Testbericht: Fender Squier Std und/oder Epiphone Les Paul LH

Online-Ratgeber
von Truth91
#241154
Hallo zusammen,
ich bin noch Gitarrenanfänger und war auf der Suche nach einer neuen Gitarre für mich.
Ich besaß eine Harley Benton für 70€ (Strat Kopie), die klang für meine Ohren soweit „gut“. Ich hatte sie bei Thomann bestellt.
Nachdem man mir in meinem Gitarrenladen mitgeteilt hat, dass man die Gitarre leider aufgrund der schlechten Qualität nicht wirklich einstellen kann. Dieses war zwar ärgerlich, aber in der Phase in der ich mich befand, war es für mich noch OK.

Dann passierte es. Am unteren Gurthalter ist das Holz eingerissen. Die Gitarre habe ich daraufhin zurück geschickt und gefragt, ob es möglich wäre, sie zu reparieren (was ich nicht vermutet habe).
Ich bekam eine neue Harley Benton zugeschickt. Diese Gitarre hatte nicht einmal die Qualität der ersten. Die Tonabnehmer waren schief eingebaut und wackelten. Dabei wackelten auch gleichzeitig die Schrauben der Tonabnehmer mit. Es waren mehrere Lackfehler zu sehen und das Griffbrett wies Unebenheiten am Holz auf.
Diese zweite Gitarre hat einen leicht anderen Namen, meine erste Gitarre gibt es so nicht mehr. Wurde also tatsächlich die Qualität nochmals heruntergeschraubt?
Ich möchte den Musikversand, von dem ich die Gitarren hatte, natürlich nicht schlecht reden, der Service ist wirklich einwandfrei. Ich habe durch die neue Gitarre wieder eine 30-Tage-Geld-zurück-Garantie bekommen.
Jetzt habe ich mich doch für eine bessere Gitarre entschieden, mit solchen Geräten konnte ich nun wirklich nicht „arbeiten“.

Es tat sich für mich die Frage auf, was soll es werden?
Ich spiele hauptsächlich Hard-Rock und Blues. Ich möchte aber auch gerne flexibel sein und mal in Richtung Metal gehen oder etwas ruhig, clean spielen.

Da ich Linkshänder bin, verringert sich die Auswahl um viele interessante Produkte und Farben….leider.
Ich wollte auf jeden Fall zwei unterschiedliche Modelle testen. Da ich in meiner Nähe keinen großen Musikladen habe, musste ich wohl oder übel zwei Gitarren bestellen. Nachdem ich bei Thomann nachgefragt habe, wurde mir bestätigt, dass dies ohne weitere Probleme machbar sei. Ich kann eine Gitarre wieder zurückschicken, wenn ich mich entschieden habe.
Jawohl so wird’s gemacht….

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Ich habe mich zum einen für eine Fender Squier Standard Stratocaster entschieden:
https://www.thomann.de/de/fender_sqstd_lh3sb.htm
Da ich großer Ritchie Blackmore Fan bin, ist das für mich auf dem ersten Blick eine optimale Gitarre.

Die zweite Gitarre ist eine Epiphone Les Paul Standard:
https://www.thomann.de/de/epiphone_lp_std_eb_lh.htm
Diese Gitarre nahm ich vor allem wegen der Hambucker. Wenn es mal etwas härter werden soll könnte dieses die bessere Gitarre sein.

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Ich würde gerne mit der Besprechung der Fender Squier Standard Stratocaster anfangen.

Der Bericht über die Strat kann etwas länger ausfallen, weil ich vorher schon solch ein Modell besessen habe und so gut vergleichen kann.

Mein erster Eindruck als ich die Gitarre aus der Schutzhülle nahm:
- Wow, schwerer als meine billige Harley Benton
- Wow, die Farbe ist sehr geil

Daten:
- Fender untypische 22-Bünde und ein schlankes Profil
- 3 Alnico Singlecoil Pickups
- Agathis Korpus
- Ahorn Hals und Palisander Griffbrett
- große Kopfplatte


Aussehen und Spielgefühl
Die Gitarre hat eine sehr schöne antike Sunburst Lackierung, welche relativ dunkel ist. Das Schlagbrett ist eher untypisch: nicht weiß, sondern es hat ein besonderes Farbmuster.
Der Hals hat an seiner Rückseite den Fender typischen „Strich“ vom Halsstab.
Es wurde bei der Gitarre eine große Kopfplatte verwendet.
Der Hals lässt sich gut bespielen und hat keine scharfen Kanten oder raue Stellen, die das Gleiten der Finger am Hals entlang behindern könnten. Die Bundstäbchen sind sauber verarbeitet.
Die Stratocaster liegt sehr gut am Körper an. Durch das geringe Gewicht und dem abgeflachten Korpus an der oberen Kante.

