Tiefe E-Saite beim C-Dur-Akkord

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mjchael
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Tiefe E-Saite beim C-Dur-Akkord

Erstellt: von mjchael » 29.03.2010, 13:25

Hellraiser (PN an Mjchael) hat geschrieben:Hallo mjchael,
mir ist aufgefallen das im Lagerfeuerdiplom beim C-Dur Akkord die tiefe E-Saite mit
angeschlagen wird. Das ist doch nicht richtig, oder?

Gruß
Helli :twisted:


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Ja, das ist richtig.

Lies dir mal die Fußnote zum D-Dur-Akkord durch!

Fußnote im Lagerfeuerdiplom hat geschrieben:
Entgegen einiger falscher Behauptungen ist es beim D-Dur-Akkord nicht verboten, die 2. Saite von oben mit anzuschlagen. Der Ton A (das ist die zweite Saite von oben) gehört mit zum D-Dur-Akkord.

Es mag ja sein, dass sich einige Stücke besser anhören, wenn man den Basston D (die dritte Saite von oben) als tiefsten Ton hat und die A-Saite meidet, doch es ist generell nicht verkehrt, wenn das A (versehentlich oder absichtlich) doch mal mitklingt.

Und bei der einfachen Liedbegleitung in der Tonart D-Dur fällt es so gut wie keinem Zuhörer auf, dass der Ton A im Bass liegt und nicht, wie es meist bei Zupfmustern angestrebt ist, der Ton D.

Beim Folkdiplom werden wir mit den Zupfmustern viel mehr auf die Basstöne eingehen, und dann stellt sich automatisch ein besseres Gefühl für den Basston ein.

(Anm.: Folkdiplom - Basstöne)

Ein D-Dur-Akkord mit einem A im Bass kennen Klavierspieler als eine Umkehrung der Grundstellung.

In der Tonart G-Dur (die wir ab der 3. Lektion lernen) stört eine solche Umkehrung überhaupt nicht.

Bei Zupfmustern mit einem Wechselbass wird meist der Basston D zuerst angeschlagen. Doch der tiefere Basston A wird oftmal beim zweiten Mal als Wechselbass angeschlagen.

A als Basston beim D-Dur-Akkord zu meiden ist völlig unnötig und letztlich hinderlich für das Üben der Anschläge.


Das gleiche gilt auch für den C-Dur-Akkord! Zwar nimmt man lieber den Ton G als Wechselbass, aber vom Prinzip her macht es keinen Unterschied.

Bild

Du kannst die obere E-Saite ruhig wie beim D-Dur-Akkord meiden, aber es ist kein Fehler, wenn sie doch mal mitklingt.

Etwas anders ist es bei dem D-Dur-Akkord, wo die tiefe E-Saite auf keinen Fall mitklingen darf, denn sie ist kein Akkordton.

Das tiefe E beim C-Dur-Akkord schon.

Gruß Mjchael

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Thyradin
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Erstellt: von Thyradin » 01.04.2010, 19:40

Das Problem bei den Bassaiten ist, was mir aufgefallen ist, dass ein anderer Basston z.B. beim Am sich anders in das Klangbild einfügt, als beim C-Dur: Wenn der Basston die Quinte darstellt, wie wenn man beim Am die E-saite mit anschlägt, so klingt es, finde ich, passender, als wenn man beim C-dur die E-saite mit anschlägt, weil es die Terz ist.
Man kann also durch Induktion zum Schluss kommen, dass eine Quinte im Basston sich besser anhört als ne Terz^

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mjchael
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Erstellt: von mjchael » 01.04.2010, 20:47

Tja, das stimmt leider nicht so ganz. Deine Induktion hat einen kleinen Fehler, da du nicht alle Fakten beachtet hast.

Achtung:
Das ist nichts mehr für Anfänger,
sondern das hier geht etwas ins Eingemachte.


Damit ihr folgen könnt:
Von einem Grundton (hier C) aus gesehen ist der dritte Ton (E) die Terz, und der fünfte (G) die Quinte.
Vom Ton E aus gezählt ist C der sechste Ton (Sexte).
Das sind die Intervalle, aus denen sich ein Akkord aufbaut.

@Thyradin
Recht hast du damit, dass sich beim C-Dur-Akkord das E im Bass nicht so gut anhört als das G im Bass.

Aber das Hauptproblem ist nicht die Terz im Bass, sondern dass die Quinte zwischen der Terz (tiefe E) und dem Grundton (C) fehlt. Man kann leider nicht gleichzeitig die leere E-Saite und das G auf dem 3. Bund der E-Saite greifen.
Aber ohne das G ist der Abstand zwischen der Terz und dem Grundton zu groß ist.

