Wie Alterierte Skalen schnell auf Griffbrett umsetzen

Skalen, Tonleiter, Pentatonik, uvm.
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von Felixus
#259281
Ich stehe derzeit vor dem Problem, mir nicht ganz so einfache Skalen einzuprägen. Es betrifft hauptsächlich alterierte Skalen. Die einfachen Skalen (Natürlich Moll bzw. Dur) und die Modi (dorisch, phrygisch, lydisch etc.) konnte ich mir über die Greifmuster ganz gut einprägen, aber bei den alterierten Skalen funktioniert das einfach nicht so gut.
Habt ihr da einen Tipp, wie man das hinbekommen kann? Ich weiß zwar, aus welchen Noten die Skalen bestehen, aber auf dem Griffbrett in Noten denken, macht mein Spiel extrem langsam bis unmöglich. Ich präge mir lieber Muster ein und suche dann nur noch den richtigen Grundton, von dem aus man loslegen kann....
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von Klampfengeist
#260445
Es betrifft hauptsächlich alterierte Skalen.
Könnte es jetzt vielleicht googeln, aber ist vielleicht besser du erklärst das. ;)

Was sind das für Dinger? :shock:
Zuletzt geändert von Klampfengeist am 30.10.2011, insgesamt 1-mal geändert.
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von mjchael
#260454
Ich habe eigentlich noch nichts mit einer alterierten Skala gemacht.

Aber spiele doch einfach eine Dur-Tonleiter, und erhöhe dabei den Grundton um einen Halbtonschritt.
aus
C D E F G A H C
wird
C# D E F G A H C#

Nimm dir einen Dur-Fingersatz, und erhöhe einfach den Grundton.
Jetzt gibt es davon noch ein paar Umdeutungen, je nachdem, wie du diese Skala umdrehst.

A H C# D E F G A
wäre eine Am-Skala mit einer Dur-Terz.
So was könnte entstehen, wenn man die Bluespentatonik etwas erweitert.
Du weißt schon: Mollpentatonik über einen Dur-Akkord. Muss man sich aber vieles zurechtbiegen.

Eine Dm-Skala, wo die Sexte und Septime erhöht wurden ist Dm-Mellodisch.
D E F G A H C# D (natürlich wäre mit Bb und C)
C#-alteriert ist demnach die 7. Stufe vom Mellodischen Moll.
Aber wo brauchst du mal die 7. Stufe vom mel. Moll?

Du hast die Akkorde Am Dm und E7 und spielst die melodische Moll-Tonleiter.
Wann verwendet man denn da ein Akkord mit G# als Grundton (eigentlich die Durterz von dem E-Dur-Akkord)

Und was für einen Akkord hätten wir dann?
Am-melodisch = A H C D E F# G# A
G# als Grundton
G# a H c D e (F) G#
Das wäre ein G#5b bzw. ein G#7bb/5b
Mir ist so ein Akkord noch nicht untergekommen. (was nicht heißt, dass er nicht doch von irgendwelchen Jazzern eingesetzt wird)

Was willst du mit dieser Skala machen? Ist bestimmt was ganz interessantes, aber mir fällt erstmal kein brauchbares Einsatzgebiet für diese Skala ein.
Und "Nur damit es exotisch klingt"....
Na ich weiß nicht.

Wenn du im Jazz eine Tritonus-Substitution machen würdest hätte es wohl einen Sinn. (Weiß ich auch nur von der Wikipedia). Aber spielst du gerade was jazziges?

Skalen sind ja ganz nett. Aber solange ich nicht weiß, was ich damit anfangen soll, kümmere ich mich nicht darum.

Gruß Mjchael
Zuletzt geändert von mjchael am 30.10.2011, insgesamt 3-mal geändert.
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von Galgenwald
#260457
ich hab das gerade mal probiert. ich find das klingt interessant. aber wo genau will man das benutzen?

liebe grüße
Galgenwald
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von Klampfengeist
#260472
Na, ich beschäftige mich lieber erstmal mit den 'normalen' Skalen. :D
Aber gut zu wissen, was damit gemeint ist.

Danke für die Info!
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von Felixus
#260555
Hallo Mjchael,
erstmal danke für die ausführliche Antwort. Habe mich gerade mit II-V-I Kadenzen in Dur und Moll beschäftigt und da kann man in Moll - also IIm7b5; V7; Immaj7 - über der V kein Mixo spielen. Auf Tipp eines Jazzers habe ich nun folgende Skalen ausprobiert: harmonisch Moll, Halbton/Ganzton und eben alteriert. Am besten kann ich mir dazu die Harmonisch Moll merken, die ich auch gerne einsetze. Die HtGt nutze ich irgendwie nicht so gerne und die alterierte kann ich mir einfach nicht richtig merken. Aber ich versuchs gerne mal mit dem Gedanken an den erhöhten Grundton. So komme ich hoffentlich besser mit klar. Ich war mir wohl auch bisher nicht ganz im klaren, was alteriert bedeutet....
Und natürlich ist das nichts um es ständig einzusetzen, aber es klingt halt doch mal ganz interessant.
Bin allerdings noch in dem Stadium, die Skalen mir einzuprägen und mehr oder weniger rauf- und runter zu spielen. Aber irgendwann, webnn sie besser in den Fingern sind, wird sich das verselbständigen. Bei der Pentatonik ist das inzwischen schon der Fall.
Irgendwie macht das jazzen schon Spaß, wenns auch verdammt anspruchsvoll ist...oder vielleicht genau deshalb. ;)
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von mjchael
#260557
Spiele Mixo9b
Was machst du da?
Du hast die Akkorde Hm7b5 (locrisch) E7 (mixo9b) Am (äolisch)
Du spielst weitestgehend die Am-Tonleiter.

