Parallel spielbare Akkorde

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haggy
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Parallel spielbare Akkorde

Erstellt: von haggy » 03.05.2012, 21:46

Hallo Community,

ich oute mich jetzt einfach mal als Anfänger und versuche mich gerade etwas in Sachen Musiktheorie weiterzubilden. Allerdings ist das Thema ja doch so komplex, dass ich dachte, ich schreibe einfach mal hier eine konkrete Frage :)

Ich versuche selbst ein kleines Arrangement zu kreieren und stehe vor einer "Herausforderung". Mein Stück besteht momentan u.a. aus den Akkorden (Gitarre ist zwei Halbtöne tiefer gestimmt) Bm7 und Asus5.

Meine Frage: gibt es ein System - ähnlich dem Quintenzirkel - bei dem ich herausfinden kann, welcher Akkord parallel zum Bm7 passt? Sprich Gitarre 1 spielt Bm7 und parallel Gitarre 2 Akkord XY (ich rede nicht davon welcher Akkord auf Bm7 passt)?

Edit: sei noch dazu gesagt, dass Bm7 und Asus4 werden gezupft, die parallelen Akkorde sollen über ein Strumming gespielt werden.

Für sachdienliche Hinweise danke ich im Voraus :)

Viele Grüße

PS: Ja, ich habe versucht über die Boardsuche etwas zu finden, allerdings fehlen mir wohl noch die richtigen Schlagwörter ;-)

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mjchael
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Erstellt: von mjchael » 03.05.2012, 23:05

Ich muss nochmal nachhaken:
Du möchtest nicht wissen, welche Akkorde man nacheinander spielen kann.
Dann wäre die Antwort:
Am besten (einfachsten) welche, die zu einer Tonart gehören. Das Hilfsmittel dazu kennst du schon. (Quintenzirkel)

Sondern du willst Akkorde wissen, die man übereiander spielen kann, und die sich zusammen gut anhören.

Es gelingt dann, wenn der Grundakkord, und der aufgesetzte Akkord zusammen wieder einen wohlklingenden (oder besser: passenden) Akkord ergeben.

Bm7 besteht aus den Tönen B D F# A
Asus4 besteht aus den Tönen A D E
Du siehst, dass die Töne A und D schon im Akkord Bm7 enthalten sind.
Jetzt kommt zu dem Bm7 noch ein E hinzu. E ist die Quarte von B.
Also erhältst du als Gesammtakkord einen Bm7add4.

Nebenbei:
Jazzer würden den Akkord Bm11 nennen.
11 ist nichts weiter, als die Oktave der 4. (E eine Oktave höher)
Das ist die Kurzform für Bm7/9/11
Dabei geht man stillschweigend davon aus, dass hier die 9 unter den Tisch gefallen ist.


Man spielt im Jazz gerne Akkorde, die man aus Terzen auftürmt. (Also von einer Tonleiter jeden 2. Ton überspringt.)

Die Bm-Tonleiter besteht aus den Tönen
B C# D E F# G A B C# D E F# G A B
hab ich gleich zweimal hingeschrieben, damit man jeden zweiten Ton streichen kann
B - D - F# - A - C# - E - G
B D F# = Bm
B D F# A = Bm7
B D F# A C# = Bm7/9 oder kurz Bm9
B D F# A C# E = Bm7/9/11 oder kurz Bm11
B D F# A C# E G = Bm7/9/11/13b oder kurz Bm13b
Eine einzelne 11 oder 9 kann mal unter den Tisch fallen.
Fallen mehrere Töne unter den Tisch, arbeitet man lieber mit "add", welches besagt, dass man nur einen einzigen Ton hinzufügt, und nicht die ganze Terzschichtung.

Wie sich die Akkorde im einzelnen aufbauen, wann man ein "b" wann man ein "#" hinzufügen muss, ist Stoff für Jazz-Akkorde, und das geht schon sehr ins Eingemachte.
Ich bin jetzt auch davon ausgegangen, dass dein Bm zur D-Dur-Tonleiter bzw. zur Bm-Tonleiter gehört.
Würde es zur G-Dur oder zur A-Dur-Tonleiter gehören, würde man andere Intervalle benötigen. Wie schon gesagt, da geht es ganz schön ins Eingemachte. Oft arbeitet man aber nur mit den Tönen einer Tonart (modaler Jazz). Dann ist es etwas einfacher.

