu machen.

D A Bm G ist die Standard-Popformel.
Drehe mal die Akkorde
Bm G D A
Und es wird dir schon leichter gelingen.

Wie gesagt, höre dir mal ein paar Sachen an, und imitiere die, die dir gefallen.
http://de.wikibooks.org/wiki/Gitarre:_A ... rogression

Gruß Mjchael

Gast

Erstellt: von Gast » 25.07.2012, 12:38

howdy71 hat geschrieben:Kannst du die Melodie mal aufnehmen und posten!? Das würde helfen.

Wo kann man den eine wav- oder mp3-Datei posten/hochladen ?

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mjchael
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Erstellt: von mjchael » 25.07.2012, 13:03

Wenn die MP3 klein genug ist (glaube 2MB) kann man es hier hochladen.

wav sollte man nie verschicken. Es ist einfach zu groß.
http://soundcloud.com/ wird von vielen benutzt.

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musicdevil
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Erstellt: von musicdevil » 25.07.2012, 15:23

Jo, ganz interessantes Thema.
Zum Teil sind es wohl die Akkordprogressionen, aber überwiegend liegt es dann wohl eher am Style.

Ich mach mal paar Beispiele mit ner ganz simplen Akkordfolge (C, Am, F, G)

Bluegrass
Country
Flow Rock
Piano Blues
Pop Hit
Reggae
Rock & Roll
Slow Rock
Swing
http://www.youtube.com/watch?v=-jx42PIfv5Y

Auf jeden Style würde man sicher etwas anders improvisieren und dadurch auch andere Melodien nehmen.
Weiterhin spielen die verwendeten Instrumente eine Rolle, aber auch wie zb. der Sänger klingt und singt.
Muss man hören "was unterscheidet Reggae von zb. einem Pop Hit usw.".

Auch noch nen anderes Beispiel:
Einmal ein Schlager
Tony Holiday - Tanze Samba mit mir
http://www.youtube.com/watch?v=dt89hkzB ... re=related
und einmal in einem doch recht anderen Style ;)
Tankard Tanza Samba mit Mir
http://www.youtube.com/watch?v=z2ZEXCoOyFE

Obwohl die Melodie gleich ist, sind deutliche Unterschiede zu hören :D
Ist ne Melodie zu melodiös muss man eben was weniger eingängig spielen. Am Besten man hört sich an, wie das andere gute Musiker machen.

Gast

Erstellt: von Gast » 25.07.2012, 15:28

Ähso: http://soundcloud.com/chaosdesign/testup-1#
Ihr habt´s ja nicht anders gewollt.

Das Drumherum einfach ignorieren (irgendwas ging bei den Drums schief...). Nur auf die Melodie(n) achten.

Um Missverständnissen vorzubeugen: Ich wollte nicht ein U2-With-or-without-you ähnliches Stück schreiben. Im Hinterkopf hatte ich eher einen Gute-Laune-Rocksong a la "All summer long" von Kid Rock oder "Summer of 69" von Bryan Adams (auch die gleichen Akkorde).

Als ich dann aber die Melodie dazu spielte fiel mir auf, dass es die gleichen Akkorde wie in U2s "With or without you" waren und sogar die gleichen Töne in der Melodie vorkamen. Und dennoch ist es komplett anders. Mich erinnert es von der Melodie eher an so ein Mitklatsch-Lied aus dem Musikantenstadl.... na, vielleicht nicht ganz so schlimm... aber Rocksong geht, glaube ich, anders.

Daher meine Frage: Was unterscheidet den Rocksong vom Schlagerlied ?
Wahrscheinlich nicht ganz so melodisch :? .

Ich hatte auch mal irgendwas gelesen, dass im Soul andere Akkorde genutzt werden als im Rock. Es kommt also nicht nur auf die Melodie an, sondern auch auf Akkorde ... und was noch ?

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musicdevil
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Erstellt: von musicdevil » 25.07.2012, 15:46

Zu den Akkorden noch nen Beispiel:
Folgende Akkordfolge würde man wohl eher im Jazz vermuten:
Cm7, Fm7, Bb7, EbM7, AbM7, Dm7b5, Fm6/G, G7

Klingt dann in ner Jazz Ballade so hier:
http://dl.dropbox.com/u/9176594/Jazz%20Ballade.mp3

Und im Schlager eher so:
http://dl.dropbox.com/u/9176594/Schlager.mp3

Völlig identische Akkorde, aber trotzdem was ganz anderes ;)

Nö Klampfman, ich denke es gibt auch sehr melodiöse Rockmusik.
Ich meine, dass es weniger an den Melodien liegt.
Viel mehr das Gesamtgebilde vom Song.
Zum Beispiel wird man im Schlager eher weniger "Gutturaler Gesang" (auch als "Growling" bekannt) vorfinden^^
Oder die fetten E-Gitarren wie man sie vom Metal her kennt.
Insgesamt die ganze Instrumentierung spielt sicher auch eine Rolle.

Korgli würde wieder sagen "Man muss nichts in eine Schublade stecken" :D

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korgli
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Erstellt: von korgli » 26.07.2012, 11:50

Genau
Wer will darf aber.

Ich finde auch, dass es am Ganzen liegt.
Das ist Rythmik - Art des Gesangs - und vieles mehr.

Elvis hat auch puren Schlager gesungen - zum Teil -
Aber niemand würde DEM Schlager sagen - stimmts ?

fredy

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mjchael
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Erstellt: von mjchael » 26.07.2012, 12:34

Mal ganz nebenbei:
@Musikdevil
Sehr schöne Beispiele :D

Ich hab noch eines:
Still Haven't Found What I'm Looking For als Rock-Ballade
Still Haven't Found What I'm Looking For als Gospel
Still Haven't Found What I'm Looking For als volkstümlich

Jedes einzelne von denen ist einfach hörenswert. :lol:

Gruß Mjchael

ray6233
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Erstellt: von ray6233 » 26.07.2012, 18:58

Ich hatte dasselbe Problem. Mein Tipp: Mach dich mal über den dorischen Mode chlau und setz dich damit auseinander. Versuch damit zu improvisieren, und schon bald klingts mehr nach echtem Rock :-)

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mjchael
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Erstellt: von mjchael » 26.07.2012, 20:28

@ray6233 Es gibt zwar dorischen Rock, aber dorisch hört sich auch nach Mittelalter, Irisch-Folk oder Kirchenlieder oder Jazz an.

Wenn man sich mit einem Modus für Rock auseinandersetzen sollte, dann mit mixolydisch, weil es eine Begleitung gibt, bei der man alle Akkorde als Dur7-Akkorde (also wie eine Dominante) spielt und demnach über jeden Akkord die mixolydische Skala spielt. Aber vorher würde ich erst mal den Blues lernen, weil der Mixo-Blues oder Mixo-Rock darauf aufsetzt.

Aber ob du es glaubst oder nicht: die allermeisten Rock-Stücke sind einfaches Dur oder Moll, vielleicht noch mit ein paar Blue-Notes angereichert. Nicht viel exotisches mit dabei.

Also lerne erst mal ein paar Rock-Stücke mit den ganz normalen Mitteln zu fabrizieren.

