Gitarren-Tabs (Tabulatur) lesen lernen

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mjchael
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Gitarren-Tabs (Tabulatur) lesen lernen

Erstellt: von mjchael » 24.03.2011, 11:10

Einstieg in das Tabulaturlesen
Wenn ihr ein wenig in den Zupfmuster- und Picking-Workshops herumgestöbert habt, werdet ihr dort wohlmöglich auch ohne Einführung klar gekommen sein.

Wer schon Akkorde greifen kann, und weiß, dass Akkordbilder üblicherweise auf dem Kopf gedreht sind, der kommt relativ einfach mit Zupfustern klar, die in Tabulatur-Schreibweise geschrieben wurden. Aber trotzdem hier noch einmal eine kleine Einführung für die Anfänger.

Ich setze voraus, dass ihr schon ein paar Grundakkorde greifen könnt.
Ich setze ebenfalls voraus, dass ihr noch keine Tabulatur von irgendeinem Solo irgendeiner Band nachspielen wollt, und hier Fragen nach irgendwelchen Symbolen in der Tabulaturschreibweise sucht. Das würde für diese kleine Einführung viel zu weit führen.

Wer also wissen will, wie man ein bestimmtes Symbol deutet, der schaut lieber mal hier nach.
Typische Symbole in ASCII-Notation
Lest am besten gleich die ganze Seite mal durch!


Jetzt aber zur Einführung:


Zuerst eine Selbstverständlichkeit:
Bei Tabulaturen wird scheinbar alles auf dem Kopf gezeichnet.

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          E                   C                 G
A    E||---|---|---|    ||---|---|---|    ||---|---|-K-|
K    H||---|---|---|    ||-Z-|---|---|    ||---|---|---|
K    G||-Z-|---|---|    ||---|---|---|    ||---|---|---|
O    D||---|-R-|---|    ||---|-M-|---|    ||---|---|---|
R    A||---|-M-|---|    ||---|---|-R-|    ||---|-M-|---|
D    E||---|---|---|    ||---|---|---|    ||---|---|-R-|




Warum auf dem Kopf?
Nimm deine Gitarre, greife ein E-Dur, C-Dur oder G-Dur und drehe die Gitarre ein wenig zu dir hin. Wenn du auf deine Finger schaust, dann siehst du den Griff von oben.

Ich habe hier mal spasseshalber die oberen drei Griffmuster verkehrt herum gezeichnet

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ACHTUNG! FALSCH!
          E                   C                 G
D    E||---|---|---|    ||---|---|---|    ||---|---|-R-|
R    A||---|-M-|---|    ||---|---|-R-|    ||---|-M-|---|
O    D||---|-R-|---|    ||---|-M-|---|    ||---|---|---|
K    G||-Z-|---|---|    ||---|---|---|    ||---|---|---|
K    H||---|---|---|    ||-Z-|---|---|    ||---|---|---|
A    E||---|---|---|    ||---|---|---|    ||---|---|-K-|


Vergleiche das jetzt einmal mit deinen Fingern... um die Akkordbilder auf das Griffbrett umzusetzen, musst du hier bei dem unteren Beispiel alles spiegelverkehrt denken.
Du kannst mir glauben, dass es für die meisten Leute einfacher ist, das obere System auf die Gitarre zu übertragen.

Für diejenigen, die Noten lesen können, ist es auch um einiges einfacher.
Je höher ein Finger in der Tabulatur ist, desto höher ist in der Regel auch der Ton.

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                                      0
N ||-------------------------------0----||
  ||                            0       ||
o ||-------------------------0----------||
  ||                      0             ||
t ||-------------------0----------------||
  ||                0                   ||
e ||-------------0----------------------||
  ||          0                         ||
n ||-------0----------------------------||
        0
    -0-
     C  D  E  F  G  A  H  C  D  E  F  G

E||-----------------------------0--1--3-||
H||--------------------0--1--3----------||T
G||--------------0--2-------------------||A
D||-----0--2--3-------------------------||B
A||--3----------------------------------||
E||-------------------------------------||



Um einen Ton auf der Gitarre zu spielen muss ich 6 Dinge wissen
  • auf welcher Saite ist der Ton
  • welcher Bund
  • wann kommt der Ton
  • wie lange muss er ausgehalten werden.
  • welcher Finger greift
  • welcher Finger zupft

1.) Welche Saite muss ich greifen bzw. Zupfen?
da kann ich einfach von oben, bzw. von unten abzählen.