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Verarbeitung und Mechaniken
Die Gitarre hat meiner Meinung nach eine sehr gute Qualität. Ich habe soweit nichts an der Gitarre entdecken können, das irgendwie schlecht verarbeitet ist. Keine Lackfehler oder schlecht angebrachte Mechaniken.
Man erkennt, wenn man genauer hinschaut, dass die Decke (dann wohl der ganze Korpus?) aus drei Leimhölzern besteht. Das Holzmuster hört plötzlich auf, weil ein neues Holz genommen wurde….falls man versteht was ich meine.

Das Tremolosystem ist gut verarbeitet und scheint nicht das billigste zu sein. Es hat zwei Gumminoppen zum Abfedern der Platte, wenn man den Tremolohebel benutzt.
Der Tremolohebel lässt sich relativ schwer ’reindrehen. Wenn man ihn zu weit ’reindreht. lässt er sich nicht mehr bewegen. Man kann dann schwer während des Spielens den Hebel „nach oben“ holen. Der Punkt an dem er schwer zu drehen ist, beginnt aber schon sehr früh. Der Hebel steckt nicht sehr tief im Gewinde.
Der Hebel reagiert sehr direkt, man muss nicht viel Druck ausüben um eine Tonveränderung zu erreichen. Der Nachteil: Schon bei der kleinsten Berührung des Hebels kann es zu Tonveränderungen kommen. Das ist zugleich ein großer Vorteil, wenn man ihn für eine Dive-Bomb oder ähnliches verwenden möchte.
Die Gitarre lässt sich gut stimmen und auch nach mehrmaligem verwenden des Tremolo Hebels ist sie noch relativ gut „in tune“.
Die Gitarre besitzt drei Alnico Singlecoil Pickups. Ein Fünfwegeschalter wählt dabei die verschiedenen Positionen zwischen den Pickups aus. (Hals – Hals / Mitte – Mitte – Mitte / Steg – Steg)
Mit zwei Tonreglern kann man die Tonhöhe der Steg- und Hals-Pickups ändern. Ein Volumeregler ändert bekannter Weise die Lautstärke.
Die drei Drehknöpfe lassen sich leicht drehen, und man erreicht den Lautstärkeregler gut mit dem kleinen Finger, wenn man während des Spielens daran drehen möchte.

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Sound
Man merkt deutlich einen klanglichen Unterschied zu meiner alten billigen Gitarre.
Der Sound ist wärmer und „greift“ besser. Das ist für mich schwer zu beschreiben. Der Ton ist direkt da, wo er sein soll. Das Rauschen der Singlecoil Pickups hält sich in Grenzen.
Die Squier klingt halt wie eine richtige Stratocaster klingen soll. Man erkennt deutliche Unterschiede zwischen den 3 Tonabnehmern und durch die Tonregler kann man dann seinen gewünschten Klang noch perfektionieren. Das funktioniert wunderbar.
Die Singlecoils brummen zwar, das ist klar. Sie brummen jedoch auf jeden Fall weniger als die meiner Billiggitarre. Wenn man auf der Zwischenposition spielt, verschwindet das Rauschen nicht ganz, aber es ist um einiges leiser.
Wenn man den richtigen Verstärker hat ist die Strat sehr vielseitig einsetzbar. (Jazz, Blues, Rock oder Clean)



Epiphone Les Paul Standard

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Mein erster Eindruck als ich die Gitarre aus der Schutzhülle nahm:
- Wow, die ist wie erwartet wirklich schwer
- Wow, die hat etwas Klassisches an sich.

Daten:
- 22 Bünde
- 2 Humbucker
- Korpus und Hals aus Mahagoni
- Palisander Griffbrett
- Ahorn Decke


Aussehen und Spielgefühl
Die Epiphone ist sehr edel, schwarz lackiert.
Der Korpus ist bauchig, wodurch sich durch die glänzende Lackierung das Licht spiegelt.
Das Schlagbrett einer Les Paul war für mich im ersten Moment etwas ungewohnt, das gab sich aber ziemlich schnell. Es besteht auch die Möglichkeit, das Schlagbrett abzuschrauben.

Der Kopf sieht genau wie die ganze Gitarre sehr edel aus. Der Les Paul typische Schriftzug in Gold sticht dabei hervor.
Der Hals ist gut verarbeitet und bietet einen guten Spielkomfort. Er ist etwas kürzer, was man aber nicht wirklich merkt. Der Unterschied zur Strat ist, wie ich finde minimal. Es handelt sich nur um Millimeter.

Durch das Gewicht der Gitarre hat man das Gefühl, dass die Gitarre „mächtiger“ klingt. Das liegt natürlich vor allem an den Tonabnehmern. Es ist doch ein anderes Gefühl wenn die Gitarre schwer ist. Leider ist die Les Paul am oberen Rand des Korpus nicht abgeflacht wie die Strat, daran gewöhnt man sich aber schnell.