Es gibt kein richtiges Geheimrezept, oder Geheimzutat.
Du kannst nicht zu einem sagen: Nimm nur ordentlich Gewürze, dann wird es schon scharf, und der Koch wundert sich auf einmal dass Lebkuchen und Pfefferkuchen dabei heraus kommt.

Da ist es besser zuerst mal einige Rockstücke einfach nachzuspielen.
Dann bekommt man leichter ein Gefühl für die Stücke.

Gruß Mjchael

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startom
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Erstellt: von startom » 26.07.2012, 21:29

Klampfman hat geschrieben:Was unterscheidet einen Rocksong vom Schlager ?
Einen Blues vom Rock, Soul, Funk...

Auf jeden Fall weder Tonart noch Akkordfolge.

Die Unterschiede liegen meiner Meinung nach bei der Auswahl der Instrumente sowie vor allem der Spielweise dieser Instrumente.

Gitarren kannst du sowohl im Schlager als auch im Rock spielen. Du kannst dieselbe Tonart D - A - Bm - G mit derselben Gitarre in demselben Tempo und demselben Takt spielen.
Bei Rock baust du ein paar dead Notes und/oder palm Muting ein, baust 4tel, 8tel und sogar 16tel Noten ein. Bei Schlager verwendest du eher ein 'harmonischeres' Schlagmuster.
Hab jetzt leider grad keine Zeit, was entsprechendes mit der Akustikgitarre einzuspielen. Falls du jedoch den Unterschied gerne hören würdest, setze ich mich am Wochenende mal dran.
Tom

Paul Fabulous
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Erstellt: von Paul Fabulous » 27.07.2012, 14:44

Auf jeden Fall weder Tonart noch Akkordfolge


Da bin ich anderer Meinung.


Eine bluesbeeinflusste Melodie, wie sie eben für viele Rock- und Popstücke (nicht alle) gängig ist, benutzt eben oft auch "ungewöhnliche" Akkordfolgen.


Wir hatten vor kurzem hier die Diskussion über One in a million - Guns 'n' Roses klick! und da gibt's die Akkordfolgen:

A - C - G - F (4x) und C - G - D - A (4x?) - E (Vers und Refrain)

Also ich weiß nicht wie es euch geht, aber wenn ich diese Folgen mehrmals spiele, fühle ich automatisch "Rockpop-song" und nicht "Schlager". Dabei ist so eine Folge keine Ausnahme.


[Eine wie ich finde typische Schlagermelodie, die ich vor kurzem bei einer Geburtstagsfeier zum Besten geben dürfte :shock: , ist z.B. dagegen "Ein Stern, der deinen Namen trägt" ähm, räusper-räusper. Die Akkordfolge den ganzen Song durch ist, tatatataa: D - G - A - D. Also die ganz normale D-Dur-Kadenz . . .]


Also ich denke (wie Mjchael) es ist eine Melodie (mit Bluestönen und Pentatonik), kombiniert mit entsprechenden Harmonien, die das Rockige markiert. Natürlich kann dann noch entsprechendes Arrangement, Rhythmus und Sound dazukommen, das ist aber meiner Meinung nach (eher) nachgeordnet.

Sonst würde ja auch kein Rocksong funktionieren, wenn man ihn nur mit einer akustischen Gitarre spielt. ;)

Aber es gibt natürlich wie überall alle möglichen Übergänge vom Rockigen ins Popige bis ins Schlagermäßige.


Gruß
Paul

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jemflower
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Was macht den Schlager zum Schlager?

Erstellt: von jemflower » 27.07.2012, 14:50

Das ist eine Frage, zu der ich gerne auch einmal eine klare Antwort hätte!

Ich frage mich oft, wieso klingt ein Lied auf deutsch wie ein Schlager, auf Englisch wie ein Popsong?
Da es oft Nachdichtungen sind und der Ursprungsinhalt ignoriert wird, liegt es wohl am Inhalt?

Dreht es um, singt mal auf "Still haven't found" : doch ich weiß, du kannst heute nicht bei mir sein, mein Herz weint vor Schmerz, ich kann mich nicht freu'n

Wieso klingt die gleiche Melodie bei Otto oder Mike Krüger nicht wie ein Schlager? Wegen der Textparodie (neuer Inhalt), wegen anderer Instrumentierung oder anderer Art zu singen? Oder liegt es an der Person die singt?

Liegt es am Mix, da beim Schlager der Gesang dominiert?

Liegt es am Sänger, der immer geliebt wird weil er gut aussieht?

Liegt es am Schlagzeug (Rumm-Ta-Ta und Klatsch)?

Warum klingen nicht alle Schlager gleich furchtbar?

Wenn ein Lied von Reinhard Mey es mal in die Hitparade schaffte, ist es dann ein Schlager?

?

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korgli
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Erstellt: von korgli » 27.07.2012, 14:58

hi
Das liegt an der fehlenden Distanz - liebe Jem.
Und das es Uncool ist - deutsch zu singen.
Etwas anderes wüsste ich nicht.

Denn du hast zu 100% recht.

fredy

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phunky
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Erstellt: von phunky » 27.07.2012, 15:10

Also der typische deutsche Schlager zeichnet sich durch einige Besonderheiten schon aus, denke ich.

1. Die Texte: Heile Welt Themen bevorzugt. (Klar, das kann es in anderen Genres auch geben, aber im Schlager ist das doch typisch.) Undifferenziert, einfache seichte Themen, eigentlich immer Liebe. Es fehlt an der der sprachlichen Rohheit eines Rocksongs, an gelegentlicher Selbstironie, an komplizierteren Passagen, in denen der Hörer sich mal selbst was denken muss, an allem eben was den Kitsch gefährden könnte.

2. Das Arrangement. Immer seicht, meistens keine Bridge. Rhythmus immer voll mitpatschfähig. Die Instrumentierung.

3. Der Mix. Typisch für deutschen Schlager ist doch wohl, dass die Stimme viel lauter im Gesamtmix ist, als irgendein Instrument. Und in der Relation eben auch lauter als bei anderen Genres. Ein solcher Schlager klingt auch auf Englisch nicht wie ein Popsong. Und das hat nichts damit zu tun, dass es uncool wäre auf deutsch zu singen.

Der deutsche Schlager ist mittlerweile ein eigenes Genre, genau wie die daraus entwickelte volkstümliche Musik (die nichts oder zumindest fast nichts mit Volksmusik zu tun hat).

Das wiederum hat natürlich nichts damit zu tun, dass es jede Menge unerträgliche, seichte Popmusik gibt. Aber das macht auf der anderen Seite eben auch nichts besser.

Ich finde da muss man auch nichts relativieren. Wenn ich Helene Fischer scheiße finde (oder zumindest ihre Musik), dann darf ich das, auch ohne mir von irgendjemandem erklären lassen zu müssen, dass auch Elvis unerträgliche Schnulzen gemacht hat. Und das hat er zweifelsohne, Helenes Songs werden deshalb aber auch nicht besser. Mahlzeit.

