Hänge zwischen Anfänger- und Fortgeschrittenen-Stadium fest

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nochvielllernenmuss
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Hänge zwischen Anfänger- und Fortgeschrittenen-Stadium fest

Erstellt: von nochvielllernenmuss » 11.12.2011, 11:33

Guten Morgen Leute,

da sitz ich also mal wieder mit meiner Gitarre hier und möchte für die nächste Gitarrenstunde üben. Vom Grundsatz bin ich voll motiviert und denke mir, yeah, auch Zupfen und Notenlesen ist wichtig, um das nächste Level zu erreichen. Aber nach 10 Minuten ist schon wieder essig und ich stell die Gitarre beiseite.

Ich hab das Gefühl überhaupt nicht voran zu kommen bzw. weiß ich nicht so recht, wo es eigentlich hingehen soll. Ich stecke so zwischen erfahrener Anfänger und Fortgeschrittener fest. Nehme seit ca. 1 1/2 Jahren Gitarrenunterricht und hab das erste Lehrbuch gleich durch.

Derzeit übe ich so mehrstimmiges Spiel (nennt man das so?), also oben Begleitung und unten die Melodie spielen. Alles noch sehr sehr einfach arrangiert. Ich weiß, dass es wichtig ist, das zu üben, man zupft ja nicht mal gleich los und ist gleich in der Lage soviele Noten aufeinmal zu erfassen. Ich weiß das und bin auch nicht ungeduldig. Aber irgendwie fehlt mir so die Linie, der "Lehrplan". Wo soll es denn damit hingehen? Hab den GL mal gefragt, was nach dem Buch kommt. Und er meinte, das nächste Buch :D Wenns halt bloß schon soweit wäre.

Kennt ihr das? Obwohl man weiß, dass man immer weiter kommt, auch wenn man es gerade nicht merkt, ist das schon sehr frustierend und führt dazu, dass ich halt nicht mehr ganz so viel Gitarre spiele, weil ich einfach nicht weiß, was. Immer nur so ein Lied zupfen ist öde. Da bin ich dann halt nach 10 Minuten fertig (sind ja auch nur kurze Lieder). Hab mir auch schon mal andere Bücher gekauft mit ganz einfachen Arrangements, aber die sind mir wohl noch zu schwer, denn ich komm damit noch nicht klar. Ich sags ja, ich häng da voll dazwischen. Das eine fordert mich nicht genug, das ist andere ist noch zu schwer.

Dann hab ich versucht mich bei der Liedbegleitung zu motivieren als Ausgleich. Hab mir DVD 2 von Thomas Leisen gekauft, aber da übt man halt dann auch so ein Lied, Behind blue eyes, oder eines der anderen Lieder, die da drauf sind.

Ist das dann so? Das man halt dann immer so an einem Lied übt? Und dann das nächste? Und das nächste? Daran entwickelt man dann Technik, oder wie? Was lernt man denn so als Fortgeschrittener? Die Lernerfolge werden dann immer kleiner, oder? Weil es immer mehr ins Detail geht?

Ich kann schwer rüberbringen, was mich gerade stört, glaub ich. Früher hat man halt 2 neue Akkorde gekonnt und schwupp, konnte man mehrere Lieder begleiten. Wißt ihr was ich meine? Und jetzt übe ich ein Lied und das wars.

Was habt ihr für Erfahrungen gemacht? Wie motiviert ihr euch, wenn ihr auf einem Lernplateau gerade festhängt?

Wäre wirklich froh, wenn ihr mir weiterhelfen könntet. Mir fällt es schwer herauszukriegen, wieso ich gerade so durchhänge. Ich würde wirklich gern wieder mehr Gitarre spielen, aber ich sitz dann da mit der Gitarre auf den Schoß, übe mein eines Lied und dann schau ich ratlos umher. Die alten Songs zu begleiten, ist mir mittlerweile auch zu langweilig. Aber ich find auch nichts neues. Zu blöd.

Bin für Tipps/Meinungen/Durchhalteparolen :( dankbar, VG

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hnz
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Erstellt: von hnz » 11.12.2011, 12:26

Meine Erfahrung ist, dass ich zu den Zeiten, als ich angefangen habe, mir ein Repertoire einzuspielen, die Stücke erst immer nur oberflächlich behandelt habe.
Natürlich waren sie auch "einfacher", aber auch daran macht man Fortschritte durch bloßes Spielen, sauberes Ausführen und einfach nur tägliches Üben.

