Klassische Bluessounds

Verzerrer, Delay/Reverb, Looper, uvm.
von T-Bone
#165797
Da ich im Forum noch diesbezüglich keinen Thread gefunden habe, möchte ich Euch mal einige klassische Bluessounds und das für sie erforderliche Equipment vorstellen. Es handelt sich bei ihnen natürlich nur um Vorschläge, die ihr nach belieben modifizieren oder kombinieren könnt.

Im Blues gibt es im Gegensatz zu anderen Musikstilen keine "amtliche" Kombination für den Blues-Sound schlechthin (wie z. B. eine Les Paul und ein Marshall für Rock, eine Tele und ein Fender Twin mit etwas Delay für Country oder eine Superstrat und ein Mesa Boogie Amp für Metal): Bluesmänner spielten und spielen viele verschiedene Setups, was die Auswahl natürlich nicht gerade erleichtert...

Zunächst möchte ich mal einige generelle Tipps für den Bluessound geben:

1. Saitenstärke

Die meisten Rockgitarristen spielen 09-er oder vielleicht 10er Saiten. Da im Blues jedoch meistens mit relativ wenig Verzerrung gespielt wird und das Spiel mit den Dynamiken sehr wichtig ist, sind 10er oder 11er Saiten eher der Standard als die Ausnahme. SRV hat gelegentlich sogar eine 16er Saite als Hohe E-Saite verwendet. Dies ist sicherlich für die meisten unter uns zu viel, trotzdem würde ich raten, das Spiel mit schweren Saiten zu üben. Dies ist für die meisten zwar eine enorme Umstellung, aber wenn man gelernt hat, die mit schweren Saiten bestückte Gitarre richtig zum Klingen zu bringen, merkt man schnell, dass sich jeder Tropfen Schweiss gelohnt hat.

2. Saitenlage

Hier gilt dasselbe, wie zu der Saitenstärke. Das heisst: Saitenlage eher hoch lassen. Dies verhindert Geklirre auch bei rauer Spielweise und macht es bei Bendings leichter, die hohen Saiten richtig zu greifen.

3. Röhrenamp

Dieser ist auch fast zwingend erforderlich für einen authentischen Bluessound. Ich weiss, dass auch manche Transistoren einen brauchbaren Sound produzieren. Trotzdem sind sie im Blues eigentlich verpöhnt.

Nun aber zu den verschiedenen Setups

1. Strat-mäßige Sounds

Die Strat als wohl berühmteste und beliebteste E-Gitarre wird natürlich auch gerne von Bluesern gespielt. Die folgenden Kombinationen sind dabei am beliebtesten:

a) Strat und Marshall

Jimi Hendrix spielte diese Kombination. Meistens waren seine Verstärker dabei sehr weit aufgedreht. Für die langsamen, bluesigeren Nummern wie Red House verwendete er meistens den Hals-Pickup, um einen möglichst "fetten" Sound hinzubekommen. Wenn Du es mit Jimi ernst meinst, solltest Du Dir darüber hinaus mit der Zeit ein Wah Wah, ein Fuzz Face und ein Univibe anschaffen.

b) Strat und Fender Amp

Stevie Ray Vaughan bevorzugte diese Kombination: obwohl er seine Amps häufig gewechselt hat, kriegst Du seinen Sound am besten mit einem Fender Amp hin. An Gitarren hat er vor allem alte Strats gespielt, die heute leider praktisch unbezahlbar sind. Das ist aber kein Grund zur Panik, denn Du hast viele preiswertere Alternativen, wie z. B. die "American Vintage"-Serie von Fender. Mit der SRV Signature Strat solltest Du vorsichtig sein, da die Form des Halses doch eher gewöhnungsbedürftig ist. Mit der Zeit solltest Du zudem die Standard-Pickups gegen Overwound-Modelle austauschen (die besten, die ich kenne, sind die "Irish Tour" von Bare Knuckle Pickups).

An Effekten brauchst Du unbedingt einen Tubescreamer, bei dem Du "Gain" sehr niedrig lassen und dafür "Level" weit aufdrehen solltest.

Und das wichtigste zuletzt: 11er Saiten sind das absolute Minimum. Und stimme immer auf Eb runter.