Unser Ohr ist es einfach gewohnt dazwischen eine Terz oder eine Quarte zu hören. Hat was mit Hörgewohnheit, aber auch mit Physik zu tun. Da fehlen quasi einige Obertöne, die man sonst bei allen natürlichen Geräuschen und Tönen wahrnimmt. Dieses Fehlen stört uns ein wenig.

Mit einer Quarte hätte man einen Sextakkord
Vom Ton E aus wird automatisch eine Terz (G) und dann noch eine Sexte (C) mit hinzu genommen.
Das ist die erste Umkehrung eines C-Dur-Akkordes
Terz(E) Quinte(G) Grundton(C)

Bei einem Quartsextakkord kommt keine Terz, sondern eine Quarte mit hinzu.
Vom Ton E aus wäre die Quarte ein (A) und dann noch eine Sexte (C).
Das wäre die zweite Umkehrung eines A-Moll-Akkordes.
Quinte(E) Grundton(A) Terz(C)

Wenn es also keinen vermittelnden Ton zwischen E und C gibt, hört sich der Intervall etwas undefiniert an. Da man aber beim C-Dur-Akkord noch die ganzen hohen Saiten mit dabei hat, fällt es beim Schlagen nicht mehr so auf. Nur beim Zupfen stört es etwas mehr.

(Allerdings habe ich das Problem damit sehr grob verallgemeinert, damit ich das Grundproblem überhaupt darzustellen kann. Natürlich kennt man in der Musik auch weite Lagen, wo man genau mit so großen Abständen wie einer Sexten arbeitet. Also nicht alles 100% auf die Goldwaage legen.)

Beim D/F# (200232) oder beim D7/F# (200212) stört die Terz (F#) im Bass gar nicht, weil noch die Quinte (A) auf der A-Saite mit dabei ist und zwischen dem Grundton und der Terz im Bass vermittelt.

Den Akkord brauche ich immer wieder beim Picking in G-Dur, und da hört es sich alles andere als schlecht an, wenn die Terz im Bass liegt.

Beispielsweise hab ich beim Melodiepickingworkshop den D/F# im Refrain von Whiskey in the Jar eingesetzt, und du kannst dich selbst davon überzeugen, dass sich das D mit der Terz (F#) im Bass alles andere als schlecht anhört.

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/3/31/Picking_Whiskey_in_the_Jar.mid

Wenn man einfache Lieder schrummelt, dann braucht man nicht so genau aufzupassen, ob man das tiefe E beim C-Dur-Akkord meidet oder nicht. Es hört sich bestimmt besser an, wenn man es tut, aber es heißt nicht, dass es sich schlecht anhört, wenn man es nicht tut.

Schlagworte:
Akkordumkehrungen
(Hier 2. und 3. Umkehrung = Sextakkord und Quartsextakkord)
Hört euch mal das Hörbeispiel auf der Wikipedia an: Obertonspektrum das sind die Töne, die unser Ohr üblicherweise erwartet ausschnittsweise zu hören. Darauf ist es von Kindheit auf geeicht. Fehlende Intervalle werden als fremdartig oder störend empfunden, weil es irgendein Hindernis geben muss, dass diesen Intervall filtert. Es gehört also zur Fähigkeit, sich akustisch zu orientieren.

Obertonreihe
Bild

Au weia, das war mal wieder mal eine geballte Ladung Theorie :lol:

Gruß Mjchael
Zuletzt geändert von mjchael am 01.04.2010, 21:03, insgesamt 2-mal geändert.

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Thyradin
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Erstellt: von Thyradin » 01.04.2010, 20:59

Oh okay, dein Verständnis für Töne und Akkorde scheint meine weit überlegen. Ich kenn im Prinzip auch die Theorie und durch ausprobieren bin ich zu oben genannter Erkenntis gekommen, habe aber nicht gewusst, dass es jetzt nicht allein an der Terz liegt, sondern am großen Abstand^^ zwischen der Terz und der damit verbundenem, oktavierten Grundton.

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Erstellt: von mjchael » 01.04.2010, 21:07

Mach dir nichts draus, ich beschäftige mich einfach nur ein paar Jährchen länger damit als du!

In ein paar Jahren wirst du es sein, der die Fortgeschrittenen etwas tiefer in die Materie einführt. :D

Gruß Mjchael

ps.: Frohe Ostern!

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