Mittlerweile (ich bezeichne mich mal ganz dreist als "Fortgeschrittenen") brauche ich mehrere Wochen (!) um mit EINEM Stück auch nur ansatzweise zufrieden zu sein.

Fazit: Je fortgeschrittener man ist, desto schwieriger wird der Lernprozess und desto kleiner die Schritte.

Das war zwar jetzt insgesamt recht kurz, aber ich hoffe meine Intention wird klar, auch wenn ich mir nicht soviel Mühe gebe und Seiten schreibe wie du. ;)

lg hnz

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RollapS
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Erstellt: von RollapS » 11.12.2011, 13:05

Hallo,

seit 53 Jahren quäle ich Gitarren. Damals hat mir ein Mitschüler gezeigt, wie man den F-Dur-Barré
greift und dass man ihn die Bünde hochschieben kann z.B. als Bb-Dur oder C-Dur. Damit konnte man
einfache Schlager /Lieder begleiten und ich war vorerst zufrieden. Die Finger gewöhnten sich an die "Plage" im Laufe
von Wochen. Hurra, ich bin ein Gitarrist !(?) ... dachte ich, bis ich andere Gitarristen hörte.

Internet wäre damals höchstens eine utopische Vorstellung gewesen. Also kaufte ich mir ein Buch mit Grifftabellen usw. und probierte rum.
Da ich vorher schon ein paar Jahre Klavierunterricht hatte, konnte ich wenigstens mit Noten umgehen.

Lernplateau, oder wie man es sonst nennen mag, hatte ich x-mal. Mein Rezept dagegen war :
Nicht immer krampfhaft ein Lied / eine Nummer üben, sondern frei Schnauze rumprobieren,
versuchen zu improvisieren. Da ich keine alten Meister spielen wollte, musste sich auch keiner
gekränkt im Grabe umdrehen.

Einfaches Rezept gegen Lernplateau: Dran bleiben ! Irgendwann kommt der Sprung zum nächsten. Dann ist man eine Weile happy ... bis zum nächsten Lernplateau ...

Grüße ... RS
Von nix kommt nix !

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karioll
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Erstellt: von karioll » 11.12.2011, 13:07

Könnte es daran liegen, dass du Sachen übst, die nicht so ganz deine Musik sind?

Oder kannst du in dem Buch mal ohne Auftrag vom Lehrer das nächste Lied anfangen? Dann kannst du es in der nächsten Stunde und du bist schneller beim nächsten Buch. Wird das dann die gleiche Sorte Musik sein?

Eventuell kann auch das Testen eines anderen Unterrichtsstils weiter helfen. Also mal ne Probestunde bei einem andern Lehrer und ggf wechseln.

Was willst du denn eigentlich können?
Wo willst du hin?
Was für eine Gitarre möchtest du in 5 Jahren haben?
Wo willst du in 2 Jahren spielen? Auf ner Bühne, auf ner Gartenparty, unterm Weihnachtsbaum für die Kinder?

Dann sage dem Lehrer deine Vorstellungen, damit er möglicherweise die Songauswahl oder Buchauswahl verändert. Wenn er das nicht kann, dann in aller Ruhe einen Lehrer suchen, der flexibler ist. Ein Wechsel nach 2 Jahren ist nichts Schlimmes.

Die Lernfortschritte sind übrigens genau so da wie am Anfang, nur hast du höhere Ansprüche an dich. Es ist viel schwerer, an den Feinheiten zu arbeiten (z.B. ein schönes sauberes Bending) als 2 Akkorde zu schrammeln. Daher braucht es mehr Zeit, bis die Musik immer schöner wird, die du machst.

Gitarrespielen ist eine Kunst! Da ist es verkehrt zu denken, es geht einfach und schnell. Je weniger mehr du dich mit deiner Ungeduld und Unzufriedenheit unter Druck setzt, um so mehr wirst du deine Kunst ausfeilen.
Durch Übung kannst Du der Natur ein Schnippchen schlagen (Mahatma Ghandi)

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Remarc
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Erstellt: von Remarc » 11.12.2011, 13:09

Hallo,

es wäre für vernünftige Antworten vielleicht auch ganz hilfreich, wenn du uns kurz verraten würdest, nach welchem Buch du lernst.

Liebe Grüße
Remarc

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mjchael
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Erstellt: von mjchael » 11.12.2011, 13:33

Du spielst schon zweistimmige Stücke. Ich vermute, du hast bei deinem Unterricht einen klassischen Ansatz.