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Counterfeit
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Erstellt: von Counterfeit » 27.07.2012, 16:15

korgli hat geschrieben:Und das es Uncool ist - deutsch zu singen.
Etwas anderes wüsste ich nicht.
fredy


Also ich glaube mit der Sprache hat das ziemlich wenig zu tun. Ich höre z.B. sehr sehr gerne deutschsprachige Musik. Die hat aber null mit Schlager zu tun. Paar Beispiele:

http://www.youtube.com/watch?v=QUc5vC8h ... re=related
http://www.youtube.com/watch?v=1Swn35l8fyg
http://www.youtube.com/watch?v=M6zP71psCT4 (auch sehr "schmieriger" Text, aber trotzdem kein Schlager meiner Meinung nach) ;)
http://www.youtube.com/watch?v=yH2t8tCuMoM
http://www.youtube.com/watch?v=m_pYa2f02VM
http://www.youtube.com/watch?v=3-GCOSmzuZY

usw....

natürlich noch sowas wie Die Ärzte, Toten Hosen usw ;) Es gibt so viele gute Musik die deutsch gesunden wird und das ist alles meiner Meinung kein Schlager. Ich glaube auf Schlager muss man Discofox tanzen müssen ;) Zumindest habe ich immer das Gefühl, dass Schlager vor allem den gleichen Rythmus und Beat hat (fällt mir jedes mal wieder auf wenn ich im Skiurlaub bin. Da kommt man da nicht drum rum)

Gast

Erstellt: von Gast » 27.07.2012, 16:31

Ohne auf alle Antworten im Einzelnen einzugehen bedanke ich mich für die rege Anteilnahme an meinem Problem.
Auch wenn mir vieles davon zu akademisch ist (... myixolydisch... dorisch... Kadenz... war dorisch nicht mal eine griechische Säulenform ?...)

Wobei es mir nicht so sehr um den Unterschied zwischen Rock und Schlager ging.

Zugegebenermaßen ein interessantes Thema. Ich bin der Überzeugung das int. Pop und deutscher Schlager im Prinzip ein und dasselbe sind, wenn man die Billigproduktionen und allzu schleimigen Abzählreime mal weg lässt... obwohl, die gibt´s im englischen ja auch...

Leider kann ich es nicht mehr finden und bekomme es deswegen auch nicht mehr so ganz hin. Aber ich meine mal irgendwo gelesen oder gesehen zu haben, dass z.B. die Auswahl der Akkorde Einfluss auf die Stimmung des Liedes hat (logisch: Dur und Moll usw.). Aber das gilt wohl auch für Akkorde innerhalb dieser Tonart (schulligung, wenn ich die Fachausdrücke nicht kenne).

Es gibt Akkorde, auch Harmoniefolgen, die wärmer klingen, als andere und somit z.B. eher in der Soulmusik zu finden sind, als im Hardrock. Einer meiner Lieblingsakkorde (Bbsus2) ist z.b. verdächtig oft in traurigen Pop/Rocksongs zu hören (Purple Rain vom Prince, Torn von Natalie Imbruglia usw.) Einige sprachen hier die Bluesnoten an (ich habe nur eine etwaige Vorstellung davon, was das sein könnte). Ich glaube, die spielen dabei auch eine wichtige Rolle, ob es bluesig, rockig, soulig oder sonstwas klingt.

Aber wo kann ma sowas - für einen Anfänger und Laien verständlich - nachlesen, ohne gleich ein ganzes Studium der Musikwissenschaften zu absolvieren ?

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mjchael
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Erstellt: von mjchael » 27.07.2012, 18:14

Also ich könnte euch einigen melodiös seichten deutschen Pop vorspielen, die trotzdem alles andere als typische Schlager sind.

Beispiele:
Mjchaels Spielliste "Schönes auf Deutsch"

Über einzelne Lieder können wir uns jetzt streiten, ob das schon Schlager sind, oder noch guter deutsche Popmusik - aber ich glaube insgesamt hört ihr schon was ich meine.

Und selbst bei den Schlagern gibt es solche und solche.

Der erste, der Herz auf Schmerz gereimt hat, war ein Genie - der hundertste ein Idiot.

Aber der Schlager den ich nicht ausstehen kann:
  • Sie sind platt.
  • Textlich ohne Aussage, mit unheimlich vielen Versatzstücken.
  • Das Thema ist politisch korrekt, oder hat das Niveau der Regenbogenpresse.
  • Der Wortschatz ist begrenzt, und ziemlich einfach gehalten.
  • Der Satzbau ist ebenso einfach gehalten. Komplexe Gedankengänge fehlen meist.
  • Das Lied ist von Anfang an vorhersehbar, ohne die kleinste Überraschung.
  • Die Stimme ist klar, wohlklingend aber ohne Ecken und Kanten, und ohne irgendwelche Tiefe oder Profil.
  • Die Akkordfolgen sind extrem einfach, oder es sind typische Klischees. Klare Kadenzen, einfache Strukturen, keine besonderen Spannungsbögen.
  • Auf den schweren Zählzeiten fallen meist Akkordtöne. Alle Harmoniefremden Töne (die nicht zum Akkord gehören) fallen immer auf die unbetonten Zählzeiten, und sind höchstens Durchgangstöne zum nächsten Akkordton. Nichts, was mal ein wenig Spannung oder Farbe in die Harmonisierung bringen könnte.
  • Die Melodie hat keine interessante Metrik (Rhythmik). Leichte fließende Folgen von Viertel- und Achtelnoten, ohne einen Groove zu haben, und kaum oder gar keine Synkopen.
  • Der Melodieverlauf hat keine besondere Spannungsbögen (womit man auch aus einfachen Akkordfolgen etwas machen könnte.)
  • Der Takt hat seine typischen Schwerpunkte auf 1 und 3.
  • Der Text, die Harmonisierung, die Dynamik und die Melodie ergänzen sich nicht. Mögliche interessante Elemente verpuffen oder verrauchen ohne besonderen Effekt.


Es ist nicht ein einzelner Punkt, den es ausmacht, sondern eine ganze Fülle von Elementen, die zusammen kommen. Man könnte als einfache Formel sagen: Lasse alles raus, was interessant und neu ist.

Und dann muss nur eines der aufgezählten Sachen aus dem Rahmen fallen, und es ist kein Schlager mehr, oder einer von den Schlagern, die ich trotz allem gerne höre.

Ich finde die Schnulze "So bist Du" von Peter Maffay einfach gut. Auch wenn es nur Schlager ist. Und dabei kommt es wohl nur auf den Sänger an. Einem Maffay nimmt man ab, dass er das auch meinen könnte, was er singt. Einem Oli P glaubt man das eben nicht.

Ein Großteil der Neuen deutschen Welle fällt nicht unter Schlager.
Deutscher Punk hat auch nicht viel mit Schlager zu tun.

Tja dazu könnte man noch viel mehr sagen, aber ich muss schnell meinen PC aus machen, denn gleich rummst es hier bei uns. :lol:

Gruß Mjchael
Zuletzt geändert von mjchael am 31.07.2012, 11:52, insgesamt 1-mal geändert.