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|-------R-----|------<R>----|
|-----M---M---|-----M---M---|
|---Z-------Z-|---Z-------Z-|
|-------------|-------------|
|<D>----------|-------------|
|-------------|<D>----------|

Der Daumen <D> ist beim ersten Mal auf der A-Saite, also auf der zweiten von oben.
Beim zweiten mal auf der E-Saite, also auf der obersten Saite.
Der Zeigefinger ist auf der dritten Saite von unten.
Der Mittelfinger ist auf der zweiten Saite von unten.
Der Ringfinger ist auf der untersten Saite.
Nicht vergessen, auf der Tabulatur steht alles auf dem Kopf!


2.) In welchem Bund gehört der Finger
Oben bei dem reinen Zupfmuster kann ich aber nicht sehen, welcher Bund zu greifen ist

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C-Dur mit Wechselbass
|-------0-----|-------0-----|
|-----1---1---|-----1---1---|
|---0-------0-|---0-------0-|
|-------------|-2-----------|
|-3-----------|-------------|
|-------------|-------------|

Ansonsten:

Die Bünde werden einfach von links nach rechts durchnummeriert.
Wenn keine Saite zu greifen ist, dann schreibt man eine "0".
Soll ein Finger im ersten Bund, dann schreibt man an der Stelle eine "1"
beim zweiten Bund eine "2" und so weiter und so fort.
Greife mal einen C-Dur-Akkord, und überprüfe mal,
ob die Finger mit den Zahlen in der Tabulatur überein stimmen.

3.) Wann erklingt ein Ton?
Auch das ist einfach. Wie beim normalen Lesen, liest man auch die Tabulatur von links nach rechts.
Probiert mal diese weltbekannte Melodie nachzuspielen!

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|-0--0--1--3-|-3--1--0----|----------0-|-0------|
|------------|----------3-|-1--1--3----|---3--3-|
|------------|------------|------------|--------|
|------------|------------|------------|--------|
|------------|------------|------------|--------|
|------------|------------|------------|--------|


4). Wie lange muss ich einen Ton auszuhalten?
Tja, bei dem Beispiel waren fast alle Noten gleich lang, so dass man auch ohne Angaben der Notenlängen dahinter kommt, um welches Stück es sich handelt.
Doch man muss das Stück letztendlich kennen, um zu wissen, dass die letzte "0" und die letzte "3" länger ausgehalten werden muss, als die restlichen Töne.
Wenn man Glück hat, dann lässt der Schreiber entsprechend viele Platz für die Notendauer; aber darauf kann man sich nicht verlassen.
Oft hat man keine genauen Anhaltspunkt für die Dauer eines Tones.
Daher muss man das Stück, das man nachspielen möchte schon kennen, und die Tabulatur immer wieder mit dem Original vergleichen. Den Rhythmus hört man sich einfach heraus, und ahmt diesen nach.

Die einzige grobe Orientierung sind die Taktstriche, so dass zu zumindest mal ein Anhaltspunkt hast wo die "1" des Taktes hin muss. Der Rest ist heraushören, und teilweise raten.
Aber mal ehrlich, wann will man schon mal ein völlig unbekanntes Stück spielen?

Sehr gut ist es, wenn Noten mit ihren Fähnchen als Zeitangabe darüber stehen,
oder wenn die Tabulaturen mit Notenhälsen versehen sind.
Natürlich musst du dich vorher informieren, wie man die Notendauer interpretiert; und du solltest dich ein wenig mit Takt und Rhythmus auseinander setzen. Das kann man sehr gut bei Schlagmustern lernen.
Leider sind die Noten nicht immer mit dabei. Besonders bei den ASCII-Tabulatoren aus vielen Foren und Tabulatur-Portalen fehlen diese Angaben meist völlig.

