[Review] Fender Blues Junior III

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Jens80
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[Review] Fender Blues Junior III

Erstellt: von Jens80 » 20.07.2011, 07:34

Hallo Leute!

ich habe mich nun mehrere Wochen mit dem Kauf eines neuen Verstärkers beschäftigt, nachdem mir mein VOX DA5 dann irgendwie doch zu mickrig wurde. Zudem besteht nach wie vor die Möglichkeit, dass ich bei ner befreundeten Band mitproben darf. Unter anderem aus diesem Grund waren folgende Kriterien für mich wichtig:

- Combo
- Clean- und Crunchsound
- zu Hause spielbar, aber mit Reserven für den Proberaum
- kein Modelling
- Röhre
- max. 700 Euro

Seit zwei Wochen steht nun also der Blues Junior bei mir zu Hause.

Vielleicht als kurze Einleitung, falls sich jemand nach der Review für einen BJ interessieren sollte:

Die aktuelle Modellbezeichnung lautet Fender Blues Junior III. Das ist eine neu überarbeitete Serie, die 2010 auf den Markt kam. Die Fertigung erfolgt seit 2001 in Mexico.
Bei Recherchen über den BJ im Internet stößt man häufig auf Berichte, in denen der eingebaute Federhall kritisiert wird, sowie ein etwas lauteres Grundrauschen. Diese Mängel sind bei den heutigen Modellen, bzw. meines Wissens bereits ab dem Modelljahr 2001 behoben worden. Der Federhall war bis dato vor dem Mastervolume und hat somit wohl für die Störgeräusche, bzw. für eine schlechte Regulierbarkeit des Halls gesorgt. Falls man sich nen gebrauchten BJ in der Bucht schießen möchte, erkennt man die pre 2001er Modelle auch an dem verbauten „green-Board“ (Platine). Die Modelle ab 2001 mit der verbesserten Schaltung des Halls sind heute Creme-Farben.

Aber nun zum eigentlichen Amp:

Technische Daten:

- 15 Watt
- Röhrenbestückung Vorstufe: 3x12AX7
- Röhrenbestückung Endstufe: 2xEL84
- 12´´ Speaker (Fender Lightning Bolt by Eminence 8 Ohm 50 Watt)
- 1 Kanal
- Regler für Volume, Reverb, Master, Middle, Bass, Treble sowie ein “FAT Switch”
- Gewicht: ca. 14 kg

Verarbeitung:

Der Amp macht nen sehr soliden Eindruck. Holzgehäuse (leicht angeschrägt) mit schwarzem Tolex überzogen, silberner Grill, Fender Logo in der Mitte, Chickenhead-Regler - fertig.

Der Tragegriff auf der Decke ist mit vier Schrauben fixiert. Diese sind nicht einfach nur „reingespaxt“, sondern ordentlich mit ner Mutter gekontert. Dürfte so schnell nicht ausfransen…… Keine Mängel in der Verarbeitung für mich erkennbar. Einzig die Cinch Kabel, welche am Reverbtank angeschlossen sind könnten etwas besser zupacken. Nach dem ersten Autotransport haben diese sich prompt gelöst.

Ausstattung:

Der Amp kommt als 1-Kanaler recht puristisch daher. Die 12er Box kann man abklemmen und eine andere 8 Ohm Box extern betreiben. Einzige zusätzliche Regelung neben Volume, Mastervolume und der 3-Band-Klangeregelung sind der eingebaute Federhall sowie der so genannte „Fat-Switch“. Dieser ist über einen kleinen Taster am Bedienfeld zuschaltbar. Durch den Fat-Switch erfolgt eine spürbare Lautstärkenerhöhung, da die Mitten deutlich angehoben werden. Der Sound wird etwas druckvoller und bissiger. Die Zerre setzt früher ein und der Sound hat gefühlsmäßig etwas mehr Sustain. Der Fat-Switch ist auch über einen separat erhältlichen Bodentreter (ca. 30-40 Euro) aktivierbar (Anschluss auf der Rückseite des Amps).

Zusätzliche Features wie Kopfhöreranschluss, FX-Loop, Aux-In oder nen Stand-By sucht man vergebens.