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Erstellt: von musicdevil » 27.07.2012, 19:29

Als Schlager (englisch: Hit = Schlag) werden allgemein leicht eingängige instrumentalbegleitete Gesangsstücke der Popularmusik mit oft deutschsprachigen, weniger anspruchsvollen, oftmals auch sentimentalen Texten bezeichnet. Ausgehend von populären Operettenmelodien machte sich seit den 1920er Jahren der Einfluss von jazzigen Rhythmen und Harmonien und seit den 1960er Jahren der Popmusik bemerkbar.

Seit den 1950er Jahren wird Schlager „als schwer zu umgrenzender Begriff in der neueren Unterhaltungsmusik“ sowie „als Kurzform für leicht eingängige Tanz- und Unterhaltungsmusik“ beschrieben.[1] Microsoft Encarta definierte 2003 Schlager als „einerseits kommerziell erfolgreiches Musikstück, andererseits als eine Gattung der Unterhaltungsmusik“. Kennzeichnend seien „einfachste musikalische Strukturen und triviale Texte, die an das Harmonie- und Glücksverlangen des Zuhörers appellieren“. Dabei seien „die Grenzen zur Popmusik und volkstümlichen Musik fließend“.[2]


Eine eindeutige Definition von Schlager gibt es in der Musikwissenschaft nicht und wird von einzelnen Autoren als „schwierig“ und „nicht möglich“ bezeichnet. Eine systematische Abgrenzung zu anderen Genres erweist sich ebenso als schwierig.

http://de.wikipedia.org/wiki/Schlager

Matthias Reim, wird zb. als "deutscher Popsänger" geführt, obwohl das doch alles Schlager ist.
Eingängige Melodien, oft tanzbar im Discofoxstil, relativ simple Akkordfolgen, deutsche Texte...würde alles passen.
Allerdings finde ich seine Texte wie zb. "Träumer" prima.
http://www.magistrix.de/lyrics/Matthias ... 11207.html
Hat mehr Inhalt als so mancher englische Rocksong.
In seiner Musik höre ich viele rockige Elemente.
Es klingt nur nicht wie Heavy Metal ;)

Heino hingegen ist ein deutscher Schlagersänger, obwohl vieles doch eher der Volksmusik zuzuordnen wäre.

Meiner Meinung nach gestaltet sich eine Abgrenzung in vielerlei Hinsicht als schwierig. Jazzige Rhythmen und Harmonien im Schlager?
Jo, ist so..gibt durchaus anspruchsvolleren "Schlager".
Gibt aber auch "Mitgröllmusik ala Ballermann".
Vielleicht reden wir lieber allgemein von Unterhaltungsmusik?
Aber auch da wüßte ich nicht wo man anfangen und wo aufhören sollte.
Ich persönlich mag es melodiös.

Paul Fabulous
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Erstellt: von Paul Fabulous » 27.07.2012, 20:33

Aber wo kann ma sowas - für einen Anfänger und Laien verständlich - nachlesen, ohne gleich ein ganzes Studium der Musikwissenschaften zu absolvieren ?


Klampfman,

schau doch mal hier bei den Kadenzen, die Mjchael zusammengestellt hat, nach.

Eine Kadenz ist einfach ein bestimmte, festgelegte Abfolge von Akkorden.

Lass' dich von der Fülle der Beispiele nicht erschlagen, spiele einfach mal von weiter unten ein paar Folgen, wo du die Songs kennst, nach.


Gruß
Paul

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phunky
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Erstellt: von phunky » 27.07.2012, 21:12

musicdevil hat geschrieben:...
Matthias Reim, wird zb. als "deutscher Popsänger" geführt, obwohl das doch alles Schlager ist.
Eingängige Melodien, oft tanzbar im Discofoxstil, relativ simple Akkordfolgen, deutsche Texte...würde alles passen.
...


Natürlich gibt es immer Grenzgänger. Reim hat sicher viel von Schlager, oder von dem was ich darunter verstehe. Aber zum Beispiel der Mix ist nicht so typisch. Der versucht schon ein bisschen den Rocker raushängen zu lassen.

Und was die Texte angeht: Klar darf man die gut finden. Oder meinetwegen die von Andrea Berg. Hat doch keiner was gegen. Wobei die Erzählstruktur schon passt.

Oder Udo Jürgens, der sicher gelegentlich auch musikalisch was zeigte und zum Teil bemerkenswerte ekelhafte Texte zum Besten gab. Man höre sich nur mal "Gabi wartet im Park" an. Also den Teil zwischen den Refrains, den so mancher mit besoffenem Kopp gern mal mit grölt. Schon ziemlich widerlich...

Ich denke es geht jetzt auch nicht so sehr darum, jeden erdenklichen Song zu kartographieren. Eine so präzise Zuordnung ist wohl bei den wenigsten Genres möglich. Und man kann da auch draus folgern, "wenn nicht alles in die Schublade passt, lassen wir es halt ganz". Aber das muss man deshalb nicht. Jede Regel hat Ausnahmen. Ich nenne einen Rocksong eben doch Rocksong. Auch wenn es welche gibt, die vielleicht schon Hardrock sein könnten. Oder Jazz Jazz, auch wenn es Stücke gibt die eher Pop sind.

Aber das eigentliche Thema ist doch wohl gewesen, ob es nur an der Art der Interpretation liegt, wie etwas klingt. Kommt natürlich drauf an, was man unter Interpretation nun genau versteht. Aber wenn man das Gain weiter aufdreht und mit ordentlich Attack anschlägt, wird aus einem Schlager noch kein Rocksong, denn wenn das schlagertypisch gemischt ist, die typische uffta-uffta Trommel dazu schlägt und ein weichgespülter Text dreimal so laut wie die Band spielt drauf gesäuselt wird, dann wird keiner den Unterschied bemerken. Ist halt immer das Gesamtpaket.

Natürlich ist Musik immer nur Musik, aber eben doch nicht jede Musik ist gleich. Einen Teil macht die Interpretation aus, einen Teil die Harmonien, das Arrangement, die Produktion usw.

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Erstellt: von uwwinter » 28.07.2012, 08:24

Hi Leute,

ein echtes Thema für eine Doktorarbeit !

Ich stelle mir gerade vor, Howie Carpendale singt "Still haven`t found"

Der Text: Isch freu mich riesisch.......dass du bei mir bist.........

das wäre dann defintiv ein Schlager ;) ;) ;)

Gruß an alle

Uwe

Gast

Erstellt: von Gast » 28.07.2012, 09:11

Paul Fabulous hat geschrieben:Klampfman,

schau doch mal hier bei den Kadenzen, die Mjchael zusammengestellt hat, nach.

Eine Kadenz ist einfach ein bestimmte, festgelegte Abfolge von Akkorden.

Lass' dich von der Fülle der Beispiele nicht erschlagen, spiele einfach mal von weiter unten ein paar Folgen, wo du die Songs kennst, nach.


Gruß
Paul


Ich weiß ja nicht was Du so hörst oder spielst, aber ich habe noch nie eine Band oder einen Musiker "16-25er" rufen hören.
"B minor" schon eher...

Paul Fabulous
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Erstellt: von Paul Fabulous » 28.07.2012, 11:05

@ Klampfman

Ich weiß ja nicht was Du so hörst oder spielst, aber ich habe noch nie eine Band oder einen Musiker "16-25er" rufen hören.