Lasse jetzt einfach mal von dem Bm13 nacheinander den tiefsten Ton weg
B D F# A C# E G = Bm7/9/11/13b oder kurz Bm13b
D F# A C# E G = Dj7/9/11 oder kurz Dj11
F# A C# E G = F#m7/9b oder kurz F#m9b
A C# E G = A7
C# E G = C#m

Das sind also alles Akkorde, die man recht gut übereinanderschichten kann, wenn ein Bm13b passt.
Hinzu kommen noch einzelne Varianten, die sich aus einer Kombination der Töne einer bestimmten Tonart ergeben, so dass du anstelle des hier ausgerechneten A7 auch ein Asus4 spielen kannst. (Das vorher gestrichene D wurde wieder hinzu gefügt.)

Da du einen Akkord schlägst, und den anderen Akkord zupfst, kannst du es auch so sehen, dass du über einen Bm7-Akkord mit einzelnen Tönen der D-Dur-Tonleiter (bzw. der Bm-Tonleiter) improvisierst, aber dabei nur so wenige Töne verwendest, dass diese für sich alleine zusammengenommen einen Asus4 ergeben.

Für den zweiten Gitarristen ist eigentlich die Bezeichnung Asus4 nicht ganz korrekt.
Der Gesamtklang ist ausschlaggebend, und das ist hier der Bm7 bzw. der Bm13b.
Der Asus4 ist nur eine Krücke - bzw. Lesehilfe für den Gitarristen.

Auch wenn jetzt alles ziemlich ins eingemachte geht, so ist auch das nur eine sehr grobe Vereinfachung.
In der Musik gibt es nämlich fast nichts, dass es nicht gibt.
Es kann schon sein, dass Musiker ganz absichtlich zwei Akkorde gegeneinander setzen, die harmonisch nichts miteinander zu tun haben. Aber zum einen kenne ich mich da nicht mehr aus (ich weiß nur, dass es so was beispielsweise in großen Orchesterwerken gibt), und zum andern würde dich so was auch nicht viel weiter bringen. Es wäre dann mehr Spekulation, als das was brauchbares bei rauskommt.

Mal grob vereinfacht, du kannst alle Akkorde kombinieren, die zu einer Tonart gehören. Sie ergeben dann einen gemeinsamen Akkord, der sich durch Terzschichtung erklären lässt. Am einfachsten gelingt dies, wenn die Akkorde einige Töne gemeinsam haben.

Ob es sich dann aber gut anhört ist letztlich Versuch und Irrtum.

Würdest du Klavier spielen, dann könntest du das Prinzip schon kennen. Wenn die rechte Hand beispielsweise Grundton und Quinte im Bass spielt, muss die linke Hand nicht unbedingt den Grundton und die Quinte wiederholen, sondern kann die restlichen Töne der Harmonie greifen. Isoliert betrachtet ergeben die Töne der linken Hand jedoch einen anderen Akkord, als der Gesamtklang.

Ich hoffe du konntest dem hier einigermaßen folgen.

Gruß Mjchael
Zuletzt geändert von mjchael am 03.05.2012, 23:36, insgesamt 3-mal geändert.