Sound:

Da der BJ nicht über einen Gainregeler verfügt, steuert man über den Volumeregler den Grad der Verzerrung. Hat man hier seinen gewünschten Verzerrungsgrad gefunden, regelt man über den Master Volume die eigentliche Lautstärke. Wobei die beiden Regler nicht völlig unabhängig voneinander reagieren. Wer ordentliche Zerre möchte, muss schon auch den Master etwas anpassen, bzw. evtl. den Fat-Switch zuschalten.

Die Klangregelung (Höhen, Mitten, Bässe) funktioniert spürbar, aber nicht extrem in irgendeine Richtung.

Also Strat angestöpselt, Hals-PU, Volume auf 4, Master auf 3 und da ist er. Dieser Fender-Cleansound auf den ich so stehe. Klar, aber nicht zu hell oder zu bissig – Reverb noch auf 4 und die Sonne geht auf. Wirklich, ich liebe diesen Sound! Definiert, klar aber dabei warm und schön druckvoll. Da matscht nix, kein Ton „kippt“ über. Jeder Ton steht nach meinem Empfinden wie ne 1……

Dreht man den Volumeregler etwas weiter, beginnt der BJ dann zu crunchen. Hier macht es vor allem Spaß an dieser Grenze zu spielen, an der man schön über die Stärke des eigenen Anschlags entscheiden kann ob es noch clean klingen soll, oder leicht angecruncht-rotzig….. macht Spaß! Allerdings bewegt man sich hier so langsam von der Zimmerlautstärke weg. Ist zwar in Summe noch verträglich, nachts um 12 in der WG könnt‘s allerdings kritisch werden.

Volume noch nen Stück weiter und der BJ geht über den Crunchbereich in die Zerre. Richtig rockig und dreckig. Strat PU auf Steg- bzw. Stegmittelstellung und es wird schön bissig - wieder ohne das die Höhen in den Ohren Schmerzen.

Aktiviert man den Fat-Switch, ist dies in allen Einstellungen deutlich wahrnehmbar die Mitten werden angehoben und es wird definitiv lauter. Es matscht weiterhin nichts, egal ob Akkorde oder Einzelnoten. Eignet sich meiner Meinung nach sehr gut als kleiner Boost fürs Solo – dafür ist er ja sicher auch gedacht.

Ich spiele überwiegend Blues und bissl so rockiges Zeug. Und dafür scheint der Amp wie gemacht. Wie sich der Sound verhält, wenn man ne richtige Metallzerre braucht, kann ich nicht beurteilen, da ich absolut keine Erfahrung in high-gain Bereichen habe. So AC/DC-like geht auf jeden Fall noch wunderbar......

Mehr Soundvielfalt ergibt sich durch den Einsatz von Pedalen. Mein BOSS BD-2 Blues Driver und der BJ haben sich auf Anhieb wunderbar miteinander verstanden. Lautstärkelevel am Pedal abstimmen, bissl Gain rein und man kann problemlos von klassischem Cleansound auf fetten Bluesrock-Crunch (oder mehr) wechseln. Keine Störgeräusche, keine Lautsärkesprünge. Einen zweiten Kanal vermisse ich somit überhaupt nicht. Mittelfristig möchte ich mir noch ein Tremolopedal anschaffen. Wie es sich verträgt, werde ich dann hier ergänzen.

Das tolle an dem Amp: Das Ganze funktioniert – danke Mastervolume – problemlos auf Zimmerlautstärke – zumindest Clean und angecruncht. Wer heftigeren Zerrsound auch bei wirklich leiser Lautstärke möchte, dem sei zu einem entsprechenden Bodeneffekt wie z.B. dem BD-2 geraten. Dann geht’s Problemlos.

Allerdings macht es natürlich am meisten Spaß, wenn man bissl aufdrehen kann und sich der Speaker entfalten darf. Da schiebt es einem den Sound schon ordentlich entgegen.
15 Watt aus nem 12er sind richtig laut! Glaubt mir……

Wie er sich im Bandgefüge macht, kann ich noch nicht beurteilen. Kann mir aber schwer vorstellen, dass es für den Proberaum nicht reichen sollte!

Fazit:

Klassisch, robust, schlicht, einfache Handhabung, klanglich sehr hochwertig und auf Wunsch ordentlich laut! So würd‘ ich den Amp beschreiben.