Ich habe das auch noch nicht gehört. Geht wahrscheinlich dabei eher um improvisierte Auftritte im Jazz- und Rockbereich.

[Obwohl es letzten Endes auch nur heißt: "Wir spielen jetzt nacheinander den 1., 6., 2. und 5. Akkord von der entsprechenden Tonleiter." Ist nur kürzer.]


Aber deshalb, sehr verehrter Klampfman, habe ich auch das geschrieben: ;)
spiele einfach mal von weiter unten ein paar Folgen, wo du die Songs kennst, nach.



Ne, im Ernst, spiel' doch mal paar von den Akkordfolgen, die auf der angegebenen Seite Kadenzen weiter unten stehen, nach. Ich denke schon, dass du da einige Antworten auf deine Fragen bekommen kannst.


Ich habe für dich auch nach guten Bluesseiten gesucht, aber nichts gefunden. Es gibt zwar sehr viele davon, aber meistens wird man da mit viel zu vielen Abbildungen der Bluestonleiter zugeschüttet. Ich weiß nicht, ob dir das was bringt.

Vielleicht suchst du mal hier im Forum oder auf Youtube nach "Einführung Blues" oder "Einführung Pentatonik".

Oder jemand im Forum hat direkt noch einen guten Tipp?


Grüße
Paul

Paul Fabulous
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Erstellt: von Paul Fabulous » 30.07.2012, 07:25

Falls jemanden noch weiter der Unterschied zwischen

"Rocksong" und normalen "Popsong" auf der melodischen und harmonischen Ebene

interessiert, habe ich noch einen englischen Link dazu gefunden.

Bei Interesse bitte nochmal melden.
Gruß
Paul

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Erstellt: von phunky » 30.07.2012, 08:00

Ich weiß ja nicht was Du so hörst oder spielst, aber ich habe noch nie eine Band oder einen Musiker "16-25er" rufen hören.


Nun, das ist doch wohl nichts, was man anderen vorwerfen sollte ;)

Gast

Erstellt: von Gast » 31.07.2012, 08:20

Paul Fabulous hat geschrieben:Falls jemanden noch weiter der Unterschied zwischen

"Rocksong" und normalen "Popsong" auf der melodischen und harmonischen Ebene

interessiert, habe ich noch einen englischen Link dazu gefunden.

Bei Interesse bitte nochmal melden.


Jo, mach do ma.

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Jens80
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Erstellt: von Jens80 » 31.07.2012, 10:25

Es ging hier ja auch bereits um die Texte. Da hab ich grad ein kleines "Problem":

Hab die ersten beiden Songs für die Band jetzt auf Englisch geschrieben - obwohl ich das eigentlich gar nicht unbedingt wollte. Hab immer das ungute Gefühl, dass ich mit meinem Schulenglisch sicher nen Haufen grammatikalische Böcke drin habe, bei der sich nen Muttersprachler an den Kopf fassen würde. Unser Basser hat zwar Englisch studiert, aber Fremdsprache bleibt Fremdsprache.

Mir fällt es aber irgendwie leichter, englische Wörter "gesangsrhytmisch" unterzubringen. Deutsch kommt mir da öfters sperriger, unflexibler und vermeintlich länger vor. Bilde ich mir das ein? Geht es Euch manchmal auch so? Ist doch eigentlich paradox, dass man sich ner Fremdsprache bedient, oder?

Auf der anderen Seite, bekomme ich fast schon ne Scham-Gänsehaut wenn ich meine Texte auf Deutsch übersetze - gerade wenn es um Freundschaft und/oder Liebe geht. Da frag ich mich dann selber schon ob das nicht auch die Helene singen könnte, wenn wir die Stromgitarren mal außen vor lassen :-)
Irgendwie geht da ne schützende Distanz verloren, wenn ich es auf Deutsch versuche..... kennt das noch jemand?

Mein erster Gitarrenlehrer hat auch mal behauptet, dass sich die ganze Entwicklung der Pop- und Rockmusik ausgehend von englisch-sprachigen Bands auf die heutige Hörgewohnheiten ausgewirkt haben. Er meint die Musik hat sich dem englischen Sprachrhytmus angepasst. Ob das wirklich so ist, weiß ich nicht, aber ich glaube ich verstehe ein wenig was er gemeint hat.

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korgli
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Erstellt: von korgli » 31.07.2012, 10:42

hi Jens

jep genau 100% kann ich dir da zustimmen.

Also ich mein sogar, wenn ich Deutsch rede, dass es ne Fremdsprache ist. =)=)=
Naja da ich aus der Schweiz komme, nicht so abwegig.

Tatsächlich bin ich jemand, der sogenannten "intelligenten" Texten eher skeptisch gegenüberstehe. So akademisches blabla.

Manch grosse Hits - egal welche Sprache, haben eigentlich eine einfache Aussage drin. Und manchmal mit mehr oder weniger komplexen Wörtern.
Die Aussage ist für mich immer noch das Wichtigste.
Manche sind eben so gestrickt, dass sie möglichst kompliziert klingen wollen.
Kann ich dann halt nicht so nachvollziehen.
Ev. will man sich abheben, von der Volksmasse ?
Ich finde das halt Snobmässig.

Dann - ich bin etwas älter :-)
Und wenn ich Texte von sehr jungen Bands oder Texter anhöre, soweit ich die nachvollziehen kann, dann sind da wieder Sprachgebräuche drin, die ich nicht immer soooo toll finde.
ABER - die Aussagen bleiben. Und das ist wichtig.
Heute muss auch alles immer brutal klingen, sonst lächelt man drüber, oder tut es als seichten Schlager ab. Ich emfinde das aber nicht so.
Darf aber jeder gerne so sehen, wie er möchte.

Naja - jedem das seine - und mir das meine.

Tasächlich singe ich auch lieber englisch, soweit es mir möglich ist.
Ich kann ein wenig englisch, aber es ist nicht meine Muttersparache.
Manche meinen auch, dass sie das perfekt können.
Aber mir bestätigen immer wieder Freunde, die im amiland, oder england aufgewachsen sind, - in gebrochenem deusch natürlich - dass sie diese meilenweit hören können, dass es nicht perfekt ist - kann es nieeeeee sein - und auch die dialekte, die über dem Teich durchaus sehr verschieden sind, dass auch da die selben Diskussionen wie hier sind.
Ob das oder das so oder so ausgesprochen werden.

Sicher - so jemand wie ich - der macht mehr Fehler - ist aber bei den amis als charmant, beliebt - =)=)=
Manche Fehlaussprache, bringt einen dann eben zum schmunzeln.
Wie wenn ein italiener z.b. deutsch redet.
Man erinnere sich an Trapatoni - herrlich - charmant.

Aber man sollte das nicht allzu ernst nehemen, finde ich.

fredy

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Erstellt: von phunky » 31.07.2012, 11:13

Irgendwie geht da ne schützende Distanz verloren, wenn ich es auf Deutsch versuche..... kennt das noch jemand?

Mein erster Gitarrenlehrer hat auch mal behauptet, dass sich die ganze Entwicklung der Pop- und Rockmusik ausgehend von englisch-sprachigen Bands auf die heutige Hörgewohnheiten ausgewirkt haben. Er meint die Musik hat sich dem


Ich finde das die Sprachmelodie vom Deutschen manchmal etwas schwierig in die Pop- oder Rockmusik übertragbar ist. Letztlich wurde da, wo diese Art der Musik entstand einfach nicht deutsch gesprochen.

