Epiphone Les Paul Standard Plain Top [Testbericht]

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von Software-Pirat
#285201
Schon seit längerer Zeit liebäugelte ich mit dem Gedanken mir ein Mahagoni-Rock-Brett, sprich Les Paul, anzuschaffen. Am letzten Montag war es dann so weit. Meine Wahl fiel schließlich auf eine Epiphone Les Paul Standard Plain Top in der Farbe Vintage Sunburst. Die Gitarre kostete beim Soundland in Fellbach bei Stuttgart 333€. Ein Gigbag und Gurt gab es leider nicht dazu. Getestet wurde sie über meinen Fender Super Champ XD.

https://www.thomann.de/de/epiphone_lp-modelle.html

Konstruktion und Fertigung:
Tja, was soll man über eine Les Paul sagen, was noch nicht bekannt ist? Nun, die Gitarre besitzt, wie es sich gehört einen Korpus aus Mahagoni mit aufgeleimter, leicht gewölbter Ahorn-Decke. Der ordentlich dicke Hals, etwa in Form eines Ds ist eingeleimt und besteht wohl auch aus Mahagoni, während das Griffbrett aus Palisander besteht und die bekannten Trapez-Inlays besitzt, wie es sich auch für eine Gitarre dieses Typs gehört. Klassisch auch die relativ stark abgewinkelte Kopflatte, die gekapselte Mechaniken von Grover trägt, die mir relativ wuchtig vorkommen und definitiv größer sind als die Fender Locking Mechaniken an meiner Stratocaster.

Die Mensur mißt klassische 628 mm. 22 Bünde verteilen sich auf dem Griffbrett, die Bundstäbchen sind wahrscheinlich im Medium-Format und eingefaßt. Zwei Tonabnehmer vom Typ AlNiCo V Classic Humbuckers sorgen für den Sound, geregelt werden sie jeweils mit einem Volume- und einen Tone-Poti (mit schönen Goldfarbenen Potiknöpfen), sowie einem Dreiwege-Toggel-Switch der die üblichen Kombinationen auswählt, also Hals und Brücke jeweils einzeln, oder beide zusammen. Was auch sonst? Coil-Split-Optionen oder sonstigen Schnickschnack besitzt die Gitarre nicht, wie ich es auch wollte. Die Klinkenbuchse sitzt
übrigens an der unteren Zarge, also auch ganz klassisch.

Zu guter Letzt: Die Gitarre besitzt die für eine Les Paul klassische, zweiteilige Brücke aus einer Tune-O-Matic Brücke und einem Stop Tail Piece zur Saitenaufhängung. Achja, und ein cremefarbenes Schlagbrett besitzt sie auch. Die Farbe, in der der Korpus lackiert wurde nennt sich Vintage Sunburst und sieht ordentlich aus. Stellenweise kann man sogar ganz gut die Holzmaserung erkennen. Daumen hoch, das ist sehr schön gemacht.

Auch über die Verarbeitung läßt sich nichts negatives sagen. Die Bundstäbchen sind sauber verarbeitet, da stört nichts beim spielen. Auch der Hals ist sauber lackiert, also nichts zu meckern. Ein Blick ins E-Fach offenbart, daß die Potis schön per Draht verbunden sind und nicht einfach auf eine Platine verlötet sind - fein! Okay, technisch und soundtechnisch gibt es jetzt gegen eine Platine nichts auszusetzen, aber ohne ist eine etwaige Modifikation einfacher und außerdem finde ich es ohne eine schöner. Die Lötstellen machen auf dem ersten Blick einen ordentlichen Eindruck, genauer gecheckt habe ich es aber nicht. Interessant, die Schrauben sind irgendwie krumm eingeschraubt, aber alle! Ist wohl in China so üblich, den die Gitarre ist "Hand crafted in China", wie es ein Aufkleber auf der Rückseite der Kopfplatte verlauten läßt. Außerdem sind die krumm eingesetzten Schrauben für die Funktionsweise ja egal.