In der C-Dur Tonleiter würdest du über dem Em mit den Tönen
E F _ G _ A _ H C _ D _ E
also E-phrygisch spielen.
Nun spielst du aber ein E7-Akkord. Also wird aus dem G ein G#
E F _ _ G# A _ H C _ D _ E
Da hast du die 5. Stufe vom harmonischen Moll.
Klingt recht exotisch wegen der kleinen Sekunde vom Grundton zum F und der übermäßigen Sekunde vom F zum G#.

oft erhöht man die Sekunde vom E7 um eine gefälligere Melodie zu haben, und weicht dann auf das melodische Moll aus.
E _ F# _ G# A _ H C _ D _ E
Es entspricht fast der A-Dur-Tonleiter, jedoch bleibt die Moll-Terz von Am (das C) erhalten.

Manchmal spielt man aber auch richtig E-mixolydisch
E _ F# _ G# A _ H _ C# D _ E
Jetzt entspricht der Tonvorrat der A-Dur-Tonleiter.

Hört sich aber etwas fremd bei der Moll-Tonleiter an. Eigentlich will das E-Phrygisch etwas von seinem Charakter behalten. Und dazu wählt es die kleine Sekunde (phrygische Sekunde)
E F _ _ G# A _ H _ C# D _ E
Und das ist Mixo-9b

Das ist der Tonvorrat der A-Dur-Tonleiter mit einer kleinen Sexten (dem F statt dem F#)

Aber das ist nur die Theorie. Solos habe ich darüber noch nicht gespielt. Das überlasse ich den E-Gitarren-Spielern und den Jazzern. Bei mir muss der Jazz nur so weit reichen, dass ich ein paar Swing-Sachen, und ein wenig Bossa-Nova nachspielen kann.

Gruß Mjchael
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von Felixus
#260610
Hallo Mjchael,

besten Dank für die ausführliche Erklärung. Das mit den Skalen kann schon ziemlich verwirrend sein. Ich werde deine Ausführungen mal austesten und bin gespannt wie Emixob9 klingt.
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von mjchael
#260714
Ich habe auch gesehen, das die alterierte Skala, die ich dir gezeigt habe, auch nur eine von vielen ist.

In einigen Jazzbüchern und auch in 1000 Tipps für die Gitarre werden sie in etwa so beschrieben.

Alterierte Skalen sind Skalen, die keine Kirchentonarten sind (sonst wären sie modal), und die sich nicht durch Variationen einer Moll-Tonleiter (melodisch oder Harmonisch) erklären lassen. Wenn dann ein Ton (egal welcher) verändert wird, und aus der Ursprünglichen Skala wird nicht zufällig eine Skala, die wie eine Kirchentonart oder Moll aussieht, dann ist es eine Altierierte Skala.

In einer Dur-Tonleiter erwarte ich einfach keine kleine Sexte und keine kleine Sekunde. Weiterhin erwarte ich keine übermäßige Quarte oder Quinte und auch keine verminderte Quinte.

Wenn so etwas vorkommt (und wenn es vorkommt ist es meist bei der Dominante) dann spricht man von einer alterierten Skala. Alles ist also nicht ganz so einfach.
Du musst dir immer überlegen, warum du einen schrägen Ton mit einbaust. Da hilft es gar nicht irgendeine alterierte Skala zu lernen. Denn einmal passt sie, und dann bei einem anderen Lied, aber der selben Akkordfolge passt sie nicht. Von daher muss man bei alterierten Skalen schon viel tiefer in die Materie (vor allem Jazz) anfangen.

Da würde ich dir aber empfehlen, einfach dich mal mit einigen Jazz-Standards auseinander zu setzen, oder aber dir ein gutes Jazz-Gitarrenbuch zu kaufen, dass dir dann zu ein paar typischen Jazz-Akkordfolgen auch die passenden Skalen mit vermittelt.

So tief habe ich es allerdings gar nicht vor, ins Jazz einzusteigen. Wie gesagt, mir reicht ein wenig Swing und Bossa-Nova. Und bei den Standards mag ich alles, was ein wenig fluffig ist.

Aber wenn es dir Spaß macht, hau rein!

Gruß Mjchael
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von Felixus
#260837
Okay, jetzt sehe ich wohl klarer. Und nochmals Danke für die ausführlichen Erklärungen. Es ist schon ein spannendes Feld. ;)
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