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Verarbeitung und Mechaniken
Die Gitarre ist sehr gut verarbeitet. Besonders gut ist der (Klavier?-) Lack aufgetragen. Man sieht fast nicht, dass der Hals angeleimt ist.
Die Halterungen für den Gurt sitzen recht locker. Es sollte aber kein Problem sein, diese festzuschrauben.
Für den Steg- und Saitenhalter kann ich leider keinen Vergleich heranziehen. Sie sehen aber gut verarbeitet aus und scheinen nicht das Billigste zu sein.
Der Toggle-Switch hat drei Positionen um beide Humbucker einzeln anzuwählen oder die mittlere Position, um beide Tonabnehmer zu nutzen.
Die „Kreisplatte“ um den Toggle Switch ist irgendwie recht billig an den Korpus geklebt. Da kam mir der Gedanke auf: „Wie lange das wohl hält?“
Die Les Paul hat zwei Tonregler für jeweils einen Humbucker. Die Farbe der Regler soll wohl etwas Bernsteinfarbenes darstellen…..könnte ich mir schöner vorstellen ;)
Die Stimmmechaniken funktionieren einwandfrei. Zum Stimmen der Gitarren lassen sich die Mechaniken gut drehen. Diese sind nicht zu locker, und man kann sehr genau stimmen.

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Sound
Was mir sofort auffiel war, dass die Gitarre richtig brüllt oder einfach nur „fett“ klingt. Alles was ich dazu gelesen / gehört habe, hat sich somit bestätigt.
Die Humbucker rauschen nicht, was schon ein Vorteil ist. Aber so wichtig ist mir das nicht.
Die drei Positionen der Tonabnehmer sind deutlich im Klang zu unterscheiden. „Treble“ ist sehr direkt und klar, wobei „Rhythm“ sehr dumpf klingt und es kommt mir so vor, als würde der Ton verwischen. Er ist dann nicht mehr so klar. Der Tonunterschied, den man durch die Tonregler erreichen kann, ist hörbar und gut nutzbar.
Ich habe die Les Paul in mehreren Musikrichtungen getestet und auch verschiedene Amp-Einstellungen genutzt. Es fällt mir dabei schon auf, dass die Gitarre eher für Hard Rock und Metal gemacht ist. Sie ist aber auch sehr gut im Blues einsetzbar. Mir gefällt der Klang in einer „clean“ Einstellung ohne Verzerrung nicht so gut. Er ist mir zu tief oder dumpf.
Der Sustain der Gitarre ist schon erstaunlich. Der Ton hält sich um einiges länger als bei einer Strat, das gefällt mir sehr.

Entscheidung:
Letztendlich habe ich mich für die Fender Squier entschieden
• weil sie einfach vielseitiger ist,
• weil viele meiner Lieblingsgitarristen eine Stratocaster spielen,
• zudem liegt sie mir bequemer im Schoß und
• der Tremolo-Hebel hat auch seinen Reiz.

Ich würde mich über Kommentare und sonstige Erfahrung zu den Gitarren freuen.
Ich hoffe dieses Review hat einigen geholfen.

Rock on,
Truth91 =(=))=
Benutzeravatar
von Counterfeit
#241160
Hey,

an erster Stelle: Danke! Ein wirklich sehr ausführliches Review mit Bilder und allen drum und dran. Super!

Ich habe ebenfalls eine Les Paul Standard EB von Epiphone und kann deinen Eindruck eigentlich nur bestätigen. Zu dem Klang Clean habe ich eine andere Meinung, aber das ist halt Geschmackssache. Für mich genau richtig. Und ich kann dir sagen, auch nach über einem Jahr intensivem Gebrauch: Die "Kreisplatte" hält ;) Und auch sonst keine besonderen Abnutzungserscheinungen. Dass die Gurthalter locker sind, kann ich so nicht bestätigen, aber ist auch, wie du ja bereits sagtest, ohne Probleme fest zu schrauben. Das ist eine ganz normale Schraube die ins Holz gedreht wurde. Ich hab die allerdings mittlerweile durch Straplocks getauscht, da mir das bei dem hohen Gewicht einfach sicherer ist und mein billig Gurt den ich vorher hatte auch schonmal abgerutscht ist. Aber mit anständigen Gurt lässt sich das Gewicht der LP gut aushalten.
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von phunky
#241163
Wenn ich so eine Paula hätte, würde ich das Teil da um den Toggle-Switch eh austauschen.

Bild

:D
von Truth91
#241296
Natürlich ist der Klang meißtens nur Geschmackssache. Wenn man von schlechten billiggitarren ausgeht. Ist es meißt nicht mehr geschmackssache sondern einfach nur schlechter Sound.

Das mit dem Gurthalter ist natürlich keine große Kritik, war halt nur locker.

Wobei man nicht vergessen darf, das ich die Linkshänder Varianten haben. Da kann es leider Qualitativ unterschiede geben.
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von Motastic
#241355
Tremolo Hebel sollte KEIN Grund sein eine Squier Strat zu kaufen! Die hast du mit paar Bewegungen leichter verstimmt als dir lieb ist!
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