Praxis und Sound:
Huch, ganz schön schwer die Gitarre, aber mal ehrlich: Das ist doch für eine Les Paul normal. Dafür hängt die Gitarre ausgewogen am Gurt, ohne störende Kopflastigkeit. Das Fehlen von irgendwelchen ergonomischen Shaping kann man gut ertragen, die Gitarre liegt insgesamt gut am Körper. Im Sitzen stört natürlich das Gewicht weniger, auf dem Oberschenkel liegt die Gitarre ganz ordentlich.
Toll in der Hand liegt der dicke Hals. Auch die Saitenlage ist angenehm flach, nervendes Schnarren gibt es nicht, maximal ganz leicht in den mittleren Bünden, aber weit davon entfernt aufzufallen. Das Instrument läßt sich insgesamt wunderbar bespielen, Bending klappen hervorragend. Also Daumen hoch! Gut gemacht. Auch die Potis sind gut zu erreichen, wie auch der Drei-Wege-Schalter.
Zum wichtigsten dem Sound: So eine Les Paul ist ja die Rockgitarre schlecht hin. Also den Fender Amp auf Marshall geschaltet und mal reingehauen. Wow! Was für ein Sound. Schön fett und drückend, durchsetzungsfähig und schön mittenbetont. Das ruft nach Rock! Der Humbucker am Steg kommt natürgemäß aggressiver daher als sein Kollege am Hals, der dafür schöne bluesige Leadsounds parat hat. Kommt gut im Stile von Gary Moore, mit einem (modellierten) Tubescreamer aus dem Boss ME25, wo die Höhen meiner Strat doch schon etwas außer Kontrolle geraten. Auch mit mehr Gain steht die Gitarre ihren Mann, der eine oder andere Metalriff klappt auch. Und das natürlich alles ohne störendes Rauschen.

Clean gespielt klingt der Halshumbucker schön glockig und rund, doch besonders angetan hat mir die Kombinationsstellung aus beiden Pickups. Das Hauptmotiv aus "I loved another Woman" kommt hier wunderbar über einen cleanen (Fender-)Amp. Dumm nur, daß ich nicht zwei Volume-Potis auf einmal bedienen kann. Aber das soll bei einer Paula halt so sein. Dem Halshumbucker kann man mit zurück genommenen Höhen auch ein paar nette Jazzsounds entlocken. Prima.

Der Kollege am Steg klingt ebenfalls prima, wenn auch mit mehr Höhen und insgesamt etwas schlanker, wenn auch längst nicht so aggressiv wie bei einer Stratocaster. Nicht schlecht. Unnötig zu erwähnen, daß die Gitarre auch im Crunchbereich eine gute Figur macht. Also, schöner Sound in allen Situationen.

Fazit:
Kleine Anektode von meinen ersten Tag als Les Paul Besitzer: Da griff ich mal zur meiner Stratocaster und schön fühlte ich mich, als ob ich nach Hause kam, die Gitarre hing klasse am Körper, war angenehm leicht, auf dem etwas dünneren Hals mit der langen Mensur fanden meine Finger beinahe schon alleine die gewünschten Töne. Und dann dieser leicht nasale Sound, der agressive Steg-Singlecoil... traumhaft! Tja, ich bin halt ein Strat-Spieler und werde es wohl auch immer bleiben. Trotzdem hat mir der Ausflug mit der Les Paul viel Spaß bereitet und er wird es mit Sicherheit auch noch tun. Egal ob Blues, Rock, Hard Rock oder Metal, die Les Paul ist immer bereit. Sogar Jazz geht. Also, gute Girarre, vor allem für den Preis. Les Paul-Suchende mit einem Budget um 300€ sollten unbedingt mal Probespielen.

+ Schöner dicker, sehr gut zu bespielender Hals
+ Toller verzerrter Rocksound
+ cleaner Sound in Mittelstellung
- schwerer Korpus
- Schrauben zum E-Fach sitzen schräg im Holz
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von Gitarrenschlumpf
#285205
Glückwunsch! Jetzt kannst Du auch auf dem Gebiet endlich auf Erfahrung zurückgreifen und schreiben! :)
Software-Pirat hat geschrieben:Tja, was soll man über eine Les Paul sagen, was noch nicht bekannt ist?
Haste jetzt aber trotzdem geschafft... ;)
von agguitar
#285215
Software-Pirat hat geschrieben:Zum wichtigsten dem Sound: So eine Les Paul ist ja die Rockgitarre schlecht hin.
Ich dachte das wär'n SGs =(=))=