Deutsch klingt nun mal recht harsch. Soll nicht heißen, dass es unmöglich ist, es gibt ja auch genug deutschsprachige Interpreten und bei einigen klingt es ja auch ganz gut. Aber generell denke ich, es ist einfach schwieriger.

Und korgli: Bei den Texten muss es nicht brutal zugehen. Das allein hebt einen Text nicht vom Schlager ab. Das geht meines Erachtens am eigentlich Thema vorbei. Klar, mag sein, dass jemand die Songwriter die ich so mag auch als Schlager abstempeln würde. Aber ich finde der typische Schlagertext zeichnet sich nicht durch Sanftmut aus, sondern durch einfache Wahrheiten und null Interpretationsspielraum.

Abgesehen davon ist deutschsprachige Rock- und Popmusik doch so etabliert wie noch nie. Zu Zeiten als Lindenberg damit anfing, war das noch ne ganz andere Kiste.

Paul Fabulous
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Erstellt: von Paul Fabulous » 31.07.2012, 13:22

Paul Fabulous hat Folgendes geschrieben:
Falls jemanden noch weiter der Unterschied zwischen

"Rocksong" und normalen "Popsong" auf der melodischen und harmonischen Ebene

interessiert, habe ich noch einen englischen Link dazu gefunden.

Bei Interesse bitte nochmal melden.


Klampfman hat geschrieben:
Jo, mach do ma.



Klampfman,


ich weiß nicht, ob du viel davon haben könntest, da es ein 21-seitiger, ziemlich musiktheoretischer pdf-Artikel einer Musik-Uni in den Staaten ist. Die untersuchten Musik-Beispiele sind in Notenschrift aufgeführt.


Trotzdem finde ich den Artikel interessant, da er genau "unser Problem" als Thema hat.

Beispielsongs sind Klassiker von Deep Purple, Oasis, Beatles, U2, Stones . . . einfach ein paar herausgegriffen.


Eine andere Frage ist natürlich, ob man die dort gefundenen Antworten dann einfach für sich beim Schreiben eines Liedes anwenden kann . . . Ich kanns leider ned. Es gibt dort also keine Anleitung für Rocksongs. :(

Man müsste das Ganze mal auf die Praxis 'runterbrechen . . . Freiwillige vor . .


Aber bitte schön,

Einfach nach den 3 Begriffen "rock melody harmony" suchen, es müsste dann der siebte Treffer sein.


Bei Interesse können wir alle weiter darüber reden , aber dann vielleicht in einem neuen Thema.


Viel Spaß! ;)
Gruß

Paul

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Erstellt: von musicdevil » 31.07.2012, 14:02

Ich sag immer, dass wenn man was zu sagen hat, soll man die Sprache wählen die man beherrscht und in der man träumt :D
Ich bin Deutscher und meine Muttersprache ist nun mal Deutsch.
Von daher muss ich nicht in Russisch, Polnisch, Englisch usw. singen.
Gibt soviel gute deutsche Texte von zb. Grönemeyer, Ärzte, Tote Hosen, Onkelz, Unheilig usw. und das hat wenig mit volkstümlichem Schlager zu tun.
Und wer es als Deutscher nicht mal in Deutsch hinbekommt gute Texte zu schreiben, schafft das erst recht nicht in ner anderen Sprache, wenn er diese nur "solala" beherrscht.
Für mich ist Musik und Text eine Einheit. Ich mag nicht so oberflächliches Zeuchs, nur damit man überhaupt nen Text hat.

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Erstellt: von Jens80 » 31.07.2012, 14:11

Ich versteh Deine Einwände devil. Das ist ja auch das, was mich selbst irritiert.

Würd jetzt aber nicht behaupten, dass mein Text oberflächlich ist. Mir ist es lediglich vermeintlich leichter gefallen es auf englisch zu schreiben. Versucht, die selbe geschichte auf Deutsch zu erzählen habe ich natürlich.

Es hat dann nur irgendwie nichts mehr zusammengepasst....

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Erstellt: von phunky » 31.07.2012, 14:27

Das Verwenden einer anderen Sprache hat nicht automatisch mit Oberflächklichkeit zu tun. Wichtig ist, dass man eine Sprache in der man textet, so beherrscht, dass man sich ausdrücken kann.

Alles andere ist doch wohl nichts weiter als jedem selbst überlassen.

Die deutsche Sprache klingt nun mal hart. Und das ist nicht immer so leicht melodisch zu verarbeiten. Zeigen ja nun auch genug Beispiele. Grönemeyer, Die Toten Hosen oder so Zeug würde ich mir zum Beispiel nicht anhören, da ist mir die Sprache Wumpe.

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Erstellt: von Counterfeit » 31.07.2012, 14:37

korgli hat geschrieben:Tatsächlich bin ich jemand, der sogenannten "intelligenten" Texten eher skeptisch gegenüberstehe. So akademisches blabla.


Dazu fällt mir gerade ein schöner Songtext ein (welche Ironie :) )

Frau Potz - Spacegewehr hat geschrieben:Sie singen von zweifelnden Menschen in tief ergrauten Städten
Und jeder, der ne Tele spielt, hält sich für nen Poeten.
Ich brauch keinen Rat, verdammt, keinen Wegweiser für´s Leben.
Vor einem Jahr habt ihr doch noch Laternen aus getreten.
Da werden Phrasen wild zusammen geklatscht und widerlich missbraucht.
Gemälde von Schimpansen werden ja auch als Kunst verkauft.

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Erstellt: von korgli » 31.07.2012, 14:42

Den finde ich gut Counter


oder das auch
http://www.gutzitiert.de/gedankensplitt ... gz292.html

Deutsch in Deutschland

Es gab einmal Zeiten, da reichte es, in Deutschland deutsch zu sprechen. Oder in England englisch. Dieses Zeiten sind: out. Nicht aus. Out. Sie sind ein No Go! - auch dann, wenn sie Anglizismen bescheuert finden. Aber um die geht es nicht einmal. Es geht um Neudeutsch oder Jugenddeutsch.

Die Lust junger Menschen, sich nicht nur optisch, sondern auch sprachlich vom Rest der langweiligen Welt abzusetzen, dürfte schon seit der Steinzeit Tradition haben. Aber diese Lust wird immer krasser und für viele Menschen auch immer unverständlicher in Bezug auf die Übersetzung. Gehören Sie etwa schon zur Gruppe der friedhofsblonden Kompostis, dann sind sie vermutlich etwas über sechzig Jahre alt, vielleicht schon wieder gepampert - auf jeden Fall aber bald fällig. Sie haben die ersten grauen Haare, den unglaublichen Mut, dazu auch noch zu stehen und checken ansonsten aber nicht mehr viel.

Das Krampfadergeschwader um sie herum, das leider nun ständig aufgrund von Darmträgheit rumdönert, rennt leider ja auch nur mit Schnellscheißerhosen rum und ist angesichts mangelndem Neudeutsch leider auch schrecklich gruftig.

