Hat euer Gitarrenlehrer einen "Roten Faden" für euch?

ES335
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Hat euer Gitarrenlehrer einen "Roten Faden" für euch?

von ES335 » 14.08.2014, 17:48

Ich besuche seit knapp 6 Monaten einen Gitarrenlehrer und habe den Eindruck, dass er keinen roten Faden für mich hat. Insbesondere, weil er sich zum Teil nicht an die letzte Unterrichtsstunde erinnern kann (ok, bei zig Schülern vielleicht normal) und mich fragt, was wir letztes Mal gemacht haben und sich darauf hin überlegt, was wir dann heute machen. Im großen und ganzen geht es schon Richtung Blues und Improvisation (wie anfangs besprochen und auch seine Spezialität)

Habt ihr ähnliches erfahren oder ist euer Lehrer so drauf, das er ein langfristiges Ziel definiert und auch genau weiß, was letztes Mal gezeigt wurde und dieses Ziel mit euch verfolgt?

Wird euer Leistungsstand und euer Fortschritt überprüft? Indem der Lehrer es sich vorspielen lässt oder so?

Danke schon mal für eure Antworten.

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Mick
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von Mick » 14.08.2014, 18:00

Bei mir war's so, dass entweder der Lehrer oder/und ich 'nen Song ausgesucht hatte.
Den Song und somit auch die Techniken die im Song verwendet wurden habe ich dann mit Hilfe gelernt und natürlich auch als "Hausaufgabe" zu Hause dran gesetzt.
Kann sein, dass er sich mal vertan hat, aber eigentlich war er immer dabei und wusste wo wir stehen blieben.

Wenn der das immer vergisst gibt mir das den Eindruck, dass er den Beruf (oder die Nebenbeschäftigung) gar nicht ernst nimmt.
Ab und zu mal ist das aber ok und verständlich.

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mjchael
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von mjchael » 14.08.2014, 18:53

Ich finde eigentlich einen roten Faden für unentbehrlich, aber es gibt einige Gitarrenlehrer, die haben nur so eine wabernde Vorstellung, was sie einem beibringen werden.

Im Klassikbereich gibt es ganz klar umrissene Ziehlvorgaben, die noch aus den alten Gitarrenschulen hervorgehen. (so um 18 Jahrhundert von Aguado, Sor, Diabelli, Tarrega, Carcassi und wie sie alle heißen).

Da ich aber selbst sehr lange über ein Konzept für eine moderne Gitarrenschule nachgeforscht habe, weiß ich, dass viele gar kein richtiges Konzept haben. Oder wenn die Leute ein Konzept haben, legen sie es nicht unbedingt dar. Von daher darf man es Gitarrenlehrern nicht unbedingt verübeln, wenn sie keinen strikten Lehrplan haben.

Wichtig ist, dass du weiterkommst, und dass du ständig etwas neues lernst.
So lange das gegeben ist, kann man auch mal über anderes hinwegsehen.

Sollte der Gitarrenlehrer keine Zielvorgaben machen, würde ich ihn einfach mal beiläufig darauf ansprechen.
"Was muss ich noch lernen..."
"Woran muss ich noch arbeiten..."
"Was kommt in der nächsten Zeit dran..."
etc.

Dann kannst du deinen Lehrer mit seinen eigenen Worten einen Hinweis geben.
"Du wolltest mir doch ..... beibringen."

Nur wenn der Unterricht gar zu konfus ist, und du selbst den Eindruck hast, auf der Stelle zu treten, würde ich darüber nachdenken, mir mal einen anderen Gitarrenlehrer anzusehen.

Gruß Mjchael

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startom
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von startom » 14.08.2014, 18:53

Ich spreche mal aus der Sicht des Lehrers mit zurzeit 14 Gitarrenschülern und einer Schülerband.

Für jeden einzelnen Schüler habe ich ein Datenblatt, wo ich mir jede einzelne Stunde notiere. Ausserdem bereite ich mich auf jeden Schüler vor. Das Ziel ist, dass mein Schüler das Gefühl hat, ich sei nur für ihn da.

Natürlich verfolge ich auch einen roten Faden, der ist jedoch für jeden Schüler individuell, egal ob Fingerpicking, Solospiel, Liedbegleitung, Musiktheorie etc.

Die "administrative" Arbeit, die ich für jeden meiner Schüler habe, ist grösser als die einzelne Unterrichtsstunde. Dies kommt aber den Schülern zugute.

Das dein Lehrer sich nicht an die letzte Unterrichtsstunde erinnern kann, zeugt von mangelnder Organisation und Respektlosigkeit dir gegenüber. Nicht jeder gute Gitarrist ist ein guter Gitarrenlehrer... auch wenn das viele 'gute' Gitarristen glauben.
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Tom

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von Carabas » 14.08.2014, 19:25

Ich mache mit meinem Lehrer sehr gute Erfahrungen, er analysiert jede Woche meine Fortschritte und passt den Unterricht und die Übungen meinen Fortschritten an. Auch wenn nicht alles auf den ersten Blick einen Sinn macht, so mache ich doch jede Woche einen kleinen Schritt nach vorne.
Früher war ich unentschlossen, heute bin ich mir da nicht mehr so sicher.