Ein fundamental anderer Fender-Sound ist der von Robert Cray: er spielt seine Strat am liebsten über einen Fender Twin ohne Effekte. Seinen Sound bekommst Du am besten dann hin, wenn Du eine der Zwischenstellungen verwendest und ohne Pick spielst. Wenn du noch ein wenig Chorus dazumischst, befindest Du Dich schnell im Knopfler-Koordinatensystem.

Andere Strat-Blueser sind noch Hubert Sumlin, Otis Rush, Walter Trout und natürlich Eric Clapton (obwohl dieser im Laufe seiner langen Karriere viele verschiedene Gitarren gespielt hat).

Für den kleineren Geldbeutel ist übrigens die Kombination einer guten mexikanischen Strat und eines Blues Junior ideal für alle Fender-Bluessounds. Noch ein Maxon OD 9 oder ein Ibanez Tubescreamer, und SRV wäre stolz auf Dich!

c) Gibson Les Paul-artige Sounds

Dies ist die extreme Alternative zu den Strat-Sounds. Blueser, die sie lieben, sind Billy Gibbons, Gary Moore, Luther Allison, Peter Green und Duane Allman

Während Du für den ZZ Top-Sound eher einen Amp ohne Master nehmen und ihn sehr weit aufdrehen solltest (für Leute, die keinen Trommelfellriss haben wollen, tut es auch ein Tubescreamer), brauchst Du für den Sound von Gary Moore sehr, sehr viel Gain. Als entweder einen Amp mit Master wählen oder mit verschiedenen - auch stärkeren - Verzerrern experimentieren. Für den berühmten Still got the Blues/Parisienne Walkways-Sound brauchst Du darüber hinaus noch einen Compressor und etwas Delay.

Einen sehr ähnlichen Sound spielt übrigens auch Johnny Winter: er bevorzugt ausgeflippte Gibson-Modelle wie die Firebird und spielt mit recht viel Gain. Albert King hingegen spielte eine Flying V und fügte als Effekt gerne einen MXR Phase 90 zu (Effektstärke SEHR niedrig lassen und auf das Pick am besten ganz verzichten).

d) Halbakustik-Sound

Der berühmteste Vertreter ist hier natürlich BB King: er spielt seine Lucille über einen Röhrenamp (super ist hier ein Fender Twin). Den Amp musst du sehr höhenbetont und ziemlich Laut einstellen. Für die singenden BB-Licks solltest Du auf Effekte ganz verzichten und viel an Deinem Vibrato arbeiten.

Andere, die gerne Halbakustikgitarren spielen, sind oder waren Alvin Lee, Freddie King, T Bone Walker und noch viele, viele andere.

e) Fender Telecaster mit Röhrenamp

Dies ist die Kombination für den frühen Chicago-Sound von Muddy Waters. Auch hier solltest du auf Effekte ganz verzichten und einen kleinen Röhrenamp verwenden, den aber sehr weit aufdrehen. Muddy Waters selbst spielte meistens über den hinteren Pickup und verwendete einen Daumenpick und häufig auch ein Slide. Andere, die dieses einzigartige Setup lieben, sind Albert Collins und Roy Buchanan. Aber Vorsicht: diese Kombination offenbart gnadenlos alle Defizite Deiner Spieltechnik!
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von Andre.S
#165798
Sehr schöner Beitrag ()(/(
von Gast
#165814
Klasse Arbeit
von Gast
#165820
3x ()/ !
von T-Bone
#165831
Danke Leute! Wenn jemand noch Ergänzungen hat, dann soll er schreiben!
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von phunky
#165873
Moin T-Bone,

vielleicht kannst Du noch was über Tunings sagen? Was ist da im Blues neben der Standard-Stimmung sonst noch so verbreitet, ich denke insbesondere auch an den Einsatz des Flaschenhalses?
von T-Bone
#165948
Die frühen Slide-Gitarristen wie z. B. Robert Johnson verwendeten gerne die offene G-Stimmung (D G D G H D) und die offene E-Stimmung (E H E G# H E), wobei sie auch oft mit einem Capo spielten, um die Akkorde ihrer Stimme anzupassen. Auch Bluesrocker wie Billy Gibbons, Duane Allman und Johnny Winter verwenden häufig diese Stimmungen.