Nur der Hirnpimper von nebenan hat Schwein. Er hat die 9. und 10. Klasse in Ethik und weiß was abgeht, aber gibt ansonsten ja auch nur den Matrizenabzieher. Seine Frau - man darf es eigentlich nicht laut sagen, aber so ist es nun einmal - ist jedoch eine echte Teletubbi-Zurückwinkertussi … also eher eine sehr schlichte Person, die von all dem nicht wirklich viel checkt. Denn nicht jeden hat der Herrgott nach seinem unerforschlichen Ratschluss mit saftigen Intelligenzquotienten überschüttet.

Der Milimeterficker von nebenan mit seiner Popelbremse, der ständig den Schlaumeier gibt, nützt uns in diesem Übersetzungschaos aber auch nicht viel, weil er den ganzen lieben langen Tag nur wie blöd auf seinem Dudelrechteck (ipod) nichts als rumhämmert und voll der krasse Autist ist.

Wir können eigentlich nur hoffen, dass beim nächsten Embryonenschubsen, also der nächsten Kinderdisco, endlich auch einmal ein paar letzte Exemplare einer ehemaligen Menschheit gesichtet werden, mit der es in irgendeiner Zukunft eine Mindestverständigung über den Ausgang aus diesem absurden Theater gibt, bevor wir ewig Gestrigen unsere Nase nur noch frustriert in die Rentner-Bravo stecken und nachlesen, was unser Arzt oder Apotheker uns empfiehlt, auch wenn wir ihn nicht um einen Ratschlag gebeten haben. Es müsste doch möglich sein, mit unseren rudimentären Restkenntnissen von deutsch wenigstens bis zum eigenen Lebensende halbwegs hinzukommen.

(c) 2012 Christa Schyboll

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Erstellt: von musicdevil » 31.07.2012, 14:50

Beinahe jeder zweite Deutsche beherrscht die englische Sprache nach eigener Einschätzung nur schlecht. So lautet ein Ergebnis der EX-word Studie, die forsa im Auftrag des Elektronikherstellers CASIO durchgeführt hat. Trotzdem reden fast alle gern auf Englisch mit.

Quelle

Bei der Hälfte der Deutschen genügt es gerade mal, um sich halbwegs (plus Hände und Füße) zu verständigen.
Ich schaue mir ja auch englischsprachige Filme an und hab da ebenfalls ein Problem alles zu verstehen. Bei einem "Slang" ist es noch schlimmer.
Ich kann mich auch auf Englisch nicht ganz so gut ausdrücken und hab da manchmal Grammatikschwierigkeiten.
Zum Glück gehts mir da nicht alleine so :D
Wie kann man da erwarten, dass "viele" Deutsche meine englischen Lieder verstehen?
Wir sind Deutsche in Deutschland und da find ich es nicht so prickelnd, wenn die Hälfte nen Duden verwenden muss um mich zu verstehen :D
Endet doch bei den meisten Deutschen die es mit englischen Texten versuchen beim "clap your hands up in the air" :lol:
Nee, dann lieber auf Deutsch schreiben. Wenn man gut Englisch kann, hat man die Wahl.

@Phunky, wenn du Lieder und Texte wie das hier nichts magst, dann weiß ich auch nicht :D
http://www.youtube.com/watch?v=sOzMWu0awMY
Zuletzt geändert von musicdevil am 31.07.2012, 14:56, insgesamt 1-mal geändert.

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Erstellt: von Counterfeit » 31.07.2012, 14:55

bei mir persönlich herrscht eine große Diskrepanz zwischen Englisch verstehen und sich in Englisch ausdrücken. Ich verstehe Englisch wirklich ganz gut. Es sei denn es ist jetzt extrem schnell gesprochen oder übelster "Slang". Dann wirds schwer. Aber beim Ausdruck habe ich da so meine Probleme. Ich kann mich zwar gut auf Englisch verständigen aber einen guten Songtext auf Englisch würde ich mir nicht zutrauen. Wobei das auf Deutsch vielleicht auch nicht anders wäre ;)

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Erstellt: von phunky » 31.07.2012, 14:56

korgli hat geschrieben:Deutsch in Deutschland

Es gab einmal Zeiten, da reichte es, in Deutschland deutsch zu sprechen. Oder in England englisch. Dieses Zeiten sind: out. Nicht aus. Out. Sie sind ein No Go! - auch dann, wenn sie Anglizismen bescheuert finden. Aber um die geht es nicht einmal. Es geht um Neudeutsch oder Jugenddeutsch.


Aber das sind zwei paar Schuhe. In Englisch singen oder die Sprache verschludern, das hat erstmal nichts miteinander zu tun.

Ich war ja gerade in Island. Der Isländer achtet sehr auf seine Sprache. So sehr, dass jeder noch die 1000 Jahre alten Sagas im Originaltext lesen und verstehen kann. Bei uns wäre da ja wohl schomn deutlich früher Schluss... Dort werden auch isländische Begriffe erfunden, wenn etwas neues eingeführt wird. Für Computer zum Beispiel. Die werden dann aus verschiedenen Worten der bestehenden Sprache zusammengesetzt. Das mag man albern finden, aber beim Fernseher haben wir's auch noch gemacht.

Aber der Deutsche ist noch viel alberner. Der erfindet auch neue Begriffe, aber welche die sich Englisch anhören, die aber der Engländer gar nicht kennt (Handy, Beamer). Das nenne ich bekloppt.

Trotzdem teilen sich die meisten isländischen Musiker auf Englisch der Welt mit, ohne dass die im Verdacht stehen, ihre Sprache zu verraten oder uncool zu finden (und das sind mehr als man so denkt, nicht nur Björk).

Diese ganze ideologische Aufladung hat in meiner Welt nichts zu suchen.

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Erstellt: von korgli » 31.07.2012, 15:02

Aber Phunky

Es ist doch grad das - wo deutsche Texte für manche erst cool macht.

blau blau blüht der Enzian - ist ein Tatsachenbericht.

http://www.bardeswelt.de/Songs/Deutsch/ ... %20gut.pdf
der ist so sinnlos, da ist der Enzian Text grad ne Wohltat.
Ist aber für manche Kult und supercool.

STOP
und doch kann man, wenn man will interpretieren wie man grad möchte.

Was ist nun besser ?

fredy

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Erstellt: von phunky » 31.07.2012, 15:05

Das soll doch jeder für sich entscheiden. Ich habe auch gar nichts gegen deutsche Texte. Ganz im Gegenteil. Ich freue mich immer, wenn ich mal was für mich entdecke was auf deutsch gesungen ist und mich inhaltlich und musikalisch anspricht.

Das ist doch nicht der Punkt. Ich denke nur, man sollte nicht einfach behaupten, dass ein Deutscher der Englisch singt das tut, weil er was zu verbergen hat oder als cool gelten will. Mehr nicht.

Edit: Devil, gegen die Texte habe ich erstmal nichts. Aber zu dem Thema mag ich diesen Text. Und ich denke nicht, dass das intellektuelles Geschwurbel ist, aber es ist einen Tick weniger offensichtlich worauf es hinauslaufen wird.