Also da hilft nur: Tempo heraushören.
Tipp:
Eine Guitar-Pro-, Powertab oder Tuxguitar-Datei suchen.
Zur Not bringt einen eine Midi-Datei weiter. Bei der kann man mit einem entsprechenden Midi-Player auch das Tempo so weit verlangsamen, so dass man den Rhythmus einfacher heraushören kann.

5.) Mit welchem Finger muss ich greifen?
Das steht so gut wie nie mit dabei. Die einzige Angabe. bei der man absolut sicher sein kann, dass bei einer "0" gar kein Finger verwendet wird, sondern einfach die leere Saite erklingt.

Ansonsten muss man sich auf die allgemeinen Fingersatzregeln verlassen.
Die besagt: wo es möglich ist:
  • 1.Finger = 1.Bund
  • 2.Finger = 2.Bund
  • 3.Finger = 3.Bund
  • 4.Finger = 4.Bund
Natürlich, wenn man weiter im Griffbrett rauf rutscht, müssen auch die Bünde entsprechend weiter gegriffen werden.

Wenn innerhalb eines Bundes zwei Finger übereinander kommen müssen, dann kommt der Zeigefinger über dem Mittelfinger, dieser über den Ringfinger, dieser über den Kleinen Finger.
Beispiele:

Code: Alles auswählen

    Fingersatz 3. Lage
    beginnt mit Z im 3. Bund       A6 als Akkord
 
A   E||---|---|-Z-|-M-|-R-|-K-|   ||---|-K-|---|
k   H||---|---|---|---|---|---|   ||---|-R-|---|
k   G||---|---|---|---|---|---|   ||---|-M-|---|
o   D||---|---|---|---|---|---|   ||---|-Z-|---|
r   A||---|---|---|---|---|---|   ||---|---|---|
d   E||---|---|---|---|---|---|   ||---|---|---|

Das war jetzt keine Tabulatur. Es steht ja auch kein "TAB" davor, sondern "AKKORD".
die vielen "|" sind auch ein guter Hinweis. Das sind hier keine Taktstriche, sondern Bundstäbchen.

Oft orientiert man sich auch an den üblichen Fingersätzen, die man schon von den normalen Akkorden her kennt. Aber manchmal muss man einfach ein wenig herumprobieren, bis man den günstigsten Fingersatz heraus hat. Meist verlässt man sich auf Erfahrungswerte, die man beim Zupfen und bei Tonleiterübungen gesammelt hat.

6.) Mit welchem Finger wird gezupft?
Auch das steht nicht extra mit bei einer Tabulatur.
Als Faustformel kann man sich merken:
  • Der Daume übernimmt üblicherweise die oberen drei Saiten (E-A-D)
  • der Zeigefinger die G-Saite
  • der Mittelfinger die H-Saite
  • der Ringfinger die hohe E-Saite

Allerdings ist das bloß ein grober Richtwert.
Bei Bedarf können die Zupffinger auch höher oder tiefer angesetzt werden.
Wenn mehrere Töne gleichzeitig erklingen sollen, dann setzt man die einfach übereinander.



Die Kunst eine Tabulatur zu lesen besteht darin, Akkordbilder herauszulesen. Und später lernt man es, die Form einzelner Skalen wiederzuerkennen. An den Sachen kann man sich ein wenig orientieren.

Übung: Versucht einmal aus der folgenden Tabulatur einzelne Akkorde herauszulesen:

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 ||---|-------|-0---3-0-|-------|------||
T||---|-1---3-|-1-------|-3---0-|-0----||
A||-2-|-2-----|-0-------|-0-----|-0----||
B||---|-2-----|---------|-0-----|-2----||
 ||---|-0-----|-3-------|-------|------||
 ||---|-------|---------|-3-----|-0----||


Der erste Ton ist ein "A". Wie der heißt, braucht euch eigentlich noch nicht zu interessieren, nur, dass er im zweiten Bund (wegen der "2") auf der G-Saite gegriffen wird.
Ich würde ihn mit dem Mittelfinger zupfen, aber das steht wie gesagt nicht dabei.
Wer will kann den auch mit dem Zeigefinger zupfen.
Probiere mal beides aus, und du wirst selber sehen, was praktischer ist.

