Testbericht Ibanez GRG170DX

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Software-Pirat
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Testbericht Ibanez GRG170DX

Erstellt: von Software-Pirat » 17.06.2010, 22:42

Kaum eine Gitarre wird in diesem Forum für Anfänger öfters empfohlen als die Ibanez GRG170DX, vorallem wenn es um Musik der härteren Gangart geht. Ein Grund mehr, sich diese Gitarre in einen Testbericht etwas genauer anzuschauen. Auch ich machte meine erste Schritte auf der Ibanez, die sich nun seit etwas mehr als einem Jahr in meinen Besitz befinden, und obwohl mittlerweile eine Fender Stratocaster sich in meinen Zimmer aufhält, so verwende ich die Ibanez trotzdem regelmäßig. Gewissermaßen fällt es mir auch schwer etwas objektiv zu sein, ich versuche es trotzdem. Die Gitarre ist "Made in Indonesia" und Baujahr 2008. Im Handel sollte die Gitarre 229€ kosten, die Gitarre wird von Meinl-Vertrieb mit einem Gigbag und einem Gewebegurt ausgeliefer. Getestet hab ich sie an meinen Vox DA5.

Konstruktion und Fertigung: Der Korpus der Gitarre besteht aus Linde und besitzt die Form die bekannte Stratform, wenn auch die Hörner etwas spitzer zulaufen, als bei der original Strat. Die Farbe nennt sich "Black Night", wie eine legendäre Single von Deep Purple. Normale Menschen würden die Farbe einfach als schwarz bezeichnen, was auch paßt. Alternative gibt es sie auch in "Jewel Blue" (blau) und "Candy Apple" (Rot) und in einer limitierten Variante in weißer Farbe, die sich auch einfach nur "White" nennt. Linkshänder müssen übrigens mit der schwarzen Version vorliebnehmen.

Der Hals besteht aus Ahorn und besitzt ein eingefaßten Palisandergriffbrett. Schwarze Punkte auf dem weißen Binding markieren die Lagen auf der Oberkante des Griffbrettes. Das ist sehr schön, weil alles wunderbar zu erkennen sind. Die 24 Mediumbünde selbt besitzen Einlagen in Form von Haifischzähnen, wie ich erkannte nachdem ich es irgendwo mal gelesen habe. Sie sollen wohl der Gitarre ein aggressives und rockiges Aussehen verpaßen - naja, wie man's nimmt. Sieht aber trotzdem ganz gut. Der Hals ist relativ dünn und weißt ein D-förmiges Profil auf. Die Mensur beträgt laut Homepage 648mm. Die Bundstäbe sind übrigens gut verarbeitet worden, keine scharfe Kante stört beim spielen, so sollte es sein. Der Zugang zum Halsstab befindet sich an der Kopflatte, die sich hinter einer, von drei kleinen Schrauben gehaltenen Abdeckplatte versteckt hält. Die Kopflatte selbst ist leicht nach hinten gebogen, die Mechaniken sitzen alle in einer Reihe und verrichten dort prima ihren Job.

Die Gitarre besitzt mit dem Fat 10 ein einfaches Zweipunkt-Tremolo. Die Saitenhöhe ist leider nur durch erhöhen bwz. absenken des gesamten Tremolos einstellbar, dafür wurde es gut verarbeitet, keine scharfen Kanten stören, und die Intonation läßt sich auch prima einstellen. Die Federkammer wird durch eine Abdeckplatte bedeckt, die netterweiße einige Aussparungen besitzt. So lassen sich nicht nur die Saiten ohne Probleme wechseln, sondern auch das Tremolo einstellen, ohne das die Platte entfernt werden muß. Der Arm wird übrigens einfach nur eingesteckt und durch eine kleine Imbusschraube fixiert, was ich prima finde.

