Akkorde bilden?

Skalen, Tonleiter, Pentatonik, uvm.
von baman
#242268
hallo,
ich habe mich in letzter zeit sehr viel theorie gelernt und mich stunden lang mit der gitarre im schoß weitergebildet :D
Ich liebe künstler wie john mayer die nicht "nur" standard akkorde nutzen sonder wunderbar klingende "eigene" offene akkorde.
habe jetzt auch schon ein paar entdeckt die mir gefallen und sie in eine reihenfolge gestzt, meine frage ist nun: Wenn ich eine offene saite zu einem akkord hinzufüge was muss sie dann sein, oft klingt die subdominante der tonart in der das lied ist gut aber ich habe noch kein muster entdeckt.
bitte um hilfe,
dani
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von mjchael
#242650
Das ist eine Kunst für sich.
Zuerst einmal lernt man normalerweise die einfachen Standard-Akkorde in einer gefälligen Griffweise.
Dann lernt man einzelne Intervalle zu einem Akkord hinzuzufügen.
Beispielsweise die Septime, Die Quarte, die mitunter die Terz ersetzt (sie aber später oftmals wieder frei gibt).
Man lernt, dass man noch weitere Intervalle zum Akkord hinzufügen kann. Die Sexte und die Sekunde bei Dur-Akkorden, die Quarte und die kleine Septime bei Moll-Akkorden.
Witzigerweise fügt man manchmal ein weiteres Intervall hinzu, indem man einen Finger des Griffes wegnimmt. (Missverständlicherweise werden die Akkorde dann "offene Akkorde" genannt, was sich aber nur auf die leeren Saiten bezieht, nicht auf den eigentlichen Klang des Akkords.)
Wenn du vom C den Zeigefinger wegnimmst, bekommst du eine große Septime hinzu.
Wenn du vom A-Dur den Ringfinger wegnimmst, kommt die Sekunde bzw. die None mit hinzu.
solche zusätzlichen Intervalle geben dem Akkord viel mehr Farbe. Stöbere mal ein wenig im Balladendiplom, was dir wenigstens mal ein paar Infos liefert.

Jetzt kommt es aber noch drauf an, wohin man einzelne Intervalle setzt.
Um aus einem E-Dur ein E7 zu machen, muss ich ein D mit hinzufügen.
Entweder mache ich das, indem ich den Ringfinger anhebe, oder den kleinen Finger in den 3. Bund der D-Saite setze.
Obwohl beides ein E7 ist, klingen die beiden Varianten (Voicings) unterschiedlich.
Die zweite Variante baut scheinbar eine höhere Spannung auf, als die erste, die etwas dezenter ist.

Du siehst, man kommt vom Hundertsten ins Tausendste.
Man muss nach und nach sich die einzelnen Varianten aneignen, und wenn man die Sachen nicht einfach nur nachspielen will, sondern auch halbwegs verstehen will, dann muss man jeden einzelnen Akkord analysieren.

Ich kann einen G-Dur-Akkord in der Standard-Version spielen: 320003 oder mit vier Fingern 320033
Das hohe H xxxx0x wird durch das hohe D xxxx3x ausgetauscht.
Da wir aber noch das tiefe H haben x2xxxx und das tiefe D xx0xxx bleibt es ein schlichter G-Dur-Akkord.
Da aber in den Höhen jetzt die Dur-Terz fehlt (und die tiefere Dur-Terz nicht so durchdringt) haben wir auf einmal GxDGDG fast einen Powerchord, der etwas offener klingt.
Jetzt sind es aber nicht nur einzelne Intervalle, sondern auch die Art und Weise, wie die Intervalle einzelner Akkorde in den nächsten hineinfließen. Mal verschmelzen sie miteinander, mal heben sie sich klar ab, Mal bilden sich kleine erkennbare Melodien, mal klingt der Akkord als Gesamtheit.

Als Anfänger spielt man einfach nur das nach, was einem gefällt, und bekommt allein durch das Nachspielen ein wähnendes Erahnen, wie die Sachen funktionieren. Dabei kann man sich gut auf eine handvoll Akkorde beschränken, die zusammen gut klingen. Aber gibt letztlich so viele Möglichkeiten, dass man monate- und jahrelange Spielpraxis braucht, um da durchzublicken. Mit einem guten Lehrer geht es natürlich schneller, aber auch da braucht man schon viel Zeit dazu. Und die meisten hier sind nur Hobbygitarristen. Von allen unseren Membern hat kaum einer Musik studiert (ich ebenfalls nicht).

Bei den hunderttausend Möglichkeiten hilft eine gute Musik- bzw. Harmonielehre weiter.
Am besten eine, die auch ein wenig aufs Komponieren eingeht.
Und selbst die Bücher schaffen es nicht auf alles einzugehen, so dass ich inzwischen eine ganze Reihe von Büchern zu dem Thema habe.

Wie du siehst, einen schnellen Wochenendkurs gibt es da nicht.
Musik ist nicht umsonst ein Studienfach.

Also es hilft nichts: Mühselig ernährt sich das Eichhörnchen.

Gruß Mjchael
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von FretboardAddict
#242943
baman hat geschrieben:hallo,
ich habe mich in letzter zeit sehr viel theorie gelernt und mich stunden lang mit der gitarre im schoß weitergebildet :D
Ich liebe künstler wie john mayer die nicht "nur" standard akkorde nutzen sonder wunderbar klingende "eigene" offene akkorde.
habe jetzt auch schon ein paar entdeckt die mir gefallen und sie in eine reihenfolge gestzt, meine frage ist nun: Wenn ich eine offene saite zu einem akkord hinzufüge was muss sie dann sein, oft klingt die subdominante der tonart in der das lied ist gut aber ich habe noch kein muster entdeckt.
bitte um hilfe,
dani
Du musst bei Intervall verdopplungen aufpassen.

Zum einen werden bei offen gespielten Akkorde andere Intervalle verdoppelt als bei einem Barré und je nach Akkord kommt auch noch die instabil klingende Septime hinzu.

Das macht zum Beispiel den G7 klanglich etwas Gewöhnungsbedürftiger als andere 7er.

Es klingt immer angenehmer die Quinte zu verdoppeln, sprich den Barré zu greifen.

Wenn du offen spielen willst, dann musst du darauf achten welche Intervalle du verdoppelst.

Eine eindeutige Bezeichnung für Frequenzen gibt es nicht,sonst gäbe es kein Am7 und C6.

Muster kannst du nur dann sehen,wenn du Frequenzverhältnisse mathematisch berechnest.

Das wollen wir Musiker aber nicht,also halten wir uns einfach an Intervall regeln.
Beim verdoppeln entfernt man sich allerdings ein wenig davon,bietet allerdings auch viele neue Möglichkeiten.
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