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von uc_uc » 15.08.2014, 11:38

Also, ein roter Faden sollte schon vorhanden sein. Der Muss jetzt nicht strikt, stur und starr sein, aber es sollte schon klar sein wohin der Weg mit welchen Zwischenschritten langgeht.

Verherrender finde ich jedoch die Aussage, dass der Lehrer nicht mehr weiss was er mit dir letzte Stunde gemacht hat. Das geht garnicht finde ich. Mein erster Lehrer hatte das auch manchmal und vermittelte auch allgemein öfters mal den Eidnruck von Konzept- und Lustlosigkeit.
Seitdem ich gewechselt habe bereue ich das ich nciht schon frührer den Abgang bei ihm gemacht habe.

Mein jetziger Lehrer hat die Unterlagen für die Stunde vorbereitet, ggf. Playback o.ä. vorbereitet und kennt meine Schwächen an denen wir arbeiten ganz genau. Er weiss genau wo ich hin will und wie er mich dahin bringen kann.

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Ratatosk
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von Ratatosk » 15.08.2014, 11:41

Ich nehme zwar derzeit keinen Unterricht und hatte die meiste Zeit auch keinen aber ich hatte schon drei Lehrer. Allerdings immer nur von kurzer Dauer. Meine erste Lehrerin war am Besten. Wir haben anhand eines Lehrbuches uns lang gehangelt. Da war ich aber nur 4 Stunden weil mir meine Arbeit dazwischen kam und eine eingeschränkte Mobilität. Dann hatte ich einen Lehrer, der das nebenbei gemacht hat - volle Katastrophe. Der hat versucht irgendwelche kruden Stücke zu spielen - gerne auch selbst komponiertes. Er meinte es würde Sinn machen ihn bei den Unterrichtsstunden zu filmen mit dem Handy, so dass man sich die Stücke dann immer wieder anschauen kann. Hat auch nicht lange gehalten , er hat aber selber das Handtuch geschmissen wegen Depressionen. Und dann hatte ich noch einen Lehrer den ich sehr gut fand aber bei dem man merkte dass er wirklich nur einen ganz klaren roten Faden für Anfänger ausgearbeitet hatte, ich glaube wirklich dass ein Anfänger da auch gut aufgehoben war. Bei mir fehlte dann der Faden zunehmend. Daher kenne ich auch die Fragen: Wo waren wir das letzte Mal? oder Haben wir das eigentlich schon mal gemacht? oder Warst Du das der das und das lernen wollte?. Naja, irgendwie hatte ich noch nicht das wirklich glückliche Händchen mit einem Lehrer. Liegt aber auch an mir denke ich mal - wahrscheinlich habe ich zu lange alleine gelernt. Ich denke ich würde mich wieder nach einem Lehrer umsehen, wenn ich ganz spezielle Techniken oder Stile lernen wollte. Ansonsten habe ich erst Mal die Schnauze voll. Das Spiel mit anderen bringt mich derzeit viel weiter.

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mjchael
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von mjchael » 15.08.2014, 13:35

Wen es interessiert:

Mein Konzept bei den Wikibooks

Ist aber nur für das erste Jahr bis zweite Jahr interessant, und am ehesten für Gitarristen, die hauptsächlich Liedbegleitung machen.

Aber mit dem Konzept kann man recht gut Wissenslücken abklappern (auch die E-Gitarren bzw. Sologitarren-Spieler). Oder es köpnnte einfach nur mal eine Idee sein, wie so ein Lehrplan aussehen könnte...

Durch den roten Faden weiß ich immer, was ich jemanden beibringen kann; auch wenn er nicht mein eigener Schüler ist, und sich mal eben ein spontaner Workshop ergibt. Ein einzelnes Unterrichtskonzept für bestimmte Schüler erübrigt sich dadurch meistens. Die Zeit nutze ich eher, um neues Übungsmaterial bzw. neue Lieder für die Schüler vorzubereiten.

Nur in den Zeiten, wenn ich eine Gruppe in schnelle und langsame Schüler aufgeteilt habe, oder wenn in einer Gruppe mal einzelne Leute gefehlt haben, muss ich mal nachfragen, wo wir das letzte mal stehengeblieben sind :lol:

Gruß Mjchael
Zuletzt geändert von mjchael am 19.08.2014, 14:05, insgesamt 1-mal geändert.

ES335
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von ES335 » 18.08.2014, 11:58

Vielen Dank für die vielen Antworten. Ich habe erst mal den direkten Weg gesucht und meinen Lehrer angesprochen. Das fand auch er sehr gut und wir haben uns gemeinsam ein Ziel und einen Weg gesucht.

mjchael hat geschrieben:Wen es interessiert:
Mein Konzept bei den Wikibooks...