Du brauchst dich nicht unbedingt mit allen Noten die auf dem Notenblatt herumschwirren herumzuschlagen. Viele der Noten innerhalb eines Taktes gehören zu einem Akkord. Also reduziert sich die Informationsfülle in vielen Fällen auf Akkordtöne und Zupfmuster.

Ich weiß nicht, ob du schon mit allen gängigen Akkorden (ohne Barré-Akkorde) vertraut bist, und ob du schon einige Zupfmuster beherrschst.

Kannst du schon die Akkorde A D G C Em Am | F Dm E H7 D7 G7 ?
Das sind die wichtigsten Grundakkorde für die "Lagerfeuergitarre"

Wenn du diese noch nicht kannst, dann hast du vermutlich einen Unterricht, der hauptsächlich auf Notenlesen basiert. Ich würde dir in diesem Fall empfehlen, nebenher noch das Lagerfeuerdiplom und das Folkdiplom zu machen.
http://de.wikibooks.org/wiki/Gitarre:_I ... arrenkurse
Da lernst du auch einfache Zupfmuster, die dich bei einer einfachen Liedbegleitung weiterhelfen.

Wenn du schon recht fitt im Notenlesen bist, dann könnte dich vielleicht ein Ausflug in den Melodiepicking-Workshop interessieren.
http://de.wikibooks.org/wiki/Gitarre:_E ... diepicking
Ich gebe zu, die ersten 6 Lieder sind schon recht einfach gehalten. Aber da musst du einfach die rein technische Seite der Übung sehen. Ab dem 7. Lied werden die Musikstücke immer interessanter.

Du kannst das, was du dort liest unbedenklich parallel zu deinem jetzigen Unterricht nebenher lernen, sofern du dich mit den Lektionen nicht übernimmst.

Gruß Mjchael

nochvielllernenmuss
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Erstellt: von nochvielllernenmuss » 11.12.2011, 15:01

Vielen Dank für die aufbauenden Antworten und Anregungen. In den Akkorden bin ich schon recht fit, kann auch Barrees, wenn auch noch nicht so ganz schnell, greifen. Das Melodiepicking sieht gut aus. Das sind kleinere Lerneinheiten, die kann ich gut mit einbauen. Danke für den Link.

Ich lerne mit Gitarren Starter 1 von Cees Hartog und bin dort auf S. 46 (Adantino), nur falls zufällig jemand den Band auch hat.

Von der Musik her bin ich eigentlich ziemlich schmerzfrei. Ich mag auch gern Klassik spielen und hab auch keine Probleme Kinderlieder zu spielen, wenn man daran gut üben kann.

Ist keine schlechte Idee, einfach im Buch schon mal weiter zu machen. Das hab ich früher eigentlich andauernd gemacht. Weiß gar nicht,wieso ich davon abgekommen bin :? Mein GL versucht wirklich sich auf mich einzustellen und schiebt auch Songs dazwischen, wenn er merkt, dass mich das Buch-Üben gerade nicht so interessiert. Wenn ich dagegen im Buch gerade gute Sprünge mache, dann stellt er sich auch darauf ein.

Tja, gute Frage, wo ich mal hin will. Darüber muss ich mir mal echt Gedanken machen. Vom Gitarrespielen her will ich am besten alles können :) Aber alles können zu wollen, ist vielleicht nicht konkret genug. Hm, eine Freizeitband wäre schon was feines. Für Auftritte bin ich wohl zu schüchtern, aber zusammen zu jammen, das wäre schon klasse.

Hab selbst schon mal über einen Lehrerwechsel nachgedacht. Nicht, weil mein Lehrer schlecht ist oder so, sondern einfach weil mich neue Impulse und neue Lernmethode vielleicht voran bringt. Vll sollte ich mal eine Probestunde woanders ausmachen, einfach auch um zu sehen, wie das so ist. Vll kann sich das ja auch ergänzen.

Sehr Ihr, meine Beiträge werden schon kürzer, weil mir die Sache klarer wird :lol:

Vielen Dank Euch nochmal!

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Remarc
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Erstellt: von Remarc » 11.12.2011, 15:04

Von Cees Hartog gibt es doch jede Menge weiteres Material. Da könnte dich dein Gitarrenlehrer ja mal beraten.

Mein Tipp: Titbits For Young Guitarists von C. Hartog.

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