Der Amp ist sicher nix für Freunde des Modellings, die einfach an nem Rädchen durch x Simulationen schalten, oder ne ganze Latte an Effekten an Bord haben wollen. Hier kann man dafür seinen Sound suchen – und das macht Spaß. Der Amp hat durchaus seinen eigenen Charakter, den man hören und mögen muss.....

Flexibel ist er meiner Meinung nach trotz der Tatsache, dass er nur über einen Kanal verfügt. Er verträgt sich sehr gut mit Pedalen (getestet BOSS BD-2 und BOSS SD-1) und über die unterschiedlichen Crunch und Zerrgrade sowie den Fat-Switch in Verbindung mit der gewählten PU-Stellung der Gitarre bleibt für meine Verhältnisse genug Raum zum experimentieren.

Sonstiges:

Straßenpreis liegt derzeit bei ca. 549 Euro.

Den BJ gibt es immer mal wieder auch in limitierten Versionen. Zwei davon stehen derzeit kurz vor der Erscheinung. Eine technisch unveränderte "Two-Tone Version" in den Farben Beige/Weinrot zum gleichen Preis, sowie einen in emerald-green mit nem Canabis Rex Speaker für ca. 40 Euro mehr. Wollte eigentlich den Two-Tone, aber da sich der Liefertemin immer weiter nach hinten verschoben hat (derzeit Ende September) konnte ich einfach nicht länger warten.

Eine kleine Anmerkung vielleicht noch:
Durch seine wohl eher einfache Bauweise scheint der BJ recht gerne zu Moddingzwecken hergenommen zu werden. Wer sich dafür interessiert, was man aus dem guten Stück noch rausholen kann: http://billmaudio.com/wp/


Wer noch Fragen hat - einfach melden. Bilder kommen diese Woche noch, falls es jemanden interessiert.

Gruß,
jens

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Erstellt: von phunky » 20.07.2011, 08:01

Schönes Review, Jens. Ich stehe ja auf diese archaischen Ein-Kanal-Amps.

Übrigens kannst Du den Bluesdriver auch gut als Booster benutzen, wenn Du die Vorstufe mal ein bisschen kitzeln willst. Einfach Gain komplett raus und den Level-Regler aufreißen. Funktioniert mit dem BD2 für meinen Geschmack besser als mit den anderen OD-Pedalen von Boss.

EDIT
Wie er sich im Bandgefüge macht, kann ich noch nicht beurteilen. Kann mir aber schwer vorstellen, dass es für den Proberaum nicht reichen sollte!


Wenn der Drummer nicht nur die Betriebsmodi "An/Aus" kennt, sondern auch eher so mittellaut, dann wird das reichen. Wenn man so einen megalauten Trommler hat, der mit allem was er hat die Felle drischt, könnte das für nen Cleansound schon mal zu wenig sein. Aber bei Bluesbands findet man die ja nicht so oft vor ;)

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Erstellt: von Jens80 » 20.07.2011, 08:14

Danke für den Tipp Phunky. Auf die Idee bin ich noch gar nicht gekommen.... Heut abend gleich mal testen.

Hab persönlich auch nur den Bluesdriver, den cih echt Klasse finde. Das SD-1 war zu Testzwecken geliehen und ist mir persönlich bissl zu "aggressiv".

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Erstellt: von Sunburst » 20.07.2011, 11:29

Tolles Review! Super geschrieben und klingt nach einem tollen Amp. ich mag den Bluesdriver auch, wenn es nur ein bisschen "britzeln" soll, ist ein echt guter Booster, wie Phunky sagte. Ich hab an meinem allerdings meist ein bisschen Gain reingedreht (so 9 Uhr) und Level ordentlich auf 2 Uhr - alles in allem macht's einfach Spaß an der blauen Kiste zu "schrauben".

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Erstellt: von karioll » 20.07.2011, 23:03

Mir hat das Reviev auch sehr gut gefallen. Weil ich vor ner Weile mal einen neuen Verstärker kaufen wollte (bin aber davon abgekommen, meiner ist gut genug für meine Zwecke).
Daher weiß ich , wie ich damals versucht habe, an vernünftige Infos zu kommen, bin aber kaum vorangekommen damit. Mit deinem Reviev hätte ich was anfangen können und wäre sofort testen gefahren .
Durch Übung kannst Du der Natur ein Schnippchen schlagen (Mahatma Ghandi)

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