Wechselbass und Bassläufe für Gitarre (Tutorial)

4 Beiträge   •   Seite 1 von 1
Benutzeravatar
mjchael
Mod-Team
Beiträge: 8974
Registriert: 08.07.2007
Wohnort: Marburger Hinterland
Gitarrist seit: 1980

Wechselbass und Bassläufe für Gitarre (Tutorial)

Erstellt: von mjchael » 09.03.2012, 00:35

Ich habe aus einem anderen Bord ein kleines Tutorial von mir wiederentdeckt, dass ich August 2007 geschrieben habe. Will ich euch nicht vorenthalten.

Wechselbass und Bassläufe
Was kann man mit den Basstönen alles machen.
Bei allen möglichen Begleitungen (Schlagmuster, Pickingmuster etc.) kann man ein wenig mit dem Bass herumspielen. Hier mal ein grober Überblick zu den gängigsten Metoden. Ich stelle euch hier nur die Bass-Begleitung vor. Eure Aufgabe ist es, diese in Zupf- oder Schlagmuster gezielt einzussetzen. Wo und wie man den Bass bei Schlagmustern oder Pickings einsetzen kann, das kann man sich unten bei den Beispielen anschauen.

Als Beispiel wähle ich mal das Lied Country-Roads

1.) Wechselbass mit 2 Saiten (1. Takt)
2.) Wechselbass mit 3 Saiten (3. Takt)
3.) Basslauf von einem Basston zum nächsten (maximal bis zur Quarte bzw. 4 Töne) (2.Takt)
4.) Basslauf eines Nebenbasses zum nächsten Basston (14. Takt)

Der Bass bei Country-Roads

Code: Alles auswählen


  G                   /G /F#  Em
|-------------|-------------|-------------|-------------|
|-------------|-------------|-------------|-------------|
|-------------|-------------|-------------|-------------|
|-------------|-------------|----2-----2--|----2-----2--|
|----2-----2--|----2--------|-------2-----|-------2-----|
|-3-----3-----|-3-----3--2--|-0-----------|-0-----------|

  D                           C               G
|-------------|-------------|---------------|---------------|
|-------------|-------------|---------------|---------------|
|----2-----2--|----2-----2--|----0------3---|---------------|
|-0-----------|-0-----------|-------2-------|----0-----0----|
|-------0-----|-------0-----|-3-------------|-------2-------|
|-------------|-------------|----------(3)--|-3-------------|

(Strophe noch einmal von vorne wiederholen)

  G                           D
|-------------|-------------|-------------|-------------|
|-------------|-------------|-------------|-------------|
|-------------|-------------|----2-----2--|----2-----2--|
|----0-----0--|----0-----0--|-0-----------|-0-----------|
|-------2-----|-------2-----|-------0-----|-------0-----|
|-3-----------|-3-----------|-------------|-------------|


  Em                  /E /D   C
|-------------|-------------|---------------|---------------|
|-------------|-------------|---------------|---------------|
|-------------|-------------|----0------3---|----0------3---|
|----2-----2--|----2--2--0--|-------2-------|-------2-------|
|-------2-----|-------------|-3-------------|-3-------------|
|-0-----------|-0-----------|----------(3)--|----------(3)--|


  G                             D
|-------------|-------------|-------------|-------------|
|-------------|-------------|-------------|-------------|
|-------------|-------------|----2-----2--|----2-----2--|
|----0-----0--|----0-----0--|-0-----------|-0-----------|
|-------2-----|-------2-----|-------0-----|-------0-----|
|-3-----------|-3-----------|-------------|-------------|


  C                     /B /A   G
|---------------|-------------|-------------|-------------|
|---------------|-------------|-------------|-------------|
|----0------3---|----0--------|-------------|-------------|
|-------2-------|-------------|----0-----0--|----0-----0--|
|-3-------------|-3-----2--0--|-------2-----|-------2-----|
|----------(3)--|-------------|-3-----------|-3-----------|


Als grobe Faustformel kann man sagen, dass man mit den Basstönen (meist) in der gerade gespielten Tonart bleibt (diatonisch = durch die Tonart).

Ein Basslauf von einem Ton zum nächsten (z.B. F nach G) macht wenig Sinn.
Nur manchmal passt ein chromatischer Zwischenton (der eigentlich gar nicht zur gerade gespielten Tonleiter gehört)
Z.B. F F# G oder F D/F# G als Basslauf von der 4. zur 5. Stufe in C-Dur (wo eigentlich gar kein F# vorkommt)
Vergleiche auch weiter unten den diatonischen Basslauf ist ein Hörbeispiel...

Ein kleiner Basslauf über zwei Töne hinweg kommt häufiger vor.
Sehr oft ist dieses die Verbindung der Dur- und Mollparallele.
(Beispiele bei den einfachen Zupfmustern) Oder
the Boxer

(C) I am just a poor boy and my storys seldom (Am) told
(C) I am just a poor boy and my storys sel- (C/H) dom (Am) told
(C) I am just a poor boy and my storys (/C) sel- (/H) dom (/A) told (Am)

Ein einzelner Buchstabe (mit oder ohne m) ist hier ein ganzer Akkord.
Ein Akkord mit Bruchstrich ist ein Slash-Akkord. Der Buchstabe vor dem Bruchstrich entspricht dem Akkord, der Buchstabe nach dem Bruchstrich ist der Basston, der vom Grundton abweicht.
Fehlt der Akkord vor dem Bruchstrich, so ist hier ein einzelner Basston gemeint. (ist zwar kein Standard, aber ganz nützlich)

Mann hat oft mehrere Möglichkeiten den Basston laufen zu lassen. Dabei braucht man mal mehr, oder mal weniger Schritte. Es kommt darauf an, ob man die Töne des Ausgans- und/oder Zielakkord mit als einzelnen Basston erklingen lässt, oder ob diese mit dem Akkord verschmelzen.