Greifen würde ich ich ihn allerdings mit dem Ringfinger.
Im ersten Moment habe ich keine Möglichkeit zu sehen, welcher Finger am besten genommen werden sollte, doch wenn ich mir die nächste Zahlenkolonne anschaue:
Zeigefinger=1.Bund=H-Saite; Mittelfigner=2.Bund-D-Saite; Ringfinger=2.Bund-G-Saite,
dann ist alles klar; das ist ein A-Moll. Alle 4 Töne klingen gleichzeitig zusammen.
Und vom Am her kann ich mir einen brauchbaren Fingersatz ableiten.

Die "3" neben dem Am-Akkord steht irgendwie für sich allein. Ich lasse den A-Moll erst mal gegriffen, setze aber noch den kleinen Finger auf die H-Saite in den 3. Bund.

Nächster Takt:
Na, habt ihr's rausgekriegt:
C-Dur greifen und zupfen und gegriffen halten.
danach den Kleinen Finger da, aufsetzten, wo er beim G-Dur-Akkord hin sollte, zupfen, wieder wegnehmen, und dann die Saite nochmal leer zupfen.

Dass der dritte Takt ein G-Dur ist, das ist etwas was man lernen muss,
aber das kommt mit der Erfahrung. (alternative Griffweise von G-Dur)

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Variante von G-Dur
x ||---|---|---|-
  ||---|---|-K-|-
G ||---|---|---|-
D ||---|---|---|-
  ||---|-M-|---|-
  ||---|---|-R-|-


Die 0 danach dürfte keine Probleme machen.

und wir enden mit?
E-Moll.

Wenn die Akkorde darüber stehen, sieht das ganze nicht mehr ganz so verwirrend aus, und wir müssen weniger raten. Du musst nur die Töne bestimmen, die vom normalen gegriffenen Akkord abweichen. (Hier sind sie eingeklammert.)

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    Am          C         G       Em
 ||---|-------|-0-(3)-0-|-------|------||
T||---|-1--(3)|-1-------|(3)--0-|-0----||
A||-2-|-2-----|-0-------|-0-----|-0----||
B||---|-2-----|---------|-0-----|-2----||
 ||---|-0-----|-3-------|-------|------||
 ||---|-------|---------|-3-----|-0----||

Man kann übrigens (wenn man will) den vollen Akkord greifen, auch wenn einige Finger gar nicht gebraucht werden. Natürlich muss man das nicht. (Ist aber oftmals einfacher!)

Na, habt ihr raus, was das für ein Anfang ist?
Ein weltbekanntes Stück...

Gruß Mjchael
Zuletzt geändert von mjchael am 27.07.2011, 13:06, insgesamt 3-mal geändert.

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Erstellt: von yam1000 » 26.07.2011, 12:46

Habe ich das jetzt in der Beschreibung falsch verstanden? Da steht, daß die Zahlen (0-4) die Bünde angeben, die zu greifen sind. Ich dachte, sie geben an, mit welchem Finger diese zu spielen sind, also: 0=ohne, 1=Zeigefinger, 2=Mittelfinger, 3=Ringfinger, 4=kleiner Finger.

Wo mache ich da jetzt den Denkfehler?

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phunky
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Erstellt: von phunky » 26.07.2011, 12:51

Da wo Du die Beschreibung mit den Bünden anzweifelst ;) Das ist schon richtig so. Die Fingersätze werden manchmal auch angegeben. Aber meistens nicht. Und wenn man Deiner Theorie folgen würde, was nützt es mir, wenn ich weiß welchen Finger ich benutzen muss, aber nicht weiß wo? Und welcher Finger ist 14?

yam1000
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Erstellt: von yam1000 » 26.07.2011, 13:10

Issn Argument ;)
Fiel mir nur auf, weil (wahrscheinlich durch Zufall) nur die Zahlen 0-4 zu lesen waren.

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