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mjchael
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Erstellt: von mjchael » 03.05.2012, 23:11

ps.: Willkommen im Forum :D

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musicdevil
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Erstellt: von musicdevil » 03.05.2012, 23:54

Jo, werd auch nicht so richtig schlau aus der Frage...
Ich fasse das auch so auf, dass eine Gitarre ein Bm7 spielt und zeitgleich eine zweite Gitarre einen anderen Grund-Akkord...nur wozu?
Warum schlägt der eine nicht nen Bm an, während der andere nen Bm7 zupft? Und selbst das muss nicht sein, weil zupfen und schlagen ja schon anders klingt :D
Noch einfacher ist, wenn der eine einfach Powerchords spielt.
Der eine kann auch in ner anderen Lage nen Akkord greifen...
Aber um Himmels Willen, warum sollten Musiker unterschiedliche Grund-Akkorde zeitgleich spielen wollen? :D
So ne andere Harmonievariante ist ja möglich, aber die Grundakkorde sollten schon die selben sein :D

Die beiden Gitarren sollten sich also eher dadurch ergänzen, dass sie unterschiedliche, aber zueinander passende Anschlagsarten/Zupfmuster spielen. Eine kann auch Melodie spielen, den Bass übernehmen und und und, aber wenn im Lied an einer Stelle nen Am vorkommt, dann sollte keiner nen G spielen :D

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Erstellt: von korgli » 04.05.2012, 08:37

Hi

Tja das ist mal wieder DER Moment wo ich mit Devil 100% einig bin. =)=)=
Naja, wie meist, wenn es um Sachliche Sachen geht. :lol:

Klar Jazzer können das immer erklären.
Thoretisch kann man ja alles zusammenmischen (fast)
Es gibt immer eine Erklärung.
Für mich tönt manches dann einfach nur grausam.
ABER - ausprobieren ist immer gut, und man erfindet so ev. einen neuen Stil.
Wie das growlen - für mich kein Gesang, aber scheint doch IN zu sein.
Gefällt es - muss es gut sein. ;)

Es gibt ja auch Musik, die aus Disharmonien besteht

http://de.thefreedictionary.com/Disharmonie
Dịs·har·mo·nie die <Disharmonie, Disharmonien> (geh. ↔ Harmonie)
1. die Tatsache, dass etwas nicht zusammenpasst die Disharmonie der Farben
2. Unstimmigkeit, Streit Die Disharmonie in dieser Familie ist offensichtlich.

Disharmonie: Kakophonie, Dissonanz, Missklang, Mißton

Also nicht zusamnenpasst.
Kakophonie - KAK - hmmmm sagt mir eigentlich viel.
Und doch finden das manche ne Super Sache.

Jeder wie er möchte.

fredy

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Counterfeit
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Erstellt: von Counterfeit » 04.05.2012, 08:50

mjchael hat geschrieben:Das ist die Kurzform für Bm7/9/11


9/11? Verschwörung!

SCNR :twisted:

Zum Thema:

Wie wäre es denn, wenn die zweite Gitarre den gleichen Akkord nur in einer anderen Variante spielt? Also z.B. offener Akkord und der gleiche Akkord als Barre? Die klingen dann doch schon anders, passen aber harmonisch zueinander und könnten das Spiel interessanter klingen lassen.

Schlägt ein musik-theoretischer Laie vor..;)

haggy
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Erstellt: von haggy » 04.05.2012, 09:36

Erstmal vielen Dank für eure freundlichen, geduldigen Antworten. Das ist (leider) nicht in jedem Forum selbstverständlich.

Zur Nachfrage: ja, ich würde gern übereinander passende Akkorde finden. Nicht die Akkorde, die nacheinander passen (Quintenzirkel). Warum möchte ich das: um auszuprobieren was mir gefällt, welche Möglichkeiten bestehen und mir gefallen um einen eigenen Stil zu entwickeln :)

Mjchael: du hast das so gut beschrieben, dass selbst ich es verstanden habe - zwar erst nach zwei-, dreimaligen Lesen, aber immer hin ;) Echt eine gute Beschreibung, die mich schon weiterbringt. Auch die Erläuterung mit der Quarte macht mir jetzt noch ein paar Sachen klarer.

musicdevil: reine Powerchords wollte ich nicht unterbringen, da a) das Arrangement aus akustischen Gitarren bestehen soll (ich weiß, Powerchords klingen dort auch super ;)) und b) es nicht direkt zum Ambiente passt - es soll ein etwas ruhigeres Stück werden.
musicdevil hat geschrieben:Aber um Himmels Willen, warum sollten Musiker unterschiedliche Grund-Akkorde zeitgleich spielen wollen? :D

Weil es möglich wäre ;) Wie gesagt, ich möchte momentan gern einfach ausloten, was möglich ist und mir gefällt. Und da möchte eventuell auch gern mal unkonventionelle Wege gehen.

