Gitarrensaiten: Tipps zum Stimmen (günstige Stimmgeräte & ihre Macken)

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Simse
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Gitarrensaiten: Tipps zum Stimmen (günstige Stimmgeräte & ihre Macken)

Erstellt: von Simse » 01.06.2010, 20:04

Mal ein bisschen was zum Stimmen mit Stimmgeräten für die Anfänger. Vielleicht ist was was dabei was das ein oder andere Problem bei euch löst.
@Mods: Wenn euch dieser Artikel gefällt könnt ihr ihn ja irgendwo pinnen wenn ihr wollt :)

Los gehts:


440 Hz sollte die Standardeinstellung für das Gerät sein. Für die meisten Spieler hier sind die höheren oder tieferen Werte erstmal uninteressant. Der Ton der mit 440 Hz schwingt wäre das A4.
(unsere A-Gitarrensaite klingt mit dem Ton A2, also 2 Oktaven tiefer mit der Frequenz 110 Hz).
Schlagen wir jetzt die Saite A an, dann hören wir nicht nur den Grundton A2 (wenns richtig gestimmt ist sondern gleichzeitig auch noch die verwandten Obertöne.
http://de.wikipedia.org/w/index.php?tit ... 0402100934
Auf diesem Bild seht ihr z.B. welche Töne alle mitschwingen wenn man den Ton C1 zum klingen bringt.
Warum hören wir nicht viele unterschiedliche Töne sondern glauben nur 1 Ton zu hören? Wen's interessiert liest den nächsten Absatz, aber danach gehts dann wirklich ums Stimmen :)

Grundlegendes zu Frequenzen und Tönen

Der Grunton klingt am lautesten und ist daher am ehesten hörbar. Die Obertöne klingen leiser mit umso mehr sie vom Grunton entfernt sind. Unser Gehör macht aus dem "Frequenzgemisch" einen Gesmatklang. Bei bestimmten Intervallen kann man das Gehör z.B. auch täuschen, sodass man glaubt bestimmte Töne wahrzunehmen, obwohl die gar nicht gespielt wurden. Aber das ist ein ganz anderes Thema und hat was mit "Psychoakustik" zu tun.
Abweichungen in den Lautstärken der Obertöne können durch die Eigenfreuquenzen bestimmter Hölzer oder Bauweisen der Gitarren gegeben sein, aber am ehesten merkt man es an der Anzupfart (Plektrum oder Finger). Zupft man mit der weichen Fingerkuppe, treten weniger Obertöne hervor und der Klang ist wärmer und weicher. Zupft man mit Plektrum an treten mehr Obertöne hervor und der Klang wird klarer und definierter. Dasselbe passiert wenn man z.B. beim Schalloch anzupft oder sehr nah an der Brücke/Steg. Am Steg klingt es obertonreicher am Schalloch etwas wärmer und grundtöniger.

Warum erkennt mein Stimmgerät den Ton nicht??
Ein Grund könnte folgender sein:
Bei jedem anzupfen wird die Saite ein bisschen gedehnt. Zupft man z.B. wirklich mal sehr stark an, wird die Saite "überdehnt" (Bending ist z.B. extremes überdehnen) und statt dem Ton A mit 110 Hz (bei der leeren A-Saite) erklingt ein Ton mit vielleicht 112 Hz oder 115 Hz bevor die Saite sich "normalisiert" hat in ihrem Schwingverhalten. Das dauert zwar nur ein 1-2 Sekunden, kann aber ein Stimmgerät schon durcheinander bringen.
Ein anderer Grund:
Die Abweichung zwischen dem vom Gerät erwarteten Ton und dem erklingenden Ton ist zu groß und liegt schon ausserhalb dem Bereich der Lämpchen oder des Zeigers.
Das kommt z.B. vor allem beim Neubesaiten vor.
Manche Stimmgeräte haben eingebaute Lautsprecher mit denen man den Klang des richtigen Tons auch anhören kann. Dann kann man die Saite so gut es geht schonmal in die Nähe von dem Ton bringen den das Gerät vorgibt und kann danach wieder mit Lämpchen oder Zeigern weitermachen :) Kann dein Stimmgerät keine Töne ausgeben, dann hilft entweder ein Online-Stimmgerät oder ein Keyboard (wenn eins da ist) um nach einem vorgegebenen Ton zu stimmen.