Aber super Review!
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von Counterfeit
#285234
schöner Bericht. :) Ja das Gewicht bei einer LP ist doch was ganz anderes als bei einer Strat. Stelle ich gerade nur andersherum fest ;) Ich kann dir nur empfehlen nen ordentlichen breiten Ledergurt und Straplocks zu holen. Bei meiner LP hat die Öse am Billiggurt nachgeben und wäre fast auf den Boden geknallt. Konnte sie gerade noch abfangen.
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von Motastic
#285245
DiMarzio Clip Gurte... 20€ dafür 1x ausgeben und du kannst mit der Gitarre Hula Hoop tanzen!
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von phunky
#285247
Software-Pirat hat geschrieben: ...
Huch, ganz schön schwer die Gitarre, aber mal ehrlich: Das ist doch für eine Les Paul normal.
...
Normal ist das natürlich schon, wenn man sie mit Frühstücksbrettern wie der SG vergleicht. Aber es gibt da unter den Paulas schon ziemlich Unterschiede im Gewicht, sogar bei den nichtgekammerten.
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von Software-Pirat
#285301
phunky hat geschrieben: Aber es gibt da unter den Paulas schon ziemlich Unterschiede im Gewicht, sogar bei den nichtgekammerten.
Ja, Mahagoni ist halt nicht Mahagoni. Ich glaube, Anfang der 70iger Jahre war plötzlich das leichte Hunduras-Mahagoni nicht mehr verfügbar, weshalb die Paulas schon mal gegen 5 kg zugesteuert sind. In der Regel sind knapp 4 kg für eine Les Paul aber normal und vertretbar. Schließlich hat das ja auch alles Auwirkung auf dem Sound.
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von Software-Pirat
#328379
So nach einiger Zeit hat sich doch etwas an meiner Les Paul verändert. Die Positionsmarker sind dabei nur ein kleines optisches Detail (Link --> http://www.rockinger.com/index.php?cat= ... duct=08501 ), wirklich unverzichtbar sind sie jetzt nicht. Zudem scheinen sie wohl für US-Potis gebaut worden zu sein, den das Befestigungsloch ist viel zu groß. Kann man aber festklemmen. Fazit: ganz nett.

Danach flog dieser elendige Plastik-Sattel heraus und wurde doch ein Tusq-Sattel von Graph Tech ersetzt. Klangliche Veränderung? Nun, keine Ahnung, aber einen Vor-Nachher-Vergleich ist auch schwer. Mir ist da jetzt keine Verbesserung aufgefallen, aber auch keine Verschlechterung. Ich hab aber das Gefühl das sich die Gitarre irgendwie besser (sanfter?) stimmen läßt.

Die nächste (und bislang letzte) Veränderung betrifft die Mechaniken. Die alten Grover-Teile flogen raus und wurden durch Locking-Tuner im Grover-Style von Kluson ersetzt. Bekommen habe ich sie für 65€ bei rockinger.com (Link --> http://www.rockinger.com/index.php?cat= ... 1d09ab6b3d ), was jetzt ein feiner Deal ist. Das leicht erhöhte Gewicht (wenn überhaupt, schließlich waren die Grover-Teile schon ganz schön groß) wird durch den maximal größten Beitrag der Mechaniken zur Stimmstabilität ausgeglichen. Außerdem geht das Saiten aufziehen jetzt total einfach (früher ging bei mir bei der G-Saite immer etwas schief). Auch noch erwähnt werden sollte, daß die Mechaniken leichtgängig und schön gleichmäßig laufen (wobei ein guter Sattel wohl auch hilfreich ist, denke ich). Fazit: Locking-Mechaniken sind schon was Gutes, die Back-Locker von Kluson auch.

Als nächstes werde ich wohl eine neue Brücke ausprobieren, da ich mit dem cleanen bzw. leicht angezerrten Sound noch nicht ganz zufrieden bin. Die Tonabnehmer bleiben vorerst dringen. Mal sehen was kommt.
von inferex
#336730
Was ist den der Unterschied zwischen Epiphone Les Paul Standard Plain Top und Epiphone Les Paul Standard ? :shock:
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von snicki
#336733
Plain Top ist ohne sichtbare Holzmaserung (die oft beliebte "Flammenmaserung"), das wars auch schon ;)
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