Danke, das ist sehr interresant, auch wenn ich darüber hinaus bin, gut mal so einen Plan nachzulesen.

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mjchael
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von mjchael » 18.08.2014, 19:39

:D Na dann wurde ja beiden geholfen! ()/

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GuitarRalf
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Der Faden zu meinem GU muß wohl noch gespinnt werden

von GuitarRalf » 04.09.2014, 21:52

Als ich die Gitarre hielt, überlegte ich: was kannste damit machen.
Da ich percussiv mich 4 Jahre lange mit 2 mit Ziegenfell bespannten Holzzylindern beschäftigte, kam spontan die Idee die Seiten anzuschlagen. Dem zufällig anwesenden Besser gefiel das nicht so recht. Nun ja, das Scheppern der Seiten auf den Tonabnehmer war ...anders. Also begann ich mit Musiktheorie und praktischer Umsetzung auf einfachstem Niveau . C D E F G A H - Kein es kein is, kein re mi fa oder sol. Den Rat mich auf alles außer Flats und Sharps zu konzentrieren kam in den vergangenen Monaten von unterschiedlichen Lehrern mehrmals. Die Eine - Saite - Technik war füe die 6-saitige E-Gitarre etwas wenig, so daß ich nun die Noten C D E F G H mir auf dem Griffbrett raussuche. Was nun schnell und langsam geht. Nach Ablauf der Garantie löste sich die Schutzummantelung zu meinem Gitarrenstecker auf, und die nun sichtbaren Drähte könnte man zu einem Faden spinnen. Da C D E F G H A etwas .. mickrig.. ist, orientiere ich mich zur Zeit am Blues und an der Pentatonic Skala. Bevor weitere Ideen umgespielt werden, gilt es erstmal die Fehlerquote zu reduzieren - und das Tempo halten. Ich spiele die Bluesskala vertikal in 8 Sekunden. Damit bin ich unterhalb der Schwingungsdauer der tiefen E-Saite. ( gemessene 10,6 Sekunden) und oberhalb der hohen E-Saite (gemessene 6,7 Sekunden). =)=)= Ansonsten bleibe ich beim 1 - 4 - 5 Schema.

MfG
Dateianhänge
Musik-Gitarre-EAH.gif
Nachtrag: Zeispanne Akkordbild : 4,5 Sekunden
Zeispanne Akkordmutation : 1,5 Sekunden
Musik-Gitarre-EAH.gif (265.78 KiB) 506 mal betrachtet

DasHannes
weint bei Forumsausfall
Beiträge: 34
Registriert: 16.12.2009

von DasHannes » 05.09.2014, 21:52

Der roten Faden im Unterricht hängt stark von den persönlichen Zielen des Schülers ab. Die meisten Lehrer die ich kennen gelernt habe passen sich da vorwiegend dem Schüler an, als es "traditionell" umgekehrt zu machen und ein Konzept vorzugeben. Manche wollen klassische Konzerte spielen, andere wollen groovige Rhythmussachen lernen und Freunde beeindrucken, wieder andere suchen für sich selbst einfach ein bestimmtes Gefühl und spielen nie vor anderen.

Bei mir selbst gab es praktisch keinen roten Faden, aber ich bin trotzdem sehr weit gekommen in kurzer Zeit. Ich ging hin und entweder hatte ich etwas im Kopf, das mir gefiel und ich fragte ihn, wie ich es lerne, oder er spielte mir verschiedene Sachen vor bis ich sagte "Stopp, das will ich lernen". Obwohl der Ansatz sehr praxisorientiert scheint brachte es auch immer wieder Theorieeinschübe mit sich, die einfach nötig waren um zu verstehen, was ich da spiele. Wieviel das gebracht hat hab ich bei einer Freundin gemerkt, die doppelt so lange wie ich mit ihrem Instrument beschäftigt ist (12 gegenüber 6 Jahren), im Orchester und einer Band spielt und trotzdem weniger von der Theorie weiß, als ich.

Im wesentlichen zeigt sich über diesen Ansatz von allein, wie tief der Schüler tatsächlich in die Materie will und das finde ich sehr gut. Es bringt nichts jemandem, der eigentlich nur Lagerfeuergitarre mit ein paar pickings spielen will Notenlesen und großartig Musiktheorie beizubringen etc.

Was den Stand meiner Skills angeht wurde gar nix überprüft, mein Lehrer ging nur sicher, dass ich verstehe wie das Stück oder die Passagen fehlerfrei zu spielen sind, ob ich das dann zur Perfektion übe oder nicht war mir überlassen. die Stücke nicht perfekt machen zu müssen war für mich persönlich sehr entscheidend um die motivation zu erhalten. ich habe die stücke dann eher später nochmal neu angeschaut und verbessert als mich in dem moment damit aufzuhalten. traditionelle schulen schlagen an der stelle natürlich die hände über dem kopf zusammen.

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