Die Sache mit den Disharmonien werde ich mir auch nochmal genauer anschauen. Das klang auch recht interessant.

Counterfeit hat geschrieben:Wie wäre es denn, wenn die zweite Gitarre den gleichen Akkord nur in einer anderen Variante spielt?

Das habe ich auch schon überlegt. Quasi zum Bm7 "einfach" den Bm Chord und gut (wie auch musicdevil schon oben erwähnte). Muss nur noch ein ansprechenden Strumming Pattern finden. Aber das sollte dann hoffentlich der leichtere Part sein ;)

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mjchael
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Erstellt: von mjchael » 04.05.2012, 13:31

Solche Sachen gibt es doch auch etwas vereinfachter im Blues.

Beispielsweise steht da C9
Der erste spielt als C5-Powerchord das C und G.
Der zweite spielt ein wenig funky die Töne E (Dur-Terz) G (Quinte) Bb (kl. Septime) und ein D (None) darüber.
Den Bass C lässt aus, da der ja schon vom Powerchord (oder vom Bass) her kommt
Er spielt also nur die Töne E G Bb und D
Das ergibt aber für sich alleine genommen ein Em7b5
Em7b5 über C5

Oder wenn man ganz ganz leichte Jazz-Stücke spielt. Beispielsweise
Am7 G7 Cj7

Der Bass spielt die Grundtöne A dann G dann C oder vielleicht noch die Quinte als Powerchord dazu.
Die Gitarre spielt etwas versetzt dazu
vom Am7 die Töne C E G ( = C-Dur)
vom G7 die Töne H D F ( = H-Dim)
vom Cj7 die Töne E G H ( = Em7)

Und schon hätte man in vereinfachter Form den Effekt, der oben beschrieben wurde.

Oder mal anders:
Jemand improvisiert mit der C-Dur-Pentatonik über ein Stück in C-Dur.
Die Akkorde wechseln C F G7, aber er bleibt fein bei der C-Dur-Pentatonik.
Ihr wisst, dass so was funktionieren kann.
Aber dann improvisiert er über den F-Dur mit der C-Dur-Pentatonik
und über den G7 mit der C-Dur-Pentatonik.
Auch irgendwie überkreuzt.

Noch seltsamer wird es beim Blues
Wir haben einen Blues in E mit den Akkorden E7 A7 H7
wir improvisieren aber über dem ganzen Stück mit der Em-Pentatonik.
Auch da wisst ihr, dass es funtkoniert.
Über einen A7 wird mit der Em-Pentatonik improvisiert.
über einen H7 wird mit der Em-Pentatonik improvisiert.

Vom Prinzip her ist das doch das gleiche. Die Töne der Em-Pentatonik ergeben zusammen genommen einen Em7add11-Akkord.
Da hätte man dann einen
Em7add11 über A7
bzw. einen
Em7add11 über H7

Hört sich alles unheimlich schräg an, ist aber nichts weiter als die Bluespentatonik über das ganze Stück über spielen.

Warum soll man da nicht mal ausprobieren, ob nicht auch in anderen Musikrichtungen irgendetwas brauchbares rauskommt.

Allerdings muss ich zugeben, dass es für einen Hobby-Musiker insgesamt wenig ertragreich ist, wenn er nicht vorher schon von irgendwoher weiß, dass so eine Kombination funktionieren kann. Die meisten Kombinationen hören sich nämlich - wenn man Glück hat - uninteressant an. Meistens hört es sich aber Sch*** an.

Aber es gibt halt auch die wenigen Glückstreffer, wo es passt.
Hat dann aber wohl mehr mit Improvisation als mit Akkord-Aufstaplungen zu tun.

Last ihn ruhig experimentieren. Es schadet auch nichts, mitzubekommen, dass man da leicht an seine Grenzen stößt.

Gruß Mjchael

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