Die Gitarre besitzt drei Tonabnehmer in der klassischen HSH-Bestückung. Am Hals verrichtet ein PSND1 am Hals, am Steg ein PSND2 den Dienst, dazwischen befindet sich ein PSNDS-Singlecoil. Ausgewählt werden sie über einen 5-Wege-Schalter, der die Pickups einzeln schaltet, bzw. in den Zwischenpositionen den Einspuler und die jeweils dem Singlecoil zugewandte Spule aktiviert. Hinzu kommt ein genereller Volume und Tone-Regler. Auf ein Schlagbrett wurde verzichtet, warum auch nicht?

Praxis und Sound: Der dünne Hals läßt sich gut und schnell bespielen und gibt kein Grund zu klagen. Okay, der Hals meiner Fender gefällt mir zwar besser, aber zum Teil ist das auch die Geschmacksache jedes einzelnen. Das Griffbrett der Ibanez kommt mir auch etwas breiter vor, was meinen kleinen Händen jetzt nicht so gefällt. Aber hier mecker ich ein wenig auf hohen Niveau. Schlecht bespielen läßt die Gitarre sich auch von mir nicht. Die Saitenhöhe ist schön flach, bei etwas unsauberer Spielweise neigt die Gitarre etwas zum scheppern, was so weit aber kein Problem ist. Mittlerweile hat sich bei mir die Saitenhöhe durch "Experimente" am Halsstab und neuen, dickeren Saiten etwas erhöht, nur so mal erwähnt.

Das Tremolo ist soweit okay. Einmal im Gleichgewicht zwischen Feder- und Saitenzug richtig eingestellt, funktioniert es ganz anständig, sprich, man kann ein wenig nach oben und unten vibrieren, ohne Angst haben zu müssen, daß die Stimmung gleich komplett aus dem Ruder läuft. Ausufernde Dive-Bombs sollte man also vermeiden, hin und wieder darf man aber mal am Hebel ziehen (oder drücken). Das paßt schon.

Die Potiknöpfe lassen sich eigentlich ganz gut bedienen und sind auch schön griffig. Da aber jede Skala fehlt und nur eine kleine Kerbe die Potistellung markiert, läßt es sich leider nicht so gut erkennen, in welcher Position der Poti jetzt ist. Ich hab mir irgendwann damit geholfen, daß ich sie schlicht und ergreifend gegen schwarze Strat-Potiknöpfe getauscht habe. Außerdem dachte ich, die Gitarre sieht damit besser auf und zudem bekam sie ein Stück Individualität spendiert. So weit so gut, wems gefällt (mir!). Die Potis sind sehr leichtgängig, zu leichtgängig wie ich finde. Die könnten ruhig etwas schwergängiger sein. Zu leicht verstellt man da was, obwohl man es garnicht will.

Der Volume-Poti arbeitet ansonsten aber ganz ordentlich und macht ändert die Lautstärke schön gleichmäßig. Deutlich zu hören ist aber der Verlust an Höhen. Das ist bei passiven Pickups normal, läßt sich mit einem parallel zum Potentiometer angelöteten Kondensator und einen weiteren Widerstand, ebenfalls parallel zum Poti aber lösen. Der Tone-Poti arbeitet recht nuanciert, um kurz vor Schluß ziemlich drastisch zu zu machen.Das soll zwar auch auf hochwertigere Ibanez-Gitarren zutreffen, und ist zum Teil sicher auch eine Geschmacksache, ich hätte mir aber trotzdem einen gleichmäßigeren Verlauf gewünscht.