Stimmgeräte und ihre Macken
3.) Die Stimmgeräte aus dem normalen Handel können jedoch die Obertöne gar nicht oder nur sehr ungenau messen, sondern beschränken sich nur auf den Grundton. Einige wenige messen auch den 1. Oberton, aber das ist dann auch nur ein Tropfen auf den heissen Stein :) Mein eigenes Stimmgerät für Klaviere ist eine spezielle Entwicklung damit alle erklingenden Obertöne auch erfasst und mitgemessen werden (fürs Klavierstimmen ganz entscheidend!) und allein das Programm kostet "nur" knappe 500 €. Der Handheld-PC der die nötigen Ressourcen hat damit das Programm problemlos läuft liegt auch nochmal bei ca. 400 Euronen. Dafür ist es aber wirklich unbetrügbar und spricht supersensibel an und misst bis auf ein hundertstel Hertz exakt.
"Ja ist der denn bescheurt 900 Euro für ein Stimmgerät auszugeben?" werdet ihr euch jetzt fragen Ich brauch das Gerät ja für mein Beruf und da sind sehr hohe Maßstäbe gesetzt was das Stimmen angeht. Das Beste ist da gerade gut genug. Jedoch sollte man nie vergessen seinem Gehör zu vertrauen. Das ist immer noch die sicherste Methode!

Stimmen mit günstigen Stimmgeräten

Wenn das Stimmen nicht richtig klappt , z.B. mit einem 10-Euro-Gerät, dann liegt es meist auch an der Sensibilität der Geräte. Manche reagieren recht grob, nicht schnell genug oder erst ab einer bestimmten Lautstärke.
Die Geräte mit den rot-grün-Leuchten gehören dabei nicht zu meinen Favoriten, obwohl manche auch recht gut sind. Mir persönlich sind die Geräte mit digitalem oder analogem Zeiger viel lieber, da man direkt die Veränderung beobachten kann und nicht auf das aufleuchten bestimmter Lampen warten muss. Umso weniger Lampen, desto größer können die Abweichungen und die daraus resultierenden Unreinheiten beim Stimmen entstehen. Geräte mit 3 Lampen sind dann z.B. nicht so genau wie Geräte mit 10 Lampen. Am besten (rein visuell) funktionieren bei mir die Geräte mit analogem oder digitalem Zeiger.
Uns Normal-Gitarristen reicht so ein Lämpchen-Gerät aber durchaus schon aus um eine Gitarre zu stimmen, jedoch sollte man im Hinterkopf behalten, dass die günstigen Geräte nicht die genausesten und reaktionsschnellsten sind. Deshalb ist es immer sicherer den Ton mehrmals zu kontrollieren.
Noch ein Tip zum Schluss
Was ich selber schon sehr oft erlebt hab bei günstigen Geräten: Wenn das Gerät nur noch Blödsinn anzeigt hilft es manchmal auch kurz 1 oder 2 Sekunden zu warten bis sich das Gerät wieder "beruhigt" hat und dann erneut anzuzupfen. Das liegt daran, dass manche Geräte erst mal 1-2 Sekunden lang einmessen und dann erst anzeigen was los ist. Dämpft man die Saite abrupt ab, kommt es oft vor, dass das Gerät trotzdem noch was anzeigt oder leuchtet. Diese 1-2 Sekunden Verzögerung sind der Grund warum man irritiert werden könnte beim Stimmen.
Auch bei Gitarren mit eingebautem Tuner ist mir das schon untergekommen.

Das wars erstmal von meiner Seite. Also dann, FROHES STIMMEN ALLERSEITS :)

Stringbender
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Erstellt: von Stringbender » 04.10.2010, 14:46

Wenn man mal n A (kammerton) brauch kann man glaub ich ach einfach den Telefonhörer abnehmen...muß n altes Telefon sein...das Tuten ist nein A :)
There's only one kinda blues - Son house

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jimihendrix
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Wohnort: Rimbach Odw.

Erstellt: von jimihendrix » 10.03.2011, 15:52

also, ich weiss nicht....aber ich benutze die Stimmgabel mit 440 Hz. Die kostet 6€ und mit ein bisschen "geschultem Gehör" stimme ich die Gitarre nahezu perfekt.
Aria A 573 Konzert 4/4 von 1980
Mahagoni/Rosenholz (Seriennr.: 005131)

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