Das sind alles Fragen des Timings. Aber man kann so leicht einen Schlag hinzufügen oder wegfallen lassen. (Wenn noch ein Schlag zum vollständigen Takt fehlt oder zuviel sein sollte) Mitunter setzt man auch ein Hammering oder ein Slide ein, wo ich aber jetzt nicht weiter drauf eingehe. Aber auch dieses wäre nur eine Frage des Timings.

Basston über drei Töne hinweg kommt auch sehr oft vor. Hier werden meist die Grundkadenzen verbunden. Das Beispiel mit dem Basslauf unten sollte recht klar sein.

Es gibt 3 Akkorde z.B. F C G.
man kann den Bass vor und zurück laufen lassen
F - /e /d - C - /h /a - G /a / h - C - /d /e - F
Meistens wird der kürzeste Weg von einem Ton zum nächsten gesucht.
Von C nach F sind aufwärts 3 Schritte C - /d /e - F aber rückwärts 4 Schritte C- /h/a/g - F

Bassläufe über vier oder fünf Töne ist zwar auch möglich, jedoch eher selten.
Anstelle vier Töne rauf zu gehen, kann man nämlich immer viel kürzer drei Töne runterlaufen.
Ist das wie beim G oben nicht möglich, dann lässt man es eben, oder man wechselt auf die leere G.Saite.

Faustformel:
  • Man beginnt aber meist mit dem Basston des Akkordes.
  • Als Wechselbass nimmt man die untere oder die obere Nachbar-Saite.
  • Manchmal ach die übernächste Nachbar-Saite
  • Etwas seltener kommt mal ein sogenannter Slash-Akkord vor.
  • Meist bleibt man in der Tonleiter, in der auch das ganze Stück steht.
  • Man sucht (fast) immer den kürzesten Weg, und geht mit dem Bass entweder auf- oder abwärts
  • Wo das nicht der Fall ist, handelt es sich meist um ein Jazz-Stück, das hier aber zu weit frühen würde.

Manchmal wird noch ein zusätzlicher Finger für einen Wechselbass benötigt.
z.B.
C wechselt mit C/G.
Entweder greift man C = x32010 C/und wechselt mit G = 3x2010 jeweils mit dem Ringfinger als Bass,
oder man greift gleich C/G 332010 (ähnlich wie ein Barré-Akkord) beginnt aber mit dem C im Bass.

Oftmals zeichnen die Basstöne eine Melodie oder schlicht eine Tonleiter nach.
einige Beispiele findest du unten bei den Links.

Beeindruckend ist wohl der Basslauf von
stairway to heaven, wo der Basslauf jeweils einen Halbton nach unten läuft, ohne dass es zu schräg wirkt...

Das sind die gängigsten Bassbewegungen.

Nur beim Blues und beim Jazz gibt es noch mal einige Ausnahmen, die man aber am besten erst dann lernt, wenn man sich mit dem Thema befasst.

Weiterführende und vertiefende Links:
Schau dir mal hier das PDF zum Zupfmusterlehrgang an und hör dir die Midi dazu an!
https://upload.wikimedia.org/wikipedia/ ... ster_1.pdf
https://upload.wikimedia.org/wikipedia/ ... ster_1.mid

Hier noch mal die Grundtechniken
http://de.wikibooks.org/wiki/Gitarre:_F ... st%C3%B6ne
http://de.wikibooks.org/wiki/Gitarre:_F ... i-Basslauf
http://de.wikibooks.org/wiki/Gitarre:_F ... 3%9Cbungen
http://de.wikibooks.org/wiki/Gitarre:_F ... echselbass

Und hier mal am konkreten Beispiel: (man aber das Barré F braucht)
http://de.wikibooks.org/wiki/Gitarre:_D ... f_in_C-Dur

und eine Variante in D-Dur etwas anspruchsvoller
http://de.wikibooks.org/wiki/Liederbuch ... _Bojangles

Johnny Walker,ist ein schönes Übungsstück dafür
einfach
http://www.youtube.com/watch?v=p1Ee1Fzfs04
Fingerstyle
http://www.911tabs.com/link/?7053185

Gruß Mjchael
Zuletzt geändert von mjchael am 10.03.2012, 18:46, insgesamt 1-mal geändert.

Benutzeravatar
Simse
Pro
Beiträge: 2659
Registriert: 03.03.2010

Erstellt: von Simse » 10.03.2012, 16:54

Vielen Dank für dieses Tutorial.
Bin gerade selber dabei viel mit Wechselbass zu machen, da hast du das hier zur genau richtigen Zeit reingestellt ()/

Benutzeravatar
mjchael
Mod-Team
Beiträge: 8974
Registriert: 08.07.2007
Wohnort: Marburger Hinterland
Gitarrist seit: 1980

Erstellt: von mjchael » 10.03.2012, 19:01

Gern geschehn :D

Benutzeravatar
H@nsi
interessiert
Beiträge: 5
Registriert: 22.03.2012
Wohnort: Viersen

Erstellt: von H@nsi » 23.03.2012, 09:59

Sehr interessant. Schöne Hausaufgabe.

4 Beiträge   •   Seite 1 von 1
  • Ähnliche Themen
    Antworten
    Zugriffe
    Letzter Beitrag

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 0 Gäste