Seltsames Licht

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Erstellt: von Jens80 » 31.07.2012, 15:22

Ich höre auch (sehr) gerne deutschsprachige Musik. Kettcar hat mir ne zeitlang z.B. sehr gut gefallen. Auch wenn der Wiebusch dann auch gern mal übertreiben kann, was die angesprochene Textkomplexität betrifft.

Keine Ahnung.....vielleicht ist mir das texten auf englisch auch nur leichter gefallen, weil ich schon nen fiesen schwäbisschen Dialekt habe und schriftdeutsch sprechen für mich schon auch mit Anstrengung verbunden ist :-)

Vielleicht stell ich ja aus gegebenem Anlaß in einem Moment völliger geistiger Umnachtung einen unserer Texte im entsprechenden Unterforum zur Diskussion. Aber im Moment gefallen sie mir noch ganz gut! Von daher möcht ich noch ein wenig auf meiner Wolke bleiben.....

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Erstellt: von phunky » 31.07.2012, 15:33

Ich höre auch (sehr) gerne deutschsprachige Musik. Kettcar hat mir ne zeitlang z.B. sehr gut gefallen. Auch wenn der Wiebusch dann auch gern mal übertreiben kann, was die angesprochene Textkomplexität betrifft.


Ich habe die auch mal gemocht. Aber das neue Album kann ich nicht mehr ertragen. Diese Waschlappen. Älter werden ist nun mal nichts für Weicheier. :D ;)

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Erstellt: von Jens80 » 31.07.2012, 15:36

Jo, mit dem neuesten werd ich auch nicht warm irgendwie. Sylt ist mir schon schwergefallen....

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Erstellt: von mjchael » 31.07.2012, 16:35

Es gibt eigentlich viele Schlager, die ich mag. Die Texte sind dabei oft sehr einfach gehalten. Aber dennoch sind die Lieder für mich interessant oder lustig genug, dass ich sie in meinem Repertoire hab.

Anita - Ein Bett im Kornfeld - Ti amo - Aber bitte mit Sahne - Da sprach der alte Häutling der Indianer - Komm pack das Lasso aus - und und und

Dennoch habe ich bei meiner MP3-Sammlung tausende Schlager ausgemistet, weil ich sie einfach unerträglich finde.
Wenn Lena Valaitis "Ein schöner Tag"singt, dann hat sie zwar eine wunderschöne Melodie - aber wer den Text der christlichen Hymne "Amazing grace" kennt, der vermisst halt schmerzlich die tiefe dieses Liedes.
Whitney Houston - Amazing Grace kann solch eine Gewalt in ihre Stimme hineinlegen, weil sie einfach auch weiß, was sie da singt.

Bei der Version von Lena Valeites kommt keiner auf die Idee, dass das Original sehr oft zu Beerdigungen gesungen wird.
http://de.wikisource.org/wiki/Amazing_Grace

Und von daher sortiere ich halt aus. Wenn ich leichte unbeschwerte Musik haben will, dann wähle ich mir halt solche aus wie "Himbeereis zum Frühstück", "Swiss Lady", "Wenn I mit dir Tanz". "Trag mich zu den Sternen"
Unproblematische Musik, wo man gut mal einen Disco-Fox hinlegen kann. Und solche Musik hat seine Berechtigung. Auf eine Geburtstagsparty passen die Sachen meist besser als "An Tagen wie Diesen (Fettes Brot)"

Jetzt kann man sich Gedanken darüber machen, warum man bei einigen Schlager das Autoradio lauter dreht, und bei anderen den Sender wechselt.
Einige Tipps, wie man es schafft, seine Zuhörer zu langweilen oder zu vergraulen habe ich ja oben schon aufgeführt.

Wem seine Musik zu platt vorkommt, der kann ja mal ein paar Sachen abklappern. Am Rhytmus schrauben, die Harmonisierung verbessern, und auch den Text interessanter gestalten. Es macht halt viel aus, was ich singe, und das ändert oftmals die Art, wie ich es singe.

Ich höre und spiele viel Musik aus dem christlichen Bereich. Und da gibt es einige Sachen, die hören sich einfach klasse an. Leider kann ich kaum ein Lied davon hier verlinken, weil die meisten Stücke eben nicht von den Jugendgruppen eingespielt werden, sondern von den christlichen Musikverlagen, die die Stücke erst mal durch den Schonwaschgang mit extra viel Weichspüler jagen, so dass vom ganzen fetzigen Lied nichts mehr übrig bleibt. Und da wundert man sich, dass die Leute lieber die englische Version hören, die eher an Gospel erinnert. Dabei liegt es nicht an der deutschen Sprache, sondern dass die Sänger das einfach nicht rüber bringen können. Ich könnte euch zig Beispiele geben, wie man es nicht machen sollte, aber nur wenige, wie man es richtig macht.

Funktioniert aber auch mit Techno. Kloppe einfach auf alles einen heftigen Techno-Beat, mach die Musik so laut es geht, und alle Textstellen die zu schwer sind oder doch zu viel Melodie haben werden gerappt. Klappt garantiert, alles, was irgendwie musikalisch interessant ist, totzuprügeln. Beispielsweise:
Roberta Flack - Killing Me Softly ( 1973 )
Fugees - Killing Me Softly (Techno Remix)

Tja, wer das bessere Original kennt, wird sich halt nicht mit dem Abklatsch zufrieden geben.

Gruß Mjchael
Zuletzt geändert von mjchael am 01.08.2012, 23:41, insgesamt 2-mal geändert.

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Erstellt: von musicdevil » 31.07.2012, 20:51

phunky hat geschrieben:Das ist doch nicht der Punkt. Ich denke nur, man sollte nicht einfach behaupten, dass ein Deutscher der Englisch singt das tut, weil er was zu verbergen hat oder als cool gelten will. Mehr nicht.


Nee, kann man nicht einfach so behaupten, allerdings trifft es wohl doch auch häufig zu ;)
Viele halten Englisch wirklich für "cooler" und verbinden "Deutsch" sofort mit "Schlager".
Ich kann mich auch nicht wirklich mit dem russischen, polnischen, spanischen, chinesischen, türkischen...Gesang anfreunden.
Deren Musik klingt oftmals wirklich absolut geil, aber sobald der Gesang einsetzt, ist es vorbei^^
Denen gehts vielleicht auch so beim "Deutsch", aber wir als Deutsche sollten unsere Sprache ja wenigstens mögen :D
Ich finds auch einfacher nen englischen Text zu schreiben/singen, allerdings wirklich nur eher oberflächliche Sachen, da es halt nicht meine Muttersprache ist und ich die nicht 100% beherrsche.
Aber nicht nur Deutsche schreiben schreckliche englische Texte ;)
Insgesamt mag ich es halt weniger, wenn man Englisch kaum kann, aber dann aus welchen Gründen auch immer, etwas in Englisch macht.

Wenn ich da nur mal unser Forum denke...wie oft kamen schon "perfekte" englische Texte? Kaum, oder? Ein großer Kritikpunkt war doch öfter die Grammatik usw. und ob das dann nötig ist?
Die meisten konnten sich kaum vernünftig in der Sprache ausdrücken und es wurde jeder zweite Satz korrigiert^^

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