Nun kommt das wichtigste, der Sound, und hier kann die Ibanez ordentlich punkten. Bereits rein akustisch gespielt überzeugt die Gitarre durch gutes Schwingungsverhalten und einen schönen Sustain. Man spürt auch, wie der Korpus spürbar mitschwingt. Also schon mal gute Vorraussetzungen für die Puckups, und auch die machen einen ordentlichen Job. Clean gespielt überzeugt der Hals-Humbacker durch eine gewisse Wärme, der Sound kommt schön mittenbetont rüber, während der Steg-Humbacker positionsbedingt etwas härter und schärfer darherkommt. Auch der Singlecoil macht seine Sache gut, Akkorde kommen klar und deutlich rüber. Das paßt schon. Die Zwischenpositionen sind allerdings doch ziemlich vom Singlecoil dominiert und klingen zwar etwas weniger höhenreich, aber jetzt nicht so viel anders, als der Singlecoil selbst. Das kann man aber auch als Vorteil betrachten (was ich aber nicht tue), denn bei viel Gain rauscht der Singlecoil (wie erwartet) doch hörbar. Die Zwischenpositionen sind da etwas leiser, wenn auch nicht so, wie die Humbacker, die schön leise sind. Den Blick im E-Fach hab ich mir gespart, aber ich schätze mal, daß hier Ibanez ein wenig an der Abschirmung gespart hat, maximal Graphitspray. Selbstklebende Kupferfolie wäre besser, aber auch deutlich teurer gewesen, und schließlich sollte die Gitarre auch nicht zu teuer werden, oder? Außerdem hält sich das Rauschen bei cleaneren Sachen in Grenzen, und wer spielt schon mit viel High Gain auf einen Singlecoil, wenn er auch einen Humbacker hat?

Apropo leise: Ich hab zwar gerade behauptet, die Humbacker wären schön leise, daß bezieht sich aber nur auf das Rauschen, den der Output ist nicht von schlechten Eltern. Jetzt aber etwas mehr Verzerrung rein, und so langsam beginnt die Ibanez ihre Stärken zu zeigen. Vor allem im High-Gain-Bereich hat die Gitarre ihre Stärken, und vor allem der Steg-Humbacker macht hier ordentlich Druck. Freunde der härteren Gangart werden hier sicher ihren Spaß haben. Metal und Hard Rock, daß ist die Domäne der Ibanez, was auch die verwendenden Hölzer suggerieren. Okay, das alles gibt es sicher auch alles besser, aber eben auch zu dem entsprechenden Preis.

Fazit: "Wir können nur billig!" Dieser Werbeslogan einer bekannten Elektronikmarktkette trifft auf die Ibanez GRG170DX sicher nicht zu, außer auf den Preis. Denn, gar nicht mal so schlecht, was der indonesische Herrsteller da zusammen gebaut hat, vor allem die Verarbeitung ist makellos und es wurden schon deutlich teurere Gitarren gesehen, die hier schlechter abschnitten. Aber auch Sound und Bespielbarkeit sind beide voll im grünen Bereich, besonders für diesen Preis, und Spaß mit dieser Gitarre abzurocken hat man hier auf jeden Fall. Gezielt aufgerüstet mit anderen Pickups, einer Abschirmung des E-Faches, eventuell anderen Potis, läßt sich sicherlich noch das eine oder andere aus dem Instrument herausholen, den die Grundvorraussetzungen sind nicht schlecht. Für Metal und Hard Rock sollte man sich aber schon etwas begeistern können, den primär für diese Musikrichtungen wurde die Gitarre gemacht, was aber nicht bedeutet, daß sie im sanfteren Bereich versagt. Wer gern viel mit dem Tremolo macht, sollte sich mal die größere Schwester GRG270B anschauen, die ziemlilch identisch aufgebaut ist, aber mit dem "Edge Pro III" das bessere Tremolo besitzt. Gitarrenanfänger und Gitarristen mit schmalen Geldbeutel und einer Schwäche für die härtere Gangart dürfen also ruhig mal anspielen.

+ Verarbeitung
+ Bespielbarkeit
+ gute Sounds zum günstigen Preis
+ gute akustische Basis
- Potis zu leichtgängig
- Zwischenpositionen stark vom Singlecoil dominiert
- Verlauf des Tone-Poti nicht gleichmäßig

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Saradiesense
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Erstellt: von Saradiesense » 18.06.2010, 15:39

Sehr schönes Review!

Vielen Dank ()(/(

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PeterW.
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Erstellt: von PeterW. » 18.06.2010, 22:17

Einfach gelungen!

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